Golden und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Die feste und feinporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Schon optisch wird klar, dass hier ein modernes, hopfenbetontes Bier wartet.
In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Zitrusnoten von Grapefruit und Limette treffen auf tropische Eindrücke wie Mango und Maracuja, abgerundet durch Düfte nach Ananas und Honig. Dazu gesellt sich ein dezenter Anklang von Steinfrucht, der dem Bouquet zusätzliche Tiefe verleiht.
Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus, die allerdings für meinen Geschmack etwas zu zurückhaltend dosiert wurde. Am Gaumen zeigt sich das IPA angenehm zugänglich und ausgewogen. Die Fruchtigkeit steht klar im Vordergrund, wird jedoch von einer schlanken Malzbasis getragen, die für Struktur sorgt, ohne sich aufzudrängen. Die freundliche Bittere ist moderat, sauber eingebunden und unterstützt die Fruchtaromen, anstatt sie zu überdecken. Im Abgang zeigt sich das Bier leicht trocken mit einer anhaltenden, feinherben Hopfennote, die lange nachklingt und Lust auf den nächsten Schluck macht.
Das Local IPA von Orca Bräu ist ein modernes, fruchtbetontes IPA mit guter Balance und hohem Trinkfluss. Kein extremes Hopfenbrett, sondern ein durchdachtes, zugängliches Bier, das sowohl Einsteiger als auch erfahrene IPA-Trinker anspricht.
Jetzt steht das Fusion IPA vor mir, ein Bier, das Maisel & Friends gemeinsam mit der norwegischen Brauerei Lervig entwickelt und gebraut hat. Über Maisel & Friends habe ich bereits an verschiedenen anderen Stellen geschrieben, aber Lervig wohl noch nicht. Hier also einige Anmerkungen zu den Norwegern, bevor ich das Bier beschreibe:
Die Lervig aus Stavanger zeigt eindrucksvoll, wie moderne Craft-Braukunst heute funktioniert: unabhängig, experimentierfreudig und mit einem klaren Anspruch an Qualität. Die norwegische Brauerei ist fest in Stavanger verwurzelt, denkt aber längst global. Lervig versteht sich als unabhängiger Betrieb, der bewusst seinen eigenen Weg geht. Statt sich an Trends anzupassen, braut man hier vor allem das, was man selbst gerne trinkt – und das mit einer beeindruckenden Bandbreite. Vom unkomplizierten Pils oder Pale Ale bis hin zu komplexen, fassgereiften Stouts, Barley Wines und wilden Sauerbieren ist alles dabei, was das Craft-Herz höherschlagen lässt.
Dabei gilt ein Grundsatz: Qualität steht immer über wirtschaftlichen Kompromissen. Lervig verlässt regelmäßig die eigene Komfortzone, probiert Neues aus und lässt sich weltweit inspirieren. Reisen, Verkostungen und Kollaborationen mit renommierten Brauern gehören fest zur Philosophie. So entstehen Biere, die sowohl zugänglich als auch anspruchsvoll sein können – je nachdem, worauf man gerade Lust hat.
Ein entscheidender Faktor hinter dem Erfolg ist das Team. Bei Lervig arbeitet eine internationale Mannschaft, die ihre unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen in die Braukunst einbringt. Diese Mischung sorgt dafür, dass die Biere nicht nur technisch überzeugen, sondern auch kreativ und abwechslungsreich bleiben.
Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich auch über die Grenzen Norwegens hinaus. Lervig exportiert seine Biere inzwischen in über 30 Länder und erreicht damit eine stetig wachsende Fangemeinde. Gleichzeitig sorgt man dafür, dass die Kernbiere jederzeit verfügbar bleiben – ein Balanceakt zwischen Innovation und Verlässlichkeit.
Lervig ist eine Brauerei, die sich nicht festlegen lässt. Mal unkompliziert, mal komplex – aber immer mit dem Anspruch, richtig gutes Bier zu brauen.
Wenn diese Brauerei mit Maisel & Friends gemeinsam ein Bier braut, kann ja eigentlich nur etwas Großes entstehen. Das Fusion IPA bringt zwei kreative Brauwelten zusammen – und genau das merkt man vom ersten Moment an.
Im Glas präsentiert sich das Fusion IPA in einem satten, leicht trüben hellen Goldton. Die schneeweiße Schaumkrone baut sich cremig auf, bleibt stabil stehen und hinterlässt beim Trinken feine Spitzen am Glasrand – ein optischer Auftakt, der Lust auf mehr macht.
In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Zunächst steigen intensive tropische Noten auf: Mango, Maracuja und Ananas geben klar den Ton an. Dahinter folgen Zitrusanklänge von Grapefruit und Limette, begleitet von einer feinen harzigen Note, die dem Ganzen Tiefe verleiht. Ein Hauch von Steinfrucht und eine dezente florale Komponente runden das Bouquet ab, ohne es zu überladen. Kurz gesagt nimmt die Nase einen Obstsalat wahr.
Der Antrunk ist weich und saftig, fast schon samtig mit einer angenehmen Malzsüße. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, aber leider etwas knapp dosiert. Die Fruchtnoten setzen sich sofort durch und erinnern an einen frisch gepressten tropischen Saft. Doch bevor es zu verspielt wird, baut sich eine angenehm präzise Bittere auf. Diese ist deutlich präsent, aber genau wie die 7,9 Volumenprozent Alkohol, hervorragend eingebunden – sie geben dem Bier Struktur, ohne die Fruchtigkeit zu überdecken. In der Kehle ist das Bier trocken, leicht harzig und von einer anhaltenden, eleganten Bittere geprägt. Die tropischen Fruchtnoten klingen langsam aus und machen Platz für eine angenehme, leicht herbe Nachwirkung, die direkt zum nächsten Schluck einlädt.
Insgesamt ist das Fusion IPA ein Paradebeispiel für eine gelungene Zusammenarbeit. Es vereint Intensität und Trinkbarkeit, Komplexität und Klarheit – und zeigt, wie spannend Bier werden kann, wenn zwei kreative Köpfe gemeinsam am Sudkessel stehen. Ein IPA, das sowohl Kenner begeistert als auch Einsteiger problemlos abholt.
Bild: Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V., 85283 Wolnzach
Wenn es um Hopfen geht, spielt Deutschland ganz vorne mit – genauer gesagt: ganz oben. Mit rund 35 Prozent Weltmarktanteil ist die Bundesrepublik der größte Hopfenproduzent der Welt. In Regionen wie der Hallertau, Tettnang, Spalt, Elbe-Saale und Bitburg gehört der Hopfen nicht nur zur Landschaft, sondern zum Leben selbst.
Umso größer war die Freude, als am 24. März 2026 eine Nachricht aus München eintraf: Der bayerische Ministerrat hat beschlossen, den „Hopfenanbau in Deutschland“ in das Bayerische Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufzunehmen. Eine Entscheidung, die zeigt, dass Hopfen längst mehr ist als nur eine Zutat im Bier.
Angestoßen wurde dieser Schritt bereits im Herbst 2025. Der Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V. erarbeitete gemeinsam mit dem Deutschen Hopfenmuseum und dem Bayerischen Brauerbund einen Antrag, der die besondere kulturelle Bedeutung des Hopfenanbaus hervorhebt. Unterstützt wurde dieser schließlich durch ein unabhängiges Expertengremium, das sich klar für die Aufnahme aussprach.
Doch was macht den Hopfenanbau eigentlich so besonders? Es ist vor allem das Wissen, das dahintersteckt. Hopfen wächst nicht einfach so – er wird angebaut, gepflegt, geerntet und verarbeitet. Jede Phase erfordert Erfahrung, Fingerspitzengefühl und ein tiefes Verständnis für die Pflanze. Dieses Wissen wird über Generationen weitergegeben und ständig weiterentwickelt.
Dabei geht es längst nicht nur um Landwirtschaft oder Wirtschaft. Der Hopfen prägt den Alltag der Menschen, die mit ihm arbeiten. Er beeinflusst ihre Entscheidungen, ihren Jahresrhythmus und oft auch ihre Identität. Hopfenbau ist kein Job, sondern ein Lebensgefühl.
Genau das war auch entscheidend für die Anerkennung als Kulturerbe. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Geschichte, sondern vor allem die Gegenwart: Wie wird heute gearbeitet? Wie wird Wissen vermittelt? Und wie wird sichergestellt, dass auch zukünftige Generationen diese Tradition fortführen können?
Der Hopfenanbau in Deutschland vereint wirtschaftliche Bedeutung, wissenschaftliche Innovation und kulturelle Identität. Er ist lebendige Tradition – nicht konserviert, sondern in Bewegung.
Mit der Aufnahme in das Bayerische Landesverzeichnis wird genau das nun offiziell anerkannt. Oder anders gesagt: Das „grüne Gold“ bekommt den kulturellen Stellenwert, den es schon lange verdient hat.
Schon die alten Ägypter wussten offenbar: Mit Hopfen schmeckt Bier einfach besser. Seitdem ist die Pflanze aus dem Brauprozess nicht mehr wegzudenken – und wenn es um besonders hochwertigen Hopfen geht, führt kein Weg an der Hallertau vorbei. Das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt liegt in Bayern und liefert das berühmte „grüne Gold“, das in über 100 Länder exportiert wird. Kurz gesagt: Ein großer Teil dessen, was weltweit gut schmeckt, hat hier seine Wurzeln.
Doch die Hallertau kann mehr, als nur Bier veredeln. Sie ist längst auch ein Paradies für alle, die Natur, Bewegung und Genuss miteinander verbinden möchten. Zwischen Regensburg, Ingolstadt und München erstrecken sich auf rund 17.000 Hektar beeindruckende Hopfengärten. Im Sommer wachsen hier bis zu sieben Meter hohe Pflanzen in den Himmel und verwandeln die Landschaft in ein grünes Meer, das man so schnell nicht vergisst.
Wenn die Ernte beginnt, wird es geschäftig: Rund 1.000 Hopfenbetriebe holen jährlich etwa 40.000 Tonnen Hopfen ein – eine Zahl, die nicht nur beeindruckt, sondern auch zeigt, welche Bedeutung diese Region für die weltweite Bierkultur hat.
Doch anstatt nur darüber zu lesen, können Sie die Hallertau auch ganz direkt erleben. Besonders beliebt ist die rund 170 Kilometer lange Hallertauer Hopfentour. Diese führt entlang der Flusstäler von Abens und Ilm, durch Hopfengärten, kleine Dörfer und vorbei an traditionellen Gasthäusern, die förmlich nach einer zünftigen Einkehr rufen. Dank mehrerer Querverbindungen lässt sich die Strecke flexibel anpassen – egal, ob Sie gemütlich unterwegs sind oder sportliche Ambitionen haben. Alle Details zur Route finden Sie hier: https://www.tourismus-landkreis-kelheim.de/Media/Touren/Hallertauer-Hopfentour
Wer es etwas kompakter mag, sollte sich den Erlebnispfad Hopfen und Bier nicht entgehen lassen. Auf etwa 15 Kilometern wandern Sie von Mainburg aus durch das Herz der Hallertau. Entlang des Weges vermitteln 17 Informationstafeln spannendes Wissen rund um Hopfen und Bier. Die Route führt durch das idyllische Abenstal, vorbei an Hopfengärten und durch schattige Waldabschnitte bis nach Ratzenhofen. Dort wartet zur Belohnung ein Biergarten unter Kastanienbäumen – genau der richtige Ort, um das Erlebte direkt im Glas zu überprüfen. Mehr Informationen gibt es hier: https://www.rauszeit.bayern/de/tour/themenweg/erlebnispfad-hopfen-bier/18988460
Und falls nach der Einkehr die Motivation für den Rückweg etwas nachlässt, wurde auch daran gedacht: Im Sommer bringt ein Freizeitbus müde Wanderer bequem zurück.
Die Hallertau ist also weit mehr als nur ein Lieferant für hervorragenden Hopfen. Sie ist eine Region, in der Bierkultur, Natur und bayerische Lebensart aufeinandertreffen. Oder anders gesagt: Hier schmeckt das Bier nicht nur gut – hier sieht es auch noch verdammt gut aus.
Der Neckator ist ein dunkler Weizenbock von Kraftpaule in Stuttgart. Da Kraftpaule keine eigene Brauerei hat, wurde das Bier bei Camba in Seeon gebraut. Zwei wirklich gute Namen, die beide für hervorragende Qualität bürgen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.
Kupferfarben präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine elfenbeinfarbene feste Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Ein Bier wie gemalt.
Das Aroma geht gleich in die Vollen: Düfte nach dunkler Schokolade und Karamell, nach Banane und Rosinen steigen mir in die Nase. Dazu diese typische, leicht würzige Nelke, die man von einem guten dunklen Weizen erwartet. Alles wirkt rund und einladend, ohne dabei aufdringlich zu werden.
Der Antrunk ist weich und vollmundig, fast schon samtig, mit einer zurückhaltenden Malzsüße und einer sehr feinperligen Kohlensäure. Dabei wird die Süße durch leichte brotige und leicht röstige Aromen begleitet. Am Gaumen entwickeln sich die fruchtigen Noten weiter, aber auch die Röstaromen mit dem Schokoladengeschmack kommen deutlich zum Tragen. Für einen dunklen Weizenbock wirkt das Bier überraschend frisch, denn der Alkohol, immerhin 8,1 Volumenprozent, ist sehr gut eingearbeitet. – Banane, ein wenig Dörrobst – während im Hintergrund eine angenehme Würze mitschwingt. Trotz seiner Kraft bleibt der Neckator erstaunlich ausgewogen. In der Kehle ist das Bier stiltypisch mild, aber die Röstaromen klingen trotzdem überraschend lange nach.
Fazit: Ein dunkler Weizenbock, wie er sein soll – kräftig, aromatisch und gleichzeitig sehr gut trinkbar. Perfekt für kühle Abende oder wenn Sie sich einfach mal ein bisschen flüssigen Komfort gönnen möchten.
Manche Biere wollen besonders kompliziert sein. Viele Hopfensorten, exotische Namen und Aromen, die angeblich an Mango, Grapefruit und tropischen Regenwald erinnern. Das Helle, ein ursprünglich bayrischer Bierstil, der sich in den letzten Jahren über ganz Deutschland verbreitet hat, geht einen anderen Weg. Dieser Bierstil sagt im Grunde: Entspannen Sie sich, ich bin einfach ein verdammt gutes Bier. Das stimmt zwar nicht immer, aber beim Goldie von orca brau erwarte ich doch eine gehobene Qualität. Zumindest hat mich die Brauerei aus Nürnberg bislang nicht enttäuscht.
Gebraut wird mit regionalen Zutaten, darunter sogar historische fränkische Landgerste aus der Rhön, die dem Bier eine leicht kernige Tiefe verleihen soll. Dazu kommen klassische Hopfensorten wie Magnum und Hallertauer Mittelfrüh, die für eine angenehme, grasig-frische Hopfenaromatik sorgen.
Intensiv goldfarben und opalisierend fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine schneeweiße Schaumkrone, die sich aber leider recht flott auflöst.
Das Bier duftet nach hellem Malz und Karamell. Zitrusfrüchte und Gras halten lassen den Aromen des Malzes den Vortritt und vervollständigen das Aroma. Jetzt ärgert es mich etwas, dass ich das Goldie mit einem leichten Schnupfen verkoste, so dass es möglich ist, dass mir manche Nuancen des Aromas entgehen.
Der Antrunk ist angenehm spritzig und mit einer zurückhaltenden Süße. Auf der Zunge gesellt sich eine gut auf die Süße abgestimmte Bittere dazu. Gemeinsam mit etwas Zitrus sorgt sie für ein volles und weiches Mundgefühl. Der Abgang zeichnet sich durch eine freundliche Bittere mit sehr langem Nachklang aus.
Stilistisch bewegt sich das Goldie irgendwo zwischen klassischem Hellen und modern interpretiertem Craftbier. Man könnte auch sagen: ein Bier für Menschen, die traditionelles Lager lieben, aber nichts dagegen haben, wenn es ein kleines bisschen mehr Persönlichkeit mitbringt.
Kurz gesagt: Mata Hari ist kein historisches Buch und auch kein Spionage-Podcast, sondern ein ziemlich charakterstarkes Bier aus der Berliner Kreativbrauerei Orca Brau. Und der Name ist ziemlich passend gewählt – geheimnisvoll, exotisch und ein bisschen unberechenbar.
Was für ein Bier ist Mata Hari? Es gehört zu den ausgefalleneren Suden der Brauerei. Stilistisch bewegt es sich vermutlich im Bereich moderner Sauer- bzw. Fruchtbiere mit deutlicher Aromaspielerei – typisch für die experimentelle Handschrift der Craft-Szene. Ob meine Erwartung erfüllt wird, will ich jetzt prüfen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.
In einem sehr schönen Rotgold und opalisierend fließt das Bier ins Glas. Leider löst sich der Schaum schnell auf, was die Optik doch arg trübt.
Das Bier duftet angenehm nach Karamell und Trockenfrüchten, die an Pflaumen und Feigen erinnern. Mir fällt auf, dass das Aroma für nur 5,2 Volumenprozent Alkohol sehr intensiv ist.
Der Antrunk überrascht mich, da ich bei dem intensiven Aroma eigentlich mehr Süße erwartet hätte. Aber so kommt mir das Bier noch mehr entgegen. Die sehr feinperlige Kohlensäure ist gut dosiert. Am Gaumen steht die Fruchtigkeit im Vordergrund; außerdem stellt sich eine zur Süße passend dosierte Bittere ein. Das Mundgefühl ist samtig. In der Kehle dominiert eine freundliche Bittere und obwohl sie nicht sonderlich kräftig ist, klingt sie lange nach.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Alkoholgehalt:
52 % Vol.
Farbe:
12 EBC
Brauerei:
Orca Brau Am Steinacher Kreuz 24 90427 Nürnberg www.orcabrau.de
Wie in den letzten Jahren auch stehen wir vor einem Dilemma: Wie präsenteren wir die Lage der bayerischen Brauwirtschaft?
Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Brauerbundes e.V.. Bild: Bayerischer Brauerbund
Einerseits wollen wir die Branche gerne als kraftvoll und erfolgreich darstellen – die Menschen neigen dazu, sich lieber an die Seite von Siegertypen zu stellen und sich durch ihr Konsumverhalten als Teil einer Erfolgsstory zu positionieren. Außerdem wollen wir ja, dass die Menschen sich für unser wunderbares Produkt, für das Bayerische Bier, begeistern. Darauf zu hoffen, dass sie es aus Mitleid trinken, weil es der Branche so schlecht geht, ist keine Option.
Andererseits ist es kein Geheimnis, dass Bayerns Brauer aktuell alles andere als auf Rosen gebettet sind. Wenn nach fast 380 Jahren Ende 2026 in der größten Brauerei der Oberpfalz für immer das Feuer unter dem Sudkessel erlischt, sendet das kein Zeichen wirtschaftlicher Prosperität unserer Branche aus – nur ein Beispiel für den traurigen Aderlass, den insbesondere der brauwirtschaftliche Mittelstand auch in Bayern zu beklagen hat.
Lassen Sie es mich so zusammenfassen: Die Brauwirtschaft in Deutschland und mit ihr auch im lange erfolgsverwöhnten Bayern blickt auf ein schwieriges Jahr 2025 zurück, auf Absatzverluste, die selbst die der Corona-Jahre 2020 und 2021 übertreffen.
Der inländische Bierabsatz
Was ist los in Bayern, im Land des Bieres und der Brauereien? Schauen wir uns zunächst die Entwicklung des Inlandsabsatzes an.
Die deutsche Brauwirtschaft hat im vergangenen Jahr einen Inlandsabsatz von gerade noch 64,1 Mio. hl Bier erreicht, gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 5,8 % oder 3,94 Mio. hl alkoholfreies Bier ist hier noch nicht enthalten, da es von der amtlichen Statistik nicht erfasst wird.
Bayern kommt – auch hier ohne alkoholfreies Bier – auf 17,1 Mio. hl Inlandsabsatz, ein Minus gegenüber 2024 von rund 800.000 hl oder 4,5%. Nicht einmal in den Corona-Jahren haben wir Absatzverluste in solcher Größenordnung hinnehmen müssen.
Nachdem allerorten beklagt wird, Deutschland trinke zu viel, sei ein kurzer Blick auf einen längeren Betrachtungszeitraum geworfen:
Deutschland hat seit 1993 35,4 % seines Inlandsabsatzes verloren – mehr als ein Drittel. In Bayern sind es 31,3 %. Das entspricht 7,8 Mio. Hektolitern.
Der Blick auf diese Zahlen provoziert natürlich die Frage nach dem „Warum“.
Es gibt nicht nur eine Ursache für den Rückgang des Inlandsabsatzes. Vielmehr ist es das Zusammenwirken gleich mehrerer Einflussfaktoren, die dafür verantwortlich sind, dass der Inlandsabsatz in Deutschland seit Jahren schrumpft.
Da ist zunächst die demografische Entwicklung.
Die sogenannten Babyboomer erreichen langsam ein Alter, in dem sie etwas verhaltener alkoholhaltige Getränke konsumieren. Diese Gruppe wird von Jahrgang zu Jahrgang noch auf Jahre absehbar größer.
Das heißt: Wir verlieren am oberen Ende der sog. „Alterspyramide“ in großer Zahl Konsumenten, während am unteren Ende deutlich schwächere Jahrgänge in das konsumfähige Alter hineinwachsen.
So ist die Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen heute fast 5 Mio. Personen größer als sie es in 20 Jahren sein wird. Und betrachten wir die Gruppe der 20- bis 60-jährigen, die die relativ konsumfreundlichste Altersgruppe darstellt, dann wissen wir schon heute, dass diese Altersgruppe in den nächsten 20 Jahren um 6,7 Mio. Menschen schrumpfen wird.
Diese Entwicklung ist nicht neu! Und sie hat zwangsläufig negativen Einfluss auf unser inländisches Absatzpotential, ohne dass diese Entwicklung irgendetwas über die Beliebtheit von Bier oder das Verhältnis der Konsumenten zum Alkohol an sich aussagen würde.
Für uns, für die Brauwirtschaft, gilt es aber festzuhalten: Wir haben auf diese Entwicklung keinen Einfluss!
Die Entwicklung des Pro-Kopf-Konsums
Nun kommt ein zweiter Effekt hinzu: Die nachrückende Konsumentengeneration ist nicht nur zahlenmäßig deutlich schwächer als vorhergehende, sie weist auch ein völlig anderes Konsumverhalten auf als ihre Eltern und Großeltern. Dies hat zur Folge, dass wir nicht nur in größerer Zahl Biertrinker- und -trinkerinnen verlieren als nachwachsen, auch der Pro-Kopf-Konsum der Jüngeren ist deutlich geringer als in früheren Generationen.
Statistisch gut erfasst wird diese Entwicklung durch das Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit, BIöG, vormals BzgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung).
Der Bier-Pro-Kopf-Konsum betrug 2024 – aktuellere Zahlen liegen leider noch nicht vor – noch 88 Liter. Er ist damit seit der Wiedervereinigung um 54 Liter, seit seinem Höchststand vor 50 Jahren, 1976, sogar um 63 Liter zurückgegangen.
Auffällig ist das sich wandelnde Konsumverhalten junger Erwachsener: Zählten sich noch in den späten 70-er Jahren 85 % der männlichen jungen Erwachsenen zu den regelmäßigen Alkoholkonsumenten, so sind dies heute noch knapp 39 %. Bei den jungen Frauen sind es sogar nur 18 %, vor 50 Jahren waren es noch knapp 54 %. Und „regelmäßig“ im Sinne dieser Erhebung bedeutet Alkoholkonsum einmal wöchentlich oder öfter. Dies heißt im Umkehrschluss: Fast 70 % der jungen Erwachsenen beiderlei Geschlechts konsumieren seltener als einmal wöchentlich unabhängig von der Menge irgendein alkoholhaltiges Getränk!
Bei ihnen breitet sich ein bisweilen irrational anmutender Verzichtskult aus, befeuert von Organisationen, denen der Konsum von Alkohol per se ein Dorn im Auge ist und die auf dem aktuellen Gesundheitstrend mitschwimmen, „geadelt“ durch die WHO oder die Deutsche Gesellschaft für Ernährung.
Deren gute Reputation verhilft dem von ihnen propagierten Abstinenzideal zu breiter auch medialer Wahrnehmung. Ein alkoholfreies Leben wird idealisiert als Teil weit verbreiteter Suche nach Selbstoptimierung in einer Welt, die dem Einzelnen immer weniger mitgestaltbar erscheint. Also konzentriert er sich auf das, was er noch beeinflussen und optimieren kann: sich selbst.
Im Ergebnis bleibt damit festzuhalten: Eine nachhaltige Trendumkehr beim Konsum alkoholhaltigen Bieres ist in Deutschland realistisch auf Sicht nicht zu erwarten.
Diese Entwicklung des langfristigen Konsumverhaltens wird zudem überlagert und aktuell noch verstärkt durch kurzfristige Trends: allerorten Verunsicherung, Zukunftsangst, mindestens -sorgen. Keine Lage, in der man es überschwänglich krachen lässt. Die unverändert unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse lassen die Menschen das Geld zusammenhalten. Sie üben sich in Konsumzurückhaltung, verzichten auf den Besuch der Gastronomie oder belassen es dort bei einer Halben, greifen im Handel zu preiswerteren Bieren ….
Hier besteht zumindest die Hoffnung, dass die Absatzkurve wieder etwas abflacht, wenn die gesamtwirtschaftliche Lage sich für die Menschen im Land wieder für sie spürbar bessert.
Die Gesamtabsatzentwicklung/der Bierexport
Beide Trends: Die im Inland schrumpfende Bevölkerung und der rückläufige Pro-Kopf-Konsum, sind – wie gesagt – ja keine neuen Entwicklungen.
Wenn Bayern in den letzten Jahren dennoch eine stabile Gesamtabsatzentwicklung zu verzeichnen hatte, war dies erfolgreichem Export geschuldet, der die Absatzrückgänge im Inland lange zu kompensieren vermochte. Doch auch auf den Auslandsmärkten mussten die bayerischen Brauereien im zurückliegenden Jahr Einbußen hinnehmen.
Der Gesamtbierabsatz der deutschen Brauwirtschaft ist im vergangenen Jahr auf 77,7 Mio. hl gesunken, ein Minus von 6 % oder 4,97 Mio. hl.
Bayern ist auch nicht viel besser weggekommen. Die Brauereien im Freistaat verloren 2025 weitere 1,3 Mio. hl Gesamtabsatz, ein Minus von 5,4 % auf noch 22,54 Mio. hl – auch die ohne alkoholfreies Bier.
Der Gesamtabsatz der Brauwirtschaft hat sich in Deutschland insgesamt wie in Bayern also schlechter entwickelt als der Inlandsabsatz – Indiz dafür, dass auch der Export, der die bayerische Brauwirtschaft in den letzten Jahren getragen hat, schwächelt. Bayern haben die Einbußen auf Auslandsmärkten dabei etwas schwerer getroffen als den Rest der deutschen Brauwirtschaft.
Der deutsche Bierexport insgesamt ist im vergangenen Jahr um gut 1 Mio. hl oder 7% zurückgegangen. Die bayerischen Brauer, die 2024 mit 5,87 Mio. hl noch ein Allzeithoch ihres Exportvolumens erreichten, verlieren hiervon knapp 500.000 hl, was 8,4 % ihrer vorjährigen Exporte bedeutet und nur auf Bayern bezogen der Hälfte dessen entspricht, was Deutschland insgesamt auf den Biermärkten der Welt an Absatz eingebüßt hat.
Dabei sind es vor allem die Lieferungen in Drittstaaten, die einbrechen: Während die bayerischen Exporte in andere Länder der EU um nur 59.000 hl oder lediglich 1,7% fallen, gehen die Exporte in Drittstaaten um 436.000 hl oder 18,3 % zurück.
Italien bleibt mit rund 1,5 Mio. hl das mit Abstand bedeutendste Zielland bayerischer Bierexporte, gefolgt von China (ca. 500.000 hl) und Österreich (knappe 400.000 hl).
Dennoch bleibt Bayern in Deutschland führend beim Bierexport: Knapp 4 von 10 aus Deutschland exportierten Bieren stammen aus einem bayerischen Sudkessel.
Die Perspektiven? Die Absätze in andere Länder der EU können sich wieder stabilisieren, wenn auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sich wieder festigen. Unsere Erfolge auf dem wich gen US-amerikanischen Markt sind ein Spiegelbild der erratischen Zollpolitik der Trump‘schen Regierung. Man darf hier auf Besserung hoffen – in jeder Hinsicht.
Der für uns bis zum Beginn des Jahrzehnts bedeutende russische Absatzmarkt (nach Italien bis 2021 immerhin zweitwichtigster Exportmarkt für Bayerns Brauer) ist auf absehbare Zeit weitgehend verloren. Gerade einmal rd. 60.000 hl Exportvolumen sind 2025 geblieben.
Wir setzen darauf, auch in Kooperation mit den verantwortlichen Stellen der Bayerischen Staatsregierung (Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerium) dem Bierexport aus Bayern neue Impulse geben zu können. Mit unserer geschützten geografischen Angabe „Bayerisches Bier“ haben wir hier beste Voraussetzungen.
Konsequenzen für die Branchenstruktur
Die beschriebene Entwicklung kann nicht ohne Folgen für die Struktur der deutschen und bayerischen Brauwirtschaft bleiben! Wenngleich wir die Zahlen für 2025 erst in rund 2 Wochen bekommen, zeigen die für 2024 vorliegenden doch einen klaren Trend.
Erstmals in der Geschichte des gewerblichen Brauwesens in Bayern ist die Zahl der Braustäten im Freistaat unter 600 gefallen: 598 waren es nach der letzten Erhebung – immer gute 40% aller deutschen Brauereien.
Nachdem die Dichte kleiner und mittlerer Brauereien in Bayern traditionell besonders hoch ist, war der Drang zur Neugründung von Betrieben hier auch weniger stark ausgeprägt als in anderen Bundesländern mit der Folge, dass dort die Zahl der Brauereien in den letzten 30 Jahren zugenommen hat, während sie in Bayern gefallen ist.
Man versteht die Lage der Branche aber nur, wenn man nicht nur auf die Zahl der Braustätten in Deutschland und Bayern schaut, sondern auch deren Struktur betrachtet:
Fast ¾ aller deutschen Brauereien haben eine Jahresproduktion von unter 5.000 hl. Alle zusammen produzieren sie nicht einmal ganz ein Prozent des deutschen Bieres.
Diese Gruppe ist die einzige, die in den letzten Jahren zahlenmäßig überhaupt noch gewachsen ist, während alle anderen einen z. T deutlichen Rückgang der hier ehemals existierenden Betriebsstätten zu beklagen haben.
Doch ungeachtet auch in Bayern schmerzhafter Verluste traditioneller, oft Jahrhunderte alter Braustätten ist Bayern das Bundesland mit dem mit Abstand noch ausgeprägtesten brauwirtschaftlichen Mittelstand. In keinem anderen Bundesland ist der Konzentrationsprozess weniger stark ausgeprägt als in Bayern.
Der Umstand, dass die bayerische Brauwirtschaft in ihrem Kern unverändert mittelständisch strukturiert ist, ist bereits ein Teil der Antwort auf die Frage, wie wir mit dieser Lage umgehen, einer Lage, die ich als ernst, aber eben auch nicht als hoffnungslos beschreiben möchte.
Alkoholfreies Bier
Einer unserer Hoffnungsträger ist sicherlich alkoholfreies Bier. Nun mögen Sie denken: Der Absatz alkoholfreien Bieres zieht doch an, damit können Sie die Verluste beim alkoholhaltigen Bier doch kompensieren.
Richtig ist, dass wir im Segment der alkoholfreien Biere seit Jahren einen anhaltenden Aufschwung verzeichnen.
Alkoholfreies Bier vermochte im zurückliegenden Jahr um 260.000 hl zuzulegen. Dies entspricht einem Zuwachs von 11,5 % auf jetzt gut 2,5 Mio. hl. Damit wurden erstmalig 10 % des in Bayern hergestellten Bieres alkoholfrei produziert.
Noch entfallen hiervon gute 50 % auf alkoholfreies Weißbier, das allerdings im zurückliegenden Jahr kein Wachstum mehr verzeichnen konnte. Die deutlichen Zuwächse kommen vornehmlich vom alkoholfreien untergärigen Bier, das über ein Drittel Volumen gewinnt. Vor allem alkoholfreies Helles verzeichnet deutliches Wachstum. Ein knappes Drittel der gesamten Produktionsmenge alkoholfreier Biere entfällt mittlerweile auf die untergärigen Varianten. Aber auch die alkoholfreien untergärigen („Radler“) und obergärigen („Russ“) Mischgetränke legen zweistellig an Volumen zu.
Wenn wir für das vergangene Jahr also einen Produktionszuwachs von 250.000 hl alkoholfreien Bieres feststellen und sie den Absatzverlusten alkoholhaltigen Bieres (1,3 Mio. hl, s.o.) gegenüberstellen, so wird leicht ersichtlich, dass wir durch die Zugewinne beim alkoholfreien Bier nur etwa ein Fünftel der beim alkoholhaltigen Bier zu beklagende Verluste ausgleichen können.
Dennoch dürfen wir davon ausgehen, dass der Trend zu alkoholfreien Bieren anhalten wird. Innovative Herstellungsverfahren eröffnen heute auch kleineren Brauereien die Möglichkeit, mit geschmacklich anspruchsvollen Produkten an diesem Wachstumssegment teilzuhaben. Und in der Tat nimmt der Kreis derjenigen Brauereien aller Größenklassen beständig zu, die ein eigenes alkoholfreies Bier auf den Markt bringen.
War’s das schon? Perspektiven der heimischen Brauwirtschaft
Wenn wir uns mit einem breiteren Angebot alkoholfreier Biere also nicht quasi am eigenen Schopf aus der Krise ziehen können, welche Perspektiven sehen wir dann?
Ich möchte diese Frage aus zwei Blickwinkeln beleuchten: Einmal vom Markt aus, innerhalb dessen wir uns mit unseren Produkten bewegen, und einmal mit Blick auf die Rahmenbedingungen, die uns umgeben.
Der Biermarkt bietet Chancen für Bayerisches Bier!
Viel zu lange wurden in der irrigen Annahme, der deutsche Biermarkt würde ins Unendliche wachsen, immer neue Kapazitäten geschaffen, die man jetzt auszulasten versucht, indem man das Bier immer billiger anbietet. Zur dargestellten Absatzschwäche gesellt sich so eine eklatante Ertragsschwäche und wir riskieren den herausragenden Ruf, den Bier aus Deutschland – insbesondere Bayern – genießt, weil, was über Jahre so billig angeboten wird, Zweifel am hohen Qualitätsanspruch nährt.
Die Zukunft des deutschen Biermarktes liegt sicherlich nicht im permanenten preislichen Unterbietungswettbewerb!
Wir haben doch andere Möglichkeiten! Bei allen Schwierigkeiten, die die heimische Brauwirtschaft aktuell objektiv hat: Es gibt eine ganze Reihe ermutigender Signale! In der jüngeren Vergangenheit wurden einige vom Aus bedrohte Brauereien gerettet.
Einerseits, weil branchenfremde Investoren bereit waren, Geld in die Unternehmen zu investieren und so ihren Fortbestand zu sichern. Sie setzen auf die Kraft der Marke, aber auch auf das Potential, das der Ruf des „Bayerischen Bieres“ auch außerhalb Bayerns im In- und Ausland genießt.
Die derweil abgeebbte Cra-Bier-Welle hat uns gezeigt, dass die Menschen beim Bierkonsum offen sind für das Besondere, für die Spezialität jenseits des Massengeschmacks der Fernsehbiere. Wer könnte diese Sehnsucht nach dem besonderen Biererlebnis besser stillen als der bayerische brauwirtschaftliche Mittelstand, den es in anderen Teilen Deutschlands und der Welt so eben nicht mehr gibt? Bei den großen Biertrends der zurückliegenden Jahre, erst Weißbier, aktuell Hell, waren die bayerischen Brauer stets die Wegbereiter. Wir besitzen die Glaubwürdigkeit und die Kompetenz für echte Sortenvielfalt.
Der Absender ist unsere Chance. Bier aus Bayern genießt einen herausragenden Ruf, ein Potential, das in meinen Augen längst nicht ausgeschöpft ist.
Und andererseits werden Braustätten gerettet, weil die Menschen vor Ort den Tod „ihrer“ Brauerei nicht widerstandslos hinnehmen wollen und sich engagieren, um sie zu erhalten, allein oder im Verbund als Genossenschaft, als Verein oder kleine Aktiengesellschaft. Solche Rettungen sind mir ein Beleg für die besonders tiefe Verwurzelung unserer tradierten Bierkultur im Land, die eine ihr eigene Widerstandsfähigkeit gegen Krisen begründet.
Diese Entwicklung zeigt mir wiederum, dass Bier auch in Bayern noch etwas Besonderes, ein enorm emotionales Produkt ist, das lokale Identität stiftet. Die drohende Schließung der Brauerei vor Ort bewegt die Menschen. Sie wollen ihren Bräu nicht fallen lassen, sagen JA zum Bier vor Ort, engagieren sich – persönlich und oft auch finanziell -, eine traditionelle Sudstätte zu erhalten – was natürlich die Frage provoziert, warum man mancherorts mit der gelebten Begeisterung für die Brauerei am Ort wartet, bis sie strauchelt …
Das aber wird vermutlich nicht reichen. Auch jenseits des ieres mit und ohne Alkohol gilt es deshalb, Produkt-Alternativen zu identifizieren, für deren Herstellung sich unsere Brauerei-Ausstattung nutzen lässt. Das gilt natürlich für bekannte Erzeugnisse wie Limonaden (Spezi!), für Eistee oder auch Mate-Produkte, die heute schon von Brauereien angeboten werden. Das gilt aber auch für andere Produkte, die ich unter „Liquid Food“ subsummieren möchte und bei deren Entwicklung wir erst am Anfang stehen.
Auf maßgebliches Betreiben des Brauerbundes bekommt die TUM in Weihenstephan eine weitere Brau-Professur. Wir suchen die aktive Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, um die Brauwirtschatt auf ihrer Suche nach neuen Produkten für einen sich rasch wandelnden Getränkemarkt zu unterstützen.
Der Rahmen muss passen!
Maßgeblichen Einfluss auf das Wohl oder Weh der heimischen Brauwirtschaft üben jedoch auch die Rahmenbedingungen aus, innerhalb derer wir uns bewegen.
Sie sind herausfordernd. Die anstehende energetischen Transformation muss die besonderen Bedingungen und Möglichkeiten des Mittelstandes im Blick behalten, sonst werden wir viele mittelständische Betriebe verlieren. Aktuell leisten wir bereits sehr erfolgreich Hilfestellung, gerade diesen Betrieben bei der Einrichtung von Nachhaltigkeitsmanagement-Systemen zu helfen, um die sie auf Sicht schon vor dem Hintergrund einschlägiger Forderungen des Handels nicht herumkommen werden. Wir sind froh, dass der bürokratische Ballast einer aufwändigen Nachhaltigkeitsberichterstattung zunächst hat abgewendet werden können.
Überhaupt darf der Kampf gegen überbordende Bürokratie kein reines Lippenbekenntnis bleiben. Hier müssen den vielen Worten auch Taten folgen.
Wenn die Monopolkommission jüngst (endlich!) den hohen Konzentrationsgrad kritisiert, den der Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland erreicht hat, dann wird es höchste Zeit, dass aus dieser reichlich späten Erkenntnis endlich Konsequenzen gezogen werden. Gerade der Mittelstand steht den Forderungen der Großformen des Handels oft machtlos gegenüber.
Das Ergebnis sind Erlöse, die seit Jahren mit der galoppierenden Kostenentwicklung nicht Schritt zu halten vermögen und die gerade dem Mittelstand kaum Luft zum Atmen, geschweige die Möglichkeit lassen, Mittel für notwendige Investionen zurückzulegen.
Die Lage wird dadurch verschlimmert, dass die zuständigen Stellen auch der durch die Monopolkommission zurecht kritisierten vertikalen Integration von Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft durch die großen Handelskonzerne – mit Blick auf die Getränkewirtschaft bislang vor allem Mineralbrunnen – offenbar tatenlos zuschauen. Die Wettbewerbssituation von Herstellern außerhalb des unmittelbaren Einflussbereiches der Handelsriesen wird hierdurch weiter verschlechtert, insbesondere mittelständische Anbieter werden in ihrem Bestand gefährdet.
Vor allem aber stehen wir aktuell als Hersteller eines nun einmal – wenngleich schwach, so doch zweifelsfrei – alkoholhaltigen Produkts im Feuer. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht vor den gesundheitlichen Risiken des selbst moderaten Alkoholgenusses gewarnt, an dem nicht neue (alte) Ideen vorgebracht werden, wie man dem Konsum von Alkohol denn noch wirksam begegnen könnte.
Auch für den Brauerbund ist klar: Die wirksame Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs ist ein Ziel, hinter dem auch die bayerische Brauwirtschaft steht! Darum aber geht es längst nicht mehr. Mittlerweile wird der Konsum an sich bekämpft – auf der Grundlage durchaus kritisch zu hinterfragender Quellen.
Das Regionalbüro Europa der WHO hat im September 2022 einen „Europäischen Aktionsrahmen für Alkohol 2022 – 2025“ verabschiedet. Er sieht als Ziel eine Reduzierung des Pro-Kopf-Verbrauchs von Reinalkohol auf Basis 2010 bis 2025 um 10 % vor.
Bereits bis 2024 ist im Vergleich zu 2010 der Konsum von Reinalkohol des Bundesbürgers im Schnitt um 13,7 % gesunken. Er ist 2025 nochmals zurückgegangen. Deutschland liegt alkoholpolitisch über Plan!
Ja, werden Sie entgegnen, aber man liest doch allerorten, dass jeder Schluck Alkohol schon gefährlich sein soll …
Man beruft sich dabei gerne auf die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE, die schrieb: „Der Konsum alkoholischer Getränke ist ein führender Risikofaktor für vorzeitigen Tod“.
So weit haben das DGE-Papier auch alle gelesen. Im selben Papier aber heißt es wenige Seiten später, dass es „keine statistisch signifikanten Unterschiede im Mortalitätsrisiko“ zwischen Personen, die bis zu 45 g Reinalkohol täglich konsumieren, und lebenslanger Abstinenz gibt!
45 g Reinalkohol täglich – das ist eine Maß!
Das aber lesen sie nirgends, ebenso wenig, wie dass am Anfang der Publikationswelle zwei kanadische Wissenschaftler stehen, die aus dem Dunstkreis von „Movendi International“ kommen, besser bekannt unter ihrem früheren Namen „Guttempler“, deren klares Ziel eine Welt ohne Alkohol ist. Ist hier wirklich wissenschaftliche Objektivität zu erwarten?
Sie sind die Einflüsterer der WHO. Von der schreibt dann die DGE wiederum ab und am Ende stützt auch das bayerische Gesundheitsministerium sich in seinem im Herbst 2025 veröffentlichten Masterplan Prävention Bayern“ auf deren Aussagen.
Wir wollen gar nicht behaupten, der moderate Konsum alkoholischer Getränke sei gesundheitsförderlich. Aber wir wehren uns gegen die Aussage, selbst kleinste Mengen Bier seien bereits gesundheitsschädlich („No safe level“).
Für einen kausalen (!) Zusammenhang zwischen moderatem Alkoholkonsum und möglichen negativen gesundheitlichen Folgen gibt es – einen ansonsten gesunden Lebenswandel immer vorausgesetzt – keinen wissenschaftlichen Beleg, für Panikmache folglich keinen Grund.
Wenn in einem Kommentar zur Alkoholpolitik die Autorin schreibt, sie genieße die Zeit ohne Alkohol, endlich wache sie nicht mehr mit dickem Kopf und Erinnerungslücken auf, dann frage ich mich, wie sie zuvor wohl konsumiert hat! Zwischen schwarz und weiß, Abstinenz und Suff gibt es ein weites Feld, in dem sich die allermeisten Bier- und auch Weintrinker bewegen – ebenso genussvoll wie gefahrlos! Medial aber findet diese Gruppe gar nicht statt.
Die bayerische Brauwirtschaft hat schon bessere Zeiten erlebt. Sie hat mit großartigen Produkten, einer authentischen Geschichte und beeindruckenden Tradition jedoch auch Chancen.
Wir stellen uns also zuversichtlich den beschriebenen Herausforderungen. Wir erwarten von unserem politischen Umfeld jedoch auch, dass es uns nicht ohne Not das Leben schwer macht.
Die bayerische Brauwirtschaft blickt mit deutlicher Ernüchterung auf das Jahr 2025. Im Rahmen seiner Jahrespressekonferenz in München hat der Bayerische Brauerbund Anfang Februar 2026 aktuelle Zahlen vorgestellt – und die zeichnen ein Bild, das vielen Brauern Sorgen bereitet.
Bundesweit ist der Inlandsbierabsatz 2025 um 5,8 Prozent zurückgegangen. In absoluten Zahlen bedeutet das ein Minus von fast vier Millionen Hektolitern. Am Ende des Jahres standen nur noch 64,1 Millionen Hektoliter auf der Uhr. Auch in Bayern, das sich in den vergangenen Jahren oft widerstandsfähiger gezeigt hatte, sank der Absatz spürbar. Hier ging es um 4,5 Prozent nach unten auf noch 17,1 Millionen Hektoliter. Für viele Brauereien ist das ein Rückgang, wie sie ihn selbst während der Corona-Jahre nicht erlebt haben.
Noch deutlicher fällt das Minus aus, wenn man die Exporte mit einrechnet. Deutschlandweit schrumpfte der Gesamtabsatz um sechs Prozent, was knapp fünf Millionen Hektolitern entspricht. In Bayern lag der Rückgang bei 5,4 Prozent oder rund 1,3 Millionen Hektolitern. Und dabei geht es ausschließlich um alkoholhaltiges Bier.
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Der demografische Wandel spielt eine Rolle, ebenso ein verändertes Konsumverhalten. Hinzu kommt eine allgemeine Konsumzurückhaltung, die nicht nur den heimischen Markt betrifft, sondern auch wichtige Exportländer für bayerisches Bier.
Ein Lichtblick bleibt das Segment der alkoholfreien Biere. Rechnet man diese hinzu, kommt Bayern auf einen gesamten Bierausstoß von rund 25 Millionen Hektolitern. Alkoholfreie Biere haben mittlerweile einen Produktionsanteil von zehn Prozent erreicht und sind 2025 noch einmal um 11,5 Prozent gewachsen. Doch auch dieses Plus von rund 260.000 Hektolitern kann die Verluste bei den klassischen Sorten bei weitem nicht ausgleichen.
Besonders hart trifft die aktuelle Lage den Mittelstand. Steigende Betriebskosten, Fachkräftemangel, wachsender Preisdruck durch den Handel und eine immer kompliziertere Bürokratie setzen vielen Betrieben zu. Dazu kommt die anhaltend gedämpfte Kauflaune der Verbraucher – sowohl im Einzelhandel als auch in der Gastronomie. Für zahlreiche Brauereien entsteht so ein wirtschaftlicher Druck, der ihre Existenz ernsthaft gefährdet.
Ein Beispiel dafür ist das angekündigte Aus einer traditionsreichen Oberpfälzer Großbrauerei zum Ende des Jahres 2026. Für Georg Schneider, Präsident des Bayerischen Brauerbundes, ist das kein Einzelfall, sondern ein Symptom für eine bedenkliche Entwicklung. Mit jeder schließenden Brauerei gehe nicht nur Wirtschaftskraft verloren, sondern auch ein Stück kulturelle Identität.
Schneider fordert deshalb dringend bessere Rahmenbedingungen. Der viel beschworene Bürokratieabbau müsse endlich Realität werden. Auch die energetische Transformation dürfe gerade für kleine und familiengeführte Brauereien nicht zur unlösbaren Aufgabe werden. Zudem kritisiert der Brauerbund die starke Marktmacht großer Handelsketten, die vor allem mittelständische Hersteller unter enormen Preisdruck setzen.
Trotz aller Schwierigkeiten will der Branchenverband nicht in Schwarzmalerei verfallen. Bayerisches Bier stehe weiterhin für Qualität, Handwerk und regionale Verantwortung. Es sei ein Produkt mit klarer Herkunft und hoher Wertschätzung, geschützt durch die EU als geografische Angabe. Für Schneider ist klar: Brauereien liefern mehr als ein Getränk. Sie schaffen Arbeitsplätze, stiften Gemeinschaft und erzählen Geschichten.
Für die Zukunft setzt der Brauerbund auf Zusammenarbeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Von der Brauwissenschaft über Rohstofflieferanten bis hin zum Handel sollen gemeinsam Lösungen entwickelt werden. Themen wie energieeffiziente Produktion, Klimaanpassung und neue Produktideen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Neben einem weiter wachsenden Angebot alkoholfreier Getränke sieht der Verband auch Chancen in neuen Bereichen wie sogenannten Liquid-Food-Produkten. Hier stehe die Branche noch am Anfang, sehe aber großes Potenzial. Schneider formuliert es kämpferisch: Aufgabe sei es, das bayerische Brauhandwerk in eine neue Zeit zu führen – mit Augenmaß, Mut und dem Vertrauen darauf, dass die Menschen auch künftig wissen, was ein gutes Bier wert ist.
Im Bürgerlichen Brauhaus Wiesen im idyllischen Hochspessart – dort wo grüne Wälder und sanfte Hügel den Horizont prägen – wird seit 1888 Bier gebraut: regional und handwerklich. Die Brauerei nutzt das weiche Wasser des Aubachs und Malz & Hopfen aus dem fränkischen Umland, um eine ganze Palette klassischer und saisonaler Biere zu brauen.
Einer der Stars im Portfolio ist der Wiesener Frühlingsbock – ein saisonaler Bock, der nach rund 12 Wochen Reifung im kühlen Lagerkeller zur Fastenzeit und im Frühling bereit ist, die Biervielfalt des Jahres zu eröffnen und der jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.
Orangefarben und kristallklar fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine vergleichsweise kleine weiße Schaumkrone, die aber sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier also eine richtig gute Figur.
Düfte nach Karamell, Honig und Trockenpflaumen steigen mir in die Nase, abgerundet durch einige würzige Noten.
Der Antrunk ist stiltypisch süß und spritzig. Die Süße bleibt auch am Gaumen erhalten, dazu kommen die fruchtigen Noten und auch eine deutliche Bittere, die aber noch Platz für die anderen Aromen lässt. Das Mundgefühl ist weich und voll, auch wenn der Alkohol leicht durchschmeckt. Alles in Allem ist der Frühlingsbock aus dem Brauhaus Wiesen ein süffiges Bier. In der Kehle dominiert eine freundliche und nicht zu kräftige Bittere, die sehr lange nachklingt.
Zu diesem Bier kann ich mir einen alten Hartkäse vorstellen, der kräftig genug ist, um neben dem Bier zu bestehen und der gleichzeitig einen charmanten Gegensatz zur Süße dieses Frühlingsbocks bildet.