Bier und Essen gehören zusammen – warum sieht das schwedische Gesetz das anders?

Ich habe bereits in einem Artikel auf das Verfahren hingewiesen, das der schwedische Staat aktuell gegen die Brauerei Poppels führt. Jetzt hat auch die European Beer Consumers Union (EBCU) einen Kommentar dazu veröffentlicht, den ich hier übersetzt aber ansonsten unverändert wiedergebe:

Im Februar 2026 entschied das schwedische Patent- und Marktberufungsgericht gegen Poppels Bryggeri in einem Verfahren, das von der schwedischen Verbraucherbehörde (Konsumentverket) angestrengt worden war. Die Brauerei hatte 2022 Instagram-Beiträge veröffentlicht, die Bier zusammen mit Essen zeigten. Keine Menschen, keine Partystimmung, kein Aufruf zum Kauf. Nur Bier und Essen – die Kombination, die beschreibt, wie die meisten Europäer tatsächlich trinken.

Das Gericht stellte fest, dass dies gegen die Bildregel im schwedischen Alkoholgesetz verstößt. Diese beschränkt Werbebilder auf das Getränk selbst, seine Rohstoffe, ein einzelnes Verpackungselement oder die Marke. Bemerkenswert ist, dass das Berufungsgericht sogar weiter ging als die Vorinstanz, die zumindest ein Foto eines Bieres erlaubt hatte, das auf dem Fass stand, in dem es gereift war, als legitimes Produktionsbild. Das Berufungsgericht verbot auch das. Poppels droht nun eine bedingte Geldstrafe von 500.000 schwedischen Kronen, falls die Brauerei dies fortsetzt – und selbst das Zeigen des Brauprozesses ist nicht erlaubt.

Mats Wahlström, Geschäftsführer von Poppels Bryggeri, warnte in der Stellungnahme der Brauerei zum Urteil, dass das Ergebnis genau das Gegenteil seines erklärten Zwecks bewirken könnte: „Das Urteil macht es nahezu unmöglich, über Bier als Teil einer Mahlzeit, eines Handwerks oder einer Kultur zu kommunizieren. Die Gefahr besteht darin, dass das Ergebnis genau das Gegenteil des gesundheitspolitischen Ziels ist: dass Kommunikation auf Produkt und Preis reduziert wird, ohne Verantwortung, ohne Kontext und ohne Essen. In der Praxis wird es dazu führen, dass nur noch Produktbild und Preis gezeigt werden dürfen – und damit der Konsum in Richtung reinen Alkoholkonsums billiger Produkte gedrängt wird.“

Der Widerspruch, den dies offenlegt, ist deutlich. Das schwedische Lizenzrecht verlangt von Kneipen und Restaurants ein echtes Speiseangebot, um eine Ausschankgenehmigung zu erhalten. Das staatliche Einzelhandelsmonopol Systembolaget empfiehlt im Laden ausdrücklich passende Speisen und schult sein Personal darin, Essensempfehlungen auszusprechen. Die gesamte Struktur der schwedischen Alkoholpolitik beruht auf der Annahme, dass Bier und Essen zusammengehören, weil diese Kombination mit moderaterem und verantwortungsvollerem Konsum verbunden ist. Und dennoch verbieten die Werbevorschriften desselben Staates nun einer Brauerei, genau diese Kombination zu zeigen – und sogar zu zeigen, wie das Bier hergestellt wird.

Wie Magnus Pettersson Otterberg, Marketingdirektor bei Poppels, es formulierte: „Dass Alkohol zusammen mit Essen konsumiert werden sollte, war einer der Grundpfeiler, auf denen Schweden seine Alkoholpolitik aufgebaut hat. Wir finden es schwer zu verstehen, wie man als Unternehmen das Richtige tun soll, wenn diejenigen bestraft werden, die Verantwortung übernehmen.“

Ein Gesetz aus den 1970er-Jahren angewandt auf eine Braulandschaft des Jahres 2026

Die Bildregel wurde in den 1970er-Jahren deutlich verschärft, als die Sorge über massenhafte Alkoholwerbung berechtigt war. Fernsehwerbung verband Bier und Spirituosen mit Glamour, Lifestyle und sozialem Aufstieg. In diesem Kontext war es sinnvoll, zu beschränken, was in solchen Bildern gezeigt werden durfte.

Was die Gesetzgeber dieser Zeit nicht vorhersehen konnten, war eine Craft-Bierszene mit Hunderten kleiner unabhängiger Produzenten, deren Kommunikation einem völlig anderen Zweck dient. Ein Bier neben Essen zu zeigen oder in der Produktionsumgebung, in der es hergestellt wurde, ist informativ statt manipulativ. Es ist die Art ehrlicher Produktkommunikation, von der verantwortungsvoller Konsum abhängt. Wörtlich angewendet behandelt die Bildregel einen Instagram-Post einer kleinen Brauerei genauso wie eine Super-Bowl-Werbung eines globalen Lagerbierkonzerns. Diese Verhältnismäßigkeit ist vollständig verloren gegangen.

Es gibt zudem eine Wettbewerbsdimension, die das Problem verschärft. Das schwedische Gesetz gilt für schwedische Produzenten. Eine Brauerei aus Dänemark oder Italien kann Inhalte in schwedische Social-Media-Feeds veröffentlichen, die eine schwedische Brauerei nicht zeigen darf. Dasselbe Bild erreicht denselben schwedischen Konsumenten – nur der inländische Produzent muss rechtliche Konsequenzen fürchten. Das wirft berechtigte Fragen zur Vereinbarkeit mit den Prinzipien des EU-Binnenmarktes auf. Maßnahmen, die den freien Warenverkehr einschränken, müssen im Verhältnis zu dem Schaden stehen, den sie verhindern sollen. Ob eine Regel, die Bilder von Bier mit Essen verbietet, während das staatliche Einzelhandelsmonopol aktiv Speisenempfehlungen fördert, diesen Test besteht, ist zumindest diskutabel. Poppels hat angekündigt, die Frage nötigenfalls vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen – mit möglicherweise erheblichen Folgen für vergleichbare Regelungen in anderen Mitgliedstaaten.

Was die EBCU fordert

Die EBCU fordert nicht die Abschaffung der Alkoholwerberegulierung. Beschränkungen von Lifestyle-Werbung, von an junge Menschen gerichteter Ansprache und von massenmarktgetriebenem Druck zu mehr Konsum bleiben legitim. Die Frage ist vielmehr, ob die Bildregel in ihrer derzeitigen Form und Anwendung im Verhältnis zu diesen Bedenken steht.

Wir rufen die schwedische Regierung dazu auf, die Bildregel unter dem ausdrücklichen Maßstab der Verhältnismäßigkeit zu überprüfen: verhindert sie tatsächlich schädliche Werbung, oder verhindert sie inzwischen vor allem ehrliche, produktbezogene Kommunikation, die informierte Verbraucher mit gutem Grund erhalten sollten? Die Antwort ist im Fall von Bier neben Essen klar.

Wir weisen außerdem auf diesen Fall als Teil eines breiteren Musters in Europa hin, bei dem Alkoholgesetze aus einer anderen Zeit auf kleine unabhängige Produzenten angewendet werden, ohne zu prüfen, ob sie überhaupt passen. Das Manifest der EBCU verpflichtet uns dazu, sicherzustellen, dass Bierkonsumenten gut informiert sind und durch sachliche Informationen über Qualitätsbiere unterstützt werden. Dieses Ziel erfordert regulatorische Rahmenbedingungen, die ehrliche Kommunikation ermöglichen. Die Bildregel, so wie sie im Fall Poppels angewendet wurde, tut das nicht.

De Leite – Paljas Winter Whisky Infused

Hinter dem Paljas-Bier steht die belgische Brauerei Brouwerij De Leite aus Oostkamp in der Nähe von Brügge. Sie gehört zu jener Generation moderner belgischer Brauer, die Tradition nicht als Museum verstehen, sondern als Werkzeugkasten. Gebraut wird mit natürlichen Zutaten und Flaschengärung, gleichzeitig erlaubt man sich aber kreative Spielräume. Genau daraus entsteht die Paljas-Reihe, deren Name übersetzt so viel wie Narr oder Spaßmacher bedeutet. Die Botschaft dahinter ist eindeutig: ernsthaft handwerklich gebraut, aber bitte ohne bierernste Attitüde. Klassische belgische Stile werden hier nicht kopiert, sondern freundlich angestupst. Und genau aus dieser Reihe stammt auch das Paljas Winter. Ein mit Whisky veredeltes Winter Ale mit 7,5 Volumenprozent Alkohol, das jetzt vor mir steht.

Rotbraun und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist etwas dürftig und so fällt sie auch schnell in sich zusammen.

Das Bier duftet malzbetont mit röstigen Noten und Karamell, etwas Karamell, nach Trockenfrüchten und Whisky. Ein so komplexes Aroma macht bei mir selbstverständlich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß und er überzeugt durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge kommt der Geschmack nach Rosinen und Whisky in den Vordergrund, wobei der Whisky weniger für Rauch als für wohlige Wärme sorgt – eher Ohrensessel als Lagerfeuer. Die Bittere ist sehr zurückhaltend. Mir fällt auf, dass das Bier für 7,5 Volumenprozent Alkohol einen recht schlanken Körper hat. In der Kehle wird der Geschmack des Whiskys kräftiger, so dass er die anderen Aromen überdeckt. Dafür klingt der Geschmack sehr lange nach und jetzt macht sich auch der Alkohol wärmend bemerkbar.

Ich finde dieses Bier gerade aus diesem Grund interessant: Es ist kein typisches Gewürzbier und auch kein süßes Dessert-Stout. Statt Weihnachtsgewürzen stehen Malz, belgische Gäraromen und Wärme im Mittelpunkt. Das Ergebnis ist ein Winterbier, das nicht nach Jahrmarkt schmeckt, sondern nach ruhigem Abend. Weniger Glühwein-Stimmung, mehr Kaminzimmer.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Whisky

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Bittereinheiten:

35 IBU

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brouwerij de Leite
De Leiteweg 32a
8020 Oostkamp
Belgien
www.deleite.be

SANA FOOD: Glutenfreie Craft Biere sind die Attraktion

Glutenfrei, qualitativ hochwertig und zunehmend geschätzt. Die besten glutenfreien Biere und die italienischen Craft-Brauereien, die sie herstellen, sind die Protagonisten von SANA Food, der Ausstellung, die sich der Welt gesunder Ernährung, Nachhaltigkeit und Wohlbefinden widmet, dank der Verkostungen und Werbeaktivitäten von Unionbirrai, dem Verband kleiner unabhängiger Craft-Brauereien, veranstaltet vom CIA-Gebiet Italian Farmers.

Auf der Bologna Fair werden die glutenfreien Biere von fünf Craft-Brauereien, Gewinnern der World Gluten Free Beer Awards 2025, ausgestellt und verkostet. Eine Sonderauswahl, die die Entwicklung eines Segments schildert, das heute zunehmend zentral für die italienische Brauszene ist.

„Glutenfreie Biere sind heute ein Ausdruck von Qualität, Forschung und Aufmerksamkeit für den bewussten Verbraucher – erklärt Simone Monetti, Generalsekretärin von Unionbirrai – Wer sie inzwischen kauft, tut dies nicht nur wegen Allergien oder Unverträglichkeiten, sondern auch wegen des Wunsches nach dem Wohlbefinden, das dieses Produkt garantiert. Aus diesem Grund schenkt unser Verband der Auswahl dieser kleinen Brauereien immer mehr Aufmerksamkeit, die täglich glutenfreie Biere produzieren, die nichts mit den Klassikern zu beneiden haben und die nun ein Qualitäts- und Geschmacksniveau erreicht haben, das wir als ausgezeichnet bezeichnen können.“

Die Ausgabe 2026 der World Gluten Free Beer Awards, dem internationalen Wettbewerb, der ausschließlich glutenfreien Craft-Bieren gewidmet ist, wird von SANA Food ins Leben gerufen. Ab Mitte März kann man sich auf der Website www.wgfba.com bewerben, während die Preisverleihung am 31. Mai 2026 anlässlich von RiminiWellness stattfindet.

„Die diesjährige Ausgabe verspricht besonders reich an Nachrichten zu sein und wird einen strategischen Moment für Craft-Brauereien darstellen, die sich in einem wachsenden Markt autoritativ positionieren wollen – erklärt Alfonso Del Forno, der Veranstalter des Wettbewerbs –. Glutenfreie Biere haben inzwischen ein sehr hohes Niveau erreicht und ein zunehmend breiteres und anspruchsvolles Publikum, das den Geschmack und alle Eigenschaften eines guten Craft-Biers nicht aufgeben will.“

Der Sektor wächst tatsächlich stark. Laut den neuesten offiziellen Daten des „Jahresberichts an das Parlament über Zöliakie“ des Gesundheitsministeriums wurden in Italien fast 270.000 Zöliakiepatienten diagnostiziert. Hinzu kommen die 18 % der Italiener, die laut dem von Eurspes erstellten Italien-Bericht 2025 glutenfreie Lebensmittel bevorzugen. Ein immer größerer und anspruchsvoller werdender Teil der Bevölkerung, was Vielfalt und Qualität des Geschmacks angeht.

Ein Trend, den handwerkliche Hersteller mit Weitblick abfangen konnten. „Unsere Kunsthandwerker haben einen großen Wert – schließt Monetti (Unionbirrai) – nämlich das Potenzial dieses Marktes erkannt und alle Anstrengungen darauf verwendet, glutenfreie Biere von höchster Qualität herzustellen. Ein Engagement, das von den Verbrauchern und auch von diesem wichtigen Wettbewerb belohnt wird, der jedes Jahr die besten Brauereien des Sektors sanktioniert.“

Hildesheimer Braumanufaktur – Double Sage

Die Hildesheimer Braumanufaktur ist zwar nur eine kleine Brauerei, aber mit dem Alten Wasserwerk steht Jan und Malte ein riesiges Grundstück zur Verfügung. Und auf den Grünflächen wachsen neben herrlich süßen Brombeeren auch viele Kräuter, die die beiden ab und an in Sondersuden mit verbrauen. Jetzt steht vor mir das Double Sage, wie der Name bereits aussagt, ein Bier mit Salbei. So weit, so (fast) normal. Außergewöhnlich ist aber, dass in diesem Fall ein Stout als Basisbier verwendet wurde. So bin ich jetzt gespannt, wie sich der Salbei im Bier macht.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist hellbraun und fällt recht flott in sich zusammen. Aber das war ja zu erwarten.

Komplexe Aromen steigen mir in die Nase. Der Salbei steht im Vordergrund, lässt aber noch ausreichend Raum für Röstaromen, die an Kaffee und dunkle Schokolade erinnern.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und überzeugt durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Am Gaumen spiegeln sich die Aromen wider, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Dass der Salbei mit den Röstaromen so gut harmonisiert, hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Säure kann ich nicht feststellen und auch die Bittere ist nur zurückhaltend vorhanden. Erst in der Kehle kommt sie überraschend kräftig zum Tragen und zusammen mit dem Geschmack des Salbeis klingt der Geschmack sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haferflocken, Hopfen, Salbei, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Poppels kämpft vor Gericht gegen Werbeeinschränkungen

Die sogenannte Image-Regel hat dazu geführt, dass Poppels Brauerei in Schwierigkeiten geraten ist. Nun hat das Patent- und Marktgericht die Geldstrafe halbiert, mit der die Schwedische Verbraucherschutzbehörde der Brauerei gedroht hat, nachdem sie Bilder von Bier zusammen mit Lebensmitteln veröffentlicht hatte. Doch mit Unterstützung der schwedischen Brauereien geht die Angelegenheit nun vor das Patent- und Marktberufungsgericht.

In einem Aufsichtsfall im Frühjahr 2022 äußerte sich die Schwedische Verbraucherschutzbehörde zu mehreren Poppels Beiträgen in den sozialen Medien, die Bier zusammen mit anderen Lebensmitteln, Holzfässern, einer Person in einem Industriegebäude, auf einem Stein und neben Kochmaterialien zeigten. Die schwedische Verbraucherschutzbehörde betrachtete die Kombinationen nicht als moderat und stellte fest, dass sie gegen die sogenannte Bildregel verstießen. Der Verbraucherombudsmann (KO) drohte mit einer Geldstrafe von einer Million Kronen und einem Verbot fortgesetzter, ähnlicher Kommunikation.

Die Frage wurde nun vom Patent- und Marktgericht geprüft, und am Donnerstag erging das Urteil, das die Geldstrafe auf eine halbe Million Kronen halbierte.

„Essen in Kombination mit Getränken zu zeigen ist sowohl verantwortungsvoll als auch relevant. Das Getränk wird als Teil einer Mahlzeit und als Kontext hervorgehoben, was positiv – nicht negativ – für die öffentliche Gesundheit ist“, sagt Mats Wahlström, CEO von Poppels Bryggeri. Außerdem kritisiert er, dass schwedische Produzenten anders behandelt werden als ausländische Produzenten.

„Heute ist Marketing hauptsächlich digital und international. Als schwedische Brauerei müssen wir nach schwedischem Recht kommunizieren, auch wenn wir ins Ausland zielen. Die Auslegung der Schwedischen Verbraucherschutzbehörde würde bedeuten, dass Wettbewerber aus anderen EU-Ländern einen großen Wettbewerbsvorteil hätten, weil sie die schwedischen Regeln nicht einhalten müssen, während wir in Wirklichkeit Exportbarrieren unterliegen würden. Wir wären sowohl im In- als auch im Ausland benachteiligt“, sagt Mats Wahlström.

Mit Unterstützung des Schwedischen Brauereiverbandes verfolgt die Poppels Bryggeri die Angelegenheit nun weiter vor dem Patent- und Marktberufungsgericht.

„Poppels kämpft für alle schwedischen Brauereien, wenn sie die Einschätzung der Schwedischen Verbraucherschutzbehörde infrage stellen. Deshalb haben wir vom Schwedischen Brauereiverein gemeinsam mit unserem Vorstand beschlossen, Poppels vollständig zu unterstützen. Die Auslegung der Behörde stellt eine Bedrohung für die schwedische Brauindustrie dar, die in der Praxis nicht auf die gleiche Weise über ihre Marken sprechen dürfte wie über ihre ausländischen Konkurrenten“, sagt Anna-Karin Fondberg, Geschäftsführerin der Swedish Breweries.

Es ist höchste Zeit, dass die Bildregel, die besagt, dass Alkoholwerbung nur das Produkt oder die Rohmaterialien, die Teil des Produkts sind, individuelle Verpackungen und Marken zeigen darf, überprüft wird. Dies ist auch die Meinung des Alkoholinspektors Mattias Grundström.

„Wenn du mich fragst, ist die Bildregel unverständlich. „Es ist eine Erfindung der 70er Jahre, die man möglicherweise verstehen kann, wenn man sie im Kontext der 70er Jahre einordnet, als Schweden drei große Monopole hatte und weder Radio- noch Fernsehwerbung, grenzüberschreitenden Handel oder EU-Mitgliedschaft“, sagt er und fährt fort: „Als die Regeln kamen, galt es als wichtig, mit den gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt zu halten, und wir leben heute in einer anderen Zeit und Welt. Schweden ist keine isolierte Insel mehr, sondern Teil der EU und nutzt dasselbe Internet. Es gibt auch keine Logik, Alkohol nicht verantwortungsvoll als Mahlzeitengetränk kommunizieren zu dürfen, zumal es der öffentlichen Gesundheit zugutekommt, während man Alkohol konsumiert. Deshalb gibt es Lebensmittelanforderungen für Servierlizenzen. Die Alternative ist, Alkohol als berauschendes Getränk zu kommunizieren, denn wenn alles andere im Bild verschwindet, bleibt nur noch der Alkohol übrig. Man muss zwischen Bildern unterscheiden, die Alkoholkonsum romantisieren, und solchen, die vermitteln, dass ein bestimmtes Gericht für ein bestimmtes alkoholisches Getränk geeignet ist, wie ein leichtes Bier, ein Stout oder ein IPA.

Circus – Winter Ale

Wer eine Brauerei „Circus Brouwerij“ nennt, verpflichtet sich natürlich zu einem gewissen Unterhaltungsprogramm. Hinter dem Namen stecken tatsächlich zwei ehemalige Zirkusartisten aus Belgien, die irgendwann beschlossen haben, dass Applaus zwar schön ist, aber ein volles Glas deutlich nachhaltiger wirkt. Also gründeten sie eine Brauerei – und machen seitdem Biere mit mehr Charakteren als eine Kleinkunstbühne an einem Freitagabend.

Die Etiketten lesen sich entsprechend wie ein Programmheft, und jedes Bier bekommt seine eigene Rolle. Beim Winter Ale betritt ein Lebkuchenmännchen die Manege. Sie wissen also schon vor dem ersten Schluck: Hier wird nicht nur gebraut, hier wird inszeniert.

Im Glas zeigt sich das Circus Winter Ale mahagonifarben mit üppiger elfenbeinfarbener Schaumkrone und einladend.

In der Nase treten sofort Lebkuchengewürze auf den Plan – Weihnachten ohne Einkaufsstress. Dazu kommen Aromen nach Nelken, Karamell, Vanille, Zimt, und etwas Banane, dazu aus dem Hintergrund noch ein Hauch Melasse.

Der Antrunk ist weich und vollmundig. Er zeichnet sich durch seine angenehme Malzsüße sowie die sehr feinperlige Kohlensäure aus. Das Circus Winter Ale ist kein Hauruck-Winterbier. Am Gaumen dominieren die Röstaromen, unterstützt durch die Gewürze, die eindeutig denen des Spekulatius aus den Niederlanden entsprechen. Die Bittere ist stil- und herkunftstypisch gering und das Mundgefühl ist weich. Auch in der Kehle ist das Bier mild, die 10 Volumenprozent Alkohol wärmen im Magen und in der Kehle klingt der Geschmack überraschend lange nach.

Das ist kein Durstlöscher, sondern ein Begleiter. Eines dieser Biere, bei denen man automatisch langsamer trinkt und plötzlich anfängt, über das Leben nachzudenken – oder zumindest darüber, ob noch Plätzchen da sind. Und das Schönste: Das Circus Winter Ale ist flüssiger Advent, ganz ohne Last Christmas im Radio.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker, Hefe, Gewürze, Frühstückskuchen

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

28 EBC

Brauerei:

Circus Brouwerij
Transfostraat 28
8550 Zwevegen
Belgien
https://www.circusbrouwerij.be

Österreichs Braubilanz 2025: Brauerei-Branche im Wandel

Die europäische Bierwelt entdeckt gerade eine Wahrheit wieder, die Stammtische schon lange kennen: Gute Laune trinkt mehr als schlechte. Oder, wie es der österreichische Branchenvertreter Karl Schwarz formuliert: Zuversicht ist der Konsummotor schlechthin. 2025 lief dieser Motor allerdings eher im Sparmodus.

In Österreich – einem Land, in dem Bier traditionell nicht als Getränk, sondern als Kulturgut gilt – sank der Gesamtausstoß auf 9,25 Millionen Hektoliter. Das sind gut sieben Prozent weniger als im Jahr davor. Produziert wurden im Inland 7,88 Millionen Hektoliter, exportiert 1,37 Millionen. Besonders deutlich: Der Export brach stärker ein als der heimische Absatz. Allerdings nicht unbedingt, weil plötzlich niemand mehr österreichisches Bier trinken möchte, sondern weil große Konzerne Produktion innerhalb ihrer internationalen Strukturen verschoben haben.

Kurz gesagt: Das Bier verschwindet nicht – es wird nur woanders gebraut.

Der eigentliche Grund liegt tiefer. Weniger Menschen, andere Gewohnheiten, vorsichtigeres Geldausgeben und eine allgemeine wirtschaftliche Unsicherheit sorgen dafür, dass Konsum insgesamt sinkt. Und Bier ist nun einmal Teil des Konsums. Europaweit betrifft das nicht nur Brauereien, sondern praktisch alle Getränkehersteller.

Der Zenit ist überschritten – aber nicht die Kultur

Die Branche sieht darin keine Krise, sondern eine neue Normalität. Bierausstoß und Pro-Kopf-Konsum sind weiterhin hoch, nur Wachstum in Litern erwartet niemand mehr. Das klingt dramatisch, bedeutet aber vor allem: Die Zeit des „immer mehr“ ist vorbei, die Zeit des „bewusster“ hat begonnen.

Das zeigt sich besonders deutlich beim Ausgehen. Über die Hälfte der Menschen geht seltener in die Gastronomie als früher. Gründe sind nicht nur Geld, sondern auch Zeit und veränderte Prioritäten. Zwei Drittel verzichten gelegentlich aufs Fortgehen, obwohl sie eigentlich Lust hätten.

Das ist für Brauereien schmerzhaft, denn Fassbier ist traditionell die wirtschaftlich attraktivste Kategorie. 2025 wurden umgerechnet zwölf Millionen Krügerl weniger gezapft. Gleichzeitig verschwinden Wirtshäuser – mehrere hundert in den letzten Jahren. Für eine Bierkultur ist das ungefähr so gesund wie Regen im Sudkessel.

Und doch zeigt eine Studie etwas sehr Typisches: Wenn Menschen ausgehen, geht es ihnen besser. Neun von zehn berichten von gesteigertem Wohlbefinden. Drei Viertel würden rückblickend lieber schöne Erinnerungen sammeln als Geld sparen.

Mit anderen Worten: Alle wissen, dass ein Abend im Wirtshaus guttut – sie machen es nur seltener.

Alkoholfrei wächst – aber ersetzt nichts

Während klassische Biere verlieren, wächst eine Kategorie zuverlässig: alkoholfreies Bier. Rund 300.000 Hektoliter wurden 2025 für den heimischen Markt produziert, etwa 60 Millionen Glas Bier ohne Alkohol. Der Anteil liegt zwar erst bei etwa vier Prozent, steigt aber konstant.

Das Interessante daran: Alkoholfreies Bier ersetzt kein normales Bier. Es ergänzt es. Menschen trinken nicht weniger, sie trinken anders – situationsabhängig, bewusster, flexibler. Besonders im Januar oder am Jahresende legten die Absätze deutlich zu.

Oder anders formuliert: Früher gab es Bier oder kein Bier. Heute gibt es Bier und Bier.

Der große Einbruch der Dose

Die drastischste Veränderung kam nicht aus dem Geschmack, sondern aus der Politik: das Einwegpfand. Die Folge war spektakulär – rund 100 Millionen Bierdosen weniger wurden produziert, ein Rückgang um 23 Prozent. Pro Tag wurden 274.000 Dosen weniger gefüllt.

Interessant ist dabei, dass diese Menge fast exakt dem gesamten Produktionsminus entspricht. Die Nachfrage nach Bier ist also nicht einfach verschwunden, sondern hat sich verschoben. Mehrwegflaschen legten leicht zu, besonders die klassische 0,5-Liter-Flasche und kleine Mehrweggebinde.

Die Branche rechnet damit, dass sich die Dose langfristig wieder stabilisiert. Sie hat schlicht zu viele praktische Vorteile bei Veranstaltungen oder unterwegs, um dauerhaft zu verschwinden.

Mehrweg statt Mehr – Nachhaltigkeit wird Alltag

Bier bleibt außerdem das nachhaltigste Getränk im Regal. Der Mehrweganteil stieg auf 72 Prozent. Besonders beliebt: die klassische Halbliterflasche, deren Anteil deutlich wuchs. Auch die kleine 0,33-Liter-Mehrwegflasche legte kräftig zu.

Für Außenstehende klingt das unspektakulär, für Brauereien ist es eine kleine Revolution. Die Verpackung entscheidet zunehmend über Marktanteile – nicht der Alkoholgehalt.

Gleichzeitig stiegen die heimischen Erntemengen bei Hopfen und Braugerste. Dadurch wächst die Eigenversorgung, während die Gesamtproduktion sinkt. Ein paradoxer Effekt: weniger Bier, aber regionaler.

Der Klassiker bleibt König

Trotz aller Trends bleibt eines konstant: Das Märzen dominiert weiterhin klar. Rund 70 Prozent der Produktion entfallen auf den klassischen Lagerstil. Spezialbiere spielen eine Rolle, alkoholfreie wachsen – aber am Ende bestellt die Mehrheit immer noch das, was sie seit Jahren bestellt.

Die Zukunft: weniger Menge, mehr Bedeutung

Die Branche setzt jetzt weniger auf Wachstum in Litern als auf Bedeutung im Alltag. Kampagnen sollen Menschen wieder ins Wirtshaus bringen, Tourismus hilft dabei – mit 157 Millionen Übernachtungen 2025 so stark wie nie.

Denn am Ende hängt die Bierproduktion nicht nur an Durst, sondern an Begegnung. Bier ist kein Einzelkonsumgut, sondern ein soziales Getränk. Wenn Menschen sich treffen, steigt der Absatz. Wenn sie zuhause bleiben, sinkt er.

Die Braubilanz 2025 zeigt daher weniger eine Krise als eine Verschiebung: weg vom Massenkonsum, hin zum Anlass. Weniger Gewohnheit, mehr Entscheidung.

Oder einfacher gesagt: Früher trank man Bier, weil es da war. Heute trinkt man es, weil man es will.

Herr Schmidt – Helles

Jetzt steht mal wieder ein Helles vor mir, genauer gesagt das Helle von Herr Schmidt aus Osnabrück. Ehrlich gesagt bin ich kein großer Freund dieses Bierstils, der meist doch recht einheitlich daherkommt, um nicht zu sagen langweilig, und bei dem jeder Bier- oder Braufehler deutlich hervorsticht. Außerdem gibt es von diesem Bierstil nur wenige Beispiele für eine originelle und trotzdem stiltreue Interpretation. Mal sehen, wie die Jungs aus Osnabrück sich schlagen.

In hellem Goldgelb mit leichter Hefetrübung fließt das Bier ins Glas. Die schneeweiße Schaumkrone löst sich leider recht schnell auf. Und schon bin ich am Zweifeln. Nach den Stilrichtlinien des Beer Judge Certification Program soll ein Helles kristallklar sein. Daher ist eine Hefetrübung auf jeden Fall ein Stilbruch. Auf der anderen Seite gefällt mir die Vollmundigkeit, die die Hefe ins Bier bringt. Von daher wird mir das Bier schon wieder sympathisch. Die Entscheidung, was richtiger ist, überlasse ich Ihnen, dem Leser dieser Zeilen.

Das Aroma ist stiltypisch malzbetont nach Weißbrot und frisch gemahlenem Getreide, dazu etwas Honig und aus dem Hintergrund kommen noch einige würzige Noten zum Vorschein.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine stiltypische Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auch auf der Zunge bleibt die Süße erhalten, wobei sich die frisch dazugekommene Bittere sehr diskret verbirgt. Das Mundgefühl ist eher schlank. Offensichtlich ist das Bier auf Süffigkeit getrimmt. Erst in der Kehle kommt die freundliche Bittere etwas mehr zum Tragen. Trotzdem klingt der Geschmack einige Zeit nach.

Ein modernes, unkompliziertes Helles zwischen Tradition und Craft. Ein angenehmes Bier zum Feierabend oder im Biergarten, aber für den Genuss würde ich ein anderes Bier wählen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % V

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Herr Schmidt Braugesellschaft mbH
Hannoversche Str. 17a
49084 Osnabrück
www.herr-schmidt-bier.de

Der Untergang der großen Biergötter?

Es gibt Momente, in denen man das Gefühl bekommt, die klassischen Industriebrauereien erleben gerade ihre eigene Götterdämmerung. Während früher riesige Braukonzerne den Markt nach Belieben formten, stolpern heute selbst die größten Namen über schrumpfende Absätze, missglückte Produkte und sehr teure Strategien.

In den USA trifft es gerade fast alle: Anheuser-Busch InBev verkauft mühsam aufgebaute Markenstrukturen, Molson Coors baut Stellen ab und schließt Traditionsbrauereien, Pabst kämpft mit einem misslungenen Light-Bier, und andere Konzerne versuchen verzweifelt, ihre Zielgruppen wiederzufinden. Kurz gesagt: Die Zeit, in der ein bekanntes Logo automatisch volle Einkaufswagen bedeutete, ist vorbei.

Und mittendrin steht Heineken.

Der niederländische Brauriese veröffentlichte seine Geschäftszahlen für 2025 – global sind sie gar nicht so katastrophal. Weltweit sank das Absatzvolumen nur leicht, während Umsatz und Erlös pro Hektoliter sogar etwas stiegen. Man könnte also sagen: international läuft es noch halbwegs rund.

In den USA gingen dagegen Umsatz und Absatz deutlich zurück, im Handel um rund acht bis neun Prozent. Besonders bitter: Selbst das klassische Heineken-Lager verlor spürbar an Bedeutung. Für eine Marke, die jahrzehntelang praktisch das Synonym für „importiertes Premiumbier“ war, ist das ein ernstes Warnsignal.

Die Konsequenz ließ nicht lange auf sich warten: Heineken will weltweit etwa 5.000 bis 6.000 Stellen streichen. Offiziell heißt das Produktivitätsprogramm. Inoffiziell heißt das: Sparmodus.

Heineken hatte in den USA schon immer eine besondere Rolle. Als einziger großer europäischer Player in den Top Fünf lebte man lange davon, „das internationale Bier“ zu sein. Jahrzehntelang überließ man den Markenaufbau sogar einem Importeur in New York, bevor man in den 1990ern selbst aktiv wurde.

Die ersten eigenen Ideen waren allerdings recht mutig. Neue Varianten, ungewöhnliche Flaschenformate und Experimente, die niemand wirklich wollte. Später lief es besser. Vor allem der Kauf der mexikanischen Marken Dos Equis, Tecate und Sol brachte frischen Wind. Die legendäre Werbung rund um den „interessantesten Mann der Welt“ machte Dos Equis zeitweise zu einem echten Hit.

Nur leider hielt man zu lange daran fest. Als die Kampagne schließlich endete, verschwand auch ein großer Teil der kulturellen Strahlkraft. Heute kämpfen die Marken eher mit rückläufigen Verkäufen.

Das Kernproblem ist simpel: Heineken muss genug Menschen beim klassischen Heineken halten, während neue Produkte die Verluste ausgleichen sollen. Genau das klappt bislang nur teilweise.

Alkoholfrei funktioniert überraschend gut. Heineken 0.0 verkauft sich stabil und ist in seinem Segment sogar führend – allerdings ist der alkoholfreie Markt in den USA im Vergleich zum Gesamtbiermarkt noch recht klein.

Andere Versuche wirken weniger überzeugend. Heineken Silver sollte eine Art Antwort auf leichte Fitness-Biere sein, kam in den USA aber kaum in Fahrt. Viele Biertrinker haben die schlanke Dose vermutlich noch nie bewusst gesehen. Gleichzeitig verändert sich die Konsumlandschaft: weniger Bier insgesamt, mehr Vielfalt, stärkere Konkurrenz durch andere Getränke.

Für Heineken bedeutet das: Die Marke bleibt wichtig, aber ihre frühere Selbstverständlichkeit existiert nicht mehr. Früher bestellte man in den USA „ein Heineken“, wenn man etwas Internationales wollte. Heute stehen daneben zehn andere Optionen – und einige davon sind regional, alkoholfrei oder gar kein Bier.

Oder anders gesagt: Früher musste Heineken nur präsent sein, um verkauft zu werden. Heute muss es wieder interessant werden. Und das ist deutlich schwieriger, als einfach ein neues Etikett zu drucken.

De Dochter van de Korenaar – Charbon Smoked Vanilla stout

Manchmal gibt es Biere, die man trinkt. Und manchmal gibt es Biere, die eher so wirken, als hätte jemand einen gemütlichen Winterabend in flüssige Form gebracht. Das Charbon Smoked Vanilla Stout gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.

Die belgische Brauerei ist bekannt dafür, gerne mit Fassreifungen, kräftigen Malzkörpern und feinen Spielereien zu arbeiten, ohne dabei in reine Süßwarenabteilung abzurutschen. Genau das verspricht auch dieses Stout: Rauch, Röstmalz und Vanille stehen auf dem Etikett – eine Kombination, die schnell nach Grillmarinade oder Weihnachtsbäckerei klingen kann. Ich hoffe, hier passiert etwas mit mehr Eleganz.

Im Glas präsentiert sich das Bier blickdicht schwarz mit einer cremigen, haselnussbraunem Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Hier haben die Brauer zumindest optisch mal wieder ein Meisterstück abgeliefert.

Das Bier duftet nach Kaffee und dunkler Schokolade. Aus dem Hintergrund kommt ein feines Raucharoma, das aber nicht so kräftig ist, dass es an einen Räucherschinken erinnert. Die Vanille hält sich diskret im Hintergrund und ich kann sie erst entdecken, nachdem ich mehrfach an dem Bier gerochen habe. Dabei müsste sich die Vanille eigentlich nicht verstecken – schließlich kommt sie aus Madagaskar und Réunion, also den Anbaugebieten, die für ihre besonders aromatische Vanille bekannt sind.

Der Antrunk zeichnet sich durch seine stiltypische Süße sowie die sehr feinperlige Karbonisierung aus. Trotz der Süße wirkt das Bier aber nie dessertartig, da die verschiedenen Aromen sehr gut aufeinander abgestimmt sind. Seine Komplexität beweist das Bier aber erst am Gaumen. Zur Süße kommen die Aromen nach dunkler Schokolade und Lakritz. Auch die Raucharomen kommen jetzt stärker zum Tragen als ich es in der Nase erwartet habe. Dazu kommt jetzt auch die Vanille zum Vorschein, wenn auch etwas schüchtern, denn sie kommt nicht recht aus dem Hintergrund hervor, kann aber die Kanten der anderen Aromen glätten. Für ein Stout ist auch die Bittere überraschend kräftig. Das Mundgefühl ist rund und cremig. In der Kehle legt die Bittere noch etwas zu, während das Bier überraschend trocken wird, und zusammen mit dem Lakritzaroma klingt der Geschmack sehr lange nach.

Ich weiß nicht mehr, von wem ich den folgenden Spruch habe, aber er passt auf das Charbon sehr gut: Wenn Guinness ein dunkler Pub-Abend ist, dann ist Charbon der gleiche Abend – nur draußen am Feuer mit einem Stück Käse und jemand erzählt plötzlich interessante Geschichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz (über Eiche geräuchert) Roggenmalz, Hopfen, Vanille, Hefe

Alkoholgehalt:

7 % Vol.

Bittereinheiten:

46 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be