Duvel – Duvel Tripel Hop Citra

Wenn eine Traditionsbrauerei plötzlich experimentierfreudig wird, lohnt sich ein genauer Blick ins Glas. Genau das passiert seit 2010 bei Duvel Moortgat, wo die Braumeister Jahr für Jahr neue Varianten ihres Tripel Hop entwickeln. Ziel ist es, klassische belgische Braukunst mit modernen Hopfenprofilen zu verbinden – und dabei immer wieder neue Geschmackserlebnisse zu schaffen.

Eine besonders spannende Ausgabe dieser Reihe ist das Duvel Tripel Hop Citra aus dem Jahr 2017. Hier trifft das klassische Tripel auf eine ausgeprägte Hopfenaromatik, die man sonst eher aus der Craft-Beer-Szene kennt. Das Ergebnis ist ein Bier, das Tradition und Moderne erstaunlich mühelos miteinander vereint.

Im Glas zeigt sich das Bier kristallklar und in einem hellgoldenen Farbton, gekrönt von einer stabilen schneeweißen Schaumkrone, die recht lange erhalten bleibt.

Bereits beim ersten Schnuppern wird klar, wohin die Reise geht: Frische, fruchtige Aromen dominieren das Bouquet. Zitrusnoten, tropische Früchte, Honig und eine dezente, süßmalzige Komponente sorgen für einen einladenden ersten Eindruck.

Der erste Eindruck beim Antrunk besteht aus einer angenehmen Spritzigkeit und fruchtigen Süße, die aber keinesfalls aufdringlich wird. Am Gaumen setzt sich dieses Bild fort – allerdings mit mehr Tiefe. Zitrus, Grapefruit und Stachelbeere treffen auf exotische Fruchtnoten und werden von einer feinen Honigsüße getragen. Dazu kommen die typischen belgischen Hefearomen, die dem Bier seine charakteristische Komplexität verleihen. Die verwendeten Hopfensorten Saaz, Styrian Golding und Citra sorgen für eine ausgewogene Bittere und ein klares, aromatisches Profil. Das Mundgefühl ist voll, bleibt dabei aber frisch. Der Alkohol ist sehr gut eingearbeitet und unterstützt die anderen Aromen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. In der Kehle wird das Bier trockener, die Bittere wird kräftiger und auch fruchtiger. Der Geschmack klingt sehr lange nach.

Unterm Strich ist das Duvel Tripel Hop Citra ein gelungenes Beispiel dafür, wie klassische Bierstile durch gezielten Hopfeneinsatz neu interpretiert werden können. Oder anders gesagt: Ein belgisches Tripel, das gelernt hat, ein bisschen lauter zu sprechen – ohne seine Wurzeln zu vergessen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Glukosesirup, Hopfen (Saazer, Styrian Golding, Citra), Hopfenextrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Bittereinheiten:

40 IBU

Farbe:

5 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 8° Celsius

Brauerei:

Duvel Moortgat
Breendonk-Dorp 58
2870 Puurs
Belgien
www.duvel.com

Wandern mit „Glust“: Biergenuss im Oberpfälzer Wald

Im Oberpfälzer Wald wissen die Menschen, was Genuss bedeutet. „An Glust ham“ nennen es die Einheimischen, wenn der Appetit besonders groß ist – und genau diesen Appetit stillt die Region auf bemerkenswert vielfältige Weise. Denn hier verbindet sich das Wandern durch eine eindrucksvolle Landschaft ganz selbstverständlich mit der Einkehr in traditionsreiche Wirtshäuser. Eine Kombination, die nicht nur Einheimische zu schätzen wissen, sondern immer mehr Besucher anzieht.

Ein besonders schönes Beispiel ist die Tour „Biergenuss am Wasser entlang“. Auf rund 38 Kilometern führt die Strecke – je nach Kondition in ein oder zwei Etappen – zwischen zwei Brauereigasthöfen hin und her: dem Brauereigasthof Jacob und dem Brauereigasthof Jakob. Unterwegs begleiten das idyllische Regenttal und der Hammersee die Wanderer – eine Kulisse, die fast schon verdächtig gut zum nächsten Bier passt.

Wer noch tiefer in die regionale Bierkultur eintauchen möchte, sollte sich die Zoiglwanderung auf dem Goldsteig vormerken. Rund 48 Kilometer lang folgt die Route dem sechszackigen Zoiglstern, dem traditionellen Symbol der Brauer. Die Strecke lässt sich entspannt in zwei bis drei Etappen aufteilen – nicht zuletzt, weil man unterwegs immer wieder einkehren möchte. Zoiglbier und eine zünftige Brotzeit gehören hier schließlich genauso dazu wie die Landschaft selbst. Highlights wie die Muckenthaler Teichpfanne oder das Waldnaabtal sorgen zusätzlich dafür, dass der Blick nicht nur ins Glas, sondern auch in die Natur wandert.

Für alle, die es etwas kompakter mögen, bietet sich die Genusswanderung rund um Waldsassen an. Auf knapp zehn Kilometern verbindet sich hier barocke Architektur mit regionaler Küche. Als ausgezeichneter „Bayerischer Genussort“ überzeugt Waldsassen nicht nur mit seiner imposanten Kulisse, sondern auch mit einer Gastronomie, die bewusst auf saisonale und lokale Produkte setzt. So lässt sich etwa direkt neben der Dreifaltigkeitskirche Kappl ein Burger oder Braten vom Angusrind aus eigener Aufzucht genießen – ein kulinarischer Abschluss, der den Begriff „Glust“ endgültig erklärt.

Wer seine eigene Genussreise planen möchte, findet mit dem Natur-Navi eine praktische Unterstützung. Die digitale Wanderkarte des Oberpfälzer Waldes hilft dabei, Touren individuell zusammenzustellen, Sehenswürdigkeiten zu entdecken und Einkehrmöglichkeiten gezielt auszuwählen.

Das schwarze Huhn

Manchmal beginnt ein Bier nicht im Sudkessel, sondern in der Landschaft. Im Fall der Braumanufaktur Grasdorf, einige Kilometer südlich von Hildesheim gelegen, ist es das Innerstetal, das den Ton angibt. Das Dorf Grasdorf ist seit jeher eng mit dem Fluss Innerste verbunden – einem Gewässer, das nicht nur die Mühle antreibt, sondern auch das Leben der Menschen geprägt hat. Zwischen Oheberg und Barenberg angesiedelt, eingebettet in Wälder und durchzogen von Geschichten, ist Grasdorf ein Ort, an dem Gemeinschaft nicht nur ein Wort, sondern gelebte Realität ist.

Diese Gemeinschaft war es auch, die 2007 den Anstoß gab, die Zukunft des Dorfes aktiv zu gestalten. Aus Ideen wurde ein Plan, aus einem Plan ein Fest – und aus einem Fest schließlich ein Bier. Was zunächst mit 20 Litern unter Anleitung eines Braumeisters begann, entwickelte sich schnell zu einem ernstzunehmenden Projekt. Bereits zum Dorffest floss eine selbst gebraute Menge von 300 Litern aus einer größtenteils eigenhändig konstruierten Anlage. Der Erfolg war so überzeugend, dass aus einer spontanen Idee eine dauerhafte Leidenschaft wurde.

Der Name des Bieres ist dabei alles andere als zufällig gewählt. Inspiriert von Wilhelm Raabes Novelle Die Innerste trägt es die Legende vom „schwarzen Huhn“ in sich – eine düstere, fast mystische Geschichte über den Fluss, der fordert, was ihm zusteht. Ein Name, der nicht nur Aufmerksamkeit erzeugt, sondern auch perfekt zur Herkunft passt: rau, eigenwillig und tief verwurzelt in der Region.

Und damit zum eigentlichen Protagonisten: dem Bier selbst. Das „Das schwarze Huhn“ präsentiert sich bernsteinfarben und hefetrüb im Glas. Der Schaum hält sich eher zurück – ein stiller Auftritt, der den Fokus schnell auf das Wesentliche lenkt. In der Nase zeigt sich sofort eine angenehme Karamellnote, begleitet von einer feinen, leicht säuerlichen Fruchtigkeit, die an Apfel erinnert.

Der Antrunk bestätigt diesen ersten Eindruck. Karamellige Süße trifft auf eine angenehm feinperlige Kohlensäure, die das Bier lebendig, aber nicht aufdringlich wirken lässt. Im Körper zeigt sich das „schwarze Huhn“ ausgewogen: Die Süße bleibt dezent, die fruchtige Säure tritt etwas deutlicher hervor und verleiht dem Bier eine interessante Tiefe. Die Bittere hält sich dabei bewusst im Hintergrund und überlässt den anderen Aromen die Bühne. Im Abgang verändert sich das Bild. Das Bier wird trockener, die Bittere gewinnt an Präsenz und verbindet sich mit der fruchtigen Komponente zu einem harmonischen Finale. Der Nachklang ist lang und bleibt im Gedächtnis – genau so, wie man es sich von einem charakterstarken Bier wünscht.

Zu dieser Rezension möchte ich noch einige Worte verlieren. Die Gruppe besteht im Prinzip aus Hobbybrauern, die ihr Bier größtenteils auf Straßenfesten verkaufen. So habe ich auch das hier besprochene Bier auf dem Schmeckfest in Hildesheim gekauft. Dabei wurde mir erzählt, dass die Gruppe gerade eine neue Anlage gekauft haben und sich beim Brauen des Bieres noch in der Einarbeitung befanden. Deshalb sei bei diesem Sud auch die geschmackliche Tiefe nicht wie gewohnt. Der Unterschied fiel mir auch bereits beim Einschenken auf -normalerweise ist das Schwarze Huhn dunkler, erinnert farblich eher an ein hefetrübes Altbier. Und das schlägt sich selbstverständlich auch im Geschmack nieder. Normalerweise sind die Röstaromen präsenter, hier habe sie aber Karamelltönen Platz gemacht. Ich vermute daher, dass das hier von mir beschriebene Bier nicht so ist, wie es die Grasdorfer brauen wollten. Aber auch wenn hier durchaus Luft nach oben ist, hat mir das Bier gefallen. Ich hätte mir lediglich einen kräftigeren roten Malzkörper gewünscht, der die Karamellnoten mehr in den Vordergrund holt. Wenn dieses Bier regelmäßig gebraut würde, hätte das Schwarze Huhn auch einen roten Hahn als Gesellschaft und müsste nicht so einsam sein.

Insgesamt gilt: „Das schwarze Huhn“ ist kein lauter Vertreter seiner Zunft, sondern ein Bier mit leiser, aber nachhaltiger Wirkung. Eines, das nicht sofort alles preisgibt, sondern sich Schluck für Schluck erschließt. Oder anders gesagt: Ein Bier, das seine Geschichte nicht erzählt – sondern trinken lässt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Schwarzes Huhn GbR
Am Thieberg 11
31188 Holle
www.schwarzeshuhn.de

Zwischen Nachhaltigkeit und Unsicherheit: Europas Brauer fordern klare Verpackungsregeln

Nachhaltigkeit ist in der Brauwelt längst kein Trend mehr, sondern Pflichtprogramm. Doch wenn es um die konkrete Umsetzung geht, zeigt sich: Gute Absichten allein reichen nicht. Der Branchenverband The Brewers of Europe fordert daher dringend mehr Klarheit bei den neuen EU-Vorgaben zur Verpackung.

Auslöser ist eine aktuelle Mitteilung der Europäische Kommission zur Umsetzung der EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, kurz PPWR. Diese soll den Umgang mit Verpackungen nachhaltiger gestalten und Umweltbelastungen reduzieren. Ein Ziel, das die Brauer ausdrücklich unterstützen – schließlich ist Mehrweg für viele Betriebe schon lange gelebte Praxis und kein theoretisches Konzept.

Das Problem liegt im Detail. Oder genauer gesagt: im Fehlen davon. Zwar liefert die Mitteilung erste Orientierung, doch viele entscheidende Fragen bleiben offen. Für Brauereien ist das mehr als ein bürokratisches Ärgernis. Wer Verpackungssysteme umstellt, investiert nicht nur in neue Flaschen oder Kästen, sondern in komplette Produktions- und Logistikstrukturen.

Genau hier beginnt die Unsicherheit. Ohne klare Vorgaben drohen Fehlentscheidungen, unnötige Kosten und im schlimmsten Fall sogar Rückschritte bei bestehenden nachhaltigen Lösungen. Besonders betroffen sind kleine und mittelständische Brauereien, für die Fehlinvestitionen deutlich schwerer wiegen als für große Konzerne.

Zu den kritischsten Punkten zählen unter anderem Regelungen zu Kunststoffverpackungen für den Transport, Fragen rund um wiederverwendbare Etiketten sowie unklare Kriterien für Ausnahmen bei Mehrwegquoten. Was auf dem Papier nach Detailfragen klingt, entscheidet in der Praxis darüber, ob bestehende Mehrwegsysteme stabil bleiben – oder plötzlich ins Wanken geraten.

Die Branche warnt konkret vor unerwünschten Nebeneffekten. So könnten funktionierende Systeme wie Pfand- und Mehrwegkreisläufe unter Druck geraten, wenn Regelungen missverständlich oder widersprüchlich umgesetzt werden. Im Extremfall droht sogar, dass gut etablierte und nachhaltige Lösungen verschwinden, weil sie regulatorisch nicht sauber eingeordnet sind.

Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, bringt es auf den Punkt: Die Branche stehe hinter den Umweltzielen, brauche aber dringend klare und praxisnahe Leitlinien. Nur so lasse sich sicherstellen, dass der Übergang effizient verläuft, Kosten im Rahmen bleiben und sowohl Umwelt als auch Verbraucher profitieren.

Die aktuelle Mitteilung der EU wird zwar als Schritt in die richtige Richtung gesehen, reicht aber noch nicht aus. Die Brauer hoffen nun auf weitere Konkretisierungen im Laufe des Jahres 2026 – insbesondere in Form detaillierter Leitlinien und praxisnaher Antworten auf offene Fragen.

Kurz gesagt: Die Richtung stimmt, aber der Weg ist noch nicht ausgeschildert. Und genau das ist für eine Branche, die langfristig planen muss, ein ziemlich großes Problem.

Über den Glasrand geschaut: Warum Wheat Whiskey gerade neu entdeckt wird

Während Bourbon und Rye seit Jahren die Schlagzeilen dominieren, wächst im Schatten der großen Namen eine kleine, aber spannende weitere Kategorie heran: Wheat Whiskey. Noch ist er ein Nischenprodukt, doch die Aufmerksamkeit nimmt zu – bei Brennern ebenso wie bei Genießern.

Die Grundregeln sind schnell erklärt: Amerikanischer Wheat Whiskey funktioniert ähnlich wie Bourbon, nur mit einem entscheidenden Unterschied. Statt Mais dominiert Weizen die Maische und muss mindestens 51 Prozent ausmachen. Gereift wird – ganz klassisch – in neuen, ausgebrannten Eichenfässern. Klingt vertraut, schmeckt aber überraschend anders.

Geschmacklich bringt Weizen eine ganz eigene Welt ins Glas. Während Bourbon oft süß und Rye eher würzig daherkommt, zeigt sich Wheat Whiskey vielseitig: Honig, Zitrus, Beeren, manchmal sogar dessertartige Noten wie Toffee oder Vanillecreme. Ein Profil, das besonders für Einsteiger zugänglich wirkt, gleichzeitig aber genug Tiefe für erfahrene Genießer bietet.

Historisch gesehen ist Weizen im amerikanischen Whiskey nichts Neues. Bereits im 19. Jahrhundert wurde er als Zusatz in Bourbon verwendet – meist aus praktischen Gründen, denn Brenner nutzten schlicht das, was verfügbar war. Reiner Wheat Whiskey blieb jedoch selten, auch weil Weizen als Brotgetreide oft zu wertvoll war.

Die moderne Wiedergeburt begann eher zufällig. Nach der Übernahme der Bernheim-Destillerie durch Heaven Hill Ende der 1990er-Jahre entstand aus überschüssigem Weizen die Idee, einen eigenen Whiskey zu entwickeln. 2005 kam schließlich der erste Bernheim Wheat Whiskey auf den Markt – und legte den Grundstein für eine neue Kategorie.

Seither wächst das Interesse langsam, aber stetig. Große Namen wie Maker’s Mark oder Woodford Reserve experimentieren ebenso mit Weizen wie zahlreiche Craft-Destillerien. Gerade kleinere Produzenten schätzen die Möglichkeit, sich mit einem ungewöhnlichen Produkt vom Markt abzuheben.

Die Herstellung selbst gilt als vergleichsweise unkompliziert, zumindest im Vergleich zu roggenlastigen Destillaten. Doch auch Weizen hat seine Eigenheiten: feines Mehl, das zu Klumpenbildung neigt, lebhafte Gärprozesse und ein sensibles Verhalten bei der Reifung. Besonders im Fass zeigt sich der Charakter des Destillats – und kann bei zu langer Lagerung schnell von Holzaromen überdeckt werden.

Die größere Herausforderung liegt allerdings im Verkauf. Viele Konsumenten kennen Wheat Whiskey schlicht nicht oder verwechseln ihn mit „wheated bourbon“. Hier setzen Produzenten auf Aufklärung – und auf den Geschmack selbst. Denn oft reicht ein Glas, um Skepsis in Neugier zu verwandeln.

Auch Parallelen zur Bierwelt werden bewusst genutzt. Wer Weizenbier mag, erkennt im Whiskey vertraute Aromen wieder – nur intensiver und ergänzt durch die Einflüsse der Fassreifung. Eine Brücke, die gerade für experimentierfreudige Genießer spannend sein kann.

Trotz wachsender Beliebtheit bleibt die Kategorie vorsichtig. Die lange Reifezeit macht Prognosen schwierig, Investitionen riskant. Große Brennereien erhöhen ihre Produktion daher nur schrittweise, während kleinere Betriebe genau abwägen müssen, wie viel Zukunft sie in diese Nische investieren.

Eines ist jedoch klar: Wheat Whiskey ist kein kurzfristiger Trend, sondern ein leises, aber stetiges Wachstumsthema. Oder anders gesagt: Während andere laut um Aufmerksamkeit kämpfen, überzeugt dieser Whiskey eher im Gespräch – Glas für Glas.

Zwischen Innovation und Vorschrift: Alkoholfreies Bier im Umbruch

Alkoholfreie und alkoholarme Biere sind längst mehr als ein Randthema. Was früher als Notlösung für Autofahrer galt, entwickelt sich zunehmend zu einem eigenständigen Segment – auch in der Craft-Beer-Szene. Doch wie so oft, wenn sich etwas schnell verändert, kommen Technik, Wirtschaft und Gesetzgebung kaum hinterher.

Beim Beer Craft Forum 2026 in Bozen, einer internationalen Fachveranstaltung im Rahmen des Festivals, brachte der italienische Brauereiverband Unionbirrai genau diese Spannung auf den Punkt. Generalsekretärin Simone Monetti machte deutlich, dass alkoholfreie Biere nicht nur ein Trend sind, sondern Ausdruck eines kulturellen Wandels. Die Menschen trinken bewusster, achten stärker auf ihre Gesundheit und möchten trotzdem nicht auf Geschmack verzichten. Eine Kombination, die für Brauer gleichermaßen verlockend wie herausfordernd ist.

Denn einfach „weniger Alkohol“ zu brauen, ist technisch alles andere als einfach. Die Herstellung alkoholfreier Biere erfordert spezielle Verfahren, moderne Technik und oft hohe Investitionen. Für kleine Craft-Brauereien kann das schnell zur finanziellen Hürde werden. Hinzu kommen Fragen der Haltbarkeit und Stabilität, die häufig den Einsatz von Verfahren wie der Pasteurisierung notwendig machen – ein Thema, das in der Craft-Szene lange kritisch gesehen wurde.

Hier zeigt sich jedoch Bewegung. Unionbirrai betont inzwischen, dass solche Verfahren kein Widerspruch zum handwerklichen Anspruch sein müssen. Ein pragmatischer Ansatz, der zeigt: Ideale sind wichtig, aber ein funktionierendes Bier am Ende vielleicht noch ein bisschen wichtiger.

Noch komplizierter wird es beim Blick auf die Gesetzgebung. In Europa existieren bislang keine einheitlichen Definitionen für alkoholfreie und alkoholarme Biere. In Italien basiert der rechtliche Rahmen teilweise noch auf Regelungen aus den 1960er Jahren – eine Zeit, in der Craft Beer eher nach Science-Fiction klang. Entsprechend groß ist der Reformbedarf.

Ein aktueller Gesetzesentwurf, initiiert von Luca De Carlo und unterstützt von Unionbirrai, soll hier für Klarheit sorgen und das Bierrecht modernisieren. Ziel ist es, klare Definitionen zu schaffen und vor allem kleinen Brauereien faire Wettbewerbsbedingungen zu ermöglichen. Der Prozess ist angestoßen, doch bis zur Umsetzung bleibt noch Arbeit.

Ein weiterer Punkt: Die klare Unterscheidung zwischen alkoholfreien und alkoholarmen Bieren. Während alkoholfreie Varianten technisch aufwendiger sind, gelten Biere mit reduziertem Alkoholgehalt als leichter herstellbar – und gewinnen gerade im Craft-Bereich zunehmend an Bedeutung.

Das Beer Craft Forum zeigte damit vor allem eines: Die Zukunft des Bieres wird nicht nur im Sudkessel entschieden, sondern auch im Labor, im Parlament und im gesellschaftlichen Bewusstsein. Oder anders gesagt: Der Weg zum nächsten guten Bier könnte künftig etwas komplizierter sein – aber vermutlich auch spannender.

Die Krone wartet: Baden-Württemberg sucht eine neue Bierkönigin

Nachfolgerinnen gesucht: Die amtierende Baden-Württembergische Bierkönigin Linda Heinle und die amtierende Bierprinzessin Pauline Mohr sind noch bis Herbst im Amt. Copyright Daniela Jakob / BWB

Wenn es in Baden-Württemberg eine Person gibt, die Bier nicht nur trinkt, sondern es mit Haltung, Wissen und einer gewissen königlichen Würde vertritt, dann ist es die Baden-Württembergische Bierkönigin. Sie ist so etwas wie die flüssige Botschafterin des Südwestens – nur ohne diplomatische Immunität, dafür mit deutlich besserem Geschmack.

Der Baden-Württembergischer Brauerbund e.V. hat nun die Bewerbungsphase für die Amtszeit 2026 bis 2028 eröffnet. Gesucht wird eine Nachfolgerin für die amtierende Bierkönigin Linda Heinle und Bierprinzessin Pauline Mohr, die sich 2024 gegen mehr als 60 Mitbewerberinnen durchsetzen konnten. Die Latte liegt also nicht niedrig – aber immerhin flüssig.

Teilnehmen können alle Frauen aus Baden-Württemberg, die mindestens 21 Jahre alt sind und ihren Wohnsitz im Ländle haben. Die Bewerbung erfolgt unkompliziert über die offizielle Aktionsseite  www.bierkoenigin-bw.de/bewerbung – der erste Schritt zur Krone ist also nur wenige Klicks entfernt. Was danach folgt, ist allerdings weniger bequem: ein mehrstufiges Auswahlverfahren, bei dem nicht nur Bierleidenschaft, sondern auch Fachwissen, Auftreten und Durchhaltevermögen gefragt sind.

Aus allen Bewerberinnen werden neun Finalistinnen ausgewählt, die sich anschließend der Öffentlichkeit präsentieren dürfen – unter anderem auf der Aktionswebsite und dem Instagram-Kanal der Bierkönigin. Doch damit nicht genug: In den Wochen danach warten verschiedene Aufgaben und Herausforderungen, bei denen sich zeigt, wer nicht nur gerne Bier trinkt, sondern es auch überzeugend vertreten kann.

Der Höhepunkt folgt am 19. November beim 11. Baden-Württembergischen Brauertag. Dort entscheidet eine Jury, wer künftig die Bierkrone tragen darf. Ein Termin, bei dem vermutlich viele gute Biere verkostet werden – rein aus professionellen Gründen, versteht sich.

Neben Ruhm und Ehre winkt den Gewinnerinnen auch ein handfester Vorteil: Die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Diplom-Biersommelière zu absolvieren. Wer also schon immer argumentieren wollte, dass Bier trinken eine Form der Weiterbildung ist, bekommt hier endlich die offizielle Bestätigung.

Kurz gesagt: Baden-Württemberg sucht keine Märchenfigur, sondern eine echte Bierexpertin mit Ausstrahlung. Oder anders formuliert: Wenn Sie Bier nicht nur mögen, sondern ihm auch eine Stimme geben möchten, könnte dies Ihre Krönung sein. Bewerbungsschluss ist der 12. Juni 2026

Tag des Deutschen Bieres: Tradition, Wandel und neue Herausforderungen

Zum Tag des Deutschen Bieres zieht der Deutscher Brauer-Bund Bilanz – und die fällt gemischt aus. Einerseits steht die deutsche Braukultur so stark da wie kaum eine andere weltweit, andererseits sieht sich die Branche mit spürbaren wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert.

510 Jahre Reinheitsgebot – Fundament der Braukultur

Seit über fünf Jahrhunderten prägt das Reinheitsgebot die Bierherstellung in Deutschland. Mit Wasser, Malz, Hopfen und Hefe als Grundlage ist eine beeindruckende Vielfalt entstanden: Rund 1.400 Brauereien produzieren heute mehr als 7.500 unterschiedliche Biere.

Diese einzigartige Brautradition wurde 2020 sogar als immaterielles Kulturerbe anerkannt – ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert Bier in Deutschland kulturell und historisch einnimmt. Dabei ist aber zu beachten, dass nicht das Reinheitsgebot von der UNESCO als Kulturerbe anerkannt wurde, sondern das handwerkliche Brauen.

Markt im Wandel: Alkoholfrei auf dem Vormarsch

Während klassische Biere an Absatz verlieren, entwickelt sich ein Segment besonders dynamisch: alkoholfreies Bier. Im Jahr 2025 sank der Absatz alkoholhaltiger Biere um 5,8 Prozent auf etwa 6,4 Milliarden Liter. Gleichzeitig legte die Produktion alkoholfreier Varianten um 7,6 Prozent zu und erreichte rund 750 Millionen Liter.

Damit machen alkoholfreie Biere und Biermischgetränke inzwischen etwa 11 Prozent des gesamten Bierkonsums aus. In der Beliebtheit haben sie sich bereits auf Platz drei vorgeschoben.

An der Spitze bleibt weiterhin das Pils mit rund 50 Prozent Marktanteil, gefolgt von Hellen, die ebenfalls seit Jahren wachsen und inzwischen etwa 12 Prozent erreichen.

Weniger Brauereien, stabile Beschäftigung

Mit aktuell 1.415 Brauereien bleibt Deutschland ein Land mit außergewöhnlicher Biervielfalt. Dennoch ist die Zahl der Betriebe rückläufig: Seit 2019 mussten über 130 Brauereien schließen – darunter auch traditionsreiche Familienbetriebe.

Trotzdem zeigt sich der Arbeitsmarkt vergleichsweise stabil. Rund 27.400 Menschen sind weiterhin in der Brauwirtschaft beschäftigt.

Steigende Kosten und unsichere Perspektiven

Die größten Herausforderungen liegen derzeit im wirtschaftlichen Umfeld. Hohe Energiepreise, steigende Rohstoffkosten und teure Logistik belasten die Betriebe ebenso wie die schwache Konsumstimmung.

Auch der Wettbewerb im Handel verschärft die Situation zusätzlich. Für viele Brauereien bedeutet das: steigender Druck bei gleichzeitig sinkender Nachfrage.

Appell an die Politik

Der Deutsche Brauer-Bund fordert daher verlässliche Rahmenbedingungen, insbesondere bei Energiepreisen und Investitionssicherheit. Planungssicherheit sei entscheidend, um Innovationen voranzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Gleichzeitig spricht sich der Verband gegen zusätzliche steuerliche Belastungen aus und plädiert für weniger Bürokratie sowie schnellere Verfahren.

Kurz gesagt: Die deutsche Braubranche steht an einem Wendepunkt. Tradition, Vielfalt und Qualität sind weiterhin ihre größten Stärken. Doch um diese auch in Zukunft zu bewahren, braucht es Anpassungsfähigkeit, Innovation – und politische Unterstützung.

Goldregen für Appenzeller Bierspezialitäten

Wenn eine Brauerei gleich einen ganzen Medaillenregen mit nach Hause nimmt, darf man ruhig genauer hinschauen. Genau das ist bei der Brauerei Locher aus Appenzell der Fall. Beim Swiss Beer Award 2026 hat das Familienunternehmen eindrucksvoll gezeigt, dass es sowohl klassische Bierstile als auch moderne Interpretationen beherrscht.

Und das Ergebnis kann sich sehen lassen: vier Gold-, zwei Silber- und gleich fünf Anthrazit-Auszeichnungen.

Ein Wettbewerb mit Anspruch

Der Swiss Beer Award zählt zu den wichtigsten Bierwettbewerben der Schweiz. In diesem Jahr wurden 531 Biere aus der Schweiz und Liechtenstein eingereicht – eine beeindruckende Zahl, die zeigt, wie vielfältig die Szene mittlerweile ist.

Nach einer Kombination aus laboranalytischer Prüfung, sensorischer Bewertung durch eine Fachjury und der Kontrolle der Etiketten auf gesetzliche Vorgaben standen schließlich die besten Biere fest. Insgesamt konnten sich 165 Biere in 43 Kategorien eine Auszeichnung sichern.

Dass sich die Brauerei Locher hier so deutlich durchsetzt, ist alles andere als selbstverständlich.

Gold für Vielfalt und Mut

Besonders bemerkenswert ist die Bandbreite der prämierten Biere. Gold gab es unter anderem für:

  • ein alkoholfreies IPA
  • ein dunkles Spezialbier („Schwarzer Kristall“)
  • ein Ginger Beer
  • sowie das alkoholfreie Craft-Bier „Freefall“

Allein diese Auswahl zeigt: Hier geht es nicht um Einheitsgeschmack, sondern um Vielfalt und Experimentierfreude.

Gerade das alkoholfreie IPA unter den Goldgewinnern unterstreicht einmal mehr, wie stark sich dieser Bereich entwickelt hat – und dass alkoholfrei längst kein Kompromiss mehr sein muss.

Silber und Anthrazit als Qualitätsbeweis

Auch abseits der Goldmedaillen überzeugt das Portfolio. Silber ging unter anderem an ein Sauerbier sowie ein klassisches Lager. Dazu kommen mehrere Anthrazit-Auszeichnungen für bekannte und beliebte Biere wie das Quöllfrisch oder ein alkoholfreies Panaché.

Das zeigt: Die Stärke der Brauerei Locher liegt nicht nur in einzelnen Leuchtturmprojekten, sondern in der Breite ihres Sortiments.

Tradition trifft Innovation

Die große Stärke des Appenzeller Familienunternehmens ist die Verbindung von Tradition und Innovation. Auf der einen Seite stehen klassische, regionale Bierstile, auf der anderen Seite moderne Craft-Biere und kreative Ansätze.

Genau diese Mischung scheint bei der Jury gut anzukommen – und trifft gleichzeitig den Geschmack vieler Biertrinker.

Oder anders gesagt: Hier wird nicht nur gutes Bier gebraut, sondern auch verstanden, wie vielfältig Bier heute sein kann.

Der Erfolg beim Swiss Beer Award 2026 ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Qualitätsarbeit und einer klaren Ausrichtung auf Vielfalt. Für uns als Bierliebhaber bedeutet das vor allem eines: Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf die Biere aus der Schweiz und besonders auf die Biere aus Appenzell zu werfen. Denn wenn eine Brauerei gleichzeitig alkoholfreies IPA, Sauerbier und Klassiker auf Top-Niveau liefert, dann macht sie offensichtlich einiges richtig.

Gold Ochsen bringt OXX DREI ACHT auf den Markt

Die Brauerei Gold Ochsen erweitert ihr Sortiment und setzt mit OXX DREI ACHT auf einen klaren Trend: leichte Biere mit vollem Geschmack. Die neue Kreation knüpft an das bereits in den 1990er-Jahren eingeführte OXX an und richtet sich gezielt an eine Generation, die bewusster konsumiert, ohne auf Genuss verzichten zu wollen.

Leichter, aber mit Charakter

Mit einem Alkoholgehalt von 3,8 Volumenprozent und einer Stammwürze von 8,4 Prozent positioniert sich OXX DREI ACHT deutlich unterhalb klassischer Vollbiere. Möglich wird das durch eine angepasste Malzschüttung. Anders als bei vielen vergleichbaren Produkten setzt die Brauerei jedoch nicht auf technische Tricks oder nachträgliche Entalkoholisierung, sondern auf eine vollständige Vergärung.

Das Ziel: ein schlankes Bier mit eigenständigem Profil und hoher Trinkbarkeit. Laut Brauerei soll genau diese Kombination den Reiz des neuen Produkts ausmachen.

Fruchtige Hopfennoten im Fokus

Für die Aromatik kommt der Tango-Hopfen zum Einsatz, der dem Bier eine frische, fruchtige Note verleihen soll. Beschrieben werden Anklänge von Limette und Grapefruit, begleitet von dezenten tropischen Nuancen. Eine leichte Malzsüße soll für Balance sorgen.

Am Gaumen wird das Bier als weich im Antrunk, schlank im Körper und mit fein abgestimmter Bittere charakterisiert – typisch für moderne, leichte Bierstile.

Modernes Design trifft Kultfaktor

Auch optisch geht Gold Ochsen neue Wege. OXX DREI ACHT erscheint in einem klaren, reduzierten Design mit auffälliger roter Farbgebung. Der Name fungiert gleichzeitig als prägnanter Hinweis auf den Alkoholgehalt und das Konzept des Bieres.

Abgefüllt wird in der 0,33-Liter-Mehrwegflasche, inklusive des bekannten Pull-Off-Rings, der bereits beim ursprünglichen OXX Kultstatus erreicht hat.

Auch das alkoholfreie Radler im neuen Look

Im Zuge der Markteinführung erhält auch das alkoholfreie Radler der OXX-Reihe ein Update. Es tritt künftig mit überarbeitetem Erscheinungsbild auf und soll sich als moderner Klassiker im Segment alkoholfreier Biermischgetränke positionieren.

Mit OXX DREI ACHT reagiert die Brauerei auf einen wachsenden Markt: Leichte Biere liegen im Trend, insbesondere bei Konsumenten, die Wert auf Geschmack, aber auch auf einen moderaten Alkoholgehalt legen.

Wichtig zu erwähnen: Die genannten sensorischen Eindrücke und Produktdetails stammen von der Brauerei selbst. Eine eigene Verkostung konnte bislang noch nicht stattfinden.

OXX DREI ACHT reagiert auf die Entwicklung des Biermarktes: weniger Alkohol, aber weiterhin Anspruch an Geschmack und Markenidentität. Ob das neue Leichtbier hält, was es verspricht, wird sich erst im Glas zeigen.