Belgien bleibt ein Land der Biervielfalt – und setzt dabei ein weiteres Ausrufezeichen. Der belgische Bierkonsumentenverband Zythos vzw hat kürzlich die 400. Brauerei registriert. Diese Marke erreichte das Brüsseler Unternehmen DrinkDrink!, das den Schritt von einer reinen Bierfirma hin zur eigenen Brauerei vollzogen hat.
Doch so beeindruckend die Zahl klingt, so komplex ist ihre Bedeutung. Denn in Belgien darf grundsätzlich jeder, der Bier auf den Markt bringt, sich „Brauerei“ nennen – unabhängig davon, ob tatsächlich selbst gebraut wird. Für Verbraucher ist daher oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, wer hinter einem Bier wirklich steht.
Klare Kriterien für mehr Transparenz
Um hier für Klarheit zu sorgen, hat Zythos eigene Kriterien definiert. Eine Brauerei im engeren Sinne muss über eine offiziell anerkannte Brauanlage verfügen, alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen und unter anderem bei den Behörden registriert sein. Dazu gehören eine korrekte steuerliche Anmeldung, ein gültiges Akzisenkonto für die Bierproduktion sowie die notwendigen Genehmigungen durch die Lebensmittelaufsicht.
Entscheidend ist zudem, dass die Anlage auch tatsächlich genutzt wird. Allerdings muss eine Brauerei nicht zwingend alle ihre Biere selbst herstellen. Es ist durchaus üblich, Teile der Produktion – etwa bei Engpässen oder beim Abfüllen – auszulagern.
Bierfirma ist nicht gleich Brauerei
Dem gegenüber steht die Kategorie der Bierfirma. Diese Unternehmen bringen eigene Biere auf den Markt, verfügen jedoch nicht über eine eigene Brauanlage und lassen ihre Produkte extern herstellen. Auch hier setzt Zythos klare Maßstäbe: Die Biere müssen eigenständig entwickelt sein, die Firma muss als rechtliche Einheit auftreten und die Vermarktung eigener Biere muss im Mittelpunkt stehen.
Darüber hinaus muss transparent sein, in welchen Brauereien die Biere produziert werden. Reine „Etikettenbiere“, also umgelabelte Standardprodukte, fallen nicht unter diese Definition.
Vielfalt bleibt das Markenzeichen
Neben Brauereien und Bierfirmen gibt es in Belgien weitere klar umrissene Kategorien. Lambikbrauer etwa stellen traditionelle Lambikbiere her und verarbeiten diese zu Geuze, während sogenannte Blender Bier oder Lambik einkaufen und daraus eigene Kreationen komponieren.
Insgesamt kommt Belgien damit auf rund 700 offizielle Bierproduzenten – eine beeindruckende Zahl, die die Vielfalt und Kreativität der Szene unterstreicht.
Kurz gesagt: Die Zahl der Brauereien wächst – und mit ihr die Vielfalt. Doch wer genau hinter einem Bier steckt, wird immer mehr zur spannenden Frage.




