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Wann verdirbt Bier?

Bei jedem Bier steht auf dem Etikett ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Nun ist ein Bier nach dem angegebenen Zeitpunkt nicht verdorben, sondern im Normalfall kann es auch später noch unbedenklich genossen werden. Ein Bekannter hat kürzlich in seinem Kühlschrank ein vergessenes Bier entdeckt, das bereits elf Jahre abgelaufen war. Das hielt ich dann doch für etwas lange, aber trotzdem haben wir den Versuch gemacht, das Bier geöffnet und verkostet. Das Ergebnis? So richtig lecker war das Bier nicht mehr, es schmeckte eher fade und langweilig. Aber immerhin – es war nicht verdorben und immer noch trinkbar. Ein wirklich verdorbenes Bier habe ich erst einmal erlebt.

Den ersten Schreck erlebte ich gleich beim Öffnen der Flasche. Das Bier schäumte sofort über. Das hätte eigentlich nicht passieren dürfen, denn die Flasche stand bereits mindestens eine halbe Stunde auf dem Tisch, war also nicht geschüttelt. Das fand ich schon etwas merkwürdig. Nach dem Einschenken wurde der Eindruck auch nicht besser. Das Bier war deutlich trüb, duftete aber nicht nach Hefe, sondern irgendwie sauer mit merkwürdigen Nebengerüchen.

Trotzdem habe ich vorsichtig einen Schluck probiert. Das Bier schmeckte sauer und sehr bitter. Es war offensichtlich verdorben. An diesem Punkt habe ich den Test abgebrochen und das Bier in den Ausguss gegossen.

Meine Vermutung ist, dass sich bereits während der Abfüllung irgendeine Verschmutzung in der Flasche befunden hat, die bei der Reinigung der Pfandflasche nicht entfernt wurde und die zum Verderben des Biers geführt hat. Das passiert extrem selten. Da in einem solchen Fall aber nicht die gesamte Charge verdorben ist, sondern nur eine einzelne Flasche, kann dies der Brauerei nicht auffallen und das verdorbene Bier gelangt zum Verbraucher.

Nun wollte ich selbstverständlich mal sehen, wie sich die Brauerei zu dem Problem stellt. Ich habe also die Homepage des Unternehmens aufgerufen und eine Mail an die dort angegebene Mailadresse geschickt. Einige Tage später hatte ich dann eine erste Antwort von der Muttergesellschaft der Brauerei. In der nächsten Zeit gingen etliche Mails hin und her, ich wurde nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum und der Chargennummer gefragt, nach Ort und Zeit des Kaufs… Da die Brauerei von jeder Charge eine Probe zurückbehält, konnte sie diese im Labor prüfen. Wie erwartet konnte in der Probe nichts festgestellt werden. Trotzdem schickte mir die Brauerei als Entschädigung einige frische Flaschen Bier.

Habe ich damit eine Methode beschrieben, kostenlos an Bier zu kommen? Sicher nicht, dafür war der Aufwand zu groß. Gehen Sie lieber Flaschen sammeln, da ist Ihre Ausbeute pro Stunde sicher höher. Ich möchte mit diesem Artikel lediglich an Sie appellieren, in die geleerten Flaschen nicht irgendwelchen Abfall zu stecken. Dadurch kann die nächste Füllung verdorben werden und glauben Sie mir – eine solche Flasche zu bekommen ist wirklich nicht angenehm. Das wollen Sie auch nicht.

Märzen

Märzen ist eine Biersorte, die hauptsächlich in Bayern und Österreich gebraut wird. Diese traditionelle Biersorte hat ihren Ursprung in der bayerischen Brauordnung von 1539. Dort war festgelegt, dass Bier nur in der Zeit zwischen dem 29. September und dem 23. April gebraut werden durfte. Für diese Regelung gab es verschiedene Gründe.

Zum einen war die Brandgefahr beim Biersieden in den Sommermonaten zu groß. Wichtiger dürfte aber gewesen sein, dass die in Bayern üblichen untergärigen Hefen für ihre Arbeit Temperaturen von unter zehn Grad erfordern. Da es in dieser Zeit noch keine modernen Methoden der Bierkühlung gab, konnte im Sommer kein Bier gebraut werden. Auf den ersten Blick sieht es also so aus, dass die Bayern in den Sommermonaten ohne Bier auskommen müssten. Aber können Sie sich einen Bayern ohne Bier vorstellen? Das fällt vermutlich schwer.

Aber die Bayern sind ja erfinderisch. Aus diesem Grund wurde im März ein spezielles Bier gebraut, das länger haltbar war – das Märzen. Damit ist auch die Herkunft des Namens geklärt. Für die längere Lagerzeit wurden einige Tricks angewandt. Zunächst einmal ist das Märzen stärker gehopft und enthält mehr Stammwürze und Alkohol. Aber das reichte noch nicht, um die fünf Sommermonate zu überbrücken. Um die Kühlung während des Sommers zu gewährleisten, wurde das Bier in Felsenkellern gelagert. Eine zusätzliche Kühlung wurde durch ebenfalls in den Felsenkellern eingelagerte Eisblöcke erreicht. Da auch dies in heißen Sommern nicht ausreichte, wurden über den Kellern Kastanien gepflanzt. Diese schützten den Boden oberhalb der Felsenkeller mit ihren großen Blättern und ausladenden Baumkronen vor zu starker Sonneneinstrahlung. Da Kastanien flache Wurzeln haben, wurde durch die Bäume auch die Stabilität der Keller nicht gefährdet.

Dann lag es selbstverständlich nahe, unter den Bäumen das gut gekühlte Bier auch gleich auszuschenken. So entstanden wohl die berühmten bayerischen Biergärten. Aus diesem Grund sind auch heute noch in den Biergärten traditionell Kastanien gepflanzt.

Stout

Stout ist heute vor Allem aus England bekannt, wird aber heute auch mehr und mehr in Deutschland und Belgien gebraut. Es handelt sich um ein zumeist tiefschwarzes, obergäriges Schankbier mit einem Alkoholgehalt von 3 % bis 4,5 % und einer ausgeprägten, cremefarbenen Schaumkrone. Es wird mit besonders stark gerösteter unvermälzter Gerste (10 %) und mit Gerstenmalz (90 %) gebraut. Als zusätzliches Malz wird häufig Karamelmalz verwendet.

Ursprünglich wurde Stout in England gebraut. Vor dort wurde Stout mit einem höheren Alkoholgehalt nach Skandinavien verschifft. Auch in Russland wird Stout unter dem Namen Imperial-Stout hergestellt. Dort wird das Stout stärker gebraut und hat einen Alkoholgehalt von 7 Vol.-% bis 10 Vol.-%. Teilweise werden dort auch Weinhefen und keine Bierhefen verwendet, da diese einen höheren Alkoholgehalt erzeugen können.

Bockbier

Bockbier wird zu den Starkbieren gezählt, deren Stammwürzegehalt über 16° und der Alkoholgehalt bei mindestens 6,5 % liegt. Wir unterscheiden zwischen hellem und dunklem Bockbier, wobei meist das dunkle Bockbier angeboten wird. Für das Brauen des Bockbiers werden meist Bitterhopfen verwendet, das den durch die in größerer Menge verwendeten Maische etwas süßlichen Geschmack elegant abrundet.

Bockbier wird auch häufig auch zu speziellen Gelegenheiten gebraut. Bekannt sind besonders der Maibock und der Winterbock.

Rotbier

Rotbier wird in Nürnberg bereits seit dem frühen Mittelalter gebraut. Lt. Wikipedia gab es im Jahr 1597 in Nürnberg 35 Rotbierbrauereien. Heute brauen in Nürnberg nur noch die Hausbrauerei Altstadthof sowie die Brauerei Schanzenbräu Rotbier.

Die charakteristische rote Farbe erhält das Bier durch das intensiver geröstete Gerstenmalz sowie durch die Reifung im Eichenfass. Meist hat es einen leicht süß-säuerlichen Geschmack und besticht durch seine Süffigkeit. Damit stellt es unter Beweis, dass deutsche Brauer trotz der Einschränkungen durch das Reinheitsgebot originelle Biere mit einem einzigartigen Charakter brauen können.

Weizenbier

Auch wenn Weizen im deutschen Reinheitsgebot nicht als erlaubte Zutat auftaucht, wurde bereits im Jahr 1548 dem Freiherren von Degenberg das Privileg verliehen, nördlich der Donau Weizenbier, auch Weißbier genannt, zu brauen. Im Rest von Bayern war die Herstellung dieser obergärigen Bierspezialität zu dieser Zeit verboten. Weizen wurde als Backgetreide gebraucht; außerdem lässt sich die im Reinheitsgebot genannte Gerste auch auf mageren Böden anbauen, auf denen die Brotgetreide nicht gedeihen.

Beim Weizenbier unterscheiden wir einerseits zwischen Kristallweizen und Hefeweizen und andererseits zwischen hellem und dunklem Weizen.

Das Kristallweizen wurde durch Filtration von der Hefe und den Schwebstoffen befreit. Früher wurde es auch als Champagnerweizen bezeichnet, was heute als Abgrenzung zum Champagner nicht mehr erlaubt ist.

Weiter verbreitet ist das Hefeweizen. Hier findet nach der normalen Gärung noch eine Flaschengärung statt. Auf diese Weise enthält das Bier Hefe und Schwebstoffe, die ihm den vollmundigen Geschmack verleihen.

Eine Besonderheit ist das Eisweizenbier. Eisbier hat eine lange Tradition. Es entsteht, indem das Bier auf unter 0° heruntergekühlt wird (früher in Eiskellern, heute elektrisch), wodurch das Wasser kristallisiert und nur der flüssige Teil des Bieres in die Flaschen abgefüllt wird. Auf diese Weise werden ein höherer Alkoholgehalt und auch ein intensiverer Geschmack erzielt.

Gelagert wird Weizenbier wie jedes andere Bier auch kühl. Besonders beim Hefeweizen ist es außerdem wichtig, dass die Flaschen stehend gelagert werden, damit sich die Hefe am Boden absetzen kann. Auf diese Weise kann das Weizenbier ohne Überschäumen eingeschenkt werden.

Vor den Erfolg haben die Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. In diesem Fall muss vor dem Genuss das Bier eingeschenkt werden. Viele Menschen tun sich aufgrund der starken Schaumentwicklung damit etwas schwer. Wenn Sie dabei einige einfache Regeln beachten, ist es aber gar nicht problematisch. Spülen Sie das Glas vor dem Befüllen kurz mit kaltem Wasser aus. Dadurch wird die starke Schaumentwicklung schon mal etwas im Zaum gehalten. Anschließend gießen Sie das Bier vorsichtig in das schräg gehaltene Glas ein. Viele Menschen verwenden eine andere Möglichkeit, indem sie die Flasche ins Glas stülpen. Diese Methode des Einschenkens ist aber nicht optimal, da der Flaschenhals verschmutzt sein kann und vollständig im Bier liegt. Ist nur noch wenig Bier in der Flasche wird das Einschenken unterbrochen und die Flasche wird geschwenkt, damit die Hefe vom Boden gelöst wird und ebenfalls ins Glas gelangt.

Den optimalen Biergenuss erzielen Sie, indem Sie das Weizenbier kühl, aber nicht zu kalt, genießen. Je kälter das Bier ist, desto weniger kommen die Aromastoffe und der Geschmack zur Geltung. Für mich ist Kellertemperatur optimal, aber das ist auch Geschmackssache.

Alkoholfreies Bier

Alkoholfreies Bier enthält meist eine geringe Menge Alkohol. Der Alkoholgehalt liegt je nach Herstellungsverfahren zwischen 0,02 % und 0,5 %. Die meisten Fruchtsäfte enthalten von Natur aus durch Gärprozesse vergleichbare Alkoholmengen, Sauerkraut durch die Vergärung des Kohls sogar noch etwas mehr. Lt. Wikipedia gibt es seit 2006 gibt es Biere mit 0,0 % Ethanol.

Es existieren zwei unterschiedliche Herstellungsverfahren: das Abbrechen des Gärprozesses bei einem Alkoholgehalt von 0,5 %, wie es auch beim Malzbier durchgeführt wird, oder das nachträgliche Entfernen von Ethanol bis zum gewünschten Alkoholgehalt. Bei der vorzeitigen Unterbrechung der Gärung wird eine extraktschwache Würze mit 7 – 8 % Gehalt an Stammwürze eingesetzt. Zur Entfernung von Alkohol aus einem normalen Bier wird entweder ein Verfahren genutzt, bei dem durch Umkehrosmose über eine Membran oder über einen Vakuum-Verdampfer der Alkoholgehalt reduziert wird. Teils wird auch eine Kombination von Umkehrosmose und Destillation verwendet. In Deutschland lag der Marktanteil alkoholfreier Biere 2009 bei 3,5 Prozent
und 2011 bei geschätzten 4,4 Prozent Anteil am gesamten Biermarkt.

Da Alkohol ein Geschmacksträger ist, wird häufig das Bier stärker gehopft, um den durch die Entziehung des Alkohols entstehenden Geschmacksmangel auszugleichen. Viele alkoholfreie Biere schmecken trotzdem wässeriger als ihre Pendants mit Alkohol.

Zu diesem Ergebnis ist auch die Stiftung Warentest gekommen, als sie im Mai 2010 alkoholfreie Weizenbiere getestet hat. Den vollständigen Test finden Sie hier.

Hefe

In der Brauerei wird grundlegend zwischen den zwei Hefearten unterschieden: zwischen obergärigen und untergärigen Hefen. Durch den Einsatz der unterschiedlichen Hefen werden unterschiedliche Zuckerarten vergoren, die zu unterschiedlichen Nebenprodukten wie Aromastoffen abgebaut werden.

Entsprechend der verwendeten Hefeart sprechen wir von obergärigem oder untergärigem Bier. Obergärige Hefe bildet so genannte Sprossverbände, die von der Kohlensäure nach oben getragen werden. Untergärige Hefe bildet keine Zellverbände und sinkt auf Boden.

Die beiden Hefearten entwickeln ihre optimale Gärleistung in unterschiedlichen Temperaturbereichen. Obergärige Hefe benötigt eine Temperatur zwischen 15 und 25° C, untergärige arbeitet hingegen bei Temperaturen zwischen 6 und 9° C am besten.

Ach ja, ehe ich es vergesse: Hefe ist zwar für das Bierbrauen unverzichtbar, aber trotzdem ist sie im deutschen Reinheitsgebot nicht erwähnt.

Wasser (Brauwasser)

In fast allen Fällen besteht Bier zu mehr als 90 % aus Wasser. Daher ist es einleuchtend, dass die Wasserqualität und -beschaffenheit für das Brauergebnis von entscheidender Bedeutung ist. Häufige Wasserquellen der Brauereien sind eigene Brunnen, Leitungs- und Mineralwasser. Dabei stellt jede Biersorte andere Anforderungen an das Wasser. Pils gelingt mit möglichst weichem Wasser besser, während Weizen eher hartes Wasser bevorzugt. In vielen Fällen ist es daher sinnvoll, das Wasser vor der Verwendung zu behandeln. Genauere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Was ist drin im Bier?

Eigentlich sollte es doch ganz einfach sein: das deutsche Reinheitsgebot legt fest, dass Bier ausschließlich aus Wasser, Malz und Hopfen bestehen darf. Für die Gärung wird noch Hefe zugesetzt. Heute werden beim Bierbrauen aber auch viele andere Getreidearten eingesetzt.

Nun gibt es nicht nur deutsches Bier; auch im Ausland wird viel Bier gebraut. Die ausländischen Brauer sind selbstverständlich nicht an das deutsche Reinheitsgebot gebunden und setzen daher auch viele andere Zutaten ein. Dadurch haben ausländische Biere viele weitere Geschmäcker, auch wenn nicht alle Geschmacksnuancen wirklich gut schmecken. Wenn ich bei meinen Verkostungen auf andere Zutaten stoße, werde ich auch diese hier erwähnen.

 Hopfen
Wasser (Brauwasser)
Malz
Hefe