Hopfenanbau in Deutschland wird Kulturerbe: Das „grüne Gold“ offiziell gewürdigt

Bild: Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V., 85283 Wolnzach

Wenn es um Hopfen geht, spielt Deutschland ganz vorne mit – genauer gesagt: ganz oben. Mit rund 35 Prozent Weltmarktanteil ist die Bundesrepublik der größte Hopfenproduzent der Welt. In Regionen wie der Hallertau, Tettnang, Spalt, Elbe-Saale und Bitburg gehört der Hopfen nicht nur zur Landschaft, sondern zum Leben selbst.

Umso größer war die Freude, als am 24. März 2026 eine Nachricht aus München eintraf: Der bayerische Ministerrat hat beschlossen, den „Hopfenanbau in Deutschland“ in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufzunehmen. Eine Entscheidung, die zeigt, dass Hopfen längst mehr ist als nur eine Zutat im Bier.

Angestoßen wurde dieser Schritt bereits im Herbst 2025. Der Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V. erarbeitete gemeinsam mit dem Deutschen Hopfenmuseum und dem Bayerischen Brauerbund einen Antrag, der die besondere kulturelle Bedeutung des Hopfenanbaus hervorhebt. Unterstützt wurde dieser schließlich durch ein unabhängiges Expertengremium, das sich klar für die Aufnahme aussprach.

Doch was macht den Hopfenanbau eigentlich so besonders? Es ist vor allem das Wissen, das dahintersteckt. Hopfen wächst nicht einfach so – er wird angebaut, gepflegt, geerntet und verarbeitet. Jede Phase erfordert Erfahrung, Fingerspitzengefühl und ein tiefes Verständnis für die Pflanze. Dieses Wissen wird über Generationen weitergegeben und ständig weiterentwickelt.

Dabei geht es längst nicht nur um Landwirtschaft oder Wirtschaft. Der Hopfen prägt den Alltag der Menschen, die mit ihm arbeiten. Er beeinflusst ihre Entscheidungen, ihren Jahresrhythmus und oft auch ihre Identität. Hopfenbau ist kein Job, sondern ein Lebensgefühl.

Genau das war auch entscheidend für die Anerkennung als Kulturerbe. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Geschichte, sondern vor allem die Gegenwart: Wie wird heute gearbeitet? Wie wird Wissen vermittelt? Und wie wird sichergestellt, dass auch zukünftige Generationen diese Tradition fortführen können?

Der Hopfenanbau in Deutschland vereint wirtschaftliche Bedeutung, wissenschaftliche Innovation und kulturelle Identität. Er ist lebendige Tradition – nicht konserviert, sondern in Bewegung.

Mit der Aufnahme in das Bayerische Landesverzeichnis wird genau das nun offiziell anerkannt. Oder anders gesagt: Das „grüne Gold“ bekommt den kulturellen Stellenwert, den es schon lange verdient hat.

Hedonis – Go with the Snow

Die Brouwerij Hedonis ist ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn Leidenschaft auf Neugier trifft. Gegründet 2015 von zwei bierbegeisterten Tüftlern, entwickelte sich das Projekt schnell von ersten Experimenten zu einer ernstzunehmenden Craft-Brauerei. Seit 2022 wird im eigenen Sudhaus in den flämischen Ardennen gebraut – mit Respekt vor der Tradition, aber immer mit dem Blick nach vorne. Der Name ist hier Programm: Hedonis steht für Genuss, Freude und Biere mit Charakter.

Kommen wir zum Bier: „Go with the Snow“ – schon der Name klingt nach Winter, Kaminfeuer und der festen Absicht, heute nicht mehr vor die Tür zu gehen. Im Glas zeigt sich das Bier in einem warmen, leicht trüben Bernstein. Darüber liegt eine cremige, feinporige Schaumkrone, die stabil im Glas bleibt und Lust auf den ersten Schluck macht.

Das Aroma ist ein echter Winterspaziergang für die Nase: Karamell und Waldhonig, dazu eine dezente Hefenote, die dem Ganzen Tiefe verleiht. Abgerundet wird das Aroma durch würzige Noten, die an Pfeffer erinnern. Alles wirkt rund, einladend und wunderbar abgestimmt.

Der Antrunk ist weich und geschmeidig, fast schon wärmend. Eine feine Malzsüße, die an Karamell und Honig erinnert, eröffnet das Geschmacksspiel, begleitet von fruchtigen Noten, die sich auch am Gaumen fortsetzen. Die reichlich dosierte feinperlige Kohlensäure ist angenehm eingebunden und unterstützt die Trinkbarkeit. Die Süße bleibt auch am Gaumen erhalten, jetzt begleitet durch eine überraschend kräftige Bittere. Obwohl der Alkohol jetzt durchschmeckt und etwas auf der Zunge brennt, ist das Mundgefühl samtig und schwer. Die Aromen sind präsent, aber nicht aufdringlich. In der Kehle klingt die Bittere kurz nach, während im Mund der Geschmack nach Waldhonig präsent bleibt.

Das Go with the Snow ist ein stimmungsvolles Winterbier mit viel Charakter, das Wärme ins Glas bringt. Perfekt für kalte Abende – oder für alle, die sich einfach ein kleines bisschen Wintergefühl einschenken möchten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Honig, Kandiszucker

Alkoholgehalt:

10,1 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brouwerij Hedonis
Lepelstraat 20
9660 Michelbeke
Belgien
www.hedonis.be

Hallertau entdecken: Zwischen Hopfengärten, Bierkultur und bayerischer Idylle

Foto: obx-news/Tourismusverband Ostbayern/Stolz

Schon die alten Ägypter wussten offenbar: Mit Hopfen schmeckt Bier einfach besser. Seitdem ist die Pflanze aus dem Brauprozess nicht mehr wegzudenken – und wenn es um besonders hochwertigen Hopfen geht, führt kein Weg an der Hallertau vorbei. Das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt liegt in Bayern und liefert das berühmte „grüne Gold“, das in über 100 Länder exportiert wird. Kurz gesagt: Ein großer Teil dessen, was weltweit gut schmeckt, hat hier seine Wurzeln.

Doch die Hallertau kann mehr, als nur Bier veredeln. Sie ist längst auch ein Paradies für alle, die Natur, Bewegung und Genuss miteinander verbinden möchten. Zwischen Regensburg, Ingolstadt und München erstrecken sich auf rund 17.000 Hektar beeindruckende Hopfengärten. Im Sommer wachsen hier bis zu sieben Meter hohe Pflanzen in den Himmel und verwandeln die Landschaft in ein grünes Meer, das man so schnell nicht vergisst.

Wenn die Ernte beginnt, wird es geschäftig: Rund 1.000 Hopfenbetriebe holen jährlich etwa 40.000 Tonnen Hopfen ein – eine Zahl, die nicht nur beeindruckt, sondern auch zeigt, welche Bedeutung diese Region für die weltweite Bierkultur hat.

Doch anstatt nur darüber zu lesen, können Sie die Hallertau auch ganz direkt erleben. Besonders beliebt ist die rund 170 Kilometer lange Hallertauer Hopfentour. Diese führt entlang der Flusstäler von Abens und Ilm, durch Hopfengärten, kleine Dörfer und vorbei an traditionellen Gasthäusern, die förmlich nach einer zünftigen Einkehr rufen. Dank mehrerer Querverbindungen lässt sich die Strecke flexibel anpassen – egal, ob Sie gemütlich unterwegs sind oder sportliche Ambitionen haben. Alle Details zur Route finden Sie hier:
https://www.tourismus-landkreis-kelheim.de/Media/Touren/Hallertauer-Hopfentour

Wer es etwas kompakter mag, sollte sich den Erlebnispfad Hopfen und Bier nicht entgehen lassen. Auf etwa 15 Kilometern wandern Sie von Mainburg aus durch das Herz der Hallertau. Entlang des Weges vermitteln 17 Informationstafeln spannendes Wissen rund um Hopfen und Bier. Die Route führt durch das idyllische Abenstal, vorbei an Hopfengärten und durch schattige Waldabschnitte bis nach Ratzenhofen. Dort wartet zur Belohnung ein Biergarten unter Kastanienbäumen – genau der richtige Ort, um das Erlebte direkt im Glas zu überprüfen. Mehr Informationen gibt es hier:
https://www.rauszeit.bayern/de/tour/themenweg/erlebnispfad-hopfen-bier/18988460

Und falls nach der Einkehr die Motivation für den Rückweg etwas nachlässt, wurde auch daran gedacht: Im Sommer bringt ein Freizeitbus müde Wanderer bequem zurück.

Die Hallertau ist also weit mehr als nur ein Lieferant für hervorragenden Hopfen. Sie ist eine Region, in der Bierkultur, Natur und bayerische Lebensart aufeinandertreffen. Oder anders gesagt: Hier schmeckt das Bier nicht nur gut – hier sieht es auch noch verdammt gut aus.

Kraftpaule – Neckator

Der Neckator ist ein dunkler Weizenbock von Kraftpaule in Stuttgart. Da Kraftpaule keine eigene Brauerei hat, wurde das Bier bei Camba in Seeon gebraut. Zwei wirklich gute Namen, die beide für hervorragende Qualität bürgen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Kupferfarben präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine elfenbeinfarbene feste Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Ein Bier wie gemalt.

Das Aroma geht gleich in die Vollen: Düfte nach dunkler Schokolade und Karamell, nach Banane und Rosinen steigen mir in die Nase. Dazu diese typische, leicht würzige Nelke, die man von einem guten dunklen Weizen erwartet. Alles wirkt rund und einladend, ohne dabei aufdringlich zu werden.

Der Antrunk ist weich und vollmundig, fast schon samtig, mit einer zurückhaltenden Malzsüße und einer sehr feinperligen Kohlensäure. Dabei wird die Süße durch leichte brotige und leicht röstige Aromen begleitet. Am Gaumen entwickeln sich die fruchtigen Noten weiter, aber auch die Röstaromen mit dem Schokoladengeschmack kommen deutlich zum Tragen.  Für einen dunklen Weizenbock wirkt das Bier überraschend frisch, denn der Alkohol, immerhin 8,1 Volumenprozent, ist sehr gut eingearbeitet. – Banane, ein wenig Dörrobst – während im Hintergrund eine angenehme Würze mitschwingt. Trotz seiner Kraft bleibt der Neckator erstaunlich ausgewogen. In der Kehle ist das Bier stiltypisch mild, aber die Röstaromen klingen trotzdem überraschend lange nach.

Fazit: Ein dunkler Weizenbock, wie er sein soll – kräftig, aromatisch und gleichzeitig sehr gut trinkbar. Perfekt für kühle Abende oder wenn Sie sich einfach mal ein bisschen flüssigen Komfort gönnen möchten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,1 % Vol.

Stammwürze:

18,1° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Farbe:

20 EBC

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

für

Kraftpaule GmbH
Neckarstraße 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

Karlsberg startet die Braunachttour 2026

Die Braunacht ist zurück – und bringt 2026 wieder ordentlich Bewegung ins Glas. Mit der Braunachttour schickt Karlsberg nicht nur frisches Bier, sondern gleich ein ganzes Eventkonzept durch die Region. Auftakt ist am 25. April in Homburg – und wer schon einmal dabei war, weiß: Das wird kein stiller Abend.

Los geht’s klassisch, wie es sich für ein anständiges Bierfest gehört – mit einem Fassanstich um 16 Uhr auf dem Historischen Marktplatz. Danach heißt es: Zapfhähne auf, Musik an und bitte nicht wundern, wenn sich die Stadt plötzlich wie ein einziges großes Wirtshaus anfühlt. Livemusik sorgt für Festivalstimmung, während sich die ersten Gläser füllen und die Braunacht langsam Fahrt aufnimmt.

Richtig spannend wird es beim Bier selbst. Für diesen Abend hat Karlsberg gleich drei exklusive Sorten eingebraut, die es so nur hier gibt. Ein fruchtiges Kirschbier, das dunkle und kräftige Nachtschicht sowie ein naturbelassenes Zwickel. Drei unterschiedliche Charaktere, die alle dasselbe Ziel haben: Sie sollen Ihnen möglichst gut schmecken. Und im Idealfall so gut, dass Sie direkt abstimmen.

Denn die Gäste entscheiden, welches Bier gewinnt. Das Lieblingsbier der Braunacht bekommt nicht nur Ruhm und Ehre, sondern sogar die Chance, ins reguläre Sortiment aufgenommen zu werden. Man könnte also sagen: Hier wird nicht nur getrunken, sondern auch bierpolitisch mitentschieden.

Während auf dem Marktplatz gegen 20 Uhr die Musik langsam ausklingt, geht der Abend erst richtig los. Dann verlagert sich das Geschehen in die Gastronomie der Stadt. Ob Cash, Stehschoppe, Old Dublin, Marktgässje oder Kaya’s – überall fließen die exklusiven Biere, und jede Location bringt ihren eigenen Charakter mit. Besonders beeindruckend wird es in der Alten Schlosserei. Zwischen historischen Mauern wartet hier mit 20 Zapfhähnen die wohl größte Biertheke der Region. Wer sich da nicht durchprobiert, ist selbst schuld.

Und weil ein Abend einfach nicht reicht, geht die Braunacht direkt auf Tour. Nach Homburg folgen Saarlouis, Merzig, St. Ingbert, Kaiserslautern und schließlich St. Wendel. Sechs Städte, sechs Abende und immer die gleiche Frage: Welches Bier macht heute das Rennen?

Unterm Strich zeigt die Braunacht, wie viel Spaß Bier machen kann, wenn man es nicht nur trinkt, sondern auch feiert. Mit Musik, neuen Ideen und der angenehmen Erkenntnis, dass man manchmal einfach nur ein Glas in die Hand nehmen und den Abend genießen muss.

Der Wettbewerb der World Gluten Free Beer Awards 2026 ist im Gange

Glutenfrei, aber bitte mit Geschmack – genau darum dreht sich auch 2026 wieder alles bei den World Gluten Free Beer Awards. Der internationale Wettbewerb ist längst mehr als nur eine Nische für Spezialbiere. Er zeigt eindrucksvoll, wie sich ein ehemals belächeltes Segment zu einem ernstzunehmenden Teil der Craftbier-Welt entwickelt hat.

Hinter dem Ganzen steht Unionbirrai, der italienische Verband unabhängiger Craft-Brauereien, der den Wettbewerb als Teil seiner „Bier des Jahres“-Reihe organisiert. Seit der Gründung im Jahr 2013 durch Bierjournalist Alfonso Del Forno hat sich der Wettbewerb zum festen Bezugspunkt für glutenfreie Biere entwickelt. Und das nicht, weil man hier nett zueinander ist – sondern weil streng bewertet wird. Blindverkostungen, internationale Jury, Punktesystem bis 100. Hier wird nichts verschenkt.

Die diesjährige Ausgabe verspricht besonders spannend zu werden. Laut Del Forno ist der Wettbewerb inzwischen ein strategischer Treffpunkt für Brauereien, die sich in einem stark wachsenden Markt positionieren wollen. Und dieser Markt wächst tatsächlich ordentlich. In Italien allein gibt es rund 270.000 diagnostizierte Zöliakiepatienten. Dazu kommt eine noch größere Gruppe von Menschen, die freiwillig auf glutenfreie Produkte setzt – etwa 18 Prozent der Bevölkerung. Da kommt schon ein ordentlicher Durst zusammen.

Das Entscheidende dabei: Glutenfrei bedeutet längst nicht mehr „geschmacklich eingeschränkt“. Im Gegenteil. Craft-Brauereien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass sich auch ohne Gluten eine beeindruckende Bandbreite an Stilen und Aromen umsetzen lässt. Von klassischen Lagerbieren über hopfenbetonte Varianten bis hin zu dunklen oder sogar experimentellen Spezialbieren – die Vielfalt ist da, und sie wächst weiter.

Auch Unionbirrai sieht genau darin die große Stärke der Szene. Generalsekretärin Simone Monetti betont, dass viele Brauereien früh erkannt haben, welches Potenzial in diesem Bereich steckt. Entsprechend viel Energie wurde investiert, um glutenfreie Biere auf ein Niveau zu bringen, das sich nicht verstecken muss. Und der Wettbewerb sorgt dafür, dass genau diese Qualität sichtbar wird.

Insgesamt treten die Biere in acht Kategorien gegeneinander an. Bewertet wird technisch und präzise, die besten drei jeder Kategorie werden ausgezeichnet. Dazu kommen Sonderpreise – etwa für das Bier, das am besten zu einer Margherita-Pizza passt. Eine Disziplin, die man ruhig öfter wissenschaftlich untersuchen dürfte.

Das Finale findet am 1. Juni 2026 in Rimini statt, im Rahmen von RiminiWellness. Wer selbst teilnehmen möchte, kann seine Biere noch bis zum 17. Mai anmelden, die Proben müssen kurz darauf eingereicht werden. Alle Details gibt es auf der offiziellen Website des Wettbewerbs.

Unterm Strich zeigt sich: Glutenfreies Bier ist längst kein Kompromiss mehr, sondern ein spannendes Spielfeld für Kreativität und Qualität. Und wer sich noch nicht daran gewagt hat, sollte vielleicht genau jetzt damit anfangen – rein aus wissenschaftlichem Interesse natürlich.

Huyghe – Blanche des Neiges

Jetzt steht vor mir ein Bier aus der Brasserie Huyghe, ein Winterbier namens Branche des Neiges. Dabei handelt es sich um ein typisches belgisches Weißbier mit einem Alkoholgehalt von 4,9 Volumenprozent. Im Gegensatz zu einem Witbier hat die Brauerei hier auf die Verwendung von Koriander und Salz verzichtet. Das ist ungewöhnlich, aber da ich mit den Bieren dieser Brauerei in der Vergangenheit durchgängig gute Erfahrungen gemacht habe, gehe ich davon aus, dass die Brauer auch hier wussten, was sie taten. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Im Glas zeigt sich das Blanche des Neiges in einem hellen, weizengelben Ton mit deutlicher Hefetrübung. Eine feinporige, schneeweiße Schaumkrone setzt sich darüber und bleibt angenehm stabil – genau so, wie man es von einem Weißbier aus Belgien erwarte.

In der Nase entfaltet sich ein frisches und lebendiges Aromenspiel. Zitrusnoten stehen klar im Vordergrund, begleitet von Banane und einer feinen Würze, die an Koriander erinnert. Dahinter schwingen leichte florale Nuancen und ein Hauch von Getreide mit, der dem Duft eine angenehme Tiefe verleiht.

Der Antrunk ist spritzig und erfrischend. Eine lebendige, feinperlige Kohlensäure trägt die Aromen sofort über den Gaumen. Zunächst zeigt sich eine milde, leicht süßliche Malznote, die schnell von fruchtigen Zitrusaromen abgelöst wird. Orange und Zitrone dominieren dabei, unterstützt von einer dezenten, würzigen Note. Im Vergleich zu einem Witbier ist der Geschmack ungewöhnlich kräftig. Trotzdem wirkt das Bier im weiteren Verlauf angenehm leicht und ausgewogen. Eine feine Säure sorgt für zusätzliche Frische und macht das Bier besonders trinkfreudig. Das Mundgefühl ist weich und zugleich lebendig, mit einem schlanken Körper, der perfekt zur erfrischenden Gesamtcharakteristik passt. In der Kehle zeigt sich das Blanche des Neiges trocken und sauber, mit einem leicht würzigen Nachklang und einer zarten Zitrusnote, die noch kurz am Gaumen verweilt.

Insgesamt ist das Blanche des Neiges ein klassisches, sehr gut ausbalanciertes Weißbier, das mit Frische, Würze und hoher Drinkability überzeugt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafer, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Bittereinheiten:

12 IBU

Farbe:

5 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

Brouwerij L. Huyghe
Brusselstw. 282
9090 Melle
Belgien
www.brouwerijhuyghe.be

Bier mit Trauben bleibt Bier

In Italien hat sich in den letzten Jahren eine spannende Entwicklung innerhalb der Craft-Beer-Szene etabliert: Biere, die mit Zutaten aus der Weinwelt gebraut werden. Ob frische Trauben, Traubenmost oder sogar Trester – die Verbindung von Brau- und Weinkultur ist längst mehr als ein Experiment. Doch genau diese Kreativität sorgte bisher auch für rechtliche Unsicherheiten.

Nun gibt es endlich Klarheit. Die italienische Behörde ICQRF (Zentrale Inspektion für Qualitätsschutz und Betrugsbekämpfung von Agrar- und Lebensmittelprodukten) hat offiziell bestätigt, dass Biere mit Zutaten aus der Weinwelt weiterhin als Bier vermarktet werden dürfen. Voraussetzung ist allerdings eine klare Kennzeichnung.

Konkret bedeutet das: Werden bei der Herstellung beispielsweise Trauben oder Traubenmost verwendet, muss dies auch in der Verkaufsbezeichnung auftauchen. Begriffe wie „Traubenbier“ oder „Bier mit Traubenmost“ sind verpflichtend, damit Verbraucher transparent informiert werden.

Rechtliche Grundlage ist ein Gesetz aus dem Jahr 1962, das bei der Verwendung zusätzlicher Zutaten verlangt, dass diese im Namen des Produkts genannt werden. Die aktuelle Klarstellung sorgt nun dafür, dass dieses Gesetz einheitlich ausgelegt wird.

Für viele italienische Craft-Brauereien ist das eine große Erleichterung. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Streitfällen, Beschlagnahmungen und Sanktionen – oft aufgrund unterschiedlicher Interpretationen der Vorschriften. Besonders betroffen waren Produzenten von sogenannten Italian Grape Ales, einem Stil, der Bier und Wein auf innovative Weise kombiniert.

Der Branchenverband Unionbirrai hatte daher eine offizielle Stellungnahme eingefordert. Mit Erfolg: Die Antwort der Behörde schafft nun Rechtssicherheit und bestätigt, dass die Verwendung von Traubenbestandteilen grundsätzlich erlaubt ist – solange die Kennzeichnung korrekt und transparent erfolgt.

Diese Entscheidung ist ein wichtiger Schritt für die italienische Brauszene. Gerade die Verbindung von Bier- und Weintradition gilt als eine der spannendsten Entwicklungen der letzten Jahre. Italian Grape Ales haben sich inzwischen international einen Namen gemacht und stehen für kreative, regional geprägte Braukunst.

Mit der neuen Klarstellung können Brauereien in Italien nun weiter experimentieren – ohne rechtliche Grauzonen, dafür mit klaren Regeln. Und für Bierliebhaber bedeutet das vor allem eines: noch mehr Vielfalt im Glas.

Wildwuchs – Fastmoker

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus dem Wildwuchs Brauwerk in Hamburg vor mir. Die Brauerei bewirbt das Bier als fruchtig-herbes Pils. Da bin mal gespannt, was die Brauer da zustande gebracht haben. Der Name Fastmoker stammt im Übrigen aus dem Hamburger Hafen und benennt die Männer und ihre offenen kleinen Arbeitsschiffe, die die großen Schiffe vertäuten, eine der gefährlichsten Arbeiten im Hafen-

Golden und opalisierend fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine feste schneeweiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Die Optik des Fastmoker ist also schon mal sehr ansprechend.

Das Bier duftet nach hellem Malz, abgerundet durch fruchtige und kräuterartige Aromen. Schon in der Nase merke ich, dass es sich bezahlt macht, dass der Hopfen aus Tettnang erst nach der Hauptgärung verwendet wurde.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie durch eine feinperlige und doch kräftige Kohlensäure aus. Schnell gesellt sich eine angenehme Fruchtigkeit, die mich an Äpfel erinnert, zur Süße und auch die kräuterartigen Aromen kommen zum Tragen. Das Mundgefühl ist weich, während die Bittere im Mund nur zurückhaltend zum Tragen kommt. Erst in der Kehle kommt die Bittere in den Vordergrund, wo sie zusammen mit einer fruchtigen Säure sehr lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Tettnanger), Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

38 IBU

Farbe:

 8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° Celsius

Brauerei:

Wildwuchs Brauwerk Hamburg KG
Jaffestraße 8
21109 Hamburg
www.wildwuchs-brauwerk.de

Rheinbahn-Streik trifft ProWein: Messe organisiert eigenen Busverkehr

Wer am Dienstag, 17. März 2026, zur ProWein nach Düsseldorf reisen möchte, sollte etwas mehr Zeit für die Anfahrt einplanen. Grund dafür ist ein ganztägiger Streik der Rheinbahn, der den öffentlichen Nahverkehr in Düsseldorf erheblich einschränken wird.

Der Arbeitskampf beginnt am Dienstag um 3.00 Uhr morgens und soll volle 24 Stunden dauern. Während dieser Zeit werden weder U-Bahnen noch Straßenbahnen fahren. Auch der Busverkehr wird stark reduziert sein, sodass nur wenige Linien im Stadtgebiet unterwegs sein werden.

Bereits am Montag, 16. März, ist ebenfalls ein Streik angekündigt. Dieser betrifft jedoch ausschließlich interne Bereiche der Rheinbahn und hat keine Auswirkungen auf den regulären Fahrbetrieb. Für Besucher der Messe und Pendler bleibt der Nahverkehr an diesem Tag also normal nutzbar.

Anders sieht es am Dienstag aus. Gerade für Besucher der internationalen Wein- und Spirituosenmesse ProWein, die in Düsseldorf stattfindet, stellt der Streik eine Herausforderung dar. Da der letzte Messetag genau auf den Streiktermin fällt, rechnet die Messe mit einem erhöhten Bedarf an alternativen Transportmöglichkeiten.

Um die Situation zu entschärfen, hat die Messe Düsseldorf reagiert und einen Sonderverkehr eingerichtet. Insgesamt 30 zusätzliche Busse sollen auf vier Linien eingesetzt werden, um Besucher trotz des Streiks möglichst zuverlässig zum Messegelände zu bringen.

Ganz ohne Einschränkungen wird die Anreise dennoch nicht verlaufen. Selbst die wenigen regulär fahrenden Buslinien dürften am Streiktag stark ausgelastet sein. Nach aktuellem Stand gehört dazu auch die Linie 722, die unter anderem den Eingang Süd der Messe bedient. Es ist allerdings davon auszugehen, dass diese Verbindung besonders stark frequentiert sein wird.

Besucher der ProWein sollten daher im Idealfall frühzeitig ihre Anreise planen und sich über die aktuellen Verkehrsinformationen informieren. Die Rheinbahn stellt eine Übersicht der weiterhin fahrenden Buslinien auf ihren Informationsseiten zur Verfügung.

Trotz des Streiks will die Messe Düsseldorf sicherstellen, dass Aussteller und Besucher den letzten Messetag möglichst reibungslos erreichen können. Mit dem zusätzlichen Busangebot soll zumindest ein Teil der entstehenden Verkehrslücken geschlossen werden.

Für Messegäste gilt dennoch: Geduld einplanen, Alternativen prüfen und im Zweifel etwas früher aufbrechen. Denn am Streiktag dürfte Düsseldorf verkehrstechnisch eine kleine Herausforderung werden.