Belgischer Biermarkt unter Druck: Alkoholfreie Biere wachsen, können Rückgang aber nicht stoppen

Belgien gilt weltweit als Bierland. Doch auch dort kämpfen die Brauereien mit sinkendem Konsum und schwächeren Exporten. Zwar gewinnen alkoholfreie Biere zunehmend an Bedeutung, insgesamt befindet sich der Markt jedoch weiterhin im Rückwärtsgang.

Wie aus dem aktuellen Jahresbericht des belgischen Brauerverbandes hervorgeht, sank der Bierkonsum im Inland 2025 um 3,2 Prozent auf 6,2 Millionen Hektoliter. Damit setzt sich ein langfristiger Trend fort: In den vergangenen 20 Jahren ist der Bierkonsum in Belgien um 34 Prozent zurückgegangen, allein in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent.

Weniger Bier in Gastronomie und Handel

Die rückläufige Nachfrage betrifft nahezu alle Absatzkanäle. Besonders deutlich fiel der Rückgang in der Gastronomie aus, wo Cafés und Restaurants 4,1 Prozent weniger Bier verkauften als im Vorjahr. Im Groß- und Einzelhandel lag das Minus bei 2,6 Prozent.

Für viele Brauereien kommt diese Entwicklung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Steigende Kosten, ein verändertes Konsumverhalten und eine allgemein zurückhaltende Wirtschaftslage belasten die Branche zusätzlich.

Export schwächelt ebenfalls

Traditionell ist Belgien stark vom Bierexport abhängig. Doch auch hier zeigen die Zahlen nach unten. Im Jahr 2025 wurden 14,4 Millionen Hektoliter belgisches Bier exportiert. Besonders deutlich brach die Nachfrage außerhalb der Europäischen Union ein.

Die Ausfuhren in Nicht-EU-Länder gingen um 14 Prozent auf 1,8 Millionen Hektoliter zurück. Nach Einschätzung des Brauerverbandes spielen dabei geopolitische Unsicherheiten eine wichtige Rolle. Märkte wie die USA, China und Russland bestellen weniger belgisches Bier als noch vor wenigen Jahren.

Besonders auffällig ist die Entwicklung in den Vereinigten Staaten. Dort haben sich die Importmengen belgischen Bieres innerhalb von fünf Jahren drastisch reduziert. 2025 wurden nur noch 183.000 Hektoliter eingeführt. Ein Grund dafür ist die zunehmende lokale Produktion international bekannter belgischer Marken auf dem amerikanischen Markt.

Innerhalb der Europäischen Union verlief die Entwicklung weniger dramatisch. Die Importmengen belgischen Bieres sanken dort um 3,4 Prozent. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet Spanien: Das Land steigerte seine Einfuhren um zehn Prozent auf 2,2 Millionen Hektoliter und zählt damit weiterhin zu den wichtigsten Absatzmärkten.

Alkoholfreie Biere auf Wachstumskurs

Trotz der insgesamt schwierigen Lage gibt es für die belgischen Brauer auch positive Nachrichten. Besonders stark wächst weiterhin das Segment alkoholfreier Biere.

Die Verkaufsmenge von Bieren mit weniger als 0,5 Prozent Alkohol stieg 2025 um beeindruckende 32 Prozent. Zusammen mit den schwach alkoholischen Bieren bis 3,5 Prozent erreichte dieses Marktsegment ein Wachstum von 17 Prozent und hält inzwischen einen Marktanteil von 6,5 Prozent.

Von den rund 1.600 verschiedenen belgischen Bieren sind mittlerweile etwa 120 alkoholfrei. Die Brauereien investieren verstärkt in die Entwicklung neuer alkoholfreier Produkte und reagieren damit auf veränderte Verbraucherwünsche.

Diskussion um neue Warnhinweise

Kritisch sehen die belgischen Brauer hingegen geplante Änderungen bei den gesundheitlichen Warnhinweisen auf alkoholischen Getränken. Ein Entwurf eines Königlichen Erlasses sieht vor, den bisherigen Hinweis „Alkoholmissbrauch schadet der Gesundheit“ durch die Formulierung „Alkohol schadet der Gesundheit“ zu ersetzen.

Der Brauerverband befürchtet, dass damit nicht mehr der Missbrauch von Alkohol, sondern bereits der maßvolle Konsum pauschal negativ dargestellt werde. Die Diskussion zeigt, dass die gesellschaftliche Debatte über Alkohol und Gesundheit auch in Belgien an Bedeutung gewinnt.

Trotz Schwierigkeiten wird weiter investiert

Obwohl mehrere Brauereien in den vergangenen Monaten ihren Betrieb einstellen mussten, zählt Belgien weiterhin 395 aktive Brauereien. Bemerkenswert ist dabei die hohe Investitionsbereitschaft der Branche.

2025 investierten die Brauereien insgesamt 213 Millionen Euro – deutlich mehr als die 178 Millionen Euro des Vorjahres. Ein Großteil der Mittel floss in Nachhaltigkeitsprojekte zur Reduzierung von Wasser- und Energieverbrauch sowie in Innovationen, insbesondere bei alkoholfreien und entalkoholisierten Bieren.

Der belgische Biersektor bleibt damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und trägt weiterhin rund ein Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei.

Zehn Jahre UNESCO-Anerkennung

Trotz aller Herausforderungen gibt es 2026 auch einen Grund zum Feiern. Die belgische Bierkultur wurde vor zehn Jahren von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt.

Dieses Jubiläum soll mit verschiedenen Veranstaltungen gewürdigt werden. Einer der Höhepunkte wird das Belgian Beer Weekend Anfang September auf dem Brüsseler Grand-Place sein, bei dem die Vielfalt der belgischen Bierkultur erneut im Mittelpunkt steht.

wildwuchs Brauwerk – Freihafen

Alkoholfreie Weizenbiere erfreuen sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Viele Brauereien versuchen dabei, den typischen Charakter eines klassischen Hefeweizens möglichst authentisch einzufangen. Das Wildwuchs Freihafen Alkoholfreies Weizen BIO aus Hamburg geht dabei seinen eigenen Weg. Die Bio-Brauerei setzt auf hochwertige Rohstoffe aus kontrolliert ökologischem Anbau und verspricht eine erfrischende Alternative für alle, die auf Alkohol verzichten möchten oder müssen.

Bereits beim Einschenken präsentiert sich das Bier in einem hellen Goldton mit deutlicher Hefetrübung. Der feinporige Schaum baut sich zunächst ordentlich auf, fällt aber recht schnell zusammen. Ein kleiner Rest bleibt jedoch lange erhalten und sorgt für eine ansprechende Optik.

In der Nase zeigt sich zunächst helles Malz. Dahinter schimmert eine leichte Bananennote hervor, die allerdings eher zurückhaltend bleibt. Wer den typisch intensiven Duft klassischer Weißbiere erwartet, wird hier eher dezente Aromen vorfinden.

Der Antrunk wirkt angenehm spritzig. Die Kohlensäure ist lebendig und sorgt gemeinsam mit einer recht ausgeprägten Süße für einen erfrischenden ersten Eindruck. Gerade an warmen Tagen dürfte das Bier dadurch viele Freunde finden. Auf der Zunge entwickelt sich das Freihafen jedoch anders, als man es von einem klassischen Weizenbier erwarten würde. Die für den Bierstil typischen Bananen- und Nelkennoten bleiben weitgehend aus. Stattdessen erinnert das Geschmacksbild eher an frische Bierwürze. Eine leichte Bittere ergänzt den schlanken Körper. Das Bier wirkt dadurch weniger wie ein traditionelles Hefeweizen und eher wie eine eigenständige alkoholfreie Spezialität. Das muss keineswegs ein Nachteil sein. Zwar fehlt der typische Weizenbiercharakter, unangenehm wird das Bier aber nie. Vielmehr bietet es einen eigenen Ansatz, der sich bewusst von vielen anderen alkoholfreien Weißbieren unterscheidet. Besonders interessant wird es im Abgang. Hier überrascht das Bier mit einer für Weizenbiere ungewöhnlich deutlichen Bittere. Diese bleibt angenehm und sorgt gemeinsam mit dem langen Nachhall für einen gelungenen Abschluss. Gerade dieser Nachklang verleiht dem Bier mehr Charakter, als man nach dem ersten Schluck vielleicht erwarten würde.

Das Wildwuchs Freihafen Alkoholfreies Weizen BIO ist kein klassisches Hefeweizen. Wer intensive Bananen- und Nelkenaromen sucht, wird sie hier kaum finden. Stattdessen präsentiert sich das Bier frisch, spritzig und mit einem eigenständigen Geschmacksprofil, das eher an Würze erinnert. Der lange, angenehm bittere Nachklang sorgt für Charakter und macht das Bier zu einer interessanten Alternative im wachsenden Markt alkoholfreier Biere.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Dinkelmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

6,5° Plato

Farbe:

6 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6 – 9° Celsius

Brauerei:

Wildwuchs Brauwerk
Jaffestr. 8
21109 Hamburg
www.wildwuchs-brauwerk.de

Nächste Traditionsbrauerei in der Krise: Aktienbrauerei Kaufbeuren startet Restrukturierung

Die schwierige Lage der deutschen Brauwirtschaft fordert ein weiteres traditionsreiches Unternehmen heraus. Nur wenige Tage nach dem Insolvenzantrag der Schussenrieder Brauerei wurde bekannt, dass auch die Aktienbrauerei Kaufbeuren ein Restrukturierungsverfahren eingeleitet hat.

Das zuständige Gericht in Aalen hat dem Antrag auf Eigenverwaltung zugestimmt. Damit soll die Brauerei die Möglichkeit erhalten, sich wirtschaftlich neu aufzustellen und ihre Zukunft langfristig zu sichern.

Über 700 Jahre Braugeschichte

Die Wurzeln der Aktienbrauerei Kaufbeuren reichen bis ins Jahr 1308 zurück. Damit gehört sie zu den ältesten Brauereien Deutschlands. Trotz dieser langen Tradition kämpft das Unternehmen bereits seit längerer Zeit mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten.

Seit 2013 gehört die Brauerei zum britischen Getränkeunternehmen Rokit Drinks. Nun soll das eingeleitete Restrukturierungsverfahren helfen, die finanzielle Situation zu stabilisieren und den Betrieb zukunftsfähig aufzustellen.

Produktion läuft weiter

Für Kunden, Handelspartner und Beschäftigte gibt es zunächst eine wichtige Nachricht: Der Braubetrieb in Kaufbeuren wird ohne Einschränkungen fortgeführt. Nach Angaben des Unternehmens steht der Standort nicht zur Diskussion. Die Bierproduktion soll unverändert weiterlaufen.

Veränderungen gibt es allerdings in der Unternehmensführung. Verwaltung und Geschäftsführung werden künftig nach Ellwangen verlagert. Die operative Leitung übernimmt die Unternehmensberatung Z management consulting (ZMC), die auf Krisenmanagement, Restrukturierungen und Unternehmenssanierungen spezialisiert ist.

Als Sanierungsgeschäftsführer wird Volker Zimmerer künftig strategische und administrative Entscheidungen verantworten.

Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben

In der Brauerei sind derzeit 84 Mitarbeiter beschäftigt. Nach Angaben der Verantwortlichen ist es das Ziel, möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern und den Betrieb langfristig fortzuführen.

Ob dies gelingt, wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, die wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Monate zu bewältigen.

Deutsche Brauereien unter Druck

Der Fall Kaufbeuren steht nicht allein. Die deutsche Brauwirtschaft befindet sich seit Jahren in einem schwierigen Umfeld. Sinkender Bierkonsum, steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie ein intensiver Wettbewerb setzen insbesondere mittelständische und regionale Brauereien unter Druck.

Nach Angaben des Deutschen Brauer-Bundes haben in den vergangenen sechs Jahren bereits 137 Brauereibetriebe ihren Betrieb eingestellt.

Zuletzt sorgte die Insolvenz der Schussenrieder Brauerei für Schlagzeilen. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren mehrere Braustandorte geschlossen, darunter die Herforder-Brauerei in Hiddenhausen und der Oettinger-Standort in Braunschweig. Auch Deutschlands erste Universitätsbrauerei musste Insolvenz anmelden.

Ein weiteres Warnsignal für die Branche

Die Entwicklung in Kaufbeuren zeigt erneut, wie schwierig die Situation vieler Traditionsbrauereien geworden ist. Selbst Unternehmen mit jahrhundertealter Geschichte sind heute nicht mehr automatisch vor wirtschaftlichen Problemen geschützt. Für die Aktienbrauerei Kaufbeuren beginnt nun eine entscheidende Phase. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Restrukturierung gelingt und ob eine der ältesten Brauereien Deutschlands ihre lange Geschichte fortsetzen kann.

Vandijck – Ne grellige Winter Bier

Wenn belgische Brauer ein Winterbier entwickeln, darf man meist mit kräftigen Aromen, einem ordentlichen Alkoholgehalt und einer gewissen geschmacklichen Tiefe rechnen. Das gilt auch für „Ne Grèllige“ der Brouwerij Vandijck aus Lommel. Mit 10 Prozent Alkohol und einer Rezeptur, die sieben verschiedene Kräuter umfasst, soll dieses Quadrupel die kalten Wintermonate begleiten. Doch wie schlägt sich das Bier im Glas?

Schon beim Einschenken macht Ne Grèllige Eindruck. Das Bier präsentiert sich blickdicht schwarz. Darüber thront eine üppige, haselnussbraune Schaumkrone mit feiner Porung, die erfreulich lange erhalten bleibt. Optisch erfüllt das Bier damit alle Erwartungen an ein kräftiges belgisches Winterbier.

In der Nase dominieren zunächst Kaffee- und Lakritznoten. Der Alkohol ist bemerkenswert gut eingebunden und drängt sich nicht in den Vordergrund. Die versprochenen Kräuter bleiben eher dezent und fügen sich unauffällig in das Gesamtbild ein. Insgesamt wirkt das Aroma angenehm zurückhaltend und ausgewogen.

Der erste Schluck überrascht. Während viele belgische Quadrupel mit deutlicher Malzsüße auftreten, zeigt sich Ne Grèllige vergleichsweise trocken. Die großzügig dosierte Kohlensäure sorgt zusätzlich für Frische und verhindert, dass das Bier schwer oder mastig wirkt. Auf der Zunge setzt sich dieser Eindruck fort. Röstaromen prägen den Geschmack, begleitet von einer trockenen Malzbasis. Trotz seiner 10 Prozent Alkohol wirkt das Bier erstaunlich schlank. Die Bittere bleibt zurückhaltend, Säure ist praktisch nicht vorhanden. Wer ein süßes und opulentes Winterbier erwartet, könnte überrascht werden, denn Ne Grèllige schlägt einen deutlich trockeneren Weg ein.Der Abgang fällt angenehm mild aus. Die Röstaromen bleiben noch lange präsent und sorgen für einen harmonischen Nachklang. Gleichzeitig zeigt sich erneut, wie sauber der Alkohol eingebunden wurde. Er wärmt dezent, ohne jemals störend hervorzutreten.

Ne Grèllige ist ein ungewöhnliches Winterbier. Statt auf üppige Süße und schwere Malznoten setzt die belgische Brauerei auf Trockenheit, Röstaromen und eine bemerkenswerte Trinkbarkeit. Kaffee- und Lakritznoten bestimmen das Geschmacksbild, während der Alkohol hervorragend integriert ist. Wer kräftige dunkle Biere mit trockenem Charakter schätzt, findet hier einen interessanten Begleiter für kalte Winterabende.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Kräuter, Hefe

Alkoholgehalt:

10 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

10° – 12° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Vandijk
Wagenmakersweg 32
3920 Lommel
Belgien
www.brouwerijvandijck.be

Maisel & Friends – Europia

Manchmal entstehen die spannendsten Biere nicht in den Chefetagen großer Brauereien, sondern dort, wo junge Brauer ihre Ideen verwirklichen dürfen. Das European Style IPA „Europia“ ist das Ergebnis des siebten Project Maisel, bei dem die Auszubildenden von Maisel & Friends ihr eigenes Bier entwickeln. Die Inspiration: Europa mit seiner kulturellen Vielfalt und seinen unterschiedlichen Hopfensorten.

Für Europia wurden gleich mehrere europäische Aromahopfen kombiniert. Das Ziel war ein IPA, das die verschiedenen Geschmackswelten des Kontinents in einem Bier vereint. Ob das gelungen ist, zeigt sich spätestens beim ersten Schluck.

Bereits optisch macht das Bier eine gute Figur. Orangefarben und leicht opalisierend steht es im Glas. Darüber erhebt sich ein feinporiger Schaum, der erfreulich lange stabil bleibt und dem Bier einen einladenden Auftritt verleiht.

In der Nase zeigt sich Europia vielschichtig. Karamell bildet die malzige Grundlage, darüber schweben intensive Fruchtnoten. Zitrusfrüchte und Zitronenschalen stehen im Vordergrund, ergänzt durch Ananas und weitere tropische Aromen. Das wirkt frisch, lebendig und macht sofort Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk bestätigt diesen Eindruck. Eine kräftige, dabei sehr feinperlige Kohlensäure sorgt für viel Frische. Dazu kommt eine dezente Malzsüße, die dem Bier Struktur gibt, ohne schwer zu wirken. Trotz seiner 6,3 Prozent Alkohol bleibt Europia erstaunlich leichtfüßig. Auf der Zunge übernehmen die Fruchtaromen die Hauptrolle. Zitrusfrüchte, tropische Noten und eine angenehme Hopfenaromatik bestimmen das Geschmacksbild. Die Bittere ist hervorragend auf die vorhandene Süße abgestimmt und sorgt für Balance, ohne jemals aggressiv zu wirken. Besonders positiv fällt das weiche Mundgefühl auf, das dem Bier eine gewisse Eleganz verleiht. Auch der Alkohol ist so gut eingebunden, dass er kaum wahrnehmbar ist, aber die anderen Aromen unterstützt. Im Abgang zeigt das IPA noch einmal seinen Charakter. Die Bittere wird kurz etwas kräftiger, zieht sich dann aber schnell zurück. Stattdessen bleibt ein langer, angenehmer Nachhall zurück, der Lust auf den nächsten Schluck macht.

Mit Europia ist den Maisel & Friends-Auszubildenden ein IPA gelungen, das moderne Hopfenaromatik mit hoher Trinkbarkeit verbindet. Die fruchtigen Noten stehen klar im Mittelpunkt, werden aber von einer ausgewogenen Bitteren und einer angenehmen Malzbasis getragen. Das Bier wirkt frisch, harmonisch und zugänglich, ohne dabei beliebig zu werden. Ein gelungenes European Style IPA, das zeigt, wie vielfältig europäische Hopfensorten sein können.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Comet, Marynka, Aramis, Tango, Kazbek, Aurora), Hefe

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Stammwürze:

14,5° Plato

Brauerei:

Maisel & Friends
Brauerei Gebr. Maisel GmbH & Co. KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Haake-Beck feiert 200 Jahre Braugeschichte mit Jubiläumsedition

Die Bremer Biermarke Haake-Beck blickt in diesem Jahr auf 200 Jahre Unternehmensgeschichte zurück. Aus diesem Anlass bringt die Brauerei eine Sonderedition ihres Pilsners auf den Markt. Die limitierte Jubiläumsausgabe wird für 200 Tage im Handel erhältlich sein und soll an die lange Tradition der Marke erinnern.

Die Sonderedition erscheint als Kasten mit 25 Flaschen à 0,33 Liter. Neben dem regulären Ausschank in der Gastronomie wird das Bier auch im regionalen Handel angeboten. Auffälligstes Merkmal der Edition ist ein eigens gestaltetes Jubiläumsetikett, das auf die Geschichte der Brauerei Bezug nimmt.

Eine Bremer Erfolgsgeschichte seit 1826

Die Ursprünge von Haake-Beck reichen bis ins Jahr 1826 zurück. Einen wichtigen Entwicklungsschritt machte die Brauerei Mitte des 19. Jahrhunderts unter Carl Heinrich Haake. Er setzte früh auf die Herstellung untergäriger Biere und trug damit maßgeblich zum Wachstum des Unternehmens bei. Zeitweise stammte rund ein Fünftel des in Bremen gebrauten Bieres aus seiner Brauerei.

Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entwickelte sich Haake-Beck zu einer festen Größe in der norddeutschen Bierlandschaft. Die Marke blieb eng mit Bremen verbunden und ist bis heute bei zahlreichen Veranstaltungen in der Region präsent.

Verwurzelt in Bremen

Besonders sichtbar ist die Verbindung zur Hansestadt durch die langjährige Partnerschaft mit dem Fußball-Bundesligisten Werder Bremen. Seit rund vier Jahrzehnten gehört Haake-Beck zum Ausschankangebot im Weserstadion. Darüber hinaus ist die Marke regelmäßig auf Veranstaltungen wie dem Bremer Freimarkt oder dem Stoppelmarkt vertreten.

Zum Jubiläum plant das Unternehmen außerdem eine Verlosung von 200 Emaille-Schildern im historischen Design. Die Schilder sollen an frühere Werbeträger der Marke erinnern und richten sich vor allem an Sammler und langjährige Anhänger der Brauerei.

Lokale Tradition in einem internationalen Konzern

Heute gehört Haake-Beck zum internationalen Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev, dem weltweit größten Brauunternehmen. Trotz dieser Zugehörigkeit wird die Marke weiterhin stark mit ihrer Heimatstadt Bremen verbunden.

Das 200-jährige Bestehen bietet nun Anlass, auf eine ungewöhnlich lange Unternehmensgeschichte zurückzublicken. Nur wenige deutsche Biermarken können auf eine ähnlich lange Tradition verweisen und sind zugleich noch heute fest im regionalen Leben verankert.

Traditionsbrauerei Schussenrieder kämpft ums Überleben

Die Nachricht dürfte viele Bierfreunde in Oberschwaben aufhorchen lassen: Die Schussenrieder Brauerei Ott aus Bad Schussenried hat Insolvenz angemeldet. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten soll der Betrieb vorerst ohne Einschränkungen weiterlaufen. Ziel aller Beteiligten ist es, die traditionsreiche Familienbrauerei und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Das Amtsgericht Ravensburg bestellte den Ravensburger Rechtsanwalt Matthäus Rösch zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Nach seinen Angaben läuft die Produktion zunächst weiter. Konkrete Gründe für die finanzielle Schieflage wurden zwar nicht genannt, doch die Probleme dürften vielen Brauereien bekannt vorkommen: steigende Energie- und Rohstoffkosten, ein intensiver Wettbewerb sowie die allgemeine Konsumzurückhaltung vieler Verbraucher.

Besonders schwer wiegt für die Branche der rückläufige Bierkonsum. Die deutschen Brauereien verzeichneten im Jahr 2025 den stärksten Absatzrückgang seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1993. Erstmals sank der Bierabsatz in Deutschland unter die Marke von acht Milliarden Litern. Für viele mittelständische Brauereien bedeutet diese Entwicklung erheblichen wirtschaftlichen Druck.

Die Schussenrieder Brauerei produziert jährlich rund 60.000 Hektoliter Bier und beschäftigt etwa 40 Mitarbeiter. Nun wird nach Möglichkeiten gesucht, den Betrieb langfristig zu sichern. Dabei könnte auch ein Investor eine Rolle spielen.

Die Geschichte der Brauerei reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Heute wird das Unternehmen von Michael Ott in vierter Generation geführt. Damit gehört Schussenrieder zu den zahlreichen familiengeführten Brauereien, die über Jahrzehnte und teilweise Jahrhunderte hinweg die regionale Bierkultur geprägt haben.

Bekannt ist die Brauerei nicht nur für ihre Biere, sondern auch für ihr außergewöhnliches Bierkrugmuseum. Nach eigenen Angaben handelt es sich um das einzige Museum dieser Art weltweit. Zu den bemerkenswertesten Ausstellungsstücken zählt ein handgeschnitzter Holzbierkrug aus jahrhundertealten Eichenbalken mit einem Fassungsvermögen von 110 Litern.

Die Produkte der Brauerei werden vor allem in Oberschwaben, am Bodensee und im Großraum Stuttgart vertrieben. Viele Bierliebhaber verbinden mit dem Namen Schussenrieder regionale Identität und traditionelle Braukunst.

Ob die Brauerei ihre schwierige Lage überwinden kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Fest steht jedoch schon jetzt, dass die Insolvenz ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen ist, mit denen viele mittelständische Brauereien derzeit konfrontiert sind. Für die deutsche Bierlandschaft wäre der Verlust einer Brauerei mit einer so langen Geschichte ein schmerzlicher Einschnitt.

De Dochter van de Korenaar – Embrasse blended

Fassgereifte Biere können faszinierend sein. Sie können aber auch schnell zu viel des Guten werden, wenn Holz, Alkohol oder Whisky die eigentlichen Bieraromen überdecken. Beim Embrasse Blended der belgischen Brauerei De Dochter van de Korenaar gelingt der Spagat erstaunlich gut. Hier steht nicht das Fass im Mittelpunkt, sondern die Harmonie zwischen Bier und Fassreifung.

Die Geschichte des Bieres reicht bis zu den ersten Experimenten der Brauerei mit Whiskyfässern zurück. Für das Embrasse Blended reift das Bier sechs bis acht Monate in ehemaligen Blended-Whisky-Fässern. Während dieser Zeit entwickelt es zusätzliche Aromen und gewinnt an Komplexität, ohne seinen Charakter zu verlieren.

Bereits im Glas macht das Bier einen vielversprechenden Eindruck. Dunkelbraun schimmert es im Licht, gekrönt von einem hellbraunen Schaum, der zunächst rasch zusammenfällt. Ein feiner Rest bleibt jedoch lange erhalten und verleiht dem Bier eine ansprechende Optik.

Das Aroma zeigt sofort, wohin die Reise geht. Kaffee, Whisky, Holz und Karamell bestimmen den ersten Eindruck. Besonders positiv fällt auf, wie hervorragend der Alkohol eingebunden ist. Nichts wirkt spritig oder aufdringlich. Stattdessen entsteht ein ausgewogenes und einladendes Duftbild.

Der Antrunk überrascht. Trotz seiner dunklen Farbe und der Fassreifung wirkt das Bier erstaunlich frisch. Eine zurückhaltende Süße trifft auf eine sehr feinperlige Kohlensäure, die dem Bier Lebendigkeit verleiht und verhindert, dass es zu schwer wirkt. Auf der Zunge entfaltet sich schließlich die ganze Komplexität des Embrasse Blended. Röstaromen, Lakritz, Holznoten und Karamell greifen harmonisch ineinander. Die freundliche Bittere sorgt für Balance und verhindert, dass die Malzsüße die Oberhand gewinnt. Besonders gelungen ist das samtige Mundgefühl, das dem Bier eine angenehme Eleganz verleiht. Die Whiskyfassreifung ergänzt die vorhandenen Aromen, ohne sie zu dominieren. Das Holz liefert Tiefe, während die Whiskynoten dem Bier zusätzliche Wärme und Komplexität verleihen. Genauso sollte Fassreifung funktionieren. In der Kehle zeigt sich das Bier überraschend mild. Die Aromen klingen langsam aus, während sich eine angenehme Wärme ausbreitet. Der Nachhall bleibt lange erhalten und lädt dazu ein, den nächsten Schluck nicht zu hastig zu nehmen.

Das Embrasse Blended ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie Fassreifung ein Bier bereichern kann. Die Aromen von Kaffee, Holz, Karamell und Lakritz harmonieren hervorragend mit den dezenten Whiskyanklängen. Trotz seiner Komplexität bleibt das Bier zugänglich und erstaunlich frisch. Ein elegantes Genussbier für ruhige Abende und für alle, die entdecken möchten, wie gut Bier und Whiskyfass zusammenpassen können.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Roggenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Farbe:

50 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Olrdeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Oberbayerns Bierkultur im Wandel: Zwischen Klostertradition, Hopfengärten und kreativen Brauern

In der Andechser Klosterbrauerei wird dieses Jahr erstmalig Apfelweisse gebraut
© gwt Starnberg GmbH Newman Pictures

Wer an Oberbayern denkt, denkt oft an Bier. Doch die Bierkultur zwischen Alpenrand, Hallertau und München ist weit mehr als Maßkrüge, Biergärten und Oktoberfest. Sie lebt von einer faszinierenden Mischung aus jahrhundertealter Tradition, regionaler Identität und einer neuen Generation von Brauerinnen und Brauern, die alte Wege verlassen, ohne ihre Wurzeln zu vergessen.

Von historischen Bierkellern über weltberühmte Hopfengärten bis hin zu modernen Craft-Brauereien zeigt sich eine Bierlandschaft, die sich ständig weiterentwickelt und dabei erstaunlich vielfältig geblieben ist.

Unterirdische Zeitreisen und Biergeschichte zum Anfassen

Im Chiemsee-Alpenland beginnt die Reise tief unter der Erde. Die historischen Bierkatakomben von Wasserburg am Inn erinnern an eine Zeit, in der Bier nur während der kalten Monate gebraut werden durfte. In den weit verzweigten Kelleranlagen lagerten die Brauer ihr Bier über den Sommer hinweg kühl und geschützt.

Heute können Besucher bei Führungen in diese längst vergangene Welt eintauchen und erfahren, wie aufwendig Bierherstellung vor der Erfindung moderner Kühltechnik war.

Wer anschließend wieder ans Tageslicht kommt, erlebt die andere Seite oberbayerischer Bierkultur: schattige Biergärten, Dorfplätze unter Kastanien und beeindruckende Alpenpanoramen. Am Samerberg vermittelt ein Bierlehrpfad entlang des Fluderbachs Wissenswertes über Rohstoffe, Brauprozesse und Biergeschichte – mitten in der Natur.

Die Hallertau: Wo das „Grüne Gold“ wächst

Kein anderer Ort steht so sehr für Bierrohstoffe wie die Hallertau. Das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt prägt ganze Landschaften mit seinen hohen Gerüsten und grünen Hopfenreben.

Für Radfahrer und Wanderer gibt es zahlreiche Möglichkeiten, diese Kulturlandschaft zu erkunden. Touren wie die Hallertauer Hopfentour oder der Hopfenlehrpfad bei Wolnzach verbinden Naturerlebnis mit spannenden Einblicken in die Welt des Hopfens.

2026 steht die Region zudem besonders im Fokus. Die Gesellschaft für Hopfenforschung feiert ihr 100-jähriges Bestehen im Hopfenforschungszentrum Hüll. Hier werden seit Jahrzehnten neue Hopfensorten entwickelt und Anbaumethoden erforscht, die den Hopfenanbau fit für die Zukunft machen sollen.

Wer mehr über das „Grüne Gold“ erfahren möchte, findet im Deutschen Hopfenmuseum in Wolnzach eine der umfassendsten Sammlungen rund um den Hopfen weltweit.

Junge Brauer bringen frische Ideen

Neben den traditionsreichen Brauereien sorgen immer mehr junge Brauerinnen und Brauer für neue Impulse.

Ein Beispiel ist Braumeisterin Barbara Lohmeier von Bräu z’Loh im Landkreis Erding. Sie verbindet klassisches Brauhandwerk mit modernen Entwicklungen und beschäftigt sich ebenso mit alkoholfreien Bieren wie mit zeitgemäßen Interpretationen traditioneller Bierstile.

Auch in Graming bei Altötting wird die Zukunft des Bieres gestaltet. Dort führen die Schwestern Birgit und Sabine ihre Weißbierbrauerei mit einem klaren Bekenntnis zu regionalen Rohstoffen. Die Biere entstehen direkt vor Ort und werden im eigenen Biergarten ausgeschenkt – ein Konzept, das Handwerk und Gastlichkeit verbindet.

Am Schliersee entwickelte sich aus ersten Hobbybrauversuchen die Marke „Schlierseer Kindl“. Heute gehören neben verschiedenen Bieren auch Braukurse zum Angebot. Die Besucher können hier nicht nur Bier trinken, sondern auch selbst lernen, wie es entsteht.

Bierkultur als Erlebnis

Immer stärker wird Bier heute als kulturelles Erlebnis verstanden. Dazu gehört nicht nur das Bier selbst, sondern auch die Geschichten dahinter.

In Garmisch-Partenkirchen sorgt beispielsweise Fee Huber mit ihrer Bierbar „Bieraterie“ und ihrem Podcast dafür, dass Bierwissen einem breiten Publikum zugänglich wird. Solche Initiativen zeigen, dass Bierkultur längst nicht mehr ausschließlich in Sudhäusern und Gaststuben stattfindet.

Qualität mit Auszeichnung

Wer auf der Suche nach besonders authentischen Biererlebnissen ist, kann sich am Qualitätssiegel „Ausgezeichnete Bayerische Bierkultur“ orientieren.

Ausgezeichnet werden Betriebe, die regionale Brautradition, passende Küche und gelebte Gastfreundschaft miteinander verbinden. Das Siegel soll Gästen helfen, Orte zu finden, an denen Bier nicht nur ausgeschenkt, sondern bewusst gepflegt und vermittelt wird.

Wenn München die Brauer feiert

Wie tief Bier in Oberbayern verwurzelt ist, zeigt sich jedes Jahr beim Münchner Brauertag.

Am 20. Juni 2026 ziehen wieder Brauer, Brauereigespanne, Trachtler, Musikgruppen und Schäffler durch die Münchner Innenstadt. Die Veranstaltung erinnert an die historische Brauertradition, als die Brausaison vor Beginn des Sommers endete und erst im Herbst wieder aufgenommen werden durfte.

Wenn historische Gespanne über den Viktualienmarkt rollen und Freibier ausgeschenkt wird, wird Geschichte für einen Tag lebendig.

Zwischen Kloster und Virtual Reality

Auch die Klosterbrauereien gehen mit der Zeit. Im Kloster Andechs verbindet man jahrhundertealte Brautradition inzwischen mit modernen Besucherangeboten. Neue Brauereiführungen mit Virtual-Reality-Elementen und die alkoholfreie Andechser Apfelweisse zeigen, wie Tradition und Innovation zusammenfinden können.

Im Markus Wasmeier Freilichtmuseum am Schliersee wird dagegen die historische Braukunst bewahrt. Besucher erleben dort alte Brautechniken und können in Kursen selbst Bier nach traditionellen Methoden herstellen.

Oberbayerns Bierkultur bleibt lebendig

Die Bierlandschaft Oberbayerns zeigt eindrucksvoll, dass Tradition und Innovation keine Gegensätze sein müssen. Historische Bierkeller, Klosterbrauereien und jahrhundertealte Hopfengärten existieren heute neben Craft-Brauern, Braukursen und modernen Bierkonzepten.

Gerade diese Vielfalt macht die Region so spannend. Oberbayern schenkt seine Bierkultur nicht einfach nur aus – es erzählt mit jedem Glas ein Stück Geschichte und schreibt gleichzeitig neue Kapitel für die Zukunft.

Dieser Artikel wurde unter Verwendung einer Pressemitteilung des Tourismus Oberbayern München (TOM) e.V. erstellt.

Italien feiert 30 Jahre Craft-Bier mit „Birrifici Aperti“ und einem Gemeinschaftssud

Vom 19. bis 25. Juni 2026 öffnen in ganz Italien zahlreiche unabhängige Brauereien ihre Türen für Besucher. Die Veranstaltung „Birrifici Aperti“ (Offene Brauereien), organisiert vom italienischen Craft-Bier-Verband Unionbirrai, lädt Bierfreunde, Neugierige und Genießer dazu ein, die Welt des italienischen Craft-Biers aus nächster Nähe kennenzulernen.

In diesem Jahr steht die Veranstaltung allerdings unter einem ganz besonderen Stern: Die italienische Craft-Bier-Bewegung feiert ihren 30. Geburtstag.

Drei Jahrzehnte italienische Bierkultur

Als Geburtsjahr des italienischen Craft-Biers gilt allgemein das Jahr 1996. Damals entstanden die ersten unabhängigen Brauereien, die sich bewusst von der industriellen Bierproduktion abgrenzten und neue Wege gingen.

Drei Jahrzehnte später hat sich daraus eine vielfältige und kreative Szene entwickelt, die weit über die Landesgrenzen hinaus Beachtung findet. Italienische Brauer genießen heute einen hervorragenden Ruf für ihre Experimentierfreude, ihre Liebe zu regionalen Zutaten und ihre Fähigkeit, traditionelle Bierstile neu zu interpretieren.

Ein Bier für ganz Italien

Zum Jubiläum hat Unionbirrai ein besonderes Projekt ins Leben gerufen: „Buona questa Birra!“ („Das ist ein gutes Bier!“). Dabei handelt es sich um einen Gemeinschaftssud, an dem sich Brauereien aus zahlreichen italienischen Regionen beteiligen. Die Idee dahinter ist ebenso einfach wie charmant: Alle Brauer arbeiten nach einem gemeinsamen Grundrezept, können dieses aber mit ihrer eigenen Handschrift interpretieren.

Das Ergebnis ist kein einzelnes Bier, sondern eine ganze Reihe von Varianten, die alle dieselbe Grundidee teilen und dennoch die Vielfalt der italienischen Craft-Bier-Szene widerspiegeln. Bereits Hunderte Brauereien haben sich an dem Projekt beteiligt. Gemeinschaftssude fanden unter anderem in der Toskana, der Lombardei, Venetien, Umbrien, Kalabrien, Apulien, Friaul-Julisch Venetien, dem Piemont und weiteren Regionen statt.

Warum ausgerechnet ein Italian Pils?

Für das Jubiläumsbier fiel die Wahl auf einen Bierstil, der eng mit der modernen italienischen Craft-Bier-Bewegung verbunden ist: das Italian Pils.

Dieser Stil kombiniert die Trinkbarkeit eines klassischen Pils mit einer ausgeprägten Hopfenaromatik und gilt inzwischen als einer der wichtigsten italienischen Beiträge zur internationalen Bierkultur. Zugänglich, elegant und dennoch charaktervoll soll das Bier sowohl erfahrene Craft-Bier-Fans als auch Einsteiger ansprechen.

Blick hinter die Kulissen

Während der „Birrifici Aperti“-Woche erhalten Besucher die Möglichkeit, die Brauereien direkt vor Ort kennenzulernen. Führungen, Verkostungen, Gespräche mit Brauern und verschiedene Veranstaltungen sollen zeigen, wie viel Handwerk, Wissen und Leidenschaft hinter einem Glas Craft-Bier steckt.

Gerade für kleinere Brauereien bietet die Veranstaltung eine wichtige Gelegenheit, ihre Arbeit sichtbar zu machen und den direkten Kontakt zu den Konsumenten zu pflegen.

Mehr als nur Bier

Für Unionbirrai geht es dabei um weit mehr als den Verkauf von Bier. Die Veranstaltung soll die Kultur des Craft-Biers fördern, die Bedeutung regionaler Rohstoffe hervorheben und die Rolle unabhängiger Brauereien innerhalb der italienischen Lebensmittelkultur stärken.

Wer eine Brauerei besucht, lernt nicht nur verschiedene Biere kennen, sondern erhält auch Einblicke in regionale Traditionen, lokale Zutaten und die Menschen, die hinter den Produkten stehen.

Ein Jubiläum mit Blick in die Zukunft

Die diesjährige Ausgabe von „Birrifici Aperti“ verbindet Rückblick und Aufbruch zugleich. Dreißig Jahre nach den ersten Schritten der italienischen Craft-Bier-Bewegung präsentiert sich die Szene lebendig, kreativ und innovationsfreudig.

Mit dem Gemeinschaftsprojekt „Buona questa Birra!“ und den zahlreichen Veranstaltungen in den Brauereien möchte Unionbirrai zeigen, dass unabhängiges Bier in Italien längst mehr ist als ein Trend. Es ist ein fester Bestandteil der modernen italienischen Genusskultur geworden – und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende erzählt.