Weltenburger – Helles Alkoholfrei

Das Weltenburger Helle Alkoholfrei präsentiert sich im Glas in einem goldenen Farbton mit leicht orangem Einschlag und glanzfeiner Klarheit. Der feinporige Schaum ist eher zurückhaltend, zeigt jedoch eine sehr gute Standfestigkeit.

In der Nase dominieren getreidige und süßliche Noten, begleitet von einer dezenten Blumigkeit des Hopfens. Der Antrunk wirkt deutlich süß, getragen von einer sehr feinperligen, eher zurückhaltend dosierten Kohlensäure.

Im weiteren Verlauf steht das Getreide klar im Mittelpunkt, harmonisch ergänzt durch die blumigen Hopfenaromen. Die Bittere bleibt dezent, das Mundgefühl weich und rund. Insgesamt erinnert der Eindruck stellenweise an eine milde, leicht malzige Limonade.

Im Abgang zeigt sich der Hopfen nochmals mit einer angenehmen, freundlichen Bittere und einer anhaltenden Blumigkeit, die vergleichsweise lange nachklingt.

Persönlich trifft das Bier nicht meinen Geschmack, dennoch lässt sich nachvollziehen, warum es insbesondere für Liebhaber milder, süffiger alkoholfreier Biere attraktiv sein kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz. Hopfen (Herkules, Tradition, Blanc), Kohlensäure

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

5,6° Plato

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

Brauerei Bischofshof GmbH & Co. KG
Heitzerstraße 2
93049 Regensburg
www.weltenburger.de

„Know Your Beer“: Mehr Transparenz für Biertrinker in Europa

Wer weiß eigentlich genau, was im eigenen Bier steckt? Genau hier setzt die neue europäische Plattform „Know Your Beer“ an. Das digitale Angebot wurde kürzlich im italienischen Parlament vorgestellt und soll Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen, Bier besser zu verstehen – von den Zutaten über den Alkoholgehalt bis hin zu Herkunft, Frische und Zertifizierungen.

Hinter dem Projekt steht die European Beer Consumers’ Union (EBCU), die sich seit Jahrzehnten für die Interessen von Bierkonsumenten in Europa einsetzt. Ziel der Plattform ist es, Informationen rund um Bier klar, verständlich und überprüfbar zugänglich zu machen und damit die Transparenz in der Branche zu stärken.

Ein Werkzeug für mehr Durchblick

Vorgestellt wurde „Know Your Beer“ im Rahmen der Pressekonferenz „Know Your Beer: EBCU and Unionbirrai, the new frontier of transparency“, die gleichzeitig den Auftakt zum 73. Delegiertentreffen der EBCU in Rom bildete. Gastgeber war die Unionbirrai, der italienische Verband unabhängiger Craft-Brauereien.

Die Plattform richtet sich gezielt an Konsumenten und bietet strukturierte Hilfestellungen, um Bieretiketten besser zu verstehen. Im Fokus stehen dabei sechs zentrale Aspekte: Alkoholgehalt und Bierstil, Zutaten und Allergene, Hersteller und Herkunft, Zertifizierungen, Frische und Rückverfolgbarkeit sowie die richtige Lagerung.

Politik entdeckt Biertransparenz

Auch politisch stößt das Thema auf großes Interesse. Mehrere Vertreter aus dem italienischen Parlament nahmen an der Veranstaltung teil und betonten die Bedeutung klarer Rahmenbedingungen für die Branche.

Vittorio Ferraris erinnerte daran, dass Unionbirrai von Anfang an nicht nur als Interessenvertretung der Brauereien gedacht war, sondern auch als Förderer der Bierkultur. Gleichzeitig dankte er den politischen Entscheidungsträgern für ihre Unterstützung und betonte: „Heute sehen wir eine starke Übereinstimmung zwischen Institutionen und Branchenakteuren: Es ist ein geschlossenes Team entstanden, das das Wachstum des Sektors endlich mit passenden und modernen Regelungen unterstützen kann.“

Auch Luca De Carlo hob die Bedeutung regionaler Strukturen hervor: „Die Bier-Wertschöpfungskette, insbesondere im handwerklichen Bereich, ist nicht nur wegen der Transparenz wichtig, sondern auch, weil sie tief in den Regionen verwurzelt ist. Nach mehr als sechzig Jahren brauchen wir moderne Gesetze, die das Wachstum des Sektors unterstützen und neue Chancen wie Gastronomie und Biertourismus stärken, damit vor allem kleinere Produzenten ihre Geschichte besser erzählen können.“

Giorgio Salvitti unterstrich zudem die wirtschaftliche Relevanz: „Der Biersektor ist strategisch wichtig für die nationale Wirtschaft. Klarheit bei Rückverfolgbarkeit, Sicherheit und Qualitätsmerkmalen zu gewährleisten, ist eine Verpflichtung gegenüber Verbrauchern und Markt. Wir arbeiten an neuen gesetzlichen Regelungen, die einen klaren Rahmen schaffen und die Entwicklung des Sektors weiter fördern – auch durch die Möglichkeiten des Biertourismus.“

Zwischen Innovation und Gesetzgebung

Ein weiterer Punkt, der mehrfach angesprochen wurde, ist die Diskrepanz zwischen moderner digitaler Entwicklung und teilweise veralteten gesetzlichen Rahmenbedingungen. Genau hier soll „Know Your Beer“ ansetzen: als Brücke zwischen Verbraucherinteresse, technologischen Möglichkeiten und politischer Regulierung.

Die Plattform ist bereits in mehreren Sprachen verfügbar und soll langfristig dazu beitragen, Bier nicht nur bewusster zu konsumieren, sondern auch besser zu verstehen – ein Ansatz, der gerade in Zeiten wachsender Bierstile-Vielfalt und steigender Qualitätsansprüche immer wichtiger wird.

Brasserie de Blaugies – Saison d’Epeautre

Ganz im Westen Belgiens, nur wenige Schritte von der französischen Grenze entfernt, liegt die kleine, familiengeführte Brasserie de Blaugies. Seit ihrer Gründung im Jahr 1988 hat sie sich ganz einem Bierstil verschrieben, der lange Zeit fast in Vergessenheit geraten wäre: dem Saison. Diese traditionellen Farmhouse Ales wurden einst in den Wintermonaten gebraut, um Landarbeiter außerhalb der Erntesaison zu beschäftigen. Mit dem Siegeszug der Lagerbiere geriet der Stil zunehmend ins Abseits, erlebt jedoch seit einigen Jahren eine verdiente Renaissance.

Das Saison d’Epeautre zeigt sich im Glas in einem satten Goldton mit deutlicher Hefetrübung. Beim Öffnen noch sehr schaumfreudig, fällt die Schaumkrone im Glas allerdings rasch zusammen.

In der Nase entfalten sich Aromen von frischem Biskuitteig, begleitet von gelben Früchten und einer dezenten, leicht säuerlichen Note.

Der Antrunk ist spritzig und angenehm trocken, fast schon erfrischend wie eine fein perlende Fruchtbrause. Im weiteren Verlauf zeigt sich ein schlanker Körper mit einer leichten, gut eingebundenen Süße, die schnell von einer milden Säure abgelöst wird. Geschmacklich erinnert das Bier an nicht ganz reife gelbe Pflaumen, wobei eine klassische Hopfenbittere nahezu nicht wahrnehmbar ist. Der Alkohol bleibt dabei vollständig im Hintergrund.

Der Abgang präsentiert sich entsprechend trocken, fruchtig und sauber, mit einer erfrischenden Leichtigkeit, die zum nächsten Schluck einlädt. Trotz eines Jahres über dem Mindesthaltbarkeitsdatum wirkt das Bier erstaunlich lebendig und ausgewogen.

Das Saison d’Epeautre ist ein charakterstarkes Beispiel für diesen Bierstil: gebraut mit Dinkel und Gerste, angenehm trocken, leicht im Körper und mit einer feinen, leicht säuerlichen Note. Ein Bier, das nicht nur die Tradition des Saison-Stils lebendig hält, sondern auch zeigt, wie spannend und vielseitig diese wiederentdeckte Bierkategorie sein kann.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Bittereinheiten:

19 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Brasserie de Blaugies
Rue de la Frontière 435
7370 Blaugies
Belgien
www.brasseriedeblaugies.com

Vom Milliarden-Traum zum Absturz

Über die Insolvenz von BrewDog habe ich bereits berichtet. Jetzt habe ich mich gefragt, wie die Insolvenz im Heimatmarkt Großbritannien gesehen wird. Während der Recherche bin ich auf einen umfangreichen Artikel gestoßen, der die Betrachtungsweise dort sehr gut darstellt. Hier die wichtigsten Punkte:

BrewDog galt lange als Paradebeispiel für die Craft-Beer-Revolution: Vom Garagen-Start-up zum Milliardenunternehmen – eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch. Doch genau dieser rasante Aufstieg scheint am Ende auch zum Problem geworden zu sein.

Die Gründer James Watt und Martin Dickie wollten in den 2000er-Jahren nichts weniger als die Bierwelt auf den Kopf stellen. Mit improvisierter Ausrüstung in einer Garage in Schottland gestartet, arbeiteten sie sich mit viel Energie, wenig Schlaf und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein nach oben. Der Durchbruch gelang mit dem Punk IPA, die schnell Kultstatus erreichte.

BrewDog inszenierte sich dabei bewusst als Gegenentwurf zur „langweiligen“ Bierindustrie. Provokante Marketingaktionen, spektakuläre PR-Stunts und eine treue Fanbasis machten die Marke groß – und laut.

Wachstum um jeden Preis

Ein zentraler Erfolgsfaktor war das Finanzierungsmodell „Equity for Punks“. Fans konnten Anteile kaufen und wurden Teil der Bewegung. Über 200.000 Investoren steckten mehr als 100 Millionen Pfund in das Unternehmen. Doch spätestens mit dem Einstieg des US-Investors TSG im Jahr 2017 änderte sich die Dynamik. Die Gründer verkauften Anteile im Wert von rund 100 Millionen Pfund und machten BrewDog gleichzeitig fit für noch schnelleres Wachstum. Neue Bars, Hotels und sogar Spirituosenprojekte schossen aus dem Boden.

Das Problem: Dieses Wachstum war teuer – und offenbar nicht nachhaltig.

Analysten sehen in dem Deal mit TSG einen Wendepunkt. Die vereinbarten Renditeerwartungen setzten BrewDog massiv unter Druck. Um Investoren zufriedenzustellen, musste das Unternehmen Jahr für Jahr stark wachsen – ein Ziel, das sich langfristig als unrealistisch herausstellte.

Erste Risse im System

Ab etwa 2017 mehrten sich die Probleme. Intern wurde von einer schwierigen Unternehmenskultur berichtet, es gab Kritik an Führungsstil und Entscheidungen. Gleichzeitig begannen die wirtschaftlichen Kennzahlen zu schwächeln. Die Pandemie verschärfte die Lage zusätzlich. Trotz sinkender Gewinne expandierte BrewDog weiter – mit großen Standorten und neuen Projekten. Rückblickend ein riskanter Kurs. Der letzte Gewinn wurde 2019 erzielt. Danach ging es wirtschaftlich bergab.

Absturz mit Ansage

2024 zog sich James Watt als CEO zurück, kurz darauf auch Martin Dickie. Das einstige Gründerduo, das BrewDog groß gemacht hatte, war nicht mehr operativ an Bord.

Die Schuldenlast wuchs, Kredite mussten bedient werden, und immer mehr Bars wurden geschlossen. Schließlich kam es, wie es kommen musste: BrewDog rutschte in die Insolvenzverwaltung. Teile des Unternehmens – darunter die Brauerei in Ellon und einige Bars – wurden für rund 33 Millionen Pfund verkauft. Viele andere Standorte mussten schließen, hunderte Mitarbeiter verloren ihren Job.

Verlierer der Entwicklung

Besonders bitter ist die Situation für die sogenannten „Equity Punks“. Viele der Kleinanleger werden wohl keinen Cent ihrer Investitionen wiedersehen. Auch für die Belegschaft ist der Absturz hart: Entlassungen, Unsicherheit und das Ende eines Unternehmens, das lange als Vorzeigeprojekt galt.

James Watt selbst räumte inzwischen Fehler ein. Das Unternehmen sei „zu schnell gewachsen“ und habe sich „zu breit aufgestellt“. Gleichzeitig bleibt Kritik laut, dass die Gründer sich frühzeitig finanziell abgesichert haben.

Fazit: Lehrstück der Craft-Beer-Szene

In Großbritannien wird der Fall BrewDog vielfach als warnendes Beispiel gesehen: für übermäßigen Expansionsdrang, überhöhte Bewertungen und die Risiken von Investoren-getriebenem Wachstum. Was bleibt, ist eine Marke, die die Bierwelt nachhaltig geprägt hat – aber auch eine Geschichte, die zeigt, wie schnell ein Höhenflug enden kann. Oder anders gesagt: Viel Punk, viel Pathos – und am Ende eine Bruchlandung.

Hertl – Schwiegermutter`s Rache

Die Braumanufaktur Hertl ist bekannt für kreative Biere mit Augenzwinkern – und bei „Schwiegermutters Rache“ macht Detlef Hertl keine Ausnahme. Aber nicht nur beim Benennen seiner Biere gibt Detlef sich redliche Mühe, sondern auch beim Brauen. Daher haben mir bislang alle Biere gefallen, die ich in der Vergangenheit bereits verkostet habe. Ich hoffe, dass dies auch auf das alkoholfreie Weißbier zutrifft, das jetzt vor mir steht.

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem klassischen, naturtrüben Goldton mit leicht orangenen Reflexen. Die Schaumkrone ist üppig, fest und strahlend weiß – so, wie man es sich von einem fränkischen Weizenbier wünscht.

In der Nase entfaltet sich ein typisch hefig-fruchtiges Aromenspiel: Banane, ein Hauch Nelke und eine dezente Zitrusnote steigen auf. Dazu gesellen sich leichte Getreidenoten und eine angenehme Frische, die direkt Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist weich und erstaunlich vollmundig für ein alkoholfreies Bier. Eine feine Malzsüße trifft auf die klassische Weizenaromatik mit Banane und leichter Würze. Die Kohlensäure ist etwas knapp dosiert, sorgt aber trotzdem für ein angenehm spritziges Mundgefühl. Im weiteren Verlauf bleibt das Bier mild, frisch und sehr ausgewogen – die Bittere ist stiltypisch kaum wahrnehmbar, was den süffigen Charakter zusätzlich unterstreicht. Der Körper ist schlank bis mittel, ohne wässrig zu wirken. Auch in der Kehle zeigt sich das Bier sauber, erfrischend und mit einem dezenten Hefeton, der langsam ausklingt.

„Schwiegermutters Rache“ ist ein alkoholfreies Weißbier, das seinem großen Vorbild erstaunlich nahekommt. Fruchtig, weich und unkompliziert – und genau das Richtige für alle, die vollen Geschmack bei klarem Kopf genießen möchten.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Gärungskohlensäure

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Braumanufaktur Hertl
Thüngfeld 61
96132 Schlüsselfeld
www.braumanufaktur-hertl.de

BRAUW – Armout Macleod Bourbon oaked

Mitten im lebendigen Zentrum von Genk hat sich BRAUW als moderne Stadtbrauerei etabliert – bodenständig im Ansatz, kreativ im Ergebnis. Hier trifft handwerkliches Brauen auf eine klare lokale Identität, die sich bewusst an regionalen Traditionen und Limburger Besonderheiten orientiert.

Im Mittelpunkt steht bei BRAUW die Leidenschaft für ein ehrliches Produkt: Bier. Gebraut wird mit einfachen, bewusst gewählten Methoden, die den Charakter der Zutaten in den Vordergrund stellen. Trotz aller Experimentierfreude bleibt die Brauerei ihrem eigenen Stil treu – reduziert auf das Wesentliche, ohne dabei langweilig zu werden.

Der Name BRAUW ist dabei Programm. Er spielt nicht nur auf das Brauen selbst an, sondern trägt mehrere Ebenen in sich: „RAW“ steht für die ursprünglichen, unverfälschten Techniken, während der kreative Anspruch und die überraschenden Geschmackserlebnisse durchaus ein spontanes „WOW“ hervorrufen können. Gleichzeitig versteht sich BRAUW auch als Plattform für andere – insbesondere für Hobbybrauer, deren Handwerk hier wertgeschätzt und unterstützt wird.

Hinter all dem steht Gründer und Braumeister Joris Mentens, der mit BRAUW eine Brauerei geschaffen hat, die Handwerk und Innovation verbindet – und dabei immer auch Raum für persönliche Geschichten im Glas lässt.

Vor mir steht jetzt das Brauw Armout Macleod Bourbon Oaked, eine spezielle limitierte Winterbier-Edition von BRAUW. Dieses Bier basiert auf dem beliebten Armout Macleod Scotch Ale, einem vollmundigen und reichhaltigen Bierstil mit warmen Karamellnoten und einem sanften, malzigen Abgang, der typisch für starke schottische Ales ist. Brauw hat das klassische Rezept weiter verfeinert, indem das Bier mit Bourbon-getränkter Eiche gereift wurde.

Braun fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine haselnussbraune Schaumkrone, die leider recht flott in sich zusammenfällt.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel: Vanille, Karamell und ein Hauch von Bourbon steigen zuerst auf, dazu dunkle Schokolade, geröstetes Malz, dazu ein Hauch Lakritz und ein dezenter Anklang von Eiche. Dahinter schwingen Noten von getrockneten Früchten und ein leichter Hauch von Alkoholwärme mit.

Der Antrunk ist weich und vollmundig. Eine angenehme Malzsüße, kombiniert mit einer feinperligen und trotzdem kräftigen Kohlensäure trifft auf Noten von Karamell und Vanille, Kaffee und Kakao. Im Mittelteil sorgt die Fassreifung für zusätzliche Tiefe: Holzige Nuancen und eine feine Bourbon-Note geben dem Bier Struktur, ohne es zu dominieren. Die Bittere bleibt moderat und rundet das Gesamtbild harmonisch ab. Der Körper ist kräftig und die zehn Volumenprozent Alkohol sind sehr gut eingebunden. In der Kehle zeigt sich das Bier lang und wärmend, mit einer eleganten Kombination aus Röstaromen, Eiche und einem Hauch von Whisky-Charakter.

Das BRAUW Armout Macleod Bourbon Oaked ist ein komplexes, fassgereiftes Bier mit viel Tiefe und Balance. Kraftvoll, aber nicht überladen – und genau das Richtige für alle, die dunkle, aromatische Biere mit Holzfass-Charakter schätzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haver, Roggen, Zucker, Bourbon, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

36 EBC

Brauerei:

Brauw City Brewery
Molenstraat 37/1
3600 Genk
Belgien
www.brauw.be

Kraftpaule – Dunkles

Kraftpaule steht für kreative Braukunst aus Stuttgart. Hier werden klassische Bierstile gern mit einem modernen Twist interpretiert. Dass die Schwaben auch die dunkle Seite des Bieres beherrschen, wollen sie mit dem Dunklen beweisen.

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem tiefen Kastanienbraun, beinahe schwarz, mit rubinroten Reflexen. Darüber thront eine feinporige, cremige und hellbraune Schaumkrone, die im Glas sehr lange erhalten bleibt – ein erster Hinweis darauf, dass hier nicht gepfuscht wurde.

In der Nase dominieren malzige Aromen: frisch gebackenes Brot, Karamell und ein Hauch von Toffee steigen auf. Dahinter schwingt eine dezente Röstnote mit, die an Kakao oder leicht geröstete Nüsse erinnert, ohne jemals zu dominant zu werden. Abgerundet wird das Aroma durch den Duft nach Trockenfrüchten, ich meine, getrocknete Pflaumen zu erkennen.

Der Antrunk ist weich und rund. Eine angenehme Malzsüße breitet sich aus, begleitet von Noten von Karamell und dunklem Brot, gepaart mit einer angenehm dosierten sehr feinperligen Kohlensäure. Im weiteren Verlauf zeigen sich feine Röstaromen, die dem Bier Tiefe verleihen, ohne es schwer wirken zu lassen. Die Bittere bleibt zurückhaltend und sorgt lediglich für die nötige Balance. Der Körper ist mittelkräftig. In der Kehle bleibt das Dunkle angenehm mild mit einer leicht nussigen und dezent röstigen Note zurück – ein Bier, das zum Weitertrinken einlädt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner. Münchner, Cara, Carafa), Hopfen (Hallertau Tradition, Willamette), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

für

Kraftpaule GmbH
Neckarstraße 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

EU-Verpackungsregeln sorgen für Unruhe bei Brauern – Branche fordert Klarheit

Die europäische Braubranche blickt mit gemischten Gefühlen auf die jüngsten Entwicklungen aus Brüssel. Zwar begrüßen die Brauer die neue Mitteilung der Europäischen Kommission zur Umsetzung der EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR), doch von Entwarnung kann keine Rede sein.

Im Gegenteil: Viele zentrale Fragen bleiben offen – und genau das sorgt in den Brauereien für steigenden Puls statt für Planungssicherheit.

Zwischen Umweltziel und Praxisproblem

Grundsätzlich steht die Branche hinter den ökologischen Zielen der neuen Verpackungsregeln. Weniger Abfall, mehr Kreislaufwirtschaft – das klingt auch für Brauer nach einer guten Idee. Schließlich ist Nachhaltigkeit längst kein Trend mehr, sondern Teil des Selbstverständnisses vieler Betriebe.

Doch in der Praxis sieht es komplizierter aus. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Produktions- und Logistiksysteme anzupassen – und das oft mit erheblichen Investitionen. Ohne klare Vorgaben droht dabei ein teurer Blindflug.

Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, bringt es auf den Punkt:
„Brewers fully support the overall environmental goals of the packaging regulation. However, companies urgently need clarity on how certain rules will work in practice. Packaging transitions require significant investments in production and logistics systems. Clear guidance will help ensure the transition is efficient, avoids unnecessary costs and protects consumers and the environment.“

Unsicherheit mit Folgen

Die fehlende Klarheit betrifft vor allem Regelungen, bei denen Unternehmen schon heute Entscheidungen treffen müssen – obwohl die Details noch nicht final geklärt sind. Das birgt Risiken: Wer jetzt investiert, könnte später nachjustieren müssen. Wer abwartet, verliert Zeit.

Besonders kritisch sehen die Brauer mehrere Punkte:

  • die zukünftige Rolle von Kunststoffverpackungen im Transport
  • Regelungen zur Wiederverwendung von Etiketten
  • unklare Kriterien für Ausnahmen bei Mehrwegquoten

Gerade beim Transport sind Kunststoffverpackungen oft die effizienteste Lösung. Werden hier vorschnell Einschränkungen beschlossen, könnten funktionierende Systeme ins Wanken geraten. Im schlimmsten Fall verschwinden sogar bewährte Mehrwegkisten vom Markt – ein Szenario, das weder ökologisch noch wirtschaftlich sinnvoll wäre.

Druck auf kleine Brauereien wächst

Während große Konzerne solche Unsicherheiten eher abfedern können, geraten kleine und mittelständische Brauereien zunehmend unter Druck. Steigende Kosten, komplexe Umstellungen und fehlende Planungssicherheit treffen sie besonders hart.

Die Sorge: Gut gemeinte Regulierung könnte am Ende genau jene Betriebe belasten, die oft besonders nachhaltig arbeiten.

Hoffnung auf Nachbesserung

Die aktuelle Mitteilung der EU-Kommission wird von der Branche zwar als Schritt in die richtige Richtung gesehen – mehr aber auch nicht. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, und genau hier setzen die Erwartungen an.

Für das Jahr 2026 werden weitere Leitlinien und konkrete Erläuterungen angekündigt. Die Brauer hoffen auf detailliertere Vorgaben, praxisnahe Beispiele und vor allem eines: Verlässlichkeit.

Denn eines ist klar: Der Wandel hin zu nachhaltigeren Verpackungslösungen ist notwendig. Damit er aber nicht zum Stolperstein wird, braucht es klare Spielregeln.

Bis dahin bleibt für viele Brauereien nur ein Zustand, den man in der Branche eigentlich nicht mag: abwarten – und hoffen, dass die nächste Runde aus Brüssel mehr Klarheit bringt.

Quelle: Pressemitteilung der Brewers of Europe

De Halve Maan – Rosé de Bruges

Mitten im malerischen Brügge, wo Grachten, Kopfsteinpflaster und Touristen um die schönsten Fotospots konkurrieren, braut die Brauerei De Halve Maan seit Generationen ihre Biere. Als eine der letzten familiengeführten Stadtbrauereien Belgiens verbindet sie Tradition mit einer guten Portion Innovationsfreude – und scheut sich nicht, auch mal neue Wege zu gehen. Jetzt steht das Rosé de Bruges vor mir, ein Witbier, das mit Kirschen eingebraut wurde.

Schon optisch fällt das Bier aus dem Rahmen: Ein zarter Roséton schimmert im Glas, fast schon verspielt, begleitet von einer feinen, pinken Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Wer hier ein klassisches Bier erwartet hat, wird schnell merken – das hier ist eine andere Liga.

In der Nase zeigen sich sofort fruchtige Noten, dazu Mandeln und Kandis.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß, was aber zur kräftigen Kohlensäure passt. Der vorherrschende Geschmackseindruck ist selbstverständlich die Kirsche. Dazu kommt eine leichte florale Frische. Damit werde ich eher an einen sommerlichen Aperitif als an ein Bier erinnert. Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck fort. Das Rosé de Bruges präsentiert sich angenehm leicht, mit einer lebendigen, aber nicht aufdringlichen Säure. Die Fruchtigkeit bleibt klar im Vordergrund, wirkt aber mit der Zeit etwas künstlich oder überladen. Das Mundgefühl ist leicht und schlank. In der Kehle kommt noch der Geschmack nach Marzipan zum Tragen, der aber leider nur kurz nachklingt.

Ich kann mir nicht helfen – von De halve Maan habe ich schon deutlich bessere Biere verkostet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Zucker, Holundersaftkonzentrat, Süßkirschsaftkonzentrat, Hefe, Zitronensäure, Maltodextrin, Aroma, Hopfen, Gewürze (Koriandersamen, bittere und süße Orangenschalen)

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Halve Maan
Walplein 26
8000 Brügge
Belgien
www.blanchedebruges.be

Bierabsatz im freien Fall – nur wenige Lichtblicke zum Jahresstart 2026

Der Januar gilt ohnehin nicht als Hochsaison für Brauereien – doch der Start ins Jahr 2026 fiel besonders ernüchternd aus. Bundesweit wurde deutlich weniger Bier ausgeschenkt als im Vorjahresmonat. Der Rückgang liegt laut Statistischem Bundesamt bei kräftigen 11,9 Prozent. Ein Minus, das selbst für einen traditionell schwachen Monat bemerkenswert ist.

Während viele Regionen rote Zahlen schreiben, gibt es zumindest vereinzelt kleine Lichtblicke. Besonders im Südwesten fällt der Rückgang vergleichsweise moderat aus. Rheinland-Pfalz und das Saarland schaffen es sogar, sich leicht vom Negativtrend abzusetzen. Mit einem minimalen Plus von 0,3 Prozent beim Bierabsatz bewegen sich beide Bundesländer gegen den Strom – wenn auch nur mit angezogener Handbremse.

Ganz anders sieht es in Hessen aus. Dort erlebten Brauer und Gastronomen einen Januar zum Vergessen: Der Absatz brach um drastische 48,5 Prozent ein – nahezu eine Halbierung. Ein Ausreißer nach unten, der zeigt, wie unterschiedlich sich der Markt regional entwickeln kann.

An der Spitze der positiven Entwicklung steht Sachsen-Anhalt. Hier wurde im Januar deutlich mehr Bier ausgeschenkt als im Jahr zuvor – ein Zuwachs von 25,4 Prozent. Neben dieser Region gehört der Südwesten zu den wenigen, die überhaupt ein Wachstum verzeichnen konnten.

Auch bei den Biermischgetränken – etwa Radler oder Cola-Bier – zeigt sich ein rückläufiger Trend. Deutschlandweit ging der Absatz um 6,7 Prozent zurück. Rheinland-Pfalz und das Saarland schneiden zwar etwas besser ab als der Durchschnitt, müssen aber ebenfalls ein Minus von 3,7 Prozent hinnehmen.

In absoluten Zahlen ergibt sich dennoch ein kleines Plus: Im Januar 2026 wurden im Südwesten 283.074 Hektoliter Bier ausgeschenkt, im Jahr zuvor waren es 282.303 Hektoliter. Kein großer Sprung, aber immerhin einer in die richtige Richtung. Im bundesweiten Vergleich reicht das für einen Platz im soliden Mittelfeld – und sogar für einen höheren Pro-Kopf-Verbrauch als in größeren Regionen wie Hessen oder Berlin. An der Spitze bleibt erwartungsgemäß Bayern.

Interessant ist auch der Blick auf die Biermischgetränke: Hier belegt die Region Rheinland-Pfalz/Saarland den dritten Platz hinter Nordrhein-Westfalen und Bayern. Trotz rückläufiger Zahlen zeigt sich, dass diese Kategorie weiterhin eine feste Größe im Markt ist.

Dass Bier im Saarland und in Rheinland-Pfalz nach wie vor eine wichtige Rolle spielt, wird auch abseits der Statistik deutlich. So treffen sich Ende März gleich elf saarländische Brauereien in Neunkirchen zum ersten gemeinsamen Brauerfest. Neben bekannten Namen wie Karlsberg oder Bruch sind auch kleinere Betriebe vertreten. Rund 50 verschiedene Biere sollen dort ausgeschenkt werden – ein klares Zeichen dafür, dass die Vielfalt der Brauszene lebendig bleibt.

Unterm Strich zeigt sich: Der Biermarkt in Deutschland steht weiter unter Druck. Doch trotz rückläufiger Zahlen gibt es regionale Ausnahmen und engagierte Brauer, die beweisen, dass sich ein genauer Blick lohnt – gerade dann, wenn die Gesamtentwicklung wenig Anlass zum Anstoßen bietet.