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Br. de la Senne – Bruxellensis

Mit dem Bruxellensis hat die Brasserie de la Senne ein Bier geschaffen, das sich bewusst außerhalb gängiger Geschmacksprofile bewegt. Dieses Brett-IPA vereint Säure, Frucht, Holz und eine markante Bittere zu einem komplexen Gesamtbild – und richtet sich damit klar an erfahrene Craft-Beer-Fans.

Gegründet wurde die Brasserie de la Senne 2003 von Yvan De Baets und Bernard Leboucq. Seit dem Umzug nach Brüssel im Jahr 2010 gehört sie zu den prägenden Kräften der belgischen Craft-Beer-Szene. Die Brauerei steht für kompromisslose Qualität, sorgfältig ausgewählte Rohstoffe und eine klare Handschrift: hopfenbetonte Biere, gemischte Gärungen und Experimente mit wilden Hefen.

Das Bruxellensis beginnt als obergäriges Pale Ale, entwickelt seinen eigentlichen Charakter jedoch erst durch die lange Reifung. Über mehrere Monate arbeitet die wilde Hefe Brettanomyces weiter am Bier, bevor es zusätzlich in Weinfässern aus Nuits-Saint-Georges lagert und schließlich in der Flasche nachgärt. Diese Kombination soll nicht nur für eine außergewöhnliche Aromatik sorgen, sondern auch dafür, dass sich das Bier über die Zeit weiterentwickelt. Jede Flasche kann sich geschmacklich leicht anders präsentieren – ein spannender Aspekt für Liebhaber komplexer Biere.

Im Glas zeigt sich das Bruxellensis golden und hefetrüb. Der feine, leicht getönte Schaum bleibt lange erhalten rundet den rustikalen Eindruck ab.

Das süße und intensive Bouquet ist vielschichtig und fordert Aufmerksamkeit: Milchsäure und joghurtartige Frische treffen auf grasige Hopfennoten. Dazu gesellen sich fruchtige Eindrücke von Apfel, Zitrus und tropischen Früchten, begleitet von einer feinen, pfeffrigen Würze.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß und spritzig. Am Gaumen entfaltet sich ein intensives Spiel aus Säure, Frucht und Holz. Noten von Grapefruit und Cider treffen auf eine zunehmend kräftige Bittere, die an Wermut erinnert. Dazu kommen typische Brett-Aromen wie Leder, die dem Bier seinen „wilden“ Charakter verleihen. Das Mundgefühl ist weich. In der Kehle wird das Bier trocken, die Bittere wird kräftiger und klingt lange nach.

Das Bruxellensis ist kein Bier für nebenbei. Es fordert, überrascht und polarisiert – und genau darin liegt seine Stärke. Wer sich auf die wilde Aromatik einlässt, wird mit einem einzigartigen Geschmackserlebnis belohnt, das weit über klassische Bierstile hinausgeht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten:

40 IBU

Farbe:

9 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 8° Celsius

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be

De Dochter van de Korenaar – L’Esprit de Noël

Die Brauerei De Dochter van de Korenaar ist bekannt für kreative und charakterstarke Biere – und mit dem jährlichen Weihnachtsbier „L’Esprit de Noël“ liefert die Brauerei ein spannendes Beispiel für ein gewürztes Porter. Mit Zutaten wie Zimt, Ingwer, Süßholz und geräuchertem Chili verspricht das Bier bereits auf dem Etikett ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis.

Im Glas zeigt sich das Bier tiefschwarz und blickdicht. Die feinporige, haselnussbraune Schaumkrone ist stabil und unterstreicht den hochwertigen Eindruck.

In der Nase dominieren klassische Porter-Aromen: Schokolade und Lakritz stehen im Vordergrund, begleitet von holzigen Nuancen, Karamell und einem dezenten Hauch Zimt, der bereits auf die Gewürzkomponente hinweist.

Der Antrunk ist von einer zurückhaltenden Malzsüße geprägt. Die Kohlensäure ist eher fein und gering dosiert, dennoch wirkt das Bier überraschend frisch und zugänglich. Am Gaumen bleibt die Süße präsent und wird von Zimt begleitet, während sich die anderen Gewürze eher im Hintergrund halten. Eine minimale Säure sorgt für etwas Spannung, Bittere ist hingegen kaum wahrnehmbar. Das Mundgefühl ist weich und rund. In der Kehle zeigt sich das Bier mild, wobei der Zimt nun etwas deutlicher hervortritt. Die Bittere bleibt dezent, der Nachklang ist mittellang und angenehm würzig.

Insgesamt ist das L’Esprit de Noël ein harmonisch abgestimmtes, eher sanftes Weihnachtsbier, bei dem die Gewürze – allen voran der Zimt – die Hauptrolle spielen, ohne das Bier zu überladen. Ideal für alle, die es zur Winterzeit aromatisch, aber nicht zu schwer mögen.

Zutaten:

Wasser, Hopfen, Hefe, Weizenmalz, Gerstenmalz, Zimt, Ingwer, Süßholz, geräucherte Chilis

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

BRAUW – Armout Macleod Bourbon oaked

Mitten im lebendigen Zentrum von Genk hat sich BRAUW als moderne Stadtbrauerei etabliert – bodenständig im Ansatz, kreativ im Ergebnis. Hier trifft handwerkliches Brauen auf eine klare lokale Identität, die sich bewusst an regionalen Traditionen und Limburger Besonderheiten orientiert.

Im Mittelpunkt steht bei BRAUW die Leidenschaft für ein ehrliches Produkt: Bier. Gebraut wird mit einfachen, bewusst gewählten Methoden, die den Charakter der Zutaten in den Vordergrund stellen. Trotz aller Experimentierfreude bleibt die Brauerei ihrem eigenen Stil treu – reduziert auf das Wesentliche, ohne dabei langweilig zu werden.

Der Name BRAUW ist dabei Programm. Er spielt nicht nur auf das Brauen selbst an, sondern trägt mehrere Ebenen in sich: „RAW“ steht für die ursprünglichen, unverfälschten Techniken, während der kreative Anspruch und die überraschenden Geschmackserlebnisse durchaus ein spontanes „WOW“ hervorrufen können. Gleichzeitig versteht sich BRAUW auch als Plattform für andere – insbesondere für Hobbybrauer, deren Handwerk hier wertgeschätzt und unterstützt wird.

Hinter all dem steht Gründer und Braumeister Joris Mentens, der mit BRAUW eine Brauerei geschaffen hat, die Handwerk und Innovation verbindet – und dabei immer auch Raum für persönliche Geschichten im Glas lässt.

Vor mir steht jetzt das Brauw Armout Macleod Bourbon Oaked, eine spezielle limitierte Winterbier-Edition von BRAUW. Dieses Bier basiert auf dem beliebten Armout Macleod Scotch Ale, einem vollmundigen und reichhaltigen Bierstil mit warmen Karamellnoten und einem sanften, malzigen Abgang, der typisch für starke schottische Ales ist. Brauw hat das klassische Rezept weiter verfeinert, indem das Bier mit Bourbon-getränkter Eiche gereift wurde.

Braun fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine haselnussbraune Schaumkrone, die leider recht flott in sich zusammenfällt.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel: Vanille, Karamell und ein Hauch von Bourbon steigen zuerst auf, dazu dunkle Schokolade, geröstetes Malz, dazu ein Hauch Lakritz und ein dezenter Anklang von Eiche. Dahinter schwingen Noten von getrockneten Früchten und ein leichter Hauch von Alkoholwärme mit.

Der Antrunk ist weich und vollmundig. Eine angenehme Malzsüße, kombiniert mit einer feinperligen und trotzdem kräftigen Kohlensäure trifft auf Noten von Karamell und Vanille, Kaffee und Kakao. Im Mittelteil sorgt die Fassreifung für zusätzliche Tiefe: Holzige Nuancen und eine feine Bourbon-Note geben dem Bier Struktur, ohne es zu dominieren. Die Bittere bleibt moderat und rundet das Gesamtbild harmonisch ab. Der Körper ist kräftig und die zehn Volumenprozent Alkohol sind sehr gut eingebunden. In der Kehle zeigt sich das Bier lang und wärmend, mit einer eleganten Kombination aus Röstaromen, Eiche und einem Hauch von Whisky-Charakter.

Das BRAUW Armout Macleod Bourbon Oaked ist ein komplexes, fassgereiftes Bier mit viel Tiefe und Balance. Kraftvoll, aber nicht überladen – und genau das Richtige für alle, die dunkle, aromatische Biere mit Holzfass-Charakter schätzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haver, Roggen, Zucker, Bourbon, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

36 EBC

Brauerei:

Brauw City Brewery
Molenstraat 37/1
3600 Genk
Belgien
www.brauw.be

De Meester – Winter Meesterke

Die Brauerei Brouwerij De Meester aus dem belgischen Lendelede gehört zu den spannenden Vertretern der modernen belgischen Bierszene. Gegründet von einer Braumeisterin mit internationaler Erfahrung, steht De Meester für handwerklich gebraute Biere, die traditionelle belgische Stile mit einer klaren, zeitgemäßen Handschrift verbinden. Hier wird nicht laut experimentiert, sondern gezielt verfeinert – mit viel Gespür für Balance und Charakter.

Die Brauerei verspricht, mit dem Winter Meesterke eine Interpretation des klassischen belgischen Winterbiers anzubieten, die genau weiß, was sie will: Wärme, Tiefe und ein gutes Maß an Eleganz.

Im Glas zeigt sich das Bier blickdicht schwarz. Die haselnussbraune Schaumkrone baut sich feinporig auf und bleibt stabil stehen – ein ruhiger, aber vielversprechender Auftakt.

In der Nase entfaltet sich sofort ein komplexes Aromenspiel. Karamell, dunkle Schokolade und eine angenehme Süße treffen auf würzige Noten von Nelke und einem Hauch Zimt. Dazu kommen getrocknete Früchte wie Rosinen und Pflaumen, die dem Bouquet eine angenehme Tiefe verleihen und an Weihnachten erinnern. Im Hintergrund schwingt eine dezente alkoholische Wärme mit, die neugierig auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist weich, rund und fast cremig. Eine sanfte Malzsüße eröffnet das Geschmackserlebnis, wird jedoch schnell von würzigen Hefenoten eingefangen. Die Kohlensäure ist etwas knapp dosiert, aber feinperlig und gut eingebunden. Sie unterstützt die Struktur und sorgt dafür, dass das Bier trotz seiner Tiefe angenehm trinkbar bleibt. Der Alkohol ist deutlich spürbar, aber hervorragend integriert – wärmend, ohne dominant zu sein. Jetzt zeigen sich Aromen von dunkler Schokolade, leicht gebranntem Zucker, erneut Trockenfrüchten und aus dem Hintergrund etwas Ingwer. Alles wirkt harmonisch, nichts drängt sich in den Vordergrund. In der Kehle wird das Winter Meesterke etwas trockener. Eine feine und leichte Bittere begleitet die ausklingenden malzigen und würzigen Noten und sorgt für einen langen, angenehmen Nachhall, der direkt Lust auf den nächsten Schluck macht.

Insgesamt ist das Winter Meesterke ein gelungenes Beispiel für ein belgisches Winterbier: komplex, ausgewogen und mit genau der richtigen Portion Wärme. Ein Bier für ruhige Abende, das sich Zeit nimmt – und diese auch von Ihnen einfordert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Spezialmalze, Spekulatiusgewürz, getrocknete Orangenschale, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Meester
Nelcastraat 1
8860 Lendelede
Belgien
https://www.brouwerij-demeester.be/

Hedonis – Go with the Snow

Die Brouwerij Hedonis ist ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn Leidenschaft auf Neugier trifft. Gegründet 2015 von zwei bierbegeisterten Tüftlern, entwickelte sich das Projekt schnell von ersten Experimenten zu einer ernstzunehmenden Craft-Brauerei. Seit 2022 wird im eigenen Sudhaus in den flämischen Ardennen gebraut – mit Respekt vor der Tradition, aber immer mit dem Blick nach vorne. Der Name ist hier Programm: Hedonis steht für Genuss, Freude und Biere mit Charakter.

Kommen wir zum Bier: „Go with the Snow“ – schon der Name klingt nach Winter, Kaminfeuer und der festen Absicht, heute nicht mehr vor die Tür zu gehen. Im Glas zeigt sich das Bier in einem warmen, leicht trüben Bernstein. Darüber liegt eine cremige, feinporige Schaumkrone, die stabil im Glas bleibt und Lust auf den ersten Schluck macht.

Das Aroma ist ein echter Winterspaziergang für die Nase: Karamell und Waldhonig, dazu eine dezente Hefenote, die dem Ganzen Tiefe verleiht. Abgerundet wird das Aroma durch würzige Noten, die an Pfeffer erinnern. Alles wirkt rund, einladend und wunderbar abgestimmt.

Der Antrunk ist weich und geschmeidig, fast schon wärmend. Eine feine Malzsüße, die an Karamell und Honig erinnert, eröffnet das Geschmacksspiel, begleitet von fruchtigen Noten, die sich auch am Gaumen fortsetzen. Die reichlich dosierte feinperlige Kohlensäure ist angenehm eingebunden und unterstützt die Trinkbarkeit. Die Süße bleibt auch am Gaumen erhalten, jetzt begleitet durch eine überraschend kräftige Bittere. Obwohl der Alkohol jetzt durchschmeckt und etwas auf der Zunge brennt, ist das Mundgefühl samtig und schwer. Die Aromen sind präsent, aber nicht aufdringlich. In der Kehle klingt die Bittere kurz nach, während im Mund der Geschmack nach Waldhonig präsent bleibt.

Das Go with the Snow ist ein stimmungsvolles Winterbier mit viel Charakter, das Wärme ins Glas bringt. Perfekt für kalte Abende – oder für alle, die sich einfach ein kleines bisschen Wintergefühl einschenken möchten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Honig, Kandiszucker

Alkoholgehalt:

10,1 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brouwerij Hedonis
Lepelstraat 20
9660 Michelbeke
Belgien
www.hedonis.be

Huyghe – Blanche des Neiges

Jetzt steht vor mir ein Bier aus der Brasserie Huyghe, ein Winterbier namens Branche des Neiges. Dabei handelt es sich um ein typisches belgisches Weißbier mit einem Alkoholgehalt von 4,9 Volumenprozent. Im Gegensatz zu einem Witbier hat die Brauerei hier auf die Verwendung von Koriander und Salz verzichtet. Das ist ungewöhnlich, aber da ich mit den Bieren dieser Brauerei in der Vergangenheit durchgängig gute Erfahrungen gemacht habe, gehe ich davon aus, dass die Brauer auch hier wussten, was sie taten. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Im Glas zeigt sich das Blanche des Neiges in einem hellen, weizengelben Ton mit deutlicher Hefetrübung. Eine feinporige, schneeweiße Schaumkrone setzt sich darüber und bleibt angenehm stabil – genau so, wie man es von einem Weißbier aus Belgien erwarte.

In der Nase entfaltet sich ein frisches und lebendiges Aromenspiel. Zitrusnoten stehen klar im Vordergrund, begleitet von Banane und einer feinen Würze, die an Koriander erinnert. Dahinter schwingen leichte florale Nuancen und ein Hauch von Getreide mit, der dem Duft eine angenehme Tiefe verleiht.

Der Antrunk ist spritzig und erfrischend. Eine lebendige, feinperlige Kohlensäure trägt die Aromen sofort über den Gaumen. Zunächst zeigt sich eine milde, leicht süßliche Malznote, die schnell von fruchtigen Zitrusaromen abgelöst wird. Orange und Zitrone dominieren dabei, unterstützt von einer dezenten, würzigen Note. Im Vergleich zu einem Witbier ist der Geschmack ungewöhnlich kräftig. Trotzdem wirkt das Bier im weiteren Verlauf angenehm leicht und ausgewogen. Eine feine Säure sorgt für zusätzliche Frische und macht das Bier besonders trinkfreudig. Das Mundgefühl ist weich und zugleich lebendig, mit einem schlanken Körper, der perfekt zur erfrischenden Gesamtcharakteristik passt. In der Kehle zeigt sich das Blanche des Neiges trocken und sauber, mit einem leicht würzigen Nachklang und einer zarten Zitrusnote, die noch kurz am Gaumen verweilt.

Insgesamt ist das Blanche des Neiges ein klassisches, sehr gut ausbalanciertes Weißbier, das mit Frische, Würze und hoher Drinkability überzeugt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafer, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Bittereinheiten:

12 IBU

Farbe:

5 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

Brouwerij L. Huyghe
Brusselstw. 282
9090 Melle
Belgien
www.brouwerijhuyghe.be

De Dochter van de Korenaar – La Bière Bock

Schon der erste Blick ins Glas macht deutlich, dass hier kein gewöhnlicher Bock eingeschenkt wird. Das La Bière Bock der belgischen Brauerei De Dochter van de Korenaar präsentiert sich in einem tiefen Mahagoniton, der je nach Lichteinfall zwischen dunklem Kupfer und rötlichem Braun schimmert. Eine feinporige, cremige und elfenbeinfarbene Schaumkrone setzt sich darüber und bleibt erstaunlich stabil – ein erster Hinweis auf den kräftigen Charakter dieses Bieres.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Zunächst steigen deutliche Malznoten auf, die an dunkles Brot, Karamell und geröstete Nüsse erinnern. Dahinter zeigen sich fruchtige Nuancen, wie sie typisch für viele belgische Biere sind: leichte Anklänge von Trockenpflaume, Rosine und ein Hauch dunkler Beeren und Schokolade. Ergänzt wird das Ganze von einer dezenten Würze und einer Spur Alkoholwärme, die bereits ankündigt, dass hier ein kräftiger Vertreter im Glas wartet.

Der erste Schluck bestätigt diesen Eindruck. Das Bier wirkt vollmundig und rund, mit einer satten Malzbasis, die an Toffee, Karamell und dunkle Kruste von Bauernbrot erinnert. Dazu passt gut die sehr feinperlige Kohlensäure. Gleichzeitig bringt die belgische Hefe eine fruchtige und leicht würzige Komplexität ins Spiel. Noten von reifen Früchten, etwas Pflaume und ein Hauch von Gewürznelke mischen sich mit der Malzsüße und sorgen für ein sehr harmonisches Gesamtbild. Am Gaumen präsentieren sich die Röstaromen. Trotz seiner kräftigen Struktur bleibt das La Bière Bock überraschend ausgewogen. Die Hopfung hält sich im Hintergrund, liefert aber genug Bittere, um die malzige Süße zu balancieren. So entsteht ein angenehm runder Eindruck, bei dem kein Element die Oberhand gewinnt. Im Mundgefühl zeigt sich das Bier weich und geschmeidig, nicht zuletzt aufgrund seiner moderaten Kohlensäure, die das volle Aroma elegant trägt. Der Körper ist kräftig, ohne schwer zu wirken. Stattdessen entwickelt sich mit jedem Schluck eine angenehme Wärme, die typisch für einen guten Bock ist. In der Kehle stehen Karamell, dunkles Malz und ein Hauch Trockenfrucht im Vordergrund und sie bleiben noch eine ganze Weile am Gaumen zurück, begleitet von einer dezenten Bittere, die Lust auf den nächsten Schluck macht.

Insgesamt ist das La Bière Bock ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie sich die deutsche Bockbiertradition mit belgischer Braukunst verbinden lässt. Kraftvoll, aromatisch und zugleich elegant – ein Bier, das man nicht hastig trinkt, sondern in Ruhe genießt. Ideal für einen gemütlichen Abend, an dem das Glas ruhig ein wenig länger in der Hand bleiben darf.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Farbe:

20 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Broeder Jacob – Winterklokje

Die Brouwerij Broeder Jacob ist eine kleine belgische Familienbrauerei aus der Provinz Limburg. Gegründet wurde sie von den Brüdern Raf und Kristof Geuens, die sich bewusst der traditionellen belgischen Braukunst verschrieben haben. In ihrer Brauerei entstehen charaktervolle Spezialbiere, die in vielen Fällen in der Flasche ein zweites mal gären und dadurch eine besonders lebendige Aromatik entwickeln. Trotz moderner Technik bleibt das Brauen hier ein Handwerk, bei dem Zeit, Erfahrung und hochwertige Zutaten eine entscheidende Rolle spielen. Jetzt steht vor mir das Winterklokje (deutsch: Winterglocke), das wie der Name schon sagt, nur in der kalten Jahreszeit gebraut und verkauft wird.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Winterklokje im Glas. Die Schaumkrone baut sich cremig und stabil auf und ist haselnussbraun. Insgesamt wirkt das Bier optisch sehr einladend – genau so, wie ich es von einem belgischen Winterbier erwarte.

In der Nase präsentiert sich das Winterklokje angenehm komplex. Süßliche Malznoten erinnern an Karamell. Dazu gesellen sich Aromen, die an dunkle Schokolad, Expresso und Lakritz erinnern. Abgerundet wird der Duft durch fruchtige Hefearomen, die an Orangen und reife Birnen erinnern. Im Hintergrund tauchen feine Gewürznoten auf – ein Hauch von Nelke, etwas Zimt und eine leichte Pfeffrigkeit, die typisch für viele belgische Biere ist.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße aus, wobei die reichliche Karbonisierung für die angenehme Frische sorgt. Auf der Zunge wird das Bier trockener und es entfaltet sich ein malzbetontes Geschmacksbild mit Karamell, Honig und einer recht kräftigen Toastnote, die mich durchaus an Verbranntes denken lässt. Schnell folgen die fruchtigen Hefearomen, die dem Bier eine lebendige Tiefe verleihen. Eine dezente Gewürznote sorgt im Mittelteil für zusätzliche Wärme, während eine sanfte Hopfenbittere das Bier angenehm ausbalanciert. Dabei ist das Mundgefühl überraschend schlank und der Alkohol ist gut eingearbeitet. In der Kehle wirkt das Bier weich, leicht würzig und es bleibt mit einer feinen, eleganten Bittere noch lange am Gaumen präsent.

Insgesamt zeigt sich das Winterklokje als klassisches belgisches Winterbier: aromatisch, wärmend und wunderbar ausgewogen. Ein Bier, das besonders an kalten Abenden seine ganze Stärke entfaltet – und dabei beweist, dass belgische Braukunst auch im Winter ausgesprochen gemütlich sein kann.

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 10° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Broeder Jacob
Beninksstraat 28
3111 Wezemaal
Belgien
www.broederjacob.com/

De Leite – Paljas Winter Whisky Infused

Hinter dem Paljas-Bier steht die belgische Brauerei Brouwerij De Leite aus Oostkamp in der Nähe von Brügge. Sie gehört zu jener Generation moderner belgischer Brauer, die Tradition nicht als Museum verstehen, sondern als Werkzeugkasten. Gebraut wird mit natürlichen Zutaten und Flaschengärung, gleichzeitig erlaubt man sich aber kreative Spielräume. Genau daraus entsteht die Paljas-Reihe, deren Name übersetzt so viel wie Narr oder Spaßmacher bedeutet. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: ernsthaft handwerklich gebraut, aber bitte ohne bierernste Attitüde. Klassische belgische Stile werden hier nicht kopiert, sondern freundlich angestupst. Und genau aus dieser Reihe stammt auch das Paljas Winter. Ein mit Whisky veredeltes Winter Ale mit 7,5 Volumenprozent Alkohol, das jetzt vor mir steht.

Rotbraun und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist etwas dürftig und so fällt sie auch schnell in sich zusammen.

Das Bier duftet malzbetont mit röstigen Noten und Karamell, etwas Karamell, nach Trockenfrüchten und Whisky. Ein so komplexes Aroma macht bei mir selbstverständlich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß und er überzeugt durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge kommt der Geschmack nach Rosinen und Whisky in den Vordergrund, wobei der Whisky weniger für Rauch als für wohlige Wärme sorgt – eher Ohrensessel als Lagerfeuer. Die Bittere ist sehr zurückhaltend. Mir fällt auf, dass das Bier für 7,5 Volumenprozent Alkohol einen recht schlanken Körper hat. In der Kehle wird der Geschmack des Whiskys kräftiger, so dass er die anderen Aromen überdeckt. Dafür klingt der Geschmack sehr lange nach und jetzt macht sich auch der Alkohol wärmend bemerkbar.

Ich finde dieses Bier gerade aus diesem Grund interessant: Es ist kein typisches Gewürzbier und auch kein süßes Dessert-Stout. Statt Weihnachtsgewürzen stehen Malz, belgische Gäraromen und Wärme im Mittelpunkt. Das Ergebnis ist ein Winterbier, das nicht nach Jahrmarkt schmeckt, sondern nach ruhigem Abend. Weniger Glühwein-Stimmung, mehr Kaminzimmer.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Whisky

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Bittereinheiten:

35 IBU

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brouwerij de Leite
De Leiteweg 32a
8020 Oostkamp
Belgien
www.deleite.be

Circus – Winter Ale

Wer eine Brauerei „Circus Brouwerij“ nennt, verpflichtet sich natürlich zu einem gewissen Unterhaltungsprogramm. Hinter dem Namen stecken tatsächlich zwei ehemalige Zirkusartisten aus Belgien, die irgendwann beschlossen haben, dass Applaus zwar schön ist, aber ein volles Glas deutlich nachhaltiger wirkt. Also gründeten sie eine Brauerei – und machen seitdem Biere mit mehr Charakteren als eine Kleinkunstbühne an einem Freitagabend.

Die Etiketten lesen sich entsprechend wie ein Programmheft, und jedes Bier bekommt seine eigene Rolle. Beim Winter Ale betritt ein Lebkuchenmännchen die Manege. Sie wissen also schon vor dem ersten Schluck: Hier wird nicht nur gebraut, hier wird inszeniert.

Im Glas zeigt sich das Circus Winter Ale mahagonifarben mit üppiger elfenbeinfarbener Schaumkrone und einladend.

In der Nase treten sofort Lebkuchengewürze auf den Plan – Weihnachten ohne Einkaufsstress. Dazu kommen Aromen nach Nelken, Karamell, Vanille, Zimt, und etwas Banane, dazu aus dem Hintergrund noch ein Hauch Melasse.

Der Antrunk ist weich und vollmundig. Er zeichnet sich durch seine angenehme Malzsüße sowie die sehr feinperlige Kohlensäure aus. Das Circus Winter Ale ist kein Hauruck-Winterbier. Am Gaumen dominieren die Röstaromen, unterstützt durch die Gewürze, die eindeutig denen des Spekulatius aus den Niederlanden entsprechen. Die Bittere ist stil- und herkunftstypisch gering und das Mundgefühl ist weich. Auch in der Kehle ist das Bier mild, die 10 Volumenprozent Alkohol wärmen im Magen und in der Kehle klingt der Geschmack überraschend lange nach.

Das ist kein Durstlöscher, sondern ein Begleiter. Eines dieser Biere, bei denen man automatisch langsamer trinkt und plötzlich anfängt, über das Leben nachzudenken – oder zumindest darüber, ob noch Plätzchen da sind. Und das Schönste: Das Circus Winter Ale ist flüssiger Advent, ganz ohne Last Christmas im Radio.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker, Hefe, Gewürze, Frühstückskuchen

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

28 EBC

Brauerei:

Circus Brouwerij
Transfostraat 28
8550 Zwevegen
Belgien
https://www.circusbrouwerij.be