Archiv der Kategorie: Craft Beer

Giesinger – Münchner Hell

Giesinger Bräu wurde 2006 im Münchner Stadtteil Obergiesing gegründet. Was als kleines Garagenprojekt begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer der etablierten Privatbrauereien Münchens mit eigenem Braustandort, großem Sortiment und moderner Ausstattung.

Ein wichtiger Schritt war der Ausbau der Brauanlage im Norden Münchens, in Milbertshofen (WERK2), inklusive eines über 150 Meter tiefen Brunnens. Das so gewonnene Wasser gilt als klassisches „Münchner Wasser“ — eines der Kriterien, damit eine Brauerei ein offizielles „Münchner Bier“ herstellen darf.

Mit der Produktionserlaubnis für echtes Münchner Wasser und der Erfüllung weiterer Vorgaben (Stammwürze, Alkoholgehalt, Bitterkeit) ist Giesinger seit 2021 eine von nur wenigen Brauereien, die offiziell ein „Original Münchner Hell“ brauen dürfen. Dieses brachte Giesinger im Jahr 2021 auf den Markt, das nach allen traditionellen Kriterien gebraut wird: mit Münchner Wasser aus eigenem Tiefbrunnen, mit einer Stammwürze und Bitterkeit, die in den vorgeschriebenen Bereich fallen.

Goldgelb und kristallklar präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist recht klein, bleibt aber lange erhalten.

Das Bier duftet nach Getreide und hellem Malz, abgerundet durch blumige Noten. Mein erster Eindruck ist: das Münchner Hell ist ein ausgewogenes Bier ohne Ecken und Kanten. Mal sehen, ob sich dieser Eindruck auch der Zunge bestätigt.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße aus. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, dabei aber auch kräftig, ohne die Weichheit und Milde des Mundgefühls zu stören. Die Malzaromen stehen im Mittelpunkt und erinnern an Brotkruste, dazu kommt eine gut auf die Süße abgestimmte Bittere. Abgerundet wird der Geschmack durch einige grasige Noten. Jetzt zeigt sich, wie schlank der Körper und wie süffig das Bier ist. Und ja, auf der Zunge bestätigt sich mein Eindruck: das Bier ist sehr gut ausbalanciert. Auch in der Kehle bleibt die Bittere mild, während sich die blumigen Noten etwas verstärken.

Zu diesem Bier passt gut eine typische bayrische Brotzeit oder auch ein Schnitzel.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Bittereinheiten:

18 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Giesinger Biermanufaktur GmbH
Martin-Luther-Str. 2
81539 München
www.giesinger-braeu.de

De Achelse Kluis – Superior Dark

Die Achelse Kluis, im belgischen Ort Hamont-Achel in der Region Limburg gelegen, war lange Zeit eine der bekannten Klosterbrauereien Belgiens. Ursprünglich stammt die Gemeinschaft aus dem 17. Jahrhundert: 1686 wurde aus einer kleinen Kapelle ein Kloster.

Der Braubeginn im eigentlichen Sinne liegt im 19. Jahrhundert: Ab 1850 wurde erstmals – unter Mönchen – Bier produziert. Später entwickelte sich die Abtei zur offiziellen Klosterbrauerei mit regelmäßiger Produktion. Nach einem langen Stillstand während des 20. Jahrhunderts — insbesondere durch den Ersten Weltkrieg und die Demontage der Brauanlage 1917 — wurde der Betrieb erst 1998 wieder aufgenommen. Unterstützt wurde der Neustart durch erfahrene Mönche anderer berühmter Abteien wie Westmalle Abbey oder Rochefort Abbey. Mit der Wiederaufnahme ab 1998 gehörte Achel zu den offiziell anerkannten Trappisten-Brauereien und trug das Siegel Authentic Trappist Product (ATP).

Das machte die Biere zu Teil der exklusiven Gruppe der Trappistenbiere, die weltweit einen besonderen Stellenwert genießen. Doch 2021 kam der Einschnitt: Die letzten Mönche verließen das Kloster – damit war die Voraussetzung für das Trappistensiegel nicht mehr gegeben.  In der Folge verkaufte man 2023 die Abtei an einen privaten Unternehmer, wodurch Achel offiziell keine Trappistenbrauerei mehr ist.

Trotzdem soll die Produktion unter Beibehaltung der Rezepte weitergehen. Der neue Besitzer plant, die Produktionsmenge von zuletzt etwa 5.000 Hektolitern pro Jahr zunächst auf 12.000 und mittelfristig sogar auf 40.000 Hektoliter auszubauen.

Vor dem Statusverlust gehörten zur Produktpalette Biere mit verschiedenen Alkoholstärken, klassifiziert meist nach „Blond“ und „Bruin“ sowie stärkeren „Extras“. Typische Bierlinien waren z. B. „Achel Blond 8°“, „Achel Bruin 8°“ und die „Extra“-Versionen mit rund 9,5 % Alkohol. Der Braustil blieb auch unter dem neuen Eigentümer grundsätzlich klassisch belgisch: obergärig, mit kräftiger Malzbasis und – je nach Variante – dunklem Charakter oder goldener Farbe. Auch nach dem Wegfall des Trappistensiegels wird betont, dass an den Rezepturen und dem generellen Braustandard festgehalten wird. Jetzt ist es aber genug der Vorrede, öffne ich die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Im Glas präsentiert sich das Superior Dark in einem tiefen Dunkelbraun, das an Mahagoni erinnert. Die cremige, haselnussbraune Schaumkrone hält sich sehr lange.

In der Nase entfaltet sich ein komplexer Duft nach Karamell, braunem Zucker, Kakao und Trockenfrüchten wie Rosinen und Datteln. Dazu kommen feine Anklänge von Kakao, dunklem Holz und die typisch belgischen Hefewürzen, die dem Bier zusätzliche Tiefe verleihen. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine sehr feinperlige und trotzdem kräftige Kohlensäure aus, die dem Bier eine angenehme Spritzigkeit verleiht. Dazu kommt eine präsente und doch nicht dominante Malzsüße. Auf der Zunge zeigt sich die ganze Spannung zwischen dunklem Malz, fruchtigen Noten und einem Hauch dunkler Schokolade. Trotz seines kräftigen Alkoholgehalts wirkt das Superior Dark erstaunlich ausgewogen; die alkoholische Wärme ist spürbar, aber elegant eingebunden. Das Mundgefühl ist recht schwer und samtig-weich. In der Kehle dominieren bittere und süße Noten, nicht allzu intensiv und trotzdem langem Nachklang.

Kulinarisch ist das Achel Superior Dark ein vielseitiger Begleiter. Geschmorte Fleischgerichte wie Rinderbraten, Lammhaxe oder Wildragout harmonieren hervorragend mit der malzigen Tiefe. Auch kräftige Käsesorten wie alter Gouda oder Blauschimmelkäse passen wunderbar. Wer es süß mag, findet in Schokoladendesserts, Lebkuchen oder Fruchtkuchen ideale Partner für die warmen Aromen des Bieres.

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Bittereinheiten:

18 IBU

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

De Achelse Kluis
de Kluis 1-A
3930 Hamont-Achel
Belgien
www.achelsekluis.be

Hoppen un Molt – Summer Ale

Über die Brauerei Hoppen un Molt aus Warnemünde habe ich bereits bei der Beschreibung anderer Biere geschrieben. So kann ich jetzt direkt zur Verkostung des Summer Ale kommen.

Golden und mit leichter Hefetrübung strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die feinporige weiße Schaumkrone ist nur klein, bleibt aber sehr lange erhalten.

Das Bier duftet fruchtig nach Zitrus und Honig, abgerundet durch einen angenehmen Karamellduft sowie den Duft hellen Malzes aus dem Hintergrund. Da freue ich mich doch auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist durch die kräftige Karbonisierung spritzig und überraschend trocken. Auf der Zunge stechen besonders die Aromen nach Zitrusfrüchten und Grapefruitkernen hervor. Zusammen mit dem schlanken Körper ist das Bier frisch und sehr süffig. In der Kehle übernimmt eine freundliche fruchtige Bittere das Kommando, ohne dabei zu kräftig zu werden. Trotzdem klingt der Geschmack sehr lange nach.

Zu diesem Bier passen gut indische Curries, überbackenes Baguette oder gebratenes Fischfilet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Bittereinheiten:

20 IBU

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Hoppen und Molt
Friedrich-Barnewitz-Str. 3
18119 Warnemünde
www.hoppen-molt.de

Dulion – IPA

Die Brasserie Dulion hat ihren Sitz in Rillieux-la-Pape (Rhône, Region Auvergne-Rhône-Alpes in Frankreich). Die Brauerei verfolgt ein ungewöhnliches, ökologisches Braukonzept: Statt klassisch gemälzter Gerste nutzen sie sogenanntes „Raw Grain Brewing“. Das heißt: Die Brauerei verarbeitet Rohgetreide (z. B. Gerste, Weizen, auch alternative Getreidesorten), das sie gemeinsam mit lokalen Bio-Landwirten liefert — von der Ernte bis zum Endprodukt. Damit sparen sie Energie und Wasser und setzen auf Rückverfolgbarkeit. Dulion versteht sich als „Future Tradition“: Die Brauerei will zeigen, dass handwerkliches Bierbrauen und nachhaltige, regionale Landwirtschaft zusammenpassen können.

Golden und opalisierend mit einer feinporigen schneeweißen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum bleibt sehr lange erhalten.

Das Bier duftet nach Limetten und Grapefruit, dazu kommen florale Noten und ein ganzer Korb voll Südfrüchte. Bei der Auswahl der Hopfen haben die Brauer ein sehr glückliches Händchen gehabt.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine kräftige Karbonisierung aus, die dem Bier eine ordentliche Frische verleiht. Das Mundgefühl ist schlank, wobei auf der Zunge eine kräftige und trotzdem freundliche Bittere auftaucht, hinter der die Fruchtigkeit zurücktritt. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere legt noch einen Zahn zu. Zusammen mit der Fruchtigkeit klingt die Bittere sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerste, Weizen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Farbe:

6 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Dazu passt:

würziger Käse, Indische Curries, gegrilltes Gemüse

Brauerei:

Brasserie Dulion-Lyon
130, Avenue de l’Industrie
69140 Rilleux-La-Pape
Frankreich
www.brasseriedulion.com

Maisel & Friends – Luna Hop

Maisel & Friends richtet jedes Jahr einen großen Hobbybrauerwettbewerb aus, bei dem ambitionierte Heimbrauerinnen und -brauer ihre besten Kreationen einreichen. Das Siegerbier wird anschließend offiziell bei Maisel & Friends eingebraut und deutschlandweit in limitierter Auflage verkauft. 2025 setzte sich Markus Klössinger mit seinem Italian Style Pils durch – und genau daraus wurde Luna Hop. In diesem Jahr hat Markus Klössinger den Wettbewerb gewonnen.

Da der Bierstil Italian Style Pils in Deutschland nicht allzu verbreitet ist, hier eine kurze Beschreibung des Stils: Ein Italian Style Pils ist ein moderner, mediterran interpretierter Pilsner-Stil, der in den 1990er-Jahren in Italien entstand. Er verbindet die knackige Trockenheit und die klare Struktur eines klassischen, deutschen Pils mit einer aromatischeren, oft expressiveren Hopfenblume. Typisch ist der Einsatz von edlen europäischen Hopfensorten – häufig auch Kalthopfung –, die dem Bier florale, kräuterige oder zitrusbetonte Noten verleihen. Im Vergleich zu deutschen Pilsbieren wirkt ein Italian Style Pils oft etwas aromatischer, duftiger und leicht moderner, gleichzeitig bleibt das Malzprofil bewusst schlank und sauber.

So, jetzt bin ich aber bereit, die Flasche zu öffnen und das Bier zu verkosten.

Hellgoldfarben und leicht opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die schneeweiße Schaumkrone ist eher klein und sie fällt recht flott in sich zusammen.

Das Bier duftet nach hellem Malz und bringt zusätzlich kräuterige und florale Noten in meine Nase. Ein Hauch Zitrus verleiht dem Bier eine angenehme Frische.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Ich könnte das Bier auch als angenehm frisch bezeichnen. Auf der Zunge kommen die Aromen des Hopfens stärker zum Vorschein als ich es aufgrund des Aromas erwartet habe. Dazu kommt eine knackige Bittere, die aber nicht aufdringlich wirkt, sondern auf die Aromen gut abgestimmt ist. Das Mundgefühl ist schlank und leicht. In der Kehle tritt die Fruchtigkeit in den Vordergrund und wird von der Bitteren angenehm unterstützt. Der Geschmack klingt sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Brasserie Minne – Ardenne Wood Mon Loup 2023

Es gibt ein Problem mit den Beschreibungen der Brasserie Minne. Ständig gibt es neue Biere und wenn ich die Biere bekomme und verkosten kann, sind sie im Handel kurz danach nicht mehr zu bekommen. So ist es auch mit dem Ardenne Wood Mon Loup aus dem Jahr 2023, das in Bourbon-Fässern gereift wurde. Da mir die Biere bislang aber alle sehr gut gefallen haben, will ich auch dieses Bier hier vorstellen und hoffe, dass Sie meine Kritik verwenden, zu entscheiden, ob Sie die kommenden Biere aus dieser Brauerei kaufen wollen.

Dunkel bernsteinfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas. Die Schaumkrone fällt praktisch sofort in sich zusammen. Das ist aber stiltypisch und nicht zu kritisieren.

Das Bier duftet nach Eiche und Whiskey. Aufgrund der Auswahl der für dieses Bier verwendeten fünf Malze ist das Aroma so intensiv, dass es durchaus an Barley Wine erinnert. Daher kommt auch das Karamellaroma, während das Aroma nach Trockenpflaumen eher vom Hopfen stammt.

Der Antrunk zeichnet sich durch die stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Kohlensäure aus. Die Süße bleibt auch auf der Zunge erhalten, wo sich noch die Fruchtigkeit dazugesellt, die an Trockenfrüchte erinnert und die sich sehr gut mit den Holzaromen verbindet, von denen ich vermute, dass sie von einer Eiche stammen. Der Eindruck nach Wein ist nicht so kräftig wie in der Nase. Die Säure ist nur verhalten zu schmecken und eine Bittere kann ich jetzt fast nicht feststellen. Stattdessen bemerke ich jetzt den Geschmack roter Früchte. Überhaupt ist die Fruchtigkeit das herausstechende Merkmal dieses Bieres. Auch in der Kehle ist die Bittere her zu erahnen und die Früchte stehen weiterhin im Vordergrund und der Geschmack klingt sehr lange nach, während der Alkohol im Magen wärmt. Ganz zum Schluss kommen noch Kräuteraromen zum Tragen, die an Anis erinnern. Jetzt könnte ich fast den Eindruck haben, dass ich kein Bier trinke, sondern einen Likör.

Schade, dass es dieses Bier nicht mehr zu kaufen gibt. Ich hätte mir ansonsten sicher noch einige Flaschen auf Vorrat zugelegt. Kein Wunder, dass dieses Bier Sieger bei den Community Awards 2024 und 2025 geworden ist.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Nelson Sauvin, Citra, Mosaic), Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brasserie Minne
ZA Nord Bailonville 9
5377 Somme Leuze
Belgien
www.brasserieminne.be

Orca Brau – Wanderlust

Orca Brau ist eine junge Craft-Brauerei aus dem Norden Nürnbergs, gegründet von Felix und Susa im Jahr 2017. Auf ihrer eigenen 10-Hektoliter-Anlage brauen sie eine breite Palette an Bieren – von klassisch-traditionellen Bieren über moderne Pale Ales bis hin zu experimentellen Suden.

Orca Brau steht für Vielfalt, Kreativität und Charakter. Ihr Motto lautet frei übersetzt: „Orcas sind Freigeister.“ So testet die Brauerei regelmäßig neue Hopfen, Malze und Hefen, bleibt dabei aber immer trinkbar und gut ausbalanciert.

Jetzt steht das wanderlust vor mir, ein Pale Ale. So modern das Etikett gestaltet ist, verwundert es mich doch, dass alle Beschriftungen in Kleinschreibung gehalten sind. Ich erinnere mich, dass diese Schreibweise Ende der 1960er Jahre mal modern war und als ich 1971 meine Lehre als Schriftsetzer begonnen habe, galt die reine Kleinschreibung bereits als unmodern und überholt. Ansonsten gefällt mir das Etikett sehr gut und wenn das Bier die gleiche Qualität hat wie das Etikett, bin ich mit dem Bier mehr als zufrieden.

Golden und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Leider fällt die Schaumkrone schnell in sich zusammen, weshalb die Optik etwas enttäuschend ist. Da sollten die Nürnberger Brauer noch einmal nachbessern.

Aber das Aroma gibt sich dann alle Mühe, mich wieder mit dem Bier zu versöhnen. Ich rieche Zitrusfrüchte und Orangenschale, Honig und Ananas, dazu weitere Südfrüchte wie Maracuja und Litschi, abgerundet durch einen Hauch Hefe. Vor allem ist das Aroma wirklich kräftig, was beweist, dass die Brauer mit dem Hopfen nicht gegeizt haben.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge tritt eine freundliche Bittere in den Vordergrund, kräftig, aber ohne aufdringlich zu werden. Aber auch die Fruchtigkeit der verwendeten Hopfensorten und auch die Malzsüße kommen zu ihrem Recht. Das Mundgefühl ist leicht und schlank, so dass das Bier angenehm süffig ist. In der Kehle wird die Bittere kräftiger, wo sie auch lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Mosaic, Citra, Simcoe), Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Orca Brau GmbH
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Hoppen un Molt – Weizen

Mitten in Warnemünde, nur einen Steinwurf vom Hafen entfernt, braut Hoppen un Molt seit 2015 charakterstarke Biere, die weit mehr sind als regionale Durstlöscher, sondern ein bewusst gewählter Gegenpol zur industriellen Bierproduktion. Seit 2020 betreibt das Paar ein eigenes Ladengeschäft in der Alexandrinenstraße, das sich schnell zu einem beliebten Treffpunkt für Einheimische und Urlauber entwickelt hat. Hier gibt es frisches Bier, Zubehör und in einer angenehmen entspannten Atmosphäre einen direkten Draht zu den Machern.

Hoppen un Molt achtet dabei sehr auf den Umweltschutz. Die Brauerei arbeitet mit Ökostrom, verwendet das Kühlwasser nach der Nutzung noch zum Wässern des Gartens und setzt auf Mehrweg. Da die Brauerei nicht weit vom Strand und vom Hafen entfernt ist und wohl auch viele Gäste sich ein frisch gezapftes Craft-Bier mit an den Strand nehmen wollen, verwendet die Brauerei Pfandbecher, so dass der Plastikmüll in dem Ostseebad minimiert wird. Aber kommen wir zum Weizenbier.

Golden und mit kräftiger Hefetrübung strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber steht eine gemischtporige Schaumkrone, die langsam in sich zusammenfällt.

Das Bier duftet stiltypisch nach Banane und Nelke, abgerundet durch etwas Vanillearoma.

Der Antrunk ist recht trocken und er überzeugt durch eine sehr feinperlige Kohlensäure. Die angenehme Trockenheit des Bieres bleibt auch auf der Zunge erhalten. Allerdings gesellt sich jetzt eine gewisse Säure dazu und ich frage mich, ob die wirklich gewollt ist oder ob es sich hier um einen Bierfehler handelt. In einem Wettbewerb würde ich das Bier für die Säure abwerten. Trotzdem ist das Mundgefühl weich und voll und das Bananenaroma kommt gut zum Tragen. Auch in der Kehle ist die Banane noch zu schmecken, begleitet durch eine für ein Weizenbier kräftige Bittere.

Noch kurz ein Wort zur Säure: ich habe das Bier bereits vor längerer Zeit gekauft und als ich es verkostet habe, war es etwa zwei Wochen vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Es ist also durchaus möglich, dass dieser (vermutliche) Bierfehler bei der Abfüllung noch nicht feststellbar war.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

12 IBU

Farbe:

7 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 10° Celsius

Brauerei:

Brauerei Hoppen un Molt
Inhaber: Henry Gidom
Fritz-Reuter-Str. 24
18119 Warnemünde
www.hoppen-molt.de

Hanssens Artisanaal – Framboos

Hanssens Artisanaal ist in Dworp (Belgien) beheimatet, im Pajottenland nahe Brüssel. Der Familienbetrieb wurde bereits im Jahr 1871 von Bartholomé Hanssens gegründet. Heute leiten Sidy Hanssens (die Urenkelin) und ihr Mann John Matthys den Betrieb in der vierten Generation.

Ursprünglich wurde dort braunes Tischbier gebraut. Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Brauerei ihre Kessel abgeben und stieg in die Kunst des Blenders (Geuze-Stecher) ein.

Hanssens kauft Würze (1–2 Tage alt) von mehreren Lambic-Brauereien und reift sie in offenen Eichenfässern, damit wilde Hefen aus der Umgebung einwandern. Die Reifung dauert mehrere Jahre, anschließend wird ohne ein Standardrezept gemischt – auf diese Weise wird jede Charge einzigartig.

Hanssens ist Mitglied im HORAL („High Council for Artisanal Lambic Beers“), einer Organisation, die auf traditionelle Arbeitsweisen beim Herstellen des Lambic achtet.

In den letzten Jahren wurde die Kelterei modernisiert, u. a. durch eine Klimatisierung des Fasslagers, um Säure-Entwicklung besser zu kontrollieren. Trotzdem gilt: Durch diese Arbeit wird die alte Lambic-Tradition erhalten – mit reinem Handwerk, wilden Hefen und Holzfassreifung. Trotz Modernisierung bleibt die Verbindung zur Vergangenheit und zur Region stark.

Nun ist es aber genug der Vorrede und ich will mit der Verkostung beginnen.

Blassrosa und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum bildet sich nur kurz und verschwindet rasch – stiltypisch für einen Lambic.

In der Nase stehen die Essignoten des Bieres im Vordergrund, während sich das Aroma der Himbeeren überraschend zurückhält. Auch ein wenig Roséwein meine ich zu riechen und aus dem Hintergrund lugt noch etwas holziges hervor.

Eine leichte Süße ist der erste Eindruck, als das Bier auf meine Zunge trifft. Schnell gesellt sich eine kräftige fruchtige Säure dazu und jetzt kommen auch die Himbeeren deutlich kräftiger zum Vorschein als im Aroma. Das Mundgefühl ist leicht. Ich kann mir nicht helfen – aber das Bier erinnert mich eher an einen sehr guten und leichten Obstessig als an ein Bier. Trotzdem lässt es sich sehr gut trinken, besonders weil die Fruchtigkeit der Himbeeren bis in die Kehle hinein erhalten bleibt.

Sauer und fruchtig – da liegt es nahe, das Hanssens Framboos zu einem kräftigen Käse zu trinken oder wahlweise auch mit einem gebratenen Hähnchen.

Das Framboos von Hanssens Artisanaal gehört zu den klassischen, kompromisslos traditionellen Frucht-Lambics. Es wird nicht gebraut, sondern aus verschiedenen Lambics verschnitten und anschließend mit frischen Himbeeren mazeriert – ein Prozess, der ihm seinen intensiven, natürlichen Charakter verleiht.

Zutaten:

40 % frische Himbeeren, Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Hanssens Artisanaal
Vroenenbosstraat 10
1653 Beersel
Belgien
www.hanssens-artisanaal.be

néau – Hazy IPA

In einer alten Werkstatt im belgischen Eupen entstand 2018 ein spannendes Brauprojekt: die Brauerei Néau. Gründer Maurice Collard verwandelte die ehemalige Werkstatt in der Schulstraße 11 in eine kleine, aber feine Mikrobrauerei, die inzwischen weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist. Der Name „Néau“ stammt übrigens von der alten französischen Bezeichnung für Eupen – ein bewusstes Bekenntnis zur Heimat und ihrer Geschichte.

Anfangs wurden nur kleine Mengen auf einer 70-Liter-Anlage gebraut, heute entstehen in mehreren Kesseln bis zu 150 Liter pro Brautag. Trotz des Wachstums bleibt Collard seinem handwerklichen Ansatz treu: Jede Charge wird sorgfältig geplant, gebraut und verkostet. Neben den Hauptsorten entstehen immer wieder experimentelle Biere, die neue Aromen, Hopfensorten oder Gewürze ins Spiel bringen.

Die Brauerei Néau steht für kreatives, bodenständiges Brauhandwerk – mit starkem regionalem Bezug und einem offenen Blick für Innovation. Besonders beliebt sind die regelmäßigen Verkostungen und Braukurse, bei denen Besucher den Brauprozess hautnah erleben können. Auch saisonale Spezialitäten wie ein weihnachtlich gewürztes Bier in Zusammenarbeit mit einer örtlichen Metzgerei gehören zum Repertoire.

Mit Leidenschaft, Experimentierfreude und regionalem Stolz zeigt die Brauerei Néau, wie facettenreich belgisches Bierhandwerk im Kleinen sein kann – authentisch, kreativ und voller Charakter. Wie sich das im Bier niederschlägt, will ich jetzt anhand des Hazy IPA feststellen.

Orangefarben mit einem kräftigen Stich ins Rote präsentiert sich das Bier im Glas. Auffällig sind die kräftige Hefetrübung und die sehr voluminöse fest und schneeweiße Schaumkrone, die nur langsam in sich zusammenfällt.

Das Bier duftet nach Biskuitteig und Grapefruit, abgerundet durch den Duft nach Ananas und Vanille.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine mäßige Süße sowie eine sehr kräftige Karbonisierung aus. Auf der Zunge erscheint die Fruchtigkeit weniger kräftig als von mir erwartet. Dafür tritt eine knackige Bittere auf den Plan, wirklich nicht unangenehm und nicht so stark, dass der Malzkörper überdeckt wird. Das Mundgefühl ist angenehm leicht. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das Bier etwas oxidiert ist. In der Kehle steht die Bittere im Vordergrund, wo sie aber nicht so lange nachklingt wie von mir erwartet.

Zutaten:

Eine Deklaration der Zutaten im Bier ist in Belgien nicht vorgeschrieben und die Brauerei hat auch darauf verzichtet. Sie erwähnt lediglich auf dem Etikett, dass die Hopfensorten Talus, Amarillo, Citra und HBC682 verwendet wurden.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Neau
Schulstraße 11
4700 Eupen
Belgien
www.brauerei-neau.com