Archiv der Kategorie: Craft Beer

Störtebeker – Wild Coast-Ale alkoholfrei

Alkoholfreie Biere haben längst ihren festen Platz gefunden – doch wirklich charakterstarke Vertreter sind noch immer eine angenehme Überraschung. Ich hoffe, dass das Störtebeker Wild Coast-Ale alkoholfrei in diese Kategorie gehört. Schließlich habe mich die Stralsunder bislang selten enttäuscht.

Im Glas zeigt sich das Bier hell und kräftig hefetrüb, mit einer stabilen, schneeweißen Schaumkrone, die bemerkenswert lange stehen bleibt. Optisch wirkt es damit bereits deutlich lebendiger als viele klassische alkoholfreie Vertreter.

In der Nase geht es dann direkt in die Vollen: intensive Fruchtaromen dominieren das Bild. Zitrusnoten treffen auf Ananas und erinnern insgesamt an einen gut gefüllten Obstkorb. Ein Aromaprofil, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist angenehm weich, mit einer feinen Malzsüße und einer gut abgestimmten, feinperligen Kohlensäure. Beides sorgt für einen lebendigen, aber nicht überdrehten Einstieg. Im Körper zeigt das Wild Coast-Ale, was alkoholfreies Bier heute leisten kann. Die Süße bleibt präsent, wird aber von einer intensiven Fruchtigkeit und einer durchaus spürbaren Bittere begleitet. Das Mundgefühl bleibt dabei schlank und erfrischend – eine Kombination, die besonders an warmen Tagen überzeugt. Der Abgang wird etwas trockener, die Bittere zieht kurz an, bevor sie wieder zurücktritt. Die Aromen klingen dabei angenehm lange nach und hinterlassen einen frischen Gesamteindruck.

Unterm Strich ist dieses alkoholfreie Ale ein gelungener Vertreter seiner Art: aromatisch, ausgewogen und erstaunlich vielschichtig. Besonders als Begleiter zu leichten sommerlichen Gerichten spielt es seine Stärken voll aus. Oder anders gesagt: Ein alkoholfreies Bier, das nicht verzichtet – sondern überzeugt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Haferflocken, Weizenflocken, Roggenmalz, Hopfen (Citra, Krush, Simcoe, Idaho 7), Hefe, Hopfenauszüge

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

8°C

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stoertebeker.com

Debuisson – Bush Blonde Triple

Mit dem Bush Blonde Triple bringt die Brasserie Dubuisson ein Bier ins Glas, das kaum Zweifel daran lässt, wo es herkommt: Belgien, und zwar mit allem, was dazugehört. Kraft, Komplexität und eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit Alkoholstärke.

Seit 2008 ergänzt diese Variante die Bush-Familie und setzt auf Flaschengärung, um dem ohnehin schon intensiven Grundbier noch mehr Tiefe zu verleihen. Das Ergebnis zeigt sich bereits beim Einschenken: bernsteinfarben, leicht hefetrüb und mit einem feinporigen, stabilen weißen Schaum, der lange stehen bleibt.

In der Nase wird schnell klar, dass hier kein Leichtgewicht im Glas steht. Aromen von Keksteig, hellem Malz und Karamell treffen auf die typische belgische Hefenote. Dazu gesellen sich florale Anklänge, die dem Ganzen eine überraschende Frische verleihen.

Der Antrunk beginnt vergleichsweise zurückhaltend, mit einer feinen, gut eingebundenen Süße und einer sehr feinperligen Kohlensäure. Doch dieser ruhige Einstieg täuscht: Im weiteren Verlauf entfaltet das Bier seine ganze Bandbreite. Hefige Noten, florale Nuancen und eine ausgewogene, freundliche Bittere greifen ineinander und sorgen für ein rundes, harmonisches Mundgefühl. Besonders bemerkenswert ist, wie gut der Alkohol integriert ist. Mit seiner Stärke bringt er Wärme ins Spiel, ohne jemals störend zu wirken. Stattdessen unterstützt er die Struktur und verleiht dem Bier zusätzliche Tiefe. In der Kehle zeigt sich das Bush Blonde Triple trockener und überraschend mild. Die Bittere bleibt angenehm im Hintergrund, während die alkoholische Wärme langsam nachklingt und das Geschmackserlebnis abrundet.

Unterm Strich ist dieses Bier ein Paradebeispiel für ein belgisches Tripel. Kraftvoll, komplex und dennoch zugänglich. Oder anders gesagt: Ein Bier, an dem sich viele andere messen lassen müssen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Bittereinheiten:

21 IBU

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brasserie Dubuisson
Chaussée de Mons 28
7904 Leuze-en-Hainaut
Belgien
www.dubuisson.com

Brasserie du Dauphine –

Die Brasserie du Dauphiné ist ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn Leidenschaft auf Heimatverbundenheit trifft. Gegründet im Jahr 2002, entstand die Brauerei aus dem Wunsch heraus, die Brautradition der Region Dauphiné nicht nur zu bewahren, sondern neu zu beleben.

Ihr Standort könnte passender kaum sein: In Seyssins, am Rand des Vercors-Naturparks und nur wenige Minuten von Grenoble entfernt, entstanden die ersten Rezepte. Eine Umgebung, die nicht nur landschaftlich beeindruckt, sondern auch die Grundlage für das liefert, was in den Sudkesseln landet – allen voran klares Alpenwasser.

Der Anspruch der Brauerei ist dabei bewusst klassisch formuliert: hochwertige Biere mit Charakter, gebraut nach traditionellen Methoden und mit sorgfältig ausgewählten Rohstoffen. Ein besonderer Fokus liegt auf regionalen Zutaten aus dem Dauphiné, die den Bieren eine eigene Identität verleihen.

Bekannt ist die Brasserie du Dauphiné vor allem für ihre Marken Mandrin und Face Nord. Beide stehen für unterschiedliche Interpretationen handwerklicher Braukunst, haben aber eines gemeinsam: Sie setzen auf Geschmack statt Effekthascherei. Dabei geht es der Brauerei nicht nur um Technik oder Tradition, sondern vor allem um Genuss. Die Biere sollen nicht nur gut sein, sondern Freude bereiten – ein Anspruch, der sich durch das gesamte Sortiment zieht. Auf diese Weise verbindet die Brasserie du Dauphiné regionale Wurzeln mit handwerklichem Anspruch und zeigt, dass große Biermomente nicht immer aus großen Brauereien kommen müssen.

Manche Biere wollen hoch hinaus. Das Face Nord le Sommet de l’IPA von der Brasserie du Dauphiné, das ich von meinem letzten Aufenthalt in Lyon mitgebracht habe, macht daraus gleich ein Konzept. Gebraut in Saint-Martin-d’Hères in der französischen Region Isère, verspricht dieses Bier alpinen Charakter.

Optisch zeigt sich das Bier kristallklar in einem klaren, goldblonden Farbton mit einer ausgeprägten, stabilen weißen Schaumkrone. Ein klassischer Auftritt, der wenig Experimente vermuten lässt – aber genau das macht neugierig auf den ersten Eindruck.

In der Nase dominieren fruchtige und florale Aromen. Zitrusnoten stehen im Vordergrund, begleitet von einer leichten Süße, die an Müsli erinnert, an Ananas und Honig. Das wirkt einladend und unkompliziert, ohne dabei banal zu sein.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus, die allerdings etwas knapp dosiert ist. Am Gaumen bestätigt sich der positive und elegante Eindruck. Das Bier präsentiert sich weich und seidig – ein Mundgefühl, das durch den Einsatz von Hafer zusätzlich unterstützt wird. Fruchtige Noten von Orange, Zitrone und einem Hauch Pfirsich verbinden sich mit floralen Akzenten zu einem harmonischen Gesamtbild. Obwohl das Bier mit nur 32 IBU daherkommt, ist die Bittere sehr präsent. Sie setzt im richtigen Moment ein, begleitet den Geschmack und führt in einen überraschend langen, trockenen und dabei sanften Abgang. Hier zeigt sich die Stärke des Bieres: Es will nicht beeindrucken, sondern überzeugen.

Trotz der Bezeichnung als IPA bleibt das „Le Sommet de l’IPA“ erstaunlich zugänglich. Kein Hopfenhammer, sondern ein ausgewogenes, erfrischendes Bier, das sowohl Einsteiger als auch erfahrene Genießer abholt. Mit 5,8 Prozent Alkohol bewegt es sich zudem in einem Bereich, der Genuss ohne große Hürden erlaubt. Unterm Strich ist dieses Bier weniger Gipfelsturm als Panoramawanderung. Kein extremes Erlebnis, aber eines, das man gerne wiederholt – entspannt, aromatisch und mit einer klaren Handschrift.

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Bittereinheiten:

32 IBU

Farbe:

8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 8° Celsius

Brauerei:

Brasserie Artisanale du Dauphiné
33, rue Champ Roman
38400 St Martin d’Hères
Frankreich
www.brasseriedudauphine.fr

Das schwarze Huhn

Manchmal beginnt ein Bier nicht im Sudkessel, sondern in der Landschaft. Im Fall der Braumanufaktur Grasdorf, einige Kilometer südlich von Hildesheim gelegen, ist es das Innerstetal, das den Ton angibt. Das Dorf Grasdorf ist seit jeher eng mit dem Fluss Innerste verbunden – einem Gewässer, das nicht nur die Mühle antreibt, sondern auch das Leben der Menschen geprägt hat. Zwischen Oheberg und Barenberg angesiedelt, eingebettet in Wälder und durchzogen von Geschichten, ist Grasdorf ein Ort, an dem Gemeinschaft nicht nur ein Wort, sondern gelebte Realität ist.

Diese Gemeinschaft war es auch, die 2007 den Anstoß gab, die Zukunft des Dorfes aktiv zu gestalten. Aus Ideen wurde ein Plan, aus einem Plan ein Fest – und aus einem Fest schließlich ein Bier. Was zunächst mit 20 Litern unter Anleitung eines Braumeisters begann, entwickelte sich schnell zu einem ernstzunehmenden Projekt. Bereits zum Dorffest floss eine selbst gebraute Menge von 300 Litern aus einer größtenteils eigenhändig konstruierten Anlage. Der Erfolg war so überzeugend, dass aus einer spontanen Idee eine dauerhafte Leidenschaft wurde.

Der Name des Bieres ist dabei alles andere als zufällig gewählt. Inspiriert von Wilhelm Raabes Novelle Die Innerste trägt es die Legende vom „schwarzen Huhn“ in sich – eine düstere, fast mystische Geschichte über den Fluss, der fordert, was ihm zusteht. Ein Name, der nicht nur Aufmerksamkeit erzeugt, sondern auch perfekt zur Herkunft passt: rau, eigenwillig und tief verwurzelt in der Region.

Und damit zum eigentlichen Protagonisten: dem Bier selbst. Das „Das schwarze Huhn“ präsentiert sich bernsteinfarben und hefetrüb im Glas. Der Schaum hält sich eher zurück – ein stiller Auftritt, der den Fokus schnell auf das Wesentliche lenkt. In der Nase zeigt sich sofort eine angenehme Karamellnote, begleitet von einer feinen, leicht säuerlichen Fruchtigkeit, die an Apfel erinnert.

Der Antrunk bestätigt diesen ersten Eindruck. Karamellige Süße trifft auf eine angenehm feinperlige Kohlensäure, die das Bier lebendig, aber nicht aufdringlich wirken lässt. Im Körper zeigt sich das „schwarze Huhn“ ausgewogen: Die Süße bleibt dezent, die fruchtige Säure tritt etwas deutlicher hervor und verleiht dem Bier eine interessante Tiefe. Die Bittere hält sich dabei bewusst im Hintergrund und überlässt den anderen Aromen die Bühne. Im Abgang verändert sich das Bild. Das Bier wird trockener, die Bittere gewinnt an Präsenz und verbindet sich mit der fruchtigen Komponente zu einem harmonischen Finale. Der Nachklang ist lang und bleibt im Gedächtnis – genau so, wie man es sich von einem charakterstarken Bier wünscht.

Zu dieser Rezension möchte ich noch einige Worte verlieren. Die Gruppe besteht im Prinzip aus Hobbybrauern, die ihr Bier größtenteils auf Straßenfesten verkaufen. So habe ich auch das hier besprochene Bier auf dem Schmeckfest in Hildesheim gekauft. Dabei wurde mir erzählt, dass die Gruppe gerade eine neue Anlage gekauft haben und sich beim Brauen des Bieres noch in der Einarbeitung befanden. Deshalb sei bei diesem Sud auch die geschmackliche Tiefe nicht wie gewohnt. Der Unterschied fiel mir auch bereits beim Einschenken auf -normalerweise ist das Schwarze Huhn dunkler, erinnert farblich eher an ein hefetrübes Altbier. Und das schlägt sich selbstverständlich auch im Geschmack nieder. Normalerweise sind die Röstaromen präsenter, hier habe sie aber Karamelltönen Platz gemacht. Ich vermute daher, dass das hier von mir beschriebene Bier nicht so ist, wie es die Grasdorfer brauen wollten. Aber auch wenn hier durchaus Luft nach oben ist, hat mir das Bier gefallen. Ich hätte mir lediglich einen kräftigeren roten Malzkörper gewünscht, der die Karamellnoten mehr in den Vordergrund holt. Wenn dieses Bier regelmäßig gebraut würde, hätte das Schwarze Huhn auch einen roten Hahn als Gesellschaft und müsste nicht so einsam sein.

Insgesamt gilt: „Das schwarze Huhn“ ist kein lauter Vertreter seiner Zunft, sondern ein Bier mit leiser, aber nachhaltiger Wirkung. Eines, das nicht sofort alles preisgibt, sondern sich Schluck für Schluck erschließt. Oder anders gesagt: Ein Bier, das seine Geschichte nicht erzählt – sondern trinken lässt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Schwarzes Huhn GbR
Am Thieberg 11
31188 Holle
www.schwarzeshuhn.de

Br. de la Senne – Bruxellensis

Mit dem Bruxellensis hat die Brasserie de la Senne ein Bier geschaffen, das sich bewusst außerhalb gängiger Geschmacksprofile bewegt. Dieses Brett-IPA vereint Säure, Frucht, Holz und eine markante Bittere zu einem komplexen Gesamtbild – und richtet sich damit klar an erfahrene Craft-Beer-Fans.

Gegründet wurde die Brasserie de la Senne 2003 von Yvan De Baets und Bernard Leboucq. Seit dem Umzug nach Brüssel im Jahr 2010 gehört sie zu den prägenden Kräften der belgischen Craft-Beer-Szene. Die Brauerei steht für kompromisslose Qualität, sorgfältig ausgewählte Rohstoffe und eine klare Handschrift: hopfenbetonte Biere, gemischte Gärungen und Experimente mit wilden Hefen.

Das Bruxellensis beginnt als obergäriges Pale Ale, entwickelt seinen eigentlichen Charakter jedoch erst durch die lange Reifung. Über mehrere Monate arbeitet die wilde Hefe Brettanomyces weiter am Bier, bevor es zusätzlich in Weinfässern aus Nuits-Saint-Georges lagert und schließlich in der Flasche nachgärt. Diese Kombination soll nicht nur für eine außergewöhnliche Aromatik sorgen, sondern auch dafür, dass sich das Bier über die Zeit weiterentwickelt. Jede Flasche kann sich geschmacklich leicht anders präsentieren – ein spannender Aspekt für Liebhaber komplexer Biere.

Im Glas zeigt sich das Bruxellensis golden und hefetrüb. Der feine, leicht getönte Schaum bleibt lange erhalten rundet den rustikalen Eindruck ab.

Das süße und intensive Bouquet ist vielschichtig und fordert Aufmerksamkeit: Milchsäure und joghurtartige Frische treffen auf grasige Hopfennoten. Dazu gesellen sich fruchtige Eindrücke von Apfel, Zitrus und tropischen Früchten, begleitet von einer feinen, pfeffrigen Würze.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß und spritzig. Am Gaumen entfaltet sich ein intensives Spiel aus Säure, Frucht und Holz. Noten von Grapefruit und Cider treffen auf eine zunehmend kräftige Bittere, die an Wermut erinnert. Dazu kommen typische Brett-Aromen wie Leder, die dem Bier seinen „wilden“ Charakter verleihen. Das Mundgefühl ist weich. In der Kehle wird das Bier trocken, die Bittere wird kräftiger und klingt lange nach.

Das Bruxellensis ist kein Bier für nebenbei. Es fordert, überrascht und polarisiert – und genau darin liegt seine Stärke. Wer sich auf die wilde Aromatik einlässt, wird mit einem einzigartigen Geschmackserlebnis belohnt, das weit über klassische Bierstile hinausgeht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten:

40 IBU

Farbe:

9 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 8° Celsius

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be

Kraftpaule – Weizen

Manche Biere betreten die Bühne leise – andere stürmen sie wie ein artistisches Spektakel. Das kaltgehopfte Weizenbier „Zirkuspferd“ der Brauerei Kraftpaule gehört definitiv zur zweiten Kategorie. Hier trifft klassische Weizenbierbasis auf moderne Hopfenaromatik – und das Ergebnis ist alles andere als gewöhnlich. Schon der Name ist Programm: Wie ein kunstvoll dressiertes Zirkuspferd präsentiert sich dieses Bier verspielt, kraftvoll und überraschend. Statt klassischer Zurückhaltung liefert es ein Aromenspektakel, das besonders Fans hopfenbetonter Biere begeistern dürfte.

Im Glas zeigt sich das Bier in einem satten Goldton mit kräftiger Hefetrübung. Der gemischtporige, weiße Schaum baut sich stabil auf und bleibt angenehm lange erhalten – ein typischer, aber dennoch sehr ansprechender Eindruck für ein modernes Weizen.

In der Nase entfaltet sich ein intensives, fast schon opulentes Fruchtaroma. Banane trifft auf Zitrusfrüchte, Zitronenschale, Ananas und Mango, begleitet von einer feinen Vanillenote. Die klassische Weizenhefe bildet dabei das Fundament, während die Kalthopfung zusätzliche Frische und Komplexität einbringt.

Der Antrunk ist fruchtig-süß, dabei jedoch angenehm frisch und lebendig. Die feinperlige Kohlensäure unterstützt den leichten, spritzigen Eindruck. Am Gaumen spiegeln sich die Aromen konsequent wider: Tropische Früchte dominieren, ergänzt durch eine dezente, fruchtige Säure. Das Mundgefühl ist weich, fast samtig, und bleibt trotz der intensiven Aromatik erstaunlich zugänglich. Die Bittere ist – stiltypisch für ein Weizen – eher zurückhaltend. In der Kehle legt die Bittere leicht zu und verbindet sich mit den fruchtigen Noten zu einem langen, nachhaltigen Nachklang. Genau hier zeigt sich die Stärke der Kalthopfung: Sie bringt zusätzliche Tiefe, ohne den Weizencharakter zu überdecken.

Das „Zirkuspferd“ ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie sich traditionelle Bierstile neu interpretieren lassen. Klassische Weizenaromen treffen auf moderne Hopfenpower – verspielt, intensiv und dennoch ausgewogen. Ein Bier für alle, die bekannte Wege gerne verlassen und sich auf ein aromatisches Spektakel einlassen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

für

Kraftpaule GmbH
Neckarstraße 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

De Dochter van de Korenaar – L’Esprit de Noël

Die Brauerei De Dochter van de Korenaar ist bekannt für kreative und charakterstarke Biere – und mit dem jährlichen Weihnachtsbier „L’Esprit de Noël“ liefert die Brauerei ein spannendes Beispiel für ein gewürztes Porter. Mit Zutaten wie Zimt, Ingwer, Süßholz und geräuchertem Chili verspricht das Bier bereits auf dem Etikett ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis.

Im Glas zeigt sich das Bier tiefschwarz und blickdicht. Die feinporige, haselnussbraune Schaumkrone ist stabil und unterstreicht den hochwertigen Eindruck.

In der Nase dominieren klassische Porter-Aromen: Schokolade und Lakritz stehen im Vordergrund, begleitet von holzigen Nuancen, Karamell und einem dezenten Hauch Zimt, der bereits auf die Gewürzkomponente hinweist.

Der Antrunk ist von einer zurückhaltenden Malzsüße geprägt. Die Kohlensäure ist eher fein und gering dosiert, dennoch wirkt das Bier überraschend frisch und zugänglich. Am Gaumen bleibt die Süße präsent und wird von Zimt begleitet, während sich die anderen Gewürze eher im Hintergrund halten. Eine minimale Säure sorgt für etwas Spannung, Bittere ist hingegen kaum wahrnehmbar. Das Mundgefühl ist weich und rund. In der Kehle zeigt sich das Bier mild, wobei der Zimt nun etwas deutlicher hervortritt. Die Bittere bleibt dezent, der Nachklang ist mittellang und angenehm würzig.

Insgesamt ist das L’Esprit de Noël ein harmonisch abgestimmtes, eher sanftes Weihnachtsbier, bei dem die Gewürze – allen voran der Zimt – die Hauptrolle spielen, ohne das Bier zu überladen. Ideal für alle, die es zur Winterzeit aromatisch, aber nicht zu schwer mögen.

Zutaten:

Wasser, Hopfen, Hefe, Weizenmalz, Gerstenmalz, Zimt, Ingwer, Süßholz, geräucherte Chilis

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

LLC B-U – Petrolette Blanche

Die Brauerei LLC B-U steht für handwerklich gebraute, biologische Biere aus Südfrankreich. Mit viel Liebe zum Detail und einem klaren Fokus auf Qualität entstehen hier charaktervolle Biere, die traditionelle Stile mit einer eigenen Handschrift interpretieren.

Die Blanche Bio der Marke Bière Pétrolette präsentiert sich im Glas orangefarben. naturtrüb und typisch für ein Weizenbier. Eine Ausnahme macht die weiße Schaumkrone, die recht klein ist und schnell in sich zusammenfällt.

In der Nase zeigt sich das Bier angenehm fruchtig: Reife Bananennoten und Vanille dominieren, begleitet von floralen Anklängen und dem Duft von Biskuitteig.

Der Antrunk ist weich und erfrischend zugleich. Eine ordentliche Malzsüße trifft auf eine kräftige Karbonisierung, die für eine angenehme Spritzigkeit sorgt. Am Gaumen wirkt das Bier rund und geschmeidig. Getreidige Noten von Weizen und Malz stehen im Vordergrund, ergänzt durch florale und leicht erdige Nuancen. Die Textur bleibt dabei leicht und fließend, was den süffigen Charakter zusätzlich unterstreicht. Die Bittere ist stiltypisch gering und das Mundgefühl ist für die 5 Volumenprozent Alkohol überraschend schwer. In der Kehle zeigt sich das Bier frisch und ausgewogen, mit einem sanften Ausklang von Frucht, einer leichten freundlichen Bitteren und floralen Noten.

Insgesamt ist die Blanche Bio ein unkompliziertes, sehr zugängliches Weißbier mit französischem Charme – leicht, frisch und ideal für warme Tage oder als vielseitiger Begleiter zu leichten Speisen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Farbe:

10 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° Celsius

Brauerei:

LLC B-U
Ada-Byron-Straße 9
64000 Pau
Frankreich
www.b-u.fr

Atrium – Trio

Die Atrium ist eine noch junge, aber bereits vielfach ausgezeichnete Mikrobrauerei aus dem Süden Belgiens. Gegründet wurde sie 2018 von Valéry, einem ausgebildeten Brauer mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund, und Paula, einer Biersommelière. Was beide verbindet, ist ihre gemeinsame Leidenschaft für Craftbier – und der Anspruch, klassische belgische Stile modern zu interpretieren. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Bereits 2019 wurde Atrium von RateBeer zur besten neuen Brauerei Belgiens gekürt und erhielt zudem internationale Auszeichnungen, unter anderem beim European Beer Star.

Mit dem „Trio“ widmet sich die Brauerei einem klassischen Stil: einem obergärigen Tripel, das mit drei verschiedenen Haferarten eingebraut wurde und dadurch eine besonders weiche, cremige Textur erhält.

Im Glas zeigt sich das Bier in einem satten Orange mit deutlicher Hefetrübung. Der feinporige Schaum baut sich stabil auf und überzeugt mit sehr guter Standzeit.

In der Nase treffen typische belgische Hefearomen auf Noten von Biskuitteig, begleitet von einer angenehm eingebundenen Alkoholnote.

Der Antrunk wirkt trotz einer spürbaren Süße überraschend spritzig und lebendig. Am Gaumen entfaltet sich ein volles, cremiges Mundgefühl, das durch die Verwendung von Hafer zusätzlich unterstrichen wird. Fruchtige Nuancen verbinden sich mit einer klassischen belgischen Bittere, die dem Bier Struktur verleiht, ohne es aus der Balance zu bringen. Im Abgang zeigt sich das Trio zunächst milder als erwartet, bevor der Alkohol deutlicher hervortritt. Die Bittere bleibt lange präsent und sorgt für einen nachhaltigen, leicht wärmenden Eindruck. Insgesamt ist das Trio ein gelungenes, charakterstarkes Tripel, das Tradition und moderne Brautechnik verbindet – cremig, komplex und dennoch zugänglich.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hafer, Weizen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,7 % Vol.

Bittereinheiten:

27 IBU

Farbe:

13 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 10° Celsius

Brauerei:

Brasserie Atrium
9 Rue des Brasseurs
6900 Marche-en-Famenne
Belgien

Maisel & Friends – Artbier #8

Nun ist es da – das inzwischen achte Artbier von Maisel & Friends. Für diese Serie von Sondersuden gestaltet immer ein anderer Street Art-Künstler das Etikett. Für dieses Bier stammt das Etikett vom belgischen Künstler Lobster Robin. Er verbindet in seiner Arbeit auf einzigartige Weise klassische Illustration mit der Dynamik von Streetart. Mit einem Hintergrund in Illustration und Animation verfügt er über ein ausgeprägtes Gespür für Licht, Farben und feine Details – Fähigkeiten, die seinen Werken eine besondere Tiefe verleihen.

Gleichzeitig fließt die rohe, ungezähmte Energie von Graffiti und urbaner Kunst in seine Arbeiten ein. So entstehen visuell intensive, oft psychedelisch anmutende Bildwelten, die gleichermaßen faszinieren und herausfordern. Lobster Robin schafft es, vertraute Motive aus ungewohnten Perspektiven zu zeigen und den Betrachter in eine farbenreiche, fast traumartige Realität zu ziehen, die lange nachwirkt.

Jetzt ist es aber an der Zeit, dass ich mit der Verkostung beginne die Flasche öffne und das Bier einschenke. Das Artbier #8 von Maisel & Friends präsentiert sich im Glas in einem hellen Goldton mit ausgeprägter Hefetrübung. Der feinporige, weiße Schaum baut sich stabil auf und bleibt erfreulich lange erhalten.

In der Nase zeigt sich ein wahres Fruchtfeuerwerk: Zitrus, Ananas, Maracuja und Pfirsich verbinden sich zu einem intensiven, einladenden Aromenspiel, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist spritzig und lebendig, begleitet von einer angenehm zurückhaltenden Süße. Am Gaumen steht die Frucht klar im Vordergrund, ohne dabei den Malzkörper zu überdecken. Dieser sorgt für die nötige Balance und verleiht dem Bier Struktur. Hinzu kommt eine deutliche, fruchtige Bittere, die präsent ist, aber nie dominierend wirkt. Das Mundgefühl bleibt dabei weich und frisch. In der Kehle zeigt sich das Bier trockener, während Frucht und Bittere noch einmal gemeinsam auftreten. Besonders die Bittere bleibt lange erhalten und sorgt für einen nachhaltigen Eindruck.

Insgesamt ist das Artbier #8 ein sehr zugängliches IPA auf hohem Niveau – aromatisch intensiv, ausgewogen und mit hohem Trinkfluss. Und wie bei allen Sondersuden gilt: schnell sein lohnt sich, denn weg ist weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Krush, Mosaic, Simcoe, Citra), Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

13,7° Plato

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com