Archiv der Kategorie: Craft Beer

Browar Stu Mostów – sour time

Die Browar Stu Mostów gehört zu den spannendsten Craft-Brauereien Polens und hat sich mit kreativen, stilübergreifenden Bieren einen festen Platz in der europäischen Szene erarbeitet. Besonders bekannt ist die Brauerei für ihre Experimentierfreude – von klassischen Interpretationen bis hin zu modernen Hybridstilen wie fruchtbetonten Sour IPAs. Mit dem „Sour Time“ liefert Browar Stu Mostów genau so einen Vertreter: ein Sour IPA, vergoren mit Philly Sour Hefe, die gleichzeitig für die Säurebildung sorgt, und verfeinert mit Mosaic Spectrum Hopfenextrakt.

Im Glas zeigt sich das Bier hell und stark hefetrüb. Der feinporige Schaum baut sich zunächst kräftig auf, fällt jedoch schnell zusammen, während ein stabiler Rest erhalten bleibt.

In der Nase ist sofort klar, wohin die Reise geht: ein intensives Fruchtfeuerwerk mit Mango, Zitrus, Ananas und sogar Sternfrucht. Eine leichte Biskuitnote sorgt für eine angenehme, fast dessertartige Süße im Hintergrund.

Bereits auf der Zungenspitze setzt sich diese Fruchtigkeit fort, begleitet von einer lebendigen, sehr fruchtigen Säure. Am Gaumen dominieren dann weiterhin tropische Fruchtaromen und eine spürbare Süße, während die Bittere kaum in Erscheinung tritt. Das Mundgefühl ist weich und fast samtig – mit etwas mehr Kohlensäure wäre das Bier noch prägnanter und frischer. Im Abgang bleibt die Fruchtigkeit klar im Vordergrund, die Bittere bleibt zurückhaltend. Der Nachklang ist lang, saftig und tropisch geprägt.

Insgesamt ein modernes, aromatisch intensives Sour IPA, das klar auf Frucht und Trinkfluss setzt und dabei die Balance zugunsten von Süße und Säure verschiebt.

Alkoholgehalt:

4,2 % Vol.

Farbe:

5 EBC

Brauerei:

Browar Stu Mostów
Jana Długosza 2
51-162 Wrocław
Polen
www.100mostow.pl

Brasserie de Blaugies – Saison d’Epeautre

Ganz im Westen Belgiens, nur wenige Schritte von der französischen Grenze entfernt, liegt die kleine, familiengeführte Brasserie de Blaugies. Seit ihrer Gründung im Jahr 1988 hat sie sich ganz einem Bierstil verschrieben, der lange Zeit fast in Vergessenheit geraten wäre: dem Saison. Diese traditionellen Farmhouse Ales wurden einst in den Wintermonaten gebraut, um Landarbeiter außerhalb der Erntesaison zu beschäftigen. Mit dem Siegeszug der Lagerbiere geriet der Stil zunehmend ins Abseits, erlebt jedoch seit einigen Jahren eine verdiente Renaissance.

Das Saison d’Epeautre zeigt sich im Glas in einem satten Goldton mit deutlicher Hefetrübung. Beim Öffnen noch sehr schaumfreudig, fällt die Schaumkrone im Glas allerdings rasch zusammen.

In der Nase entfalten sich Aromen von frischem Biskuitteig, begleitet von gelben Früchten und einer dezenten, leicht säuerlichen Note.

Der Antrunk ist spritzig und angenehm trocken, fast schon erfrischend wie eine fein perlende Fruchtbrause. Im weiteren Verlauf zeigt sich ein schlanker Körper mit einer leichten, gut eingebundenen Süße, die schnell von einer milden Säure abgelöst wird. Geschmacklich erinnert das Bier an nicht ganz reife gelbe Pflaumen, wobei eine klassische Hopfenbittere nahezu nicht wahrnehmbar ist. Der Alkohol bleibt dabei vollständig im Hintergrund.

Der Abgang präsentiert sich entsprechend trocken, fruchtig und sauber, mit einer erfrischenden Leichtigkeit, die zum nächsten Schluck einlädt. Trotz eines Jahres über dem Mindesthaltbarkeitsdatum wirkt das Bier erstaunlich lebendig und ausgewogen.

Das Saison d’Epeautre ist ein charakterstarkes Beispiel für diesen Bierstil: gebraut mit Dinkel und Gerste, angenehm trocken, leicht im Körper und mit einer feinen, leicht säuerlichen Note. Ein Bier, das nicht nur die Tradition des Saison-Stils lebendig hält, sondern auch zeigt, wie spannend und vielseitig diese wiederentdeckte Bierkategorie sein kann.

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Bittereinheiten:

19 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Brasserie de Blaugies
Rue de la Frontière 435
7370 Blaugies
Belgien
www.brasseriedeblaugies.com

BRAUW – Armout Macleod Bourbon oaked

Mitten im lebendigen Zentrum von Genk hat sich BRAUW als moderne Stadtbrauerei etabliert – bodenständig im Ansatz, kreativ im Ergebnis. Hier trifft handwerkliches Brauen auf eine klare lokale Identität, die sich bewusst an regionalen Traditionen und Limburger Besonderheiten orientiert.

Im Mittelpunkt steht bei BRAUW die Leidenschaft für ein ehrliches Produkt: Bier. Gebraut wird mit einfachen, bewusst gewählten Methoden, die den Charakter der Zutaten in den Vordergrund stellen. Trotz aller Experimentierfreude bleibt die Brauerei ihrem eigenen Stil treu – reduziert auf das Wesentliche, ohne dabei langweilig zu werden.

Der Name BRAUW ist dabei Programm. Er spielt nicht nur auf das Brauen selbst an, sondern trägt mehrere Ebenen in sich: „RAW“ steht für die ursprünglichen, unverfälschten Techniken, während der kreative Anspruch und die überraschenden Geschmackserlebnisse durchaus ein spontanes „WOW“ hervorrufen können. Gleichzeitig versteht sich BRAUW auch als Plattform für andere – insbesondere für Hobbybrauer, deren Handwerk hier wertgeschätzt und unterstützt wird.

Hinter all dem steht Gründer und Braumeister Joris Mentens, der mit BRAUW eine Brauerei geschaffen hat, die Handwerk und Innovation verbindet – und dabei immer auch Raum für persönliche Geschichten im Glas lässt.

Vor mir steht jetzt das Brauw Armout Macleod Bourbon Oaked, eine spezielle limitierte Winterbier-Edition von BRAUW. Dieses Bier basiert auf dem beliebten Armout Macleod Scotch Ale, einem vollmundigen und reichhaltigen Bierstil mit warmen Karamellnoten und einem sanften, malzigen Abgang, der typisch für starke schottische Ales ist. Brauw hat das klassische Rezept weiter verfeinert, indem das Bier mit Bourbon-getränkter Eiche gereift wurde.

Braun fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine haselnussbraune Schaumkrone, die leider recht flott in sich zusammenfällt.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel: Vanille, Karamell und ein Hauch von Bourbon steigen zuerst auf, dazu dunkle Schokolade, geröstetes Malz, dazu ein Hauch Lakritz und ein dezenter Anklang von Eiche. Dahinter schwingen Noten von getrockneten Früchten und ein leichter Hauch von Alkoholwärme mit.

Der Antrunk ist weich und vollmundig. Eine angenehme Malzsüße, kombiniert mit einer feinperligen und trotzdem kräftigen Kohlensäure trifft auf Noten von Karamell und Vanille, Kaffee und Kakao. Im Mittelteil sorgt die Fassreifung für zusätzliche Tiefe: Holzige Nuancen und eine feine Bourbon-Note geben dem Bier Struktur, ohne es zu dominieren. Die Bittere bleibt moderat und rundet das Gesamtbild harmonisch ab. Der Körper ist kräftig und die zehn Volumenprozent Alkohol sind sehr gut eingebunden. In der Kehle zeigt sich das Bier lang und wärmend, mit einer eleganten Kombination aus Röstaromen, Eiche und einem Hauch von Whisky-Charakter.

Das BRAUW Armout Macleod Bourbon Oaked ist ein komplexes, fassgereiftes Bier mit viel Tiefe und Balance. Kraftvoll, aber nicht überladen – und genau das Richtige für alle, die dunkle, aromatische Biere mit Holzfass-Charakter schätzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Haver, Roggen, Zucker, Bourbon, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

36 EBC

Brauerei:

Brauw City Brewery
Molenstraat 37/1
3600 Genk
Belgien
www.brauw.be

Kraftpaule – Dunkles

Kraftpaule steht für kreative Braukunst aus Stuttgart. Hier werden klassische Bierstile gern mit einem modernen Twist interpretiert. Dass die Schwaben auch die dunkle Seite des Bieres beherrschen, wollen sie mit dem Dunklen beweisen.

Im Glas präsentiert sich das Bier in einem tiefen Kastanienbraun, beinahe schwarz, mit rubinroten Reflexen. Darüber thront eine feinporige, cremige und hellbraune Schaumkrone, die im Glas sehr lange erhalten bleibt – ein erster Hinweis darauf, dass hier nicht gepfuscht wurde.

In der Nase dominieren malzige Aromen: frisch gebackenes Brot, Karamell und ein Hauch von Toffee steigen auf. Dahinter schwingt eine dezente Röstnote mit, die an Kakao oder leicht geröstete Nüsse erinnert, ohne jemals zu dominant zu werden. Abgerundet wird das Aroma durch den Duft nach Trockenfrüchten, ich meine, getrocknete Pflaumen zu erkennen.

Der Antrunk ist weich und rund. Eine angenehme Malzsüße breitet sich aus, begleitet von Noten von Karamell und dunklem Brot, gepaart mit einer angenehm dosierten sehr feinperligen Kohlensäure. Im weiteren Verlauf zeigen sich feine Röstaromen, die dem Bier Tiefe verleihen, ohne es schwer wirken zu lassen. Die Bittere bleibt zurückhaltend und sorgt lediglich für die nötige Balance. Der Körper ist mittelkräftig. In der Kehle bleibt das Dunkle angenehm mild mit einer leicht nussigen und dezent röstigen Note zurück – ein Bier, das zum Weitertrinken einlädt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner. Münchner, Cara, Carafa), Hopfen (Hallertau Tradition, Willamette), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

für

Kraftpaule GmbH
Neckarstraße 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de

De Halve Maan – Rosé de Bruges

Mitten im malerischen Brügge, wo Grachten, Kopfsteinpflaster und Touristen um die schönsten Fotospots konkurrieren, braut die Brauerei De Halve Maan seit Generationen ihre Biere. Als eine der letzten familiengeführten Stadtbrauereien Belgiens verbindet sie Tradition mit einer guten Portion Innovationsfreude – und scheut sich nicht, auch mal neue Wege zu gehen. Jetzt steht das Rosé de Bruges vor mir, ein Witbier, das mit Kirschen eingebraut wurde.

Schon optisch fällt das Bier aus dem Rahmen: Ein zarter Roséton schimmert im Glas, fast schon verspielt, begleitet von einer feinen, pinken Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Wer hier ein klassisches Bier erwartet hat, wird schnell merken – das hier ist eine andere Liga.

In der Nase zeigen sich sofort fruchtige Noten, dazu Mandeln und Kandis.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß, was aber zur kräftigen Kohlensäure passt. Der vorherrschende Geschmackseindruck ist selbstverständlich die Kirsche. Dazu kommt eine leichte florale Frische. Damit werde ich eher an einen sommerlichen Aperitif als an ein Bier erinnert. Am Gaumen setzt sich dieser Eindruck fort. Das Rosé de Bruges präsentiert sich angenehm leicht, mit einer lebendigen, aber nicht aufdringlichen Säure. Die Fruchtigkeit bleibt klar im Vordergrund, wirkt aber mit der Zeit etwas künstlich oder überladen. Das Mundgefühl ist leicht und schlank. In der Kehle kommt noch der Geschmack nach Marzipan zum Tragen, der aber leider nur kurz nachklingt.

Ich kann mir nicht helfen – von De halve Maan habe ich schon deutlich bessere Biere verkostet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Zucker, Holundersaftkonzentrat, Süßkirschsaftkonzentrat, Hefe, Zitronensäure, Maltodextrin, Aroma, Hopfen, Gewürze (Koriandersamen, bittere und süße Orangenschalen)

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Halve Maan
Walplein 26
8000 Brügge
Belgien
www.blanchedebruges.be

Orca Brau – Local IPA

Golden und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Die feste und feinporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Schon optisch wird klar, dass hier ein modernes, hopfenbetontes Bier wartet.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Zitrusnoten von Grapefruit und Limette treffen auf tropische Eindrücke wie Mango und Maracuja, abgerundet durch Düfte nach Ananas und Honig. Dazu gesellt sich ein dezenter Anklang von Steinfrucht, der dem Bouquet zusätzliche Tiefe verleiht.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus, die allerdings für meinen Geschmack etwas zu zurückhaltend dosiert wurde. Am Gaumen zeigt sich das IPA angenehm zugänglich und ausgewogen. Die Fruchtigkeit steht klar im Vordergrund, wird jedoch von einer schlanken Malzbasis getragen, die für Struktur sorgt, ohne sich aufzudrängen. Die freundliche Bittere ist moderat, sauber eingebunden und unterstützt die Fruchtaromen, anstatt sie zu überdecken. Im Abgang zeigt sich das Bier leicht trocken mit einer anhaltenden, feinherben Hopfennote, die lange nachklingt und Lust auf den nächsten Schluck macht.

Das Local IPA von Orca Bräu ist ein  modernes, fruchtbetontes IPA mit guter Balance und hohem Trinkfluss. Kein extremes Hopfenbrett, sondern ein durchdachtes, zugängliches Bier, das sowohl Einsteiger als auch erfahrene IPA-Trinker anspricht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,4 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
https://orcabrau.de/

De Meester – Winter Meesterke

Die Brauerei Brouwerij De Meester aus dem belgischen Lendelede gehört zu den spannenden Vertretern der modernen belgischen Bierszene. Gegründet von einer Braumeisterin mit internationaler Erfahrung, steht De Meester für handwerklich gebraute Biere, die traditionelle belgische Stile mit einer klaren, zeitgemäßen Handschrift verbinden. Hier wird nicht laut experimentiert, sondern gezielt verfeinert – mit viel Gespür für Balance und Charakter.

Die Brauerei verspricht, mit dem Winter Meesterke eine Interpretation des klassischen belgischen Winterbiers anzubieten, die genau weiß, was sie will: Wärme, Tiefe und ein gutes Maß an Eleganz.

Im Glas zeigt sich das Bier blickdicht schwarz. Die haselnussbraune Schaumkrone baut sich feinporig auf und bleibt stabil stehen – ein ruhiger, aber vielversprechender Auftakt.

In der Nase entfaltet sich sofort ein komplexes Aromenspiel. Karamell, dunkle Schokolade und eine angenehme Süße treffen auf würzige Noten von Nelke und einem Hauch Zimt. Dazu kommen getrocknete Früchte wie Rosinen und Pflaumen, die dem Bouquet eine angenehme Tiefe verleihen und an Weihnachten erinnern. Im Hintergrund schwingt eine dezente alkoholische Wärme mit, die neugierig auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist weich, rund und fast cremig. Eine sanfte Malzsüße eröffnet das Geschmackserlebnis, wird jedoch schnell von würzigen Hefenoten eingefangen. Die Kohlensäure ist etwas knapp dosiert, aber feinperlig und gut eingebunden. Sie unterstützt die Struktur und sorgt dafür, dass das Bier trotz seiner Tiefe angenehm trinkbar bleibt. Der Alkohol ist deutlich spürbar, aber hervorragend integriert – wärmend, ohne dominant zu sein. Jetzt zeigen sich Aromen von dunkler Schokolade, leicht gebranntem Zucker, erneut Trockenfrüchten und aus dem Hintergrund etwas Ingwer. Alles wirkt harmonisch, nichts drängt sich in den Vordergrund. In der Kehle wird das Winter Meesterke etwas trockener. Eine feine und leichte Bittere begleitet die ausklingenden malzigen und würzigen Noten und sorgt für einen langen, angenehmen Nachhall, der direkt Lust auf den nächsten Schluck macht.

Insgesamt ist das Winter Meesterke ein gelungenes Beispiel für ein belgisches Winterbier: komplex, ausgewogen und mit genau der richtigen Portion Wärme. Ein Bier für ruhige Abende, das sich Zeit nimmt – und diese auch von Ihnen einfordert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Spezialmalze, Spekulatiusgewürz, getrocknete Orangenschale, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Meester
Nelcastraat 1
8860 Lendelede
Belgien
https://www.brouwerij-demeester.be/

Maisel & Friends – Fusion IPA

Jetzt steht das Fusion IPA vor mir, ein Bier, das Maisel & Friends gemeinsam mit der norwegischen Brauerei Lervig entwickelt und gebraut hat. Über Maisel & Friends habe ich bereits an verschiedenen anderen Stellen geschrieben, aber Lervig wohl noch nicht. Hier also einige Anmerkungen zu den Norwegern, bevor ich das Bier beschreibe:

Die Lervig aus Stavanger zeigt eindrucksvoll, wie moderne Craft-Braukunst heute funktioniert: unabhängig, experimentierfreudig und mit einem klaren Anspruch an Qualität. Die norwegische Brauerei ist fest in Stavanger verwurzelt, denkt aber längst global. Lervig versteht sich als unabhängiger Betrieb, der bewusst seinen eigenen Weg geht. Statt sich an Trends anzupassen, braut man hier vor allem das, was man selbst gerne trinkt – und das mit einer beeindruckenden Bandbreite. Vom unkomplizierten Pils oder Pale Ale bis hin zu komplexen, fassgereiften Stouts, Barley Wines und wilden Sauerbieren ist alles dabei, was das Craft-Herz höherschlagen lässt.

Dabei gilt ein Grundsatz: Qualität steht immer über wirtschaftlichen Kompromissen. Lervig verlässt regelmäßig die eigene Komfortzone, probiert Neues aus und lässt sich weltweit inspirieren. Reisen, Verkostungen und Kollaborationen mit renommierten Brauern gehören fest zur Philosophie. So entstehen Biere, die sowohl zugänglich als auch anspruchsvoll sein können – je nachdem, worauf man gerade Lust hat.

Ein entscheidender Faktor hinter dem Erfolg ist das Team. Bei Lervig arbeitet eine internationale Mannschaft, die ihre unterschiedlichen Perspektiven und Erfahrungen in die Braukunst einbringt. Diese Mischung sorgt dafür, dass die Biere nicht nur technisch überzeugen, sondern auch kreativ und abwechslungsreich bleiben.

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt sich auch über die Grenzen Norwegens hinaus. Lervig exportiert seine Biere inzwischen in über 30 Länder und erreicht damit eine stetig wachsende Fangemeinde. Gleichzeitig sorgt man dafür, dass die Kernbiere jederzeit verfügbar bleiben – ein Balanceakt zwischen Innovation und Verlässlichkeit.

Lervig ist eine Brauerei, die sich nicht festlegen lässt. Mal unkompliziert, mal komplex – aber immer mit dem Anspruch, richtig gutes Bier zu brauen.

Wenn diese Brauerei mit Maisel & Friends gemeinsam ein Bier braut, kann ja eigentlich nur etwas Großes entstehen. Das Fusion IPA bringt zwei kreative Brauwelten zusammen – und genau das merkt man vom ersten Moment an.

Im Glas präsentiert sich das Fusion IPA in einem satten, leicht trüben hellen Goldton. Die schneeweiße Schaumkrone baut sich cremig auf, bleibt stabil stehen und hinterlässt beim Trinken feine Spitzen am Glasrand – ein optischer Auftakt, der Lust auf mehr macht.

In der Nase entfaltet sich ein vielschichtiges Aromenspiel. Zunächst steigen intensive tropische Noten auf: Mango, Maracuja und Ananas geben klar den Ton an. Dahinter folgen Zitrusanklänge von Grapefruit und Limette, begleitet von einer feinen harzigen Note, die dem Ganzen Tiefe verleiht. Ein Hauch von Steinfrucht und eine dezente florale Komponente runden das Bouquet ab, ohne es zu überladen. Kurz gesagt nimmt die Nase einen Obstsalat wahr.

Der Antrunk ist weich und saftig, fast schon samtig mit einer angenehmen Malzsüße. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, aber leider etwas knapp dosiert. Die Fruchtnoten setzen sich sofort durch und erinnern an einen frisch gepressten tropischen Saft. Doch bevor es zu verspielt wird, baut sich eine angenehm präzise Bittere auf. Diese ist deutlich präsent, aber genau wie die 7,9 Volumenprozent Alkohol, hervorragend eingebunden – sie geben dem Bier Struktur, ohne die Fruchtigkeit zu überdecken. In der Kehle ist das Bier trocken, leicht harzig und von einer anhaltenden, eleganten Bittere geprägt. Die tropischen Fruchtnoten klingen langsam aus und machen Platz für eine angenehme, leicht herbe Nachwirkung, die direkt zum nächsten Schluck einlädt.

Insgesamt ist das Fusion IPA ein Paradebeispiel für eine gelungene Zusammenarbeit. Es vereint Intensität und Trinkbarkeit, Komplexität und Klarheit – und zeigt, wie spannend Bier werden kann, wenn zwei kreative Köpfe gemeinsam am Sudkessel stehen. Ein IPA, das sowohl Kenner begeistert als auch Einsteiger problemlos abholt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Hopfen (Citra, Idaho 7, Galaxy, Mosaic), Hefe

Alkoholgehalt:

7,9 % Vol.

Farbe:

5 EBC

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

in Zusammenarbeit mit

Lervig Aktiebryggeri
Vierveien 1
Hillevåg
4016 Stavanger
Norwegen
www.lervig.no

Hedonis – Go with the Snow

Die Brouwerij Hedonis ist ein schönes Beispiel dafür, was passiert, wenn Leidenschaft auf Neugier trifft. Gegründet 2015 von zwei bierbegeisterten Tüftlern, entwickelte sich das Projekt schnell von ersten Experimenten zu einer ernstzunehmenden Craft-Brauerei. Seit 2022 wird im eigenen Sudhaus in den flämischen Ardennen gebraut – mit Respekt vor der Tradition, aber immer mit dem Blick nach vorne. Der Name ist hier Programm: Hedonis steht für Genuss, Freude und Biere mit Charakter.

Kommen wir zum Bier: „Go with the Snow“ – schon der Name klingt nach Winter, Kaminfeuer und der festen Absicht, heute nicht mehr vor die Tür zu gehen. Im Glas zeigt sich das Bier in einem warmen, leicht trüben Bernstein. Darüber liegt eine cremige, feinporige Schaumkrone, die stabil im Glas bleibt und Lust auf den ersten Schluck macht.

Das Aroma ist ein echter Winterspaziergang für die Nase: Karamell und Waldhonig, dazu eine dezente Hefenote, die dem Ganzen Tiefe verleiht. Abgerundet wird das Aroma durch würzige Noten, die an Pfeffer erinnern. Alles wirkt rund, einladend und wunderbar abgestimmt.

Der Antrunk ist weich und geschmeidig, fast schon wärmend. Eine feine Malzsüße, die an Karamell und Honig erinnert, eröffnet das Geschmacksspiel, begleitet von fruchtigen Noten, die sich auch am Gaumen fortsetzen. Die reichlich dosierte feinperlige Kohlensäure ist angenehm eingebunden und unterstützt die Trinkbarkeit. Die Süße bleibt auch am Gaumen erhalten, jetzt begleitet durch eine überraschend kräftige Bittere. Obwohl der Alkohol jetzt durchschmeckt und etwas auf der Zunge brennt, ist das Mundgefühl samtig und schwer. Die Aromen sind präsent, aber nicht aufdringlich. In der Kehle klingt die Bittere kurz nach, während im Mund der Geschmack nach Waldhonig präsent bleibt.

Das Go with the Snow ist ein stimmungsvolles Winterbier mit viel Charakter, das Wärme ins Glas bringt. Perfekt für kalte Abende – oder für alle, die sich einfach ein kleines bisschen Wintergefühl einschenken möchten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Honig, Kandiszucker

Alkoholgehalt:

10,1 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Brouwerij Hedonis
Lepelstraat 20
9660 Michelbeke
Belgien
www.hedonis.be

Kraftpaule – Neckator

Der Neckator ist ein dunkler Weizenbock von Kraftpaule in Stuttgart. Da Kraftpaule keine eigene Brauerei hat, wurde das Bier bei Camba in Seeon gebraut. Zwei wirklich gute Namen, die beide für hervorragende Qualität bürgen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Kupferfarben präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine elfenbeinfarbene feste Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Ein Bier wie gemalt.

Das Aroma geht gleich in die Vollen: Düfte nach dunkler Schokolade und Karamell, nach Banane und Rosinen steigen mir in die Nase. Dazu diese typische, leicht würzige Nelke, die man von einem guten dunklen Weizen erwartet. Alles wirkt rund und einladend, ohne dabei aufdringlich zu werden.

Der Antrunk ist weich und vollmundig, fast schon samtig, mit einer zurückhaltenden Malzsüße und einer sehr feinperligen Kohlensäure. Dabei wird die Süße durch leichte brotige und leicht röstige Aromen begleitet. Am Gaumen entwickeln sich die fruchtigen Noten weiter, aber auch die Röstaromen mit dem Schokoladengeschmack kommen deutlich zum Tragen.  Für einen dunklen Weizenbock wirkt das Bier überraschend frisch, denn der Alkohol, immerhin 8,1 Volumenprozent, ist sehr gut eingearbeitet. – Banane, ein wenig Dörrobst – während im Hintergrund eine angenehme Würze mitschwingt. Trotz seiner Kraft bleibt der Neckator erstaunlich ausgewogen. In der Kehle ist das Bier stiltypisch mild, aber die Röstaromen klingen trotzdem überraschend lange nach.

Fazit: Ein dunkler Weizenbock, wie er sein soll – kräftig, aromatisch und gleichzeitig sehr gut trinkbar. Perfekt für kühle Abende oder wenn Sie sich einfach mal ein bisschen flüssigen Komfort gönnen möchten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,1 % Vol.

Stammwürze:

18,1° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Farbe:

20 EBC

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

für

Kraftpaule GmbH
Neckarstraße 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de