Schlagwort-Archiv: Spezialbiere

Stadtländers Glanz

Bier aus Brot ist längst mehr als nur eine kuriose Idee. Angesichts der Diskussion um Lebensmittelverschwendung setzen immer mehr Brauereien und Bäckereien auf kreative Kooperationen, bei denen überschüssiges Brot einen zweiten Verwendungszweck findet. Das Bier von Stadtländers Glanz aus Walsrode und der ebenfalls in Walsrode ansässigen Brauerei Schnuckenbräu gehört zu diesen Projekten. Die traditionsreiche Brotmanufaktur, die seit 1892 besteht, verarbeitet geröstete Brote zu einem Bier, das Nachhaltigkeit und Genuss miteinander verbinden soll.

Im Glas präsentiert sich das Brotbräu bernsteinfarben und leicht opalisierend. Der Schaum baut sich zunächst ordentlich auf, fällt jedoch recht schnell wieder zusammen. Optisch wirkt das Bier durchaus ansprechend, auch wenn die Schaumstabilität ausbaufähig ist.

In der Nase zeigen sich sofort die Einflüsse des verwendeten Brotes. Karamell und Brotkruste prägen das Aroma deutlich. Dazu gesellen sich blumige Noten, die für etwas Frische sorgen und verhindern, dass das Bier zu eindimensional wirkt. Der Antrunk fällt recht süß aus. Unterstützt wird dieser Eindruck durch eine sehr feinperlige Kohlensäure, die das Bier angenehm weich erscheinen lässt. Im weiteren Verlauf bleibt die Süße das bestimmende Element. Karamellnoten stehen im Vordergrund, während die Bittere nur eine Nebenrolle spielt. Das Bier wirkt insgesamt recht schlank, fast etwas zu schlank für die vorhandene Süße. Gerade hier hätte ich mir etwas mehr Hopfencharakter gewünscht, um einen stärkeren Gegenpol zu schaffen und dem Bier mehr Balance zu verleihen. Im Abgang nimmt die Bittere zwar leicht zu, bleibt aber insgesamt zurückhaltend. Positiv fällt der lange Nachklang auf, der die malzigen und brotigen Aromen noch einige Zeit präsent hält.

Mein Eindruck fällt daher etwas zwiespältig aus. Die Idee hinter dem Bier gefällt mir ausgesprochen gut, und die Aromen von Brotkruste und Karamell passen hervorragend zum Konzept. Geschmacklich fehlt jedoch etwas Ausgewogenheit. Mehr Hopfen oder etwas mehr Tiefe im Körper hätten dem Bier gutgetan. Dennoch zeigt das Brotbräu, welches Potenzial in nachhaltigen Brauprojekten steckt. Das Stadtländers Glanz Brotbräu ist ein interessantes Bier mit klar erkennbarem Brotcharakter und einer sympathischen nachhaltigen Idee. Die ausgeprägte Süße und die geringe Bittere verhindern zwar eine perfekte Balance, dennoch ist es ein gelungener Ansatz, der neugierig auf zukünftige Entwicklungen macht.

Besonders gut passt das Brotbräu zu deftigen Brotzeiten, einer fränkischen Schlachteplatte, Schinken, Leberwurst oder kräftigem Bergkäse. Die malzigen und brotigen Noten harmonieren hervorragend mit herzhaften Speisen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Geröstetes Brot (Roggen, Weizen, Dinkel, Salz), Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Meyer Braugesellschaft KG
Schnuckenbräu
Hünzingen 3
29664 Walsrode
www.schnuckenbraeu.de

für

Brotmanufaktur Stadtländer
Quintusstr. 31
29664 Walsrode
www.brotmanufaktur-stadtlaender.de

Dame Jeanne – Brut sur Lie

Bier oder Schaumwein? Beim Brut sur Lie der belgischen Brauerei Dame Jeanne verschwimmen die Grenzen auf faszinierende Weise. Das Spezialbier wird nach der traditionellen Flaschengärmethode hergestellt, die man vor allem aus der Champagner- und Sektherstellung kennt. Das Ergebnis ist ein Getränk, das sowohl Bierliebhaber als auch Freunde prickelnder Aperitifs neugierig machen dürfte.

Die Geschichte von Dame Jeanne ist dabei bemerkenswert. Nachdem das Unternehmen ursprünglich Schaumweine produzierte, entschied man sich 2012 dazu, die Erfahrung aus der traditionellen Flaschengärung auf Bier zu übertragen. Seitdem entstehen sogenannte Brutbiere, die mit besonderem Aufwand hergestellt werden. Eine lange Flaschengärung von mindestens drei Monaten sowie der Einsatz natürlicher Champagnerhefen sorgen für die charakteristische Perlage und eine außergewöhnliche geschmackliche Komplexität.

Bereits beim Einschenken macht das Brut sur Lie deutlich, dass hier kein gewöhnliches Bier im Glas landet. Die goldene Farbe präsentiert sich kristallklar, während ein feinporiger Schaum die Oberfläche schmückt. Besonders beeindruckend ist die hervorragende Schaumstabilität, die dem Bier eine elegante Erscheinung verleiht.

In der Nase dominieren fruchtige Eindrücke. Grüne Trauben stehen klar im Vordergrund und erinnern unmittelbar an Wein oder trockenen Sekt. Ergänzt werden die Aromen durch Anklänge von Apfel, Birne sowie dezenten Steinobstnoten, die an Aprikose und Pfirsich denken lassen.

Der Antrunk fällt ausgesprochen trocken aus. Eine kräftige Kohlensäure sorgt für viel Lebendigkeit und verstärkt den Eindruck eines hochwertigen Schaumweins. Im weiteren Verlauf entwickeln sich die weinartigen Noten immer stärker. Süße ist praktisch nicht vorhanden, stattdessen zeigt sich eine feine, angenehm eingebundene Bittere. Trotz des schlanken Körpers wirkt das Brut sur Lie keineswegs dünn. Vielmehr entsteht ein erstaunlich weiches und rundes Mundgefühl, das dem Bier zusätzliche Eleganz verleiht.

Im Abgang bleibt das Bier zunächst mild, bevor die feine Hopfenbittere langsam und sehr langanhaltend nachklingt. Gerade dieser Nachhall sorgt dafür, dass das Brut sur Lie trotz aller schaumweinähnlichen Eigenschaften stets als Bier erkennbar bleibt.

Als Speisenbegleiter empfiehlt sich das Brut sur Lie insbesondere zu kräftigen Käsesorten, Blauschimmelkäse, Fischgerichten oder Meeresfrüchten. Seine trockene Art und die lebendige Kohlensäure harmonieren hervorragend mit diesen Aromen.

Das Dame Jeanne Brut sur Lie ist kein Bier für den schnellen Durst, sondern ein Genussbier für besondere Momente. Die Verbindung aus traditioneller Bierbraukunst und den Techniken der Schaumweinherstellung schafft ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis. Wer gerne über den Tellerrand klassischer Bierstile hinausblickt und trockene, elegante Getränke schätzt, sollte diesem Brutbier unbedingt eine Chance geben. Besonders als Aperitif oder Begleiter festlicher Anlässe spielt es seine Stärken eindrucksvoll aus.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Bittereinheiten:

19 IBU

Farbe:

 8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° Celsius

Brauerei:

Dame Jeanne
Bernard de Vanderlaan 10
2950 Kapellen
Belgien
www.Damejeanne.be

Quackeltheiss

Wie schmeckt ein Bier aus einer Zeit vor dem Hopfen? Manche Biere erzählen Geschichte. Andere wirken, als wären sie direkt aus ihr herausgefallen. Das Quackeltheiss Gagelbier gehört eindeutig zur zweiten Kategorie. Gagel statt Hopfen – ein Konzept, das heute exotisch klingt, früher aber zum Braualltag gehörte. Nun kehrt diese Spezialität zurück und wird aus den seltenen Blüten des geschützten Gagelstrauchs hergestellt. Das Ergebnis ist kein nostalgisches Experiment, sondern ein Bier mit überraschend eigenständigem Charakter.

Im Glas zeigt sich das Gagelbier hell und leicht hefetrüb. Der weiße, gemischtporige Schaum wirkt zunächst nicht besonders ausdauernd und fällt rasch zusammen. Ein Rest hält sich jedoch erstaunlich lange und begleitet das Bier bis weit in die Verkostung hinein.

Schon beim ersten Eindruck in der Nase wird klar: Hier wartet kein gewöhnliches Bier. Würzige Kräuternoten dominieren, begleitet von Anklängen dunkler Früchte. Auffällig ist ein Aroma, das eher an Likör erinnert als an klassische Bierstile. Spätestens jetzt wird deutlich, warum Gagel über Jahrhunderte eine wichtige Rolle im Brauwesen spielte.

Der Antrunk beginnt überraschend süß und wird von reichlich sehr feinperliger Kohlensäure getragen. Das sorgt trotz der Intensität zunächst für Leichtigkeit. Im Körper entwickelt das Bier seine eigentliche Stärke. Die Süße bleibt präsent, gleichzeitig treten würzige Kräuternoten stärker hervor. Das Mundgefühl überrascht: weich, fast schwer und deutlich intensiver, als man es bei 4,9 Volumenprozent Alkohol erwarten würde. Wieder drängt sich die Assoziation zu einem guten Kräuterlikör auf – allerdings eingebettet in ein Bier mit eigener Identität. Eine freundliche Bittere hält die Süße im Zaum und unterstützt die Kräuteraromen, ohne sie zu überdecken. Der Abgang wird trockener. Die Bittere gewinnt an Kraft, bleibt aber angenehm und entwickelt einen bemerkenswert langen Nachhall. Dieses Bier verschwindet nicht einfach – es bleibt.

Was besonders beeindruckt: Das Quackeltheiss Gagelbier schmeckt nicht wie ein historisches Kuriosum, sondern wie ein bewusst anders gedachtes Bier. Wer ausschließlich klassische Hopfenaromen sucht, könnte überrascht werden. Wer offen für ungewöhnliche Geschmackserlebnisse ist, entdeckt hier ein Bier mit Tiefe und Geschichte.

Das Quackeltheiss Gagelbier ist kein Bier für nebenbei. Kräuter, Süße, intensive Aromen und ein fast likörartiger Eindruck machen es zu einer seltenen Spezialität, die deutlich zeigt, wie vielfältig Bier vor dem Siegeszug des Hopfens gewesen sein könnte. Ein ungewöhnliches, erinnerungswürdiges Bier – und vermutlich nicht ohne Grund Deutschlands einzig zugelassenes Gagelbier.

Besonders gut passt das Gagelbier zu Räucherfisch, kräftigen Fischgerichten oder würzigen Speisen. Auch Wildpasteten oder gereifter Käse könnten interessante Kombinationen ergeben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Gagelextrakt, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Farbe:

 5 EBC

Brauerei:

Buddel GmbH
Hauptstr. 4
24637 Schilsdorf

für

Kakabelle Vertrieb
Postfach 1149
24331 Eckernförde
www.kakabelle.de

Kreativbrauer – Kreativsud #7

Einmal im Jahr treffen sich die Macherinnen und Macher aus kleinen, unabhängigen Brauereien, um etwas ganz Besonderes zu schaffen: Den Kreativsud des Verbands deutscher Kreativbrauer.

Hier geht es nicht nur ums Bierbrauen, sondern um eine Zeitreise. Mit viel Leidenschaft werden historische Bierstile neu interpretiert und so nah wie möglich am Puls ihrer Entstehungszeit gebraut. Das Ergebnis? Biere, die überraschen, herausfordern und begeistern – auf jeden Fall aber neugierig machen.

Denn der Kreativsud will nicht jedem gefallen, sondern Geschichten erzählen: Von vergessenen Aromen, alten Rezepturen und der unglaublichen Vielfalt, die Bier schon vor Jahrhunderten hatte. Er zeigt auch, dass die Braukunst weit mehr zu bieten hat als Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – und dass spannende, leckere Biere schon immer mit den unterschiedlichsten Zutaten gebraut wurden. Jetzt steht vor mir der siebte Sud, der auf diese Weise entstanden ist.

Bernsteinfarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Leider löst sich der Schaum sehr schnell auf, sonst würde das Bier optisch eine sehr gute Figur machen.

Das Bier duftet nach Karamell und Waldhonig, abgerundet mit einem Hauch Tabak. Auch die 10 Volumenprozent Alkohol steigen mir in die Nase, allerdings angenehm zurückhaltend.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine mäßige Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Ich hätte mir allerdings etwas mehr Kohlensäure erhofft. Auf der Zunge drängt sich nun der Alkohol in den Mittelpunkt. Für ein Honigbier ist der Kreativsud überraschend trocken. Das Mundgefühl ist weich und voll. Der Alkohol brennt leicht und erzeugt einen beinahe likörartigen Eindruck. Daher überrascht mich auch der sehr milde Geschmack in der Kehle nicht übermäßig.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Honig, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Bräu
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
https://www.orcabrau.de

Gemeinsam mit

Bundesverband der deutschen Kreativbrauer e.V.
Rathgeberstraße 7
97656 Oberelsbach
www.deutschekreativbrauer.de

orca brau – C’est La Vie

Die Orca Brau GmbH aus Nürnberg steht für Vielfalt und experimentelle Braukunst. Auf einer kleinen 10-Hektoliter-Anlage entstehen sowohl traditionelle als auch moderne Bierstile – vom Kellerbier über Pale Ale bis zu kreativen Spezialitäten wie das C’est La Vie, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Orca versteht sich als Teil der lebendigen deutschen Craft-Szene, die klassische Bierstile hinterfragt und neue Geschmackserlebnisse sucht. Dabei entstehen bei den Nürnbergern innovative Biere, von denen mich noch keines enttäuscht hat. Mal sehen, ob das beim C’est La Vie auch der Fall ist. Das Bier ist aus einer Zusammenarbeit von Orca Brau mit der Kaffeewerkstatt Kucha entstanden.

Orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. So schön wie die Farbe auch ist, so schnell fällt der Schaum in sich zusammen. Ich vermute, dass das daran liegt, dass das Bier ohne Hopfen gebraut wurde, sondern dass alle Bitterstoffe vom Kaffee stammen.

Düfte nach Karamell und Banane steigen mir in die Nase, aber über allem liegt das Aroma des Kaffees.

Der Antrunk ist recht süß und besticht durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Das Aroma des Kaffees ist bereits auf der Zungenspitze präsent. Auf der Zunge gesellt sich zum Kaffeearoma der Geschmack nach Karamell. Während die Süße erhalten bleibt, fehlt mir die Bittere. Die 7,5 Volumenprozent Alkohol sind sehr gut eingearbeitet, so dass der Alkohol nicht hervorschmeckt, sondern die anderen Aromen unterstützt. Mit der Zeit wird der Geschmack der Vanille kräftiger, so dass das Bier in der Kehle beinahe wie Vanilleeis schmeckt, und obwohl weiterhin die Bittere fehlt, klingt der Geschmack überraschend lange nach.

Der Craftbeer-Shop zieht für das Bier folgendes Fazit: „C’est La Vie ist kein klassisches Alltagsbier: Es eignet sich hervorragend als After-Dinner-Beer, zum gemütlichen Serienabend oder als überraschender Abschluss eines Menüs. Sein cremiger Charakter und die Dessert- Assoziationen machen es zu einem Bier, das man langsam genießt und zu dem man bewusst zurückkehrt.“

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Kaffee und Vanille

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Riedenburger – Emmerbier Alkoholfrei

Emmer ist kein Modegetreide – es gehört zu den ältesten Getreiden der Menschheit. Schon vor über 10.000 Jahren wurde es in Vorderasien und Europa angebaut und diente als Grundlage für Brot und Bier. Dass dieses Getreide heute wieder in einer alkoholfreien Spezialität auftaucht, ist hoffentlich mehr als nur ein Retro-Trend, sondern ich hoffe, dass es uns ein angenehmes neues Geschmacks- und Geschichtserlebnis ins Glas bringt.

Bernsteinfarben und naturtrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feste Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Optisch habe die Brauer aus dem Altmühltal jedenfalls alles richtig gemacht.

Das Bier duftet nach nicht vollständig vergorener Würze, dazu kommen Karamell- und Kräuteraromen. Nicht wirklich perfekt, aber auch nicht unangenehm.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge gesellt sich eine leichte Bittere zur karamelligen Süße und ich meine sogar ein leichtes Schokoaroma zu schmecken. Das Mundgefühl ist leicht, so dass das Bier sehr erfrischend wirkt. In der Kehle ist es mild mit nur wenig Bittere. Dieses Aroma klingt aber zusammen mit dem Schokoladengeschmack überraschend lange nach.

Zutaten:

Wasser, Emmermalz, Gerstenmalz, Dinkelmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

<0,5 % Vol.

Farbe:

13 EBC

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
Michael Krieger GmbH & Co. KG
Hammerweg 5
93339 Riedenburg
www.riedenburger.de

Brasserie Minne – Super Triple au Rhum

Belgien ist ein Land der großen Biergeschichten – und eine der spannendsten schreibt die Brasserie Minne. Gegründet wurde sie 2008 unter dem Namen Brasserie de Bastogne, mitten im Herzen der Ardennen. Mit ihren charmanten „Troufettes“-Bieren gewann sie schnell die Herzen der lokalen Bierfreunde. Doch der große Durchbruch kam mit dem Super Sanglier, einem kaltgehopften Blonde, das mit seiner Frische und Aromatik für Aufsehen sorgte – weit über die Grenzen der Region hinaus.

Als die Brauerei in Bastogne aus allen Nähten platzte, zog sie 2019 in ein modernes Industriegebiet rund 50 Kilometer nördlich – nach Baillonville, strategisch günstig gelegen und mit einer deutlich besseren Infrastruktur. Mit dem Umzug kam auch ein neuer Name: Brasserie Minne, benannt nach Mitinhaber und Braumeister Philippe Minne, dessen Name inzwischen für kreative Braukunst aus den Ardennen steht.

Ein Markenzeichen der Brauerei sind ihre Etiketten: kunstvoll gestaltete Tiere aus den belgischen Ardennen, allen voran Wildschwein („Sanglier“) und Wolf („Loup“), die mittlerweile zum visuellen Erkennungszeichen geworden sind. Doch nicht nur optisch, auch geschmacklich hat Minne ihren ganz eigenen Stil entwickelt. Besonders beliebt ist die „Wood“-Serie – Biere, die in Holzfässern reifen und so komplexe, tiefe Aromen entwickeln.

Ein Beispiel für Minnes Innovationsfreude ist das Ardenne Triple, ein modern interpretierter belgischer Klassiker. Die Variante Super Triple au Rhum erhält durch die Zugabe von Rhum agricole – einem aus frischem Zuckerrohrsaft hergestellten Rum von den französischen Antillen – eine exotische, warme Tiefe. Und genau dieses Bier steht jetzt vor mir.

Hell orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die schneeweiße Schaumkrone ist fest und bleibt lange erhalten. Die Optik dieses Bieres ist schon mal traumhaft.

Das Bier duftet nach frisch gebackenem Brot mit Pfeffer und Rum. Der Alkohol ist deutlich zu riechen, aber in dieser Kombination passt er und stört nicht. Ansonsten ist das Aroma dieses Bieres genau so, wie ich es von einem typischen belgischen Triple erwarte.

Der Antrunk ist recht süß und mit der sehr feinperligen Kohlensäure vermittelt das Bier vom ersten Moment an ein weiches, volles und dabei schweres Mundgefühl. Der Geschmack des Rums kommt jetzt stärker zum Tragen als in der Nase. Bittere kann ich auf der Zunge nicht feststellen. Dafür ist das Bier mit seinem 9,5 Volumenprozent Alkohol gefährlich süffig. Erst in der Kehle kommt eine leichte Bittere zum Tragen, die aber auch jetzt mild mit kurzem Nachklang ist. Die Stärke der Bitteren ist sehr gut auf den Geschmack des Rums abgestimmt.

Mit ihrer Mischung aus regionaler Verwurzelung, handwerklicher Leidenschaft und Experimentierfreude hat sich die Brasserie Minne längst als feste Größe in der belgischen Brauszene etabliert – und sie zeigt auch mit diesem Bier eindrucksvoll, dass Tradition und Innovation im Bierglas wunderbar zusammenfinden können.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Chinook, Simcoe, Waï-iti), Zucker, Hefe, Rum

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brasserie Minne
ZA Nord Bailonville 9
5377 Somme Leuze
Belgien
www.brasserieminne.be

Brasserie Dulion – Blanche

Die kleine Brasserie Dulion ist in Lyon beheimatet und bezeichnet sich selbst auf LinkedIn als „Pionier des Brauens aus ungemälztem Getreide“ und nimmt für sich in Anspruch, eine neue Generation von Brauereien zu repräsentieren, die direkt mit Landwirten zusammenarbeiten, um Bier aus lokalem Biogetreide zu brauen und eine lückenlose Rückverfolgbarkeit vom Feld bis zum Fass zu gewährleisten.

Dazu führt die Brauerei aus, es handele sich um „ein weltweit einzigartiges Know-how, das mehrere Vorteile bietet:

  • Die Garantie, dass seit der Gründung der Brauerei im Jahr 2013 zu 100 % LOKALES & BIO-Getreide verwendet wird.
  • Die Umsetzung eines zu 100 % natürlichen Verfahrens, das energie- und wassersparender ist.
  • Die Achtung der biologischen Vielfalt durch die Verwendung verschiedener Getreidesorten, die für den Landwirt auch lukrativer sind: Buchweizen, Dinkel, Roggen, Hirse usw.

Die Brauerei ist von Natur aus anders und setzt sich auf ihre Weise für den ökologischen Wandel ein, indem sie Ethik und Qualität in den Mittelpunkt ihres Handelns stellt.“

Das Dulion Blanche ist ein Dinkelweißbier. Ich habe es mir bei meinem letzten Besuch in Lyon mitgebracht und jetzt habe ich endlich die Gelegenheit, es zu verkosten.

Hell goldfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die schneeweiße Schaumkrone ist nur klein, bleibt aber recht lange erhalten. Optisch macht das Bier also etwas her.

Das Bier duftet nach Getreide und nach Biskuitteig, der mit belgischer Hefe hergestellt wurde. Eine angenehme Fruchtigkeit erinnert an reife Äpfel.

Der Antrunk ist spritzig und angenehm trocken. Da die Fruchtigkeit jetzt mehr in den Vordergrund rückt, erinnert mich das Bier kurz an Cidre. Auf der Zunge gesellt sich dann auch eine leichte fruchtige Säure zur dominierenden Fruchtigkeit, während die Bittere sehr diskret im Hintergrund bleibt. Das Mundgefühl ist weich. In der Kehle wird das Bier noch trockener und es bleibt mild. Die Fruchtigkeit klingt aber einige Zeit nach.

Zutaten:

Wasser, Dinkel, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Dulion-Lyon
130, Avenue de l’Industrie
69140 Rilleux-La-Pape
Frankreich
www.brasseriedulion.com

wildwuchs Brauwerk – Wildmoker

Der Wildmoker ist eine Gemeinschaftsarbeit des Wildwuchs Brauwerks mit der Kaffeerösterei in der Hamburger Speicherstadt. Wie es dazu gekommen ist? Die Geschichte ist schnell erzählt und ich stütze mich dabei auf die Angaben der Rösterei. Max vom Wildwuchs Brauwerk telefonierte mit Max von der Speicherstadt Kaffeerösterei. Beim anschließenden Cupping wurde die passende Kaffeesorte ausgesucht: Die Hamburger Hafen Kaffeemischung sollte es werden, denn was haben beide Unternehmen gemeinsam? Genau: Die Nähe zum Hafen! Auf die Plätze, fertig, Kaffeebier. Und schon steht das Bier vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Die erste Überraschung bietet das Bier bereits beim Einschenken. Während alle anderen Kaffeebiere, die ich bislang getrunken habe, schwarz waren, ist der Wildmoker orangefarben. Dabei ist das Bier hefetrüb mit einer kleinen hellgelben Schaumkrone, die aber sehr lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet frisch nach Biskuitteig und Karamell.

Der Antrunk ist recht süß und mir gefällt die sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge stehen der Karamellgeschmack und die Süße im Mittelpunkt, aber auch eine freundliche Bittere gesellt sich zu den Aromen. Jetzt bin ich mir nicht sicher – erinnert mich die Bittere wirklich an Kaffee oder kommt mir das nur so vor, weil ich weiß, dass in dem Bier Kaffee mit verbraut wurde? Egal – obwohl das Bier einen schlanken Körper hat, wirkt es wirklich elegant. In der Kehle wird es eindeutig – der Kaffeegeschmack ist nicht wegzudiskutieren, denn er wird kräftiger und klingt sehr lange nach.

Hält das Bier denn nun auch wach? Das ist eine recht einfache Rechenaufgabe. 100 ml Wildmoker enthalten 13,2 mg Koffein. Nach Angaben der Zentrale für gesundheitliche Aufklärung enthält eine Tasse Kaffee etwa 90 mg Koffein. Ich bin drei Tassen Kaffee am Morgen gewöhnt, also etwa 270 mg Koffein. Rein rechnerisch müsste ich also etwa 2 Liter Bier trinken, um auf meine gewohnte Koffeindosis zu kommen. Wohl gemerkt: das sind 6 Flaschen á 0,33 Liter – vor dem Frühstück. Das wäre vermutlich keine allzu gute Idee. Aber für ein wirklich gutes Bier ist das Koffein auf jeden Fall wirklich sinnvoll.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsenermalz, Karamellmalz-Rot), Weizenmalz, Kaffeebohnen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

13,9° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

wildwuchs Brauwerk Hamburg KG
Jaffestraße 8
21109 Hamburg
www.wildwuchs-brauwerk.de

in Zusammenarbeit mit

Hacienda San Nicolás GmbH
Kehrwieder 5
20457 Hamburg
www.speicherstadt-kaffee.de

Floreffe 1121 > 2021 Cuveé Spéciale 900 Ans

Die mit einem Champagnerkorken verschlossene Flasche fällt durch das weiße F mit einer Rose auf.Im Jahr 2021 wurde die Abtei von Floreffe 900 Jahre alt. Dieses Jubiläum wurde mehrere Monate lang mit Publikationen, Ausstellungen, aber auch mit festlichen Anlässen wie dem Fackelzug am 27. November, mit dem das Jubiläum offiziell gefeiert wird, gefeiert. Oder auch die Wandershow, die durch die Geschichte, aber auch durch verschiedene Orte führt. Und nicht zu vergessen ein spezielles Bier, das von der Brasserie Lefebvre zu diesem Anlass gebraut wurde. Dabei handelt es sich um ein Dubbel, das mit drei Prozent Cognac sowie mit Honig und Gewürzen verfeinert wurde.

Sehen wir uns kurz die Geschichte der Abtei an. Im Jahr 1121, am 27. November, schenkten der Graf von Namur Godefroid und seine Frau Ermesinde dem Heiligen Norbert das Gebiet von Floreffe mit dem Auftrag, dort eine Abtei zu gründen. Ein ideal gelegener Ort auf einem Vorgebirge am Ufer der Sambre, wo sich eine Gemeinschaft von Prämonstratensern unter der Führung des heiligen Norbert niederließ. Floreffe war somit die zweite Abtei in der Geschichte des Prämonstratenserordens. Während der Französischen Revolution wurde die Abtei zum kleinen Seminar der Diözese. Heute beherbergt das weitläufige Gelände eine Schule und öffnet sich der Kultur und dem Tourismus. Aber kommen wir zum Bier.

Die Farbe des Bieres ist ein sehr dunkles Rot, es ist praktisch schwarz. Der wenige haselnussbraune Schaum löst sich sehr schnell auf.

Das Aroma lässt sich als winterlich oder weihnachtlich beschreiben. Es ist würzig mit Düften von Zimt und Nelken, dazu kommt der Karamellduft des Malzes. Damit erinnert das Aroma an Lebkuchen und Glühwein.

Der Antrunk ist recht süß und er zeichnet sich durch eine feinperlige und doch kräftige Kohlensäure aus. Auf der Zunge wird die Süße kräftiger, die Gewürzaromen kommen zum Vorschein und drängen in den Vordergrund. Erstmals schmecke ich auch den Cognac, der sehr gut zur Süße dieses Bieres passt. Das Mundgefühl ist samtig. Die Gewürzaromen sind auch in der Kehle hervorstechend und der Alkohol wärmt den Körper. Bittere ist so gut wie nicht vorhanden.

Dieses Bier sollte nach dem Einschenken schnell getrunken werden, denn die Kohlensäure verfliegt schnell. Anschließend steht der Cognac im Mittelpunkt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Cognac (3 %), Hopfen, Honig, Gewürze, Hefe

Alkoholgehalt:

7,6 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Lefebvre
Chemin du Croly 54
1430 Quenast (Rebecq)
Belgien
www.brasserielefebvre.be