Hildesheimer Braumanufaktur – Double Sage

Die Hildesheimer Braumanufaktur ist zwar nur eine kleine Brauerei, aber mit dem Alten Wasserwerk steht Jan und Malte ein riesiges Grundstück zur Verfügung. Und auf den Grünflächen wachsen neben herrlich süßen Brombeeren auch viele Kräuter, die die beiden ab und an in Sondersuden mit verbrauen. Jetzt steht vor mir das Double Sage, wie der Name bereits aussagt, ein Bier mit Salbei. So weit, so (fast) normal. Außergewöhnlich ist aber, dass in diesem Fall ein Stout als Basisbier verwendet wurde. So bin ich jetzt gespannt, wie sich der Salbei im Bier macht.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist hellbraun und fällt recht flott in sich zusammen. Aber das war ja zu erwarten.

Komplexe Aromen steigen mir in die Nase. Der Salbei steht im Vordergrund, lässt aber noch ausreichend Raum für Röstaromen, die an Kaffee und dunkle Schokolade erinnern.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und überzeugt durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Am Gaumen spiegeln sich die Aromen wider, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Dass der Salbei mit den Röstaromen so gut harmonisiert, hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Säure kann ich nicht feststellen und auch die Bittere ist nur zurückhaltend vorhanden. Erst in der Kehle kommt sie überraschend kräftig zum Tragen und zusammen mit dem Geschmack des Salbeis klingt der Geschmack sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haferflocken, Hopfen, Salbei, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Poppels kämpft vor Gericht gegen Werbeeinschränkungen

Die sogenannte Image-Regel hat dazu geführt, dass Poppels Brauerei in Schwierigkeiten geraten ist. Nun hat das Patent- und Marktgericht die Geldstrafe halbiert, mit der die Schwedische Verbraucherschutzbehörde der Brauerei gedroht hat, nachdem sie Bilder von Bier zusammen mit Lebensmitteln veröffentlicht hatte. Doch mit Unterstützung der schwedischen Brauereien geht die Angelegenheit nun vor das Patent- und Marktberufungsgericht.

In einem Aufsichtsfall im Frühjahr 2022 äußerte sich die Schwedische Verbraucherschutzbehörde zu mehreren Poppels Beiträgen in den sozialen Medien, die Bier zusammen mit anderen Lebensmitteln, Holzfässern, einer Person in einem Industriegebäude, auf einem Stein und neben Kochmaterialien zeigten. Die schwedische Verbraucherschutzbehörde betrachtete die Kombinationen nicht als moderat und stellte fest, dass sie gegen die sogenannte Bildregel verstießen. Der Verbraucherombudsmann (KO) drohte mit einer Geldstrafe von einer Million Kronen und einem Verbot fortgesetzter, ähnlicher Kommunikation.

Die Frage wurde nun vom Patent- und Marktgericht geprüft, und am Donnerstag erging das Urteil, das die Geldstrafe auf eine halbe Million Kronen halbierte.

„Essen in Kombination mit Getränken zu zeigen ist sowohl verantwortungsvoll als auch relevant. Das Getränk wird als Teil einer Mahlzeit und als Kontext hervorgehoben, was positiv – nicht negativ – für die öffentliche Gesundheit ist“, sagt Mats Wahlström, CEO von Poppels Bryggeri. Außerdem kritisiert er, dass schwedische Produzenten anders behandelt werden als ausländische Produzenten.

„Heute ist Marketing hauptsächlich digital und international. Als schwedische Brauerei müssen wir nach schwedischem Recht kommunizieren, auch wenn wir ins Ausland zielen. Die Auslegung der Schwedischen Verbraucherschutzbehörde würde bedeuten, dass Wettbewerber aus anderen EU-Ländern einen großen Wettbewerbsvorteil hätten, weil sie die schwedischen Regeln nicht einhalten müssen, während wir in Wirklichkeit Exportbarrieren unterliegen würden. Wir wären sowohl im In- als auch im Ausland benachteiligt“, sagt Mats Wahlström.

Mit Unterstützung des Schwedischen Brauereiverbandes verfolgt die Poppels Bryggeri die Angelegenheit nun weiter vor dem Patent- und Marktberufungsgericht.

„Poppels kämpft für alle schwedischen Brauereien, wenn sie die Einschätzung der Schwedischen Verbraucherschutzbehörde infrage stellen. Deshalb haben wir vom Schwedischen Brauereiverein gemeinsam mit unserem Vorstand beschlossen, Poppels vollständig zu unterstützen. Die Auslegung der Behörde stellt eine Bedrohung für die schwedische Brauindustrie dar, die in der Praxis nicht auf die gleiche Weise über ihre Marken sprechen dürfte wie über ihre ausländischen Konkurrenten“, sagt Anna-Karin Fondberg, Geschäftsführerin der Swedish Breweries.

Es ist höchste Zeit, dass die Bildregel, die besagt, dass Alkoholwerbung nur das Produkt oder die Rohmaterialien, die Teil des Produkts sind, individuelle Verpackungen und Marken zeigen darf, überprüft wird. Dies ist auch die Meinung des Alkoholinspektors Mattias Grundström.

„Wenn du mich fragst, ist die Bildregel unverständlich. „Es ist eine Erfindung der 70er Jahre, die man möglicherweise verstehen kann, wenn man sie im Kontext der 70er Jahre einordnet, als Schweden drei große Monopole hatte und weder Radio- noch Fernsehwerbung, grenzüberschreitenden Handel oder EU-Mitgliedschaft“, sagt er und fährt fort: „Als die Regeln kamen, galt es als wichtig, mit den gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt zu halten, und wir leben heute in einer anderen Zeit und Welt. Schweden ist keine isolierte Insel mehr, sondern Teil der EU und nutzt dasselbe Internet. Es gibt auch keine Logik, Alkohol nicht verantwortungsvoll als Mahlzeitengetränk kommunizieren zu dürfen, zumal es der öffentlichen Gesundheit zugutekommt, während man Alkohol konsumiert. Deshalb gibt es Lebensmittelanforderungen für Servierlizenzen. Die Alternative ist, Alkohol als berauschendes Getränk zu kommunizieren, denn wenn alles andere im Bild verschwindet, bleibt nur noch der Alkohol übrig. Man muss zwischen Bildern unterscheiden, die Alkoholkonsum romantisieren, und solchen, die vermitteln, dass ein bestimmtes Gericht für ein bestimmtes alkoholisches Getränk geeignet ist, wie ein leichtes Bier, ein Stout oder ein IPA.

Circus – Winter Ale

Wer eine Brauerei „Circus Brouwerij“ nennt, verpflichtet sich natürlich zu einem gewissen Unterhaltungsprogramm. Hinter dem Namen stecken tatsächlich zwei ehemalige Zirkusartisten aus Belgien, die irgendwann beschlossen haben, dass Applaus zwar schön ist, aber ein volles Glas deutlich nachhaltiger wirkt. Also gründeten sie eine Brauerei – und machen seitdem Biere mit mehr Charakteren als eine Kleinkunstbühne an einem Freitagabend.

Die Etiketten lesen sich entsprechend wie ein Programmheft, und jedes Bier bekommt seine eigene Rolle. Beim Winter Ale betritt ein Lebkuchenmännchen die Manege. Sie wissen also schon vor dem ersten Schluck: Hier wird nicht nur gebraut, hier wird inszeniert.

Im Glas zeigt sich das Circus Winter Ale mahagonifarben mit üppiger elfenbeinfarbener Schaumkrone und einladend.

In der Nase treten sofort Lebkuchengewürze auf den Plan – Weihnachten ohne Einkaufsstress. Dazu kommen Aromen nach Nelken, Karamell, Vanille, Zimt, und etwas Banane, dazu aus dem Hintergrund noch ein Hauch Melasse.

Der Antrunk ist weich und vollmundig. Er zeichnet sich durch seine angenehme Malzsüße sowie die sehr feinperlige Kohlensäure aus. Das Circus Winter Ale ist kein Hauruck-Winterbier. Am Gaumen dominieren die Röstaromen, unterstützt durch die Gewürze, die eindeutig denen des Spekulatius aus den Niederlanden entsprechen. Die Bittere ist stil- und herkunftstypisch gering und das Mundgefühl ist weich. Auch in der Kehle ist das Bier mild, die 10 Volumenprozent Alkohol wärmen im Magen und in der Kehle klingt der Geschmack überraschend lange nach.

Das ist kein Durstlöscher, sondern ein Begleiter. Eines dieser Biere, bei denen man automatisch langsamer trinkt und plötzlich anfängt, über das Leben nachzudenken – oder zumindest darüber, ob noch Plätzchen da sind. Und das Schönste: Das Circus Winter Ale ist flüssiger Advent, ganz ohne Last Christmas im Radio.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker, Hefe, Gewürze, Frühstückskuchen

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

28 EBC

Brauerei:

Circus Brouwerij
Transfostraat 28
8550 Zwevegen
Belgien
https://www.circusbrouwerij.be

Österreichs Braubilanz 2025: Brauerei-Branche im Wandel

Die europäische Bierwelt entdeckt gerade eine Wahrheit wieder, die Stammtische schon lange kennen: Gute Laune trinkt mehr als schlechte. Oder, wie es der österreichische Branchenvertreter Karl Schwarz formuliert: Zuversicht ist der Konsummotor schlechthin. 2025 lief dieser Motor allerdings eher im Sparmodus.

In Österreich – einem Land, in dem Bier traditionell nicht als Getränk, sondern als Kulturgut gilt – sank der Gesamtausstoß auf 9,25 Millionen Hektoliter. Das sind gut sieben Prozent weniger als im Jahr davor. Produziert wurden im Inland 7,88 Millionen Hektoliter, exportiert 1,37 Millionen. Besonders deutlich: Der Export brach stärker ein als der heimische Absatz. Allerdings nicht unbedingt, weil plötzlich niemand mehr österreichisches Bier trinken möchte, sondern weil große Konzerne Produktion innerhalb ihrer internationalen Strukturen verschoben haben.

Kurz gesagt: Das Bier verschwindet nicht – es wird nur woanders gebraut.

Der eigentliche Grund liegt tiefer. Weniger Menschen, andere Gewohnheiten, vorsichtigeres Geldausgeben und eine allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit sorgen dafür, dass Konsum insgesamt sinkt. Und Bier ist nun einmal Teil des Konsums. Europaweit betrifft das nicht nur Brauereien, sondern praktisch alle Getränkehersteller.

Der Zenit ist überschritten – aber nicht die Kultur

Die Branche sieht darin keine Krise, sondern eine neue Normalität. Bierausstoß und Pro-Kopf-Konsum sind weiterhin hoch, nur Wachstum in Litern erwartet niemand mehr. Das klingt dramatisch, bedeutet aber vor allem: Die Zeit des „immer mehr“ ist vorbei, die Zeit des „bewusster“ hat begonnen.

Das zeigt sich besonders deutlich beim Ausgehen. Über die Hälfte der Menschen geht seltener in die Gastronomie als früher. Gründe sind nicht nur Geld, sondern auch Zeit und veränderte Prioritäten. Zwei Drittel verzichten gelegentlich aufs Fortgehen, obwohl sie eigentlich Lust hätten.

Das ist für Brauereien schmerzhaft, denn Fassbier ist traditionell die wirtschaftlich attraktivste Kategorie. 2025 wurden umgerechnet zwölf Millionen Krügerl weniger gezapft. Gleichzeitig verschwinden Wirtshäuser – mehrere hundert in den letzten Jahren. Für eine Bierkultur ist das ungefähr so gesund wie Regen im Sudkessel.

Und doch zeigt eine Studie etwas sehr Typisches: Wenn Menschen ausgehen, geht es ihnen besser. Neun von zehn berichten von gesteigertem Wohlbefinden. Drei Viertel würden rückblickend lieber schöne Erinnerungen sammeln als Geld sparen.

Mit anderen Worten: Alle wissen, dass ein Abend im Wirtshaus guttut – sie machen es nur seltener.

Alkoholfrei wächst – aber ersetzt nichts

Während klassische Biere verlieren, wächst eine Kategorie zuverlässig: alkoholfreies Bier. Rund 300.000 Hektoliter wurden 2025 für den heimischen Markt produziert, etwa 60 Millionen Glas Bier ohne Alkohol. Der Anteil liegt zwar erst bei etwa vier Prozent, steigt aber konstant.

Das Interessante daran: Alkoholfreies Bier ersetzt kein normales Bier. Es ergänzt es. Menschen trinken nicht weniger, sie trinken anders – situationsabhängig, bewusster, flexibler. Besonders im Januar oder am Jahresende legten die Absätze deutlich zu.

Oder anders formuliert: Früher gab es Bier oder kein Bier. Heute gibt es Bier und Bier.

Der große Einbruch der Dose

Die drastischste Veränderung kam nicht aus dem Geschmack, sondern aus der Politik: das Einwegpfand. Die Folge war spektakulär – rund 100 Millionen Bierdosen weniger wurden produziert, ein Rückgang um 23 Prozent. Pro Tag wurden 274.000 Dosen weniger gefüllt.

Interessant ist dabei, dass diese Menge fast exakt dem gesamten Produktionsminus entspricht. Die Nachfrage nach Bier ist also nicht einfach verschwunden, sondern hat sich verschoben. Mehrwegflaschen legten leicht zu, besonders die klassische 0,5-Liter-Flasche und kleine Mehrweggebinde.

Die Branche rechnet damit, dass sich die Dose langfristig wieder stabilisiert. Sie hat schlicht zu viele praktische Vorteile bei Veranstaltungen oder unterwegs, um dauerhaft zu verschwinden.

Mehrweg statt Mehr – Nachhaltigkeit wird Alltag

Bier bleibt außerdem das nachhaltigste Getränk im Regal. Der Mehrweganteil stieg auf 72 Prozent. Besonders beliebt: die klassische Halbliterflasche, deren Anteil deutlich wuchs. Auch die kleine 0,33-Liter-Mehrwegflasche legte kräftig zu.

Für Außenstehende klingt das unspektakulär, für Brauereien ist es eine kleine Revolution. Die Verpackung entscheidet zunehmend über Marktanteile – nicht der Alkoholgehalt.

Gleichzeitig stiegen die heimischen Erntemengen bei Hopfen und Braugerste. Dadurch wächst die Eigenversorgung, während die Gesamtproduktion sinkt. Ein paradoxer Effekt: weniger Bier, aber regionaler.

Der Klassiker bleibt König

Trotz aller Trends bleibt eines konstant: Das Märzen dominiert weiterhin klar. Rund 70 Prozent der Produktion entfallen auf den klassischen Lagerstil. Spezialbiere spielen eine Rolle, alkoholfreie wachsen – aber am Ende bestellt die Mehrheit immer noch das, was sie seit Jahren bestellt.

Die Zukunft: weniger Menge, mehr Bedeutung

Die Branche setzt jetzt weniger auf Wachstum in Litern als auf Bedeutung im Alltag. Kampagnen sollen Menschen wieder ins Wirtshaus bringen, Tourismus hilft dabei – mit 157 Millionen Übernachtungen 2025 so stark wie nie.

Denn am Ende hängt die Bierproduktion nicht nur an Durst, sondern an Begegnung. Bier ist kein Einzelkonsumgut, sondern ein soziales Getränk. Wenn Menschen sich treffen, steigt der Absatz. Wenn sie zuhause bleiben, sinkt er.

Die Braubilanz 2025 zeigt daher weniger eine Krise als eine Verschiebung: weg vom Massenkonsum, hin zum Anlass. Weniger Gewohnheit, mehr Entscheidung.

Oder einfacher gesagt: Früher trank man Bier, weil es da war. Heute trinkt man es, weil man es will.

Herr Schmidt – Helles

Jetzt steht mal wieder ein Helles vor mir, genauer gesagt das Helle von Herr Schmidt aus Osnabrück. Ehrlich gesagt bin ich kein großer Freund dieses Bierstils, der meist doch recht einheitlich daherkommt, um nicht zu sagen langweilig, und bei dem jeder Bier- oder Braufehler deutlich hervorsticht. Außerdem gibt es von diesem Bierstil nur wenige Beispiele für eine originelle und trotzdem stiltreue Interpretation. Mal sehen, wie die Jungs aus Osnabrück sich schlagen.

In hellem Goldgelb mit leichter Hefetrübung fließt das Bier ins Glas. Die schneeweiße Schaumkrone löst sich leider recht schnell auf. Und schon bin ich am Zweifeln. Nach den Stilrichtlinien des Beer Judge Certification Program soll ein Helles kristallklar sein. Daher ist eine Hefetrübung auf jeden Fall ein Stilbruch. Auf der anderen Seite gefällt mir die Vollmundigkeit, die die Hefe ins Bier bringt. Von daher wird mir das Bier schon wieder sympathisch. Die Entscheidung, was richtiger ist, überlasse ich Ihnen, dem Leser dieser Zeilen.

Das Aroma ist stiltypisch malzbetont nach Weißbrot und frisch gemahlenem Getreide, dazu etwas Honig und aus dem Hintergrund kommen noch einige würzige Noten zum Vorschein.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine stiltypische Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auch auf der Zunge bleibt die Süße erhalten, wobei sich die frisch dazugekommene Bittere sehr diskret verbirgt. Das Mundgefühl ist eher schlank. Offensichtlich ist das Bier auf Süffigkeit getrimmt. Erst in der Kehle kommt die freundliche Bittere etwas mehr zum Tragen. Trotzdem klingt der Geschmack einige Zeit nach.

Ein modernes, unkompliziertes Helles zwischen Tradition und Craft. Ein angenehmes Bier zum Feierabend oder im Biergarten, aber für den Genuss würde ich ein anderes Bier wählen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % V

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Herr Schmidt Braugesellschaft mbH
Hannoversche Str. 17a
49084 Osnabrück
www.herr-schmidt-bier.de

Der Untergang der großen Biergötter?

Es gibt Momente, in denen man das Gefühl bekommt, die klassischen Industriebrauereien erleben gerade ihre eigene Götterdämmerung. Während früher riesige Braukonzerne den Markt nach Belieben formten, stolpern heute selbst die größten Namen über schrumpfende Absätze, missglückte Produkte und sehr teure Strategien.

In den USA trifft es gerade fast alle: Anheuser-Busch InBev verkauft mühsam aufgebaute Markenstrukturen, Molson Coors baut Stellen ab und schließt Traditionsbrauereien, Pabst kämpft mit einem misslungenen Light-Bier, und andere Konzerne versuchen verzweifelt, ihre Zielgruppen wiederzufinden. Kurz gesagt: Die Zeit, in der ein bekanntes Logo automatisch volle Einkaufswagen bedeutete, ist vorbei.

Und mittendrin steht Heineken.

Der niederländische Brauriese veröffentlichte seine Geschäftszahlen für 2025 – global sind sie gar nicht so katastrophal. Weltweit sank das Absatzvolumen nur leicht, während Umsatz und Erlös pro Hektoliter sogar etwas stiegen. Man könnte also sagen: international läuft es noch halbwegs rund.

In den USA gingen dagegen Umsatz und Absatz deutlich zurück, im Handel um rund acht bis neun Prozent. Besonders bitter: Selbst das klassische Heineken-Lager verlor spürbar an Bedeutung. Für eine Marke, die jahrzehntelang praktisch das Synonym für „importiertes Premiumbier“ war, ist das ein ernstes Warnsignal.

Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten: Heineken will weltweit etwa 5.000 bis 6.000 Stellen streichen. Offiziell heißt das Produktivitätsprogramm. Inoffiziell heißt das: Sparmodus.

Heineken hatte in den USA schon immer eine besondere Rolle. Als einziger großer europäischer Player in den Top Fünf lebte man lange davon, „das internationale Bier“ zu sein. Jahrzehntelang überließ man den Markenaufbau sogar einem Importeur in New York, bevor man in den 1990ern selbst aktiv wurde.

Die ersten eigenen Ideen waren allerdings recht mutig. Neue Varianten, ungewöhnliche Flaschenformate und Experimente, die niemand wirklich wollte. Später lief es besser. Vor allem der Kauf der mexikanischen Marken Dos Equis, Tecate und Sol brachte frischen Wind. Die legendäre Werbung rund um den „interessantesten Mann der Welt“ machte Dos Equis zeitweise zu einem echten Hit.

Nur leider hielt man zu lange daran fest. Als die Kampagne schließlich endete, verschwand auch ein großer Teil der kulturellen Strahlkraft. Heute kämpfen die Marken eher mit rückläufigen Verkäufen.

Das Kernproblem ist simpel: Heineken muss genug Menschen beim klassischen Heineken halten, während neue Produkte die Verluste ausgleichen sollen. Genau das klappt bislang nur teilweise.

Alkoholfrei funktioniert überraschend gut. Heineken 0.0 verkauft sich stabil und ist in seinem Segment sogar führend – allerdings ist der alkoholfreie Markt in den USA im Vergleich zum Gesamtbiermarkt noch recht klein.

Andere Versuche wirken weniger überzeugend. Heineken Silver sollte eine Art Antwort auf leichte Fitness-Biere sein, kam in den USA aber kaum in Fahrt. Viele Biertrinker haben die schlanke Dose vermutlich noch nie bewusst gesehen. Gleichzeitig verändert sich die Konsumlandschaft: weniger Bier insgesamt, mehr Vielfalt, stärkere Konkurrenz durch andere Getränke.

Für Heineken bedeutet das: Die Marke bleibt wichtig, aber ihre frühere Selbstverständlichkeit existiert nicht mehr. Früher bestellte man in den USA „ein Heineken“, wenn man etwas Internationales wollte. Heute stehen daneben zehn andere Optionen – und einige davon sind regional, alkoholfrei oder gar kein Bier.

Oder anders gesagt: Früher musste Heineken nur präsent sein, um verkauft zu werden. Heute muss es wieder interessant werden. Und das ist deutlich schwieriger, als einfach ein neues Etikett zu drucken.

De Dochter van de Korenaar – Charbon Smoked Vanilla stout

Manchmal gibt es Biere, die man trinkt. Und manchmal gibt es Biere, die eher so wirken, als hätte jemand einen gemütlichen Winterabend in flüssige Form gebracht. Das Charbon Smoked Vanilla Stout gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Die belgische Brauerei ist bekannt dafür, gerne mit Fassreifungen, kräftigen Malzkörpern und feinen Spielereien zu arbeiten, ohne dabei in reine Süßwarenabteilung abzurutschen. Genau das verspricht auch dieses Stout: Rauch, Röstmalz und Vanille stehen auf dem Etikett – eine Kombination, die schnell nach Grillmarinade oder Weihnachtsbäckerei klingen kann. Ich hoffe, hier passiert etwas mit mehr Eleganz.

Im Glas präsentiert sich das Bier blickdicht schwarz mit einer cremigen, haselnussbraunem Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Hier haben die Brauer zumindest optisch mal wieder ein Meisterstück abgeliefert.

Das Bier duftet nach Kaffee und dunkler Schokolade. Aus dem Hintergrund kommt ein feines Raucharoma, das aber nicht so kräftig ist, dass es an einen Räucherschinken erinnert. Die Vanille hält sich diskret im Hintergrund und ich kann sie erst entdecken, nachdem ich mehrfach an dem Bier gerochen habe. Dabei müsste sich die Vanille eigentlich nicht verstecken – schließlich kommt sie aus Madagaskar und Réunion, also den Anbaugebieten, die für ihre besonders aromatische Vanille bekannt sind.

Der Antrunk zeichnet sich durch seine stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Karbonisierung aus. Trotz der Süße wirkt das Bier aber nie dessertartig, da die verschiedenen Aromen sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Seine Komplexität beweist das Bier aber erst am Gaumen. Zur Süße kommen die Aromen nach dunkler Schokolade und Lakritz. Auch die Raucharomen kommen jetzt stärker zum Tragen als ich es in der Nase erwartet habe. Dazu kommt jetzt auch die Vanille zum Vorschein, wenn auch etwas schüchtern, denn sie kommt nicht recht aus dem Hintergrund hervor, kann aber die Kanten der anderen Aromen glätten. Für ein Stout ist auch die Bittere überraschend kräftig. Das Mundgefühl ist rund und cremig. In der Kehle legt die Bittere noch etwas zu, während das Bier überraschend trocken wird, und zusammen mit dem Lakritzaroma klingt der Geschmack sehr lange nach.

Ich weiß nicht mehr, von wem ich den folgenden Spruch habe, aber er passt auf das Charbon sehr gut: Wenn Guinness ein dunkler Pub-Abend ist, dann ist Charbon der gleiche Abend – nur draußen am Feuer mit einem Stück Käse und jemand erzählt plötzlich interessante Geschichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz (über Eiche geräuchert) Roggenmalz, Hopfen, Vanille, Hefe

Alkoholgehalt:

7 % Vol.

Bittereinheiten:

46 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Das Siegerbier beim Hobbybrauerwettbewerb von Störtebeker ist ein Alt

Manchmal braucht es keine Revolution. Manchmal reicht ein Altbier.

Und genau hier wird die Geschichte interessant: Die Störtebeker Braumanufaktur – sonst eher für norddeutsche Interpretation klassischer Stile bekannt – bringt plötzlich ein Alt auf den Markt. Also ein Bierstil, der im Rheinland ungefähr so heilig ist wie Karneval, Kölschstangen und Diskussionen darüber, welches Alt das einzig wahre ist. Kurz: Mutig.

Noch mutiger wird es, wenn das Rezept nicht aus Düsseldorf stammt, sondern von einem Hobbybrauer aus Seevetal.

Hinter dem Bier steckt Jan Mordhorst, amtierender Deutscher Meister der Hobbybrauer 2025. Sein Rezept setzte sich gegen rund 200 andere Einsendungen durch. Wer schon einmal versucht hat, ein Altbier zu brauen, weiß: Das ist kein Stil, bei dem man einfach Hopfen reinwirft und hofft, dass Instagram es schon feiern wird. Alt verzeiht nichts. Es verlangt Balance. Malzkörper, Bittere, Drinkability – alles muss sitzen.

Und offenbar saß es.

Das Siegerrezept wurde anschließend nicht nur beklatscht, sondern tatsächlich im großen Maßstab eingebraut. Ein Traum für jeden Hobbybrauer: Vom Einkocher im Keller direkt in die Produktionsanlage. Als Sahnehäubchen bekam Mordhorst auch noch 40 Kisten seines eigenen Bieres geliefert – genug, um entweder sehr viele Freunde zu gewinnen oder endlich ehrlich herauszufinden, wer wirklich einer ist.

Was steckt im Glas?
Ein klassisches Altbier lebt vom Zusammenspiel aus Röst- und Nussnoten, dezenter Fruchtigkeit und einer trockenen Bittere. Genau dort setzt dieses Siegerbier an: nussiger Malzkörper, fein abgestimmte Bittere, hohe Trinkfreude. Also ein Bier, das nicht schreit, sondern überzeugt.

Spannend wird es beim Malz: Neben den klassischen Rohstoffen kommt Tritordeum-Malz von Boortmalt zum Einsatz. Klingt wie ein Pokémon, ist aber eine relativ neue Getreidezüchtung. Sie bringt eine leichte Süße und intensivere Aromen ins Bier – gewissermaßen die feine Nuance, die den Unterschied macht zwischen „gut“ und „noch ein Glas“.

Altbier, aber norddeutsch gedacht
Dass ein Alt nicht zwingend aus Düsseldorf kommen muss, ist für Rheinländer vermutlich eine steile These. Aber genau das macht den Reiz aus. Hier wird kein Stil parodiert oder modernisiert bis er Mango enthält, sondern respektvoll interpretiert. Ein bisschen wie ein guter Cover-Song: Man erkennt das Original sofort – aber es hat eine eigene Handschrift.

Erhältlich ist das Bier aktuell in ausgewählten Märkten in Nordrhein-Westfalen sowie im Online-Shop der Brauerei. Die offizielle Vorstellung findet am 13. März in der Online-Verkostung „Störtebeker LIVE Abenteuerreise“ statt, bei der der Meister persönlich mitprobiert. Was eine angenehme Abwechslung zu sonstigen Preisverleihungen sein dürfte: Hier darf der Gewinner sein Werk trinken.

Die Meisterschaft geht weiter
Die Deutsche Meisterschaft der Hobbybrauer fand 2025 bereits zum neunten Mal statt – ebenfalls im Brauquartier in Stralsund. Auch 2026 wird dort wieder gebraut, bewertet und gezittert: Am 5. September dürfen Hobbybrauer erneut um den Titel kämpfen. Anmeldung ab 13. März – also genug Zeit, um den eigenen Sud noch einmal kritisch anzuschauen und festzustellen, dass man vielleicht doch noch ein zweites Rezept braucht.

Fazit
Dieses Altbier ist weniger eine Sensation als eine schöne Erinnerung: Gute Bierideen kommen nicht nur aus Marketingabteilungen, sondern oft aus Garagen, Kellern und Küchen. Und manchmal schafft es ein Rezept genau von dort bis ins Regal.

Und falls Sie sich fragen, ob man als Hobbybrauer wirklich Profi-Bier brauen kann: Ja.
Man braucht nur Talent, Geduld, 200 Konkurrenten – und anschließend Stauraum für 40 Kisten.

Orca Brau – Mata Hari

Kurz gesagt: Mata Hari ist kein historisches Buch und auch kein Spionage-Podcast, sondern ein ziemlich charakterstarkes Bier aus der Berliner Kreativbrauerei Orca Brau. Und der Name ist ziemlich passend gewählt – geheimnisvoll, exotisch und ein bisschen unberechenbar.

Was für ein Bier ist Mata Hari? Es gehört zu den ausgefalleneren Suden der Brauerei. Stilistisch bewegt es sich vermutlich im Bereich moderner Sauer- bzw. Fruchtbiere mit deutlicher Aromaspielerei – typisch für die experimentelle Handschrift der Craft-Szene. Ob meine Erwartung erfüllt wird, will ich jetzt prüfen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

In einem sehr schönen Rotgold und opalisierend fließt das Bier ins Glas. Leider löst sich der Schaum schnell auf, was die Optik doch arg trübt.

Das Bier duftet angenehm nach Karamell und Trockenfrüchten, die an Pflaumen und Feigen erinnern. Mir fällt auf, dass das Aroma für nur 5,2 Volumenprozent Alkohol sehr intensiv ist.

Der Antrunk überrascht mich, da ich bei dem intensiven Aroma eigentlich mehr Süße erwartet hätte. Aber so kommt mir das Bier noch mehr entgegen. Die sehr feinperlige Kohlensäure ist gut dosiert. Am Gaumen steht die Fruchtigkeit im Vordergrund; außerdem stellt sich eine zur Süße passend dosierte Bittere ein. Das Mundgefühl ist samtig. In der Kehle dominiert eine freundliche Bittere und obwohl sie nicht sonderlich kräftig ist, klingt sie lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

52 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Ein Bierpreis wie vor 125 Jahren

Zeitreisen sind kompliziert. Normalerweise braucht man dafür Physiker, Formeln oder zumindest eine Telefonzelle mit Spezialausstattung. In Graz reicht dagegen ein Krügerl Bier.

Das traditionsreiche Gösser Bräu wurde 1902 eröffnet, damals noch unter dem Namen „Stadt Restaurant Göss“. Zu dieser Zeit kostete ein Bier rund 30 Heller – eine Summe, bei der heutige Bierpreise kurz nervös werden. Zum 125-jährigen Jubiläum hat Wirt Robert Grossauer beschlossen, die Inflation einfach höflich zu ignorieren und den historischen Preis wieder einzuführen. Während der Jubiläumswoche klingelt täglich um 19:02 Uhr die Gösser-Glocke. Ab diesem Moment gilt für 30 Minuten der Bierpreis von damals: umgerechnet 1,50 Euro für ein Krügerl, auf Wunsch sogar alkoholfrei. Wer noch Kronen oder Heller zuhause herumliegen hat, darf sie tatsächlich mitbringen. Alle anderen zahlen ganz gewöhnlich in Euro und tun einfach so, als hätten sie gerade Kaiser Franz Joseph gegrüßt.

Doch nicht nur beim Bier wird die Zeit zurückgedreht. Auch die Speisekarte verhält sich plötzlich wie ein gut gelaunter Historiker. Bratwurst mit Semmel für 3,50 Euro, Krautfleckerl für 6,90 Euro, Gulasch mit Knödel für 8,90 Euro – Preise, bei denen man automatisch nach versteckten Sternchen sucht. Die gibt es aber nicht, nur ehrliche Portionen.

Seit 2005 führt die Familie Grossauer das Haus und hat es über die Jahre renoviert, modernisiert und dennoch den Charakter eines klassischen Wirtshauses bewahrt. Genau dieser Spagat macht den Reiz aus: frische Küche, aber ohne kulinarische Artistik; Tradition, aber ohne Museumsstaub. Der Erdäpfelsalat wird weiterhin nach altem Rezept gemacht, das Rindsgulasch bleibt ein Dauerbrenner und selbst vegane Krautfleckerl haben ihren festen Platz – vermutlich ein Konzept, das man 1902 noch nicht ganz so geplant hatte.

Das Gösser Bräu war schon immer ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen. Sogar TV-Koch Johann Lafer hat hier einst gelernt, wie Gastronomie funktioniert – vermutlich auch, dass ein gutes Wirtshaus weniger mit Trends als mit Verlässlichkeit zu tun hat.

Und genau das zeigt dieses Jubiläum ziemlich schön: Geschichte wird hier nicht ausgestellt, sondern ausgeschenkt. Man sitzt zusammen, trinkt, isst und wundert sich kurz, warum sich alles plötzlich erstaunlich erschwinglich anfühlt. Für einen Moment ist es eben doch möglich, ein Bier zu bestellen wie im Jahr 1902 – nur ohne Pferdekutsche vor der Tür.