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Hildesheimer Braumanufaktur – Dubbel Trubel

Manche Biere scheinen nur für einen kurzen Auftritt auf die Bühne zu kommen. So könnte es auch beim Dubbel Trubel der Hildesheimer Braumanufaktur sein. Auf der Website der Brauerei sucht man das Bier derzeit vergeblich, doch wer eine Flasche ergattert, bekommt einen spannenden Vertreter des belgischen Bierstils Dubbel ins Glas.

Bereits das Etikett macht deutlich, dass dieses Bier nicht bierernst genommen werden möchte. Mit einem Augenzwinkern wird vom „Trubel“ am Tresen erzählt, während im Hintergrund ein klassischer belgischer Klosterstil Pate steht. Dubbels gehören traditionell zu den stärkeren Abteibieren Belgiens und zeichnen sich durch malzige Süße, fruchtige Hefearomen und eine angenehme Wärme aus.

Im Glas präsentiert sich das Dubbel Trubel in einem ansprechenden Kupferton mit leichter Trübung. Der feinporige, beigefarbene Schaum bildet eine schöne Krone, fällt jedoch nach einiger Zeit auf ein durchschnittliches Niveau zurück.

Das Aroma wird von Karamellnoten geprägt, die von Birnen und weiteren gelben Früchten begleitet werden. Bemerkenswert ist dabei die Alkoholnote. Sie ist deutlich wahrnehmbar, wirkt aber niemals aufdringlich. Statt die übrigen Aromen zu überdecken, unterstützt sie das Gesamtbild und verleiht dem Bier zusätzliche Tiefe.

Der Antrunk fällt angenehm spritzig aus. Die großzügige Karbonisierung sorgt für Lebendigkeit und trägt die süßlichen Karamellnoten elegant über die Zunge. Im weiteren Verlauf übernimmt das Malz klar die Hauptrolle. Röstaromen und dunkles Karamell bestimmen den Geschmack, während die belgische Hefe für zusätzliche Komplexität sorgt. Der Körper wirkt weich und beinahe samtig. Gleichzeitig sorgt der erhöhte Alkoholgehalt für eine angenehme Wärme, die sich langsam ausbreitet und hervorragend zum Charakter des Bieres passt. Trotz seiner Kraft bleibt das Dubbel Trubel erstaunlich ausgewogen und gut trinkbar. Im Abgang zeigen sich erneut die dunklen Karamellnoten. Die alkoholische Wärme begleitet den langen Nachhall und sorgt dafür, dass das Bier noch lange nach dem letzten Schluck präsent bleibt.

Das Dubbel Trubel ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie ein klassischer belgischer Bierstil interpretiert werden kann, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Malzbetont, fruchtig und angenehm wärmend richtet es sich vor allem an Liebhaber kräftiger Abteibiere. Wer Dubbel-Biere schätzt oder einen Einstieg in diese traditionsreiche Bierwelt sucht, wird hier viel Freude haben.

Besonders gut harmoniert das Dubbel Trubel mit geschmortem Rindfleisch, Entenbrust, Wildgerichten oder kräftigem Bergkäse. Auch zu Blauschimmelkäse oder einer Crème brûlée ergeben sich spannende Kombinationen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Rohrzucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,8 % Vol.

Farbe:

20 EBC

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Jan Pfeiffer und Malte Feldmann GbR
Goslarsche Landstr. 60
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Einbecker Landbier

Schon optisch gibt sich dieses Bier klassisch: Goldfarben, kristallklar und mit eher zurückhaltender Schaumkrone. Der schneeweiße Schaum wirkt ordentlich, bleibt aber insgesamt etwas sparsam. Ein Auftritt ohne große Überraschungen – solide, aber nicht besonders einprägsam.

In der Nase zeigen sich helle Malznoten und leichte florale Anklänge. Das bleibt insgesamt recht verhalten. Wer auf intensive Aromen hofft, wird eher enttäuscht sein. Der Duft wirkt eher zurückhaltend und kündigt bereits ein Bier an, das nicht mit Hilfe expressiver Aromatik überzeugen möchte.

Im Antrunk überrascht zunächst eine moderate Süße, begleitet von sehr feinperliger Kohlensäure. Das sorgt für einen angenehmen Einstieg. Schnell entwickelt sich jedoch die Hopfennote zum dominierenden Element. Sie wirkt grasig und teilweise leicht metallisch – eine Kombination, die nicht unbedingt zusätzliche Tiefe erzeugt. Im weiteren Verlauf treten fruchtige Eindrücke auf, die entfernt an Birne erinnern. Gleichzeitig bleibt eine getreidige Süße bestehen, die mit zunehmender Verweildauer sogar stärker wahrgenommen wird. Das ergibt ein etwas widersprüchliches Bild zwischen Süße und Bittere. Der Körper bleibt dabei schlank und gut trinkbar. Positiv fällt auf, dass die Bittere trotz ihrer Präsenz nicht aggressiv wirkt. Sie bleibt vergleichsweise freundlich und zurückhaltend. Allerdings fehlt es dem Hopfen an aromatischer Strahlkraft, wodurch die Bitterkeit eher funktional erscheint als geschmacklich spannend. In der Kehle bleibt eine kurze Bittere zurück, ohne langen Nachhall oder besondere Entwicklung. Genau hier zeigt sich vielleicht am deutlichsten der Gesamteindruck: Das Bier erfüllt klassische Erwartungen an ein hopfenbetontes Lager oder Pils, schafft es aber nicht, darüber hinaus echte Begeisterung zu erzeugen.

Oder anders ausgedrückt: Ein unkompliziertes Bier mit deutlicher Hopfenorientierung, feiner Kohlensäure und angenehmer Trinkbarkeit. Gleichzeitig fehlen aromatische Tiefe und charakteristische Akzente. Die Hopfenbittere bleibt präsent, ohne wirklich spannend zu werden. Ein Bier, das man trinken kann – aber vermutlich keines, an das man sich lange erinnert.

Am ehesten passt das Bier zu deftigen, leicht salzigen Speisen wie Bratwurst, Schnitzel oder herzhaften Brotzeiten. Die Bittere kann Fett etwas ausgleichen, während die getreidige Süße gut mit kräftigen Röstaromen harmoniert. Zu feinen oder komplexen Gerichten dürfte das Bier dagegen schnell untergehen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Einbecker Brauhaus AG
Papenstraße 4-7
37574 Einbeck
www.einbecker.de

Gagelbier aus dem Ahlenmoor wieder erhältlich

Manche Biere verschwinden leise – und kommen umso spektakulärer zurück. Genau das passiert aktuell im Ahlenmoor, wo eine echte Rarität ihr Comeback feiert: das Gagelbier. Nach mehreren Jahren Pause ist die besondere Spezialität wieder im MoorInformationsZentrum erhältlich – und sorgt erneut für neugierige Blicke ins Glas.

Im Zentrum der Geschichte steht eine Pflanze, die man nicht mal eben im Supermarkt findet: der Gagelstrauch. Selten, geschützt und im Ahlenmoor beheimatet, liefert er die aromatischen Blüten, die diesem Bier seinen unverwechselbaren Charakter verleihen. Geerntet wird ausschließlich per Hand – und das nur dank einer speziellen Ausnahmegenehmigung. Entsprechend limitiert ist auch die verfügbare Menge.

Für die Neuauflage konnte mit Johannes von Houwald ein erfahrener Brauer gewonnen werden, der sich der Herausforderung annimmt, diese historische Zutat in ein modernes Bier zu übersetzen. Gebraut wird in einer kleinen Manufaktur bei Eckernförde – ebenfalls in Handarbeit.

Das Ergebnis ist ein Bier, das sich bewusst von gängigen Stilrichtungen abhebt. Aromatisch, eigenständig und mit einer deutlichen Kräuternote, die an vergangene Zeiten erinnert. Denn Gagelbier hat Tradition: Schon vor der Verbreitung des Hopfens wurde die Pflanze als Würzmittel verwendet.

Passend dazu trägt das Bier den Namen „Quackeltheiss“ – eine historische Referenz an eines der ältesten Biere Eckernfördes, das einst in Norddeutschland und Süddänemark verbreitet war. Ein Stück Biergeschichte im modernen Gewand.

Neben dem Bier ergänzt nun auch ein Gagelschnaps das Sortiment. Mit seiner würzigen, fast wilden Kräuternote greift er die Charakteristik der Pflanze auf und erweitert das Angebot um eine weitere ungewöhnliche Spezialität.

Erhältlich ist das Gagelbier exklusiv im MoorInformationsZentrum sowie in der Tourist-Information Wingst – solange der Vorrat reicht. Angesichts der begrenzten Erntemenge dürfte das Interesse größer sein als die verfügbare Menge.

Wer den Besuch mit einem Ausflug verbinden möchte, findet im MoorInformationsZentrum zudem spannende Einblicke in die Welt der Moore. Ausstellungen, Veranstaltungen und Fahrten mit der Moorbahn machen den Ort zu mehr als nur einer Verkaufsstelle – nämlich zu einem Erlebnis rund um Natur, Geschichte und regionale Spezialitäten.

Dieses Bier ist kein Alltagsprodukt. Es ist ein seltenes Stück Natur – abgefüllt in 0,33 Liter.

Das schwarze Huhn

Manchmal beginnt ein Bier nicht im Sudkessel, sondern in der Landschaft. Im Fall der Braumanufaktur Grasdorf, einige Kilometer südlich von Hildesheim gelegen, ist es das Innerstetal, das den Ton angibt. Das Dorf Grasdorf ist seit jeher eng mit dem Fluss Innerste verbunden – einem Gewässer, das nicht nur die Mühle antreibt, sondern auch das Leben der Menschen geprägt hat. Zwischen Oheberg und Barenberg angesiedelt, eingebettet in Wälder und durchzogen von Geschichten, ist Grasdorf ein Ort, an dem Gemeinschaft nicht nur ein Wort, sondern gelebte Realität ist.

Diese Gemeinschaft war es auch, die 2007 den Anstoß gab, die Zukunft des Dorfes aktiv zu gestalten. Aus Ideen wurde ein Plan, aus einem Plan ein Fest – und aus einem Fest schließlich ein Bier. Was zunächst mit 20 Litern unter Anleitung eines Braumeisters begann, entwickelte sich schnell zu einem ernstzunehmenden Projekt. Bereits zum Dorffest floss eine selbst gebraute Menge von 300 Litern aus einer größtenteils eigenhändig konstruierten Anlage. Der Erfolg war so überzeugend, dass aus einer spontanen Idee eine dauerhafte Leidenschaft wurde.

Der Name des Bieres ist dabei alles andere als zufällig gewählt. Inspiriert von Wilhelm Raabes Novelle Die Innerste trägt es die Legende vom „schwarzen Huhn“ in sich – eine düstere, fast mystische Geschichte über den Fluss, der fordert, was ihm zusteht. Ein Name, der nicht nur Aufmerksamkeit erzeugt, sondern auch perfekt zur Herkunft passt: rau, eigenwillig und tief verwurzelt in der Region.

Und damit zum eigentlichen Protagonisten: dem Bier selbst. Das „Das schwarze Huhn“ präsentiert sich bernsteinfarben und hefetrüb im Glas. Der Schaum hält sich eher zurück – ein stiller Auftritt, der den Fokus schnell auf das Wesentliche lenkt. In der Nase zeigt sich sofort eine angenehme Karamellnote, begleitet von einer feinen, leicht säuerlichen Fruchtigkeit, die an Apfel erinnert.

Der Antrunk bestätigt diesen ersten Eindruck. Karamellige Süße trifft auf eine angenehm feinperlige Kohlensäure, die das Bier lebendig, aber nicht aufdringlich wirken lässt. Im Körper zeigt sich das „schwarze Huhn“ ausgewogen: Die Süße bleibt dezent, die fruchtige Säure tritt etwas deutlicher hervor und verleiht dem Bier eine interessante Tiefe. Die Bittere hält sich dabei bewusst im Hintergrund und überlässt den anderen Aromen die Bühne. Im Abgang verändert sich das Bild. Das Bier wird trockener, die Bittere gewinnt an Präsenz und verbindet sich mit der fruchtigen Komponente zu einem harmonischen Finale. Der Nachklang ist lang und bleibt im Gedächtnis – genau so, wie man es sich von einem charakterstarken Bier wünscht.

Zu dieser Rezension möchte ich noch einige Worte verlieren. Die Gruppe besteht im Prinzip aus Hobbybrauern, die ihr Bier größtenteils auf Straßenfesten verkaufen. So habe ich auch das hier besprochene Bier auf dem Schmeckfest in Hildesheim gekauft. Dabei wurde mir erzählt, dass die Gruppe gerade eine neue Anlage gekauft haben und sich beim Brauen des Bieres noch in der Einarbeitung befanden. Deshalb sei bei diesem Sud auch die geschmackliche Tiefe nicht wie gewohnt. Der Unterschied fiel mir auch bereits beim Einschenken auf -normalerweise ist das Schwarze Huhn dunkler, erinnert farblich eher an ein hefetrübes Altbier. Und das schlägt sich selbstverständlich auch im Geschmack nieder. Normalerweise sind die Röstaromen präsenter, hier habe sie aber Karamelltönen Platz gemacht. Ich vermute daher, dass das hier von mir beschriebene Bier nicht so ist, wie es die Grasdorfer brauen wollten. Aber auch wenn hier durchaus Luft nach oben ist, hat mir das Bier gefallen. Ich hätte mir lediglich einen kräftigeren roten Malzkörper gewünscht, der die Karamellnoten mehr in den Vordergrund holt. Wenn dieses Bier regelmäßig gebraut würde, hätte das Schwarze Huhn auch einen roten Hahn als Gesellschaft und müsste nicht so einsam sein.

Insgesamt gilt: „Das schwarze Huhn“ ist kein lauter Vertreter seiner Zunft, sondern ein Bier mit leiser, aber nachhaltiger Wirkung. Eines, das nicht sofort alles preisgibt, sondern sich Schluck für Schluck erschließt. Oder anders gesagt: Ein Bier, das seine Geschichte nicht erzählt – sondern trinken lässt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Schwarzes Huhn GbR
Am Thieberg 11
31188 Holle
www.schwarzeshuhn.de

Das Ende einer Brautradition: Die Geschichte der Braunschweiger Mumme und das Aus der Brauerei Nettelbeck

Mit der Schließung der Brauerei Nettelbeck endet ein bedeutendes Kapitel deutscher Biergeschichte. Die Brauerei war die letzte, die noch die traditionsreiche Braunschweiger Mumme herstellte – ein Getränk mit Wurzeln, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Damit verschwindet nicht nur ein Produkt vom Markt, sondern ein Stück gelebter Braukultur.

Vom Export-Schlager zur Legende

Die Braunschweiger Mumme wurde erstmals im späten 14. Jahrhundert erwähnt und entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Exportgüter der Stadt. Als Mitglied der Hanse nutzte Braunschweig seine hervorragenden Handelswege, um das kräftige Bier über Hamburg und Bremen in weite Teile Europas und sogar bis nach Übersee zu verschiffen.

Besonders gefragt war die sogenannte „Schiffsmumme“, ein Bier mit extrem hoher Stammwürze und außergewöhnlicher Haltbarkeit. Diese Eigenschaften machten es ideal für lange Seereisen – selbst in tropischen Regionen blieb es genießbar.

Aufstieg und Fall einer Handelsikone

Im Laufe der Jahrhunderte erlebte die Mumme jedoch auch Rückschläge. Handelskonflikte, politische Umbrüche und insbesondere der Dreißigjährige Krieg führten zu einem massiven Einbruch des Bierexports. Mit dem Niedergang der Hanse verlor auch die Mumme zunehmend an Bedeutung.

Ab dem 18. und spätestens im 19. Jahrhundert wandelte sich das Produkt grundlegend: Aus dem einstigen Starkbier wurde ein alkoholfreier Malzextrakt. Der Fokus verlagerte sich von Genuss hin zu gesundheitlichen Aspekten. Mumme galt fortan als stärkendes Nahrungsmittel und wurde sogar medizinisch empfohlen.

Die Brauerei Nettelbeck: Eine wechselvolle Geschichte

Die Geschichte der Brauerei Nettelbeck ist eng mit der Mumme verbunden. Bereits im 19. Jahrhundert gehörte sie zu den wenigen Betrieben, die dieses besondere Getränk herstellten. Doch wirtschaftliche Schwierigkeiten, interne Konflikte und Eigentumsstreitigkeiten prägten die Entwicklung des Unternehmens über Jahrzehnte.

Nach der Jahrhundertwende kam es zu Auseinandersetzungen um Markenrechte und Besitzverhältnisse. Trotz Rückschlägen gelang es der Familie, den Namen und das Rezept zu sichern und die Produktion fortzuführen.

Krieg, Zerstörung und Neubeginn

Der Zweite Weltkrieg markierte einen dramatischen Einschnitt. Rohstoffknappheit schränkte die Produktion stark ein, und 1944 wurde das Geschäftshaus bei einem Luftangriff vollständig zerstört.

Nach Kriegsende kämpften die Erbinnen Elsa und Margarethe Nettelbeck vergeblich um einen Wiederaufbau am ursprünglichen Standort. Schließlich verkauften sie das Unternehmen 1947 an Leo Basilius, der eine neue Produktionsstätte in Braunschweig errichtete. Bereits 1949 wurde dort wieder Mumme gebraut.

Bis zum Schluss wurde die Braunschweiger Mumme von der Familie Basilius produziert und weitergeführt.

Das endgültige Aus

Mit der Einstellung des Betriebs der Brauerei Nettelbeck endet nun endgültig die Geschichte der letzten Mumme-Brauerei. Bereits zuvor waren andere Produzenten verschwunden – nun schließt auch der letzte Betrieb, der diese historische Spezialität noch hergestellt hat.

Damit verliert die deutsche Bierlandschaft ein einzigartiges Kulturgut. Die Mumme war mehr als nur ein Getränk: Sie war Handelsware, Nahrungsmittel, Medizin und Identitätsträger einer ganzen Region. Aktuell werden noch vorhandene Restbestände über den Webshop des Unternehmens verkauft.

Ein Stück Biergeschichte verschwindet

Die Geschichte der Braunschweiger Mumme zeigt eindrucksvoll, wie eng Bier mit wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen verknüpft ist. Vom Exporterfolg der Hansezeit über medizinische Nutzung bis hin zum Nischenprodukt der Moderne – kaum ein anderes Bier hat eine vergleichbare Wandlung durchlaufen.

Mit dem Ende der Brauerei Nettelbeck bleibt die Mumme vor allem eines: ein faszinierendes Kapitel der Biergeschichte, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Hildesheimer Braumanufaktur – Double Sage

Die Hildesheimer Braumanufaktur ist zwar nur eine kleine Brauerei, aber mit dem Alten Wasserwerk steht Jan und Malte ein riesiges Grundstück zur Verfügung. Und auf den Grünflächen wachsen neben herrlich süßen Brombeeren auch viele Kräuter, die die beiden ab und an in Sondersuden mit verbrauen. Jetzt steht vor mir das Double Sage, wie der Name bereits aussagt, ein Bier mit Salbei. So weit, so (fast) normal. Außergewöhnlich ist aber, dass in diesem Fall ein Stout als Basisbier verwendet wurde. So bin ich jetzt gespannt, wie sich der Salbei im Bier macht.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist hellbraun und fällt recht flott in sich zusammen. Aber das war ja zu erwarten.

Komplexe Aromen steigen mir in die Nase. Der Salbei steht im Vordergrund, lässt aber noch ausreichend Raum für Röstaromen, die an Kaffee und dunkle Schokolade erinnern.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und überzeugt durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Am Gaumen spiegeln sich die Aromen wider, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Dass der Salbei mit den Röstaromen so gut harmonisiert, hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Säure kann ich nicht feststellen und auch die Bittere ist nur zurückhaltend vorhanden. Erst in der Kehle kommt sie überraschend kräftig zum Tragen und zusammen mit dem Geschmack des Salbeis klingt der Geschmack sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haferflocken, Hopfen, Salbei, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Herr Schmidt – Helles

Jetzt steht mal wieder ein Helles vor mir, genauer gesagt das Helle von Herr Schmidt aus Osnabrück. Ehrlich gesagt bin ich kein großer Freund dieses Bierstils, der meist doch recht einheitlich daherkommt, um nicht zu sagen langweilig, und bei dem jeder Bier- oder Braufehler deutlich hervorsticht. Außerdem gibt es von diesem Bierstil nur wenige Beispiele für eine originelle und trotzdem stiltreue Interpretation. Mal sehen, wie die Jungs aus Osnabrück sich schlagen.

In hellem Goldgelb mit leichter Hefetrübung fließt das Bier ins Glas. Die schneeweiße Schaumkrone löst sich leider recht schnell auf. Und schon bin ich am Zweifeln. Nach den Stilrichtlinien des Beer Judge Certification Program soll ein Helles kristallklar sein. Daher ist eine Hefetrübung auf jeden Fall ein Stilbruch. Auf der anderen Seite gefällt mir die Vollmundigkeit, die die Hefe ins Bier bringt. Von daher wird mir das Bier schon wieder sympathisch. Die Entscheidung, was richtiger ist, überlasse ich Ihnen, dem Leser dieser Zeilen.

Das Aroma ist stiltypisch malzbetont nach Weißbrot und frisch gemahlenem Getreide, dazu etwas Honig und aus dem Hintergrund kommen noch einige würzige Noten zum Vorschein.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine stiltypische Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auch auf der Zunge bleibt die Süße erhalten, wobei sich die frisch dazugekommene Bittere sehr diskret verbirgt. Das Mundgefühl ist eher schlank. Offensichtlich ist das Bier auf Süffigkeit getrimmt. Erst in der Kehle kommt die freundliche Bittere etwas mehr zum Tragen. Trotzdem klingt der Geschmack einige Zeit nach.

Ein modernes, unkompliziertes Helles zwischen Tradition und Craft. Ein angenehmes Bier zum Feierabend oder im Biergarten, aber für den Genuss würde ich ein anderes Bier wählen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % V

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Herr Schmidt Braugesellschaft mbH
Hannoversche Str. 17a
49084 Osnabrück
www.herr-schmidt-bier.de

Der Broyhan – ein Bier mit Legendenstatus und Renaissance

Wer durch die Altstadt Hannovers schlendert, stößt unweigerlich auf Spuren eines ganz besonderen Bieres: den Broyhan. Benannt nach seinem Erfinder Cord Broyhan aus dem Jahr 1526, war dieses Bier lange eine der bekanntesten Spezialitäten Norddeutschlands. Obwohl das Original längst aus den Braukesseln verschwunden ist, lebt seine Geschichte weiter – nicht nur im Stadtbild, sondern nun auch wieder im Glas. Die Gutshofbrauerei Das Freie in Rethmar bietet seit Frühjahr 2025 eine moderne Interpretation dieses historischen Getränks an.

Wenig konkrete Daten über das Original existieren heute. Viele Brauverfahren wurden mündlich überliefert, schriftliche Aufzeichnungen sind kaum erhalten. Dennoch rekonstruieren Historiker und Bierliebhaber durch alte Brauordnungen und zeitgenössische Beschreibungen das Profil des Broyhan: Sehr hell sollte er sein, fast wie junger Wein in der Farbe, mit einem süß-säuerlichen, angenehm weinähnlichen Geschmack und einem Duft, der Assoziationen an weißen Wein weckt – ergänzt durch spritzige Kohlensäure, die manchen zufolge beim Öffnen bis unter die Decke schoss.

Zugleich waren die Qualitätsanforderungen streng: Ein Broyhan musste klar, frisch und ohne Fehlgeschmack sein. Rauchmalz war ebenso tabu wie Bitterkeit oder muffige Noten. Das Malz stammte dabei aus luftgetrockneten oder schonend gedarrten Sorten – Gerste und Weizen bildeten die Basis, oft sogar mit höherem Weizenanteil als üblich. In einigen Regionen verwendete man Hopfen, in anderen verzichtete man ganz darauf. Manche überlieferte Rezepte wiesen sogar Gewürze oder Kräuter auf; das ursprüngliche Hannoversche Bier jedoch war schlicht und klar.

Die Brauweise war für damalige Verhältnisse vergleichsweise intensiv: Das Schroten und Maischen mit warmem und kochendem Wasser, das Läutern und mehrstündige Kochen der Würze sowie eine rasche Gärung in wenigen Tagen. Die relativ hohe Würzedichte sorgt bis heute für Spekulationen: Obwohl der Alkoholgehalt vermutlich moderat war, galt der Broyhan als kräftig und wirksam – ein Bier mit Charakter.

Im 18. Jahrhundert begann allerdings der Niedergang. Schlechte Wasserqualität, unzureichende Rohstoffhygiene und der Aufstieg neuer Getränke wie Kaffee, Tee und Spirituosen verringerten die Nachfrage. Der Broyhan verschwand fast vollständig aus dem Alltag – blieb jedoch als historische Erinnerung lebendig.

Mit der Neuauflage durch die Brauerei Das Freie bekommt diese Erinnerung nun einen greifbaren Geschmack. Die Neuinterpretation ist mehr als eine Hommage: Sie zeigt, dass traditionelle Braustile, wenn sie mit handwerklichem Bewusstsein modern umgesetzt werden, auch heute noch überzeugen können – mit Authentizität, Geschichte und Charakter. Wer ein Glas Broyhan trinkt, erlebt damit nicht nur ein Bier, sondern ein Stück Braukultur mit tiefen Wurzeln.

Hildesheimer Braumanufaktur – Black Ale

Das Village Rock Söhlde Open Air ist ein kleines, aber feines und vielseitiges Rock-/Metalfestival im niedersächsischen Söhlde (An der Schwimmhalle, Hinterm Knick). Das zweitägige Festival findet in jedem Jahr im Juli statt und bietet verschiedene Musikrichtungen: von Pop-Rock über Hard Rock und Heavy Metal bis zu Metalcore und Post-Hardcore. Und nicht zu vergessen: es gibt auch ein eigenes Bier, das Black Ale, das – wenig überraschend – von der Hildesheimer Braumanufaktur gebraut wird. Die Veranstaltung ist familiär, nicht überproduziert – und mit einem Herz für die Rock-Community. Kommen wir aber zum Bier.

In tiefem Rubinrot strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die elfenbeinfarbene und feinporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. An der Optik dieses Bieres gibt es nichts zu mäkeln.

Dunkle Schokolade, Zitrusfrüchte und etwas Rauch dominieren das Aroma.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge steht der Schokoladengeschmack im Mittelpunkt, begleitet durch eine fruchtige Säure. Eine freundliche Bittere rundet den Geschmack ab, während aus dem Hintergrund noch das Raucharoma zum Vorschein kommt. Die Röstaromen stehen auch in der Kehle im Vordergrund, wobei der Geschmack jetzt eher an Mokka erinnert, weniger an Schokolade. Aber durch den langen Nachkling ist das Bier insgesamt sehr angenehm.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Citra, Callista, El Dorado) Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Hildesheimer Braumanufaktur – Hans Dampf

Die Biere von Jan und Malte haben mich noch nie enttäuscht und ich hoffe, dass bleibt auch bei dem Bier so, das jetzt vor mir steht. Auch wenn der Name es nicht verrät – Hans Dampf ist ein Rauchbier.

Sehr dunkel bordeauxrot präsentiert sich das Bier im Glas, beinahe schwarz. Die sahnige elfenbeinfarbene Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Optisch ist das Bier keine Enttäuschung.

Das Bier duftet intensiv nach Schinken und dunkler Schokolade. Ich weiß, das klingt schon etwas merkwürdig, aber hier passen die beiden Aromen sehr gut zusammen, insbesondere weil das Raucharoma zwar kräftig ist, dabei aber natürlich rüberkommt.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Das Mundgefühl ist cremig und weich und das Bier füllt den gesamten Mundraum angenehm aus. Trotz des intensiven Rauchgeschmacks hat das Bier einen recht schlanken Körper, während andere Rauchbiere gerne mal einen schweren Eindruck hinterlassen. Nicht verschweigen möchte ich auch die freundliche Bittere, die sehr gut auf die Intensität des Rauches abgestimmt ist. Ich meine auch, aus dem Hintergrund einen Hauch von Banane festzustellen, aber da bin ich mir nicht sicher. Auch das leichte Brennen des Alkohols passt gut zum Rauchgeschmack. In der Kehle ist der Rauch ebenfalls zu schmecken, ohne dass er zu kräftig oder penetrant wirkt. Dafür klingt der Geschmack aber sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Jan Pfeiffer & Malte Feldmann GbR
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de