Wenn Stammwürze zur Grillwürze wird: Bier erobert den Grill

Sobald die Tage länger werden und der Duft von Holzkohle in der Luft liegt, beginnt sie wieder: die Grillsaison. Und während Bier traditionell als Begleiter zum Grillabend fest dazugehört, entdeckt man es zunehmend auch als Zutat direkt auf dem Rost – oder besser gesagt: davor, in der Marinade.

Der Baden-Württembergischer Brauerbund zeigt, wie vielseitig Bier in der Küche eingesetzt werden kann. Denn was viele unterschätzen: Die Aromenvielfalt von Bier – von malzig über würzig bis feinherb – macht es zu einem echten Geheimtipp für raffinierte Grillgerichte.

„Bier kann viel mehr, als nur den Durst löschen“, erklärt Geschäftsführer Hans-Walter Janitz. „Unsere Brauerinnen und Brauer bringen seit Generationen höchste Qualität ins Glas – und genau diese Aromenvielfalt macht Bier auch am Grill zu einer spannenden Zutat.“

Marinade mit Charakter

Die Grundidee ist dabei denkbar einfach: Bier trifft auf klassische Zutaten wie Zwiebeln, Knoblauch, Rosmarin, Salz, Pfeffer und eine Prise Zucker. Daraus entsteht eine Marinade, die dem Grillgut eine zusätzliche Geschmacksebene verleiht – von würzig-malzig bis angenehm herb.

Schon wenige Minuten Kontakt reichen aus, um dem Fleisch mehr Tiefe zu geben. Wer sich jedoch Zeit nimmt, wird belohnt: Nach etwa 24 Stunden in einer kräftigen Biermarinade wird das Fleisch deutlich zarter und entwickelt eine fast schmorartige Konsistenz – direkt vom Grill.

Nicht nur für Fleisch

Biermarinaden funktionieren längst nicht nur bei klassischen Steaks. Auch Geflügel und Bratwürste profitieren von der aromatischen Würze. Besonders spannend wird es jedoch im vegetarischen Bereich: Tofu und pflanzliche Alternativen gewinnen durch die Marinade deutlich an Charakter und Tiefe.

Ein besonderer Tipp aus der Praxis sind Bier-Schmorzwiebeln vom Grill – kombiniert mit frischem Brot ein einfaches, aber überraschend intensives Geschmackserlebnis.

Genuss mit oder ohne Alkohol

Auch beim Thema Alkohol gibt es eine einfache Lösung: Die Marinade funktioniert problemlos mit alkoholfreiem Bier. In Sachen Aroma stehen diese Varianten ihren klassischen Pendants längst in nichts mehr nach.

Rezept: Bierige Grillmarinade

Zutaten (für mehrere Portionen):
100 ml Bier (Pils oder Helles, auch alkoholfrei möglich)
½ Zwiebel, fein gewürfelt
2 Teelöffel Salz
½ Teelöffel frisch gemahlener Pfeffer
Nadeln eines Rosmarinzweigs
1–2 Knoblauchzehen, in feine Scheiben geschnitten
1 Teelöffel Zucker

Zubereitung:
Alle Zutaten gut vermischen und nach Geschmack abschmecken. Optional sorgen ein paar Spritzer Apfelessig für zusätzliche Frische. Die Marinade anschließend für zwei bis drei Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.

Das Grillgut je nach gewünschter Intensität kurz oder mehrere Stunden marinieren oder kräftig einreiben. Vor dem Grillen überschüssige Marinade abstreifen, um ein Anbrennen zu vermeiden.

Browar Stu Mostów – sour time

Die Browar Stu Mostów gehört zu den spannendsten Craft-Brauereien Polens und hat sich mit kreativen, stilübergreifenden Bieren einen festen Platz in der europäischen Szene erarbeitet. Besonders bekannt ist die Brauerei für ihre Experimentierfreude – von klassischen Interpretationen bis hin zu modernen Hybridstilen wie fruchtbetonten Sour IPAs. Mit dem „Sour Time“ liefert Browar Stu Mostów genau so einen Vertreter: ein Sour IPA, vergoren mit Philly Sour Hefe, die gleichzeitig für die Säurebildung sorgt, und verfeinert mit Mosaic Spectrum Hopfenextrakt.

Im Glas zeigt sich das Bier hell und stark hefetrüb. Der feinporige Schaum baut sich zunächst kräftig auf, fällt jedoch schnell zusammen, während ein stabiler Rest erhalten bleibt.

In der Nase ist sofort klar, wohin die Reise geht: ein intensives Fruchtfeuerwerk mit Mango, Zitrus, Ananas und sogar Sternfrucht. Eine leichte Biskuitnote sorgt für eine angenehme, fast dessertartige Süße im Hintergrund.

Bereits auf der Zungenspitze setzt sich diese Fruchtigkeit fort, begleitet von einer lebendigen, sehr fruchtigen Säure. Am Gaumen dominieren dann weiterhin tropische Fruchtaromen und eine spürbare Süße, während die Bittere kaum in Erscheinung tritt. Das Mundgefühl ist weich und fast samtig – mit etwas mehr Kohlensäure wäre das Bier noch prägnanter und frischer. Im Abgang bleibt die Fruchtigkeit klar im Vordergrund, die Bittere bleibt zurückhaltend. Der Nachklang ist lang, saftig und tropisch geprägt.

Insgesamt ein modernes, aromatisch intensives Sour IPA, das klar auf Frucht und Trinkfluss setzt und dabei die Balance zugunsten von Süße und Säure verschiebt.

Alkoholgehalt:

4,2 % Vol.

Farbe:

5 EBC

Brauerei:

Browar Stu Mostów
Jana Długosza 2
51-162 Wrocław
Polen
www.100mostow.pl

Der „Guinndex“: Wie KI die Bierpreise in Irland transparenter macht

Wer schon einmal in einem Pub ein Bier bestellt hat, kennt das Gefühl: War das jetzt ein fairer Preis – oder eher nicht? Genau diese Frage brachte einen Unternehmer in Irland auf eine ungewöhnliche Idee, die inzwischen für Bewegung in der gesamten Bierlandschaft sorgt.

Auslöser war ein Pint Guinness für 7,80 Euro in Dublin. Für Matt Cortland Grund genug, genauer hinzuschauen. Schnell stellte er fest: Offizielle Statistiken zum Preis des bekanntesten irischen Bieres gibt es seit 2011 nicht mehr. Also beschloss er kurzerhand, die Daten selbst zu erheben – mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.

3.000 Anrufe, ein Ziel: Bierpreise vergleichen

Cortland entwickelte eine KI-gestützte Telefonstimme namens „Rachel“, die mit nordirischem Akzent ausgestattet wurde. Diese führte über 3.000 Telefonate mit Pubs in ganz Irland und fragte gezielt nach dem Preis für ein Pint Guinness.

Das Ergebnis dieser Datensammlung ist der sogenannte „Guinndex“ – eine Art lebender Bierpreisindex, der Durchschnittspreise sichtbar macht und gleichzeitig von Nutzern aktualisiert werden kann. Aktuell liegt der durchschnittliche Preis für ein Pint bei rund 6,01 Euro, während 5,50 Euro am häufigsten genannt werden.

Die Preisspanne ist dabei bemerkenswert: Teilweise liegen zwischen zwei Pubs, die nur wenige Meter voneinander entfernt sind, Unterschiede von bis zu zwei Euro. Das teuerste erfasste Pint kostet sogar rund 11 Euro.

Transparenz als Wettbewerbsvorteil

Auch wenn der „Guinndex“ noch keine flächendeckenden Preissenkungen ausgelöst hat, zeigen sich erste Effekte. So senkte ein Pub-Betreiber seinen Preis um 40 Cent – und aktualisierte den Wert anschließend selbst im System.

Für Cortland ist genau das der entscheidende Punkt: Transparenz. Wer Preise kennt, kann vergleichen – und Anbieter geraten automatisch unter Wettbewerbsdruck.

KI im Alltag angekommen

Das Projekt zeigt zudem, wie weit sich Sprach-KI bereits entwickelt hat. Viele Gesprächspartner bemerkten offenbar nicht, dass sie mit einer künstlichen Stimme sprachen. Studien zeigen sogar, dass Menschen in solchen Gesprächen oft länger reden und mehr Details preisgeben als im Kontakt mit echten Personen.

Ein Barkeeper formulierte es besonders typisch:
„Der Preis für ein Pint Guinness? Fünfundzwanzig Pfund. Aber wenn du auf ein kleines Bier vorbeikommst, gebe ich es dir für einen Fünfer.“

Ein anderer zeigte sich großzügig:
„Hör zu, normalerweise kosten sie 6,20 Euro. Aber wenn du dir keines leisten kannst, geben wir dir eins aus. Wir kümmern uns um dich.“

Was bedeutet das für Biertrinker?

Der „Guinndex“ ist mehr als ein Spielerei-Projekt. Er zeigt, wie digitale Werkzeuge die Bierkultur verändern können – nicht im Glas, aber rundherum. Transparenz, Vergleichbarkeit und informierte Entscheidungen könnten künftig eine größere Rolle spielen, auch in anderen Bereichen.

Cortland denkt bereits weiter: Warum nicht ähnliche Modelle für andere Produkte entwickeln – etwa für Pizza in New York oder sogar für Medikamente?

Für Biertrinker bleibt vor allem eine Erkenntnis: Der Preis für ein Pint ist längst nicht so eindeutig, wie man vielleicht denkt. Und manchmal lohnt sich ein zweiter Blick – oder eben ein Blick in den „Guinndex“.

Weltenburger – Helles Alkoholfrei

Das Weltenburger Helle Alkoholfrei präsentiert sich im Glas in einem goldenen Farbton mit leicht orangem Einschlag und glanzfeiner Klarheit. Der feinporige Schaum ist eher zurückhaltend, zeigt jedoch eine sehr gute Standfestigkeit.

In der Nase dominieren getreidige und süßliche Noten, begleitet von einer dezenten Blumigkeit des Hopfens. Der Antrunk wirkt deutlich süß, getragen von einer sehr feinperligen, eher zurückhaltend dosierten Kohlensäure.

Im weiteren Verlauf steht das Getreide klar im Mittelpunkt, harmonisch ergänzt durch die blumigen Hopfenaromen. Die Bittere bleibt dezent, das Mundgefühl weich und rund. Insgesamt erinnert der Eindruck stellenweise an eine milde, leicht malzige Limonade.

Im Abgang zeigt sich der Hopfen nochmals mit einer angenehmen, freundlichen Bittere und einer anhaltenden Blumigkeit, die vergleichsweise lange nachklingt.

Persönlich trifft das Bier nicht meinen Geschmack, dennoch lässt sich nachvollziehen, warum es insbesondere für Liebhaber milder, süffiger alkoholfreier Biere attraktiv sein kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz. Hopfen (Herkules, Tradition, Blanc), Kohlensäure

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

5,6° Plato

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

Brauerei Bischofshof GmbH & Co. KG
Heitzerstraße 2
93049 Regensburg
www.weltenburger.de

„Know Your Beer“: Mehr Transparenz für Biertrinker in Europa

Wer weiß eigentlich genau, was im eigenen Bier steckt? Genau hier setzt die neue europäische Plattform „Know Your Beer“ an. Das digitale Angebot wurde kürzlich im italienischen Parlament vorgestellt und soll Verbraucherinnen und Verbrauchern helfen, Bier besser zu verstehen – von den Zutaten über den Alkoholgehalt bis hin zu Herkunft, Frische und Zertifizierungen.

Hinter dem Projekt steht die European Beer Consumers’ Union (EBCU), die sich seit Jahrzehnten für die Interessen von Bierkonsumenten in Europa einsetzt. Ziel der Plattform ist es, Informationen rund um Bier klar, verständlich und überprüfbar zugänglich zu machen und damit die Transparenz in der Branche zu stärken.

Ein Werkzeug für mehr Durchblick

Vorgestellt wurde „Know Your Beer“ im Rahmen der Pressekonferenz „Know Your Beer: EBCU and Unionbirrai, the new frontier of transparency“, die gleichzeitig den Auftakt zum 73. Delegiertentreffen der EBCU in Rom bildete. Gastgeber war die Unionbirrai, der italienische Verband unabhängiger Craft-Brauereien.

Die Plattform richtet sich gezielt an Konsumenten und bietet strukturierte Hilfestellungen, um Bieretiketten besser zu verstehen. Im Fokus stehen dabei sechs zentrale Aspekte: Alkoholgehalt und Bierstil, Zutaten und Allergene, Hersteller und Herkunft, Zertifizierungen, Frische und Rückverfolgbarkeit sowie die richtige Lagerung.

Politik entdeckt Biertransparenz

Auch politisch stößt das Thema auf großes Interesse. Mehrere Vertreter aus dem italienischen Parlament nahmen an der Veranstaltung teil und betonten die Bedeutung klarer Rahmenbedingungen für die Branche.

Vittorio Ferraris erinnerte daran, dass Unionbirrai von Anfang an nicht nur als Interessenvertretung der Brauereien gedacht war, sondern auch als Förderer der Bierkultur. Gleichzeitig dankte er den politischen Entscheidungsträgern für ihre Unterstützung und betonte: „Heute sehen wir eine starke Übereinstimmung zwischen Institutionen und Branchenakteuren: Es ist ein geschlossenes Team entstanden, das das Wachstum des Sektors endlich mit passenden und modernen Regelungen unterstützen kann.“

Auch Luca De Carlo hob die Bedeutung regionaler Strukturen hervor: „Die Bier-Wertschöpfungskette, insbesondere im handwerklichen Bereich, ist nicht nur wegen der Transparenz wichtig, sondern auch, weil sie tief in den Regionen verwurzelt ist. Nach mehr als sechzig Jahren brauchen wir moderne Gesetze, die das Wachstum des Sektors unterstützen und neue Chancen wie Gastronomie und Biertourismus stärken, damit vor allem kleinere Produzenten ihre Geschichte besser erzählen können.“

Giorgio Salvitti unterstrich zudem die wirtschaftliche Relevanz: „Der Biersektor ist strategisch wichtig für die nationale Wirtschaft. Klarheit bei Rückverfolgbarkeit, Sicherheit und Qualitätsmerkmalen zu gewährleisten, ist eine Verpflichtung gegenüber Verbrauchern und Markt. Wir arbeiten an neuen gesetzlichen Regelungen, die einen klaren Rahmen schaffen und die Entwicklung des Sektors weiter fördern – auch durch die Möglichkeiten des Biertourismus.“

Zwischen Innovation und Gesetzgebung

Ein weiterer Punkt, der mehrfach angesprochen wurde, ist die Diskrepanz zwischen moderner digitaler Entwicklung und teilweise veralteten gesetzlichen Rahmenbedingungen. Genau hier soll „Know Your Beer“ ansetzen: als Brücke zwischen Verbraucherinteresse, technologischen Möglichkeiten und politischer Regulierung.

Die Plattform ist bereits in mehreren Sprachen verfügbar und soll langfristig dazu beitragen, Bier nicht nur bewusster zu konsumieren, sondern auch besser zu verstehen – ein Ansatz, der gerade in Zeiten wachsender Bierstile-Vielfalt und steigender Qualitätsansprüche immer wichtiger wird.

Brasserie de Blaugies – Saison d’Epeautre

Ganz im Westen Belgiens, nur wenige Schritte von der französischen Grenze entfernt, liegt die kleine, familiengeführte Brasserie de Blaugies. Seit ihrer Gründung im Jahr 1988 hat sie sich ganz einem Bierstil verschrieben, der lange Zeit fast in Vergessenheit geraten wäre: dem Saison. Diese traditionellen Farmhouse Ales wurden einst in den Wintermonaten gebraut, um Landarbeiter außerhalb der Erntesaison zu beschäftigen. Mit dem Siegeszug der Lagerbiere geriet der Stil zunehmend ins Abseits, erlebt jedoch seit einigen Jahren eine verdiente Renaissance.

Das Saison d’Epeautre zeigt sich im Glas in einem satten Goldton mit deutlicher Hefetrübung. Beim Öffnen noch sehr schaumfreudig, fällt die Schaumkrone im Glas allerdings rasch zusammen.

In der Nase entfalten sich Aromen von frischem Biskuitteig, begleitet von gelben Früchten und einer dezenten, leicht säuerlichen Note.

Der Antrunk ist spritzig und angenehm trocken, fast schon erfrischend wie eine fein perlende Fruchtbrause. Im weiteren Verlauf zeigt sich ein schlanker Körper mit einer leichten, gut eingebundenen Süße, die schnell von einer milden Säure abgelöst wird. Geschmacklich erinnert das Bier an nicht ganz reife gelbe Pflaumen, wobei eine klassische Hopfenbittere nahezu nicht wahrnehmbar ist. Der Alkohol bleibt dabei vollständig im Hintergrund.

Der Abgang präsentiert sich entsprechend trocken, fruchtig und sauber, mit einer erfrischenden Leichtigkeit, die zum nächsten Schluck einlädt. Trotz eines Jahres über dem Mindesthaltbarkeitsdatum wirkt das Bier erstaunlich lebendig und ausgewogen.

Das Saison d’Epeautre ist ein charakterstarkes Beispiel für diesen Bierstil: gebraut mit Dinkel und Gerste, angenehm trocken, leicht im Körper und mit einer feinen, leicht säuerlichen Note. Ein Bier, das nicht nur die Tradition des Saison-Stils lebendig hält, sondern auch zeigt, wie spannend und vielseitig diese wiederentdeckte Bierkategorie sein kann.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Bittereinheiten:

19 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Brasserie de Blaugies
Rue de la Frontière 435
7370 Blaugies
Belgien
www.brasseriedeblaugies.com

Vom Milliarden-Traum zum Absturz

Über die Insolvenz von BrewDog habe ich bereits berichtet. Jetzt habe ich mich gefragt, wie die Insolvenz im Heimatmarkt Großbritannien gesehen wird. Während der Recherche bin ich auf einen umfangreichen Artikel gestoßen, der die Betrachtungsweise dort sehr gut darstellt. Hier die wichtigsten Punkte:

BrewDog galt lange als Paradebeispiel für die Craft-Beer-Revolution: Vom Garagen-Start-up zum Milliardenunternehmen – eine Geschichte wie aus dem Bilderbuch. Doch genau dieser rasante Aufstieg scheint am Ende auch zum Problem geworden zu sein.

Die Gründer James Watt und Martin Dickie wollten in den 2000er-Jahren nichts weniger als die Bierwelt auf den Kopf stellen. Mit improvisierter Ausrüstung in einer Garage in Schottland gestartet, arbeiteten sie sich mit viel Energie, wenig Schlaf und einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein nach oben. Der Durchbruch gelang mit dem Punk IPA, die schnell Kultstatus erreichte.

BrewDog inszenierte sich dabei bewusst als Gegenentwurf zur „langweiligen“ Bierindustrie. Provokante Marketingaktionen, spektakuläre PR-Stunts und eine treue Fanbasis machten die Marke groß – und laut.

Wachstum um jeden Preis

Ein zentraler Erfolgsfaktor war das Finanzierungsmodell „Equity for Punks“. Fans konnten Anteile kaufen und wurden Teil der Bewegung. Über 200.000 Investoren steckten mehr als 100 Millionen Pfund in das Unternehmen. Doch spätestens mit dem Einstieg des US-Investors TSG im Jahr 2017 änderte sich die Dynamik. Die Gründer verkauften Anteile im Wert von rund 100 Millionen Pfund und machten BrewDog gleichzeitig fit für noch schnelleres Wachstum. Neue Bars, Hotels und sogar Spirituosenprojekte schossen aus dem Boden.

Das Problem: Dieses Wachstum war teuer – und offenbar nicht nachhaltig.

Analysten sehen in dem Deal mit TSG einen Wendepunkt. Die vereinbarten Renditeerwartungen setzten BrewDog massiv unter Druck. Um Investoren zufriedenzustellen, musste das Unternehmen Jahr für Jahr stark wachsen – ein Ziel, das sich langfristig als unrealistisch herausstellte.

Erste Risse im System

Ab etwa 2017 mehrten sich die Probleme. Intern wurde von einer schwierigen Unternehmenskultur berichtet, es gab Kritik an Führungsstil und Entscheidungen. Gleichzeitig begannen die wirtschaftlichen Kennzahlen zu schwächeln. Die Pandemie verschärfte die Lage zusätzlich. Trotz sinkender Gewinne expandierte BrewDog weiter – mit großen Standorten und neuen Projekten. Rückblickend ein riskanter Kurs. Der letzte Gewinn wurde 2019 erzielt. Danach ging es wirtschaftlich bergab.

Absturz mit Ansage

2024 zog sich James Watt als CEO zurück, kurz darauf auch Martin Dickie. Das einstige Gründerduo, das BrewDog groß gemacht hatte, war nicht mehr operativ an Bord.

Die Schuldenlast wuchs, Kredite mussten bedient werden, und immer mehr Bars wurden geschlossen. Schließlich kam es, wie es kommen musste: BrewDog rutschte in die Insolvenzverwaltung. Teile des Unternehmens – darunter die Brauerei in Ellon und einige Bars – wurden für rund 33 Millionen Pfund verkauft. Viele andere Standorte mussten schließen, hunderte Mitarbeiter verloren ihren Job.

Verlierer der Entwicklung

Besonders bitter ist die Situation für die sogenannten „Equity Punks“. Viele der Kleinanleger werden wohl keinen Cent ihrer Investitionen wiedersehen. Auch für die Belegschaft ist der Absturz hart: Entlassungen, Unsicherheit und das Ende eines Unternehmens, das lange als Vorzeigeprojekt galt.

James Watt selbst räumte inzwischen Fehler ein. Das Unternehmen sei „zu schnell gewachsen“ und habe sich „zu breit aufgestellt“. Gleichzeitig bleibt Kritik laut, dass die Gründer sich frühzeitig finanziell abgesichert haben.

Fazit: Lehrstück der Craft-Beer-Szene

In Großbritannien wird der Fall BrewDog vielfach als warnendes Beispiel gesehen: für übermäßigen Expansionsdrang, überhöhte Bewertungen und die Risiken von Investoren-getriebenem Wachstum. Was bleibt, ist eine Marke, die die Bierwelt nachhaltig geprägt hat – aber auch eine Geschichte, die zeigt, wie schnell ein Höhenflug enden kann. Oder anders gesagt: Viel Punk, viel Pathos – und am Ende eine Bruchlandung.

Hertl – Schwiegermutter`s Rache

Die Braumanufaktur Hertl ist bekannt für kreative Biere mit Augenzwinkern – und bei „Schwiegermutters Rache“ macht Detlef Hertl keine Ausnahme. Aber nicht nur beim Benennen seiner Biere gibt Detlef sich redliche Mühe, sondern auch beim Brauen. Daher haben mir bislang alle Biere gefallen, die ich in der Vergangenheit bereits verkostet habe. Ich hoffe, dass dies auch auf das alkoholfreie Weißbier zutrifft, das jetzt vor mir steht.

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem klassischen, naturtrüben Goldton mit leicht orangenen Reflexen. Die Schaumkrone ist üppig, fest und strahlend weiß – so, wie man es sich von einem fränkischen Weizenbier wünscht.

In der Nase entfaltet sich ein typisch hefig-fruchtiges Aromenspiel: Banane, ein Hauch Nelke und eine dezente Zitrusnote steigen auf. Dazu gesellen sich leichte Getreidenoten und eine angenehme Frische, die direkt Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist weich und erstaunlich vollmundig für ein alkoholfreies Bier. Eine feine Malzsüße trifft auf die klassische Weizenaromatik mit Banane und leichter Würze. Die Kohlensäure ist etwas knapp dosiert, sorgt aber trotzdem für ein angenehm spritziges Mundgefühl. Im weiteren Verlauf bleibt das Bier mild, frisch und sehr ausgewogen – die Bittere ist stiltypisch kaum wahrnehmbar, was den süffigen Charakter zusätzlich unterstreicht. Der Körper ist schlank bis mittel, ohne wässrig zu wirken. Auch in der Kehle zeigt sich das Bier sauber, erfrischend und mit einem dezenten Hefeton, der langsam ausklingt.

„Schwiegermutters Rache“ ist ein alkoholfreies Weißbier, das seinem großen Vorbild erstaunlich nahekommt. Fruchtig, weich und unkompliziert – und genau das Richtige für alle, die vollen Geschmack bei klarem Kopf genießen möchten.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Gärungskohlensäure

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Braumanufaktur Hertl
Thüngfeld 61
96132 Schlüsselfeld
www.braumanufaktur-hertl.de

BRAUW – Armout Macleod Bourbon oaked

Mitten im lebendigen Zentrum von Genk hat sich BRAUW als moderne Stadtbrauerei etabliert – bodenständig im Ansatz, kreativ im Ergebnis. Hier trifft handwerkliches Brauen auf eine klare lokale Identität, die sich bewusst an regionalen Traditionen und Limburger Besonderheiten orientiert.

Im Mittelpunkt steht bei BRAUW die Leidenschaft für ein ehrliches Produkt: Bier. Gebraut wird mit einfachen, bewusst gewählten Methoden, die den Charakter der Zutaten in den Vordergrund stellen. Trotz aller Experimentierfreude bleibt die Brauerei ihrem eigenen Stil treu – reduziert auf das Wesentliche, ohne dabei langweilig zu werden.

Der Name BRAUW ist dabei Programm. Er spielt nicht nur auf das Brauen selbst an, sondern trägt mehrere Ebenen in sich: „RAW“ steht für die ursprünglichen, unverfälschten Techniken, während der kreative Anspruch und die überraschenden Geschmackserlebnisse durchaus ein spontanes „WOW“ hervorrufen können. Gleichzeitig versteht sich BRAUW auch als Plattform für andere – insbesondere für Hobbybrauer, deren Handwerk hier wertgeschätzt und unterstützt wird.

Hinter all dem steht Gründer und Braumeister Joris Mentens, der mit BRAUW eine Brauerei geschaffen hat, die Handwerk und Innovation verbindet – und dabei immer auch Raum für persönliche Geschichten im Glas lässt.

Vor mir steht jetzt das Brauw Armout Macleod Bourbon Oaked, eine spezielle limitierte Winterbier-Edition von BRAUW. Dieses Bier basiert auf dem beliebten Armout Macleod Scotch Ale, einem vollmundigen und reichhaltigen Bierstil mit warmen Karamellnoten und einem sanften, malzigen Abgang, der typisch für starke schottische Ales ist. Brauw hat das klassische Rezept weiter verfeinert, indem das Bier mit Bourbon-getränkter Eiche gereift wurde.

Braun fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine haselnussbraune Schaumkrone, die leider recht flott in sich zusammenfällt.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel: Vanille, Karamell und ein Hauch von Bourbon steigen zuerst auf, dazu dunkle Schokolade, geröstetes Malz, dazu ein Hauch Lakritz und ein dezenter Anklang von Eiche. Dahinter schwingen Noten von getrockneten Früchten und ein leichter Hauch von Alkoholwärme mit.

Der Antrunk ist weich und vollmundig. Eine angenehme Malzsüße, kombiniert mit einer feinperligen und trotzdem kräftigen Kohlensäure trifft auf Noten von Karamell und Vanille, Kaffee und Kakao. Im Mittelteil sorgt die Fassreifung für zusätzliche Tiefe: Holzige Nuancen und eine feine Bourbon-Note geben dem Bier Struktur, ohne es zu dominieren. Die Bittere bleibt moderat und rundet das Gesamtbild harmonisch ab. Der Körper ist kräftig und die zehn Volumenprozent Alkohol sind sehr gut eingebunden. In der Kehle zeigt sich das Bier lang und wärmend, mit einer eleganten Kombination aus Röstaromen, Eiche und einem Hauch von Whisky-Charakter.

Das BRAUW Armout Macleod Bourbon Oaked ist ein komplexes, fassgereiftes Bier mit viel Tiefe und Balance. Kraftvoll, aber nicht überladen – und genau das Richtige für alle, die dunkle, aromatische Biere mit Holzfass-Charakter schätzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haver, Roggen, Zucker, Bourbon, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

36 EBC

Brauerei:

Brauw City Brewery
Molenstraat 37/1
3600 Genk
Belgien
www.brauw.be

Kraftpaule – Dunkles

Kraftpaule steht für kreative Braukunst aus Stuttgart. Hier werden klassische Bierstile gern mit einem modernen Twist interpretiert. Dass die Schwaben auch die dunkle Seite des Bieres beherrschen, wollen sie mit dem Dunklen beweisen.

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem tiefen Kastanienbraun, beinahe schwarz, mit rubinroten Reflexen. Darüber thront eine feinporige, cremige und hellbraune Schaumkrone, die im Glas sehr lange erhalten bleibt – ein erster Hinweis darauf, dass hier nicht gepfuscht wurde.

In der Nase dominieren malzige Aromen: frisch gebackenes Brot, Karamell und ein Hauch von Toffee steigen auf. Dahinter schwingt eine dezente Röstnote mit, die an Kakao oder leicht geröstete Nüsse erinnert, ohne jemals zu dominant zu werden. Abgerundet wird das Aroma durch den Duft nach Trockenfrüchten, ich meine, getrocknete Pflaumen zu erkennen.

Der Antrunk ist weich und rund. Eine angenehme Malzsüße breitet sich aus, begleitet von Noten von Karamell und dunklem Brot, gepaart mit einer angenehm dosierten sehr feinperligen Kohlensäure. Im weiteren Verlauf zeigen sich feine Röstaromen, die dem Bier Tiefe verleihen, ohne es schwer wirken zu lassen. Die Bittere bleibt zurückhaltend und sorgt lediglich für die nötige Balance. Der Körper ist mittelkräftig. In der Kehle bleibt das Dunkle angenehm mild mit einer leicht nussigen und dezent röstigen Note zurück – ein Bier, das zum Weitertrinken einlädt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner. Münchner, Cara, Carafa), Hopfen (Hallertau Tradition, Willamette), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

für

Kraftpaule GmbH
Neckarstraße 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de