De Dochter van de Korenaar – La Bière Bock

Schon der erste Blick ins Glas macht deutlich, dass hier kein gewöhnlicher Bock eingeschenkt wird. Das La Bière Bock der belgischen Brauerei De Dochter van de Korenaar präsentiert sich in einem tiefen Mahagoniton, der je nach Lichteinfall zwischen dunklem Kupfer und rötlichem Braun schimmert. Eine feinporige, cremige und elfenbeinfarbene Schaumkrone setzt sich darüber und bleibt erstaunlich stabil – ein erster Hinweis auf den kräftigen Charakter dieses Bieres.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Zunächst steigen deutliche Malznoten auf, die an dunkles Brot, Karamell und geröstete Nüsse erinnern. Dahinter zeigen sich fruchtige Nuancen, wie sie typisch für viele belgische Biere sind: leichte Anklänge von Trockenpflaume, Rosine und ein Hauch dunkler Beeren und Schokolade. Ergänzt wird das Ganze von einer dezenten Würze und einer Spur Alkoholwärme, die bereits ankündigt, dass hier ein kräftiger Vertreter im Glas wartet.

Der erste Schluck bestätigt diesen Eindruck. Das Bier wirkt vollmundig und rund, mit einer satten Malzbasis, die an Toffee, Karamell und dunkle Kruste von Bauernbrot erinnert. Dazu passt gut die sehr feinperlige Kohlensäure. Gleichzeitig bringt die belgische Hefe eine fruchtige und leicht würzige Komplexität ins Spiel. Noten von reifen Früchten, etwas Pflaume und ein Hauch von Gewürznelke mischen sich mit der Malzsüße und sorgen für ein sehr harmonisches Gesamtbild. Am Gaumen präsentieren sich die Röstaromen. Trotz seiner kräftigen Struktur bleibt das La Bière Bock überraschend ausgewogen. Die Hopfung hält sich im Hintergrund, liefert aber genug Bittere, um die malzige Süße zu balancieren. So entsteht ein angenehm runder Eindruck, bei dem kein Element die Oberhand gewinnt. Im Mundgefühl zeigt sich das Bier weich und geschmeidig, nicht zuletzt aufgrund seiner moderaten Kohlensäure, die das volle Aroma elegant trägt. Der Körper ist kräftig, ohne schwer zu wirken. Stattdessen entwickelt sich mit jedem Schluck eine angenehme Wärme, die typisch für einen guten Bock ist. In der Kehle stehen Karamell, dunkles Malz und ein Hauch Trockenfrucht im Vordergrund und sie bleiben noch eine ganze Weile am Gaumen zurück, begleitet von einer dezenten Bittere, die Lust auf den nächsten Schluck macht.

Insgesamt ist das La Bière Bock ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie sich die deutsche Bockbiertradition mit belgischer Braukunst verbinden lässt. Kraftvoll, aromatisch und zugleich elegant – ein Bier, das man nicht hastig trinkt, sondern in Ruhe genießt. Ideal für einen gemütlichen Abend, an dem das Glas ruhig ein wenig länger in der Hand bleiben darf.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Farbe:

20 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Hamburger Craft-Brauerei Landgang meldet Insolvenz an

Die Zeiten für Brauereien in Deutschland sind alles andere als einfach. Steigende Energie- und Rohstoffpreise, ein rückläufiger Bierkonsum und wirtschaftlicher Druck setzen der Branche zunehmend zu. Nun hat es auch eine bekannte Craft-Brauerei im Norden getroffen: Die Hamburger Brauerei Landgang hat Insolvenz angemeldet. Trotz dieser Entwicklung zeigt sich das Team jedoch erstaunlich optimistisch.

Der deutsche Biermarkt befindet sich seit Jahren im Wandel. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes ist der Absatz von Bier deutlich zurückgegangen. Im vergangenen Jahr lag er rund 19 Prozent unter dem Niveau von 2015 – ein historischer Rückgang, der viele Brauereien in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringt.

Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass immer mehr Betriebe ums Überleben kämpfen. Dennoch ist die Situation bei Landgang etwas anders gelagert. Die Brauerei hat zwar ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt, kämpft jedoch nicht mit fehlender Nachfrage.

Bier-Sommelier und Marketingchef „Mitti“ betont, dass die Stimmung im Unternehmen trotz der Situation positiv sei. Der Betrieb laufe ganz normal weiter. Veranstaltungen wie Pubquiz-Abende, Bingo-Events, Brauereiführungen oder Braukurse fänden weiterhin statt. Auch der Ausschank in der Brauerei sei uneingeschränkt geöffnet. Die Botschaft des Teams ist klar: Hopfen und Malz sind noch lange nicht verloren.

Die Landgang Brauerei gehört zu den bekanntesten Vertretern der norddeutschen Craft-Bier-Szene. Gegründet wurde sie 2015, damals noch unter dem Namen Hopper Bräu. Seitdem hat sich der Betrieb stetig weiterentwickelt und gilt heute als drittgrößte Brauerei Hamburgs.

Die Produktionshalle im Stadtteil Bahrenfeld ist für viele Bierfans ein beliebter Treffpunkt geworden. In der Brauereibar werden von Mittwoch bis Samstag verschiedene frisch gebraute Biere direkt vom Fass ausgeschenkt. Das Sortiment reicht von klassischen Stilen wie einem Nordsee Pils bis hin zu experimentellen Sorten wie Hazy IPAs oder fruchtigen Sauerbieren. Dazu werden Pizza und Flammkuchen serviert, was die Brauerei zu einem beliebten Ausflugsziel für Bierliebhaber macht.

Dass Landgang nun selbst in die Insolvenz geraten ist, hat eine gewisse Ironie. Erst im Sommer 2025 hatte das Unternehmen die angeschlagene Kieler Craft-Brauerei Lille übernommen und damit rund 30 Arbeitsplätze gesichert. Die Hamburger galten damals als Retter der norddeutschen Craft-Bier-Szene. Nun müssen sie selbst um ihre wirtschaftliche Zukunft kämpfen.

Der Grund dafür liegt jedoch nicht in mangelndem Interesse der Kunden. Laut Unternehmensangaben bleibt die Nachfrage nach den Bieren stabil. Vielmehr machen steigende Energiepreise und höhere Kosten für Rohstoffe der Brauerei zu schaffen.

Eigentlich müssten die Bierpreise deutlich erhöht werden, um diese Kosten auszugleichen. Doch genau das möchte das Unternehmen vermeiden. Viele Verbraucher hätten derzeit selbst weniger Geld zur Verfügung. Eine starke Preiserhöhung würde daher vermutlich auch die treue Kundschaft belasten.

Mit diesem Problem steht Landgang nicht allein da. Viele kleinere Craft-Brauereien leiden derzeit unter denselben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Anders als große Brauereikonzerne verfügen sie jedoch selten über ausreichende finanzielle Reserven, um solche Kostensteigerungen langfristig abzufedern.

Das Amtsgericht Hamburg hat inzwischen ein vorläufiges Insolvenzverfahren eröffnet und den Rechtsanwalt Kévin Paul-Hervé Tanguy als Insolvenzverwalter eingesetzt. Seine Aufgabe wird es sein, das Unternehmen wirtschaftlich neu aufzustellen und eine langfristige Perspektive zu entwickeln.

Der laufende Betrieb soll währenddessen unverändert weitergehen. Ausschank, Veranstaltungen und Produktion laufen weiterhin wie gewohnt. Gleichzeitig sucht das Unternehmen nach Investoren, die helfen könnten, die Brauerei dauerhaft zu stabilisieren.

Beim Landgang-Team ist man überzeugt, dass sich dieser Weg lohnt. Die Brauerei feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen und beschäftigt rund 60 Mitarbeitende, viele davon in Teilzeit. Für sie steht fest: Das Projekt soll weitergehen.

Die Botschaft aus Hamburg-Bahrenfeld ist daher trotz Insolvenz erstaunlich optimistisch. Landgang sieht die aktuelle Situation nicht als Ende, sondern als Chance für einen Neustart. Oder wie Marketingchef „Mitti“ es formuliert: Die Brauerei gibt es seit zehn Jahren – und sie soll auch in zehn Jahren noch Bier brauen.

Rettung für bekannte Biermarke: C&C Group übernimmt Innis & Gunn

Die Getränkefirma C&C Group hat Anfang März die bekannte Biermarke Innis & Gunn übernommen. Wie das Unternehmen am 6. März mitteilte, wurde die Marke aus der Insolvenzverwaltung der schottischen Brauerei für rund 4,5 Millionen Pfund erworben. Damit sichert sich der Konzern eine etablierte Premiumbiermarke und erweitert gleichzeitig sein Markenportfolio.

Die Verbindung zwischen beiden Unternehmen besteht allerdings nicht erst seit dieser Übernahme. Die C&C Group war bereits seit mehreren Jahren als kleiner Minderheitsaktionär beteiligt und arbeitete zudem als Braupartner für Innis & Gunn. Ein Großteil der Biere der Marke wurde bereits zuvor in Zusammenarbeit mit C&C produziert.

Nach Angaben des Unternehmens bietet die Übernahme eine attraktive Gelegenheit, eine etablierte Marke weiterzuentwickeln und gleichzeitig von bestehenden Strukturen zu profitieren. Da C&C bereits eng mit Innis & Gunn zusammengearbeitet hat, rechnet der Konzern mit einem vergleichsweise reibungslosen Übergang. Die Marke soll vollständig in die vorhandenen Betriebs-, Vertriebs- und Lieferkettenstrukturen des Unternehmens integriert werden.

Der Vorstand geht davon aus, dass der operative Übergang schnell erfolgen kann und der laufende Geschäftsbetrieb nur minimal beeinträchtigt wird. Gleichzeitig unterstreiche der Kauf die Bedeutung starker Marken im Portfolio des Unternehmens sowie den Wert eines integrierten Geschäftsmodells, das Produktion, Marketing und Vertrieb miteinander verbindet.

Finanziert wird die Übernahme aus bestehenden Kreditlinien der C&C Group. Nach Einschätzung des Unternehmens soll der Zukauf ab dem Geschäftsjahr 2027 einen kleinen, aber positiven Beitrag zur Gesamtentwicklung leisten.

Auch C&C-Chef Roger White betonte die langjährige Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen. Man habe über viele Jahre eng mit Innis & Gunn zusammengearbeitet, erklärte er. Trotz der schwierigen Umstände freue man sich nun, die Marke vollständig in das eigene Portfolio aufzunehmen.

White bezeichnete die Übernahme als überzeugende und strategisch sinnvolle Gelegenheit, eine beliebte Biermarke zu erhalten. Da C&C bereits den Großteil der Biere der Marke braue, könne die Integration schnell und effektiv erfolgen. Gleichzeitig solle so sichergestellt werden, dass Kunden und Konsumenten weiterhin zuverlässig mit den Produkten von Innis & Gunn versorgt werden.

Mit dem Schritt stärkt die C&C Group ihre Position im Premiumsegment des Biermarktes und bewahrt zugleich eine Marke, die sich über Jahre hinweg eine treue Anhängerschaft aufgebaut hat.

Hoppen un Molt – Dunkles Lager

Nun steht das Dunkle Lager von Hoppen un Molt vor mir und wartet auf seine Verkostung. Da ich die Brauerei bereits an anderer Stelle kurz vorgestellt habe, beginne ich gleich, öffne die Flasche und schenke mir das Glas ein.

Bereits im Glas präsentiert sich das Bier mit einer äußerst einladenden Erscheinung. Die Farbe ist blickdicht kastanienbraun, praktisch schwarz. Gegen das Licht gehalten schimmern aber rubinrote Reflexe durch. Nicht so begeistert bin ich von der hellbraunen Schaumkrone, die sich leider sehr schnell auflöst.

In der Nase zeigt sich das Bier angenehm malzbetont, auch wenn das Aroma nicht allzu kräftig ist. Düfte nach Brotkruste und dunkler Schokolade steigen mir in die Nase, begleitet von Noten nach Karamell und Lakritz.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Am Gaumen wirkt das Dunkle Lager weich und rund, während sich eine leichte Bittere zur Malzsüße gesellt. Dazu kommt das Schokoladenaroma, das den Geschmack abrundet. Die Balance zwischen Malzkörper und Bittere ist recht gut abgestimmt, wodurch das Bier sehr zugänglich und gleichzeitig geschmacklich interessant bleibt. In der Kehle kommt lediglich eine geringe Bittere zum Tragen, die aber trotzdem sehr lange nachklingt und mit der Zeit mehr an Schokolade erinnert.

Insgesamt zeigt das Dunkle Lager von Hoppen un Molt, wie elegant dieser Bierstil sein kann. Malzig, rund und aromatisch, dabei aber stets angenehm trinkbar. Ein Bier für gemütliche Abende, lange Gespräche und für alle, die dunkle Lagerbiere mit Charakter zu schätzen wissen. Prost.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

11,9° Plato

Bittereinheiten:

19 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

11° Celsius

Brauerei:

Hoppen un Molt
Alexandrinenstraße 49
18119 Rostock-Warnemünde
https://hoppen-molt.de/

Niki Riegler wird Sprecher der österreichischen CulturBrauer

Niki Riegler (Bild: Brauerei Hirt)

Die österreichische Bierlandschaft bekommt eine neue Stimme: Niki Riegler, Eigentümer und Geschäftsführer der Privatbrauerei Hirt in Kärnten, hat den Vorsitz der Vereinigung der CulturBrauer übernommen. Mit dieser Rolle vertritt er künftig acht der bedeutendsten unabhängigen Familienbrauereien Österreichs.

Der Wechsel erfolgte planmäßig Ende Februar bei einem Treffen der CulturBrauer im oberösterreichischen Freistadt. Riegler folgt damit auf Paul Steininger, Geschäftsführer der Braucommune in Freistadt, der die Wertegemeinschaft im vergangenen Jahr geführt hatte.

Die CulturBrauer wurden 2008 von acht unabhängigen Privatbrauereien gegründet – darunter auch die Privatbrauerei Hirt. Ziel der Initiative war es von Anfang an, eine Plattform für Austausch, Zusammenarbeit und ein gemeinsames Auftreten zu schaffen. Seitdem bündeln die Mitgliedsbetriebe ihre Kompetenzen, entwickeln gemeinsame Projekte und setzen sich gemeinsam für den Erhalt und die Weiterentwicklung der österreichischen Bierkultur ein.

Riegler betont dabei besonders den Charakter der Vereinigung: „Die CulturBrauer sind eine starke Gemeinschaft von Individualisten, die eines eint: die Leidenschaft für authentisches Bier und das Bewusstsein für unsere soziale und regionale Verantwortung.“ Gleichzeitig sieht er in seiner neuen Aufgabe auch eine wichtige Rolle für die Zukunft der Branche. „Es ist mir eine große Ehre, den Vorsitz für das Jahr 2026 zu übernehmen. Gerade in einer Zeit des Wandels ist es wichtig, die Vielfalt und Eigenständigkeit der österreichischen Privatbrauereien sichtbarer denn je zu machen.“

Zeit als wichtiger Bestandteil der Bierqualität

Die neue Rolle steht auch unter einem Leitgedanken, der eng mit der Philosophie der Privatbrauerei Hirt verbunden ist: Zeit. Unter dem Motto „Die Zeit nehm ich mir“ setzen die CulturBrauer bewusst auf langfristiges Denken und sorgfältige Brauprozesse.

Gerade in einer Branche, in der wirtschaftlicher Druck oft zu immer schnelleren Produktionszyklen führt, wollen die beteiligten Brauereien einen anderen Weg gehen. Geduld im Brauprozess, persönliche Beziehungen zu Kunden und Partnern sowie ein respektvoller Austausch innerhalb der Branche sollen weiterhin im Mittelpunkt stehen.

Für Riegler ist Zeit dabei nicht nur ein organisatorischer Faktor, sondern eine entscheidende Zutat beim Bierbrauen. Erst durch langsame Gärung und ausreichend Reifezeit entstehen charaktervolle Biere, die ihre Herkunft im Geschmack widerspiegeln.

Unabhängigkeit als gemeinsames Fundament

Ein zentrales Thema der CulturBrauer ist außerdem die Unabhängigkeit. Die Mitgliedsbetriebe verstehen sich bewusst als Alternative zu großen Konzernstrukturen. Familiengeführte Brauereien mit regionaler Verwurzelung und langfristigem Blick sollen die Vielfalt der österreichischen Bierkultur erhalten.

Die Privatbrauerei Hirt selbst steht beispielhaft für diesen Ansatz. Als eine der ältesten Brauereien Österreichs wurde sie bereits 1270 erstmals urkundlich erwähnt. Seit 1846 befindet sich der Betrieb im Besitz der heutigen Eigentümerfamilie und wird mittlerweile in der fünften und sechsten Generation geführt.

Die Brauerei setzt auf hochwertige Rohstoffe, klares Bergquellwasser und einen besonders schonenden Brauprozess. Das Unternehmen trägt das internationale Slow Brewing-Gütesiegel, das für eine langsame Gärung, lange Reifung und besonders hohe Qualitätsstandards steht. Das Sortiment umfasst derzeit 15 unterschiedliche Biersorten, die regelmäßig bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet werden.

Dank an den bisherigen Vorsitz

Mit der Übergabe des Vorsitzes verbindet die Privatbrauerei Hirt auch einen Dank an Rieglers Vorgänger. Paul Steininger habe der Gemeinschaft im vergangenen Jahr wichtige Impulse gegeben und die Zusammenarbeit der Mitgliedsbetriebe weiter gestärkt.

Unter der neuen Leitung soll die Kooperation der CulturBrauer nun weiter ausgebaut werden. Ziel bleibt es, Bierliebhaber für die Vielfalt regionaler Spezialitäten zu begeistern und die Rolle unabhängiger Privatbrauereien in Österreich langfristig zu stärken.

Damit bleibt die Vereinigung ihrer ursprünglichen Idee treu: eine starke Plattform für Brauereien, die ihre Eigenständigkeit bewahren und gleichzeitig gemeinsam für die österreichische Bierkultur eintreten wollen.

Valduc-Thor – Joker Poivres

Die Brasserie Valduc aus dem belgischen Thorembais-Saint-Trond gehört zu den kleineren Brauereien des Landes, steht aber ganz in der großen Tradition belgischer Spezialbiere. Mit dem Joker hat die Brauerei ein Bier im Sortiment, das auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkt, sich im Glas aber als typisch belgischer Charakterkopf entpuppt.

Im Glas zeigt sich der Valduc Joker in einem klaren, goldgelben Farbton mit leichter Bernstein-Note. Die Schaumkrone baut sich zunächst üppig auf, wirkt feinporig und stabil und bleibt eine ganze Weile erhalten. Optisch erinnert das Bier stark an ein klassisches belgisches Blond – hell, lebendig und durchaus einladend.

In der Nase zeigt sich sofort die belgische Hefe. Fruchtige Aromen steigen aus dem Glas, die an reife Birne, Aprikose und einen Hauch Zitrus erinnern. Dazu gesellen sich leichte Honig- und Malznoten sowie eine dezente Würzigkeit, die ein wenig an weißen Pfeffer und Nelken denken lässt. Insgesamt wirkt das Bouquet angenehm komplex, ohne überladen zu sein.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine sehr kräftige Kohlensäure sowie eine leichte Süße aus. Eine dezente Malznote eröffnet den Geschmack, schnell begleitet von fruchtigen Hefearomen, die dem Bier eine schöne Lebendigkeit verleihen. Auf der Zunge zeigt sich eine angenehme Balance zwischen leichter Süße, frischer Karbonisierung und einer sanften Hopfenbittere. Langsam entwickelt sich eine feine Würze, die typisch für viele belgische Biere ist. Die fruchtigen Noten bleiben präsent und erinnern weiterhin an Zitrus. Gleichzeitig wirkt das Bier erstaunlich schlank und gut trinkbar. In der Kehle ist das Bier trocken, leicht würzig und recht mild. Die fruchtigen Hefearomen klingen recht flott aus.

Insgesamt präsentiert sich der Valduc Joker als klassisches belgisches Blondbier mit einer angenehmen Süffigkeit. Aromatisch, ausgewogen und lebendig – ein Bier, das nicht laut auftritt, aber mit jedem Schluck zeigt, warum belgische Braukunst weltweit einen so guten Ruf genießt.

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Brasserie coopérative Valduc – Thor
Rue de Ponceau38
1360 Thorembais-Saint-Trond
Belgien
https://www.brasserievalduc.be

Kneipenwirt gegen Brauereikonzern: Vom Biervertrag zum jahrelangen Rechtsstreit

Manchmal beginnt eine große Geschichte mit etwas sehr Kleinem. In diesem Fall mit einem Tresen, einer beleuchteten Außenwerbung und einem Darlehen über rund 3.000 Euro. Was zunächst wie eine übliche Vereinbarung zwischen einem Gastronomen und der Brauerei wirkte, entwickelte sich für den Thüringer Gastwirt Florian Mirhenn zu einem Rechtsstreit mit einem der größten Bierhersteller Deutschlands.

Mirhenn betreibt den Landgasthof „Zur Krone“ im kleinen Ort Molschleben im Landkreis Gotha. Als er die Gaststätte im Jahr 2013 übernimmt, wagt er damit den Schritt in die Selbstständigkeit. In der Gaststube wird bereits Bier der Brauerei Krombacher ausgeschenkt, und kurz vor der Wiedereröffnung kommt es zu einem Treffen zwischen Mirhenn, seinem Vorgänger und einem Vertreter der Brauerei. Dabei geht es um den Tresen der Gaststätte, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig bezahlt ist. Der Restwert liegt bei etwa 1.300 Euro.

Die Lösung scheint unkompliziert: Die Brauerei bietet dem neuen Wirt ein Darlehen für den Tresen und zusätzlich eines für eine beleuchtete Außenwerbung an. Insgesamt geht es um rund 3.000 Euro. Die Rückzahlung soll über den Bierverkauf erfolgen.

„Ich war dumm und naiv. Heute würde ich so etwas nicht mehr unterschreiben.“

Viele Jahre später erkennt Mirhenn, dass diese Vereinbarung für ihn deutlich ungünstiger ist, als er zunächst angenommen hatte. Während andere Brauereien laut seiner Aussage bessere Konditionen anbieten würden, stellt sich für ihn vor allem ein praktisches Problem: Die im Vertrag vorausgesetzten Biermengen sind in seiner kleinen Dorfgaststätte kaum zu erreichen.

Er fragt sich: „Ist das fair? Das ist die Frage, die ich mir bis heute stelle.“

Schließlich kündigt der Wirt die Zusammenarbeit und lässt den Vertrag von seinem Anwalt Stefan Rienecker prüfen. Der Jurist aus Arnstadt kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Nach seiner Berechnung hätte Mirhenn Bier im Gesamtwert von etwa 225.000 Euro verkaufen müssen, um das Darlehen für Tresen und Außenwerbung vollständig auszugleichen. Das hätte eine Bindung an die Brauerei von ungefähr 14 bis 17 Jahren bedeutet.

Der Anwalt hält diese Konstruktion für sittenwidrig. Juristisch bedeutet dieser Begriff, dass eine Vereinbarung so einseitig oder unfair ist, dass sie gegen grundlegende Vorstellungen von Gerechtigkeit und Anstand verstößt. In solchen Fällen können Gerichte Verträge für unwirksam erklären. Der Weg vor Gericht beginnt allerdings nicht durch den Wirt selbst. Stattdessen reicht die Brauerei Klage ein und verlangt rund 26.000 Euro Schadensersatz. Das Verfahren landet vor dem Landgericht Siegen.

Im Februar 2025 fällt dort eine Entscheidung zugunsten des Wirts. Die Richter sehen ein deutliches Missverhältnis zwischen dem relativ geringen Darlehensbetrag und den geforderten Absatzmengen beim Bier. Diese Vertragsgestaltung sei sittenwidrig.

In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem, der Abschluss eines derart unausgewogenen Vertrags lasse sich auf Seiten des Gastwirts nur mit „völliger geschäftlicher Naivität“ erklären und sei aus wirtschaftlicher Sicht eines ordentlichen Kaufmanns unsinnig. Gleichzeitig hielten es die Richter für ausgeschlossen, dass die Brauerei als international tätiges Unternehmen dieses Missverhältnis nicht erkannt habe.

Für Mirhenn hat das Urteil eine vergleichsweise milde Konsequenz: Er muss lediglich den verbliebenen Restwert des Tresens begleichen, der zu diesem Zeitpunkt noch etwa 600 Euro beträgt.

Die Brauerei äußert sich zu dem Verfahren nicht öffentlich und verweist lediglich darauf, dass man sich grundsätzlich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren oder vertraulichen Vertragsdetails äußere.

Ganz ungewöhnlich sind solche Finanzierungsmodelle in der Gastronomie allerdings nicht. Der Thüringer Hotel- und Gaststättenverband erklärt, dass entsprechende Vereinbarungen bereits seit den 1990er-Jahren verbreitet sind. Sie sollen sowohl Brauereien als auch Wirten Planungssicherheit geben. Verbandsvertreter Dirk Ellinger betont, dass viele dieser Verträge problemlos funktionieren. Entscheidend sei jedoch, dass Darlehenshöhe und vereinbarte Absatzmengen in einem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis stehen. Genau daran habe es in diesem Fall offenbar gefehlt.

Der Rechtsstreit ist jedoch noch nicht beendet. Die Brauerei hat gegen das Urteil Berufung beim Oberlandesgericht Hamm eingelegt. Laut Mirhenns Anwalt wird dabei sogar eine deutlich höhere Schadensersatzforderung in Aussicht gestellt. Ein zuvor angestrebter Vergleich zwischen den Parteien kam nicht zustande.

Für den Wirt steht damit viel auf dem Spiel. „Sollte ich am Ende verlieren und die Schadenshöhe wird sechsstellig, muss ich wohl den Gasthof aufgeben.“

Selbst wenn Mirhenn auch in der nächsten Instanz Recht bekommt, könnte das Verfahren noch weitergehen. In letzter Konsequenz wäre auch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs möglich.

Schon jetzt übersteigen die angefallenen Gerichtskosten den ursprünglichen Streitwert deutlich. Für den kleinen Landgasthof im thüringischen Molschleben bleibt der Konflikt damit eine existenzielle Belastung – und ein Beispiel dafür, wie ein scheinbar kleiner Vertrag große Folgen haben kann.

Manchmal beginnt eine große Geschichte mit etwas sehr Kleinem. In diesem Fall mit einem Tresen, einer beleuchteten Außenwerbung und einem Darlehen über rund 3.000 Euro. Was zunächst wie eine übliche Vereinbarung zwischen einem Gastronomen und der Brauerei wirkte, entwickelte sich für den Thüringer Gastwirt Florian Mirhenn zu einem Rechtsstreit mit einem der größten Bierhersteller Deutschlands.

Mirhenn betreibt den Landgasthof „Zur Krone“ im kleinen Ort Molschleben im Landkreis Gotha. Als er die Gaststätte im Jahr 2013 übernimmt, wagt er damit den Schritt in die Selbstständigkeit. In der Gaststube wird bereits Bier der Brauerei Krombacher ausgeschenkt, und kurz vor der Wiedereröffnung kommt es zu einem Treffen zwischen Mirhenn, seinem Vorgänger und einem Vertreter der Brauerei. Dabei geht es um den Tresen der Gaststätte, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig bezahlt ist. Der Restwert liegt bei etwa 1.300 Euro.

Die Lösung scheint unkompliziert: Die Brauerei bietet dem neuen Wirt ein Darlehen für den Tresen und zusätzlich eines für eine beleuchtete Außenwerbung an. Insgesamt geht es um rund 3.000 Euro. Die Rückzahlung soll über den Bierverkauf erfolgen.

„Ich war dumm und naiv. Heute würde ich so etwas nicht mehr unterschreiben.“

Viele Jahre später erkennt Mirhenn, dass diese Vereinbarung für ihn deutlich ungünstiger ist, als er zunächst angenommen hatte. Während andere Brauereien laut seiner Aussage bessere Konditionen anbieten würden, stellt sich für ihn vor allem ein praktisches Problem: Die im Vertrag vorausgesetzten Biermengen sind in seiner kleinen Dorfgaststätte kaum zu erreichen.

Er fragt sich: „Ist das fair? Das ist die Frage, die ich mir bis heute stelle.“

Schließlich kündigt der Wirt die Zusammenarbeit und lässt den Vertrag von seinem Anwalt Stefan Rienecker prüfen. Der Jurist aus Arnstadt kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Nach seiner Berechnung hätte Mirhenn Bier im Gesamtwert von etwa 225.000 Euro verkaufen müssen, um das Darlehen für Tresen und Außenwerbung vollständig auszugleichen. Das hätte eine Bindung an die Brauerei von ungefähr 14 bis 17 Jahren bedeutet.

Der Anwalt hält diese Konstruktion für sittenwidrig. Juristisch bedeutet dieser Begriff, dass eine Vereinbarung so einseitig oder unfair ist, dass sie gegen grundlegende Vorstellungen von Gerechtigkeit und Anstand verstößt. In solchen Fällen können Gerichte Verträge für unwirksam erklären. Der Weg vor Gericht beginnt allerdings nicht durch den Wirt selbst. Stattdessen reicht die Brauerei Klage ein und verlangt rund 26.000 Euro Schadensersatz. Das Verfahren landet vor dem Landgericht Siegen.

Im Februar 2025 fällt dort eine Entscheidung zugunsten des Wirts. Die Richter sehen ein deutliches Missverhältnis zwischen dem relativ geringen Darlehensbetrag und den geforderten Absatzmengen beim Bier. Diese Vertragsgestaltung sei sittenwidrig.

In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem, der Abschluss eines derart unausgewogenen Vertrags lasse sich auf Seiten des Gastwirts nur mit „völliger geschäftlicher Naivität“ erklären und sei aus wirtschaftlicher Sicht eines ordentlichen Kaufmanns unsinnig. Gleichzeitig hielten es die Richter für ausgeschlossen, dass die Brauerei als international tätiges Unternehmen dieses Missverhältnis nicht erkannt habe.

Für Mirhenn hat das Urteil eine vergleichsweise milde Konsequenz: Er muss lediglich den verbliebenen Restwert des Tresens begleichen, der zu diesem Zeitpunkt noch etwa 600 Euro beträgt.

Die Brauerei äußert sich zu dem Verfahren nicht öffentlich und verweist lediglich darauf, dass man sich grundsätzlich nicht zu laufenden Gerichtsverfahren oder vertraulichen Vertragsdetails äußere.

Ganz ungewöhnlich sind solche Finanzierungsmodelle in der Gastronomie allerdings nicht. Der Thüringer Hotel- und Gaststättenverband erklärt, dass entsprechende Vereinbarungen bereits seit den 1990er-Jahren verbreitet sind. Sie sollen sowohl Brauereien als auch Wirten Planungssicherheit geben. Verbandsvertreter Dirk Ellinger betont, dass viele dieser Verträge problemlos funktionieren. Entscheidend sei jedoch, dass Darlehenshöhe und vereinbarte Absatzmengen in einem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis stehen. Genau daran habe es in diesem Fall offenbar gefehlt.

Der Rechtsstreit ist jedoch noch nicht beendet. Die Brauerei hat gegen das Urteil Berufung beim Oberlandesgericht Hamm eingelegt. Laut Mirhenns Anwalt wird dabei sogar eine deutlich höhere Schadensersatzforderung in Aussicht gestellt. Ein zuvor angestrebter Vergleich zwischen den Parteien kam nicht zustande.

Für den Wirt steht damit viel auf dem Spiel. „Sollte ich am Ende verlieren und die Schadenshöhe wird sechsstellig, muss ich wohl den Gasthof aufgeben.“

Selbst wenn Mirhenn auch in der nächsten Instanz Recht bekommt, könnte das Verfahren noch weitergehen. In letzter Konsequenz wäre auch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs möglich.

Schon jetzt übersteigen die angefallenen Gerichtskosten den ursprünglichen Streitwert deutlich. Für den kleinen Landgasthof im thüringischen Molschleben bleibt der Konflikt damit eine existenzielle Belastung – und ein Beispiel dafür, wie ein scheinbar kleiner Vertrag große Folgen haben kann.

Quelle: Tagesschau

Bruch – Festbock

Die Brauerei Bruch aus Saarbrücken gehört zu den traditionsreichsten Privatbrauereien im Saarland. Neben ihren klassischen Sorten tauchen im Jahresverlauf immer wieder saisonale Spezialitäten auf – darunter auch der Festbock, ein kräftiger Vertreter der deutschen Bockbierfamilie, der vor allem in der kälteren Jahreszeit seine Stärken ausspielt.

Im Glas zeigt sich der Festbock in einem leicht hefetrüben, dunklen Bernstein bis hin zu einem warmen Kupferton. Die Schaumkrone wirkt feinporig, stabil und elfenbeinfarben. Insgesamt macht das Bier optisch genau das, was ein Bockbier tun sollte: Es wirkt kräftig, einladend und ein wenig festlich.

In der Nase dominieren zunächst malzige Aromen. Karamell, etwas Honig und eine leichte Brotkruste steigen in die Nase. Dahinter zeigen sich dezente Röstnoten, die an dunkle Schokolade erinnern und eine feine nussige Komponente. Ganz leicht schwingt auch eine fruchtige Note mit, die dem Duft zusätzliche Tiefe verleiht.

Der Antrunk beginnt weich und vollmundig. Eine angenehm verhaltene Malzsüße und eine sehr feinperlige Kohlensäure sorgen dafür, dass das Bier nicht schwer wirkt. Schnell entwickeln sich Aromen von Karamell, Toffee und Toast. Im Mittelteil gewinnt das Bier an Struktur: Eine dezente Hopfenbittere sorgt für Balance und verhindert, dass der Festbock zu süß wirkt. Die 6,8 Volumenprozent Alkohol sind gut eingearbeitet und unterstützen die anderen Aromen, ohne dass der Alkohol in den Vordergrund tritt. Das Mundgefühl ist rund und cremig. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere legt etwas zu. Der Geschmack klingt noch lange nach.

Der Festbock der Brauerei Bruch passt gut in die kalte Jahreszeit mit ihren Genüssen von Nürnberger Lebkuchen oder Wildgerichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,8 % Vol.

Stammwürze:

16,0° Plato

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Privatbrauerei Saar GmbH
Saarbrücker Str. 14
66538 Neunkirchen/Saar
www.bruchbier.de

Italien modernisiert sein Biergesetz: Ende einer Verordnung aus dem Jahr 1970

Italien gönnt seinem Bierrecht eine Frischzellenkur. Nach über fünf Jahrzehnten soll eine Vorschrift aus dem Jahr 1970 endlich in den wohlverdienten Ruhestand geschickt werden. Der italienische Senat hat im Rahmen des sogenannten KMU-Gesetzes eine Änderung verabschiedet, die den Weg für moderne Regeln zur Bierherstellung frei macht.

Konkret bedeutet das: Innerhalb von 180 Tagen nach Veröffentlichung im Amtsblatt muss ein interministerielles Dekret neue analytische Merkmale und aktualisierte Qualitätsanforderungen für verschiedene Biersorten festlegen. Zuständig sind gleich mehrere Ministerien – darunter das Landwirtschaftsministerium, das Wirtschaftsministerium sowie das Gesundheitsministerium. Sobald das Dekret in Kraft tritt, wird das bisherige Präsidialdekret 1498 aus dem Jahr 1970 offiziell ersetzt.

Für viele in der Branche kommt diese Reform längst überfällig. Vor allem kleinere unabhängige Brauereien litten bislang unter einer Regelung, die aus einer Zeit stammt, als Craftbier eher nach Science-Fiction klang als nach Getränkekarte.

Der Verband Unionbirrai, der die Interessen kleiner italienischer Brauereien vertritt, spricht deshalb von einem historischen Schritt. Generaldirektor Vittorio Ferraris betont, dass nun endlich der Weg für eine Gesetzgebung frei sei, die mit der Entwicklung der Produktion, europäischen Standards und der steigenden Qualität italienischer Biere Schritt halten könne.

Auch politisch hatte die Reform einige Stationen zu durchlaufen. Maßgeblich vorangetrieben wurde die Änderung von Senator Luca De Carlo, dem Vorsitzenden der Landwirtschaftskommission im Senat. Nach der Zustimmung in beiden Parlamentskammern ist die Grundlage nun geschaffen.

Ganz erledigt ist die Arbeit damit allerdings noch nicht. In den kommenden sechs Monaten müssen die konkreten technischen Details ausgearbeitet werden. Unionbirrai hat bereits angekündigt, sich aktiv an den Gesprächen zu beteiligen und ihr Fachwissen einzubringen.

Die Branche hofft nun auf Tempo. Denn wenn alles nach Plan läuft, könnte Italien schon bald ein Biergesetz bekommen, das besser zur modernen Braulandschaft passt – und damit zu einem Land, das längst nicht mehr nur für Wein und Espresso bekannt ist, sondern zunehmend auch für spannende Biere.

Broeder Jacob – Winterklokje

Die Brouwerij Broeder Jacob ist eine kleine belgische Familienbrauerei aus der Provinz Limburg. Gegründet wurde sie von den Brüdern Raf und Kristof Geuens, die sich bewusst der traditionellen belgischen Braukunst verschrieben haben. In ihrer Brauerei entstehen charaktervolle Spezialbiere, die in vielen Fällen in der Flasche ein zweites mal gären und dadurch eine besonders lebendige Aromatik entwickeln. Trotz moderner Technik bleibt das Brauen hier ein Handwerk, bei dem Zeit, Erfahrung und hochwertige Zutaten eine entscheidende Rolle spielen. Jetzt steht vor mir das Winterklokje (deutsch: Winterglocke), das wie der Name schon sagt, nur in der kalten Jahreszeit gebraut und verkauft wird.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Winterklokje im Glas. Die Schaumkrone baut sich cremig und stabil auf und ist haselnussbraun. Insgesamt wirkt das Bier optisch sehr einladend – genau so, wie ich es von einem belgischen Winterbier erwarte.

In der Nase präsentiert sich das Winterklokje angenehm komplex. Süßliche Malznoten erinnern an Karamell. Dazu gesellen sich Aromen, die an dunkle Schokolad, Expresso und Lakritz erinnern. Abgerundet wird der Duft durch fruchtige Hefearomen, die an Orangen und reife Birnen erinnern. Im Hintergrund tauchen feine Gewürznoten auf – ein Hauch von Nelke, etwas Zimt und eine leichte Pfeffrigkeit, die typisch für viele belgische Biere ist.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße aus, wobei die reichliche Karbonisierung für die angenehme Frische sorgt. Auf der Zunge wird das Bier trockener und es entfaltet sich ein malzbetontes Geschmacksbild mit Karamell, Honig und einer recht kräftigen Toastnote, die mich durchaus an Verbranntes denken lässt. Schnell folgen die fruchtigen Hefearomen, die dem Bier eine lebendige Tiefe verleihen. Eine dezente Gewürznote sorgt im Mittelteil für zusätzliche Wärme, während eine sanfte Hopfenbittere das Bier angenehm ausbalanciert. Dabei ist das Mundgefühl überraschend schlank und der Alkohol ist gut eingearbeitet. In der Kehle wirkt das Bier weich, leicht würzig und es bleibt mit einer feinen, eleganten Bittere noch lange am Gaumen präsent.

Insgesamt zeigt sich das Winterklokje als klassisches belgisches Winterbier: aromatisch, wärmend und wunderbar ausgewogen. Ein Bier, das besonders an kalten Abenden seine ganze Stärke entfaltet – und dabei beweist, dass belgische Braukunst auch im Winter ausgesprochen gemütlich sein kann.

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 10° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Broeder Jacob
Beninksstraat 28
3111 Wezemaal
Belgien
www.broederjacob.com/