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Neues Brauverfahren für alkoholfreies Weissbier: Innovation aus den Münchner Isarauen

Alkoholfreies Bier hat sich längst vom Notnagel zum ernstzunehmenden Genussmittel entwickelt. Doch was die Brauerei zum Kuchlbauer jetzt präsentiert, hebt das Thema auf ein neues Level: Mit einer in den Münchner Isarauen entdeckten Wildhefe entsteht ein alkoholfreies Weissbier, das geschmacklich überrascht – und technologisch neue Wege geht.

Geschichte & Hintergrund

Die Grundlage dieser Innovation liegt nicht im Sudhaus, sondern in der Natur. Forscher der Technischen Universität München entdeckten im Rahmen einer „Hefejagd“ einen besonderen Hefestamm auf der Rinde einer Esche in den Isarauen. Dabei handelt es sich um Saccharomyces jurei – eine Hefe mit außergewöhnlichen Eigenschaften.

Gemeinsam mit der Brauerei zum Kuchlbauer wurde diese Entdeckung weiterentwickelt und erstmals in die Praxis überführt. Das Ergebnis: „Alte Liebe Alkoholfrei“, ein dunkles Weissbier, das ohne klassische technische Tricks auskommt. Statt Alkohol nachträglich zu entziehen oder die Gärung frühzeitig abzubrechen, setzt man hier auf einen natürlichen, biologischen Prozess.

Das Brauverfahren – ein echter Gamechanger?

Bisher gibt es zwei typische Wege zu alkoholfreiem Bier: Entweder wird dem fertigen Bier Alkohol technisch entzogen – aufwendig und teuer – oder die Gärung wird früh gestoppt, was oft zu süßlichen Ergebnissen führt, die nur entfernt nach Bier schmecken.

Die neue Hefe verfolgt einen anderen Ansatz. Sie produziert zunächst intensive Aromen, während die Alkoholbildung stark verzögert einsetzt. Erst nach etwa zehn bis vierzehn Tagen würde nennenswert Alkohol entstehen. Brauer können also genau den richtigen Moment wählen, um die Gärung zu stoppen – und erhalten ein aromatisches Bier mit minimalem Alkoholgehalt.

Das Ergebnis im Glas

Das Resultat dieser Methode kann sich sehen – und vor allem schmecken – lassen. „Alte Liebe Alkoholfrei“ ist ein dunkles Weissbier mit charakteristischen Aromen von roten Früchten und Nelke. Also genau das, was Sie von einem klassischen dunklen Weizen erwarten – nur eben ohne den Alkohol.

Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt auch der Blick über den Tellerrand: Selbst die Tochterbrauerei Schlossbrauerei Sandersdorf nutzt die Hefe bereits für ein alkoholfreies Helles in Bio-Qualität.

Einordnung: Innovation mit Zukunft?

Für kleinere Brauereien könnte diese Entwicklung besonders spannend sein. Während große Industriebetriebe auf teure Entalkoholisierungsanlagen setzen, eröffnet diese Hefe eine handwerkliche, energieschonende Alternative. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach alkoholfreien Weissbieren stetig – ein Segment, das bislang eher stiefmütterlich behandelt wurde.

Mit der Kombination aus wissenschaftlicher Entdeckung und brauerischem Know-how gelingt der Brauerei zum Kuchlbauer ein bemerkenswerter Schritt nach vorn. Die neue Hefe könnte das Brauen alkoholfreier Biere nachhaltig verändern – und zeigt eindrucksvoll, dass Innovation manchmal direkt vor der eigenen Haustür wächst. In diesem Fall: an einer Esche in den Münchner Isarauen.

Kraftpaule – Weizen

Manche Biere betreten die Bühne leise – andere stürmen sie wie ein artistisches Spektakel. Das kaltgehopfte Weizenbier „Zirkuspferd“ der Brauerei Kraftpaule gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Hier trifft klassische Weizenbierbasis auf moderne Hopfenaromatik – und das Ergebnis ist alles andere als gewöhnlich. Schon der Name ist Programm: Wie ein kunstvoll dressiertes Zirkuspferd präsentiert sich dieses Bier verspielt, kraftvoll und überraschend. Statt klassischer Zurückhaltung liefert es ein Aromenspektakel, das besonders Fans hopfenbetonter Biere begeistern dürfte.

Im Glas zeigt sich das Bier in einem satten Goldton mit kräftiger Hefetrübung. Der gemischtporige, weiße Schaum baut sich stabil auf und bleibt angenehm lange erhalten – ein typischer, aber dennoch sehr ansprechender Eindruck für ein modernes Weizen.

In der Nase entfaltet sich ein intensives, fast schon opulentes Fruchtaroma. Banane trifft auf Zitrusfrüchte, Zitronenschale, Ananas und Mango, begleitet von einer feinen Vanillenote. Die klassische Weizenhefe bildet dabei das Fundament, während die Kalthopfung zusätzliche Frische und Komplexität einbringt.

Der Antrunk ist fruchtig-süß, dabei jedoch angenehm frisch und lebendig. Die feinperlige Kohlensäure unterstützt den leichten, spritzigen Eindruck. Am Gaumen spiegeln sich die Aromen konsequent wider: Tropische Früchte dominieren, ergänzt durch eine dezente, fruchtige Säure. Das Mundgefühl ist weich, fast samtig, und bleibt trotz der intensiven Aromatik erstaunlich zugänglich. Die Bittere ist – stiltypisch für ein Weizen – eher zurückhaltend. In der Kehle legt die Bittere leicht zu und verbindet sich mit den fruchtigen Noten zu einem langen, nachhaltigen Nachklang. Genau hier zeigt sich die Stärke der Kalthopfung: Sie bringt zusätzliche Tiefe, ohne den Weizencharakter zu überdecken.

Das „Zirkuspferd“ ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich traditionelle Bierstile neu interpretieren lassen. Klassische Weizenaromen treffen auf moderne Hopfenpower – verspielt, intensiv und dennoch ausgewogen. Ein Bier für alle, die bekannte Wege gerne verlassen und sich auf ein aromatisches Spektakel einlassen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

für

Kraftpaule GmbH
Neckarstraße 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

Auf Hefejagd: Wie wilde Mikroorganismen neue Bierwelten eröffnen

Seit Mitte der 2010er Jahre haben Forschende des Forschungszentrums Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität nach bislang unbekannten Hefestämmen gesucht – und sind dabei an ungewöhnlichen Orten fündig geworden. Ob in alten Kellern, auf Baumrinden oder in historischen Flaschen: Die Natur erwies sich als wahre Schatzkammer für neue Aromen im Bier.

Ziel des Projekts war es nicht, klassische Brauprozesse zu optimieren, sondern neue geschmackliche Möglichkeiten zu erschließen und die genetische Vielfalt der Hefen besser zu nutzen. Die spannendsten Funde wurden schließlich in Bier umgesetzt – und verkostet.

Alte Hefe, neu entdeckt: Franconia

Ein besonderer Fund ist die historische Hefe „Franconia“, die bereits in der Nachkriegszeit eine wichtige Rolle spielte. Jahrzehntelang nahezu vergessen, konnte sie aus einer alten Probe wieder aktiviert werden.

Das daraus gebraute Bier überzeugte mit einem ausgewogenen Profil: frisch, leicht fruchtig und angenehm rund. Besonders auffällig ist die Fähigkeit dieser Hefe, Hopfenaromen klar hervorzuheben. Damit eignet sie sich hervorragend für klassische Bierstile wie Pils oder Helles.

Cella: Ein Hybrid mit Potenzial

Noch ungewöhnlicher ist der Stamm „Cella“, der aus einer jahrzehntealten Bierflasche isoliert wurde. Es handelt sich um eine Kombination zweier Hefetypen, die sowohl kälteverträglich als auch aromatisch spannend sind.

Das Ergebnis im Bier: eine überraschende Verbindung aus untergäriger Frische und würzigen Noten, die man sonst eher aus obergärigen Bieren kennt. Diese Kombination eröffnet völlig neue Möglichkeiten – etwa für kreative Interpretationen klassischer Stile.

Quercus: Von der Eiche ins Glas

Die Hefe „Quercus“ stammt – wie der Name vermuten lässt – von einer Eiche. Solche natürlichen Quellen wurden schon früher für Fermentationsprozesse genutzt.

Im Bier sorgt dieser Stamm für fruchtige Eindrücke, insbesondere Zitrus- und Orangennoten, ergänzt durch eine dezente Würze. Mit der Zeit entwickelt sich das Profil weiter und wirkt zunehmend weich und harmonisch. Besonders spannend ist der Einsatz in Weizenbieren oder modernen Interpretationen klassischer Stile.

Ceret: Fruchtige Vielfalt aus dem Fass

Ein weiterer Fund stammt aus alten Sherryfässern. Die daraus gewonnene Hefe „Ceret“ bringt intensive Fruchtaromen ins Bier – von Maracuja bis Zitrus – sowie eine leichte, erfrischende Säure.

Das Ergebnis erinnert fast an ein spritziges Biermischgetränk, obwohl es sich um ein reines Bier handelt. Gerade für experimentelle Biere oder fruchtbetonte Ales bietet dieser Stamm großes Potenzial.

Hefe als Zukunftsfaktor

Die Erkenntnisse aus dem Projekt zeigen deutlich: Hefe ist weit mehr als nur ein funktionaler Bestandteil im Brauprozess. Sie prägt Aroma, Textur und Charakter eines Bieres maßgeblich – oft stärker als Hopfen oder Malz.

Die Forschenden sind überzeugt, dass das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Neue Hefestämme könnten in Zukunft völlig neue Bierstile ermöglichen und die Vielfalt weiter vergrößern.

Grundlage für diesen Beitrag ist ein Artikel in der Brauwelt 20|2019, der auch auf der Website der Technischen Universität München veröffentlicht wurde.

Bierothek-Gruppe in der Insolvenz: Wie geht es weiter mit dem Craft Beer-Händler?

Die Bierothek-Gruppe steht unter vorläufiger Insolvenzverwaltung. Betroffen sind sowohl die Bierothek GmbH als auch die Bierothek Marketplace GmbH. Das Amtsgericht Bamberg hat entsprechende Maßnahmen eingeleitet, um die wirtschaftliche Lage des Unternehmens zu prüfen und die Vermögenswerte zu sichern.

Komplexes Geschäftsmodell unter Druck

Die Bierothek hat sich in den vergangenen Jahren als Plattform für Craft- und Spezialitätenbiere etabliert. Das Konzept kombinierte Online-Shop, Marktplatz und stationäre Filialen und bot eine breite Auswahl nationaler und internationaler Biere.

Zum Geschäftsmodell gehörten neben dem klassischen E-Commerce auch ein Franchise-Netzwerk sowie eigene technische Lösungen für den Marktplatz. Branchenbeobachter sehen jedoch genau hier eine der Herausforderungen: Die Strategie galt als kapitalintensiv, insbesondere durch Expansion, Logistik und Marketing.

Vorläufige Insolvenz – wie geht es weiter?

Die Geschäftsführung bleibt weiterhin im Amt, agiert jedoch unter Aufsicht der eingesetzten Insolvenzverwalter. Wichtige Entscheidungen können nur noch in Abstimmung mit diesen getroffen werden.

Ziel der aktuellen Phase ist es, die wirtschaftliche Situation zu analysieren und mögliche Perspektiven zu prüfen. Dazu zählen unter anderem ein Einstieg von Investoren, eine Sanierung des Unternehmens oder auch die Aufgabe einzelner Geschäftsbereiche.

Beispiel für strukturelle Probleme

Experten sehen den Fall der Bierothek-Gruppe als symptomatisch für die aktuellen Herausforderungen im spezialisierten E-Commerce. Hohe Kosten für Logistik und Marketing treffen auf eine teilweise schwächelnde Nachfrage und begrenzte Skalierungsmöglichkeiten.

Biermarkt im Wandel

Die Entwicklung fällt in eine Zeit, in der sich der gesamte Biermarkt im Umbruch befindet. Laut Statistischem Bundesamt ist der Absatz von alkoholhaltigem Bier zuletzt auf einen historischen Tiefstand gesunken, während alkoholfreie Varianten weiter an Bedeutung gewinnen.

Besonders kleinere und mittelständische Brauereien stehen unter Druck. Steigende Kosten für Energie, Rohstoffe und Transport sowie verändertes Konsumverhalten führen dazu, dass immer mehr Betriebe wirtschaftliche Schwierigkeiten bekommen.

In jüngerer Zeit mussten bereits mehrere Brauereien schließen oder wurden übernommen. Beispiele sind die Craftbier-Brauerei Landgang in Hamburg oder Traditionsbetriebe wie Weltenburger und Bischofshof, die in größere Braugruppen integriert wurden.

Unsichere Zukunft

Wie es mit der Bierothek konkret weitergeht, ist derzeit offen. Die kommenden Wochen dürften entscheidend sein: Ob sich ein Investor findet, eine Restrukturierung gelingt oder Teile des Geschäfts eingestellt werden müssen, bleibt abzuwarten.

Für die Craft-Bier-Szene wäre ein dauerhafter Verlust jedoch ein spürbarer Einschnitt – schließlich war die Bierothek für viele Konsumenten eine wichtige Anlaufstelle für besondere Biere aus Franken, Deutschland und aller Welt.

Rückruf bei Gutmann: Alkoholfreies Hefeweizen betroffen

Die Brauerei Gutmann e.K. hat einen Rückruf für zwei alkoholfreie Biersorten gestartet. Betroffen sind sowohl das helle alkoholfreie Hefeweizen als auch das dunkle alkoholfreie Hefeweizen. Grund für die Maßnahme ist eine mögliche Nachgärung in einzelnen Flaschen.

Welche Produkte sind betroffen?

Vom Rückruf betroffen sind:
– Helles alkoholfreies Hefeweizen: alle Flaschen mit Mindesthaltbarkeitsdatum bis einschließlich 25.09.2026, insbesondere die Charge mit MHD 19.07.2026
– Dunkles alkoholfreies Hefeweizen: alle Flaschen mit Mindesthaltbarkeitsdatum bis einschließlich 25.09.2026, insbesondere die Charge mit MHD 12.07.2026

Die Chargenkennzeichnung befindet sich auf dem Rückenetikett direkt hinter dem Mindesthaltbarkeitsdatum.

Warum wird das Bier zurückgerufen?

Bei der Abfüllung kann es in Einzelfällen zu einer unerwünschten Nachgärung durch Hefe gekommen sein. Dadurch können zwei Risiken entstehen: Zum einen kann der Alkoholgehalt über den gesetzlich erlaubten Grenzwert für alkoholfreies Bier ansteigen. Zum anderen kann sich in der Flasche ein erhöhter Druck aufbauen, der im schlimmsten Fall zu Glasbruch führen kann.

Was sollten Verbraucher beachten?

Die Brauerei bittet ausdrücklich darum, die betroffenen Biere nicht zu konsumieren. Zudem sollten die Flaschen vorsichtig gehandhabt und transportiert werden, um mögliche Gefahren durch Druckaufbau zu vermeiden.

Bis zur Rückgabe empfiehlt es sich, die Flaschen kühl – idealerweise unter 10 °C – und lichtgeschützt zu lagern, um die Aktivität der Hefe zu verlangsamen.

Rückgabe und Kontakt

Die Brauerei erstattet selbstverständlich den Kaufpreis für ungeöffnete Flaschen. Die Rückgabe kann entweder direkt bei der Brauerei oder im jeweiligen Handel erfolgen. Alternativ ist auch eine individuelle Abstimmung möglich.

Für Rückfragen steht eine Hotline zur Verfügung:
+49 (0) 84 23 / 99 66 – 88
(Montag bis Donnerstag: 08:00 – 17:00 Uhr, Freitag: 08:00 – 12:00 Uhr)
E-Mail: hotline@brauerei-gutmann.de

Verbraucherschutz im Fokus

Der Rückruf erfolgt im Sinne des vorbeugenden Verbraucherschutzes. Die Brauerei Gutmann betont, dass Sicherheit und Qualität oberste Priorität haben. Der Fall zeigt einmal mehr, wie wichtig sorgfältige Produktions- und Lagerbedingungen sind – auch bei alkoholfreien Bieren.

Maisel & Friends – Artbier #8

Nun ist es da – das inzwischen achte Artbier von Maisel & Friends. Für diese Serie von Sondersuden gestaltet immer ein anderer Street Art-Künstler das Etikett. Für dieses Bier stammt das Etikett vom belgischen Künstler Lobster Robin. Er verbindet in seiner Arbeit auf einzigartige Weise klassische Illustration mit der Dynamik von Streetart. Mit einem Hintergrund in Illustration und Animation verfügt er über ein ausgeprägtes Gespür für Licht, Farben und feine Details – Fähigkeiten, die seinen Werken eine besondere Tiefe verleihen.

Gleichzeitig fließt die rohe, ungezähmte Energie von Graffiti und urbaner Kunst in seine Arbeiten ein. So entstehen visuell intensive, oft psychedelisch anmutende Bildwelten, die gleichermaßen faszinieren und herausfordern. Lobster Robin schafft es, vertraute Motive aus ungewohnten Perspektiven zu zeigen und den Betrachter in eine farbenreiche, fast traumartige Realität zu ziehen, die lange nachwirkt.

Jetzt ist es aber an der Zeit, dass ich mit der Verkostung beginne die Flasche öffne und das Bier einschenke. Das Artbier #8 von Maisel & Friends präsentiert sich im Glas in einem hellen Goldton mit ausgeprägter Hefetrübung. Der feinporige, weiße Schaum baut sich stabil auf und bleibt erfreulich lange erhalten.

In der Nase zeigt sich ein wahres Fruchtfeuerwerk: Zitrus, Ananas, Maracuja und Pfirsich verbinden sich zu einem intensiven, einladenden Aromenspiel, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist spritzig und lebendig, begleitet von einer angenehm zurückhaltenden Süße. Am Gaumen steht die Frucht klar im Vordergrund, ohne dabei den Malzkörper zu überdecken. Dieser sorgt für die nötige Balance und verleiht dem Bier Struktur. Hinzu kommt eine deutliche, fruchtige Bittere, die präsent ist, aber nie dominierend wirkt. Das Mundgefühl bleibt dabei weich und frisch. In der Kehle zeigt sich das Bier trockener, während Frucht und Bittere noch einmal gemeinsam auftreten. Besonders die Bittere bleibt lange erhalten und sorgt für einen nachhaltigen Eindruck.

Insgesamt ist das Artbier #8 ein sehr zugängliches IPA auf hohem Niveau – aromatisch intensiv, ausgewogen und mit hohem Trinkfluss. Und wie bei allen Sondersuden gilt: schnell sein lohnt sich, denn weg ist weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Krush, Mosaic, Simcoe, Citra), Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

13,7° Plato

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Rückruf bei Brauerei Holzhauser: Explosionsgefahr bei alkoholfreiem Bier

Die Brauerei Holzhauser hat aktuell einen Rückruf für zwei alkoholfreie Biersorten gestartet. Betroffen sind das alkoholfreie Weißbier sowie das alkoholfreie Helle in der 0,5-Liter-Glasflasche. Grund für die Maßnahme ist eine mögliche Nachgärung in einzelnen Flaschen, die im schlimmsten Fall zu gefährlichem Überdruck und sogar Glasbruch führen kann.

Welche Produkte sind betroffen?

Der Rückruf betrifft konkret folgende Chargen:
– Alkoholfreies Weißbier mit Mindesthaltbarkeitsdatum bis Juli 2026
– Alkoholfreies Helles mit Mindesthaltbarkeitsdatum bis November 2026

Warum besteht Gefahr?

Nach Angaben der Brauerei kann es bei der Abfüllung in Einzelfällen zu einer unerwünschten Nachgärung durch Hefe gekommen sein. Dadurch können zwei Probleme auftreten: Zum einen kann der Alkoholgehalt über die gesetzlich zulässige Grenze für alkoholfreies Bier ansteigen. Zum anderen kann sich in der Flasche ein erhöhter Druck aufbauen. Im Extremfall besteht dadurch die Gefahr, dass Flaschen bersten – mit entsprechendem Verletzungsrisiko.

Was sollten Verbraucher jetzt tun?

Die Brauerei rät dringend davon ab, die betroffenen Biere zu konsumieren. Stattdessen sollten die Flaschen ungeöffnet im Handel zurückgegeben werden. Besonders wichtig ist dies für Personen, die bewusst auf Alkohol verzichten möchten oder müssen.

Bis zur Rückgabe empfiehlt es sich, die Flaschen kühl (unter 10 °C) und lichtgeschützt zu lagern, um eine weitere Aktivität der Hefe möglichst zu verlangsamen.

Vorbeugender Verbraucherschutz

Der Rückruf erfolgt ausdrücklich aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes. Ziel ist es, mögliche gesundheitliche Risiken sowie Gefahren durch Glasbruch frühzeitig zu vermeiden.

Für Verbraucher zeigt der Fall einmal mehr, dass auch bei scheinbar unproblematischen Produkten wie alkoholfreiem Bier Sorgfalt bei Herstellung und Lagerung entscheidend ist.

Weltenburger – Helles Alkoholfrei

Das Weltenburger Helle Alkoholfrei präsentiert sich im Glas in einem goldenen Farbton mit leicht orangem Einschlag und glanzfeiner Klarheit. Der feinporige Schaum ist eher zurückhaltend, zeigt jedoch eine sehr gute Standfestigkeit.

In der Nase dominieren getreidige und süßliche Noten, begleitet von einer dezenten Blumigkeit des Hopfens. Der Antrunk wirkt deutlich süß, getragen von einer sehr feinperligen, eher zurückhaltend dosierten Kohlensäure.

Im weiteren Verlauf steht das Getreide klar im Mittelpunkt, harmonisch ergänzt durch die blumigen Hopfenaromen. Die Bittere bleibt dezent, das Mundgefühl weich und rund. Insgesamt erinnert der Eindruck stellenweise an eine milde, leicht malzige Limonade.

Im Abgang zeigt sich der Hopfen nochmals mit einer angenehmen, freundlichen Bittere und einer anhaltenden Blumigkeit, die vergleichsweise lange nachklingt.

Persönlich trifft das Bier nicht meinen Geschmack, dennoch lässt sich nachvollziehen, warum es insbesondere für Liebhaber milder, süffiger alkoholfreier Biere attraktiv sein kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz. Hopfen (Herkules, Tradition, Blanc), Kohlensäure

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

5,6° Plato

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

Brauerei Bischofshof GmbH & Co. KG
Heitzerstraße 2
93049 Regensburg
www.weltenburger.de

Hertl – Schwiegermutter`s Rache

Die Braumanufaktur Hertl ist bekannt für kreative Biere mit Augenzwinkern – und bei „Schwiegermutters Rache“ macht Detlef Hertl keine Ausnahme. Aber nicht nur beim Benennen seiner Biere gibt Detlef sich redliche Mühe, sondern auch beim Brauen. Daher haben mir bislang alle Biere gefallen, die ich in der Vergangenheit bereits verkostet habe. Ich hoffe, dass dies auch auf das alkoholfreie Weißbier zutrifft, das jetzt vor mir steht.

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem klassischen, naturtrüben Goldton mit leicht orangenen Reflexen. Die Schaumkrone ist üppig, fest und strahlend weiß – so, wie man es sich von einem fränkischen Weizenbier wünscht.

In der Nase entfaltet sich ein typisch hefig-fruchtiges Aromenspiel: Banane, ein Hauch Nelke und eine dezente Zitrusnote steigen auf. Dazu gesellen sich leichte Getreidenoten und eine angenehme Frische, die direkt Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist weich und erstaunlich vollmundig für ein alkoholfreies Bier. Eine feine Malzsüße trifft auf die klassische Weizenaromatik mit Banane und leichter Würze. Die Kohlensäure ist etwas knapp dosiert, sorgt aber trotzdem für ein angenehm spritziges Mundgefühl. Im weiteren Verlauf bleibt das Bier mild, frisch und sehr ausgewogen – die Bittere ist stiltypisch kaum wahrnehmbar, was den süffigen Charakter zusätzlich unterstreicht. Der Körper ist schlank bis mittel, ohne wässrig zu wirken. Auch in der Kehle zeigt sich das Bier sauber, erfrischend und mit einem dezenten Hefeton, der langsam ausklingt.

„Schwiegermutters Rache“ ist ein alkoholfreies Weißbier, das seinem großen Vorbild erstaunlich nahekommt. Fruchtig, weich und unkompliziert – und genau das Richtige für alle, die vollen Geschmack bei klarem Kopf genießen möchten.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Gärungskohlensäure

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Braumanufaktur Hertl
Thüngfeld 61
96132 Schlüsselfeld
www.braumanufaktur-hertl.de

Paulaner expandiert nach China – Partnerschaft mit Tsingtao soll Wachstum ankurbeln

Während viele Brauereien hierzulande mit rückläufigem Konsum kämpfen, richtet die Münchner Paulaner Brauerei Gruppe den Blick nach vorn – und vor allem nach Osten. Gemeinsam mit der chinesischen Traditionsbrauerei Tsingtao wurde nun eine langfristige Partnerschaft beschlossen, die den Zugang zu einem der wichtigsten Biermärkte der Welt weiter öffnen soll.

Kern der Zusammenarbeit ist der Export des „Münchner Hell“ nach China, wo es künftig exklusiv vertrieben wird. Gleichzeitig arbeiten beide Brauereien an einer neuen Lagerbiersorte, die gezielt für die Vorlieben der chinesischen Konsumenten entwickelt wurde. Ein Spagat zwischen bayerischer Brautradition und internationalem Geschmack – durchaus ambitioniert, aber offenbar gewollt.

Dass China für Paulaner kein Nebenprojekt ist, macht Geschäftsführer Jörg Biebernick deutlich: „China ist für uns ein strategisch wichtiger Markt“. Und er ergänzt: „Als größter Biermarkt der Welt bietet er erhebliches Potenzial für unsere internationale Wachstumsstrategie. Im Weißbiersegment sind wir bereits heute eine der führenden Marken im chinesischen Markt – mit klarem Anspruch, unsere Position weiter auszubauen. Mit Tsingtao haben wir einen starken Partner an unserer Seite, mit dem wir weiteres Marktpotenzial erschließen und unsere Präsenz im chinesischen Markt konsequent ausbauen wollen.“

Auch auf chinesischer Seite sieht man in der Kooperation mehr als nur ein gemeinsames Projekt. Cai Zhiwei, verantwortlich für Vertrieb und Marketing bei Tsingtao, beschreibt die Zusammenarbeit als wichtigen Schritt: „Die Zusammenarbeit mit Paulaner ist ein wichtiger Schritt, um die Positionierung der Produkte beider Partner im Premiumsegment gezielt zu stärken“. Weiter führt er aus: „Für Tsingtao steht Qualität an erster Stelle – mit dem klaren Anspruch, den Verbrauchern die besten Produkte zu bieten. Dieser Wert stimmt weitgehend mit dem von Paulaner überein und bildet die Grundlage für eine starke Partnerschaft zwischen zwei führenden Biermarken. Gemeinsam werden wir einen Synergieeffekt erzielen, bei dem eins plus eins mehr als zwei ist, und den Verbrauchern ein vielfältigeres und hochwertigeres Biererlebnis bieten.“

Damit die hohen Qualitätsstandards eingehalten werden, arbeiten die Braumeister beider Häuser eng zusammen. Ziel ist es, ein Bier zu entwickeln, das die Münchner Braukunst widerspiegelt und gleichzeitig die Erwartungen der Konsumenten vor Ort trifft. Gebraut wird nach dem bayerischen Reinheitsgebot und mit original deutschem Hopfen – ein klares Bekenntnis zur Herkunft, auch fern der Heimat.

Die Markteinführung des neuen Lagerbiers ist für den Sommer 2026 geplant. Für Paulaner ist die Kooperation ein weiterer Schritt in Richtung Internationalisierung – und vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass die Zukunft des Biermarktes nicht nur in traditionellen Hochburgen entschieden wird.