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Wieninger – Zwickl

350 Jahre Brautradition – mit solchen Zahlen beginnt bei vielen Brauereien die Geschichte, bevor das eigentliche Bier überhaupt ins Glas kommt. Auch bei der Privatbrauerei M. C. Wieninger spielt Herkunft eine wichtige Rolle. Regionalität, heimische Rohstoffe und Verantwortung für die eigene Region stehen im Mittelpunkt der HOAMAT-Linie. Doch Tradition allein macht kein gutes Bier. Entscheidend bleibt die Frage: Wie schmeckt das Wieninger Zwickel?

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem satten Goldton mit deutlicher Hefetrübung. Darüber liegt ein feinporiger, weißer Schaum, der solide wirkt, ohne außergewöhnlich lange durchzuhalten. Optisch erfüllt das Zwickel ziemlich genau die Erwartungen, die man an diesen Bierstil hat.

In der Nase zeigt sich das Bier überraschend einladend. Biskuitteig prägt den ersten Eindruck, begleitet von fruchtigen Noten, die an reife Birnen erinnern. Das wirkt angenehm weich und lässt bereits einen eher zugänglichen Charakter vermuten.

Der Antrunk bringt eine kräftige Kohlensäure mit, die das Bier lebendig erscheinen lässt. Dazu kommt eine angenehme Malzsüße, die sofort für einen harmonischen Einstieg sorgt. Der Körper des Wieninger Zwickel entwickelt eine schöne Balance: Fruchtige Eindrücke bleiben erhalten, eine leichte Säure sorgt für Frische und die Bittere bleibt freundlich dosiert. Nichts wirkt überzogen oder laut. Stattdessen entsteht ein schlankes, unkompliziertes Mundgefühl mit hoher Trinkbarkeit. Gerade diese Süffigkeit scheint die eigentliche Stärke des Bieres zu sein. Es versucht nicht, mit spektakulären Aromen Aufmerksamkeit zu erzwingen, sondern konzentriert sich auf Ausgewogenheit und Alltagstauglichkeit. Im Abgang bleibt das Zwickel mild, die Bittere verabschiedet sich zügig und hinterlässt nur einen kurzen Nachklang. Wer intensive oder lang anhaltende Aromen sucht, wird vielleicht mehr Tiefe vermissen. Wer dagegen ein unkompliziertes, ehrliches Bier bevorzugt, dürfte genau das schätzen.

Das Wieninger Zwickel ist kein Bier für große Experimente, sondern eines für viele Gelegenheiten. Angenehme Malzsüße, fruchtige Noten und eine gut eingebundene Bittere machen es zu einem rundum zugänglichen Begleiter. Vielleicht nicht spektakulär – aber genau deshalb ein Bier, das man gerne öfter trinkt.

Das Bier passt hervorragend zu Brotzeiten, mildem Bergkäse, Brathendl oder klassischen bayerischen Gerichten. Auch zu Flammkuchen oder einer herzhaften Quiche dürfte die ausgewogene Fruchtigkeit gut funktionieren.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Bittereinheiten:

18 IBU

Farbe:

 8EBC

Brauerei:

Privatbrauerei M.C. Wieninger
Poststraße 1
83317 Teisendorf
www.wieninger.de

Der Bayerische Brauerbund und der DEHOGA Bayern e.V. (BHG) haben die „Goldene BierIdee 2026“ verliehen

Im Rahmen der traditionellen Brauer-Gala im Münchner Löwenbräukeller wurde erneut die „Goldene BierIdee“ verliehen. Mit der Auszeichnung würdigen der Bayerischer Brauerbund und der DEHOGA Bayern Persönlichkeiten und Initiativen, die sich in besonderer Weise für die Pflege und Vermittlung bayerischer Bierkultur einsetzen.

Die Verleihung am 21. Mai 2026 stand dabei erstmals unter der Präsidentschaft von Dr. Stefan Kreisz, dem neuen Präsidenten des Bayerischen Brauerbundes. Gemeinsam mit Angela Inselkammer, Präsidentin von DEHOGA Bayern, sowie Hauptgeschäftsführer Dr. Lothar Ebbertz ehrte er Projekte und Akteure, die zeigen, wie vielfältig Bierkultur heute gelebt wird.

Auszeichnung für gelebte Regionalität

Eine der „Goldenen BierIdeen 2026“ ging an die Gemeinde Attenkirchen für das Hallertauer Bierfestival. Seit 2010 hat sich das Festival zu einem wichtigen Schaufenster regionaler Braukultur entwickelt. Besonders hervorgehoben wurden das ehrenamtliche Engagement sowie die enge Verbindung zwischen Hopfenanbau, Brauereien und regionaler Identität in der Hallertau – dem weltweit größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet.

Bierwissen für eine wachsende Gemeinschaft

Ebenfalls ausgezeichnet wurde Markus Harms für sein Magazin Bier & Brauhaus. Mit Publikationen, Veranstaltungen, Braukursen und digitalen Angeboten hat er über Jahre eine Plattform geschaffen, die Hobbybrauer, Bierinteressierte und Brauereien miteinander verbindet.

Die Jury würdigte dabei insbesondere seinen Beitrag zur Wissensvermittlung sowie seine Rolle bei der Vernetzung der deutschsprachigen Hobbybrauerszene.

Fränkische Bierkultur mit internationalem Blick

Die dritte Auszeichnung erhielt die Brauerei Kundmüller in Weiher für ihre Projektreihe „International Collaboration Brews“. Durch Gemeinschaftssude mit Brauereien aus unterschiedlichen Ländern verbindet die Familienbrauerei internationale Einflüsse mit fränkischer Brautradition.

Nach Einschätzung der Jury steht das Projekt beispielhaft für Offenheit, kreative Zusammenarbeit und handwerkliche Qualität – und zeigt zugleich, wie regionale Bierkultur weit über Bayern hinaus wirken kann.

Tradition und Innovation als gemeinsamer Nenner

In seiner Ansprache betonte Dr. Stefan Kreisz, dass die diesjährigen Preisträger eindrucksvoll zeigen würden, wie lebendig und vielfältig bayerische Bierkultur heute sei. Die ausgezeichneten Projekte verbänden Tradition mit neuen Ideen, stärkten Gemeinschaft und trügen die Begeisterung für bayerisches Bier über Landesgrenzen hinweg.

Die „Goldene BierIdee“ macht damit erneut deutlich: Bierkultur besteht längst nicht nur aus Brauprozessen und Rezepturen, sondern ebenso aus Menschen, Engagement und kreativen Ansätzen, die Tradition weiterentwickeln.

Benedektiner – Hell alkoholfrei

Manche Biere wollen laut sein. Sie werben mit exotischen Hopfensorten, maximaler Bittere oder möglichst ungewöhnlichen Zutaten. Das Benediktiner Hell schlägt einen anderen Weg ein. Hier steht die Idee von Ruhe, Ausgleich und bewusster Entschleunigung im Vordergrund – inspiriert von der benediktinischen Tradition. Große Worte für ein Helles. Also: Was landet tatsächlich im Glas?

Optisch macht das Bier zunächst vieles richtig. Es zeigt sich blond und kristallklar, gekrönt von einer festen Schaumkrone mit bemerkenswert guter Standzeit. Ein klassischer, sauberer Auftritt, der wenig Anlass zur Kritik bietet.

In der Nase dominieren helle Malznoten. Das Aromenspiel bleibt insgesamt eher zurückhaltend. Auffällig wirkt eine gewisse Süße, die den Eindruck einer früh beendeten oder besonders kontrollierten Gärung entstehen lässt. Komplexität sucht man hier allerdings vergeblich.

Der Antrunk überrascht mit einer gewissen Leichtigkeit – fast schon etwas dünn. Die Süße bleibt moderat und wird von einer sehr feinperligen Kohlensäure begleitet. Dadurch wirkt das Bier angenehm weich und unkompliziert. Im Körper zeigt sich das alkoholfreie Benediktiner Hell schlank und frisch. Die Süße wird von einer gut abgestimmten Bittere begleitet, die nie dominant auftritt. Alles wirkt auf Harmonie ausgelegt, ohne große Ausschläge in die eine oder andere Richtung. Das Bier bleibt dadurch ausgesprochen zugänglich, gleichzeitig aber auch etwas vorsichtig. Interessant wird es erst im Abgang: Die Bittere bleibt freundlich und moderat, entwickelt aber einen überraschend langen Nachhall. Gerade dieser längere Ausklang verleiht dem Bier mehr Charakter, als der erste Eindruck vermuten lässt.

Das Benediktiner Hell ist kein Bier, das mit spektakulären Aromen Aufmerksamkeit erzwingt. Vielmehr passt es tatsächlich zu dem Bild, das die Marke vermitteln möchte: unkompliziert, ruhig und angenehm. Vielleicht eher Begleiter nach einer Wanderung als Mittelpunkt eines langen Verkostungsabends. Somit ist das Benediktiner Hell alkoholfrei in klassisches Helles mit zurückhaltender Süße, schlankem Körper und erstaunlich langem Nachhall. Kein Bier für Aromensammler, aber eines für Menschen, die genau diese Unaufgeregtheit schätzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

6,9° Plato

Bittereinheiten:

14 IBU

Brauerei:

Benediktiner Weissbräu GmbH
Kaiser-Ludwig-Platz 1
82488 Ettal
www.benediktiner-weissbräu.de

Der Bayerische Brauerbund hat einen neuen Präsidenten

Dr. Stefan Kreisz (Foto: Kreisz)

Der Bayerischer Brauerbund hat eine neue Führung: Dr. Stefan Kreisz, Vorsitzender der Geschäftsführung von Erdinger Weißbräu, wurde am 21. Mai 2026 einstimmig zum neuen Präsidenten des Verbandes gewählt. Damit übernimmt ein Brauwissenschaftler und langjähriger Branchenkenner Verantwortung in einer Zeit, die für die Brauwirtschaft von großen Herausforderungen geprägt ist.

Mit Dr. Kreisz rückt eine Persönlichkeit an die Spitze, die Tradition und moderne Unternehmensführung gleichermaßen verkörpert. Der promovierte Brauwissenschaftler ist seit Jahren in leitenden Funktionen bei Erdinger tätig und verantwortete unter anderem Qualitätssicherung, Forschung und Entwicklung, bevor er in die Geschäftsführung wechselte.

Nach seiner Wahl machte Kreisz deutlich, worauf er seinen Fokus legen will: die Stärkung des Braustandorts Bayern, den Erhalt mittelständischer Braustrukturen und die gesellschaftliche Bedeutung des Bieres. Seine Botschaft: Bayerisches Bier sei weit mehr als ein Getränk – es sei Teil von Kultur, Heimat und Identität. Diese Vielfalt gelte es zu schützen und gleichzeitig zukunftsfähig weiterzuentwickeln.

Gerade dieser Spagat dürfte die Branche in den kommenden Jahren beschäftigen. Sinkende Bierabsätze, verändertes Konsumverhalten und wirtschaftlicher Druck stellen viele Brauereien vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig wachsen alkoholfreie Sortimente und neue Getränkekategorien an Bedeutung.

Abschied nach zehn Jahren: Georg Schneider wird Ehrenpräsident

Mit der Wahl endet zugleich die zehnjährige Amtszeit von Georg Schneider von Schneider Weisse. Schneider prägte den Verband in einer Phase tiefgreifender Veränderungen und setzte sich insbesondere für mittelständische Brauereien, regionale Wertschöpfung und Nachhaltigkeit ein.

Ein besonderer Moment seiner Amtszeit war das Jahr 2016: Damals feierte die bayerische Brauwirtschaft gemeinsam den 500. Jahrestag des Reinheitsgebots – ein Jubiläum mit internationaler Aufmerksamkeit und hoher symbolischer Bedeutung für Bayerns Bierkultur.

Für seine Verdienste wurde Georg Schneider nun einstimmig zum Ehrenpräsidenten des Bayerischen Brauerbundes ernannt.

Stabwechsel in anspruchsvollen Zeiten

Der Führungswechsel erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Brauwirtschaft zwischen Tradition und Transformation steht. Die Erwartungen an den neuen Präsidenten sind entsprechend hoch: Bayerische Bierkultur bewahren, mittelständische Brauereien stärken und gleichzeitig Antworten auf veränderte Märkte finden.

Mit Dr. Stefan Kreisz übernimmt nun ein Vertreter einer der bekanntesten deutschen Privatbrauereien diese Aufgabe – und damit die Verantwortung, Bayerns Brauwirtschaft in die nächste Phase zu begleiten.

Rückruf bei Mönchshof: Natur Radler Blutorange falsch als alkoholfrei gekennzeichnet

Verbraucher, die bewusst auf Alkohol verzichten wollen oder aus gesundheitlichen, religiösen oder persönlichen Gründen keinen Alkohol konsumieren dürfen, sollten derzeit besonders aufmerksam sein: Die Kulmbacher Brauerei informiert über einen Rückruf bestimmter Flaschen des Mönchshof Natur Radler Blutorange in der 0,5-Liter-Mehrwegflasche. Hintergrund ist eine fehlerhafte Kennzeichnung.

Nach Angaben der Brauerei wurde bei einem Teil der Produktion versehentlich ein falsches Klöppeletikett auf dem Schnappverschluss angebracht. Statt des vorgesehenen Etiketts für die alkoholhaltige Variante („Natur Radler Blutorange“) erhielten einige Flaschen irrtümlich die Kennzeichnung „Natur Radler 0,0 % Alkohol Blutorange“.

Die betroffenen Produkte enthalten jedoch kein alkoholfreies Getränk, sondern ein Radler mit einem Alkoholgehalt von 2,5 Prozent. Entscheidend für die korrekte Identifikation ist laut Hersteller das Rückenetikett: Weist dieses einen Alkoholgehalt von 2,5 Prozent aus und fehlen auf Hals- oder Bauchetikett Hinweise wie „Alkoholfrei“ oder „0,0 % Alkohol“, handelt es sich tatsächlich um die alkoholhaltige Variante.

Besonders problematisch ist die Verwechslung für Menschen, die bewusst alkoholfreie Getränke wählen – etwa Autofahrer, Schwangere oder Personen, die aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol konsumieren dürfen. Die Kulmbacher Brauerei bittet deshalb ausdrücklich darum, betroffene Flaschen nicht zu trinken.

Betroffen vom Rückruf ist folgendes Produkt: Mönchshof Natur Radler Blutorange

Glasflasche, Inhalt: 0,5 Liter

Mindesthaltbarkeitsdatum: 28.01.2027

Chargennummern: B1 03:08, B1 03:09 und B1 03:10

Hersteller: Kulmbacher Brauerei AG

Verbraucher können ungeöffnete Flaschen im Handel zurückgeben und erhalten den Kaufpreis erstattet.

Für Rückfragen hat die Brauerei einen Kundenservice eingerichtet. Dieser ist telefonisch unter 09221 / 705 – 629 erreichbar. Außerdem können Betroffene per E-Mail an reklamationen@kulmbacher.de Kontakt aufnehmen.

Der Vorfall zeigt erneut, wie wichtig eine korrekte Kennzeichnung von alkoholhaltigen und alkoholfreien Produkten ist. Gerade in Zeiten wachsender Nachfrage nach alkoholfreien Alternativen kann eine fehlerhafte Deklaration weitreichende Folgen haben.

Erdinger Dunkel

Viele Biere haben eine Geschichte, so auch das Erdinger Dunkel, das jetzt vor mir steht. Es hat sogar einen durchaus persönlichen Ursprung: Entwickelt wurde es 1989 als Geschenk zum 50. Geburtstag von Inhaber Werner Brombach. Offenbar ein Geschenk, das so gut ankam, dass es ein Jahr später seinen Weg auf den Markt fand – sehr zur Freude aller, die dunkle Weißbiere zu schätzen wissen.

Optisch macht das Bier sofort klar, wohin die Reise geht: tief dunkel glänzend im Glas, gekrönt von einem hellbraunen, cremigen, stabilen Schaum. Ein Auftritt, der eher an gemütliche Abende als an sommerliche Terrassen erinnert.

In der Nase dominieren röstige Aromen, begleitet von Noten dunkler Schokolade und Karamell. Dahinter versteckt sich eine dezente Fruchtigkeit, die an Pflaume erinnert und dem Bier eine zusätzliche Dimension verleiht. Nichts Lautes, aber genug, um neugierig auf den ersten Schluck zu machen.

Der Antrunk bestätigt diesen Eindruck eindrucksvoll. Eine leichte Süße verleiht dem Bier zusammen mit der Kohlensäure eine verführerische Spritzigkeit. Die dunklen Weizen- und Gerstenmalze liefern einen vielschichtigen Einstieg. Die obergärige Hefe sorgt für den klassischen Weißbier-Charakter, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Im weiteren Verlauf zeigt sich das Erdinger Dunkel erstaunlich ausgewogen. Malzige Noten, die an frisches Bauernbrot erinnern, treffen auf eine dezente Süße und einen feinen nussigen Unterton. Die Bittere bleibt stiltypisch zurückhaltend, setzt aber genau dort an, wo sie gebraucht wird, um dem Bier Struktur zu geben. Das Mundgefühl ist vollmundig und rund, ohne schwer zu wirken. Genau hier liegt eine der größten Stärken dieses Bieres: Es wirkt kräftig, bleibt aber gleichzeitig angenehm süffig. Der Abgang ist erfrischend, leicht trocken und klingt lange nach – ein Finale, das Lust auf den nächsten Schluck macht.

Unterm Strich ist das Erdinger Dunkel ein klassisches Beispiel dafür, wie viel Charakter in einem traditionellen Stil stecken kann. Kein Experiment, kein Trendprodukt – sondern ein durchdachtes, ausgewogenes Bier, das einfach funktioniert. Oder anders gesagt: Ein Dunkles, das man nicht nur probiert, sondern gerne austrinkt.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Gerstenröstmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürzegehalt:

12,8° Plato

Bittereinheiten:

14 IBU

Brauerei:

Privatbrauerei Erdinger Weißbräu
Werner Brombach GmbH
Lange Zeile 1 + 3
85435 Erding
www.erdinger.de

Wandern mit „Glust“: Biergenuss im Oberpfälzer Wald

Im Oberpfälzer Wald wissen die Menschen, was Genuss bedeutet. „An Glust ham“ nennen es die Einheimischen, wenn der Appetit besonders groß ist – und genau diesen Appetit stillt die Region auf bemerkenswert vielfältige Weise. Denn hier verbindet sich das Wandern durch eine eindrucksvolle Landschaft ganz selbstverständlich mit der Einkehr in traditionsreiche Wirtshäuser. Eine Kombination, die nicht nur Einheimische zu schätzen wissen, sondern immer mehr Besucher anzieht.

Ein besonders schönes Beispiel ist die Tour „Biergenuss am Wasser entlang“. Auf rund 38 Kilometern führt die Strecke – je nach Kondition in ein oder zwei Etappen – zwischen zwei Brauereigasthöfen hin und her: dem Brauereigasthof Jacob und dem Brauereigasthof Jakob. Unterwegs begleiten das idyllische Regenttal und der Hammersee die Wanderer – eine Kulisse, die fast schon verdächtig gut zum nächsten Bier passt.

Wer noch tiefer in die regionale Bierkultur eintauchen möchte, sollte sich die Zoiglwanderung auf dem Goldsteig vormerken. Rund 48 Kilometer lang folgt die Route dem sechszackigen Zoiglstern, dem traditionellen Symbol der Brauer. Die Strecke lässt sich entspannt in zwei bis drei Etappen aufteilen – nicht zuletzt, weil man unterwegs immer wieder einkehren möchte. Zoiglbier und eine zünftige Brotzeit gehören hier schließlich genauso dazu wie die Landschaft selbst. Highlights wie die Muckenthaler Teichpfanne oder das Waldnaabtal sorgen zusätzlich dafür, dass der Blick nicht nur ins Glas, sondern auch in die Natur wandert.

Für alle, die es etwas kompakter mögen, bietet sich die Genusswanderung rund um Waldsassen an. Auf knapp zehn Kilometern verbindet sich hier barocke Architektur mit regionaler Küche. Als ausgezeichneter „Bayerischer Genussort“ überzeugt Waldsassen nicht nur mit seiner imposanten Kulisse, sondern auch mit einer Gastronomie, die bewusst auf saisonale und lokale Produkte setzt. So lässt sich etwa direkt neben der Dreifaltigkeitskirche Kappl ein Burger oder Braten vom Angusrind aus eigener Aufzucht genießen – ein kulinarischer Abschluss, der den Begriff „Glust“ endgültig erklärt.

Wer seine eigene Genussreise planen möchte, findet mit dem Natur-Navi eine praktische Unterstützung. Die digitale Wanderkarte des Oberpfälzer Waldes hilft dabei, Touren individuell zusammenzustellen, Sehenswürdigkeiten zu entdecken und Einkehrmöglichkeiten gezielt auszuwählen.

Neues Brauverfahren für alkoholfreies Weissbier: Innovation aus den Münchner Isarauen

Alkoholfreies Bier hat sich längst vom Notnagel zum ernstzunehmenden Genussmittel entwickelt. Doch was die Brauerei zum Kuchlbauer jetzt präsentiert, hebt das Thema auf ein neues Level: Mit einer in den Münchner Isarauen entdeckten Wildhefe entsteht ein alkoholfreies Weissbier, das geschmacklich überrascht – und technologisch neue Wege geht.

Geschichte & Hintergrund

Die Grundlage dieser Innovation liegt nicht im Sudhaus, sondern in der Natur. Forscher der Technischen Universität München entdeckten im Rahmen einer „Hefejagd“ einen besonderen Hefestamm auf der Rinde einer Esche in den Isarauen. Dabei handelt es sich um Saccharomyces jurei – eine Hefe mit außergewöhnlichen Eigenschaften.

Gemeinsam mit der Brauerei zum Kuchlbauer wurde diese Entdeckung weiterentwickelt und erstmals in die Praxis überführt. Das Ergebnis: „Alte Liebe Alkoholfrei“, ein dunkles Weissbier, das ohne klassische technische Tricks auskommt. Statt Alkohol nachträglich zu entziehen oder die Gärung frühzeitig abzubrechen, setzt man hier auf einen natürlichen, biologischen Prozess.

Das Brauverfahren – ein echter Gamechanger?

Bisher gibt es zwei typische Wege zu alkoholfreiem Bier: Entweder wird dem fertigen Bier Alkohol technisch entzogen – aufwendig und teuer – oder die Gärung wird früh gestoppt, was oft zu süßlichen Ergebnissen führt, die nur entfernt nach Bier schmecken.

Die neue Hefe verfolgt einen anderen Ansatz. Sie produziert zunächst intensive Aromen, während die Alkoholbildung stark verzögert einsetzt. Erst nach etwa zehn bis vierzehn Tagen würde nennenswert Alkohol entstehen. Brauer können also genau den richtigen Moment wählen, um die Gärung zu stoppen – und erhalten ein aromatisches Bier mit minimalem Alkoholgehalt.

Das Ergebnis im Glas

Das Resultat dieser Methode kann sich sehen – und vor allem schmecken – lassen. „Alte Liebe Alkoholfrei“ ist ein dunkles Weissbier mit charakteristischen Aromen von roten Früchten und Nelke. Also genau das, was Sie von einem klassischen dunklen Weizen erwarten – nur eben ohne den Alkohol.

Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt auch der Blick über den Tellerrand: Selbst die Tochterbrauerei Schlossbrauerei Sandersdorf nutzt die Hefe bereits für ein alkoholfreies Helles in Bio-Qualität.

Einordnung: Innovation mit Zukunft?

Für kleinere Brauereien könnte diese Entwicklung besonders spannend sein. Während große Industriebetriebe auf teure Entalkoholisierungsanlagen setzen, eröffnet diese Hefe eine handwerkliche, energieschonende Alternative. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach alkoholfreien Weissbieren stetig – ein Segment, das bislang eher stiefmütterlich behandelt wurde.

Mit der Kombination aus wissenschaftlicher Entdeckung und brauerischem Know-how gelingt der Brauerei zum Kuchlbauer ein bemerkenswerter Schritt nach vorn. Die neue Hefe könnte das Brauen alkoholfreier Biere nachhaltig verändern – und zeigt eindrucksvoll, dass Innovation manchmal direkt vor der eigenen Haustür wächst. In diesem Fall: an einer Esche in den Münchner Isarauen.

Kraftpaule – Weizen

Manche Biere betreten die Bühne leise – andere stürmen sie wie ein artistisches Spektakel. Das kaltgehopfte Weizenbier „Zirkuspferd“ der Brauerei Kraftpaule gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Hier trifft klassische Weizenbierbasis auf moderne Hopfenaromatik – und das Ergebnis ist alles andere als gewöhnlich. Schon der Name ist Programm: Wie ein kunstvoll dressiertes Zirkuspferd präsentiert sich dieses Bier verspielt, kraftvoll und überraschend. Statt klassischer Zurückhaltung liefert es ein Aromenspektakel, das besonders Fans hopfenbetonter Biere begeistern dürfte.

Im Glas zeigt sich das Bier in einem satten Goldton mit kräftiger Hefetrübung. Der gemischtporige, weiße Schaum baut sich stabil auf und bleibt angenehm lange erhalten – ein typischer, aber dennoch sehr ansprechender Eindruck für ein modernes Weizen.

In der Nase entfaltet sich ein intensives, fast schon opulentes Fruchtaroma. Banane trifft auf Zitrusfrüchte, Zitronenschale, Ananas und Mango, begleitet von einer feinen Vanillenote. Die klassische Weizenhefe bildet dabei das Fundament, während die Kalthopfung zusätzliche Frische und Komplexität einbringt.

Der Antrunk ist fruchtig-süß, dabei jedoch angenehm frisch und lebendig. Die feinperlige Kohlensäure unterstützt den leichten, spritzigen Eindruck. Am Gaumen spiegeln sich die Aromen konsequent wider: Tropische Früchte dominieren, ergänzt durch eine dezente, fruchtige Säure. Das Mundgefühl ist weich, fast samtig, und bleibt trotz der intensiven Aromatik erstaunlich zugänglich. Die Bittere ist – stiltypisch für ein Weizen – eher zurückhaltend. In der Kehle legt die Bittere leicht zu und verbindet sich mit den fruchtigen Noten zu einem langen, nachhaltigen Nachklang. Genau hier zeigt sich die Stärke der Kalthopfung: Sie bringt zusätzliche Tiefe, ohne den Weizencharakter zu überdecken.

Das „Zirkuspferd“ ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich traditionelle Bierstile neu interpretieren lassen. Klassische Weizenaromen treffen auf moderne Hopfenpower – verspielt, intensiv und dennoch ausgewogen. Ein Bier für alle, die bekannte Wege gerne verlassen und sich auf ein aromatisches Spektakel einlassen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

für

Kraftpaule GmbH
Neckarstraße 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

Auf Hefejagd: Wie wilde Mikroorganismen neue Bierwelten eröffnen

Seit Mitte der 2010er Jahre haben Forschende des Forschungszentrums Weihenstephan für Brau- und Lebensmittelqualität nach bislang unbekannten Hefestämmen gesucht – und sind dabei an ungewöhnlichen Orten fündig geworden. Ob in alten Kellern, auf Baumrinden oder in historischen Flaschen: Die Natur erwies sich als wahre Schatzkammer für neue Aromen im Bier.

Ziel des Projekts war es nicht, klassische Brauprozesse zu optimieren, sondern neue geschmackliche Möglichkeiten zu erschließen und die genetische Vielfalt der Hefen besser zu nutzen. Die spannendsten Funde wurden schließlich in Bier umgesetzt – und verkostet.

Alte Hefe, neu entdeckt: Franconia

Ein besonderer Fund ist die historische Hefe „Franconia“, die bereits in der Nachkriegszeit eine wichtige Rolle spielte. Jahrzehntelang nahezu vergessen, konnte sie aus einer alten Probe wieder aktiviert werden.

Das daraus gebraute Bier überzeugte mit einem ausgewogenen Profil: frisch, leicht fruchtig und angenehm rund. Besonders auffällig ist die Fähigkeit dieser Hefe, Hopfenaromen klar hervorzuheben. Damit eignet sie sich hervorragend für klassische Bierstile wie Pils oder Helles.

Cella: Ein Hybrid mit Potenzial

Noch ungewöhnlicher ist der Stamm „Cella“, der aus einer jahrzehntealten Bierflasche isoliert wurde. Es handelt sich um eine Kombination zweier Hefetypen, die sowohl kälteverträglich als auch aromatisch spannend sind.

Das Ergebnis im Bier: eine überraschende Verbindung aus untergäriger Frische und würzigen Noten, die man sonst eher aus obergärigen Bieren kennt. Diese Kombination eröffnet völlig neue Möglichkeiten – etwa für kreative Interpretationen klassischer Stile.

Quercus: Von der Eiche ins Glas

Die Hefe „Quercus“ stammt – wie der Name vermuten lässt – von einer Eiche. Solche natürlichen Quellen wurden schon früher für Fermentationsprozesse genutzt.

Im Bier sorgt dieser Stamm für fruchtige Eindrücke, insbesondere Zitrus- und Orangennoten, ergänzt durch eine dezente Würze. Mit der Zeit entwickelt sich das Profil weiter und wirkt zunehmend weich und harmonisch. Besonders spannend ist der Einsatz in Weizenbieren oder modernen Interpretationen klassischer Stile.

Ceret: Fruchtige Vielfalt aus dem Fass

Ein weiterer Fund stammt aus alten Sherryfässern. Die daraus gewonnene Hefe „Ceret“ bringt intensive Fruchtaromen ins Bier – von Maracuja bis Zitrus – sowie eine leichte, erfrischende Säure.

Das Ergebnis erinnert fast an ein spritziges Biermischgetränk, obwohl es sich um ein reines Bier handelt. Gerade für experimentelle Biere oder fruchtbetonte Ales bietet dieser Stamm großes Potenzial.

Hefe als Zukunftsfaktor

Die Erkenntnisse aus dem Projekt zeigen deutlich: Hefe ist weit mehr als nur ein funktionaler Bestandteil im Brauprozess. Sie prägt Aroma, Textur und Charakter eines Bieres maßgeblich – oft stärker als Hopfen oder Malz.

Die Forschenden sind überzeugt, dass das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Neue Hefestämme könnten in Zukunft völlig neue Bierstile ermöglichen und die Vielfalt weiter vergrößern.

Grundlage für diesen Beitrag ist ein Artikel in der Brauwelt 20|2019, der auch auf der Website der Technischen Universität München veröffentlicht wurde.