Bier und Speisen intelligent kombinieren

Bier wird beim Thema Speisenbegleitung häufig unterschätzt. Während Wein als Klassiker gilt, führt Bier eher ein Schattendasein – völlig zu Unrecht. Denn kaum ein Getränk bietet eine derart große Bandbreite an Aromen und Stilrichtungen. Genau darin liegt das enorme Potenzial für spannendes Foodpairing.

Die Idee hinter dem Pairing ist simpel: Bier und Speise sollen sich gegenseitig ergänzen oder bewusst gegeneinander arbeiten, um ein intensiveres Geschmackserlebnis zu erzeugen. Entscheidend ist dabei nicht der persönliche Lieblingsstil, sondern das Zusammenspiel der Aromen.

Warum Bier so gut zum Essen passt

Bier kann hopfig, malzig, fruchtig, sauer oder sogar rauchig sein. Diese Vielfalt eröffnet zahlreiche Möglichkeiten. Ein passendes Bier kann ein Gericht geschmacklich unterstützen, einzelne Komponenten hervorheben oder für einen spannenden Gegenpol sorgen. Gerade diese Flexibilität macht Bier zu einem interessanten Partner in der Küche.

Worauf es beim Pairing ankommt

Ein bewährter Ansatz ist, ähnliche Aromen miteinander zu kombinieren. Ein Bier mit ausgeprägten Röstaromen passt gut zu schokoladigen oder kaffeelastigen Speisen. Fruchtige Biere wiederum harmonieren mit Gerichten, die ebenfalls fruchtige Noten mitbringen. Ziel ist ein möglichst stimmiges Gesamtbild.

Ebenso reizvoll sind Kombinationen, die bewusst mit Gegensätzen arbeiten. Bittere Biere können beispielsweise fettige Speisen ausbalancieren, während säuerliche Biere frische Akzente setzen. Gerade bei üppigen Gerichten sorgt ein solcher Kontrast oft für mehr Leichtigkeit.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Intensität. Ein leichtes Gericht verlangt nach einem eher zurückhaltenden Bier, während kräftige Speisen auch ein entsprechend intensives Gegenüber vertragen. Stimmen diese Kräfteverhältnisse nicht, gerät das Pairing schnell aus dem Gleichgewicht.

Beispiele aus der Praxis

Ein klassisches Beispiel ist die Kombination von hellem Lagerbier mit Fisch. Die Frische des Bieres unterstützt die feinen Aromen des Gerichts, ohne sie zu überdecken. Ebenso bewährt ist die Verbindung von Weizenbier mit traditionellen bayerischen Speisen wie Weißwurst und Brezel.

Deftigere Küche profitiert häufig von hopfenbetonten Bieren. Ein IPA kann mit seiner Bitterkeit ein fettiges Gericht wie einen Burger deutlich ausbalancieren. Für süße Speisen bieten sich kräftige, malzbetonte Biere an. Ein Stout mit seinen Kaffee- und Schokoladennoten ergänzt Desserts besonders gut.

Auch ungewöhnlichere Kombinationen können überzeugen. Sauerbiere wie eine Gose passen hervorragend zu Meeresfrüchten, während Rauchbiere gegrillten Speisen zusätzliche Tiefe verleihen.

Der eigene Geschmack als Spielwiese

Am Ende lebt Foodpairing von Neugier. Es gibt keine festen Regeln, die immer funktionieren. Vielmehr geht es darum, verschiedene Kombinationen auszuprobieren und ein Gefühl für Aromen zu entwickeln.

Ein guter Einstieg sind einfache Pairings, bei denen sich die Wirkung schnell nachvollziehen lässt. Wer sich intensiver mit Bier beschäftigt, entdeckt nach und nach neue Möglichkeiten und entwickelt ein Gespür dafür, welche Kombinationen funktionieren.

Bier bietet damit eine enorme Bandbreite für kulinarische Experimente. Wer sich darauf einlässt, wird feststellen, dass sich hinter einem Glas Bier weit mehr verbirgt als nur ein erfrischendes Getränk.

Beim Schreiben dieses Artikels habe ich mich an einem Text orientiert, der auf der Website der Freien Brauer erschienen ist.

Hopfenanbau in Deutschland ist Immaterielles Kulturerbe

Der Hopfenanbau in Deutschland ist offiziell als Immaterielles Kulturerbe anerkannt worden. Diese Auszeichnung würdigt nicht nur die wirtschaftliche Bedeutung des „Grünen Goldes“, sondern vor allem seine kulturelle Rolle für ganze Regionen und Generationen von Hopfenpflanzern.

Große Bedeutung für Bierland Deutschland

Deutschland ist mit einem Weltmarktanteil von rund 35 Prozent der größte Hopfenproduzent weltweit. Besonders in den traditionellen Anbaugebieten wie der Hallertau, Spalt, Tettnang, Elbe-Saale und Bitburg spielt der Hopfen eine zentrale Rolle. Entsprechend groß war die Freude, als der bayerische Ministerrat am 24. März 2026 die Aufnahme des Hopfenanbaus in das Bayerische Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes beschloss.

Der Impuls für die Auszeichnung kam aus der Branche selbst. Der Verband Deutscher Hopfenpflanzer hatte gemeinsam mit dem Deutsches Hopfenmuseum und dem Bayerischer Brauerbund bereits im Herbst 2025 einen Antrag eingereicht. Ein unabhängiges Expertengremium sprach sich anschließend für die Aufnahme aus.

Mehr als nur Landwirtschaft

Die Anerkennung zeigt: Hopfenanbau ist weit mehr als reine Landwirtschaft. Er erfordert spezielles Wissen über die Pflanze, ihre Pflege, Ernte und Vermarktung. Gleichzeitig prägt er das Leben der Menschen, die mit ihm arbeiten – von der täglichen Routine bis hin zu langfristigen Entscheidungen.

Entscheidend für die Aufnahme als Kulturerbe ist dabei nicht allein die Tradition, sondern das gelebte Wissen im Hier und Heute. Wie wird das Know-how weitergegeben? Wie bleibt die Qualität erhalten? Und welche Rolle spielen die Menschen, die den Hopfenanbau tragen?

Genau diese Fragen machen deutlich, dass es sich beim Hopfenanbau um eine lebendige Kulturform handelt. Wirtschaftliche, wissenschaftliche und gesellschaftliche Aspekte greifen ineinander und schaffen ein eigenes Lebensgefühl – besonders in den Regionen, in denen der Hopfen fest verwurzelt ist.

Anerkennung für das „Grüne Gold“

Mit der Eintragung in das Landesverzeichnis wird diese besondere Bedeutung nun offiziell gewürdigt. Der Hopfenanbau in Deutschland steht damit nicht nur für einen wichtigen Rohstoff der Brauwirtschaft, sondern auch für eine kulturelle Praxis, die über Generationen hinweg gewachsen ist und sich stetig weiterentwickelt. Für die Branche ist die Auszeichnung ein starkes Signal – und gleichzeitig ein Auftrag, dieses Wissen und diese Tradition auch in Zukunft zu bewahren und weiterzugeben.

Wer fährt, bleibt nüchtern

Die Deutscher Brauer-Bund (DBB) setzt erneut ein Zeichen für mehr Verantwortung im Straßenverkehr. Mit der Kampagne „DON’T DRINK AND DRIVE“ richtet sich die Branche gezielt an junge Fahrerinnen und Fahrer – mit einer klaren Botschaft: Wer fährt, bleibt nüchtern.

Kampagne im öffentlichen Raum

Die neue Initiative ist derzeit vor allem im Stadtgebiet von Berlin präsent. Unterstützt vom Außenwerber Wall GmbH läuft die Kampagne über mehrere Wochen auf digitalen Werbeflächen im öffentlichen Raum. Ziel ist es, Menschen direkt im Alltag zu erreichen – genau dort, wo Entscheidungen über Mobilität getroffen werden.

Dabei setzt die Kampagne bewusst auf einen humorvollen Zugang, ohne moralischen Zeigefinger. Statt Verbote in den Vordergrund zu stellen, soll ein Bewusstsein für die Risiken von Alkohol im Straßenverkehr geschaffen werden.

Fokus auf junge Fahrer

Im Mittelpunkt stehen insbesondere junge Verkehrsteilnehmer. Obwohl für Fahranfänger in Deutschland ein striktes Alkoholverbot gilt, sind sie laut Einschätzung des Deutschen Brauer-Bundes überdurchschnittlich häufig in alkoholbedingte Unfälle verwickelt. Genau hier setzt die Kampagne an: frühzeitig sensibilisieren, Verantwortung fördern und klare Orientierung geben.

DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele betont, dass Prävention und Aufklärung entscheidend für mehr Verkehrssicherheit sind. Die zentrale Botschaft der Initiative sei heute genauso relevant wie bei ihrem Start vor über 30 Jahren.

Breite Unterstützung

Die Kampagne ist Teil der seit 1993 bestehenden Verkehrssicherheitsinitiative „DON’T DRINK AND DRIVE“. Getragen wird sie von Verbänden der Alkoholwirtschaft und unterstützt von zahlreichen Partnern. Dazu gehört unter anderem die Allianz #mehrAchtung, in der sich mehr als 70 Organisationen engagieren.

Zu den Unterstützern zählen unter anderem der ADAC, die Deutsche Verkehrswacht, die Gewerkschaft der Polizei sowie der Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr. Gemeinsam setzen sie sich für mehr Sicherheit im Straßenverkehr ein.

Neben der Präsenz im öffentlichen Raum engagiert sich die Initiative auch direkt vor Ort: In Schulen und Berufsschulen werden junge Menschen über die Risiken von Alkohol am Steuer informiert und für verantwortungsbewusstes Verhalten sensibilisiert.

Langfristige Präventionsarbeit

Mit der aktuellen Kampagne führt die Branche ihre langjährige Aufklärungsarbeit konsequent fort. Der Ansatz bleibt dabei unverändert: klare Botschaften, zielgruppengerechte Ansprache und eine hohe Sichtbarkeit im Alltag.

Weitere Informationen zur Initiative finden sich hier:
DON’T DRINK AND DRIVE

Brau dir deine Zukunft

Die deutsche Brauwirtschaft startet eine bundesweite Ausbildungsoffensive. Unter dem Motto „Brau Dir Deine Zukunft“ wollen die großen Branchenverbände gezielt junge Menschen für eine Karriere rund ums Bier begeistern.

Gemeinsame Initiative der Branche

Hinter der Kampagne stehen der Deutscher Brauer-Bund, der Private Brauereien Deutschland sowie der Deutscher Braumeister- und Malzmeister-Bund. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, den Ausbildungsberuf Brauer/in und Mälzer/in stärker in den Fokus zu rücken und Nachwuchs für die rund 1.500 Brauereien und Mälzereien in Deutschland zu gewinnen.

Die Kampagne richtet sich dabei nicht nur an klassische Schulabgänger, sondern auch an Studienanfänger und Studierende, die sich neu orientieren möchten. Neben digitalen Angeboten setzt die Initiative bewusst auch auf persönliche Kontakte vor Ort, um möglichst viele Interessierte zu erreichen.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Die Brauwirtschaft ist in Deutschland ein bedeutender Arbeitgeber. Über 27.000 Menschen arbeiten direkt in Brauereien und Mälzereien, hinzu kommen geschätzt mehr als 400.000 indirekte Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Landwirtschaft über Logistik und Verpackung bis hin zu Handel und Gastronomie.

Gerade im ländlichen Raum spielt die Branche eine wichtige Rolle für wirtschaftliche Stabilität und regionale Entwicklung. Gleichzeitig steht sie vor der Herausforderung, ausreichend qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen, um Know-how und Qualität langfristig zu sichern.

Ausbildung mit vielen Perspektiven

Im Zentrum der Kampagne steht die duale Ausbildung zum Brauer und Mälzer. Der Beruf vereint Handwerk, Naturwissenschaft, Technik und Kreativität – eine Kombination, die ihn vielseitiger macht, als viele vermuten. Neben klassischen Karrierewegen wie Meistertitel oder Studium im Bereich Brauwesen eröffnen die erworbenen Kenntnisse auch Möglichkeiten in anderen Branchen.

Die Kampagne will genau diese Vielfalt sichtbar machen. Sie informiert über Ausbildungsinhalte, Arbeitsalltag, Anforderungen und Verdienstmöglichkeiten und zeigt, dass der Beruf moderne Perspektiven in einer nachhaltigen Branche bietet.

Digitale Plattform als Herzstück

Kernstück der Initiative ist die Website

www.zukunft-brauen.de

Dort finden Interessierte umfassende Informationen rund um Ausbildung und Karriere in der Brauwirtschaft. Eine interaktive Brauereikarte erleichtert die Suche nach Ausbildungsbetrieben, während kompakte Antworten häufige Fragen zum Berufsbild klären.

Begleitet wird das Angebot durch Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Dort vermittelt die Kampagne regelmäßig Einblicke in den Braualltag, erklärt Produktionsprozesse und stellt den Beruf in kurzen Videos vor.

Tradition trifft Zukunft

Mit „Brau Dir Deine Zukunft“ setzt die Branche auf eine langfristige Nachwuchsstrategie. Die Botschaft ist klar: Brauen ist ein traditionsreiches Handwerk, das sich ständig weiterentwickelt. Moderne Technik, nachhaltige Prozesse und fundierte Ausbildung machen den Beruf heute so zukunftsfähig wie selten zuvor.

Für die Brauwirtschaft geht es dabei um mehr als nur Fachkräftegewinnung. Es geht darum, eine jahrhundertealte Kultur in die nächste Generation zu tragen – und gleichzeitig neue Perspektiven zu schaffen.

Hugel – Invidia

Das Invidia, das jetzt vor mir steht, hat die Brauerei Hugel bei der belgischen Brauerei The Brew Society gebraut. Es handelt sich um ein Stout mit 10,5 Alkohol, gebraut mit Rohstoffen aus biologischen Anbau. Stilistisch bewegt sich das Bier an der Grenze zwischen Stout und Quadrupel. Die Bitterkeit stammt weniger vom Hopfen als von den intensiv gerösteten Malzen, bleibt dabei jedoch stets im Hintergrund und unterstützt das Gesamtbild eher, als dass sie dominiert. Zahlreiche Auszeichnungen – darunter Gold bei der Brussels Beer Challenge 2015 und beim Concours International de Lyon 2017 sowie weitere Medaillen bei internationalen Wettbewerben – bestätigen den hohen Anspruch und die Qualität dieses Bieres. Damit ist aber auch genug der Vorrede. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Das Stout präsentiert sich im Glas tiefschwarz und blickdicht, gekrönt von einem feinporigen, hellbraunen Schaum mit beeindruckender Standfestigkeit. Schon optisch wird klar: Hier wartet kein Leichtgewicht.

In der Nase entfaltet sich ein komplexes Aromenspiel. Dunkles Karamell, Kakao und Kaffee bilden die Grundlage, ergänzt durch Noten von reifen und getrockneten Früchten sowie eine leicht waldige, fast schon tertiäre Aromatik. Das wirkt vielschichtig und lädt zum längeren Verweilen ein.

Der Antrunk startet süß, getragen von einer feinperligen, angenehm zurückhaltenden Kohlensäure. Im weiteren Verlauf zeigt sich ein weicher, voller Körper, der die Aromen harmonisch trägt. Eine dezente fruchtige Säure sorgt für zusätzliche Tiefe, während der Alkohol bemerkenswert gut eingebunden ist. Geschmack und Nachhall wirken rund und nahezu nahtlos miteinander verschmolzen. Der Abgang ist mild und weich, ohne Ecken und Kanten, was den Gesamteindruck eines sehr zugänglichen, gleichzeitig aber komplexen Bieres unterstreicht.

Somit ist das Invidia ein vielschichtiges, hervorragend ausbalanciertes Stout mit Anklängen an ein Quadrupel. Komplex, rund und mit großer aromatischer Tiefe – ein Bier für ruhige Genussmomente.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Rohrzucker, Hopfen, Kakao, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

10° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Hugel
Pervijzestraat 29
8500 Kortrijk
Belgien
www.hugel.be

bei

The Brew Society
Kortrijksestraat 103A
8501 Heule
www.thebrewsociety.be

Die Astra-Brauerei auf der Reeperbahn hat Insolvenz angemeldet

Die Astra St. Pauli Brauerei galt lange als Rückkehr einer Kultmarke an ihren Ursprungsort. 2018 am Nobistor eröffnet, sollte sie das Bier von Astra Bier wieder erlebbar auf den Kiez bringen – als Mischung aus Brauerei, Gastronomie und Markenwelt. Nun steckt das Projekt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Insolvenz in Eigenverwaltung

Wie aus einer Bekanntmachung des Insolvenzgerichts hervorgeht, hat die Brauerei Insolvenz angemeldet. Gleichzeitig wurde eine sogenannte Eigenverwaltung angeordnet. Das bedeutet: Das Unternehmen bleibt handlungsfähig und versucht, sich unter Aufsicht eines Sachwalters selbst zu sanieren. Eingesetzt wurde dafür ein Vertreter der Hamburger Kanzlei Münzel & Böhm.

Für Gäste und Besucher gibt es zunächst keine unmittelbaren Veränderungen. Der Betrieb der Brauerei sowie des angeschlossenen Restaurants läuft vorerst weiter. Eine offizielle Stellungnahme zu den genauen Hintergründen der Insolvenz steht bislang noch aus.

Symbolische Rückkehr auf den Kiez

Die Bedeutung der Brauerei reicht über den reinen Geschäftsbetrieb hinaus. Jahrzehntelang wurde Astra auf St. Pauli in der früheren Bavaria-Brauerei gebraut. Mit der Eröffnung der neuen Brauerei am Nobistor kehrte die Marke symbolisch an ihren Ursprungsort zurück – wenn auch unter veränderten Bedingungen.

Heute gehört die Marke Astra gemeinsam mit Holsten zum dänischen Konzern Carlsberg Group. Dieser betonte jedoch, dass die Astra St. Pauli Brauerei rechtlich eigenständig sei und nie direkt zum Konzern gehört habe. Es habe lediglich eine enge Partnerschaft gegeben, insbesondere bei der Nutzung der Marke. Ziel sei gewesen, Astra auf dem Kiez erlebbar zu machen und neue Produktideen zu entwickeln.

Branche unter Druck

Die Insolvenz fällt in eine Zeit, in der die gesamte Brauwirtschaft in Deutschland unter Druck steht. Laut Einschätzung von Carlsberg haben sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Steigende Energie- und Rohstoffpreise belasten die Produktion, gleichzeitig fehlt es vielerorts an Fachkräften.

Hinzu kommt ein verändertes Konsumverhalten. Weniger Besuche in der Gastronomie und ein insgesamt rückläufiger Bierkonsum treffen besonders kleinere und mittelständische Betriebe. Gerade Projekte wie die Astra St. Pauli Brauerei, die stark auf Gastronomie und Markenerlebnis setzen, sind davon in besonderem Maße betroffen.

Wie es weitergeht

Ob und wie die Brauerei langfristig fortgeführt werden kann, ist derzeit offen. Die Eigenverwaltung bietet zumindest die Chance, den Betrieb zu stabilisieren und neu auszurichten. Für den Moment bleibt die Hoffnung, dass die symbolische Rückkehr von Astra auf den Kiez nicht zu einem kurzen Kapitel wird.

Bergquell – Kirsch Porter

Die Bergquell Brauerei Löbau aus der Oberlausitz ist vor allem für ihre Porter mit Fruchtzusatz bekannt. Jetzt steht das Kirsch Porter vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Im Glas präsentiert sich das Kirsch Porter in einem klaren Rubinrot. Der hellbraune Schaum wirkt solide, ist jedoch nur von durchschnittlicher Standfestigkeit. Optisch bewegt sich das Getränk irgendwo zwischen Bier und Fruchtgetränk – ein erster Hinweis auf das, was noch folgen wird.

In der Nase wird es dann spannend. Weder typische Röstaromen eines Porters noch eine klare Kirschfrucht treten hervor. Stattdessen erinnert das Aroma eher an eine süßliche Limonade mit schwer greifbarer, leicht künstlich wirkender Fruchtnote.

Der Antrunk bestätigt diesen Eindruck. Deutlich süß, mit sehr feinperliger, eher zurückhaltender Kohlensäure. Frische oder Tiefe sucht man zunächst vergeblich. Im weiteren Verlauf dominiert die Süße weiterhin das Geschehen. Erst allmählich schleicht sich eine Ahnung von Kirsche ein, die jedoch eher angedeutet als klar definiert ist. Dass hier ein Bier im Glas steht, muss man tatsächlich wissen – geschmacklich drängt sich diese Erkenntnis nicht unbedingt auf. In der Kehle bleibt das Bild konsequent: süß, mit etwas deutlicher werdender Kirschanmutung, jedoch ohne jede Bittere, die für Ausgleich sorgen könnte. Dadurch wirkt das Getränk insgesamt recht eindimensional.

Fazit: Es ist durchaus bemerkenswert, ein Getränk zu kreieren, das zumindest entfernt an Kirsche erinnert, ohne dabei auf echte Kirschen zu setzen. Gleichzeitig führt genau das zu einem Ergebnis, das sich geschmacklich deutlich vom klassischen Porter entfernt und eher an eine süße Limonade erinnert als an ein Bier.

Tradition unter Druck: Brauereischließungen in Ostwestfalen zeigen die Krise der Branche

Die Nachricht trifft eine ganze Region ins Mark: In Ostwestfalen-Lippe stehen gleich zwei traditionsreiche Braustandorte vor einschneidenden Veränderungen. Die Herforder Brauerei soll bereits im Sommer schließen, während für die Paderborner Brauerei ein Käufer gesucht wird. Damit geraten nicht nur bekannte Marken, sondern auch zahlreiche Arbeitsplätze ins Wanken.

Rund 100 Beschäftigte in Herford und etwa 120 in Paderborn sind betroffen. Für viele kam die Entwicklung überraschend – zumindest nach außen. Intern jedoch deutete sich die Entscheidung offenbar schon länger an.

Zwischen Investitionen und Rückzug

Besonders irritierend wirkt die Situation in Herford, weil dort noch vor Kurzem investiert wurde. Eine neue Abfüllanlage, moderne Technik und sogar Produkterweiterungen sollten den Standort stärken. Doch diese Maßnahmen konnten die strukturellen Probleme offenbar nicht ausgleichen.

Tatsächlich stand die Brauerei bereits in der Vergangenheit zur Disposition. Schon Jahre zuvor gab es Überlegungen, den Standort zu veräußern – ohne Erfolg. Dass nun die endgültige Entscheidung gefallen ist, zeigt, wie stark sich die Rahmenbedingungen verändert haben.

Konzentration statt Fläche

Die Eigentümerin, die Haus-Cramer-Gruppe, reagiert mit einer klaren Strategie: Die Produktion soll künftig stärker gebündelt werden. Im Fokus steht dabei der Stammsitz in Warstein, wo sowohl eigene Biere als auch Lohnproduktionen konzentriert werden sollen.

Die Marken selbst sollen erhalten bleiben. Künftig werden Biere wie „Herforder“ und „Paderborner“ jedoch an einem anderen Ort gebraut – ein Schritt, der bei vielen Konsumenten auf Skepsis stoßen dürfte. Denn gerade regionale Identität ist für viele Biertrinker ein entscheidender Faktor.

Branche im strukturellen Wandel

Die Entwicklungen sind kein Einzelfall, sondern Teil eines größeren Trends. Der Bierkonsum in Deutschland geht seit Jahren zurück. Während um die Jahrtausendwende noch deutlich mehr getrunken wurde, liegt der Pro-Kopf-Verbrauch heute spürbar niedriger.

Für die Branche bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel. Produktionskapazitäten, die einst auf Wachstum ausgelegt waren, treffen nun auf sinkende Nachfrage. Besonders kleinere und mittelständische Betriebe geraten dadurch unter Druck – aber auch größere Brauereigruppen müssen ihre Strukturen anpassen.

Konflikt mit der Belegschaft

Für zusätzliche Brisanz sorgt der Umgang mit den Beschäftigten. Die Gewerkschaft Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten wirft dem Unternehmen vor, bestehende Vereinbarungen zu unterlaufen. Ein Zukunftssicherungsvertrag sollte die Standorte eigentlich bis 2028 absichern – im Gegenzug hatten die Beschäftigten finanzielle Zugeständnisse gemacht.

Entsprechend groß ist die Enttäuschung. Viele Mitarbeiter fühlen sich übergangen und kritisieren die kurzfristige Kommunikation der Entscheidung. Die emotionale Dimension der Schließung reicht damit weit über wirtschaftliche Fragen hinaus.

Was bleibt?

Noch ist nicht endgültig entschieden, wie es insbesondere in Paderborn weitergeht. Sollte sich kein Käufer finden, droht auch dort das Aus. Gleichzeitig wird geprüft, ob zumindest ein Teil der Beschäftigten an andere Standorte übernommen werden kann.

Der Fall zeigt exemplarisch, in welcher Lage sich die deutsche Brauwirtschaft befindet. Zwischen Traditionspflege, Kostendruck und veränderten Konsumgewohnheiten müssen Unternehmen schwierige Entscheidungen treffen. Die Krise ist längst in der Mitte der Branche angekommen – und sie wird nicht die letzte dieser Art gewesen sein.

Verwendete Quellen: Wirtschaftswoche, WDR

Lange Nacht der Brauereien in Karlsruhe: Ein Abend, sechs Brauereien, unzählige Eindrücke

Am 22. Mai 2026 wird Karlsruhe zum Treffpunkt für alle, die Bier nicht nur trinken, sondern erleben wollen. Unter dem Motto „1 Abend. 6 Brauereien. Und jede Menge Bierkultur.“ lädt die Lange Nacht der Brauereien von 17 bis 24 Uhr zu einer genussvollen Entdeckungstour durch die Fächerstadt ein. Organisiert von der KTG Karlsruhe Tourismus GmbH, zeigt die Veranstaltung eindrucksvoll, wie lebendig die Karlsruher Brauszene heute ist. Einst eine der größten Bierproduktionsstätten Deutschlands, pflegt Karlsruhe bis heute eine ausgeprägte Bierkultur – und genau diese Vielfalt steht an diesem Abend im Mittelpunkt.

Bier erleben statt nur trinken

Das Besondere: Besucherinnen und Besucher bekommen nicht nur ein Bier ins Glas, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen. Führungen durch Sudhäuser und Brautürme, Gespräche mit Braumeistern und Einblicke in sonst nicht zugängliche Bereiche machen die Veranstaltung zu einem echten Erlebnis.

Dazu kommt ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Livemusik, kulinarischen Angeboten und unterhaltsamen Aktionen wie einer Bier-Olympiade. Von badischen Spezialitäten bis hin zu internationalen Köstlichkeiten ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Sechs Brauereien, sechs Handschriften

Mit dabei sind bekannte Namen der Karlsruher Bierszene: das Badisch Brauhaus, die traditionsreiche Brauerei Moninger, die kreativen Köpfe von Fächerbräu, die Marke Brauerei Wolf sowie die beiden Standorte von Vogelbräu in der Innenstadt und in Durlach.

Jede Brauerei bringt ihren eigenen Stil mit – von klassisch-traditionell bis modern und experimentierfreudig. Genau diese Vielfalt macht den Reiz der Langen Nacht aus.

Stressfrei genießen

Ein weiterer Vorteil: Dank der Kooperation mit den Karlsruher Verkehrsbetrieben kommen Gäste bequem und sicher von Brauerei zu Brauerei. Das im Ticket enthaltene KVV-Ticket ermöglicht die Nutzung von Bussen und Bahnen im Stadtgebiet – ganz im Sinne eines verantwortungsvollen Biergenusses.

Tickets und Infos

Tickets sind im Vorverkauf für 10 Euro erhältlich, an der Abendkasse kosten sie 12 Euro. Im Preis enthalten sind neben dem Zugang zum Programm auch ein Probierglas, eine Stempelkarte sowie die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs.

Wer also Lust auf eine genussvolle Entdeckungstour hat, sollte sich diesen Termin vormerken. Karlsruhe zeigt an diesem Abend, dass Bier hier nicht nur Tradition hat – sondern auch Zukunft.

Brasserie de la Senne – Taras Boulba

Mit dem Taras Boulba will die Brasserie de la Senne zeigen, dass große Biererlebnisse nicht zwingend mit hohem Alkoholgehalt einhergehen müssen. Das Session IPA aus Brüssel steht exemplarisch für eine Philosophie, die in der Craft-Szene immer mehr Anhänger findet: weniger Alkohol, aber maximaler Geschmack. Ob dieses Vorhaben geklappt hat, will ich jetzt feststellen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Optisch präsentiert sich das Bier hell goldfarben und leicht trüb im Glas, gekrönt von einer feinporigen, stabilen weißen Schaumkrone. Ein klassischer, unaufgeregter Auftritt, der gut zum Bierstil passt.

In der Nase wird es dann deutlich spannender. Frische Zitrusaromen treffen auf exotische Fruchtnoten wie Litschi und Mango. Dazu gesellt sich eine leichte Süße, die an Honig und Zitronenlimonade erinnert, begleitet von einem Hauch Würze und mineralischen Nuancen. Ein Duftbild, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk fällt trocken und durch die reichliche Karbonisierung spritzig aus. Eine klare Bittere setzt früh ein, wird aber von einer zarten Malzigkeit und fruchtigen Noten im Hintergrund begleitet. Im weiteren Verlauf entsteht ein interessantes Wechselspiel: Tropische Frucht trifft auf trockene Bitterkeit, ohne dass sich eine Seite in den Vordergrund drängt. Mit rund 33 IBU bleibt die Bittere präsent, aber kontrolliert. Besonders im Abgang zeigt sich das Bier charakterstark: trocken, leicht kräuterig und mit einer Wermut-ähnlichen Note, die für ein ungewöhnliches, aber stimmiges und lang anhaltendes Finale sorgt. Gleichzeitig bleibt das Bier durch seine prickelnde, zitronige Frische erstaunlich süffig.

Das Mundgefühl ist schlank und lebendig, was den Trinkfluss deutlich erhöht. Mit 4,5 Prozent Alkohol erfüllt das Taras Boulba genau das, was ein Session IPA leisten soll: viel Geschmack bei hoher Trinkbarkeit. Unterm Strich ist dieses Bier ein überzeugender Beweis dafür, dass „leicht“ nicht gleich „langweilig“ bedeutet. Oder anders gesagt: Ein Bier, das Sie nicht fordert – aber definitiv beschäftigt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Nobel), Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Bittereinheiten:

33 IBU

Farbe:

6 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 9° Celsius

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be