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Österreich sucht den besten Biersommelier: Staatsmeisterschaft 2026 in Vorarlberg

Am 15. Mai 2026 wird Vorarlberg zum Zentrum der österreichischen Bierkultur: Die 7. Österreichische Biersommelier-Staatsmeisterschaft bringt die besten Bierexpertinnen und -experten des Landes zusammen, um ihr Können unter Beweis zu stellen.

Organisiert im Auftrag des Verbands der Brauereien Österreichs, findet der Wettbewerb im Rahmen der Staatsmeisterschaft der Hobby- und gewerblichen Brauereien statt und verspricht ein Event auf höchstem fachlichen Niveau.

Wer wird Österreichs bester Biersommelier?

Teilnahmeberechtigt sind alle ausgebildeten Biersommelièren und Biersommeliers mit österreichischer Staatsbürgerschaft oder Hauptwohnsitz in Österreich. Im Wettbewerb geht es nicht nur um den nationalen Titel, sondern auch um die Qualifikation für die Weltmeisterschaft der Sommeliers für Bier 2027.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen ihr Fachwissen, ihre sensorischen Fähigkeiten und ihre Präsentationsstärke unter Beweis stellen – eine Kombination, die den Beruf des Biersommeliers so besonders macht.

Finale vor Publikum

Ein Highlight der Veranstaltung ist das öffentliche Finale der besten sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Diese „Final 6“ treten ab 17:00 Uhr im Frödischsaal in Zwischenwasser/Muntlix vor einer hochkarätig besetzten Jury an. Mit dabei ist unter anderem der amtierende Staatsmeister Oliver Klamminger.

Für Besucher bietet sich hier die seltene Gelegenheit, Spitzenleistungen in der Bierverkostung live zu erleben und einen Einblick in die professionelle Welt der Biersommeliers zu bekommen.

Bierkultur auf höchstem Niveau

Die Staatsmeisterschaft ist mehr als nur ein Wettbewerb – sie ist auch ein Fest der Biervielfalt. Vorarlberg als Austragungsort unterstreicht dabei die Bedeutung regionaler Braukultur und handwerklicher Qualität.

Österreich zählt zu den Ländern mit besonders vielen ausgebildeten Biersommeliers, was die Veranstaltung zusätzlich unterstreicht: Hier trifft Leidenschaft auf Fachwissen – und am Ende wird gekürt, wer das Bierhandwerk am besten versteht.

Ein Termin, den sich Bierinteressierte und Branchenkenner gleichermaßen vormerken sollten.

Pfand spenden, Gutes tun: Wie eine Brauerei soziale Hilfe und Nachhaltigkeit verbindet

Manchmal reicht ein leerer Getränkebehälter, um etwas zu bewegen. In Österreich zeigt die Initiative „Ottakringer Pfandfinder“, wie aus Pfand ein sozialer Beitrag werden kann – und das mit erstaunlicher Wirkung.

Die Idee dahinter ist ebenso simpel wie wirkungsvoll: Leere Flaschen und Dosen werden nicht zurückgegeben, sondern gespendet. Der Erlös fließt an Die Tafel Österreich, die mit jedem Euro bis zu fünf Mahlzeiten für Menschen in Not bereitstellen kann. Ein kleiner Betrag mit großer Hebelwirkung – gerade in Zeiten, in denen immer mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen sind.

Nach einem erfolgreichen Auftakt im Jahr 2025, bei dem Pfand im Wert von 10.000 Euro gesammelt wurde, geht die Aktion nun in die nächste Runde. Dahinter steht eine Kooperation aus Die Tafel Österreich, der Ottakringer Brauerei und dem Wien Energie Business Run. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, soziale Hilfe und ökologische Verantwortung miteinander zu verknüpfen.

Im Zentrum steht ein auffälliges, zwei Meter hohes Spendenherz, das bei Veranstaltungen und auf dem Gelände der Brauerei zum Einsatz kommt. Hier können Besucher ihre Pfandflaschen und -dosen einwerfen – ganz nach dem Motto „Spenden statt kübeln!“. So wird aus einem vermeintlichen Abfallprodukt ein Beitrag zur Kreislaufwirtschaft und gleichzeitig eine direkte Unterstützung für Bedürftige.

Alexandra Gruber, Geschäftsführerin von Die Tafel Österreich, bringt es auf den Punkt: „Jede gespendete Pfanddose und -flasche entfaltet eine doppelte Wirkung“. Sie erklärt weiter: „Sie trägt dazu bei, wertvolle Rohstoffe im Kreislauf zu halten – und ermöglicht gleichzeitig, dass wir noch mehr armutsbetroffene Menschen mit Lebensmitteln versorgen können. Angesichts der mehr als 400.000 Menschen in Österreich, die unter schwerer Ernährungsarmut leiden, ist das von unschätzbarem Wert.“

Auch große Veranstaltungen spielen eine wichtige Rolle. Beim Wien Energie Business Run etwa zeigte sich bereits im vergangenen Jahr, wie gut das Konzept funktioniert. Sportlicher Ehrgeiz trifft hier auf gesellschaftliches Engagement – und sorgt dafür, dass sich viele Menschen ganz nebenbei an der Aktion beteiligen.

Für Veranstalter Gerhard Wehr ist genau das der Kern des Ganzen: „Der Wien Energie Business Run versteht sich als aktive Plattform, um Unternehmen mit dem Charity-Gedanken zu vernetzen.“ Und weiter: „Wir wollen hier ganz bewusst als Brückenbauer fungieren und Partnern den Raum geben, ihre soziale Verantwortung mit sportlichem Teamgeist zu vereinen.“

Dass hinter der Initiative mehr als nur ein kurzfristiger Effekt steckt, zeigt ein Blick auf die Zahlen: 10.000 Euro an Pfandspenden entsprechen rund 50.000 Mahlzeiten. Ein Ergebnis, das verdeutlicht, wie viel durch niedrigschwellige Beteiligung erreicht werden kann.

Auch bei der Ottakringer Brauerei sieht man in dem Projekt einen wichtigen Beitrag über das eigentliche Kerngeschäft hinaus. Geschäftsführer Florian Hochebner erklärt: „Die Initiative Pfandfinder zeigt für uns auf eine sehr einfache, aber wirkungsvolle Art, wie viel man gemeinsam bewegen kann.“ Und ergänzt: „Für uns ist klar: Verantwortung hört nicht beim Produkt auf – sie beginnt genau dort, wo wir als Unternehmen etwas zurückgeben können.“

Spannend ist dabei der Blick über die Landesgrenzen hinaus. Denn das Konzept könnte durchaus auch in Deutschland Schule machen. Pfandsysteme sind hier etabliert, die Infrastruktur ist vorhanden – was fehlt, ist oft nur die Idee, sie gezielt für soziale Zwecke zu nutzen. Die „Pfandfinder“-Initiative liefert dafür ein überzeugendes Beispiel.

So zeigt sich: Manchmal braucht es keine großen Gesten, sondern nur eine leere Flasche zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Niki Riegler wird Sprecher der österreichischen CulturBrauer

Niki Riegler (Bild: Brauerei Hirt)

Die österreichische Bierlandschaft bekommt eine neue Stimme: Niki Riegler, Eigentümer und Geschäftsführer der Privatbrauerei Hirt in Kärnten, hat den Vorsitz der Vereinigung der CulturBrauer übernommen. Mit dieser Rolle vertritt er künftig acht der bedeutendsten unabhängigen Familienbrauereien Österreichs.

Der Wechsel erfolgte planmäßig Ende Februar bei einem Treffen der CulturBrauer im oberösterreichischen Freistadt. Riegler folgt damit auf Paul Steininger, Geschäftsführer der Braucommune in Freistadt, der die Wertegemeinschaft im vergangenen Jahr geführt hatte.

Die CulturBrauer wurden 2008 von acht unabhängigen Privatbrauereien gegründet – darunter auch die Privatbrauerei Hirt. Ziel der Initiative war es von Anfang an, eine Plattform für Austausch, Zusammenarbeit und ein gemeinsames Auftreten zu schaffen. Seitdem bündeln die Mitgliedsbetriebe ihre Kompetenzen, entwickeln gemeinsame Projekte und setzen sich gemeinsam für den Erhalt und die Weiterentwicklung der österreichischen Bierkultur ein.

Riegler betont dabei besonders den Charakter der Vereinigung: „Die CulturBrauer sind eine starke Gemeinschaft von Individualisten, die eines eint: die Leidenschaft für authentisches Bier und das Bewusstsein für unsere soziale und regionale Verantwortung.“ Gleichzeitig sieht er in seiner neuen Aufgabe auch eine wichtige Rolle für die Zukunft der Branche. „Es ist mir eine große Ehre, den Vorsitz für das Jahr 2026 zu übernehmen. Gerade in einer Zeit des Wandels ist es wichtig, die Vielfalt und Eigenständigkeit der österreichischen Privatbrauereien sichtbarer denn je zu machen.“

Zeit als wichtiger Bestandteil der Bierqualität

Die neue Rolle steht auch unter einem Leitgedanken, der eng mit der Philosophie der Privatbrauerei Hirt verbunden ist: Zeit. Unter dem Motto „Die Zeit nehm ich mir“ setzen die CulturBrauer bewusst auf langfristiges Denken und sorgfältige Brauprozesse.

Gerade in einer Branche, in der wirtschaftlicher Druck oft zu immer schnelleren Produktionszyklen führt, wollen die beteiligten Brauereien einen anderen Weg gehen. Geduld im Brauprozess, persönliche Beziehungen zu Kunden und Partnern sowie ein respektvoller Austausch innerhalb der Branche sollen weiterhin im Mittelpunkt stehen.

Für Riegler ist Zeit dabei nicht nur ein organisatorischer Faktor, sondern eine entscheidende Zutat beim Bierbrauen. Erst durch langsame Gärung und ausreichend Reifezeit entstehen charaktervolle Biere, die ihre Herkunft im Geschmack widerspiegeln.

Unabhängigkeit als gemeinsames Fundament

Ein zentrales Thema der CulturBrauer ist außerdem die Unabhängigkeit. Die Mitgliedsbetriebe verstehen sich bewusst als Alternative zu großen Konzernstrukturen. Familiengeführte Brauereien mit regionaler Verwurzelung und langfristigem Blick sollen die Vielfalt der österreichischen Bierkultur erhalten.

Die Privatbrauerei Hirt selbst steht beispielhaft für diesen Ansatz. Als eine der ältesten Brauereien Österreichs wurde sie bereits 1270 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1846 befindet sich der Betrieb im Besitz der heutigen Eigentümerfamilie und wird mittlerweile in der fünften und sechsten Generation geführt.

Die Brauerei setzt auf hochwertige Rohstoffe, klares Bergquellwasser und einen besonders schonenden Brauprozess. Das Unternehmen trägt das internationale Slow Brewing-Gütesiegel, das für eine langsame Gärung, lange Reifung und besonders hohe Qualitätsstandards steht. Das Sortiment umfasst derzeit 15 unterschiedliche Biersorten, die regelmäßig bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet werden.

Dank an den bisherigen Vorsitz

Mit der Übergabe des Vorsitzes verbindet die Privatbrauerei Hirt auch einen Dank an Rieglers Vorgänger. Paul Steininger habe der Gemeinschaft im vergangenen Jahr wichtige Impulse gegeben und die Zusammenarbeit der Mitgliedsbetriebe weiter gestärkt.

Unter der neuen Leitung soll die Kooperation der CulturBrauer nun weiter ausgebaut werden. Ziel bleibt es, Bierliebhaber für die Vielfalt regionaler Spezialitäten zu begeistern und die Rolle unabhängiger Privatbrauereien in Österreich langfristig zu stärken.

Damit bleibt die Vereinigung ihrer ursprünglichen Idee treu: eine starke Plattform für Brauereien, die ihre Eigenständigkeit bewahren und gleichzeitig gemeinsam für die österreichische Bierkultur eintreten wollen.

Österreichs Braubilanz 2025: Brauerei-Branche im Wandel

Die europäische Bierwelt entdeckt gerade eine Wahrheit wieder, die Stammtische schon lange kennen: Gute Laune trinkt mehr als schlechte. Oder, wie es der österreichische Branchenvertreter Karl Schwarz formuliert: Zuversicht ist der Konsummotor schlechthin. 2025 lief dieser Motor allerdings eher im Sparmodus.

In Österreich – einem Land, in dem Bier traditionell nicht als Getränk, sondern als Kulturgut gilt – sank der Gesamtausstoß auf 9,25 Millionen Hektoliter. Das sind gut sieben Prozent weniger als im Jahr davor. Produziert wurden im Inland 7,88 Millionen Hektoliter, exportiert 1,37 Millionen. Besonders deutlich: Der Export brach stärker ein als der heimische Absatz. Allerdings nicht unbedingt, weil plötzlich niemand mehr österreichisches Bier trinken möchte, sondern weil große Konzerne Produktion innerhalb ihrer internationalen Strukturen verschoben haben.

Kurz gesagt: Das Bier verschwindet nicht – es wird nur woanders gebraut.

Der eigentliche Grund liegt tiefer. Weniger Menschen, andere Gewohnheiten, vorsichtigeres Geldausgeben und eine allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit sorgen dafür, dass Konsum insgesamt sinkt. Und Bier ist nun einmal Teil des Konsums. Europaweit betrifft das nicht nur Brauereien, sondern praktisch alle Getränkehersteller.

Der Zenit ist überschritten – aber nicht die Kultur

Die Branche sieht darin keine Krise, sondern eine neue Normalität. Bierausstoß und Pro-Kopf-Konsum sind weiterhin hoch, nur Wachstum in Litern erwartet niemand mehr. Das klingt dramatisch, bedeutet aber vor allem: Die Zeit des „immer mehr“ ist vorbei, die Zeit des „bewusster“ hat begonnen.

Das zeigt sich besonders deutlich beim Ausgehen. Über die Hälfte der Menschen geht seltener in die Gastronomie als früher. Gründe sind nicht nur Geld, sondern auch Zeit und veränderte Prioritäten. Zwei Drittel verzichten gelegentlich aufs Fortgehen, obwohl sie eigentlich Lust hätten.

Das ist für Brauereien schmerzhaft, denn Fassbier ist traditionell die wirtschaftlich attraktivste Kategorie. 2025 wurden umgerechnet zwölf Millionen Krügerl weniger gezapft. Gleichzeitig verschwinden Wirtshäuser – mehrere hundert in den letzten Jahren. Für eine Bierkultur ist das ungefähr so gesund wie Regen im Sudkessel.

Und doch zeigt eine Studie etwas sehr Typisches: Wenn Menschen ausgehen, geht es ihnen besser. Neun von zehn berichten von gesteigertem Wohlbefinden. Drei Viertel würden rückblickend lieber schöne Erinnerungen sammeln als Geld sparen.

Mit anderen Worten: Alle wissen, dass ein Abend im Wirtshaus guttut – sie machen es nur seltener.

Alkoholfrei wächst – aber ersetzt nichts

Während klassische Biere verlieren, wächst eine Kategorie zuverlässig: alkoholfreies Bier. Rund 300.000 Hektoliter wurden 2025 für den heimischen Markt produziert, etwa 60 Millionen Glas Bier ohne Alkohol. Der Anteil liegt zwar erst bei etwa vier Prozent, steigt aber konstant.

Das Interessante daran: Alkoholfreies Bier ersetzt kein normales Bier. Es ergänzt es. Menschen trinken nicht weniger, sie trinken anders – situationsabhängig, bewusster, flexibler. Besonders im Januar oder am Jahresende legten die Absätze deutlich zu.

Oder anders formuliert: Früher gab es Bier oder kein Bier. Heute gibt es Bier und Bier.

Der große Einbruch der Dose

Die drastischste Veränderung kam nicht aus dem Geschmack, sondern aus der Politik: das Einwegpfand. Die Folge war spektakulär – rund 100 Millionen Bierdosen weniger wurden produziert, ein Rückgang um 23 Prozent. Pro Tag wurden 274.000 Dosen weniger gefüllt.

Interessant ist dabei, dass diese Menge fast exakt dem gesamten Produktionsminus entspricht. Die Nachfrage nach Bier ist also nicht einfach verschwunden, sondern hat sich verschoben. Mehrwegflaschen legten leicht zu, besonders die klassische 0,5-Liter-Flasche und kleine Mehrweggebinde.

Die Branche rechnet damit, dass sich die Dose langfristig wieder stabilisiert. Sie hat schlicht zu viele praktische Vorteile bei Veranstaltungen oder unterwegs, um dauerhaft zu verschwinden.

Mehrweg statt Mehr – Nachhaltigkeit wird Alltag

Bier bleibt außerdem das nachhaltigste Getränk im Regal. Der Mehrweganteil stieg auf 72 Prozent. Besonders beliebt: die klassische Halbliterflasche, deren Anteil deutlich wuchs. Auch die kleine 0,33-Liter-Mehrwegflasche legte kräftig zu.

Für Außenstehende klingt das unspektakulär, für Brauereien ist es eine kleine Revolution. Die Verpackung entscheidet zunehmend über Marktanteile – nicht der Alkoholgehalt.

Gleichzeitig stiegen die heimischen Erntemengen bei Hopfen und Braugerste. Dadurch wächst die Eigenversorgung, während die Gesamtproduktion sinkt. Ein paradoxer Effekt: weniger Bier, aber regionaler.

Der Klassiker bleibt König

Trotz aller Trends bleibt eines konstant: Das Märzen dominiert weiterhin klar. Rund 70 Prozent der Produktion entfallen auf den klassischen Lagerstil. Spezialbiere spielen eine Rolle, alkoholfreie wachsen – aber am Ende bestellt die Mehrheit immer noch das, was sie seit Jahren bestellt.

Die Zukunft: weniger Menge, mehr Bedeutung

Die Branche setzt jetzt weniger auf Wachstum in Litern als auf Bedeutung im Alltag. Kampagnen sollen Menschen wieder ins Wirtshaus bringen, Tourismus hilft dabei – mit 157 Millionen Übernachtungen 2025 so stark wie nie.

Denn am Ende hängt die Bierproduktion nicht nur an Durst, sondern an Begegnung. Bier ist kein Einzelkonsumgut, sondern ein soziales Getränk. Wenn Menschen sich treffen, steigt der Absatz. Wenn sie zuhause bleiben, sinkt er.

Die Braubilanz 2025 zeigt daher weniger eine Krise als eine Verschiebung: weg vom Massenkonsum, hin zum Anlass. Weniger Gewohnheit, mehr Entscheidung.

Oder einfacher gesagt: Früher trank man Bier, weil es da war. Heute trinkt man es, weil man es will.

Ein Bierpreis wie vor 125 Jahren

Zeitreisen sind kompliziert. Normalerweise braucht man dafür Physiker, Formeln oder zumindest eine Telefonzelle mit Spezialausstattung. In Graz reicht dagegen ein Krügerl Bier.

Das traditionsreiche Gösser Bräu wurde 1902 eröffnet, damals noch unter dem Namen „Stadt Restaurant Göss“. Zu dieser Zeit kostete ein Bier rund 30 Heller – eine Summe, bei der heutige Bierpreise kurz nervös werden. Zum 125-jährigen Jubiläum hat Wirt Robert Grossauer beschlossen, die Inflation einfach höflich zu ignorieren und den historischen Preis wieder einzuführen. Während der Jubiläumswoche klingelt täglich um 19:02 Uhr die Gösser-Glocke. Ab diesem Moment gilt für 30 Minuten der Bierpreis von damals: umgerechnet 1,50 Euro für ein Krügerl, auf Wunsch sogar alkoholfrei. Wer noch Kronen oder Heller zuhause herumliegen hat, darf sie tatsächlich mitbringen. Alle anderen zahlen ganz gewöhnlich in Euro und tun einfach so, als hätten sie gerade Kaiser Franz Joseph gegrüßt.

Doch nicht nur beim Bier wird die Zeit zurückgedreht. Auch die Speisekarte verhält sich plötzlich wie ein gut gelaunter Historiker. Bratwurst mit Semmel für 3,50 Euro, Krautfleckerl für 6,90 Euro, Gulasch mit Knödel für 8,90 Euro – Preise, bei denen man automatisch nach versteckten Sternchen sucht. Die gibt es aber nicht, nur ehrliche Portionen.

Seit 2005 führt die Familie Grossauer das Haus und hat es über die Jahre renoviert, modernisiert und dennoch den Charakter eines klassischen Wirtshauses bewahrt. Genau dieser Spagat macht den Reiz aus: frische Küche, aber ohne kulinarische Artistik; Tradition, aber ohne Museumsstaub. Der Erdäpfelsalat wird weiterhin nach altem Rezept gemacht, das Rindsgulasch bleibt ein Dauerbrenner und selbst vegane Krautfleckerl haben ihren festen Platz – vermutlich ein Konzept, das man 1902 noch nicht ganz so geplant hatte.

Das Gösser Bräu war schon immer ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Sogar TV-Koch Johann Lafer hat hier einst gelernt, wie Gastronomie funktioniert – vermutlich auch, dass ein gutes Wirtshaus weniger mit Trends als mit Verlässlichkeit zu tun hat.

Und genau das zeigt dieses Jubiläum ziemlich schön: Geschichte wird hier nicht ausgestellt, sondern ausgeschenkt. Man sitzt zusammen, trinkt, isst und wundert sich kurz, warum sich alles plötzlich erstaunlich erschwinglich anfühlt. Für einen Moment ist es eben doch möglich, ein Bier zu bestellen wie im Jahr 1902 – nur ohne Pferdekutsche vor der Tür.

Hawidere in Rudolfsheim-Fünfhaus: 25 Jahre Bierkultur und gute Taten

Am 16. März 2001 öffnete das Hawidere in Rudolfsheim-Fünfhaus zum ersten Mal seine Türen – und seitdem hat es sich als wahres Paradies für Bierliebhaber in Wien etabliert. In einem Gasthaus aus den 1920er Jahren, mit alter Lamperie an den Wänden und einem uralten Holzboden, herrscht eine warme, gemütliche Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt.

Die Auswahl an 14 Fassbieren legt den Fokus auf österreichische Privatbrauereien, ergänzt durch internationale Spezialitäten und spannende Craft Biere. Das Hawidere ist längst kein Geheimtipp mehr: Zahlreiche Auszeichnungen wie „Wiener Bierlokal des Jahres“, Gold bei der Brussels Beer Challenge, Erfolge bei den World Beer Awards und der Staatsmeistertitel bei der Austrian Beer Challenge dokumentieren die exzellente Bierkompetenz des Hauses.

Drei Biersommeliers stehen den Gästen mit Rat und Tat zur Seite und empfehlen das perfekte Bier zu jeder Speise. Zum 25-jährigen Jubiläum hat das Team ein spezielles Jubiläumsbier kreiert – ein Muss für alle Fans der flüssigen Kunst.

„Ich bedanke mich bei all unseren Gästen, die uns über die Jahre die Treue gehalten haben“, so Inhaber Adalbert Windisch. Gefeiert wird vom 12. bis 14. März mit täglichem Holzfassanstich und Live-Musik bei freiem Eintritt – ein Fest für alle Sinne.

Doch das Hawidere denkt nicht nur ans Genießen: Am 24. Mai findet erneut das „Burger Essen für die Gruft“ statt. Der gesamte Erlös aller an diesem Tag verkauften Burger wird an die Gruft gespendet. Bisher konnte das Hawidere im Rahmen dieser Benefizaktion beeindruckende 55.000 Euro für Hilfsorganisationen sammeln – ein Beweis, dass Genuss und soziales Engagement bestens zusammenpassen.

Ob zum Biergenuss, für gute Musik oder um Gutes zu tun – das Hawidere bleibt ein Fixpunkt in der Wiener Bierlandschaft, der Tradition, Geschmack und Herzblut verbindet.

Brau Union Bierkulturbericht 2025: Österreich trinkt bewusster – alkoholfreies Bier weiter im Aufwind

Die Brau Union Österreich präsentiert ihren Bierkulturbericht 2025 in einem komplett neuen Look – und mit klaren Botschaften zum Konsumverhalten der Österreicherinnen und Österreicher. Der Bericht erscheint heuer bereits zum 17. Mal und wurde an das neue, modernere Corporate Design des Unternehmens angepasst. Verantwortlich dafür ist die Linzer Agentur upart, die dem Bericht ein magazinigeres, visuell stärkeres Erscheinungsbild verliehen hat.

Im Zentrum steht wie immer die repräsentative Studie des MARKET Instituts, die das bierige Verhalten der Bevölkerung umfassend abbildet. Trotz eines leicht rückläufigen Trends trinkt weiterhin jede zweite Person in Österreich regelmäßig Bier. Gleichzeitig bleibt das Getränk fest in der heimischen Kultur verankert: 79 Prozent sehen Bier nach wie vor als wichtigen Bestandteil der österreichischen Getränkekultur. Vor allem in Gemeinschaft – auf Partys, Familienfeiern und im Freundeskreis – spielt Bier eine wichtige Rolle und gilt als verbindendes Element zwischen Menschen.

Besonders auffällig ist der gesellschaftliche Wandel hin zu mehr Verantwortungsbewusstsein. Laut Senior Researcher Stefan Anzinger achtet nahezu die Hälfte der Befragten bewusster auf ihren Konsum. Alkoholfreies Bier und Bio-Bier verzeichnen starke Zuwächse: Ein Drittel der Bevölkerung greift mittlerweile zu alkoholfreiem Bier – ein historischer Höchstwert. Interessant ist, dass das Autofahren erstmals nicht mehr der Hauptgrund ist. Vielmehr steht der Wunsch im Vordergrund, Bier genießen zu können, ohne Alkohol trinken zu müssen. Auch Bio-Bier legt zu: 34 Prozent trinken heuer biologisch gebrautes Bier, besonders beliebt ist es bei den 18- bis 49-Jährigen.

Während sich an den beliebtesten Biersorten kaum etwas ändert – Märzen führt vor Pils, Zwickl, Weizen und Lager – wächst das Interesse an Leichtbier deutlich. 26 Prozent sprechen sich dafür aus, nach nur 20 Prozent im Vorjahr. Der Trend zeigt: Vielfalt und bewusster Konsum bestimmen zunehmend die Bierkultur in Österreich.

Die Studie basiert auf einer Befragung von 2.500 Personen ab 18 Jahren im April und Mai 2025. Den vollständigen Bierkulturbericht und den Vorgänger aus dem Vorjahr stellt die Brau Union online zur Verfügung.

Der Bierkulturbericht 2025 zeigt, wie vielfältig, modern und verantwortungsbewusst Österreich heute Bier lebt – und wie stark alkoholfreie sowie biologisch gebraute Sorten die Zukunft der Branche prägen. Den gesamten Bierkulturbericht 2025 sowie den Bericht aus dem Vorjahr gibt es online zum Durchblättern: https://www.brauunion.at/bierkultur/

Der Genuss Guide Austria 2026 ist erschienen

Am 25 11 2025 wurde im Wiener Restaurant Zum Leupold der im medianet Verlag erschienene Genuss Guide Austria 2026 der Öffentlichkeit vorgestellt. Er ist ein Kompendium der besten Delikatessenläden, Bäckereien, Fleischereien, Geschmackswerkstätten und Lebensmittelmanufakturen in Österreich. Das Herausgeber-Duo Andrea Knura und Willy Lehmann widmet sich jenen Menschen, Geschäften, Produktgruppen und Geschichten, die Österreichs kulinarische Vielfalt ausmachen. Der Genuss Guide bleibt dabei seinem Grundgedanken treu, Qualität sichtbar zu machen und genussvollen Lebensmittel-Einkauf in seiner besten Form zu würdigen.

Neu ist in diesem Jahr der Fokus auf die Exzellenz innerhalb der Kategorien, nicht mehr nach Bundesländern, sondern nach Produktgruppen. Zwei Auszeichnungen pro Kategorie – von Käse über Brot, Wurst & Fleisch bis zu Feinkost, Essig & Ölen, Süßem oder Getränken – rücken jene in den Mittelpunkt, die mit Leidenschaft, Wissen und Respekt vor dem Produkt arbeiten. Besonders inspirierend sind auch die tiefgründigen Genuss Talks etwa mit Christian Ruetz über Brotkultur und die Bedeutung regionaler Getreidesorten in Tirol oder mit Roman Thum, von Thum-Schinken, der von Tradition, Handwerk und der Kunst, beständige Werte in die Zukunft zu tragen, erzählt.

Ein kulinarisches Kapitel im Guide gilt dem Burgenland, einem Landstrich, der zeigt, wie eng Genuss, Landschaft und Menschen verbunden sind. Zwischen Weinbergen, Gemüsevielfalt, Steppenrind, Mehlspeisküche sowie kreativen Manufakturen entstehen dort Produkte, die Regionalität auf höchstem Niveau verkörpern und die es hier in seiner besonderen Art, wie nirgendwo im Land, zu kaufen gibt.

Über diese Schwerpunkte in der gedruckten Version des Genuss Guide hinausgehend, findet man unter www.genuss-guide.net über 2000 der besten Geschäfte Österreichs, in denen genussvoller Einkauf abseits der Masse zum Erlebnis wird. So ist der Genuss Guide 2026 gemeinsam mit seinem tagesaktuellen Web-Auftritt nicht nur ein Wegweiser für Feinschmecker, sondern auch eine Hommage an jene, die tagtäglich beweisen, dass echter Genuss Zeit, Wissen und Leidenschaft braucht.

Wo Genuss zu Hause ist – die Genuss Guide Awards

Die Genuss Guide Jury bestehend aus Experten und Genießern hat in neun Genuss-Warengruppen und in der Zusatzkategorie Nachhaltigkeit Betriebe bewertet, die sich durch besondere Qualität und Engagement auszeichnen. Dabei wurden jeweils zwei Geschäfte pro Kategorie ausgewählt, die durch Innovation, besondere Kompetenz oder konsequente Regionalität überzeugen. Vier Sonderpreise, für Start Up, Nachhaltigkeit, Familienbetrieb und Traditionsbetrieb wiederum holen Unternehmen und Unternehmerpersönlichkeiten vor den Vorhang, die ihre Branche entscheidend formen und beeinflussen.

Alle prämierten Betriebe zeigen eine klare Hingabe zu ihren Produkten und setzen Maßstäbe in ihrem Bereich. Denn wo Begeisterung spürbar wird, wo Mitarbeitende mit Stolz erzählen und Kunden mit leuchtenden Augen wiederkommen, dort passiert etwas Magisches. Es sind Orte, an denen man nicht einfach einkauft, sondern das Besondere erlebt. Orte, an denen Qualität kein Schlagwort ist, sondern gelebte Überzeugung.

Ob knuspriges Brot, fein gereifter Käse, ausgesuchte Feinkost, in allen Genuss-Kategorien wurden die wahren Meister ihres Faches entdeckt. Menschen, die Verantwortung übernehmen, Regionalität leben und dabei immer den Blick für das große Ganze behalten. Sie zeigen, dass der Lebensmittelhandel mehr ist als Verkauf: Er ist Begegnung, Kultur, Emotion.

Die Warengruppen-Sieger

Brot & Gebäck

Langer Mühle, 3452 Atzenbrugg

Bäckerei Funder, 5020 Salzburg

Fleisch & Wurst

Metzgerei Horst Stierschneider, 1150 Wien

Frierss Feines Haus, 9500 Villach

Käse

Alma Käslädele Hörbranz, 6912 Hörbranz

Käseland, 1060 Wien

Feinkost

Tre.Culinaria — Feinkost-Greißlerei Seefeld, 6100 Seefeld in Tirol

Delikatessen Jäger, 9020 Klagenfurt

Fisch

Fisch Peer, 6020 Innsbruck

Grüll Fischhandel, 5082 Grödig

Gemüse, Obst, Pilze & Kräuter

Staud’s Pavillon am Brunnenmarkt, 1160 Wien

Pilzzucht Thomas Pfister, 8243 Pinggau

Öl & Essig

Essigmanufaktur Oswald/Schaffer, 8191 Rossegg bei Koglhof

Ölmühle Pronnegg, 8453 St. Johann i. Saggautal

Bier, Wein & Spirituosen

Mohrenbräu Biererlebniswelt — s’Lädele, 6850 Dornbirn

Brennerei Guglhof, 5400 Hallein

Süßer Genuss

Groissböck — Café & Konditorei, 1100 Wien

Café Fingerlos, 5020 Salzburg

Nachhaltigkeit

Bio-Imkerei Konlechner, 2860 Kirchschlag i.d. Buckligen Welt

Dietrich — Vorarlberger Kostbarkeiten, 6923 Lauterach

Die Sonderkategorien

Start Up

Böhmerwald Fisch, 4161 Ulrichsberg

Nachhaltigkeit

Zotter Schokolade, 8333 Riegersburg

Familienbetrieb

Ölmühle Fandler, 8225 Pöllau

Traditionsbetrieb

Meinl am Graben, 1010 Wien

Schwechater Zwicklbock „Selection“ 2025 – Bieranstich mit Bierpapst Conrad Seidl

Im Rahmen der Genuss-Guide-Präsentation nahm Bierpapst Conrad Seidl gemeinsam mit Schwechater Braumeister Andreas Urban und seinem Stellvertreter Georg Gartner den diesjährigen Schwechater Bockbier-Anstich vor. Der Schwechater Bock erhält jedes Jahr eine eigene Rezeptur und steht stets unter einem besonderen Hopfen-Motto. Durch die Auswahl einer jeweils aromabestimmenden Hopfensorte, die bei der letzten Hopfengabe zum Einsatz kommt, entsteht jedes Jahr ein eigenständiges, neues Bockbier. Für den Jahrgang 2025 trägt der braufrische Schwechater Christkindl Zwicklbock den Titel „Selection“ – eine Hommage an die im Mühlviertel gewachsene Hopfensorte Spalter Select, die das Aromaprofil maßgeblich prägt.

Die Brauerei beschreibt das Bier wie folgt: „Der naturtrübe Schwechater Zwicklbock 2025 zeigt sich in einem attraktiven Orange-Gelb mit dichtem, cremefarbenem und feinporigem Schaum. In der Nase entfalten sich saftige Mandarinen-Noten und ein zarter Blütenduft. Am Gaumen überzeugt der Bock durch seine cremige Textur und ein angenehm prickelndes Mundgefühl. Geschmacklich dominieren süße Früchte und feinherbe Zitrusanklänge, die den vollmundigen, kräftigen Körper ideal ergänzen und in ein intensives Finale führen. Die Hopfensorte Spalter Select setzt dabei florale und dezent holzige Akzente, begleitet von einer sich harmonisch steigernden Hopfenbittere.“ Damit steht der Schwechater Zwicklbock „Selection“ 2025 ganz im Zeichen höchster Trinkfreude.

Uttendorf – Pils

Die Brauerei Vitzthum in Helpfau-Uttendorf (Oberösterreich) blickt auf eine beeindruckende Geschichte zurück: Sie wurde bereits im Jahr 1600 gegründet und befindet sich seit vielen Generationen im Besitz der Familie Vitzthum.  Neben dem reinen Braubetrieb betreibt die Familie auch einen Braugasthof, in dem Gäste das Uttendorfer Bier direkt vor Ort genießen können. Ihr bekanntestes Bier ist das Uttendorf Pils, ein klassisches, untergäriges Pilsner mit einem Alkoholgehalt von 4,9 Volumenprozent Alkohol, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine schneeweiße gemischtporige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach hellem Malz und Honig, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine kräftige Karbonisierung aus. Auf der Zunge dominieren die würzigen Noten gemeinsam mit einer ordentlichen freundlichen Bitteren. Das Mundgefühl ist weich und schlank. In der Kehle wird die Bittere kräftiger, wo sie auch sehr lange nachklingt.

Alkoholgehalt.

4,9 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Privatbrauerei Vitzhum GmbH & Co. KG
Uttendorf 25
5261 Uttendorf
Österreich
www.uttendorf-bier.com

Österreichs Trinkkultur im Wandel: Mehr Bewusstsein, mehr Verzicht, mehr 0,0 Prozent

Wie trinken die Menschen in Österreich heute? Und wie verändert sich ihr Umgang mit Alkohol über die Generationen hinweg? Eine aktuelle Umfrage des Online-Research-Instituts Marketagent unter 1.052 Personen zeigt ein facettenreiches Bild: Alkohol bleibt zwar ein fester Bestandteil vieler sozialer Situationen, doch zugleich wächst die Offenheit für bewussten Konsum und alkoholfreie Alternativen.

6 von 10 Österreicherinnen und Österreichern greifen mindestens einmal im Monat zu alkoholischen Getränken. Besonders häufig trinken Millennials, also die 30- bis Mitte-40-Jährigen. Für viele ist Alkohol eng verbunden mit dem Gedanken, sich etwas zu gönnen. Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein deutliches Bedürfnis nach Kontrolle: 83 Prozent haben in den vergangenen Monaten bewusst verzichtet, obwohl andere im Umfeld tranken – bei der Generation Z sogar 91 Prozent.

Der Verzicht nimmt insgesamt zu. Fast ein Fünftel der Bevölkerung trinkt gar keinen Alkohol, bei Frauen sogar jede Vierte. Die Motive reichen von gesundheitlichen Bedenken bis hin zur schlichten Abneigung gegen den Geschmack. Trotz der steigenden Zahl Abstinenter wird der Verzicht im sozialen Umfeld meist neutral bewertet. Nur jüngere Menschen berichten noch häufiger von leichtem Gruppendruck.

Parallel dazu entwickelt sich ein klarer Trend: Alkoholfreie Alternativen werden selbstverständlicher. Zwei Drittel der Bevölkerung haben bereits alkoholfreies Bier oder Virgin Cocktails probiert. Besonders die Generation Z treibt diesen Wandel voran und zeigt die größte Neugier, wenn es um 0,0-Prozent-Getränke geht. Entsprechend wünschen sich viele – insbesondere jüngere Erwachsene – ein breiteres Angebot.

Die Umfrage macht deutlich, dass Österreichs Trinkkultur im Spannungsfeld zwischen Genuss, Selbstkontrolle und gesellschaftlichem Wandel steht. Der kleine persönliche „Gönn-dir“-Moment bleibt wichtig, doch ebenso wichtig wird es, bewusster zu genießen oder ganz zu verzichten. Das Bild einer modernen Trinkkultur, die Raum für alle Lebensstile lässt, zeichnet sich immer klarer ab.