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Herrnbräu – Grantler

Manchmal braucht es keine außergewöhnlichen Zutaten, keine spektakulären Hopfensorten und keine zweistelligen Alkoholwerte, um zu überzeugen. Manchmal genügt ein sauber gebrautes, unkompliziertes Bier, das genau das liefert, was man von seinem Stil erwartet. Genau diesen Eindruck hinterlässt das heute verkostete Helle.

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem klaren Goldton. Der feinporige weiße Schaum sieht ansprechend aus, zieht sich allerdings recht zügig zurück. Das schmälert den positiven ersten Eindruck jedoch kaum, denn die Optik entspricht genau dem, was ich von einem klassischen Hellen erwarte.

In der Nase zeigen sich zunächst helle Malznoten, die von angenehmen blumigen Aromen begleitet werden. Besonders interessant ist eine dezente Fruchtigkeit, die an frische Äpfel erinnert und dem Bier eine zusätzliche Facette verleiht.

Der Antrunk startet mit der für den Bierstil typischen Malzsüße. Unterstützt wird diese von einer sehr feinperligen Kohlensäure, die für ein weiches und angenehmes Trinkgefühl sorgt. Im weiteren Verlauf bleibt die Süße erhalten, ohne jedoch zu dominant zu wirken. Die Bittere bleibt zurückhaltend und freundlich, wie es sich für ein klassisches Helles gehört. Auffällig ist dabei die Fruchtigkeit, die sich auf der Zunge stärker entwickelt als zuvor im Aroma. Die Apfelnoten treten deutlicher hervor und verleihen dem Bier eine zusätzliche Frische. Das Mundgefühl bleibt rund, weich und ausgesprochen süffig. Der Abgang fällt sehr mild aus. Er wirkt etwas trockener als der vorherige Geschmackseindruck, bleibt aber insgesamt zurückhaltend. Die Bittere verabschiedet sich schnell und hinterlässt nur einen kurzen Nachklang.

Insgesamt zeigt sich hier ein unkompliziertes, ausgewogenes Helles, das vor allem durch seine hohe Trinkbarkeit punktet. Die feinen Fruchtnoten sorgen für etwas Abwechslung, ohne den klassischen Charakter des Bierstils zu verändern. Ein Bier, das nicht unbedingt überraschen möchte, aber genau deshalb viele Freunde finden dürfte.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Bittereinheiten:

20 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Herrnbräu
Manchinger Str 95
85053 Ingolstadt
www.herrnbraeu.de

für

Mittelbayerischer Getränkevertrieb GmbH

Manchinger Straße 95
85053 Ingolstadt

Das beste Bier der Welt kommt aus Franken

Franken ist für Bierliebhaber längst kein Geheimtipp mehr. Besonders die Fränkische Schweiz rund um Nürnberg gilt als eine der dichtesten Brauereiregionen weltweit. Kleine Familienbetriebe, traditionsreiche Keller und eine enorme Vielfalt prägen das Bild. Dass ausgerechnet hier ein Weltklassebier entsteht, überrascht also kaum – und ist doch eine bemerkenswerte Auszeichnung.

Bei den „World Beer Awards 2025“ konnte sich ein Bier aus dieser Region den Titel als bestes seiner Kategorie sichern – und damit international für Aufmerksamkeit sorgen.

Ein Festbier auf dem Siegertreppchen

Ausgezeichnet wurde das „Anna Festbier“ der Brauerei Greif aus Forchheim. In der Kategorie „Bestes Saisonbier der Welt: Oktoberfestbier/Märzen“ setzte sich das Bier gegen internationale Konkurrenz durch und holte den Titel nach Franken.

Das untergärige Bier wird nach einem überlieferten Familienrezept gebraut und bringt es auf einen Alkoholgehalt von 5,5 Prozent. Gebraut wird es traditionell für das bekannte Annafest im Forchheimer Kellerwald – ein Ereignis, das Bierkultur und fränkische Lebensart wie kaum ein anderes Fest verbindet. In diesem Jahr findet es vom 24. Juli bis zum 3. August 2026 statt.

Was die Jury überzeugt hat

Ein Blick auf die offizielle Bewertung zeigt, warum das Bier so gut abgeschnitten hat. Die Juroren beschreiben es als:
„Am Gaumen angenehm malzig, mit harmonischem Körper, weichem Antrunk, ausgewogener Säure, leichter Bitterkeit und gut eingebundenem Alkohol“.

Darüber hinaus wird dem Bier eine „hohe Trinkbarkeit“ bescheinigt – ein Prädikat, das gerade bei Festbieren nicht zu unterschätzen ist.

Auch aromatisch scheint das „Anna Festbier“ einiges zu bieten. Wahrgenommen wurden Noten von Honig, Brotkruste, dezentem Karamell sowie ein feiner Kräuterhopfen. Optisch präsentiert es sich als bernsteinfarbenes Bier mit feinporigem Schaum – also genau so, wie man sich ein klassisches Märzen wünscht.

Tradition aus Forchheim

Hinter dem Erfolg steht die Brauerei Greif aus der traditionsreichen Kaiserstadt Forchheim. Seit über 150 Jahren behauptet sich das Familienunternehmen in der Bierbranche und setzt konsequent auf klassische Brauverfahren.

Gebraut wird ausschließlich nach dem Bayerischen Reinheitsgebot von 1516 – ein Qualitätsanspruch, der sich offenbar auch international auszahlt. Bereits in der Vergangenheit konnten Biere der Brauerei bei Wettbewerben überzeugen, darunter ein Hefeweizen Hell sowie ein Rauchbier.

Franken bleibt Bierland Nummer eins

Die Auszeichnung zeigt einmal mehr, welche Bedeutung Franken für die Bierwelt hat. Während in vielen Regionen die Zahl kleiner Brauereien zurückgeht, lebt hier eine einzigartige Bierkultur weiter – und sorgt regelmäßig für internationale Erfolge.

Oder anders gesagt: Wer wissen möchte, wie Weltklassebier schmeckt, muss nicht um die halbe Welt reisen. Ein Ausflug nach Franken reicht oft schon aus.

Maisel & Friends – Artbier #8

Nun ist es da – das inzwischen achte Artbier von Maisel & Friends. Für diese Serie von Sondersuden gestaltet immer ein anderer Street Art-Künstler das Etikett. Für dieses Bier stammt das Etikett vom belgischen Künstler Lobster Robin. Er verbindet in seiner Arbeit auf einzigartige Weise klassische Illustration mit der Dynamik von Streetart. Mit einem Hintergrund in Illustration und Animation verfügt er über ein ausgeprägtes Gespür für Licht, Farben und feine Details – Fähigkeiten, die seinen Werken eine besondere Tiefe verleihen.

Gleichzeitig fließt die rohe, ungezähmte Energie von Graffiti und urbaner Kunst in seine Arbeiten ein. So entstehen visuell intensive, oft psychedelisch anmutende Bildwelten, die gleichermaßen faszinieren und herausfordern. Lobster Robin schafft es, vertraute Motive aus ungewohnten Perspektiven zu zeigen und den Betrachter in eine farbenreiche, fast traumartige Realität zu ziehen, die lange nachwirkt.

Jetzt ist es aber an der Zeit, dass ich mit der Verkostung beginne die Flasche öffne und das Bier einschenke. Das Artbier #8 von Maisel & Friends präsentiert sich im Glas in einem hellen Goldton mit ausgeprägter Hefetrübung. Der feinporige, weiße Schaum baut sich stabil auf und bleibt erfreulich lange erhalten.

In der Nase zeigt sich ein wahres Fruchtfeuerwerk: Zitrus, Ananas, Maracuja und Pfirsich verbinden sich zu einem intensiven, einladenden Aromenspiel, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist spritzig und lebendig, begleitet von einer angenehm zurückhaltenden Süße. Am Gaumen steht die Frucht klar im Vordergrund, ohne dabei den Malzkörper zu überdecken. Dieser sorgt für die nötige Balance und verleiht dem Bier Struktur. Hinzu kommt eine deutliche, fruchtige Bittere, die präsent ist, aber nie dominierend wirkt. Das Mundgefühl bleibt dabei weich und frisch. In der Kehle zeigt sich das Bier trockener, während Frucht und Bittere noch einmal gemeinsam auftreten. Besonders die Bittere bleibt lange erhalten und sorgt für einen nachhaltigen Eindruck.

Insgesamt ist das Artbier #8 ein sehr zugängliches IPA auf hohem Niveau – aromatisch intensiv, ausgewogen und mit hohem Trinkfluss. Und wie bei allen Sondersuden gilt: schnell sein lohnt sich, denn weg ist weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Krush, Mosaic, Simcoe, Citra), Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

13,7° Plato

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Hertl – Schwiegermutter`s Rache

Die Braumanufaktur Hertl ist bekannt für kreative Biere mit Augenzwinkern – und bei „Schwiegermutters Rache“ macht Detlef Hertl keine Ausnahme. Aber nicht nur beim Benennen seiner Biere gibt Detlef sich redliche Mühe, sondern auch beim Brauen. Daher haben mir bislang alle Biere gefallen, die ich in der Vergangenheit bereits verkostet habe. Ich hoffe, dass dies auch auf das alkoholfreie Weißbier zutrifft, das jetzt vor mir steht.

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem klassischen, naturtrüben Goldton mit leicht orangenen Reflexen. Die Schaumkrone ist üppig, fest und strahlend weiß – so, wie man es sich von einem fränkischen Weizenbier wünscht.

In der Nase entfaltet sich ein typisch hefig-fruchtiges Aromenspiel: Banane, ein Hauch Nelke und eine dezente Zitrusnote steigen auf. Dazu gesellen sich leichte Getreidenoten und eine angenehme Frische, die direkt Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist weich und erstaunlich vollmundig für ein alkoholfreies Bier. Eine feine Malzsüße trifft auf die klassische Weizenaromatik mit Banane und leichter Würze. Die Kohlensäure ist etwas knapp dosiert, sorgt aber trotzdem für ein angenehm spritziges Mundgefühl. Im weiteren Verlauf bleibt das Bier mild, frisch und sehr ausgewogen – die Bittere ist stiltypisch kaum wahrnehmbar, was den süffigen Charakter zusätzlich unterstreicht. Der Körper ist schlank bis mittel, ohne wässrig zu wirken. Auch in der Kehle zeigt sich das Bier sauber, erfrischend und mit einem dezenten Hefeton, der langsam ausklingt.

„Schwiegermutters Rache“ ist ein alkoholfreies Weißbier, das seinem großen Vorbild erstaunlich nahekommt. Fruchtig, weich und unkompliziert – und genau das Richtige für alle, die vollen Geschmack bei klarem Kopf genießen möchten.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Gärungskohlensäure

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Braumanufaktur Hertl
Thüngfeld 61
96132 Schlüsselfeld
www.braumanufaktur-hertl.de

Orca Brau – Local IPA

Golden und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Die feste und feinporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Schon optisch wird klar, dass hier ein modernes, hopfenbetontes Bier wartet.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Zitrusnoten von Grapefruit und Limette treffen auf tropische Eindrücke wie Mango und Maracuja, abgerundet durch Düfte nach Ananas und Honig. Dazu gesellt sich ein dezenter Anklang von Steinfrucht, der dem Bouquet zusätzliche Tiefe verleiht.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus, die allerdings für meinen Geschmack etwas zu zurückhaltend dosiert wurde. Am Gaumen zeigt sich das IPA angenehm zugänglich und ausgewogen. Die Fruchtigkeit steht klar im Vordergrund, wird jedoch von einer schlanken Malzbasis getragen, die für Struktur sorgt, ohne sich aufzudrängen. Die freundliche Bittere ist moderat, sauber eingebunden und unterstützt die Fruchtaromen, anstatt sie zu überdecken. Im Abgang zeigt sich das Bier leicht trocken mit einer anhaltenden, feinherben Hopfennote, die lange nachklingt und Lust auf den nächsten Schluck macht.

Das Local IPA von Orca Bräu ist ein  modernes, fruchtbetontes IPA mit guter Balance und hohem Trinkfluss. Kein extremes Hopfenbrett, sondern ein durchdachtes, zugängliches Bier, das sowohl Einsteiger als auch erfahrene IPA-Trinker anspricht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,4 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
https://orcabrau.de/

Maisel & Friends – Fusion IPA

Jetzt steht das Fusion IPA vor mir, ein Bier, das Maisel & Friends gemeinsam mit der norwegischen Brauerei Lervig entwickelt und gebraut hat. Über Maisel & Friends habe ich bereits an verschiedenen anderen Stellen geschrieben, aber Lervig wohl noch nicht. Hier also einige Anmerkungen zu den Norwegern, bevor ich das Bier beschreibe:

Die Lervig aus Stavanger zeigt eindrucksvoll, wie moderne Craft-Braukunst heute funktioniert: unabhängig, experimentierfreudig und mit einem klaren Anspruch an Qualität. Die norwegische Brauerei ist fest in Stavanger verwurzelt, denkt aber längst global. Lervig versteht sich als unabhängiger Betrieb, der bewusst seinen eigenen Weg geht. Statt sich an Trends anzupassen, braut man hier vor allem das, was man selbst gerne trinkt – und das mit einer beeindruckenden Bandbreite. Vom unkomplizierten Pils oder Pale Ale bis hin zu komplexen, fassgereiften Stouts, Barley Wines und wilden Sauerbieren ist alles dabei, was das Craft-Herz höherschlagen lässt.

Dabei gilt ein Grundsatz: Qualität steht immer über wirtschaftlichen Kompromissen. Lervig verlässt regelmäßig die eigene Komfortzone, probiert Neues aus und lässt sich weltweit inspirieren. Reisen, Verkostungen und Kollaborationen mit renommierten Brauern gehören fest zur Philosophie. So entstehen Biere, die sowohl zugänglich als auch anspruchsvoll sein können – je nachdem, worauf man gerade Lust hat.

Ein entscheidender Faktor hinter dem Erfolg ist das Team. Bei Lervig arbeitet eine internationale Mannschaft, die ihre unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen in die Braukunst einbringt. Diese Mischung sorgt dafür, dass die Biere nicht nur technisch überzeugen, sondern auch kreativ und abwechslungsreich bleiben.

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich auch über die Grenzen Norwegens hinaus. Lervig exportiert seine Biere inzwischen in über 30 Länder und erreicht damit eine stetig wachsende Fangemeinde. Gleichzeitig sorgt man dafür, dass die Kernbiere jederzeit verfügbar bleiben – ein Balanceakt zwischen Innovation und Verlässlichkeit.

Lervig ist eine Brauerei, die sich nicht festlegen lässt. Mal unkompliziert, mal komplex – aber immer mit dem Anspruch, richtig gutes Bier zu brauen.

Wenn diese Brauerei mit Maisel & Friends gemeinsam ein Bier braut, kann ja eigentlich nur etwas Großes entstehen. Das Fusion IPA bringt zwei kreative Brauwelten zusammen – und genau das merkt man vom ersten Moment an.

Im Glas präsentiert sich das Fusion IPA in einem satten, leicht trüben hellen Goldton. Die schneeweiße Schaumkrone baut sich cremig auf, bleibt stabil stehen und hinterlässt beim Trinken feine Spitzen am Glasrand – ein optischer Auftakt, der Lust auf mehr macht.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Zunächst steigen intensive tropische Noten auf: Mango, Maracuja und Ananas geben klar den Ton an. Dahinter folgen Zitrusanklänge von Grapefruit und Limette, begleitet von einer feinen harzigen Note, die dem Ganzen Tiefe verleiht. Ein Hauch von Steinfrucht und eine dezente florale Komponente runden das Bouquet ab, ohne es zu überladen. Kurz gesagt nimmt die Nase einen Obstsalat wahr.

Der Antrunk ist weich und saftig, fast schon samtig mit einer angenehmen Malzsüße. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, aber leider etwas knapp dosiert. Die Fruchtnoten setzen sich sofort durch und erinnern an einen frisch gepressten tropischen Saft. Doch bevor es zu verspielt wird, baut sich eine angenehm präzise Bittere auf. Diese ist deutlich präsent, aber genau wie die 7,9 Volumenprozent Alkohol, hervorragend eingebunden – sie geben dem Bier Struktur, ohne die Fruchtigkeit zu überdecken. In der Kehle ist das Bier trocken, leicht harzig und von einer anhaltenden, eleganten Bittere geprägt. Die tropischen Fruchtnoten klingen langsam aus und machen Platz für eine angenehme, leicht herbe Nachwirkung, die direkt zum nächsten Schluck einlädt.

Insgesamt ist das Fusion IPA ein Paradebeispiel für eine gelungene Zusammenarbeit. Es vereint Intensität und Trinkbarkeit, Komplexität und Klarheit – und zeigt, wie spannend Bier werden kann, wenn zwei kreative Köpfe gemeinsam am Sudkessel stehen. Ein IPA, das sowohl Kenner begeistert als auch Einsteiger problemlos abholt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Hopfen (Citra, Idaho 7, Galaxy, Mosaic), Hefe

Alkoholgehalt:

7,9 % Vol.

Farbe:

5 EBC

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

in Zusammenarbeit mit

Lervig Aktiebryggeri
Vierveien 1
Hillevåg
4016 Stavanger
Norwegen
www.lervig.no

Orca Brau – Goldie

Manche Biere wollen besonders kompliziert sein. Viele Hopfensorten, exotische Namen und Aromen, die angeblich an Mango, Grapefruit und tropischen Regenwald erinnern. Das Helle, ein ursprünglich bayrischer Bierstil, der sich in den letzten Jahren über ganz Deutschland verbreitet hat, geht einen anderen Weg. Dieser Bierstil sagt im Grunde: Entspannen Sie sich, ich bin einfach ein verdammt gutes Bier. Das stimmt zwar nicht immer, aber beim Goldie von orca brau erwarte ich doch eine gehobene Qualität. Zumindest hat mich die Brauerei aus Nürnberg bislang nicht enttäuscht.

Gebraut wird mit regionalen Zutaten, darunter sogar historische fränkische Landgerste aus der Rhön, die dem Bier eine leicht kernige Tiefe verleihen soll. Dazu kommen klassische Hopfensorten wie Magnum und Hallertauer Mittelfrüh, die für eine angenehme, grasig-frische Hopfenaromatik sorgen.

Intensiv goldfarben und opalisierend fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine schneeweiße Schaumkrone, die sich aber leider recht flott auflöst.

Das Bier duftet nach hellem Malz und Karamell. Zitrusfrüchte und Gras halten lassen den Aromen des Malzes den Vortritt und vervollständigen das Aroma. Jetzt ärgert es mich etwas, dass ich das Goldie mit einem leichten Schnupfen verkoste, so dass es möglich ist, dass mir manche Nuancen des Aromas entgehen.

Der Antrunk ist angenehm spritzig und mit einer zurückhaltenden Süße. Auf der Zunge gesellt sich eine gut auf die Süße abgestimmte Bittere dazu. Gemeinsam mit etwas Zitrus sorgt sie für ein volles und weiches Mundgefühl. Der Abgang zeichnet sich durch eine freundliche Bittere mit sehr langem Nachklang aus.

Stilistisch bewegt sich das Goldie irgendwo zwischen klassischem Hellen und modern interpretiertem Craftbier. Man könnte auch sagen: ein Bier für Menschen, die traditionelles Lager lieben, aber nichts dagegen haben, wenn es ein kleines bisschen mehr Persönlichkeit mitbringt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Magnum, Hallertauer Mittelfrüh), Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Orca Brau – Mata Hari

Kurz gesagt: Mata Hari ist kein historisches Buch und auch kein Spionage-Podcast, sondern ein ziemlich charakterstarkes Bier aus der Berliner Kreativbrauerei Orca Brau. Und der Name ist ziemlich passend gewählt – geheimnisvoll, exotisch und ein bisschen unberechenbar.

Was für ein Bier ist Mata Hari? Es gehört zu den ausgefalleneren Suden der Brauerei. Stilistisch bewegt es sich vermutlich im Bereich moderner Sauer- bzw. Fruchtbiere mit deutlicher Aromaspielerei – typisch für die experimentelle Handschrift der Craft-Szene. Ob meine Erwartung erfüllt wird, will ich jetzt prüfen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

In einem sehr schönen Rotgold und opalisierend fließt das Bier ins Glas. Leider löst sich der Schaum schnell auf, was die Optik doch arg trübt.

Das Bier duftet angenehm nach Karamell und Trockenfrüchten, die an Pflaumen und Feigen erinnern. Mir fällt auf, dass das Aroma für nur 5,2 Volumenprozent Alkohol sehr intensiv ist.

Der Antrunk überrascht mich, da ich bei dem intensiven Aroma eigentlich mehr Süße erwartet hätte. Aber so kommt mir das Bier noch mehr entgegen. Die sehr feinperlige Kohlensäure ist gut dosiert. Am Gaumen steht die Fruchtigkeit im Vordergrund; außerdem stellt sich eine zur Süße passend dosierte Bittere ein. Das Mundgefühl ist samtig. In der Kehle dominiert eine freundliche Bittere und obwohl sie nicht sonderlich kräftig ist, klingt sie lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

52 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Brauhaus Wiesen – Frühlingsbock

Im Bürgerlichen Brauhaus Wiesen im idyllischen Hochspessart – dort wo grüne Wälder und sanfte Hügel den Horizont prägen – wird seit 1888 Bier gebraut: regional und handwerklich. Die Brauerei nutzt das weiche Wasser des Aubachs und Malz & Hopfen aus dem fränkischen Umland, um eine ganze Palette klassischer und saisonaler Biere zu brauen.

Einer der Stars im Portfolio ist der Wiesener Frühlingsbock – ein saisonaler Bock, der nach rund 12 Wochen Reifung im kühlen Lagerkeller zur Fastenzeit und im Frühling bereit ist, die Biervielfalt des Jahres zu eröffnen und der jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Orangefarben und kristallklar fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine vergleichsweise kleine weiße Schaumkrone, die aber sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier also eine richtig gute Figur.

Düfte nach Karamell, Honig und Trockenpflaumen steigen mir in die Nase, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und spritzig. Die Süße bleibt auch am Gaumen erhalten, dazu kommen die fruchtigen Noten und auch eine deutliche Bittere, die aber noch Platz für die anderen Aromen lässt. Das Mundgefühl ist weich und voll, auch wenn der Alkohol leicht durchschmeckt. Alles in Allem ist der Frühlingsbock aus dem Brauhaus Wiesen ein süffiges Bier. In der Kehle dominiert eine freundliche und nicht zu kräftige Bittere, die sehr lange nachklingt.

Zu diesem Bier kann ich mir einen alten Hartkäse vorstellen, der kräftig genug ist, um neben dem Bier zu bestehen und der gleichzeitig einen charmanten Gegensatz zur Süße dieses Frühlingsbocks bildet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

17,5° Plato

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brauhaus Wiesen
Hauptstr. 97
63831    Wiesen
www.brauhaus-wiesen.de

Brauhaus Leikeim muss Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden

Die fränkische Brauerei Leikeim steht vor einer der größten Herausforderungen ihrer langen Geschichte. Das Brauhaus Altenkunstadt Andreas Leikeim GmbH & Co. KG hat beim zuständigen Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Ziel dieses Schritts ist es nicht, den Betrieb einzustellen, sondern im Gegenteil: die traditionsreiche Familienbrauerei neu aufzustellen und für die Zukunft abzusichern.

Geschäftsführer Andreas Leikeim macht keinen Hehl aus den Gründen für diesen Schritt. In den vergangenen Jahren habe sich die Absatz- und Umsatzentwicklung spürbar verschlechtert, was letztlich zu einem Liquiditätsengpass geführt habe. Der Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung sei daher notwendig gewesen, um rechtzeitig gegenzusteuern und Handlungsspielraum für eine Sanierung zu gewinnen.

Die Ursachen liegen dabei weniger in unternehmerischen Fehlentscheidungen als vielmehr in den schwierigen Rahmenbedingungen des deutschen Biermarktes. Sinkender Bierkonsum, stetig steigende Kosten in nahezu allen Bereichen und die wirtschaftlichen Nachwirkungen der Corona-Pandemie haben auch Leikeim stark zugesetzt. Wie viele mittelständische Brauereien spürt das Unternehmen den strukturellen Wandel der Branche besonders deutlich.

Ganz untätig ist man in Altenkunstadt allerdings nicht geblieben. In den vergangenen Jahren hat Leikeim versucht, mit verschiedenen Maßnahmen gegenzuhalten: Der Export wurde ausgebaut, zusätzliche Dienstleistungen für andere Brauereien angeboten, in alkoholfreie Produkte investiert und an vielen Stellen gespart. Doch trotz dieser Anstrengungen ließen sich die langfristigen Belastungen nicht vollständig kompensieren.

Dabei steht Leikeim für weit mehr als reine Produktionszahlen. Seit über 135 Jahren ist die Marke ein fester Bestandteil der fränkischen Bierlandschaft. Als unabhängige Familienbrauerei in fünfter Generation ist das Unternehmen tief in Oberfranken verwurzelt – wirtschaftlich ebenso wie kulturell. Leikeim ist Arbeitgeber, Identifikationspunkt und für viele schlicht ein Stück Heimat im Glas.

Wichtig für Kundinnen und Kunden: Der Betrieb läuft weiter. Rund 100 Mitarbeiter sind derzeit bei Leikeim beschäftigt, Produktion und Auslieferung werden fortgeführt. Die beliebten Bierspezialitäten und Erfrischungsgetränke, bekannt nicht zuletzt durch die markante Bügelverschlussflasche, bleiben weiterhin verfügbar. Auch die Versorgung des Handels ist nach Angaben des Unternehmens gesichert.

Im Rahmen des Eigenverwaltungsverfahrens werden nun verschiedene Sanierungsoptionen geprüft. Dazu gehören sowohl interne Restrukturierungsmaßnahmen als auch Gespräche mit potenziellen Investoren. Unterstützt wird die Geschäftsführung dabei von Rechtsanwalt Gunther Neef, der als Generalbevollmächtigter den Sanierungsprozess begleitet. Ziel sei es, das Unternehmen neu auszurichten, auf veränderte Marktbedürfnisse zu reagieren und verloren gegangenes Vertrauen bei Verbrauchern, Geschäftspartnern und Lieferanten zurückzugewinnen.

Die rechtliche Aufsicht im Verfahren übernimmt Rechtsanwalt Jochen Wagner, der als Sachwalter die Interessen der Gläubiger vertritt. Parallel dazu bleibt der Fokus klar auf dem Standort Altenkunstadt: Leikeim soll als wichtiger Arbeitgeber und als unabhängige fränkische Brauerei erhalten bleiben.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob dieser Weg gelingt. Klar ist schon jetzt: Mit dem Antrag auf Eigenverwaltung setzt Leikeim auf einen kontrollierten Neustart – und auf die Chance, dass eine der bekanntesten Brauereien Oberfrankens auch künftig ein fester Bestandteil der deutschen Bierkultur bleibt.