Alkoholkonsum im Wandel: Babyboomer trinken seltener als die Generation Z
Der rückläufige Alkoholkonsum entwickelt sich für Getränkehersteller zunehmend zu einer langfristigen Herausforderung. Dabei richtet sich der Blick nicht mehr ausschließlich auf junge Erwachsene. Neue Erhebungen zeigen, dass ausgerechnet ältere Verbraucher besonders häufig auf alkoholische Getränke verzichten oder ihren Konsum deutlich einschränken.
Über Jahre galt die Generation Z als treibende Kraft hinter dem Trend zu einem bewussteren Lebensstil. Fitness, ausgewogene Ernährung und mentale Gesundheit spielen bei vielen jungen Menschen eine wichtige Rolle. Daraus entstand die verbreitete Vorstellung, dass diese Altersgruppe Wein, Bier und Spirituosen grundsätzlich skeptischer gegenübersteht als frühere Generationen.
Eine internationale Untersuchung des Getränkemarktforschungsunternehmens IWSR stellt diese Annahme nun infrage. Für die Analyse wurden mehr als 32.000 Erwachsene befragt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der stärkste Konsumrückgang nicht bei den jüngsten Befragten, sondern bei den Babyboomern zu beobachten ist.
Babyboomer bilden die Gruppe mit der niedrigsten Konsumquote
Von den befragten Babyboomern gaben 71 Prozent an, innerhalb des zurückliegenden Halbjahres mindestens einmal Alkohol getrunken zu haben. Drei Jahre zuvor hatte der Anteil noch um zwei Prozentpunkte höher gelegen. Keine andere untersuchte Altersgruppe erreichte einen niedrigeren Wert.
Auch bei der Menge liegen die Babyboomer am unteren Ende der Statistik. Pro Gelegenheit konsumieren sie durchschnittlich 2,6 alkoholische Getränke. Für Hersteller und Handel ist diese Entwicklung besonders relevant, da ältere Kunden in vielen Ländern bislang als finanzstarke und zuverlässige Käufer galten.
IWSR-Präsident Marten Lodewijks weist darauf hin, dass ein geringerer Konsum im höheren Lebensalter grundsätzlich nicht ungewöhnlich sei. Das aktuelle Ausmaß der Veränderung falle jedoch deutlicher aus, als es aufgrund der demografischen Entwicklung zu erwarten gewesen wäre.
Generation Z nähert sich dem Durchschnitt an
Bei der Generation Z zeigt sich dagegen ein anderes Bild. Unter den Mitgliedern dieser Altersgruppe, die das jeweils geltende Mindestalter für den Alkoholkauf erreicht haben, lag die Konsumquote zuletzt bei 74 Prozent. Drei Jahre zuvor waren es lediglich 66 Prozent gewesen.
Damit nähert sich die jüngste erwachsene Generation dem Durchschnitt aller Befragten an, der bei 76 Prozent liegt. Die Vorstellung einer nahezu abstinenten Jugend lässt sich anhand dieser Zahlen somit nicht aufrechterhalten.
Am häufigsten greifen Millennials zu alkoholischen Getränken. In dieser Gruppe erreichte die Quote 81 Prozent. Dahinter folgt die Generation X mit 77 Prozent.
Weniger Getränke bei immer weniger Gelegenheiten
Trotz der Unterschiede zwischen den Altersgruppen bleibt der Anteil der Alkoholkonsumenten in den untersuchten Ländern insgesamt vergleichsweise konstant. Verändert hat sich vor allem die Art des Konsums.
Viele Menschen trinken seltener und bestellen bei einer Gelegenheit weniger Getränke. Der durchschnittliche Wert sank auf 3,9 Einheiten pro Anlass. In den Jahren 2024 und 2025 waren es noch 4,4 gewesen.
Nach Einschätzung der Marktforscher handelt es sich nicht lediglich um eine vorübergehende Reaktion auf Inflation, wirtschaftliche Unsicherheit oder höhere Preise. Vielmehr dürfte ein dauerhaft verändertes Gesundheits- und Ernährungsbewusstsein eine wesentliche Rolle spielen. Der Trend zum maßvolleren Umgang mit Alkohol könnte damit zu einem festen Bestandteil des Konsumverhaltens werden.
Deutscher Biermarkt besonders stark unter Druck
Wie deutlich die Auswirkungen bereits ausfallen, zeigt die Entwicklung der weltweiten Bierproduktion. Nach Angaben des aktuellen Barth-Haas-Berichts wurden 2025 rund 1,896 Milliarden Hektoliter Bier gebraut. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Minus von 0,7 Prozent.
Bei den größten internationalen Brauereikonzernen summierte sich der Rückgang auf etwa fünf Milliarden Liter. Noch stärker betroffen war der deutsche Markt. Die hiesige Produktionsmenge verringerte sich um 5,6 Prozent auf 79,24 Millionen Hektoliter. Erstmals blieb Deutschland damit unterhalb der Schwelle von 80 Millionen Hektolitern.
Heinrich Meier, Autor des Branchenberichts, bezeichnete das Ausmaß der Verluste als unerwartet hoch. Für viele Brauereien verschärft sich dadurch der wirtschaftliche Druck, zumal gestiegene Kosten für Energie, Rohstoffe, Personal und Logistik zusätzlich auf die Erträge drücken.
Alkoholfreies Bier gewinnt weiter an Bedeutung
Eine der wenigen wachsenden Kategorien ist alkoholfreies Bier. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 einschließlich alkoholfreier Biermischgetränke mehr als 6,16 Millionen Hektoliter hergestellt. Das entsprach einem Zuwachs von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Produktionswert näherte sich dabei der Marke von 700 Millionen Euro. Im Jahr 2024 hatte die Menge noch unter 5,8 Millionen Hektolitern gelegen.
Trotz des Wachstums bleibt alkoholfreies Bier bislang ein vergleichsweise kleines Segment. Sein Anteil am gesamten deutschen Biermarkt erreicht weiterhin keine zehn Prozent. Für Brauereien bietet die Kategorie dennoch eine wichtige Möglichkeit, auf die veränderten Erwartungen der Verbraucher zu reagieren.
Branche muss sich breiter aufstellen
Die aktuellen Daten zeigen, dass sich der Wandel nicht auf eine einzelne Generation beschränkt. Während die Generation Z häufiger Alkohol konsumiert als noch vor einigen Jahren, reduzieren viele Babyboomer ihre Trinkmenge. Gleichzeitig sinken generationenübergreifend sowohl die Zahl der Konsumanlässe als auch die Menge pro Gelegenheit.
Für die Getränkeindustrie bedeutet das, dass klassische Zielgruppen und bisherige Vermarktungsstrategien neu bewertet werden müssen. Alkoholfreie und alkoholreduzierte Produkte dürften weiter an Bedeutung gewinnen. Entscheidend wird sein, ob es den Herstellern gelingt, diese Angebote nicht nur als Ersatz, sondern als eigenständige Genussprodukte zu etablieren.
Dieser Artikel entstand unter Verwendung von Angaben der Wirtschaftswoche.