Weniger Bier, mehr Geschmack. Warum die Krise der Branche eine Chance für bessere Biere ist

Die Nachricht klingt zunächst wenig erfreulich: Die Deutschen trinken weniger Bier. Der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt, der Gesamtmarkt schrumpft – und selbst Traditionsbrauereien spüren den Rückgang deutlich.

Doch bevor Sie jetzt vorschnell das letzte Fass anstechen: Diese Entwicklung hat eine überraschend positive Seite. Denn während die Menge sinkt, steigt die Qualität. Und genau darin liegt eine der spannendsten Veränderungen der aktuellen Bierlandschaft.

Abschied von der Masse

Über Jahrzehnte galt vor allem eines: Bier musste verfügbar, günstig und vor allem in großen Mengen konsumierbar sein. Der Klassiker – hell, süffig, austauschbar – dominierte den Markt. Heute verändert sich das Konsumverhalten spürbar. Viele Menschen trinken bewusster, seltener – aber dafür besser. Statt der dritten Kiste im Keller zählt plötzlich das besondere Erlebnis im Glas. Oder anders gesagt: Es geht nicht mehr darum, wie viel Sie trinken, sondern was.

Neue Gewinner: Kreativität und Charakter

Von dieser Entwicklung profitieren vor allem kleinere und spezialisierte Brauereien. Craft-Brauer, regionale Betriebe und innovative Traditionshäuser setzen verstärkt auf Individualität statt Einheitsgeschmack.

Neue Bierstile, ungewöhnliche Zutaten, spannende Aromaprofile – das Angebot wird vielfältiger. Gleichzeitig entdecken auch klassische Brauereien ihre kreative Seite wieder und erweitern ihr Sortiment. Selbst alkoholfreie Biere entwickeln sich vom Kompromiss zur ernstzunehmenden Kategorie – mit wachsender geschmacklicher Tiefe und eigener Identität.

Der Markt wird kleiner – aber besser

Natürlich bringt der Rückgang auch Herausforderungen mit sich. Nicht jede Brauerei kann oder will diesen Wandel mitgehen. Der Wettbewerb wird härter, der Preisdruck bleibt bestehen.

Doch langfristig könnte genau das zu einer gesünderen Bierkultur führen. Weniger Massenware bedeutet mehr Raum für Qualität, Handwerk und Innovation.

Für Sie als Biertrinker heißt das: weniger Beliebigkeit, mehr Auswahl – und deutlich mehr zu entdecken.

Zwischen Tradition und Neuanfang

Besonders spannend ist, dass dieser Wandel nicht nur von jungen Craft-Brauern getragen wird. Auch viele etablierte Brauereien reagieren und verbinden ihre Erfahrung mit neuen Ideen. Das Ergebnis ist eine Bierlandschaft im Umbruch: geprägt von Tradition, aber offen für Veränderung. Und genau dieser Mix sorgt dafür, dass Bier wieder das wird, was es immer sein sollte: ein Genussmittel mit Charakter.

Reinheitsgebot trifft Zukunft. Wie modern ist deutsches Bier wirklich?

Das Reinheitsgebot ist über 500 Jahre alt – und vermutlich einer der wenigen Fälle, in denen ein Gesetz älter ist als so manches Familienrezept. Wasser, Malz, Hopfen, Hefe. Mehr braucht es nicht für gutes Bier. Oder?

Während Deutschland offiziell dieses Prinzip bis heute hochhält, verändert sich die Bierwelt rasant. Alkoholfreie Innovationen, neue Hefestämme und kreative Bierstile stellen die Frage: Wie viel Tradition verträgt die Zukunft – und wie viel Zukunft verträgt die Tradition?

Ein Erfolgsmodell mit Geschichte

Das Reinheitsgebot ist weit mehr als eine Vorschrift. Es ist ein Qualitätsversprechen, ein Kulturgut und nicht zuletzt ein starkes Marketinginstrument. Kaum ein anderes Land kann mit einer derart langen und klar definierten Brautradition aufwarten. Für viele Biertrinker bedeutet das vor allem Sicherheit: Sie wissen, was im Glas ist – und was nicht. Doch genau diese Klarheit sorgt auch immer wieder für Diskussionen.

Innovation zwischen den Zeilen

Denn die moderne Brauwelt hält sich nicht unbedingt an nationale Grenzen – und schon gar nicht an historische Vorgaben. International entstehen ständig neue Bierstile, oft mit Zutaten, die im Reinheitsgebot nicht vorgesehen sind.

Früchte, Gewürze, spezielle Hefen oder neue Brautechniken erweitern das Spektrum enorm. Auch in Deutschland wächst die Szene der kreativen Brauer, die neue Wege gehen wollen. Und selbst innerhalb des Reinheitsgebots passiert mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Neue Hefestämme – wie jüngst bei innovativen alkoholfreien Bieren – zeigen, dass Fortschritt auch mit klassischen Zutaten möglich ist.

Die große Frage: Grenze oder Leitplanke?

Ist das Reinheitsgebot also eine Bremse für Innovation? Oder gerade der Rahmen, der Qualität sichert?

Die Antwort liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen. Für viele Brauereien ist es eine Leitplanke: ein klarer Rahmen, innerhalb dessen Kreativität stattfindet. Für andere ist es eine Einschränkung, die den internationalen Wettbewerb erschwert.

Interessant ist dabei, dass deutsche Brauer zunehmend beide Wege gehen. Neben klassischen, reinheitsgebotskonformen Bieren entstehen kreative Spezialitäten – manchmal bewusst außerhalb der traditionellen Regeln.

Der Blick in die Zukunft

Die spannendste Entwicklung ist vielleicht, dass sich Tradition und Innovation immer weniger ausschließen. Statt entweder oder heißt es zunehmend sowohl als auch.

Alkoholfreie Biere mit neuen Hefen, moderne Interpretationen klassischer Stile oder technisch ausgefeilte Brauverfahren zeigen: Die Zukunft des Bieres entsteht nicht im Bruch mit der Vergangenheit, sondern im Dialog mit ihr. Und genau das macht die deutsche Bierlandschaft aktuell so interessant.

Das Reinheitsgebot ist kein Auslaufmodell – aber auch kein starres Korsett. Es ist ein Fundament, auf dem sich weiterhin Großartiges entwickeln lässt. Für uns als Biertrinker bedeutet das: Sie können sich sowohl auf bewährte Qualität verlassen als auch immer wieder Neues entdecken. Oder anders gesagt: 500 Jahre Erfahrung treffen auf frische Ideen – und genau daraus entsteht das Bier von morgen.

Schmeckt Ihr Bier nach Ihrer Region? Warum Lokalität zum neuen Qualitätsmerkmal wird

Früher war die Sache einfach: Bier kam aus Deutschland, schmeckte nach Bier – und gut war. Heute wird es komplizierter. Oder besser gesagt: spannender. Denn immer mehr Brauereien stellen sich eine neue Frage: Wie schmeckt eigentlich unsere Region im Glas?

Was zunächst wie ein Marketing-Gag klingt, entwickelt sich gerade zu einem der interessantesten Trends der Bierwelt. Willkommen in der Zeit der hyper-lokalen Biere.

Vom Herkunftsort zum Geschmacksträger

Lange Zeit war „regional“ vor allem eine Frage des Etiketts. Gebraut wurde vor Ort, die Rohstoffe kamen aber nicht selten aus ganz Europa oder sogar darüber hinaus. Heute gehen viele Brauereien einen Schritt weiter.

Wasser aus der eigenen Quelle, Malz aus regionalem Anbau, Hopfen vom nächstgelegenen Feld – plötzlich wird Herkunft nicht nur behauptet, sondern tatsächlich geschmeckt. Und genau darin liegt der Reiz: Bier wird wieder individueller.

Denn seien wir ehrlich: Ein standardisiertes Industriebier schmeckt in Hamburg ziemlich genauso wie in München. Ein lokal geprägtes Bier dagegen erzählt Ihnen, wo es herkommt – ganz ohne Stadtplan.

Region als Geschmacksprofil

Besonders spannend wird es, wenn Brauereien beginnen, ihre Umgebung bewusst in das Geschmacksprofil einzubauen. Das kann subtil sein – etwa durch die Mineralität des Wassers – oder ganz bewusst, etwa durch regionale Zutaten oder traditionelle Rezepturen.

So entstehen Biere, die nicht nur gut schmecken, sondern auch eine Geschichte mitbringen. Und genau das suchen viele Biertrinker heute: Charakter statt Austauschbarkeit.

Oder anders gesagt: Wenn Sie beim Trinken das Gefühl haben, ein Stück Landschaft im Glas zu haben, dann macht die Brauerei vermutlich gerade alles richtig.

Die Gegenbewegung zur Globalisierung

Während große Braukonzerne weltweit auf gleichbleibenden Geschmack setzen, wächst parallel der Wunsch nach Individualität. Lokale Biere sind gewissermaßen die Antwort auf diese Vereinheitlichung.

Kleinere Brauereien nutzen diesen Trend gezielt, um sich abzuheben. Statt „ein Bier für alle“ geht es um „unser Bier für unsere Region“ – und zunehmend auch für neugierige Genießer, die genau diese Unterschiede entdecken möchten.

Das Ergebnis: eine Bierlandschaft, die vielfältiger ist als je zuvor.

Zwischen Tradition und neuer Identität

Interessant ist dabei, dass Regionalität nicht automatisch Tradition bedeutet. Natürlich greifen viele Brauereien auf historische Rezepte zurück. Gleichzeitig entstehen aber auch völlig neue Interpretationen regionaler Stile.

Das macht den Trend so dynamisch: Es geht nicht nur darum, das Alte zu bewahren, sondern auch darum, die eigene Region neu zu denken – und neu zu erschmecken.

Bier wird wieder persönlicher. Statt anonymer Massenware rückt die Herkunft stärker in den Mittelpunkt – und mit ihr der Geschmack der Region.

Für Sie als Biertrinker bedeutet das vor allem eines: mehr Vielfalt, mehr Charakter und im besten Fall ein Bier, das nicht nur gut schmeckt, sondern auch eine Geschichte erzählt.

Oder ganz einfach gesagt: Wenn Ihr Bier plötzlich nach „hier“ schmeckt, dann sind Sie mitten in einem der spannendsten Trends der Bierwelt angekommen.

Neues Brauverfahren für alkoholfreies Weissbier: Innovation aus den Münchner Isarauen

Alkoholfreies Bier hat sich längst vom Notnagel zum ernstzunehmenden Genussmittel entwickelt. Doch was die Brauerei zum Kuchlbauer jetzt präsentiert, hebt das Thema auf ein neues Level: Mit einer in den Münchner Isarauen entdeckten Wildhefe entsteht ein alkoholfreies Weissbier, das geschmacklich überrascht – und technologisch neue Wege geht.

Geschichte & Hintergrund

Die Grundlage dieser Innovation liegt nicht im Sudhaus, sondern in der Natur. Forscher der Technischen Universität München entdeckten im Rahmen einer „Hefejagd“ einen besonderen Hefestamm auf der Rinde einer Esche in den Isarauen. Dabei handelt es sich um Saccharomyces jurei – eine Hefe mit außergewöhnlichen Eigenschaften.

Gemeinsam mit der Brauerei zum Kuchlbauer wurde diese Entdeckung weiterentwickelt und erstmals in die Praxis überführt. Das Ergebnis: „Alte Liebe Alkoholfrei“, ein dunkles Weissbier, das ohne klassische technische Tricks auskommt. Statt Alkohol nachträglich zu entziehen oder die Gärung frühzeitig abzubrechen, setzt man hier auf einen natürlichen, biologischen Prozess.

Das Brauverfahren – ein echter Gamechanger?

Bisher gibt es zwei typische Wege zu alkoholfreiem Bier: Entweder wird dem fertigen Bier Alkohol technisch entzogen – aufwendig und teuer – oder die Gärung wird früh gestoppt, was oft zu süßlichen Ergebnissen führt, die nur entfernt nach Bier schmecken.

Die neue Hefe verfolgt einen anderen Ansatz. Sie produziert zunächst intensive Aromen, während die Alkoholbildung stark verzögert einsetzt. Erst nach etwa zehn bis vierzehn Tagen würde nennenswert Alkohol entstehen. Brauer können also genau den richtigen Moment wählen, um die Gärung zu stoppen – und erhalten ein aromatisches Bier mit minimalem Alkoholgehalt.

Das Ergebnis im Glas

Das Resultat dieser Methode kann sich sehen – und vor allem schmecken – lassen. „Alte Liebe Alkoholfrei“ ist ein dunkles Weissbier mit charakteristischen Aromen von roten Früchten und Nelke. Also genau das, was Sie von einem klassischen dunklen Weizen erwarten – nur eben ohne den Alkohol.

Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt auch der Blick über den Tellerrand: Selbst die Tochterbrauerei Schlossbrauerei Sandersdorf nutzt die Hefe bereits für ein alkoholfreies Helles in Bio-Qualität.

Einordnung: Innovation mit Zukunft?

Für kleinere Brauereien könnte diese Entwicklung besonders spannend sein. Während große Industriebetriebe auf teure Entalkoholisierungsanlagen setzen, eröffnet diese Hefe eine handwerkliche, energieschonende Alternative. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach alkoholfreien Weissbieren stetig – ein Segment, das bislang eher stiefmütterlich behandelt wurde.

Mit der Kombination aus wissenschaftlicher Entdeckung und brauerischem Know-how gelingt der Brauerei zum Kuchlbauer ein bemerkenswerter Schritt nach vorn. Die neue Hefe könnte das Brauen alkoholfreier Biere nachhaltig verändern – und zeigt eindrucksvoll, dass Innovation manchmal direkt vor der eigenen Haustür wächst. In diesem Fall: an einer Esche in den Münchner Isarauen.

Kraftpaule – Weizen

Manche Biere betreten die Bühne leise – andere stürmen sie wie ein artistisches Spektakel. Das kaltgehopfte Weizenbier „Zirkuspferd“ der Brauerei Kraftpaule gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Hier trifft klassische Weizenbierbasis auf moderne Hopfenaromatik – und das Ergebnis ist alles andere als gewöhnlich. Schon der Name ist Programm: Wie ein kunstvoll dressiertes Zirkuspferd präsentiert sich dieses Bier verspielt, kraftvoll und überraschend. Statt klassischer Zurückhaltung liefert es ein Aromenspektakel, das besonders Fans hopfenbetonter Biere begeistern dürfte.

Im Glas zeigt sich das Bier in einem satten Goldton mit kräftiger Hefetrübung. Der gemischtporige, weiße Schaum baut sich stabil auf und bleibt angenehm lange erhalten – ein typischer, aber dennoch sehr ansprechender Eindruck für ein modernes Weizen.

In der Nase entfaltet sich ein intensives, fast schon opulentes Fruchtaroma. Banane trifft auf Zitrusfrüchte, Zitronenschale, Ananas und Mango, begleitet von einer feinen Vanillenote. Die klassische Weizenhefe bildet dabei das Fundament, während die Kalthopfung zusätzliche Frische und Komplexität einbringt.

Der Antrunk ist fruchtig-süß, dabei jedoch angenehm frisch und lebendig. Die feinperlige Kohlensäure unterstützt den leichten, spritzigen Eindruck. Am Gaumen spiegeln sich die Aromen konsequent wider: Tropische Früchte dominieren, ergänzt durch eine dezente, fruchtige Säure. Das Mundgefühl ist weich, fast samtig, und bleibt trotz der intensiven Aromatik erstaunlich zugänglich. Die Bittere ist – stiltypisch für ein Weizen – eher zurückhaltend. In der Kehle legt die Bittere leicht zu und verbindet sich mit den fruchtigen Noten zu einem langen, nachhaltigen Nachklang. Genau hier zeigt sich die Stärke der Kalthopfung: Sie bringt zusätzliche Tiefe, ohne den Weizencharakter zu überdecken.

Das „Zirkuspferd“ ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich traditionelle Bierstile neu interpretieren lassen. Klassische Weizenaromen treffen auf moderne Hopfenpower – verspielt, intensiv und dennoch ausgewogen. Ein Bier für alle, die bekannte Wege gerne verlassen und sich auf ein aromatisches Spektakel einlassen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

für

Kraftpaule GmbH
Neckarstraße 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

Berlin per Rad entdecken: Industriekultur trifft auf Braugeschichte

Berlin lässt sich auf viele Arten entdecken – doch diese neue Fahrradroute verbindet gleich mehrere spannende Themen: Industriegeschichte, Stadtentwicklung und Braukultur. Pünktlich zum Start der Fahrradsaison ist die Themenroute „Warmes Licht und kühles Bier“ nun vollständig ausgeschildert und lädt dazu ein, die Hauptstadt aus einer neuen Perspektive zu erleben.

25 Kilometer Zeitreise durch Berlin

Die rund 25 Kilometer lange Strecke führt durch Kreuzberg, Mitte, Wedding, Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg. Entlang komfortabler Wege – von Radwegen über Nebenstraßen bis hin zu Uferwegen – erleben Radfahrerinnen und Radfahrer insgesamt 18 Stationen der Berliner Industriekultur, von denen der Großteil unter Denkmalschutz steht.

Start- und Zielpunkt ist das Deutsches Technikmuseum, das selbst bereits ein zentraler Ort der Industriegeschichte ist. Der Weg ist klar markiert: Ein weißer Blitz auf rotem Hintergrund weist an über 80 Wegweisern und zahlreichen Plaketten zuverlässig die Richtung.

Zwischen Elektrizität und Braukunst

Thematisch schlägt die Route eine Brücke zwischen zwei prägenden Industriezweigen der Stadt: der Elektroindustrie und der Berliner Brauereigeschichte. Besonders im Prenzlauer Berg wird sichtbar, wie eng Bierproduktion und Stadtentwicklung miteinander verbunden waren.

Neben historischen Fabrikgebäuden und technischen Anlagen stehen auch ehemalige Brauereien auf dem Programm – Orte, an denen einst das „kühle Bier“ für die wachsende Metropole produziert wurde.

Entspannt entdecken – mit Pausen

Die Route richtet sich bewusst an ein breites Publikum und gilt als leicht zu bewältigen. Unterwegs laden mehrere Gaststätten an historischen Standorten zu Pausen ein – ideal, um die Eindrücke sacken zu lassen oder einfach ein Bier zu genießen.

Alle wichtigen Informationen zur Strecke sind flexibel verfügbar: als Flyer, PDF, GPX-Track oder über Navigations-Apps wie komoot.

Industriekultur neu erleben

Hinter dem Projekt steht das Berliner Zentrum Industriekultur in Zusammenarbeit mit Partnern wie infraVelo, dem Berliner Senat und visitBerlin. Ziel ist es, die oft übersehenen Spuren der Industrialisierung sichtbar und erlebbar zu machen.

Joseph Hoppe vom bzi bringt es auf den Punkt: Die beeindruckenden Gebäude seien zwar im Stadtbild präsent, ihre Geschichten jedoch oft verborgen. Erst durch die Verbindung der Orte zu einer Route werde das Gesamtbild verständlich.

Neben dem kulturellen Mehrwert steht auch der Gedanke des nachhaltigen Tourismus im Fokus. Die Route verläuft bewusst abseits klassischer Touristenpfade und bietet so neue Einblicke in die Stadt.

„Warmes Licht und kühles Bier“ ist mehr als nur eine Fahrradroute. Sie ist eine Einladung, Berlin neu zu entdecken – zwischen Backstein, Braukesseln und bewegter Geschichte. Wer sich für Bier, Stadtentwicklung oder Industriekultur interessiert, findet hier eine außergewöhnliche Tour, die Wissen, Bewegung und Genuss miteinander verbindet.

De Dochter van de Korenaar – L’Esprit de Noël

Die Brauerei De Dochter van de Korenaar ist bekannt für kreative und charakterstarke Biere – und mit dem jährlichen Weihnachtsbier „L’Esprit de Noël“ liefert die Brauerei ein spannendes Beispiel für ein gewürztes Porter. Mit Zutaten wie Zimt, Ingwer, Süßholz und geräuchertem Chili verspricht das Bier bereits auf dem Etikett ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis.

Im Glas zeigt sich das Bier tiefschwarz und blickdicht. Die feinporige, haselnussbraune Schaumkrone ist stabil und unterstreicht den hochwertigen Eindruck.

In der Nase dominieren klassische Porter-Aromen: Schokolade und Lakritz stehen im Vordergrund, begleitet von holzigen Nuancen, Karamell und einem dezenten Hauch Zimt, der bereits auf die Gewürzkomponente hinweist.

Der Antrunk ist von einer zurückhaltenden Malzsüße geprägt. Die Kohlensäure ist eher fein und gering dosiert, dennoch wirkt das Bier überraschend frisch und zugänglich. Am Gaumen bleibt die Süße präsent und wird von Zimt begleitet, während sich die anderen Gewürze eher im Hintergrund halten. Eine minimale Säure sorgt für etwas Spannung, Bittere ist hingegen kaum wahrnehmbar. Das Mundgefühl ist weich und rund. In der Kehle zeigt sich das Bier mild, wobei der Zimt nun etwas deutlicher hervortritt. Die Bittere bleibt dezent, der Nachklang ist mittellang und angenehm würzig.

Insgesamt ist das L’Esprit de Noël ein harmonisch abgestimmtes, eher sanftes Weihnachtsbier, bei dem die Gewürze – allen voran der Zimt – die Hauptrolle spielen, ohne das Bier zu überladen. Ideal für alle, die es zur Winterzeit aromatisch, aber nicht zu schwer mögen.

Zutaten:

Wasser, Hopfen, Hefe, Weizenmalz, Gerstenmalz, Zimt, Ingwer, Süßholz, geräucherte Chilis

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Das Ende einer Brautradition: Die Geschichte der Braunschweiger Mumme und das Aus der Brauerei Nettelbeck

Mit der Schließung der Brauerei Nettelbeck endet ein bedeutendes Kapitel deutscher Biergeschichte. Die Brauerei war die letzte, die noch die traditionsreiche Braunschweiger Mumme herstellte – ein Getränk mit Wurzeln, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Damit verschwindet nicht nur ein Produkt vom Markt, sondern ein Stück gelebter Braukultur.

Vom Export-Schlager zur Legende

Die Braunschweiger Mumme wurde erstmals im späten 14. Jahrhundert erwähnt und entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Exportgüter der Stadt. Als Mitglied der Hanse nutzte Braunschweig seine hervorragenden Handelswege, um das kräftige Bier über Hamburg und Bremen in weite Teile Europas und sogar bis nach Übersee zu verschiffen.

Besonders gefragt war die sogenannte „Schiffsmumme“, ein Bier mit extrem hoher Stammwürze und außergewöhnlicher Haltbarkeit. Diese Eigenschaften machten es ideal für lange Seereisen – selbst in tropischen Regionen blieb es genießbar.

Aufstieg und Fall einer Handelsikone

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Mumme jedoch auch Rückschläge. Handelskonflikte, politische Umbrüche und insbesondere der Dreißigjährige Krieg führten zu einem massiven Einbruch des Bierexports. Mit dem Niedergang der Hanse verlor auch die Mumme zunehmend an Bedeutung.

Ab dem 18. und spätestens im 19. Jahrhundert wandelte sich das Produkt grundlegend: Aus dem einstigen Starkbier wurde ein alkoholfreier Malzextrakt. Der Fokus verlagerte sich von Genuss hin zu gesundheitlichen Aspekten. Mumme galt fortan als stärkendes Nahrungsmittel und wurde sogar medizinisch empfohlen.

Die Brauerei Nettelbeck: Eine wechselvolle Geschichte

Die Geschichte der Brauerei Nettelbeck ist eng mit der Mumme verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert gehörte sie zu den wenigen Betrieben, die dieses besondere Getränk herstellten. Doch wirtschaftliche Schwierigkeiten, interne Konflikte und Eigentumsstreitigkeiten prägten die Entwicklung des Unternehmens über Jahrzehnte.

Nach der Jahrhundertwende kam es zu Auseinandersetzungen um Markenrechte und Besitzverhältnisse. Trotz Rückschlägen gelang es der Familie, den Namen und das Rezept zu sichern und die Produktion fortzuführen.

Krieg, Zerstörung und Neubeginn

Der Zweite Weltkrieg markierte einen dramatischen Einschnitt. Rohstoffknappheit schränkte die Produktion stark ein, und 1944 wurde das Geschäftshaus bei einem Luftangriff vollständig zerstört.

Nach Kriegsende kämpften die Erbinnen Elsa und Margarethe Nettelbeck vergeblich um einen Wiederaufbau am ursprünglichen Standort. Schließlich verkauften sie das Unternehmen 1947 an Leo Basilius, der eine neue Produktionsstätte in Braunschweig errichtete. Bereits 1949 wurde dort wieder Mumme gebraut.

Bis zum Schluss wurde die Braunschweiger Mumme von der Familie Basilius produziert und weitergeführt.

Das endgültige Aus

Mit der Einstellung des Betriebs der Brauerei Nettelbeck endet nun endgültig die Geschichte der letzten Mumme-Brauerei. Bereits zuvor waren andere Produzenten verschwunden – nun schließt auch der letzte Betrieb, der diese historische Spezialität noch hergestellt hat.

Damit verliert die deutsche Bierlandschaft ein einzigartiges Kulturgut. Die Mumme war mehr als nur ein Getränk: Sie war Handelsware, Nahrungsmittel, Medizin und Identitätsträger einer ganzen Region. Aktuell werden noch vorhandene Restbestände über den Webshop des Unternehmens verkauft.

Ein Stück Biergeschichte verschwindet

Die Geschichte der Braunschweiger Mumme zeigt eindrucksvoll, wie eng Bier mit wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen verknüpft ist. Vom Exporterfolg der Hansezeit über medizinische Nutzung bis hin zum Nischenprodukt der Moderne – kaum ein anderes Bier hat eine vergleichbare Wandlung durchlaufen.

Mit dem Ende der Brauerei Nettelbeck bleibt die Mumme vor allem eines: ein faszinierendes Kapitel der Biergeschichte, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Rothaus – Tannenzäpfle alkoholfrei

Das alkoholfreie Pils der Badische Staatsbrauerei Rothaus AG soll mir jetzt Schwarzwälder Brautradition ins Glas bringen – ohne Alkohol, aber mit dem Anspruch, geschmacklich nah am klassischen Pils zu bleiben.

Optisch zeigt sich das Bier in einem klaren, strahlenden Goldton, brillant filtriert und mit lebendiger Kohlensäure. Der schneeweiße, feinporige Schaum baut sich stabil auf und bleibt lange erhalten – ein sehr ansprechender erster Eindruck.

In der Nase entfaltet sich ein harmonisches Aromenspiel: Leichte Honignoten treffen auf frisches Brot und eine dezente Kräuterigkeit. Der verwendete Tettnanger Hopfen bringt florale und würzige Nuancen ein, die dem Bier eine angenehme Frische verleihen.

Der Antrunk ist spritzig und leicht, mit einer feinen malzigen Süße im Hintergrund. Am Gaumen zeigt sich das Bier ausgewogen: Getreidige Noten verbinden sich mit einer moderaten, angenehm herben Bittere. Trotz des fehlenden Alkohols wirkt das Pils keineswegs dünn, sondern erfreulich rund und trinkfreudig. Im Abgang bleibt die Bittere präsent, ohne aufdringlich zu wirken, und sorgt für einen sauberen, erfrischenden Nachklang.

Insgesamt ist das Rothaus Tannenzäpfle Pils Alkoholfrei ein gelungenes Beispiel dafür, wie nah alkoholfreies Bier an den klassischen Stil herankommen kann – frisch, ausgewogen und mit hoher Alltagstauglichkeit.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Bittereinheiten:

25 IBU

Stammwürze:

13,5° Plato

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Badische Staatsbrauerei Rothaus AG
Rothaus 1
79865 Grafenhausen-Rothaus
www.rothaus.de

Auf Hefejagd: Wie wilde Mikroorganismen neue Bierwelten eröffnen

Seit Mitte der 2010er Jahre haben Forschende des Forschungszentrums Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität nach bislang unbekannten Hefestämmen gesucht – und sind dabei an ungewöhnlichen Orten fündig geworden. Ob in alten Kellern, auf Baumrinden oder in historischen Flaschen: Die Natur erwies sich als wahre Schatzkammer für neue Aromen im Bier.

Ziel des Projekts war es nicht, klassische Brauprozesse zu optimieren, sondern neue geschmackliche Möglichkeiten zu erschließen und die genetische Vielfalt der Hefen besser zu nutzen. Die spannendsten Funde wurden schließlich in Bier umgesetzt – und verkostet.

Alte Hefe, neu entdeckt: Franconia

Ein besonderer Fund ist die historische Hefe „Franconia“, die bereits in der Nachkriegszeit eine wichtige Rolle spielte. Jahrzehntelang nahezu vergessen, konnte sie aus einer alten Probe wieder aktiviert werden.

Das daraus gebraute Bier überzeugte mit einem ausgewogenen Profil: frisch, leicht fruchtig und angenehm rund. Besonders auffällig ist die Fähigkeit dieser Hefe, Hopfenaromen klar hervorzuheben. Damit eignet sie sich hervorragend für klassische Bierstile wie Pils oder Helles.

Cella: Ein Hybrid mit Potenzial

Noch ungewöhnlicher ist der Stamm „Cella“, der aus einer jahrzehntealten Bierflasche isoliert wurde. Es handelt sich um eine Kombination zweier Hefetypen, die sowohl kälteverträglich als auch aromatisch spannend sind.

Das Ergebnis im Bier: eine überraschende Verbindung aus untergäriger Frische und würzigen Noten, die man sonst eher aus obergärigen Bieren kennt. Diese Kombination eröffnet völlig neue Möglichkeiten – etwa für kreative Interpretationen klassischer Stile.

Quercus: Von der Eiche ins Glas

Die Hefe „Quercus“ stammt – wie der Name vermuten lässt – von einer Eiche. Solche natürlichen Quellen wurden schon früher für Fermentationsprozesse genutzt.

Im Bier sorgt dieser Stamm für fruchtige Eindrücke, insbesondere Zitrus- und Orangennoten, ergänzt durch eine dezente Würze. Mit der Zeit entwickelt sich das Profil weiter und wirkt zunehmend weich und harmonisch. Besonders spannend ist der Einsatz in Weizenbieren oder modernen Interpretationen klassischer Stile.

Ceret: Fruchtige Vielfalt aus dem Fass

Ein weiterer Fund stammt aus alten Sherryfässern. Die daraus gewonnene Hefe „Ceret“ bringt intensive Fruchtaromen ins Bier – von Maracuja bis Zitrus – sowie eine leichte, erfrischende Säure.

Das Ergebnis erinnert fast an ein spritziges Biermischgetränk, obwohl es sich um ein reines Bier handelt. Gerade für experimentelle Biere oder fruchtbetonte Ales bietet dieser Stamm großes Potenzial.

Hefe als Zukunftsfaktor

Die Erkenntnisse aus dem Projekt zeigen deutlich: Hefe ist weit mehr als nur ein funktionaler Bestandteil im Brauprozess. Sie prägt Aroma, Textur und Charakter eines Bieres maßgeblich – oft stärker als Hopfen oder Malz.

Die Forschenden sind überzeugt, dass das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Neue Hefestämme könnten in Zukunft völlig neue Bierstile ermöglichen und die Vielfalt weiter vergrößern.

Grundlage für diesen Beitrag ist ein Artikel in der Brauwelt 20|2019, der auch auf der Website der Technischen Universität München veröffentlicht wurde.