Schlagwort-Archiv: Sachsen

Bergquell – Kirsch Porter

Die Bergquell Brauerei Löbau aus der Oberlausitz ist vor allem für ihre Porter mit Fruchtzusatz bekannt. Jetzt steht das Kirsch Porter vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Im Glas präsentiert sich das Kirsch Porter in einem klaren Rubinrot. Der hellbraune Schaum wirkt solide, ist jedoch nur von durchschnittlicher Standfestigkeit. Optisch bewegt sich das Getränk irgendwo zwischen Bier und Fruchtgetränk – ein erster Hinweis auf das, was noch folgen wird.

In der Nase wird es dann spannend. Weder typische Röstaromen eines Porters noch eine klare Kirschfrucht treten hervor. Stattdessen erinnert das Aroma eher an eine süßliche Limonade mit schwer greifbarer, leicht künstlich wirkender Fruchtnote.

Der Antrunk bestätigt diesen Eindruck. Deutlich süß, mit sehr feinperliger, eher zurückhaltender Kohlensäure. Frische oder Tiefe sucht man zunächst vergeblich. Im weiteren Verlauf dominiert die Süße weiterhin das Geschehen. Erst allmählich schleicht sich eine Ahnung von Kirsche ein, die jedoch eher angedeutet als klar definiert ist. Dass hier ein Bier im Glas steht, muss man tatsächlich wissen – geschmacklich drängt sich diese Erkenntnis nicht unbedingt auf. In der Kehle bleibt das Bild konsequent: süß, mit etwas deutlicher werdender Kirschanmutung, jedoch ohne jede Bittere, die für Ausgleich sorgen könnte. Dadurch wirkt das Getränk insgesamt recht eindimensional.

Fazit: Es ist durchaus bemerkenswert, ein Getränk zu kreieren, das zumindest entfernt an Kirsche erinnert, ohne dabei auf echte Kirschen zu setzen. Gleichzeitig führt genau das zu einem Ergebnis, das sich geschmacklich deutlich vom klassischen Porter entfernt und eher an eine süße Limonade erinnert als an ein Bier.

Insolvenz trotz Innovation: Uni-Brauerei Lohrmanns kämpft um die Zukunft

Die deutsche Braubranche steht unter Druck. Sinkender Bierkonsum, steigende Kosten und ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld setzen immer mehr Betrieben zu. Jüngstes Beispiel: die Uni-Brauerei Lohrmanns aus Dresden, die Mitte April Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt hat.

Was besonders auffällt: Lohrmanns galt lange als Vorzeigeprojekt. 2019 als innovatives Start-up aus dem Umfeld der TU Dresden gegründet, verband die Brauerei moderne Braukonzepte mit wissenschaftlichem Anspruch. Wachstum, neue Ideen und Expansion schienen lange Zeit die Richtung vorzugeben.

Doch die Realität hat das Unternehmen eingeholt. Hohe Investitionen in Brauanlage und Gastronomie, Verzögerungen beim Bau, die Folgen der Pandemie sowie gestiegene Energie- und Rohstoffkosten haben die finanzielle Situation zunehmend belastet. Am Ende war die Summe dieser Faktoren zu groß.

Sanierung statt Stillstand

Trotz des Insolvenzantrags bedeutet die Situation nicht das Aus. Der Betrieb läuft weiter, sowohl die Brauerei als auch die Gastronomie – unter anderem auf der Brühlschen Terrasse – bleiben geöffnet. Veranstaltungen finden weiterhin statt, und auch die Löhne der Mitarbeiter sind vorerst gesichert.

Das Ziel ist klar: eine Sanierung in Eigenverwaltung. Konkret soll die Kostenstruktur an die tatsächlichen Einnahmen angepasst und das Unternehmen operativ stabilisiert werden. In einem weiteren Schritt ist eine Entschuldung über einen Insolvenzplan vorgesehen. Begleitet wird der Prozess von Jörg Schädlich, der als vorläufiger Sachwalter eingesetzt wurde. Die Geschäftsführung bleibt hingegen weiterhin handlungsfähig – ein typisches Merkmal dieser Form der Sanierung.

Zwischen Krise und Neustart

Noch vor wenigen Monaten hatte Geschäftsführer Francisco Arroyo-Escobar optimistisch in die Zukunft geblickt. Umso drastischer wirkt nun die Kehrtwende. Gleichzeitig zeigt sich das Unternehmen kämpferisch: Neue alkoholfreie Biere sind bereits in Planung und sollen noch im laufenden Jahr auf den Markt kommen.

Auch Mitgründer Thomas Henle betont das Potenzial der Brauerei. Die Sanierung sei eine Chance, Lohrmanns effizienter und zukunftsfähiger aufzustellen. Ein Neustart statt eines Endes – zumindest aus Sicht der Verantwortlichen.

Ein Symptom für die Branche

Der Fall Lohrmanns ist kein Einzelfall. Bereits zuvor hatten unter anderem die Mauritius-Brauerei in Zwickau und die Hamburger Landgang-Brauerei Insolvenz angemeldet. Die Gründe ähneln sich: steigende Kosten, verändertes Konsumverhalten und wachsender Wettbewerbsdruck.

Besonders betroffen sind junge und innovative Projekte, die oft mit hohen Anfangsinvestitionen arbeiten und stärker auf Wachstum angewiesen sind. Gleichzeitig zeigt sich, wie fragil selbst vielversprechende Konzepte in einem angespannten Marktumfeld sein können. Wie es für Lohrmanns weitergeht, ist noch offen. Klar ist jedoch: Die kommenden Monate werden entscheidend dafür sein, ob aus der aktuellen Krise tatsächlich ein tragfähiger Neuanfang entsteht.

Köstritzer – Kirsche

Köstritzer Kirsche ist ein Biermischgetränk der Köstritzer Schwarzbierbrauerei aus Bad Köstritz/Thüringen, die seit 1543 für ihr Schwarzbier bekannt ist – heute ist sie Teil der Bitburger Braugruppe.

Es handelt sich nicht um ein klassisches Bier wie ein Schwarzbier, sondern um einen Mix aus 60 % Köstritzer Schwarzbier und 40 % Süßkirsch-Limonade. Der Kirschanteil kommt aus Saftkonzentraten und Limonade, die dem Mix seinen Fruchtgeschmack verleiht. Der Fruchtsaftanteil beträgt zwar nur 0,5 %, aber damit liegt die Köstritzer Kirsche noch deutlich vor dem Lausitzer Erdbeer-Porter, das zwar intensiv nach Erdbeeren schmeckt, aber überhaupt keine Erdbeerbestandteile enthält. Es ist schon erstaunlich, was die Aromenindustrie so alles auf die Beine stellt. Jetzt reicht es aber mit der Vorrede und ich will mit der Verkostung beginnen.

Dunkel rotbraun präsentiert sich das Bier im Glas, beinahe schwarz. Darüber steht eine feinporige hellrosa Schaumkrone, die sich recht lange hält. Optisch kann ich an diesem Mischgetränk nichts aussetzen.

Das Aroma ist durchaus angenehm. Sowohl das Schwarzbier als auch die Fruchtigkeit der verwendeten Säfte und Limonaden kommen in der Nase zur Geltung. Dazu kommt noch ein süßes Aroma, das mich an Kandis denken lässt.

Der Antrunk ist fruchtig-süß und trumpft mit einer sehr kräftigen Kohlensäure auf. Auf der Zunge stehen eindeutig die Fruchtaromen im Mittelpunkt, während das Bier eher zu ahnen ist. Während die Süße sehr präsent ist ohne aber klebrig zu werden, kann ich keine Bittere feststellen, aber immerhin eine minimale Säure. In der Kehle kommen die Aromen nach Kirsche und Marzipan in den Vordergrund, klingen aber leider nur kurz nach.

Die Köstritzer Kirsche ist eine angenehme Erfrischung für den Sommer, ohne mit seinen 2,8 Volumenprozent Alkohol zu sehr „reinzuhauen“. Aber ich kann mir das Getränk auch im Winter vorstellen und ich glaube, ich werde mal versuchen, mit der Köstritzer Kirsche einen Glühpunsch zu kreieren.

Zutaten:

Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt), Erfrischungsgetränk mit Kirschgeschmack (Wasser, Zucker, Zitronensaft (2 %), Holunderbeersaft (1,5 %), natürliches Aroma)

Alkoholgehalt:

2,8 % Vol.

Brauerei:

Köstritzer Schwarzbierbrauerei
07586 Bad Köstritz
www.koestritzer.de

Vatertagssparty bei Ur-Krostitzer am 29. Mai 2025

Am 29. Mai verwandelt sich die Krostitzer Brauerei zum perfekten Ausflugsziel für alle Männer, die Lust auf eine ausgelassene Vatertagssause haben. Von 11:00 bis 18:00 Uhr erwartet die Besucher ein abwechslungsreiches Programm voller Highlights.

Los geht es mit dem Fassanstich und einem Auftritt des Andreas Gabalier-Doubles um 11 Uhr. Anschließend findet um 12:15 Uhr eine Ur-Krostitzer Modenschau statt, bevor um 13 Uhr die Band „Diese Typen“ auftritt. Am Nachmittag sorgt Moderator Roman Knoblauch mit Live-Musik, T-Shirt-Kanone, Uri-Merch und einem Familienprogramm für Stimmung bis zum Schluss.

Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt: Die Brauereigastronomen verwöhnen die Gäste mit kulinarischen Spezialitäten und frisch gezapftem Ur-Krostitzer Bier. Der Eintritt zum Fest ist frei – also Bollerwagen und Fahrrad startklar machen!

Für Besichtigungen bleibt die Brauerei am Vatertag allerdings geschlossen.

17. 5. 2025: 1. Pirnaer Bierfest

Das 1. Bierfest Pirna lockt Bierliebhaber mit einer umfangreichen Auswahl an Bierspezialitäten und Ausstellern aus der Region. Verschiedene Craft-Bier-Brauereien aus Deutschland und Tschechien präsentieren ihre besten Kreationen – von klassisch bis innovativ während auf der Bühne verschiedene Bands für beste Stimmung sorgen.

Und damit es selbst mit den Bieren nicht langweilig wird, wird es auch reichlich Live-Musikgeben.

Ein Foodmarkt sorgt für das leibliche Wohl der Gäste: Vom deftigen Pulled-Pork aus dem Smoker über Streetfood-Spezialitäten vom Platzhirsch Pirna und vielen weiteren Leckereien – hier kommt jeder Feinschmecker auf seine Kosten.

Brauereien aus Deutschland

  • Altlandsberger Sozietätsbrauerei
  • Bierthelsdorfer
  • Brauwerk Schleife
  • Critical Chain Brewing
  • Frenzel Bräu
  • Glück-Auf
  • Hausbrauerei Laubegast
  • Hofbrauerei Lohmen
  • Hopfenkollektiv
  • Lohrmanns
  • Nieder Seifersdorfer
  • Sudfrei
  • SudGut
  • Urbanowicz Braukollektiv
  • Watzke
  • Zippl

Brauereien aus Tschechien

  • Born
  • Falkenštejn
  • Kocour
  • Kotouč
  • Monopol
  • Ossegg
  • Trilobit

Die Veranstaltung findet am 17. Mai 2025 von 11:00 Uhr bis 22:00 Uhr im Brauhaus Pirna statt.

Feldschlößchen – Dunkle Winterpflaume

Anfangs klang die Dunkle Winterpflaume von der Brauerei Feldschlößchen in Dresden für mich sehr verlockend. Ein dunkles Bier mit Pflaumensaft (nicht nur der Name legt den Pflaumensaft nahe; es sind auch einige Zwetschgen auf dem Etikett abgebildet) und das Rückenetikett schreibt auch noch von winterlichen Gewürzen. Dunkles Bier, Pflaume und Zimt – was will ich mehr. Leider habe ich die Zutatenliste zu spät gelesen. Weder Pflaume noch Gewürze stehen dort. Die Brauerei bastelt lediglich die Illusion von Pflaume und Gewürz zusammen. Dafür nutzt sie Süßkirschsaftkonzentrat, Holunderbeersaftkonzentrat, Zitronensatzkonzentrat. Zitronensäure und Karottenkonzentrat. Hätte ich das vorher gelesen, hätte ich die Flasche sicherlich nicht gekauft. Aber jetzt habe ich sie hier stehen und nun muss ich durch. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Mischgetränk ein.

Das dunkle Rotbraun des Bieres gefällt mir und der feste altrosa Schaum, der sich nur langsam auflöst, perfektioniert die Optik.

Aromen nach Zimt und Pflaume, dazu ein Hauch Gewürznelken – das sind die hervorstechenden Aromen. Dazu kommt der Duft nach Kandis und auch der Alkohol steigt mir leicht in die Nase. Der Duft des Mischgetränks erinnert eher an Glühwein als an Bier. Aber gut – ist es nicht genau das, was ich beim Kauf erwartet habe?

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß, aber auch von Beginn an fruchtig. Kohlensäure tut das Ihrige um den positiven Eindruck zu steigern. Auch auf der Zunge stehen die Pflaume und die Gewürze im Vordergrund jetzt kommt auch das Bier zum Vorschein insgesamt ist das Getränk recht vollmundig auch wenn mir die Säure Frucht fehlt. In der Kehle ist die Winterpflaume mild mit einem kurzen fruchtige Nachklang.

Anfangs gefiel mir die Winterpflaume recht gut. Nachdem ich aber länger oder etwas mehr getrunken habe, verflüchtigt sich der positive Eindruck und ds das Getränk schmeckt zunehmend künstlich. Auf einem Weihnachtsmarkt würde ich es aber den dort meist ausgeschenken süßen Glühweinen vorziehen.

Zutaten:

Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfen), Wasser, Zucker, Süßkirschsaftkonzentrat, Kohlensäure, Holunderbeersaftkonzentrat, Zitronensaftkonzentrat, Aroma, Säuerungsmittel Citronensäure, färbendes Konzentrat aus Karotte, Antioxidationsmittel Ascorbinsäure

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

16,3° Plato

Brauerei:

Feldschlößchen Aktiengesellschaft
Cunnersdorfer Straße 25
01189 Dresden
www.feldschloesschen.de

Landskron – Winterhopfen

Aus dem östlichsten Zipfel Deutschlands kommt das Bier, das jetzt vor mir steht, genauer gesagt aus Görlitz. Es handelt sich um den Winterhopfen der Brauerei Landskron. Auf dem Etikett teilt die Brauerei mit, dass das Bier von der DLG ausgezeichnet ist und handwerklich gebraut wurde.

Golden und kristallklar strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber prangt eine feinporige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch gibt es an dem Bier nichts auszusetzen.

Das Bier duftet nach Karamell, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk ist süß und kräftig, so dass er fast an ein Bockbier erinnert. Die feinperlige und trotzdem kräftige Karbonisierung sorgt für eine gewisse Frische. Auf der Zunge kommt eine überraschend kräftige Bittere dazu, die die Süße beinahe überdeckt. Abgerundet wird der Geschmack durch einige würzige Noten. In der Kehle steht eine nicht allzu angenehme Bittere im Vordergrund, die zum Glück nur kurz nachklingt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenauszüge

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürze:

13,3° Plato

Empfohlene Genusstemperatur:

14° – 16° Celsius

Brauerei:

Landskrone Brau-Manufaktur Görlitz
An der Landskronbrauerei 116
02826 Görlitz
www.landskron.de

Gehölz Bräu – Linde alkoholfrei

Die Grundfarbe des Etiketts ist königsblau. Es wird durch gelbe stilisierte Hopfendolden geschmückt. Außerdem steht auf dem Etikett, dass für jede verkaufte Flasche Bier ein Baum gepflanzt wird.Bier ohne Quatsch, aber mit Prinzipien – das ist die Vision von Rico und Matze. Seit dem Jahr 2021 setzen sie ihre Vision um. Was sind die Prinzipien? Sämtliche Rohstoffe stammen aus kontrolliert biologischem Anbau in der Region. Flaschen und Kisten sind Mehrweg und sogar das Papier der Etiketten wurde unter ökologischen Gesichtspunkten hergestellt. Damit unterstützen die beiden etwas, das sie selbst mit „enkeltaugliche Landwirtschaft“ betiteln: Der nachhaltige, pestizidfreie Landbau produziert nicht nur wertvollere Lebensmittel, sondern bewahrt Erde und Umwelt, sodass auch unsere Enkel noch etwas davon haben. Kommen wir aber nun zum Bier.

Golden-orange und leicht hefetrüb läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine schneeweiße feste Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. An der Optik dieses Bieres ist nichts auszusetzen.

Das Aroma ist getreidig. Abgerundet wird es durch Düfte nach frisch gemähtem Gras, Honig und einige blumige Noten.

Der Antrunk ist recht süß und durch die reichlich vorhandene Kohlensäure angenehm spritzig. Auf der Zunge kommt die Bittere des Hopfens in den Vordergrund und verdrängt Süße und die Aromen fast vollständig. Trotzdem ist das Mundgefühl weich. In der Kehle wird die Bittere milder und sie klingt trotzdem lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,25 % Vol.

Stammwürze:

6° Plato

Brauerei:

Gehölz Bräu
Mathias Bock & Rico Borsitz GbR
Am Sonneneck 3a
04207 Leipzig

Radeberger Pilsener Alkoholfrei

Alkoholfrei ist seit Jahren der große Trend beim Bier. Immerhin gehören Biere mit dem Attribut „alkoholfrei“ zu den wenigen, die noch ein mengenmäßiges Wachstum aufweisen können. Auch wenn sich die alkoholfreien Biere in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, kann ich den Hype um die alkoholfreien Biere nicht so recht nachvollziehen. Schließlich ist Alkohol ein wichtiger Geschmacksträger und Bier ist von Haus aus ein alkoholhaltiges Getränk. Wenn nun der Alkohol aus dem Bier herausgenommen wird (das gilt für alle Methoden, ein alkoholfreies Bier herzustellen), dann fehlt dem Bier etwas. Die alkoholfreien Biere schmecken mehr oder weniger flach, einige erinnern sogar mehr an eine Brause als an ein Bier. Dabei bin ich durchaus ein Verfechter alkoholfreier Getränke. Da sollten sich aber die Getränkeindustrie und die Gastronomie mal Gedanken machen, wie sie alkoholfreie Getränke kreieren können, die wie das Bier eher herzhaft sind und die das Bier während der Mahlzeiten und bei geselligen Anlässen ersetzen können. Der Genuss von Bier wie auch von anderen alkoholischen Getränken sollte meiner Meinung nach auf den Abend beschränkt bleiben und selbstverständlich sollten diese Getränke nur dann genossen werden, wenn das Auto stehenbleibt.

So ist es auch kein Wunder, dass auch die Brauerei aus dem sächsischen Radeberg ein Stück vom Kuchen abhaben möchte und ein alkoholfreies Pilsener auf den Markt gebracht hat, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Intensiv goldfarben und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine sahnige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier auf jeden Fall schon mal ein Volltreffer.

Das Bier duftet nach Getreide und Karamell, dazu kommen einige blumige Noten des Aromahopfens. Insgesamt erinnert mich das Aroma eher an einen Malztrunk, weniger an ein Bier.

Der Antrunk ist recht süß und er zeichnet sich durch eine angenehme Dosierung der Kohlensäure aus. Die Süße bleibt auch auf der Zunge erhalten, dazu kommt ein sehr leichtes Bitter. Trotzdem ist das Mundgefühl eher schlank. Im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger. Obwohl es auch dann immer noch eher dezent ist, klingt es überraschend lange nach.

Insgesamt ist das alkoholfreie Radebacher sehr gut trinkbar. Trotzdem ist es für mich nicht der alkoholfreie Favorit.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Callista)

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Radeberger Exportbierbrauerei GmbH
Dresdner Str. 2
01454 Radeberg
www.radeberger.de

Gehölz-Bräu – Buche

Mathias Bock und Rico Borsitz aus Leipzig haben eine Mission: sie wollen gutes Bier herstellen und verkaufen, bei dem die Rohstoffe aus Bioanbau stammen, und dabei wollen sie etwas gegen das Waldsterben tun. Im Frühjahr 2021 gründeten die beiden in Leipzig ihr Unternehmen. Gehölz Bräu hieß es anfangs nur wegen der Biere, die jeweils nach einem Baum benannt wurden. Inzwischen sind sie dazu übergegangen, für jede Flasche Bier, die sie verkaufen, einen Baum pflanzen zu lassen. Inzwischen wurden auf diese Weise etwa 35000 Bäume gepflanzt und auf diese Weise mehr als 20 Hektar Land aufgeforstet. Für diesen Zweck haben sie sich für das Pflanzen der Bäume mit den kompetenten Menschen des Wiederaufforstungsprojekts „Eden Reforestation Projects“ ausgesucht, die in Afrika, Asien und Zentralamerika heimische Bäume anpflanzen. Für jede verkaufte Flasche Bier wird ein Baum gepflanzt. Auch wenn das nach Greenwashing aussieht, ist es auf jeden Fall besser als nichts.

Mathias und Rico machen aber doch den Eindruck, dass sie es mit dem Umweltschutz ernst meinen. Die Rohstoffe für ihre Biere stammen aus kontrolliert biologischem Anbau, Bierflaschen und Bierkisten sind Poolgebinde, so dass lange Transportwege für das Leergut entfallen. Die Etiketten sind aus recyceltem Papier hergestellt… Aber kommen wir jetzt doch endlich zum Bier.

Golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist recht klein und fällt schnell in sich zusammen. An der Optik könnten die beiden Leipziger wohl noch etwas feilen.

Das Aroma gefällt mir schon deutlich besser. Düfte des hellen Malzes steigen mir in die Nase, nach Biskuit und hellen Früchten. Das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Süße und seine Spritzigkeit aus. Die Kohlensäure ist feinperlig und sanft. Auf der Zunge gesellt sich ein passendes Bitter zur Süße und sorgt für ein weiches Mundgefühl. Im Abgang wird das Bitter kräftiger, das Bier wird trockener. Der Geschmack klingt noch lange in der Kehle nach.

Ich muss zugeben, dass ich den Bierstil Helles in der Regel als recht langweilig empfinde. Für die Buche trifft das aber keinesfalls zu.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener), Hopfen (Hallertauer Tradition, Ariana), Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

11° Plato

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Mathais Bock & Rico Borsitz GbR
Am Sonneneck 3a
04207 Leipzig,
www.gbraeu.de