Ich weiß nicht, woher die Tradition stammt, für den Mai ein Bockbier zu brauen. Vermutlich hat diese Gewohnheit die gleichen Wurzeln wie das Märzen: da die ersten Biere untergärig waren, war es nicht möglich, im Sommer zu brauen. Daher wurde im Frühjahr, halt im März, ein stärkeres Bier gebraut, das auch ohne Kühlung den Sommer überstand und trinkbar blieb. Aber wie gesagt – das ist eine reine Vermutung. Jedenfalls hat auch die Brauerei Zötler aus Rettenberg im Allgäu einen Maibock im Programm, der jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Erhältlich ist dieses Bier in jedem Jahr ab dem ersten April und wenn der Sud ausverkauft ist, muss die geneigte Kundschaft bis zum nächsten April warten.
Golden und kristallklar strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die feinporige und schneeweiße Schaumkrone ist zwar recht klein, bleibt aber sehr lange erhalten. Optisch gibt es an diesem Bier nichts auszusetzen.
Das Aroma wird durch den Duft nach frischer Brotkruste dominiert, abgerundet durch einige würzige Noten. Nicht spektakulär, aber stiltypisch und sehr angenehm. Schon vor dem ersten Schluck wird das Bier mir sympathisch.
Der Antrunk trumpft mit seiner stiltypischen Süße sowie einer feinperligen und trotzdem kräftigen Kohlensäure auf. Der intensive Geschmack des Malzes sorgt zusammen mit den würzigen Aromen für einen vollmundigen und kräftigen Körper. Langsam kommt auch eine angenehme Fruchtigkeit zum Vorschein, die an Äpfel erinnert. In der Kehle wird das Bier trockener, es bleibt mild und klingt nur kurz nach.
Der Maibock von Zötler gehört zu den besten Bieren dieses Stils und kann durchaus mit dem Original aus Einbeck mithalten.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen
Alkoholgehalt:
6,5 % Vol.
Stammwürze:
16,8° Plato
Bittereinheiten:
22 IBU
Empfohlene Genusstemperatur:
7° – 9° Celsius
Brauerei:
Privat-Brauerei Zötler GmbH
Grüntenstr. 2
87549 Rettenberg
www.zoetler.de







Ich bin im südlichen Niedersachsen aufgewachsen und wurde – was wenig überraschend ist – mit Bockbier aus Einbeck sozialisiert. Diese Biere sind für mich bis heute die Messlatte, an der sich jedes andere Bockbier messen muss. Außerdem mag ich Biere, die mit Weinhefe vergoren wurden, besonders mit Rieslinghefe. Als ich mir den Hellen Riesling Bock von Kraftpaule kaufte, dachte ich, dass ich ein Bier erwerbe, das zwei meiner Lieblingsbiersorten miteinander vereint. Etwas enttäuscht war ich dann, als ich die Zutatenliste auf dem Rückenetikett las und dabei feststellen musste, dass es sich nicht um ein mit Rieslinghefen vergorenes Bockbier handelt, sondern um ein Biermischgetränk, das aus 90 % Bockbier und 10 % Traubenmost besteht. Aber gut – jetzt habe ich das Bier gekauft und nun muss es auch verkostet werden. Kraftpaule beschreibt seinen Riesling Bock übrigens so: „Bodo, unser Heller RIesling Bock ist ein fabelhaftes Mischwesen, geboren aus der verbotenen Liebe zwischen Winzer und Brauer. Diese Zusammenkunft von Wein und Bier, die Kreuzung von Cannstadter Zuckerle Riesling und hellem Bock bringt uns ein samtig-fruchtiges Geschmackserlebnis nach Stuttgart!“ Na, dann will ich mal mit der Verkostung beginnen.
Die Brauerei Kundmüller GmbH ist eine Brauerei im oberfränkischen Weiher, in der Gemeinde Viereth-Trunstadt. Ihr Jahresausstoß beträgt mehr als 20.000 Hektoliter. Sie ist über die Grenzen Frankens hinaus bekannt für exzellentes Bier. Nicht umsonst wurde Kundmüller im Jahr 2020 von Meininger als Craft Brauer des Jahres ausgezeichnet.
Der Schnitzelbaumer Bernardus Bock ist ein dunkles Bockbier, das die Privatbrauerei Schnitzlbaumer GmbH einmal im Jahr braut. Eigentlich hätte ich jetzt erwartet, dass das Bier nach dem Heiligen Bernhard von Clairvaux, einem im elften Jahrhundert geborenen Kirchenlehrer benannt wurde. Aber nein, die Antwort ist viel profaner: von 1889 bis 1994 gab es drei Besitzer der Brauerei Schnitzlbaumer, die alle Bernhard hießen. Und an diese drei Besitzer wird beim Brauen und Trinken dieses Bockbiers gedacht.