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Verhaeghe – Duchesse Cherry

Fruchtbiere haben in Belgien eine lange Tradition. Während viele Bierfreunde bei Kirschbier sofort an Kriek und die Welt der Lambics denken, geht die Duchesse Cherry einen anderen Weg. Als Grundlage dient kein Lambic, sondern ein flämisches Rotbraunes Bier aus Westflandern, das durch Fassreifung und gemischte Gärung seine charakteristische Säure erhält. Zusammen mit echten belgischen Sauerkirschen entsteht daraus ein Bier, das Frucht, Säure und Holzaromen auf bemerkenswerte Weise verbindet.

Für die Herstellung werden ausschließlich belgische Sauerkirschen der Sorte „Kriek Gorsem“ verwendet. Auf künstliche Aromen oder Fruchtextrakte verzichtet die Brauerei vollständig. Nach der Reifung des Grundbieres in Eichenfässern erhält das Bier eine großzügige Portion Kirschen, genauer gesagt 20 kg Kirschen je Hektoliter Bier, mit denen es weitere sechs Monate mazeriert. Insgesamt vergehen rund zwei Jahre, bis das fertige Bier in die Flasche kommt.

Im Glas präsentiert sich die Duchesse Cherry in einem leuchtenden Rubinrot. Das Bier ist kristallklar und macht optisch sofort Lust auf den ersten Schluck. Der Schaum baut sich zwar ansprechend auf, fällt jedoch stiltypisch recht schnell wieder zusammen.

Bereits in der Nase wird deutlich, wohin die Reise geht. Die fruchtige Säure steht klar im Vordergrund und erinnert an rote Beeren sowie Sauerkirschen. Die Kirsche selbst bleibt zunächst etwas zurückhaltend und unterstützt das Aromenspiel eher aus dem Hintergrund. Ergänzt wird das Bouquet durch feine Kandisnoten und dezente Holzanklänge aus der Fassreifung.

Der Antrunk wirkt lebhaft und spritzig. Eine dezente Süße sorgt zunächst für Balance, wird jedoch rasch von der Säure eingeholt. Diese Entwicklung macht den Reiz des Bieres aus und sorgt für eine enorme Frische. Im Körper zeigt sich die Duchesse Cherry überraschend säurebetont. Die Säure drängt die vorhandene Süße deutlich in den Hintergrund und prägt das gesamte Geschmacksbild. Gleichzeitig tritt die Kirsche nun wesentlich stärker hervor als noch im Aroma. Dadurch entsteht ein authentischer Fruchteindruck, der weder künstlich noch übertrieben süß wirkt. Der Körper bleibt schlank und unterstützt den erfrischenden Charakter des Bieres. Der Abgang fällt trocken aus. Bittere spielt praktisch keine Rolle, dafür treten die Holznoten aus der Fasslagerung noch einmal deutlich hervor. Der Nachhall bleibt eher kurz, hinterlässt aber einen angenehm trockenen und komplexen Eindruck.

Die Duchesse Cherry richtet sich vor allem an Liebhaber säurebetonter belgischer Spezialitäten. Wer ein süßes Kirschbier erwartet, dürfte überrascht werden. Stattdessen bietet dieses Bier eine spannende Kombination aus authentischer Frucht, markanter Säure und eleganten Fassnoten. Gerade an warmen Tagen oder als Begleiter zu Käse und fruchtigen Desserts entfaltet die westflämische Herzogin ihre Stärken.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Kirschen (0 kg/100 l), Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,8 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Bittereinheiten:

13 IBU

Brauerei:

Brasserie Verhaeghe-Vichte
Sint-Dierikserf 1
8570 Vichte
Belgien
www.brouwerijverhaeghe.be

Brauw – Armout Macleod Cachaca oaked

Rezension: Armout Macleod Winter Cachaça Oaked Edition 2025 – Schottische Stärke trifft brasilianische Exotik

Die belgische Brauerei Armout Macleod ist für kräftige, charakterstarke Scotch Ales bekannt. Mit der Winter Cachaça Oaked Edition 2025 wagt sie jedoch einen ungewöhnlichen Schritt und verbindet die malzige Wucht eines Strong Scotch Ale mit den exotischen Einflüssen eines holzgereiften brasilianischen Cachaça. Das Ergebnis ist ein Winterbier, das Tradition und Experimentierfreude auf bemerkenswerte Weise vereint.

Grundlage der limitierten Sonderedition ist das bekannte Armout Macleod Strong Scotch Ale. Für die Winterversion wurde das Bier mit Ypióca Cachaça Ouro aromatisiert, einem in Holzfässern gereiften Zuckerrohrschnaps aus Brasilien. Anschließend durfte das Bier zusätzlich auf mittelgerösteter Eiche reifen. Dadurch entsteht ein komplexes Zusammenspiel aus Malz, Holz, Spirituose und Fassaromen.

Bereits optisch zeigt sich die Winter Cachaça Oaked Edition äußerst charaktervoll. Das Bier präsentiert sich in einem dunklen Braunton mit deutlicher Hefetrübung. Der Schaum ist zwar nur von kurzer Dauer und verschwindet nahezu unmittelbar nach dem Einschenken, was bei starken und holzgereiften Bieren jedoch nicht ungewöhnlich ist.

In der Nase dominieren zunächst Karamell- und Kaffeenoten. Dazu gesellen sich deutliche Holzaromen, während der Cachaça eher unterstützend wirkt und sich harmonisch in das Gesamtbild einfügt. Die Aromatik wirkt komplex, ohne überladen zu sein.

Der Antrunk fällt überraschend weich aus. Eine angenehme Malzsüße trifft auf eine sehr feinperlige Kohlensäure, die dem kräftigen Bier eine elegante Struktur verleiht. Bereits hier wird deutlich, dass es sich um ein Genussbier handelt, das Zeit und Aufmerksamkeit verdient. Im Körper entfaltet sich schließlich die ganze Komplexität. Die Holznoten treten gemeinsam mit dem Cachaça deutlich hervor und verbinden sich mit Karamell- sowie dezenten Röstaromen. Besonders interessant ist die Assoziation zu einem fassgereiften Bockbier. Trotz seines kräftigen Charakters wirkt das Bier nicht schwerfällig. Das samtige Mundgefühl sorgt für eine bemerkenswerte Eleganz, während der Alkohol die vorhandenen Aromen unterstützt und abrundet, ohne jemals scharf oder störend zu wirken. Der Abgang bleibt zunächst erstaunlich mild. Erst langsam gewinnt die alkoholische Wärme an Intensität und begleitet den langen Nachhall. Holz, Karamell und die feinen Spirituosennoten bleiben dabei lange präsent und laden zum nächsten Schluck ein.

Mit der Winter Cachaça Oaked Edition 2025 ist Armout Macleod ein außergewöhnliches Winterbier gelungen. Die Kombination aus kräftigem Scotch Ale, brasilianischem Cachaça und Eichenreifung erzeugt ein vielschichtiges Geschmackserlebnis, das sowohl Liebhaber starker Biere als auch Freunde fassgereifter Spezialitäten begeistern dürfte. Die exotischen Einflüsse bleiben dabei stets dezent und ergänzen den Charakter des Bieres, anstatt ihn zu überdecken.

Besonders gut passt das Bier zu geschmorten Rinderbacken, Wildgerichten oder einem kräftigen Schokoladendessert. Auch gereifter Gouda, alter Comté oder würziger Bergkäse harmonieren hervorragend mit den Holz-, Karamell- und Spirituosennoten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hafer, Zucker, Cachaca, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Bittereinheiten:

26 IBU

Farbe:

36 EBC

Brauerei:

Brauw
Molenstraat 37-/1
3600 Genk
Belgien
www.brauw.be

Dame Jeanne – Brut sur Lie

Bier oder Schaumwein? Beim Brut sur Lie der belgischen Brauerei Dame Jeanne verschwimmen die Grenzen auf faszinierende Weise. Das Spezialbier wird nach der traditionellen Flaschengärmethode hergestellt, die man vor allem aus der Champagner- und Sektherstellung kennt. Das Ergebnis ist ein Getränk, das sowohl Bierliebhaber als auch Freunde prickelnder Aperitifs neugierig machen dürfte.

Die Geschichte von Dame Jeanne ist dabei bemerkenswert. Nachdem das Unternehmen ursprünglich Schaumweine produzierte, entschied man sich 2012 dazu, die Erfahrung aus der traditionellen Flaschengärung auf Bier zu übertragen. Seitdem entstehen sogenannte Brutbiere, die mit besonderem Aufwand hergestellt werden. Eine lange Flaschengärung von mindestens drei Monaten sowie der Einsatz natürlicher Champagnerhefen sorgen für die charakteristische Perlage und eine außergewöhnliche geschmackliche Komplexität.

Bereits beim Einschenken macht das Brut sur Lie deutlich, dass hier kein gewöhnliches Bier im Glas landet. Die goldene Farbe präsentiert sich kristallklar, während ein feinporiger Schaum die Oberfläche schmückt. Besonders beeindruckend ist die hervorragende Schaumstabilität, die dem Bier eine elegante Erscheinung verleiht.

In der Nase dominieren fruchtige Eindrücke. Grüne Trauben stehen klar im Vordergrund und erinnern unmittelbar an Wein oder trockenen Sekt. Ergänzt werden die Aromen durch Anklänge von Apfel, Birne sowie dezenten Steinobstnoten, die an Aprikose und Pfirsich denken lassen.

Der Antrunk fällt ausgesprochen trocken aus. Eine kräftige Kohlensäure sorgt für viel Lebendigkeit und verstärkt den Eindruck eines hochwertigen Schaumweins. Im weiteren Verlauf entwickeln sich die weinartigen Noten immer stärker. Süße ist praktisch nicht vorhanden, stattdessen zeigt sich eine feine, angenehm eingebundene Bittere. Trotz des schlanken Körpers wirkt das Brut sur Lie keineswegs dünn. Vielmehr entsteht ein erstaunlich weiches und rundes Mundgefühl, das dem Bier zusätzliche Eleganz verleiht.

Im Abgang bleibt das Bier zunächst mild, bevor die feine Hopfenbittere langsam und sehr langanhaltend nachklingt. Gerade dieser Nachhall sorgt dafür, dass das Brut sur Lie trotz aller schaumweinähnlichen Eigenschaften stets als Bier erkennbar bleibt.

Als Speisenbegleiter empfiehlt sich das Brut sur Lie insbesondere zu kräftigen Käsesorten, Blauschimmelkäse, Fischgerichten oder Meeresfrüchten. Seine trockene Art und die lebendige Kohlensäure harmonieren hervorragend mit diesen Aromen.

Das Dame Jeanne Brut sur Lie ist kein Bier für den schnellen Durst, sondern ein Genussbier für besondere Momente. Die Verbindung aus traditioneller Bierbraukunst und den Techniken der Schaumweinherstellung schafft ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis. Wer gerne über den Tellerrand klassischer Bierstile hinausblickt und trockene, elegante Getränke schätzt, sollte diesem Brutbier unbedingt eine Chance geben. Besonders als Aperitif oder Begleiter festlicher Anlässe spielt es seine Stärken eindrucksvoll aus.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Bittereinheiten:

19 IBU

Farbe:

 8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° Celsius

Brauerei:

Dame Jeanne
Bernard de Vanderlaan 10
2950 Kapellen
Belgien
www.Damejeanne.be

Enigma – Black Fuel

Bei einem Bier namens „Black Fuel“ denkt man unweigerlich an etwas, das Energie liefert. Vielleicht an Kaffee, vielleicht an dunkle Winternächte oder an einen Motor, der dringend Nachschub braucht. Im Glas landet jedenfalls kein schwarzes Öl, sondern ein belgisches Strong Dark Ale mit satten 9,5 Volumenprozent Alkohol. Und das überrascht mehr, als der Name zunächst vermuten lässt.

Optisch macht das Bier sofort Eindruck. Tiefschwarz und blickdicht liegt es im Glas, darüber thront ein fester haselnussbrauner Schaum mit bemerkenswert guter Standfestigkeit. Die Erscheinung verspricht Schwere und Intensität – beinahe wie ein Stout.

Schon der Duft bestätigt diesen Eindruck. Dunkle Schokolade steht klar im Vordergrund, begleitet von Mokka und einer angenehmen Lakritznote, abgerundet durch einige dunkle Früchte. Dahinter lauert eine dezente Süße, die das kräftige Aromenspiel abrundet. Wer hier an Kaffee denkt, liegt nicht völlig falsch.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und zugleich überraschend spritzig. Das nimmt dem Bier etwas von seiner erwarteten Wucht und macht neugierig auf den weiteren Verlauf. Im Körper dominieren Schokoladennoten. Fruchtige Aromen bleiben eher im Hintergrund, blitzen nur kurz auf. Bemerkenswert ist allerdings etwas anderes: Trotz der 9,5 % Alkohol wirkt das Bier erstaunlich frisch und beinahe schlank. Das hätte ich bei einem so dunklen und kräftigen Vertreter nicht erwartet. Die Bittere bleibt zurückhaltend und überlässt den Röstaromen und der Süße die Hauptrolle. Irgendwo zwischen Schokolade, Kaffee, Karamell und einem Hauch Lakritz bewegt sich dieses Bier auf einem schmalen Grat zwischen belgischem Strong Dark Ale und Stout – ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren. Im Abgang wird das Bier trockener. Die Bittere nimmt etwas zu, bleibt aber moderat und angenehm eingebunden. Besonders auffällig ist der lange Nachklang: Das Bier verabschiedet sich nur langsam und hinterlässt noch Minuten später Spuren von Röstaromen und dunkler Süße.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weichweizen, Hopfen, Kandiszucker, Hefe

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Bittereinheiten:

29 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

10° – 12° Celsius

Brauerei:

Enigma Belgian Brewery
Nijverheidslaan 5A
3290 Diest
Belgien
https://www.facebook.com/EnigmaBelgianBrewery/

Wilderen – Cuvée Clarisse Wild Weasel Whisky Infused

Manche Biere trinken sich nebenbei. Andere verlangen Aufmerksamkeit, Zeit – und idealerweise keinen frühen Termin am nächsten Morgen. Das Cuvée Clarisse Wild Weasel Whisky Infused gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Hier trifft ein bereits mehrfach ausgezeichnetes Starkbier auf hauseigenen Whisky. Das Ergebnis: 10,2 Prozent Alkohol und die unausgesprochene Empfehlung, das Glas nicht hastig zu leeren.

Optisch zeigt sich das Bier tiefschwarz und hefetrüb. Der feinporige, hellbraune Schaum baut sich stabil auf und bleibt erstaunlich lange erhalten. Schon der erste Eindruck wirkt schwer, beinahe majestätisch – ein Bier, das keine Zurückhaltung kennt.

In der Nase entfaltet sich sofort eine intensive Mischung aus Röstaromen, Whisky, dunkler Schokolade und Lakritz. Kandis schwingt mit und rundet das Ganze ab. Die Aromatik wirkt dicht und vielschichtig, ohne dabei chaotisch zu werden. Bereits hier wird klar: Dieses Bier möchte eher entdeckt als getrunken werden.

Der Antrunk beginnt überraschend weich. Eine deutliche Malzsüße trifft auf extrem feinperlige Kohlensäure und sorgt für einen fast cremigen Einstieg. Schnell entwickelt sich ein volles, schweres Mundgefühl mit samtiger Struktur. Im Körper finden Süße und Bittere eine bemerkenswert ausgewogene Balance. Die Lakritznoten treten deutlich hervor, begleitet von den charakteristischen Whisky-Aromen. Der Alkohol bleibt keineswegs verborgen, wirkt aber nicht störend. Stattdessen liefert er eine angenehme Wärme, die sich langsam ausbreitet – fast so, als würde das Bier nebenbei noch einen kleinen Kamin anzünden. Im Abgang bleibt das Cuvée Clarisse überraschend mild. Der Whisky verabschiedet sich langsam, begleitet von Röstaromen und einer anhaltenden Wärme. Der Nachklang zieht sich lange und bestätigt noch einmal den Charakter dieses Bieres: Genuss statt Geschwindigkeit.

Interessant ist dabei, dass die Whiskyinfusion nicht versucht, das Bier zu dominieren. Vielmehr entsteht eine Verbindung, bei der beide Seiten erkennbar bleiben. Das macht die Komposition harmonischer, als man bei 10,2 Prozent und kräftigen Aromen erwarten könnte.

Somit ist das Cuvée Clarisse Wild Weasel Whisky Infused kein Bier für jeden Anlass. Es ist ein Begleiter für ruhige Abende, kalte Tage oder Momente, in denen ein Getränk mehr sein darf als bloße Erfrischung. Schwer, samtig, wärmend – und mit genug Tiefe, um sich bewusst Zeit dafür zu nehmen.

Besonders gut passt das Bier zu dunkler Schokolade, Schokoladendesserts, kräftigem Blauschimmelkäse oder Zigarren-Aromen. Auch ein langsam geschmortes Wildgericht könnte die würzigen und whiskybetonten Noten hervorragend ergänzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Gewürze, Wild Weasel Whisky

Alkoholgehalt:

10,2 % Vol.

Bittereinheiten:

28 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

12° – 14° Celsius

Brauerei:

Brasserie Wilderen
Wilderenlaan 8
3803 Wilderen
Belgien
www.brouwerijwilderen.be

Hanssens Artisanaal – Cassis Lambic

Wer sich mit belgischen Lambics beschäftigt, stößt früher oder später auf Hanssens Artisanaal. Die traditionsreiche Geuzestecherei blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1896 reicht. Heute führt bereits die dritte Generation den Betrieb fort – mit einer klaren Leidenschaft für traditionelle Lambic-Stile und spontane Gärung. Das Cassis verbindet diese Tradition mit schwarzen Johannisbeeren und verspricht damit eine ungewöhnliche Mischung aus Frucht, Säure und Reife.

Im Glas zeigt sich das Bier in einer Farbe, die eher an hellen Rotwein erinnert als an klassische Bierstile. Kristallklar und praktisch ohne Schaum wirkt das Erscheinungsbild fast elegant – und gleichzeitig ungewöhnlich.

In der Nase übernimmt sofort die Lambic-Säure die Kontrolle. Die schwarzen Johannisbeeren, immerhin mit beachtlichen 400 Gramm pro Liter eingesetzt, treten überraschend zurück und bleiben zunächst eher Andeutung als Hauptdarsteller. Wer einen fruchtbetonten Auftritt erwartet, wird hier bereits merken: Dieses Bier folgt eigenen Regeln.

Der Antrunk überrascht dann deutlich. Statt kompromissloser Säure erscheint zunächst eine angenehme Süße, begleitet von fruchtigen Eindrücken. Kohlensäure spielt praktisch keine Rolle, was dem Bier einen ruhigen, beinahe weinartigen Charakter verleiht. Im weiteren Verlauf verändert sich das Bild spürbar. Die Süße weicht einer trockenen Struktur, während die typische Lambic-Säure zunehmend in den Vordergrund tritt. Die Frucht wird dabei fast überlagert und bleibt eher Begleiterscheinung. Trotz der intensiven Aromen wirkt das Mundgefühl schlank und leicht. Im Abgang zeigt das Cassis schließlich seine wilde Seite. Die Säure bleibt präsent und wird von einem Hauch Weinessig ergänzt. Was bei weniger gelungenen Sauerbieren schnell störend wirken könnte, fügt sich hier erstaunlich harmonisch ein und sorgt für einen langen, eigenständigen Eindruck.

Kurz gesagt: Das Hanssens Artisanaal Cassis ist kein Fruchtbier für unkomplizierte Erfrischung. Schwarze Johannisbeeren liefern zwar den Ausgangspunkt, doch im Mittelpunkt stehen die trockene Säure und die typische Lambic-Charakteristik. Das Ergebnis erinnert streckenweise eher an Naturwein als an Bier – spannend, ungewöhnlich und definitiv nichts für Freunde klassischer Süße.

Zutaten:

Wasser, Schwarze Johannisbeeren (40 %), Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Hanssens Artisanaal
Vroenenbosstraat 15
1653 Beersel
Belgien
https://www.hanssens-artisanaal.be/

De Proefbrouwerij – Bloemenbier

De Proefbrouwerij ist eine unabhängige Familienbrauerei, die sich auf die Entwicklung und Herstellung von Bieren und alternativen Getränken für Dritte spezialisiert hat. Was einst als Leidenschaft für den Brauprozess begann, hat sich zu einem Hightech-Produktionsunternehmen entwickelt, das für Qualität, Innovation und Integrität bekannt ist. Ein Ergebnis der Brauversuche der Proefbrouwerij ist das Bloemenbier, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Schon beim Einschenken macht das Bloemenbier klar, dass es nicht in die klassische Bier-Schublade gesteckt werden möchte. Im Glas zeigt sich ein kräftiger Orangeton mit kristallklarer Erscheinung. Der feste, leicht gelbstichige Schaum baut sich üppig auf und hält erstaunlich lange. Optisch erinnert das Bier eher an einen opulenten Aperitif als an ein klassisches Golden Ale.

In der Nase dominieren Malz und Karamell, begleitet von fruchtigen Orangennoten und einer angenehmen Würze. Die angekündigte florale Welt schwingt mit, wirkt aber weniger verspielt als erwartet. Statt Blumenwiese entsteht eher der Eindruck eines gehaltvollen, süßlichen Gebäcks.

Der Antrunk fällt deutlich süß aus. Die Kohlensäure ist extrem feinperlig und zurückhaltend dosiert, wodurch das Bier fast cremig wirkt. Schnell breitet sich ein weiches, volles Mundgefühl aus, das für ein Bier mit sieben Prozent Alkohol überraschend intensiv erscheint. Die Süße bleibt konstant präsent und wird von fruchtigen Nuancen begleitet. Am Gaumen entwickelt sich das Bloemenbier weiter in Richtung Dessert. Bittere spielt praktisch keine Rolle, stattdessen dominieren schwere, süße und fruchtige Eindrücke. Das Mundgefühl wirkt fast likörartig weich, ohne dass der Alkohol störend hervortritt. Gerade diese Kombination macht das Bier ungewöhnlich: Es trinkt sich weniger wie ein klassisches Ale, sondern eher wie eine flüssige Nachspeise. Der Abgang bleibt mild süß mit vergleichsweise kurzem Nachhall. Die angekündigte herbe Bitterkeit taucht allenfalls in Andeutungen auf und bleibt deutlich zurückhaltender, als man es bei vielen belgischen Spezialitäten erwarten würde.

Das Spannende am Bloemenbier ist weniger seine Komplexität als seine Eigenständigkeit. Die Verwendung nicht näher bezeichneter Blütenzutaten und die Herkunft aus dem Umfeld der Universität Gent machen neugierig. Im Glas entsteht daraus ein Bier, das konsequent einen anderen Weg geht – weg von Bittere und Frische, hin zu Süße, Fülle und Dessertcharakter. Das Bloemenbier ist kein Bier für den schnellen Durst und vermutlich auch keines für eingefleischte Pils-Trinker. Dafür eignet es sich hervorragend als flüssiges Dessert.

Zutaten:

Wasser, GERSTENMALZ, Hopfen, Blütenhonig, Invertzucker

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 12° Celsius

Brauerei:

De Proefbrouwerij
Doornzelestraat 20
9080 Lochristi-Hijfte
Belgien
www.proefbrouwerij.com

Hugel – Invidia

Das Invidia, das jetzt vor mir steht, hat die Brauerei Hugel bei der belgischen Brauerei The Brew Society gebraut. Es handelt sich um ein Stout mit 10,5 Alkohol, gebraut mit Rohstoffen aus biologischen Anbau. Stilistisch bewegt sich das Bier an der Grenze zwischen Stout und Quadrupel. Die Bitterkeit stammt weniger vom Hopfen als von den intensiv gerösteten Malzen, bleibt dabei jedoch stets im Hintergrund und unterstützt das Gesamtbild eher, als dass sie dominiert. Zahlreiche Auszeichnungen – darunter Gold bei der Brussels Beer Challenge 2015 und beim Concours International de Lyon 2017 sowie weitere Medaillen bei internationalen Wettbewerben – bestätigen den hohen Anspruch und die Qualität dieses Bieres. Damit ist aber auch genug der Vorrede. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Das Stout präsentiert sich im Glas tiefschwarz und blickdicht, gekrönt von einem feinporigen, hellbraunen Schaum mit beeindruckender Standfestigkeit. Schon optisch wird klar: Hier wartet kein Leichtgewicht.

In der Nase entfaltet sich ein komplexes Aromenspiel. Dunkles Karamell, Kakao und Kaffee bilden die Grundlage, ergänzt durch Noten von reifen und getrockneten Früchten sowie eine leicht waldige, fast schon tertiäre Aromatik. Das wirkt vielschichtig und lädt zum längeren Verweilen ein.

Der Antrunk startet süß, getragen von einer feinperligen, angenehm zurückhaltenden Kohlensäure. Im weiteren Verlauf zeigt sich ein weicher, voller Körper, der die Aromen harmonisch trägt. Eine dezente fruchtige Säure sorgt für zusätzliche Tiefe, während der Alkohol bemerkenswert gut eingebunden ist. Geschmack und Nachhall wirken rund und nahezu nahtlos miteinander verschmolzen. Der Abgang ist mild und weich, ohne Ecken und Kanten, was den Gesamteindruck eines sehr zugänglichen, gleichzeitig aber komplexen Bieres unterstreicht.

Somit ist das Invidia ein vielschichtiges, hervorragend ausbalanciertes Stout mit Anklängen an ein Quadrupel. Komplex, rund und mit großer aromatischer Tiefe – ein Bier für ruhige Genussmomente.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Rohrzucker, Hopfen, Kakao, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

10° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Hugel
Pervijzestraat 29
8500 Kortrijk
Belgien
www.hugel.be

bei

The Brew Society
Kortrijksestraat 103A
8501 Heule
www.thebrewsociety.be

Duvel – Duvel Tripel Hop Citra

Wenn eine Traditionsbrauerei plötzlich experimentierfreudig wird, lohnt sich ein genauer Blick ins Glas. Genau das passiert seit 2010 bei Duvel Moortgat, wo die Braumeister Jahr für Jahr neue Varianten ihres Tripel Hop entwickeln. Ziel ist es, klassische belgische Braukunst mit modernen Hopfenprofilen zu verbinden – und dabei immer wieder neue Geschmackserlebnisse zu schaffen.

Eine besonders spannende Ausgabe dieser Reihe ist das Duvel Tripel Hop Citra aus dem Jahr 2017. Hier trifft das klassische Tripel auf eine ausgeprägte Hopfenaromatik, die man sonst eher aus der Craft-Beer-Szene kennt. Das Ergebnis ist ein Bier, das Tradition und Moderne erstaunlich mühelos miteinander vereint.

Im Glas zeigt sich das Bier kristallklar und in einem hellgoldenen Farbton, gekrönt von einer stabilen schneeweißen Schaumkrone, die recht lange erhalten bleibt.

Bereits beim ersten Schnuppern wird klar, wohin die Reise geht: Frische, fruchtige Aromen dominieren das Bouquet. Zitrusnoten, tropische Früchte, Honig und eine dezente, süßmalzige Komponente sorgen für einen einladenden ersten Eindruck.

Der erste Eindruck beim Antrunk besteht aus einer angenehmen Spritzigkeit und fruchtigen Süße, die aber keinesfalls aufdringlich wird. Am Gaumen setzt sich dieses Bild fort – allerdings mit mehr Tiefe. Zitrus, Grapefruit und Stachelbeere treffen auf exotische Fruchtnoten und werden von einer feinen Honigsüße getragen. Dazu kommen die typischen belgischen Hefearomen, die dem Bier seine charakteristische Komplexität verleihen. Die verwendeten Hopfensorten Saaz, Styrian Golding und Citra sorgen für eine ausgewogene Bittere und ein klares, aromatisches Profil. Das Mundgefühl ist voll, bleibt dabei aber frisch. Der Alkohol ist sehr gut eingearbeitet und unterstützt die anderen Aromen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. In der Kehle wird das Bier trockener, die Bittere wird kräftiger und auch fruchtiger. Der Geschmack klingt sehr lange nach.

Unterm Strich ist das Duvel Tripel Hop Citra ein gelungenes Beispiel dafür, wie klassische Bierstile durch gezielten Hopfeneinsatz neu interpretiert werden können. Oder anders gesagt: Ein belgisches Tripel, das gelernt hat, ein bisschen lauter zu sprechen – ohne seine Wurzeln zu vergessen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Glukosesirup, Hopfen (Saazer, Styrian Golding, Citra), Hopfenextrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Bittereinheiten:

40 IBU

Farbe:

5 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 8° Celsius

Brauerei:

Duvel Moortgat
Breendonk-Dorp 58
2870 Puurs
Belgien
www.duvel.com

Br. de la Senne – Bruxellensis

Mit dem Bruxellensis hat die Brasserie de la Senne ein Bier geschaffen, das sich bewusst außerhalb gängiger Geschmacksprofile bewegt. Dieses Brett-IPA vereint Säure, Frucht, Holz und eine markante Bittere zu einem komplexen Gesamtbild – und richtet sich damit klar an erfahrene Craft-Beer-Fans.

Gegründet wurde die Brasserie de la Senne 2003 von Yvan De Baets und Bernard Leboucq. Seit dem Umzug nach Brüssel im Jahr 2010 gehört sie zu den prägenden Kräften der belgischen Craft-Beer-Szene. Die Brauerei steht für kompromisslose Qualität, sorgfältig ausgewählte Rohstoffe und eine klare Handschrift: hopfenbetonte Biere, gemischte Gärungen und Experimente mit wilden Hefen.

Das Bruxellensis beginnt als obergäriges Pale Ale, entwickelt seinen eigentlichen Charakter jedoch erst durch die lange Reifung. Über mehrere Monate arbeitet die wilde Hefe Brettanomyces weiter am Bier, bevor es zusätzlich in Weinfässern aus Nuits-Saint-Georges lagert und schließlich in der Flasche nachgärt. Diese Kombination soll nicht nur für eine außergewöhnliche Aromatik sorgen, sondern auch dafür, dass sich das Bier über die Zeit weiterentwickelt. Jede Flasche kann sich geschmacklich leicht anders präsentieren – ein spannender Aspekt für Liebhaber komplexer Biere.

Im Glas zeigt sich das Bruxellensis golden und hefetrüb. Der feine, leicht getönte Schaum bleibt lange erhalten rundet den rustikalen Eindruck ab.

Das süße und intensive Bouquet ist vielschichtig und fordert Aufmerksamkeit: Milchsäure und joghurtartige Frische treffen auf grasige Hopfennoten. Dazu gesellen sich fruchtige Eindrücke von Apfel, Zitrus und tropischen Früchten, begleitet von einer feinen, pfeffrigen Würze.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß und spritzig. Am Gaumen entfaltet sich ein intensives Spiel aus Säure, Frucht und Holz. Noten von Grapefruit und Cider treffen auf eine zunehmend kräftige Bittere, die an Wermut erinnert. Dazu kommen typische Brett-Aromen wie Leder, die dem Bier seinen „wilden“ Charakter verleihen. Das Mundgefühl ist weich. In der Kehle wird das Bier trocken, die Bittere wird kräftiger und klingt lange nach.

Das Bruxellensis ist kein Bier für nebenbei. Es fordert, überrascht und polarisiert – und genau darin liegt seine Stärke. Wer sich auf die wilde Aromatik einlässt, wird mit einem einzigartigen Geschmackserlebnis belohnt, das weit über klassische Bierstile hinausgeht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten:

40 IBU

Farbe:

9 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 8° Celsius

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be