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Biermaekers – Dikke Jan Quadruppel

Belgische Quadrupel sind nicht gerade für Zurückhaltung bekannt. Hoher Alkoholgehalt, intensive Malzaromen und eine gehörige Portion Komplexität gehören bei diesem Bierstil fast schon zum guten Ton. Der Dikke Jan Quadrupel aus dem flämischen Desselgem macht da keine Ausnahme. Mit 10,5 Prozent Alkohol bringt er genügend Kraft mit, um auch erfahrene Bierfreunde zu beschäftigen.

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem klaren Kupferton. Darüber prangt ein leicht gelbstichiger Schaum, der allerdings nicht lange durchhält und sich recht schnell verabschiedet. Optisch wirkt das Bier dennoch einladend und macht neugierig auf den ersten Schluck.

Das Aroma ist ausgesprochen malzbetont. Dunkles Malz, Melasse und Karamell bestimmen den Duft. Dazu kommen Noten von Lakritz und Schwarzbrot, die dem Bier eine angenehme Tiefe verleihen. Bereits jetzt wird deutlich, dass hier die Malzseite das Sagen hat.

Der Antrunk beginnt erwartungsgemäß süß. Die sehr feinperlige Kohlensäure sorgt dabei für ein angenehmes Mundgefühl, wirkt aber dennoch kräftig genug, um dem Bier etwas Lebendigkeit zu verleihen. Im Körper zeigt sich der Dikke Jan von seiner samtigen Seite. Das Mundgefühl ist weich und voll, fast schon cremig. Geschmacklich dominieren weiterhin Melasse und Karamell. Die Süße bleibt während der gesamten Verkostung präsent und prägt den Charakter des Bieres deutlich. Zwar tritt eine freundliche Bittere hinzu, sie bleibt jedoch stets im Hintergrund und kann der ausgeprägten Süße kaum etwas entgegensetzen. Interessant ist auch der Alkohol. Trotz der grundsätzlich guten Einbindung macht er sich bemerkbar und sorgt für ein leichtes Brennen auf der Zunge. Das wirkt nicht störend, erinnert aber daran, dass hier ein durchaus kräftiges Starkbier im Glas steht. Der Abgang fällt mild aus. Die Süße klingt langsam aus, eine dezente Bittere bleibt zurück und der Alkohol sorgt für eine angenehme Wärme, die noch einige Zeit nach dem letzten Schluck spürbar bleibt.

Insgesamt hinterlässt der Dikke Jan Quadrupel einen zwiespältigen Eindruck. Wer süße, malzbetonte belgische Starkbiere liebt, wird hier viel Freude haben. Mir persönlich fehlt allerdings etwas mehr Gegengewicht zur Süße. Eine kräftigere Bittere hätte dem Bier zusätzliche Spannung und mehr Balance verliehen. Dennoch bietet es viele klassische Quadrupel-Eigenschaften und eignet sich hervorragend für einen ruhigen Abend, an dem man sich Zeit für sein Bier nimmt.

Der Dikke Jan Quadrupel überzeugt mit intensivem Malzcharakter, Noten von Melasse, Karamell und Lakritz sowie einem angenehm samtigen Mundgefühl. Die ausgeprägte Süße steht allerdings klar im Mittelpunkt und lässt der Bittere nur wenig Raum. Ein kräftiges belgisches Starkbier für Liebhaber der malzbetonten Seite des Bieruniversums.

Besonders gut passt der Dikke Jan Quadrupel zu kräftigem Hartkäse, Schmorgerichten, Wildragout oder einem Stück Nusskuchen. Auch Karamell- und Schokoladendesserts harmonieren hervorragend mit seinen süßen Malzaromen.

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Farbe:

28 EBC

Brauerei:

Brouwerij Biermaekers
Driemasten 126
8560 Gullegem
Belgien
www.dikkejan.eu

De Brabandere – Petrus Nitro Cherry & Chocolate

Die belgische Brauerei De Brabandere ist bekannt dafür, traditionelle Bierstile mit modernen Ideen zu verbinden. Mit dem Petrus Nitro Cherry & Chocolate präsentiert sie ein Bier, das verspricht, gleich mehrere Besonderheiten zu vereinen: die Kraft eines belgischen Quadrupels, die Aromen von Kirschen und Schokolade sowie eine für Flaschenbier eher ungewöhnliche Stickstoff-Technologie.

Schon der Bierstil macht neugierig. Quadrupel gehören zu den intensivsten belgischen Starkbieren und zeichnen sich im Allgemeinen durch seine komplexen Malznoten, seine Tiefe und seinen kräftigen Charakter aus. Mit 8,5 Prozent Alkohol bewegt sich das Petrus Nitro Cherry & Chocolate zwar im unteren Bereich dieses Bierstils, ich hoffe aber dennoch eine bemerkenswerte Aromenvielfalt.

Das Besondere beginnt bereits beim Einschenken. Anders als bei klassischen Bieren kommt hier Stickstoff statt Kohlensäure zum Einsatz. Um den gewünschten Effekt zu erzielen, empfiehlt die Brauerei ein kräftiges Einschenken direkt in die Glasmitte. Dadurch entsteht eine dichte, cremige Schaumkrone, wie man sie sonst eher von einem frisch gezapften Stout kennt.

Im Glas präsentiert sich das Bier nahezu schwarz mit dunkelrotbraunen Reflexen. Die feinporige, beigefarbene Schaumkrone unterstreicht den hochwertigen Eindruck.

Auch aromatisch hat das Bier einiges zu bieten. Geröstetes Malz bildet die Grundlage und wird von deutlichen Noten dunkler Schokolade, frisch geröstetem Kaffee und reifen Kirschen begleitet. Die Frucht wirkt dabei nicht künstlich oder aufdringlich, sondern fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich wirklich die Fruchtigkeit als Kirschen identifiziert hätte, wüsste ich nicht, dass das Bier mit Kirschen gebraut wurde.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und fruchtig. Auf der Zunge kann ich auch die Kirschen eindeutig identifizieren. Am Gaumen zeigt sich die Stärke der Nitro-Technologie besonders deutlich. Das Mundgefühl ist außergewöhnlich weich und cremig. Die Kohlensäure tritt in den Hintergrund und macht Platz für eine samtige Textur, die hervorragend zu den Aromen passt. Süßliche Kirschnoten sorgen für Frische, während Schokolade und Kaffee dem Bier Tiefe und Komplexität verleihen. Die Röstaromen bleiben präsent, ohne dominant zu wirken. Bemerkenswert ist die Balance zwischen Frucht und Malz. Keine der beiden Komponenten drängt sich in den Vordergrund. Auch der Alkohol ist gut eingebettet und unterstützt die anderen Aromen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Stattdessen entsteht ein harmonisches Zusammenspiel, das sich bis in den langen und fruchtigen Nachhall fortsetzt, in dessen Verlauf sich auch ein  Marzipanaroma entwickelt.

Kulinarisch empfiehlt sich das Bier insbesondere zu dunkler Schokolade, Schokoladendesserts oder kräftigen Käsevariationen. Ebenso gut harmoniert es mit Wildgerichten, Schmorbraten oder einem gemütlichen Abend vor dem Kamin. Dank seiner aromatischen Tiefe eignet es sich auch hervorragend als Digestif.

Mit dem Petrus Nitro Cherry & Chocolate beweist De Brabandere, dass Innovation und traditionelle Braukunst keine Gegensätze sein müssen. Das Bier bietet ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis und zeigt, wie spannend moderne Brautechnologien eingesetzt werden können, ohne den Charakter eines klassischen belgischen Starkbiers zu verlieren.

Alkoholgehalt‍:       

8,5 % Vol.

Stammwürze‍:        

20° Plato

Bittereinheiten:

21 IBU

Empfohlene Genusstemperatur‍:         

9° – 11° Celsius

Brauerei:

Brouwerij de Brabandere
Rijksweg 33
85311 Bavikhove
Belgien
www.brouwerijdebrabandere.be

Historische Cafés in Flandern sollen erhalten bleiben

Nicht nur in Deutschland kämpfen traditionelle Gaststätten mit steigenden Kosten, veränderten Konsumgewohnheiten und wirtschaftlichem Druck. Auch in Belgien stehen zahlreiche historische Schankstätten vor Herausforderungen. In Flandern wurde deshalb eine neue Initiative gestartet, die den Erhalt kulturhistorisch bedeutender Cafés sichern soll.

Das flämische Denkmalschutzamt Monumentenwacht Vlaanderen und die Brauereigruppe Haacht haben eine langfristige Zusammenarbeit vereinbart. Ziel ist es, historisch wertvolle Gaststätten zu erhalten und deren baulichen Zustand dauerhaft zu sichern. Allein in der Provinz Antwerpen profitieren zunächst elf Cafés von dem Programm, darunter Betriebe in Antwerpen, Mechelen, Turnhout, Retie und Meerhout.

Im Mittelpunkt der Initiative stehen sogenannte „Denkmal-Cafés“, die sich im Besitz der Immobiliengesellschaft Co.Br.Ha. Real Estate befinden, einer Tochter der Brauereigruppe Haacht. Die Gebäude werden künftig regelmäßig von Fachleuten begutachtet, die Empfehlungen für Wartung, Reparaturen und vorbeugende Schutzmaßnahmen aussprechen.

Bierkultur und Baukultur eng verbunden

Nach Angaben von Monumentenwacht Vlaanderen sind zahlreiche traditionelle Cafés in Flandern weit mehr als reine Gastronomiebetriebe. Viele Gebäude prägen seit Generationen das Ortsbild und gelten als wichtige Zeugnisse regionaler Architektur- und Alltagsgeschichte.

Die Fachleute der Denkmalschutzorganisation unterstützen sowohl offiziell geschützte Baudenkmäler als auch Gebäude, die im Inventar des flämischen Kulturerbes erfasst sind. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der präventiven Instandhaltung. Regelmäßige Kontrollen sollen größere Schäden frühzeitig erkennen und kostspielige Restaurierungen vermeiden.

Langfristige Strategie statt Einzelmaßnahmen

Nils van Dam, Geschäftsführer von Co.Br.Ha. Real Estate, betonte die historische Bedeutung vieler Gaststätten im Besitz der Unternehmensgruppe. Diese Gebäude seien ein wichtiger Teil des flämischen Kulturerbes und verdienten eine professionelle Betreuung, um auch für künftige Generationen erhalten zu bleiben.

Monumentenwacht Vlaanderen verfolgt seit Jahren das Prinzip der vorbeugenden Denkmalpflege. Sachverständige untersuchen die Gebäude regelmäßig und erstellen detaillierte Berichte über notwendige Maßnahmen. Dadurch können Eigentümer frühzeitig reagieren und Schäden beheben, bevor umfangreiche Restaurierungsarbeiten erforderlich werden.

Anknüpfung an erfolgreiche Projekte

Die neue Kooperation baut auf Erfahrungen aus früheren Denkmalprojekten auf. Dazu zählen unter anderem die Betreuung der historischen Gempemolen in Tielt-Winge sowie Restaurierungsmaßnahmen in bekannten flämischen Cafés wie De Roos in Gent, ’t Gouden Mandeken in Gent und Baron Ruzette in Brügge.

Für den Vorsitzenden von Monumentenwacht Vlaanderen, Luk Lemmens, ist die Zusammenarbeit ein wichtiger Schritt. Historische Gaststätten benötigten keine kurzfristigen Einzelmaßnahmen, sondern eine kontinuierliche und durchdachte Betreuung. Positiv bewertet er zudem, dass sich die Brauereigruppe aktiv an der Bewahrung dieses kulturellen Erbes beteiligt.

Die Initiative zeigt, dass historische Gaststätten nicht nur Orte des Genusses und der Begegnung sind, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur regionalen Identität leisten. Mit der neuen Partnerschaft soll sichergestellt werden, dass diese oft jahrhundertealten Treffpunkte auch in Zukunft Bestand haben.

Quelle: Dieser Artikel entstand unter Verwendung von Informationen von flanderninfo.be.

Lambiek Fabriek – Organic&Wild Black-Belle

Die belgische Brauerei Lambiek Fabriek gehört zu den jüngeren Vertretern der traditionsreichen Lambic-Szene. Erst 2016 gegründet, widmet sich das Unternehmen ganz der spontanen Gärung und damit einer der faszinierendsten Biertraditionen Europas. Die Biere reifen in Eichenfässern und entstehen nach den Regeln eines Bierstils, der untrennbar mit dem Pajottenland südwestlich von Brüssel verbunden ist. Für diese Verkostung steht eine biologische Cassis-Variante auf dem Tisch. Die Kombination aus Lambic und schwarzen Johannisbeeren verspricht eine spannende Mischung aus Frucht, Säure und den typischen Eigenschaften spontan vergorener Biere.

Schon im Glas macht das Bier einen hervorragenden Eindruck. Leuchtend rot schimmert es im Licht, leicht hefetrüb und gekrönt von einem hellrosa Schaum. Dieser zieht sich zwar recht schnell zurück, unterstreicht aber den fruchtigen Charakter des Bieres.

Das Aroma wird von einer frischen, fruchtigen Säure geprägt. Die schwarzen Johannisbeeren sind klar erkennbar und erinnern an Cassislikör, ohne künstlich zu wirken. Dazu gesellt sich eine leichte Kandisnote, die für zusätzliche Tiefe sorgt.

Der Antrunk überrascht zunächst mit einer angenehmen Malzsüße. Die sehr feinperlige Kohlensäure verleiht dem Bier eine elegante Textur und sorgt für einen sanften Einstieg. Im Körper übernimmt dann die Frucht die Hauptrolle. Die Johannisbeeren stehen klar im Mittelpunkt und werden von einer frischen, aber gut eingebundenen Säure begleitet. Die anfängliche Süße zieht sich zunehmend zurück und macht Platz für ein ausgewogenes Wechselspiel aus Frucht und Säure. Das Mundgefühl bleibt dabei erstaunlich weich und zugänglich. Im Abgang zeigt sich der Lambic-Charakter am deutlichsten. Das Bier wird trockener, die Frucht bleibt präsent und verabschiedet sich mit einem kurzen, sauberen Nachklang. Gerade diese Trockenheit verhindert, dass die Frucht ins Süßliche abrutscht.

Besonders gelungen finde ich die Balance. Die schwarzen Johannisbeeren ergänzen den Lambic-Charakter, statt ihn zu überdecken. Dadurch entsteht ein Fruchtbier, das nicht wie ein Fruchtsaft wirkt, sondern seine Herkunft jederzeit erkennen lässt. Das Lambiek Fabriek Cassis verbindet die typische Frische eines Lambics mit den intensiven Aromen schwarzer Johannisbeeren. Fruchtig, angenehm sauer und bemerkenswert ausgewogen zeigt es, wie harmonisch Frucht und Spontangärung zusammenarbeiten können. Ein sehr zugänglicher Vertreter der Lambic-Welt, der sowohl Einsteiger als auch erfahrene Liebhaber spontangäriger Biere ansprechen dürfte.

Hervorragend passt das Bier zu Ziegenkäse, Entenbrust mit Beerensauce oder fruchtigen Desserts. Auch eine dunkle Schokoladentarte kann mit den Cassis-Aromen spannende Kombinationen ergeben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Schwarze Johannisbeeren

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

7° Celsius

Brauerei:

Lambiek Fabriek
Eugène Ghijsstraat 71
1600 Leeuw-Saint-Pierre
Belgien
www.lambiekfabriek.be

Verhaeghe – Duchesse Cherry

Fruchtbiere haben in Belgien eine lange Tradition. Während viele Bierfreunde bei Kirschbier sofort an Kriek und die Welt der Lambics denken, geht die Duchesse Cherry einen anderen Weg. Als Grundlage dient kein Lambic, sondern ein flämisches Rotbraunes Bier aus Westflandern, das durch Fassreifung und gemischte Gärung seine charakteristische Säure erhält. Zusammen mit echten belgischen Sauerkirschen entsteht daraus ein Bier, das Frucht, Säure und Holzaromen auf bemerkenswerte Weise verbindet.

Für die Herstellung werden ausschließlich belgische Sauerkirschen der Sorte „Kriek Gorsem“ verwendet. Auf künstliche Aromen oder Fruchtextrakte verzichtet die Brauerei vollständig. Nach der Reifung des Grundbieres in Eichenfässern erhält das Bier eine großzügige Portion Kirschen, genauer gesagt 20 kg Kirschen je Hektoliter Bier, mit denen es weitere sechs Monate mazeriert. Insgesamt vergehen rund zwei Jahre, bis das fertige Bier in die Flasche kommt.

Im Glas präsentiert sich die Duchesse Cherry in einem leuchtenden Rubinrot. Das Bier ist kristallklar und macht optisch sofort Lust auf den ersten Schluck. Der Schaum baut sich zwar ansprechend auf, fällt jedoch stiltypisch recht schnell wieder zusammen.

Bereits in der Nase wird deutlich, wohin die Reise geht. Die fruchtige Säure steht klar im Vordergrund und erinnert an rote Beeren sowie Sauerkirschen. Die Kirsche selbst bleibt zunächst etwas zurückhaltend und unterstützt das Aromenspiel eher aus dem Hintergrund. Ergänzt wird das Bouquet durch feine Kandisnoten und dezente Holzanklänge aus der Fassreifung.

Der Antrunk wirkt lebhaft und spritzig. Eine dezente Süße sorgt zunächst für Balance, wird jedoch rasch von der Säure eingeholt. Diese Entwicklung macht den Reiz des Bieres aus und sorgt für eine enorme Frische. Im Körper zeigt sich die Duchesse Cherry überraschend säurebetont. Die Säure drängt die vorhandene Süße deutlich in den Hintergrund und prägt das gesamte Geschmacksbild. Gleichzeitig tritt die Kirsche nun wesentlich stärker hervor als noch im Aroma. Dadurch entsteht ein authentischer Fruchteindruck, der weder künstlich noch übertrieben süß wirkt. Der Körper bleibt schlank und unterstützt den erfrischenden Charakter des Bieres. Der Abgang fällt trocken aus. Bittere spielt praktisch keine Rolle, dafür treten die Holznoten aus der Fasslagerung noch einmal deutlich hervor. Der Nachhall bleibt eher kurz, hinterlässt aber einen angenehm trockenen und komplexen Eindruck.

Die Duchesse Cherry richtet sich vor allem an Liebhaber säurebetonter belgischer Spezialitäten. Wer ein süßes Kirschbier erwartet, dürfte überrascht werden. Stattdessen bietet dieses Bier eine spannende Kombination aus authentischer Frucht, markanter Säure und eleganten Fassnoten. Gerade an warmen Tagen oder als Begleiter zu Käse und fruchtigen Desserts entfaltet die westflämische Herzogin ihre Stärken.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Kirschen (0 kg/100 l), Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,8 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Bittereinheiten:

13 IBU

Brauerei:

Brasserie Verhaeghe-Vichte
Sint-Dierikserf 1
8570 Vichte
Belgien
www.brouwerijverhaeghe.be

Brauw – Armout Macleod Cachaca oaked

Rezension: Armout Macleod Winter Cachaça Oaked Edition 2025 – Schottische Stärke trifft brasilianische Exotik

Die belgische Brauerei Armout Macleod ist für kräftige, charakterstarke Scotch Ales bekannt. Mit der Winter Cachaça Oaked Edition 2025 wagt sie jedoch einen ungewöhnlichen Schritt und verbindet die malzige Wucht eines Strong Scotch Ale mit den exotischen Einflüssen eines holzgereiften brasilianischen Cachaça. Das Ergebnis ist ein Winterbier, das Tradition und Experimentierfreude auf bemerkenswerte Weise vereint.

Grundlage der limitierten Sonderedition ist das bekannte Armout Macleod Strong Scotch Ale. Für die Winterversion wurde das Bier mit Ypióca Cachaça Ouro aromatisiert, einem in Holzfässern gereiften Zuckerrohrschnaps aus Brasilien. Anschließend durfte das Bier zusätzlich auf mittelgerösteter Eiche reifen. Dadurch entsteht ein komplexes Zusammenspiel aus Malz, Holz, Spirituose und Fassaromen.

Bereits optisch zeigt sich die Winter Cachaça Oaked Edition äußerst charaktervoll. Das Bier präsentiert sich in einem dunklen Braunton mit deutlicher Hefetrübung. Der Schaum ist zwar nur von kurzer Dauer und verschwindet nahezu unmittelbar nach dem Einschenken, was bei starken und holzgereiften Bieren jedoch nicht ungewöhnlich ist.

In der Nase dominieren zunächst Karamell- und Kaffeenoten. Dazu gesellen sich deutliche Holzaromen, während der Cachaça eher unterstützend wirkt und sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt. Die Aromatik wirkt komplex, ohne überladen zu sein.

Der Antrunk fällt überraschend weich aus. Eine angenehme Malzsüße trifft auf eine sehr feinperlige Kohlensäure, die dem kräftigen Bier eine elegante Struktur verleiht. Bereits hier wird deutlich, dass es sich um ein Genussbier handelt, das Zeit und Aufmerksamkeit verdient. Im Körper entfaltet sich schließlich die ganze Komplexität. Die Holznoten treten gemeinsam mit dem Cachaça deutlich hervor und verbinden sich mit Karamell- sowie dezenten Röstaromen. Besonders interessant ist die Assoziation zu einem fassgereiften Bockbier. Trotz seines kräftigen Charakters wirkt das Bier nicht schwerfällig. Das samtige Mundgefühl sorgt für eine bemerkenswerte Eleganz, während der Alkohol die vorhandenen Aromen unterstützt und abrundet, ohne jemals scharf oder störend zu wirken. Der Abgang bleibt zunächst erstaunlich mild. Erst langsam gewinnt die alkoholische Wärme an Intensität und begleitet den langen Nachhall. Holz, Karamell und die feinen Spirituosennoten bleiben dabei lange präsent und laden zum nächsten Schluck ein.

Mit der Winter Cachaça Oaked Edition 2025 ist Armout Macleod ein außergewöhnliches Winterbier gelungen. Die Kombination aus kräftigem Scotch Ale, brasilianischem Cachaça und Eichenreifung erzeugt ein vielschichtiges Geschmackserlebnis, das sowohl Liebhaber starker Biere als auch Freunde fassgereifter Spezialitäten begeistern dürfte. Die exotischen Einflüsse bleiben dabei stets dezent und ergänzen den Charakter des Bieres, anstatt ihn zu überdecken.

Besonders gut passt das Bier zu geschmorten Rinderbacken, Wildgerichten oder einem kräftigen Schokoladendessert. Auch gereifter Gouda, alter Comté oder würziger Bergkäse harmonieren hervorragend mit den Holz-, Karamell- und Spirituosennoten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hafer, Zucker, Cachaca, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Bittereinheiten:

26 IBU

Farbe:

36 EBC

Brauerei:

Brauw
Molenstraat 37-/1
3600 Genk
Belgien
www.brauw.be

Dame Jeanne – Brut sur Lie

Bier oder Schaumwein? Beim Brut sur Lie der belgischen Brauerei Dame Jeanne verschwimmen die Grenzen auf faszinierende Weise. Das Spezialbier wird nach der traditionellen Flaschengärmethode hergestellt, die man vor allem aus der Champagner- und Sektherstellung kennt. Das Ergebnis ist ein Getränk, das sowohl Bierliebhaber als auch Freunde prickelnder Aperitifs neugierig machen dürfte.

Die Geschichte von Dame Jeanne ist dabei bemerkenswert. Nachdem das Unternehmen ursprünglich Schaumweine produzierte, entschied man sich 2012 dazu, die Erfahrung aus der traditionellen Flaschengärung auf Bier zu übertragen. Seitdem entstehen sogenannte Brutbiere, die mit besonderem Aufwand hergestellt werden. Eine lange Flaschengärung von mindestens drei Monaten sowie der Einsatz natürlicher Champagnerhefen sorgen für die charakteristische Perlage und eine außergewöhnliche geschmackliche Komplexität.

Bereits beim Einschenken macht das Brut sur Lie deutlich, dass hier kein gewöhnliches Bier im Glas landet. Die goldene Farbe präsentiert sich kristallklar, während ein feinporiger Schaum die Oberfläche schmückt. Besonders beeindruckend ist die hervorragende Schaumstabilität, die dem Bier eine elegante Erscheinung verleiht.

In der Nase dominieren fruchtige Eindrücke. Grüne Trauben stehen klar im Vordergrund und erinnern unmittelbar an Wein oder trockenen Sekt. Ergänzt werden die Aromen durch Anklänge von Apfel, Birne sowie dezenten Steinobstnoten, die an Aprikose und Pfirsich denken lassen.

Der Antrunk fällt ausgesprochen trocken aus. Eine kräftige Kohlensäure sorgt für viel Lebendigkeit und verstärkt den Eindruck eines hochwertigen Schaumweins. Im weiteren Verlauf entwickeln sich die weinartigen Noten immer stärker. Süße ist praktisch nicht vorhanden, stattdessen zeigt sich eine feine, angenehm eingebundene Bittere. Trotz des schlanken Körpers wirkt das Brut sur Lie keineswegs dünn. Vielmehr entsteht ein erstaunlich weiches und rundes Mundgefühl, das dem Bier zusätzliche Eleganz verleiht.

Im Abgang bleibt das Bier zunächst mild, bevor die feine Hopfenbittere langsam und sehr langanhaltend nachklingt. Gerade dieser Nachhall sorgt dafür, dass das Brut sur Lie trotz aller schaumweinähnlichen Eigenschaften stets als Bier erkennbar bleibt.

Als Speisenbegleiter empfiehlt sich das Brut sur Lie insbesondere zu kräftigen Käsesorten, Blauschimmelkäse, Fischgerichten oder Meeresfrüchten. Seine trockene Art und die lebendige Kohlensäure harmonieren hervorragend mit diesen Aromen.

Das Dame Jeanne Brut sur Lie ist kein Bier für den schnellen Durst, sondern ein Genussbier für besondere Momente. Die Verbindung aus traditioneller Bierbraukunst und den Techniken der Schaumweinherstellung schafft ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis. Wer gerne über den Tellerrand klassischer Bierstile hinausblickt und trockene, elegante Getränke schätzt, sollte diesem Brutbier unbedingt eine Chance geben. Besonders als Aperitif oder Begleiter festlicher Anlässe spielt es seine Stärken eindrucksvoll aus.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Bittereinheiten:

19 IBU

Farbe:

 8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° Celsius

Brauerei:

Dame Jeanne
Bernard de Vanderlaan 10
2950 Kapellen
Belgien
www.Damejeanne.be

Enigma – Black Fuel

Bei einem Bier namens „Black Fuel“ denkt man unweigerlich an etwas, das Energie liefert. Vielleicht an Kaffee, vielleicht an dunkle Winternächte oder an einen Motor, der dringend Nachschub braucht. Im Glas landet jedenfalls kein schwarzes Öl, sondern ein belgisches Strong Dark Ale mit satten 9,5 Volumenprozent Alkohol. Und das überrascht mehr, als der Name zunächst vermuten lässt.

Optisch macht das Bier sofort Eindruck. Tiefschwarz und blickdicht liegt es im Glas, darüber thront ein fester haselnussbrauner Schaum mit bemerkenswert guter Standfestigkeit. Die Erscheinung verspricht Schwere und Intensität – beinahe wie ein Stout.

Schon der Duft bestätigt diesen Eindruck. Dunkle Schokolade steht klar im Vordergrund, begleitet von Mokka und einer angenehmen Lakritznote, abgerundet durch einige dunkle Früchte. Dahinter lauert eine dezente Süße, die das kräftige Aromenspiel abrundet. Wer hier an Kaffee denkt, liegt nicht völlig falsch.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und zugleich überraschend spritzig. Das nimmt dem Bier etwas von seiner erwarteten Wucht und macht neugierig auf den weiteren Verlauf. Im Körper dominieren Schokoladennoten. Fruchtige Aromen bleiben eher im Hintergrund, blitzen nur kurz auf. Bemerkenswert ist allerdings etwas anderes: Trotz der 9,5 % Alkohol wirkt das Bier erstaunlich frisch und beinahe schlank. Das hätte ich bei einem so dunklen und kräftigen Vertreter nicht erwartet. Die Bittere bleibt zurückhaltend und überlässt den Röstaromen und der Süße die Hauptrolle. Irgendwo zwischen Schokolade, Kaffee, Karamell und einem Hauch Lakritz bewegt sich dieses Bier auf einem schmalen Grat zwischen belgischem Strong Dark Ale und Stout – ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren. Im Abgang wird das Bier trockener. Die Bittere nimmt etwas zu, bleibt aber moderat und angenehm eingebunden. Besonders auffällig ist der lange Nachklang: Das Bier verabschiedet sich nur langsam und hinterlässt noch Minuten später Spuren von Röstaromen und dunkler Süße.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weichweizen, Hopfen, Kandiszucker, Hefe

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Bittereinheiten:

29 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

10° – 12° Celsius

Brauerei:

Enigma Belgian Brewery
Nijverheidslaan 5A
3290 Diest
Belgien
https://www.facebook.com/EnigmaBelgianBrewery/

Wilderen – Cuvée Clarisse Wild Weasel Whisky Infused

Manche Biere trinken sich nebenbei. Andere verlangen Aufmerksamkeit, Zeit – und idealerweise keinen frühen Termin am nächsten Morgen. Das Cuvée Clarisse Wild Weasel Whisky Infused gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Hier trifft ein bereits mehrfach ausgezeichnetes Starkbier auf hauseigenen Whisky. Das Ergebnis: 10,2 Prozent Alkohol und die unausgesprochene Empfehlung, das Glas nicht hastig zu leeren.

Optisch zeigt sich das Bier tiefschwarz und hefetrüb. Der feinporige, hellbraune Schaum baut sich stabil auf und bleibt erstaunlich lange erhalten. Schon der erste Eindruck wirkt schwer, beinahe majestätisch – ein Bier, das keine Zurückhaltung kennt.

In der Nase entfaltet sich sofort eine intensive Mischung aus Röstaromen, Whisky, dunkler Schokolade und Lakritz. Kandis schwingt mit und rundet das Ganze ab. Die Aromatik wirkt dicht und vielschichtig, ohne dabei chaotisch zu werden. Bereits hier wird klar: Dieses Bier möchte eher entdeckt als getrunken werden.

Der Antrunk beginnt überraschend weich. Eine deutliche Malzsüße trifft auf extrem feinperlige Kohlensäure und sorgt für einen fast cremigen Einstieg. Schnell entwickelt sich ein volles, schweres Mundgefühl mit samtiger Struktur. Im Körper finden Süße und Bittere eine bemerkenswert ausgewogene Balance. Die Lakritznoten treten deutlich hervor, begleitet von den charakteristischen Whisky-Aromen. Der Alkohol bleibt keineswegs verborgen, wirkt aber nicht störend. Stattdessen liefert er eine angenehme Wärme, die sich langsam ausbreitet – fast so, als würde das Bier nebenbei noch einen kleinen Kamin anzünden. Im Abgang bleibt das Cuvée Clarisse überraschend mild. Der Whisky verabschiedet sich langsam, begleitet von Röstaromen und einer anhaltenden Wärme. Der Nachklang zieht sich lange und bestätigt noch einmal den Charakter dieses Bieres: Genuss statt Geschwindigkeit.

Interessant ist dabei, dass die Whiskyinfusion nicht versucht, das Bier zu dominieren. Vielmehr entsteht eine Verbindung, bei der beide Seiten erkennbar bleiben. Das macht die Komposition harmonischer, als man bei 10,2 Prozent und kräftigen Aromen erwarten könnte.

Somit ist das Cuvée Clarisse Wild Weasel Whisky Infused kein Bier für jeden Anlass. Es ist ein Begleiter für ruhige Abende, kalte Tage oder Momente, in denen ein Getränk mehr sein darf als bloße Erfrischung. Schwer, samtig, wärmend – und mit genug Tiefe, um sich bewusst Zeit dafür zu nehmen.

Besonders gut passt das Bier zu dunkler Schokolade, Schokoladendesserts, kräftigem Blauschimmelkäse oder Zigarren-Aromen. Auch ein langsam geschmortes Wildgericht könnte die würzigen und whiskybetonten Noten hervorragend ergänzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Gewürze, Wild Weasel Whisky

Alkoholgehalt:

10,2 % Vol.

Bittereinheiten:

28 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

12° – 14° Celsius

Brauerei:

Brasserie Wilderen
Wilderenlaan 8
3803 Wilderen
Belgien
www.brouwerijwilderen.be

Hanssens Artisanaal – Cassis Lambic

Wer sich mit belgischen Lambics beschäftigt, stößt früher oder später auf Hanssens Artisanaal. Die traditionsreiche Geuzestecherei blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1896 reicht. Heute führt bereits die dritte Generation den Betrieb fort – mit einer klaren Leidenschaft für traditionelle Lambic-Stile und spontane Gärung. Das Cassis verbindet diese Tradition mit schwarzen Johannisbeeren und verspricht damit eine ungewöhnliche Mischung aus Frucht, Säure und Reife.

Im Glas zeigt sich das Bier in einer Farbe, die eher an hellen Rotwein erinnert als an klassische Bierstile. Kristallklar und praktisch ohne Schaum wirkt das Erscheinungsbild fast elegant – und gleichzeitig ungewöhnlich.

In der Nase übernimmt sofort die Lambic-Säure die Kontrolle. Die schwarzen Johannisbeeren, immerhin mit beachtlichen 400 Gramm pro Liter eingesetzt, treten überraschend zurück und bleiben zunächst eher Andeutung als Hauptdarsteller. Wer einen fruchtbetonten Auftritt erwartet, wird hier bereits merken: Dieses Bier folgt eigenen Regeln.

Der Antrunk überrascht dann deutlich. Statt kompromissloser Säure erscheint zunächst eine angenehme Süße, begleitet von fruchtigen Eindrücken. Kohlensäure spielt praktisch keine Rolle, was dem Bier einen ruhigen, beinahe weinartigen Charakter verleiht. Im weiteren Verlauf verändert sich das Bild spürbar. Die Süße weicht einer trockenen Struktur, während die typische Lambic-Säure zunehmend in den Vordergrund tritt. Die Frucht wird dabei fast überlagert und bleibt eher Begleiterscheinung. Trotz der intensiven Aromen wirkt das Mundgefühl schlank und leicht. Im Abgang zeigt das Cassis schließlich seine wilde Seite. Die Säure bleibt präsent und wird von einem Hauch Weinessig ergänzt. Was bei weniger gelungenen Sauerbieren schnell störend wirken könnte, fügt sich hier erstaunlich harmonisch ein und sorgt für einen langen, eigenständigen Eindruck.

Kurz gesagt: Das Hanssens Artisanaal Cassis ist kein Fruchtbier für unkomplizierte Erfrischung. Schwarze Johannisbeeren liefern zwar den Ausgangspunkt, doch im Mittelpunkt stehen die trockene Säure und die typische Lambic-Charakteristik. Das Ergebnis erinnert streckenweise eher an Naturwein als an Bier – spannend, ungewöhnlich und definitiv nichts für Freunde klassischer Süße.

Zutaten:

Wasser, Schwarze Johannisbeeren (40 %), Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Hanssens Artisanaal
Vroenenbosstraat 15
1653 Beersel
Belgien
https://www.hanssens-artisanaal.be/