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Brasserie de la Senne – Taras Boulba

Mit dem Taras Boulba will die Brasserie de la Senne zeigen, dass große Biererlebnisse nicht zwingend mit hohem Alkoholgehalt einhergehen müssen. Das Session IPA aus Brüssel steht exemplarisch für eine Philosophie, die in der Craft-Szene immer mehr Anhänger findet: weniger Alkohol, aber maximaler Geschmack. Ob dieses Vorhaben geklappt hat, will ich jetzt feststellen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Optisch präsentiert sich das Bier hell goldfarben und leicht trüb im Glas, gekrönt von einer feinporigen, stabilen weißen Schaumkrone. Ein klassischer, unaufgeregter Auftritt, der gut zum Bierstil passt.

In der Nase wird es dann deutlich spannender. Frische Zitrusaromen treffen auf exotische Fruchtnoten wie Litschi und Mango. Dazu gesellt sich eine leichte Süße, die an Honig und Zitronenlimonade erinnert, begleitet von einem Hauch Würze und mineralischen Nuancen. Ein Duftbild, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk fällt trocken und durch die reichliche Karbonisierung spritzig aus. Eine klare Bittere setzt früh ein, wird aber von einer zarten Malzigkeit und fruchtigen Noten im Hintergrund begleitet. Im weiteren Verlauf entsteht ein interessantes Wechselspiel: Tropische Frucht trifft auf trockene Bitterkeit, ohne dass sich eine Seite in den Vordergrund drängt. Mit rund 33 IBU bleibt die Bittere präsent, aber kontrolliert. Besonders im Abgang zeigt sich das Bier charakterstark: trocken, leicht kräuterig und mit einer Wermut-ähnlichen Note, die für ein ungewöhnliches, aber stimmiges und lang anhaltendes Finale sorgt. Gleichzeitig bleibt das Bier durch seine prickelnde, zitronige Frische erstaunlich süffig.

Das Mundgefühl ist schlank und lebendig, was den Trinkfluss deutlich erhöht. Mit 4,5 Prozent Alkohol erfüllt das Taras Boulba genau das, was ein Session IPA leisten soll: viel Geschmack bei hoher Trinkbarkeit. Unterm Strich ist dieses Bier ein überzeugender Beweis dafür, dass „leicht“ nicht gleich „langweilig“ bedeutet. Oder anders gesagt: Ein Bier, das Sie nicht fordert – aber definitiv beschäftigt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Nobel), Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Bittereinheiten:

33 IBU

Farbe:

6 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 9° Celsius

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be

Debuisson – Bush Blonde Triple

Mit dem Bush Blonde Triple bringt die Brasserie Dubuisson ein Bier ins Glas, das kaum Zweifel daran lässt, wo es herkommt: Belgien, und zwar mit allem, was dazugehört. Kraft, Komplexität und eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit Alkoholstärke.

Seit 2008 ergänzt diese Variante die Bush-Familie und setzt auf Flaschengärung, um dem ohnehin schon intensiven Grundbier noch mehr Tiefe zu verleihen. Das Ergebnis zeigt sich bereits beim Einschenken: bernsteinfarben, leicht hefetrüb und mit einem feinporigen, stabilen weißen Schaum, der lange stehen bleibt.

In der Nase wird schnell klar, dass hier kein Leichtgewicht im Glas steht. Aromen von Keksteig, hellem Malz und Karamell treffen auf die typische belgische Hefenote. Dazu gesellen sich florale Anklänge, die dem Ganzen eine überraschende Frische verleihen.

Der Antrunk beginnt vergleichsweise zurückhaltend, mit einer feinen, gut eingebundenen Süße und einer sehr feinperligen Kohlensäure. Doch dieser ruhige Einstieg täuscht: Im weiteren Verlauf entfaltet das Bier seine ganze Bandbreite. Hefige Noten, florale Nuancen und eine ausgewogene, freundliche Bittere greifen ineinander und sorgen für ein rundes, harmonisches Mundgefühl. Besonders bemerkenswert ist, wie gut der Alkohol integriert ist. Mit seiner Stärke bringt er Wärme ins Spiel, ohne jemals störend zu wirken. Stattdessen unterstützt er die Struktur und verleiht dem Bier zusätzliche Tiefe. In der Kehle zeigt sich das Bush Blonde Triple trockener und überraschend mild. Die Bittere bleibt angenehm im Hintergrund, während die alkoholische Wärme langsam nachklingt und das Geschmackserlebnis abrundet.

Unterm Strich ist dieses Bier ein Paradebeispiel für ein belgisches Tripel. Kraftvoll, komplex und dennoch zugänglich. Oder anders gesagt: Ein Bier, an dem sich viele andere messen lassen müssen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Bittereinheiten:

21 IBU

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brasserie Dubuisson
Chaussée de Mons 28
7904 Leuze-en-Hainaut
Belgien
www.dubuisson.com

Atrium – Trio

Die Atrium ist eine noch junge, aber bereits vielfach ausgezeichnete Mikrobrauerei aus dem Süden Belgiens. Gegründet wurde sie 2018 von Valéry, einem ausgebildeten Brauer mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund, und Paula, einer Biersommelière. Was beide verbindet, ist ihre gemeinsame Leidenschaft für Craftbier – und der Anspruch, klassische belgische Stile modern zu interpretieren. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Bereits 2019 wurde Atrium von RateBeer zur besten neuen Brauerei Belgiens gekürt und erhielt zudem internationale Auszeichnungen, unter anderem beim European Beer Star.

Mit dem „Trio“ widmet sich die Brauerei einem klassischen Stil: einem obergärigen Tripel, das mit drei verschiedenen Haferarten eingebraut wurde und dadurch eine besonders weiche, cremige Textur erhält.

Im Glas zeigt sich das Bier in einem satten Orange mit deutlicher Hefetrübung. Der feinporige Schaum baut sich stabil auf und überzeugt mit sehr guter Standzeit.

In der Nase treffen typische belgische Hefearomen auf Noten von Biskuitteig, begleitet von einer angenehm eingebundenen Alkoholnote.

Der Antrunk wirkt trotz einer spürbaren Süße überraschend spritzig und lebendig. Am Gaumen entfaltet sich ein volles, cremiges Mundgefühl, das durch die Verwendung von Hafer zusätzlich unterstrichen wird. Fruchtige Nuancen verbinden sich mit einer klassischen belgischen Bittere, die dem Bier Struktur verleiht, ohne es aus der Balance zu bringen. Im Abgang zeigt sich das Trio zunächst milder als erwartet, bevor der Alkohol deutlicher hervortritt. Die Bittere bleibt lange präsent und sorgt für einen nachhaltigen, leicht wärmenden Eindruck. Insgesamt ist das Trio ein gelungenes, charakterstarkes Tripel, das Tradition und moderne Brautechnik verbindet – cremig, komplex und dennoch zugänglich.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hafer, Weizen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,7 % Vol.

Bittereinheiten:

27 IBU

Farbe:

13 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 10° Celsius

Brauerei:

Brasserie Atrium
9 Rue des Brasseurs
6900 Marche-en-Famenne
Belgien

Brasserie de Blaugies – Saison d’Epeautre

Ganz im Westen Belgiens, nur wenige Schritte von der französischen Grenze entfernt, liegt die kleine, familiengeführte Brasserie de Blaugies. Seit ihrer Gründung im Jahr 1988 hat sie sich ganz einem Bierstil verschrieben, der lange Zeit fast in Vergessenheit geraten wäre: dem Saison. Diese traditionellen Farmhouse Ales wurden einst in den Wintermonaten gebraut, um Landarbeiter außerhalb der Erntesaison zu beschäftigen. Mit dem Siegeszug der Lagerbiere geriet der Stil zunehmend ins Abseits, erlebt jedoch seit einigen Jahren eine verdiente Renaissance.

Das Saison d’Epeautre zeigt sich im Glas in einem satten Goldton mit deutlicher Hefetrübung. Beim Öffnen noch sehr schaumfreudig, fällt die Schaumkrone im Glas allerdings rasch zusammen.

In der Nase entfalten sich Aromen von frischem Biskuitteig, begleitet von gelben Früchten und einer dezenten, leicht säuerlichen Note.

Der Antrunk ist spritzig und angenehm trocken, fast schon erfrischend wie eine fein perlende Fruchtbrause. Im weiteren Verlauf zeigt sich ein schlanker Körper mit einer leichten, gut eingebundenen Süße, die schnell von einer milden Säure abgelöst wird. Geschmacklich erinnert das Bier an nicht ganz reife gelbe Pflaumen, wobei eine klassische Hopfenbittere nahezu nicht wahrnehmbar ist. Der Alkohol bleibt dabei vollständig im Hintergrund.

Der Abgang präsentiert sich entsprechend trocken, fruchtig und sauber, mit einer erfrischenden Leichtigkeit, die zum nächsten Schluck einlädt. Trotz eines Jahres über dem Mindesthaltbarkeitsdatum wirkt das Bier erstaunlich lebendig und ausgewogen.

Das Saison d’Epeautre ist ein charakterstarkes Beispiel für diesen Bierstil: gebraut mit Dinkel und Gerste, angenehm trocken, leicht im Körper und mit einer feinen, leicht säuerlichen Note. Ein Bier, das nicht nur die Tradition des Saison-Stils lebendig hält, sondern auch zeigt, wie spannend und vielseitig diese wiederentdeckte Bierkategorie sein kann.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Bittereinheiten:

19 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Brasserie de Blaugies
Rue de la Frontière 435
7370 Blaugies
Belgien
www.brasseriedeblaugies.com

De Halve Maan – Rosé de Bruges

Mitten im malerischen Brügge, wo Grachten, Kopfsteinpflaster und Touristen um die schönsten Fotospots konkurrieren, braut die Brauerei De Halve Maan seit Generationen ihre Biere. Als eine der letzten familiengeführten Stadtbrauereien Belgiens verbindet sie Tradition mit einer guten Portion Innovationsfreude – und scheut sich nicht, auch mal neue Wege zu gehen. Jetzt steht das Rosé de Bruges vor mir, ein Witbier, das mit Kirschen eingebraut wurde.

Schon optisch fällt das Bier aus dem Rahmen: Ein zarter Roséton schimmert im Glas, fast schon verspielt, begleitet von einer feinen, pinken Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Wer hier ein klassisches Bier erwartet hat, wird schnell merken – das hier ist eine andere Liga.

In der Nase zeigen sich sofort fruchtige Noten, dazu Mandeln und Kandis.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß, was aber zur kräftigen Kohlensäure passt. Der vorherrschende Geschmackseindruck ist selbstverständlich die Kirsche. Dazu kommt eine leichte florale Frische. Damit werde ich eher an einen sommerlichen Aperitif als an ein Bier erinnert. Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck fort. Das Rosé de Bruges präsentiert sich angenehm leicht, mit einer lebendigen, aber nicht aufdringlichen Säure. Die Fruchtigkeit bleibt klar im Vordergrund, wirkt aber mit der Zeit etwas künstlich oder überladen. Das Mundgefühl ist leicht und schlank. In der Kehle kommt noch der Geschmack nach Marzipan zum Tragen, der aber leider nur kurz nachklingt.

Ich kann mir nicht helfen – von De halve Maan habe ich schon deutlich bessere Biere verkostet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Zucker, Holundersaftkonzentrat, Süßkirschsaftkonzentrat, Hefe, Zitronensäure, Maltodextrin, Aroma, Hopfen, Gewürze (Koriandersamen, bittere und süße Orangenschalen)

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Halve Maan
Walplein 26
8000 Brügge
Belgien
www.blanchedebruges.be

Valduc-Thor – Joker Poivres

Die Brasserie Valduc aus dem belgischen Thorembais-Saint-Trond gehört zu den kleineren Brauereien des Landes, steht aber ganz in der großen Tradition belgischer Spezialbiere. Mit dem Joker hat die Brauerei ein Bier im Sortiment, das auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkt, sich im Glas aber als typisch belgischer Charakterkopf entpuppt.

Im Glas zeigt sich der Valduc Joker in einem klaren, goldgelben Farbton mit leichter Bernstein-Note. Die Schaumkrone baut sich zunächst üppig auf, wirkt feinporig und stabil und bleibt eine ganze Weile erhalten. Optisch erinnert das Bier stark an ein klassisches belgisches Blond – hell, lebendig und durchaus einladend.

In der Nase zeigt sich sofort die belgische Hefe. Fruchtige Aromen steigen aus dem Glas, die an reife Birne, Aprikose und einen Hauch Zitrus erinnern. Dazu gesellen sich leichte Honig- und Malznoten sowie eine dezente Würzigkeit, die ein wenig an weißen Pfeffer und Nelken denken lässt. Insgesamt wirkt das Bouquet angenehm komplex, ohne überladen zu sein.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine sehr kräftige Kohlensäure sowie eine leichte Süße aus. Eine dezente Malznote eröffnet den Geschmack, schnell begleitet von fruchtigen Hefearomen, die dem Bier eine schöne Lebendigkeit verleihen. Auf der Zunge zeigt sich eine angenehme Balance zwischen leichter Süße, frischer Karbonisierung und einer sanften Hopfenbittere. Langsam entwickelt sich eine feine Würze, die typisch für viele belgische Biere ist. Die fruchtigen Noten bleiben präsent und erinnern weiterhin an Zitrus. Gleichzeitig wirkt das Bier erstaunlich schlank und gut trinkbar. In der Kehle ist das Bier trocken, leicht würzig und recht mild. Die fruchtigen Hefearomen klingen recht flott aus.

Insgesamt präsentiert sich der Valduc Joker als klassisches belgisches Blondbier mit einer angenehmen Süffigkeit. Aromatisch, ausgewogen und lebendig – ein Bier, das nicht laut auftritt, aber mit jedem Schluck zeigt, warum belgische Braukunst weltweit einen so guten Ruf genießt.

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Brasserie coopérative Valduc – Thor
Rue de Ponceau38
1360 Thorembais-Saint-Trond
Belgien
https://www.brasserievalduc.be

Grain d’Orge – Bière de Fête

Die Brasserie Grain d’Orge ist eine kleine belgische Familienbrauerei nahe der deutsch-niederländischen Grenze. Seit den frühen 2000er-Jahren wird hier mit viel handwerklichem Anspruch gebraut, wobei sich die Brauerei bewusst an der reichen belgischen Biertradition orientiert. Gleichzeitig erlaubt man sich gelegentlich moderne Interpretationen klassischer Stile. Die Biere der Brauerei sind meist charaktervoll, aromatisch und deutlich von belgischer Hefearomatik geprägt. Aus dieser Brauerei stammt das Grelotte Bière de Fête, das jetzt vor mir steht und das ich verkosten will.

Das Grelotte Bière de Fête fließt in einem warmen Braun ins Glas. Es zeigt sich leicht opalisierend und wird von einer cremigen, feinporigen Schaumkrone gekrönt, die zunächst stabil steht und das Bier optisch sehr festlich wirken lässt – passend zum Namen.

In der Nase präsentiert sich das Bier angenehm komplex. Süßliche Malznoten erinnern an Karamell, Kaffee und Lakritz, abgerundet durch fruchtige Hefearomen. Diese gehen in Richtung reifer Birne, gelber Apfel und etwas Zitrus. Dahinter schwingt eine feine Würze mit, wie sie für belgische Ales typisch ist – leicht pfeffrig, mit einem Hauch von Kräutern.

Der Antrunk ist weich und er wird durch eine angenehme Malzsüße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure dominiert. Sie bildet die Grundlage, bevor sich fruchtige Hefearomen entfalten. Noten von Birne, etwas Zitrusschale und ein Hauch Gewürz sorgen für ein lebendiges Geschmacksbild. Im Mittelteil kommt eine sanfte Hopfenbittere hinzu, die das Bier angenehm ausbalanciert. Der Abgang wirkt trocken, leicht würzig und bleibt mit einer feinen, eleganten Bittere noch lange am Gaumen präsent.

Insgesamt zeigt sich das Grelotte Bière de Fête als typisch belgisches Festbier: aromatisch, ausgewogen und mit genau der richtigen Mischung aus Malzsüße, Hefearomatik und erfrischender Bittere. Ein Bier, das seinem Namen durchaus gerecht wird.

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brasserie Grain d’Orge
rue Laschet 3
4852 Hombourg
Belgien
https://grain-dorge.com/

Brasserie Fantôme – Fantôme Saison

Die Brasserie Fantôme ist eine kleine, kultige belgische Brauerei aus dem Ort Soy (Gemeinde Érezée) in der französischsprachigen Wallonie, die seit 1988 insbesondere für ihre Saisons und Farmhouse‑Ales bekannt ist. Sie wurde von Braumeister Dany Prignon gegründet und hat sich im Laufe der Jahre einen Ruf für ungewöhnliche, oft sehr charaktervolle Biere erarbeitet.

Fantôme‑Saisons gehören zu jenen Bieren, die sowohl in Belgien als auch international bei Bierliebhabern hohe Beachtung finden, auch wenn sie in der Heimat vergleichsweise selten ausgeschenkt werden. Die Brauerei produziert ihre Biere meist in relativ kleinen Mengen, oft in 750‑Milliliter‑Flaschen mit Korkverschluss, und viele Varianten erscheinen als Einzelsude oder saisonale Spezialitäten, wobei Dany Prignon häufig mit Kräutern, Gewürzen oder ungewöhnlichen Zutaten experimentiert.

Als ich die Flasche öffnen will, erlebe ich meine erste Überraschung: unter dem Kronkorken ist die Flasche auch noch mit einem Naturkorken verschlossen. Um an das Bier heranzukommen, sind daher sowohl ein Flaschenöffner als auch ein Korkenzieher erforderlich. Aber das ist ein lösbares Problem.

Orangefarben und mit kräftiger Hefetrübung fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine weiße Schaumkrone, die anfangs recht flott in sich zusammenfällt, aber ein Rest bleibt sehr lange erhalten.

Das Aroma ist so komplex, dass mir sofort klar wird, dass die Brauer bei der Komposition der Zutaten wohl lange getüftelt haben. Ich rieche Orange und Grapefruit, Ananas und Pfirsich, Biskuitteig und hellen Honig, abgerundet wurde einige würzige Noten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine erstaunliche Süße aus, die ich so nicht erwartet habe. Gleichzeitig sorgt die feinperlige und lebendige Kohlensäure für eine ansprechende Spritzigkeit und Frische. Am Gaumen wird das Bier dann trockener und die Fruchtigkeit steht im Mittelpunkt. Sie ist aber gut mit der Bittere abgestimmt. Der Körper ist vergleichsweise schlank. Ich schätze komplexe und kreative Biere, die aber nicht krampfhaft originell sein wollen. Daher liebe ich dieses Bier. In der Kehle wird die Bittere noch einmal kräftiger und dieser Geschmack klingt sehr lange nach.

Das Fantôme Saison macht seiner Herkunft, der Wallonie, alle Ehre.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brasserie Fantôme
Rue Préal 8
6997 Erezée
Belgien
www.fantome.be

Brasserie Minne – Ardenne Stout

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Brasserie Minne im wallonischen Somme Leuze vor mir. Bislang haben mir alle Biere dieser Brauerei sehr gut gefallen, so dass ich auch jetzt auf eine angenehme Verkostung hoffe. Öffne ich also die Flasche.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine feinporige haselnussbraune Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Schon optisch macht das Bier klar, dass es ernst meint.

Das Aroma ist eindeutig malzbetont. Ich rieche dunkle Schokolade und Kaffee, frisch geröstetes Malz und Kandis. Dazu kommt noch ein Hauch Lakritz. Wenn das Bier so schmeckt wie es riecht, kann es mich nur begeistern.

Der Antrunk zeichnet sich durcheine stiltypische Süße aus, während die reichlich dosierte feinperlige Kohlensäure für eine angenehme Frische sorgt. Am Gaumen geht die Süße zurück und die Röstaromen kommen in den Vordergrund. Sie bringen eine angenehme Bittere mit, die sehr schön mit den Schokoladen- und Kaffeearomen spielt. Das Mundgefühl ist überraschend schlank, dabei aber weich bis cremig. Wie ich es bei einem Stout erwarte, bleibt der Hopfen diskret im Hintergrund und liefert lediglich eine leichte herbe Note, die dem Bier seine Tiefe verleiht. Erst in der Kehle kommt die Bittere richtig hervor und sorgt für einen recht langen Nachklang

Das Ardenne Stout von der Brasserie Minne ist ein klassisches, handwerklich gebrautes Stout, das weniger auf Wucht als auf Balance setzt. Ideal für ruhige Abende, zu reifen Hartkäsen, Karamellpudding oder einfach pur, wenn man Lust auf ein unaufgeregtes, stiltreues dunkles Bier hat.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Invertzucker, Hopfen (Mosaic, Belgian Golding und Hallertau), Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

60 IBU

Brauerei:

Brasserie Minne
ZA Nord Bailonville 9
5377 Somme Leuze
Belgien
www.brasserieminne.be

Brasserie de la Senne – Schieve X-MAS

Die Brasserie de la Senne ist eine belgische Kleinbrauerei aus Brüssel (Molenbeek-Saint-Jean), gegründet 2003 von Yvan De Baets und Bernard Leboucq. Sie ist nach dem Fluss Senne benannt und hat sich einen Namen gemacht mit charaktervollen, unfiltrierten Ales, die traditionell gebraut werden und sich durch eine ausgewogene Bitterkeit auszeichnen. Die Biere werden ohne Pasteurisierung und Zusätze hergestellt und zeigen ein klares Profil, oft mit malzigen und hopfigen Noten, statt übertrieben süßlicher oder stark gewürzter Weihnachtsstile. Jetzt steht das Schieve X-MAS vor mir. Dabei handelt es sich um ein saisonal angebotenes Winter Ale bzw. ein Belgian Strong Ale mit 8 Volumenprozent Alkohol. Es ist ein Weihnachts- bzw. Winterbier, das sich von klassischen stark gewürzten Festbieren abhebt, da es ohne zusätzliche Gewürze oder Früchte gebraut wird. Allein das macht mich neugierig. Daher öffne ich jetzt die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Dunkel bernsteinfarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine cremige beige Schaumkrone, die sehr lange stabil bleibt.

Das Aroma des Bieres ist angenehm und ausgewogen. Ich rieche Biskuit und Karamell, Banane und einen Hauch Zitrusfrüchte. Trotz seines Festbierstils ist das Bouquet eher dezent und ausgewogen, ohne dominierende Gewürz- oder Zuckeraromen.

Der Antrunk ist recht süß, aber durch die reichliche Karbonisierung durchaus spritzig. Auf der Zunge verhält sich das Bier, wie ich es von einem belgischen Winter- bzw. Weihnachtsbier erwarte: das Mundgefühl ist samtig, dabei wirkt das Bier schwer und enthält nur wenige Bitterstoffe. Der Geschmack ist intensiv und malzbetont, aber auch die Fruchtnuancen nach Bitterorange und Mandarine kommen zum Tragen. Etwas Lakritzgeschmack sorgt für die nötige Komplexität. Auch wenn ich sonst den Geschmack mit verbrauter Gewürze mag, empfinde ich es in diesem Fall als angenehm, dass die Brauer in diesem Fall keine Gewürze verwendet haben. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere legt etwas zu und sie klingt sehr lange nach.

Zu diesem Bier passen winterlich-kräftige Speisen wie Gänsebraten und Wildgerichte, aber auch Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und selbstverständlich Lübecker Marzipan.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, vergorener Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be