Traditionsbrauerei Schussenrieder kämpft ums Überleben

Die Nachricht dürfte viele Bierfreunde in Oberschwaben aufhorchen lassen: Die Schussenrieder Brauerei Ott aus Bad Schussenried hat Insolvenz angemeldet. Trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten soll der Betrieb vorerst ohne Einschränkungen weiterlaufen. Ziel aller Beteiligten ist es, die traditionsreiche Familienbrauerei und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Das Amtsgericht Ravensburg bestellte den Ravensburger Rechtsanwalt Matthäus Rösch zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Nach seinen Angaben läuft die Produktion zunächst weiter. Konkrete Gründe für die finanzielle Schieflage wurden zwar nicht genannt, doch die Probleme dürften vielen Brauereien bekannt vorkommen: steigende Energie- und Rohstoffkosten, ein intensiver Wettbewerb sowie die allgemeine Konsumzurückhaltung vieler Verbraucher.

Besonders schwer wiegt für die Branche der rückläufige Bierkonsum. Die deutschen Brauereien verzeichneten im Jahr 2025 den stärksten Absatzrückgang seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1993. Erstmals sank der Bierabsatz in Deutschland unter die Marke von acht Milliarden Litern. Für viele mittelständische Brauereien bedeutet diese Entwicklung erheblichen wirtschaftlichen Druck.

Die Schussenrieder Brauerei produziert jährlich rund 60.000 Hektoliter Bier und beschäftigt etwa 40 Mitarbeiter. Nun wird nach Möglichkeiten gesucht, den Betrieb langfristig zu sichern. Dabei könnte auch ein Investor eine Rolle spielen.

Die Geschichte der Brauerei reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Heute wird das Unternehmen von Michael Ott in vierter Generation geführt. Damit gehört Schussenrieder zu den zahlreichen familiengeführten Brauereien, die über Jahrzehnte und teilweise Jahrhunderte hinweg die regionale Bierkultur geprägt haben.

Bekannt ist die Brauerei nicht nur für ihre Biere, sondern auch für ihr außergewöhnliches Bierkrugmuseum. Nach eigenen Angaben handelt es sich um das einzige Museum dieser Art weltweit. Zu den bemerkenswertesten Ausstellungsstücken zählt ein handgeschnitzter Holzbierkrug aus jahrhundertealten Eichenbalken mit einem Fassungsvermögen von 110 Litern.

Die Produkte der Brauerei werden vor allem in Oberschwaben, am Bodensee und im Großraum Stuttgart vertrieben. Viele Bierliebhaber verbinden mit dem Namen Schussenrieder regionale Identität und traditionelle Braukunst.

Ob die Brauerei ihre schwierige Lage überwinden kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Fest steht jedoch schon jetzt, dass die Insolvenz ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen ist, mit denen viele mittelständische Brauereien derzeit konfrontiert sind. Für die deutsche Bierlandschaft wäre der Verlust einer Brauerei mit einer so langen Geschichte ein schmerzlicher Einschnitt.

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