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Hopfen und Braugerste: Die Ernte 2026 fällt deutlich kleiner aus – Bierzirkus

Hopfen und Braugerste: Die Ernte 2026 fällt deutlich kleiner aus

Die Ernte 2026 setzt Hopfen und Braugerste unter Druck. Hitze und Trockenheit drücken Mengen und Flächen, während die Qualitäten differenziert ausfallen.

Für Deutschlands Brauereien ist 2026 ein schwieriges Erntejahr. Sowohl beim Hopfen als auch bei der Braugerste haben Hitze und langanhaltende Trockenheit ihre Spuren hinterlassen. Die verfügbaren Mengen fallen deutlich kleiner aus als im Vorjahr. Bei der Qualität zeigt sich allerdings ein differenzierteres Bild: Während bei der Sommerbraugerste mit unterdurchschnittlichen Qualitäten gerechnet wird, hat die trockene Witterung zugleich den Krankheitsdruck reduziert.

Hopfenernte 2026: Mehr als ein Fünftel weniger

Besonders deutlich fällt der Rückgang beim Hopfen aus. Nach der aktuellen Schätzung des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer werden in Deutschland 2026 insgesamt rund 33.779 Tonnen Hopfen erwartet. Im vergangenen Jahr waren es noch 43.141 Tonnen. Damit dürfte die Ernte um rund 21,7 Prozent kleiner ausfallen.

Die Zahlen hat das Bayerische Landesamt für Statistik am 18. September veröffentlicht. Grundlage sind die beim Hopfenrundfahrt-Pressegespräch des Verbands Deutscher Hopfenpflanzer am 26. August vorgestellten Schätzungen.

Der größte Teil des deutschen Hopfens kommt weiterhin aus Bayern. Dort wird für 2026 eine Ernte von 29.244 Tonnen erwartet. Das sind 22,8 Prozent weniger als die 37.865 Tonnen des Jahres 2025.

Gleichzeitig ist die Hopfenfläche in Bayern von 16.040 auf 15.115 Hektar zurückgegangen. Der durchschnittliche Ertrag soll bei 19,3 Dezitonnen je Hektar liegen. Im Vorjahr waren es noch 23,6 Dezitonnen.

Hallertau besonders stark betroffen

Noch deutlicher wird die Bedeutung der Hallertau. Das Anbaugebiet umfasst 14.765 Hektar und damit 97,7 Prozent der bayerischen Hopfenfläche. Für 2026 wird dort eine Ernte von rund 28.750 Tonnen erwartet. Damit stammen voraussichtlich rund 85 Prozent der gesamten deutschen Hopfenernte aus der Hallertau. Zum Vergleich: 2025 waren es dort noch 37.250 Tonnen.

Auch in Spalt wird weniger Hopfen erwartet. Die Schätzung des Bayerisches Landesamtes für Statistik liegt bei 494 Tonnen nach 615 Tonnen im vergangenen Jahr.

Das schlechte Ergebnis kommt nicht überraschend. Die Hopfenpflanzen hatten in diesem Jahr mit extremen Hitzephasen und langanhaltender Trockenheit zu kämpfen. Die Witterung hat vor allem die Erntemenge gedrückt.

Interessant ist allerdings, dass sich die Entwicklung bei der Qualität nicht einfach mit dem Mengenrückgang gleichsetzen lässt. Die Alphasäurewerte waren im Verlauf der Saison bei vielen Sorten vergleichsweise ordentlich. Weniger Hopfen bedeutet deshalb nicht automatisch schlechteren Hopfen.

Die Schätzung für 2026 gehört dennoch zu den niedrigeren Ernten der vergangenen Jahre. Zwischen 2016 und 2025 lag die deutsche Hopfenernte im Durchschnitt bei rund 38.000 Tonnen. 2026 werden nach der aktuellen Schätzung nur knapp 33.800 Tonnen erreicht.

Auch bei der Braugerste wird es enger

Auch die Braugerste hat unter den Wetterbedingungen gelitten. Dabei muss zwischen der gesamten Sommergerste und der tatsächlich als Qualitätsbraugerste verwendbaren Menge unterschieden werden.

Die aktuellen Zahlen von Destatis weisen für Deutschland 2026 eine Sommergerstenfläche von rund 73.300 Hektar und eine Erntemenge von etwa 387.000 Tonnen aus. Der durchschnittliche Ertrag liegt bei 52,8 Dezitonnen je Hektar.

Für die Brauwirtschaft ist jedoch entscheidend, welcher Teil dieser Ernte die Anforderungen an Braugerste erfüllt. Hier liefert die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) konkrete Zahlen. Nach ihrer ersten Bilanz stehen in Bayern rund 240.000 Tonnen Qualitätsbraugerste zur Verfügung. Damit kann die heimische Ernte nur knapp die Hälfte des Bedarfs der bayerischen Mälzereien decken.

Das ist keine völlig neue Situation – Bayern produziert traditionell nicht genügend Braugerste für den gesamten Bedarf seiner Mälzereien. Die diesjährige Ernte verschärft die Situation allerdings.

Sommerbraugerste besonders unter Druck

Besonders betroffen ist die klassische Sommerbraugerste, die im Frühjahr ausgesät wird. Nach Einschätzung der LfL liegen die Erträge unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre und deutlich unter dem sehr guten Vorjahresergebnis.

Hinzu kommt die kleinere Anbaufläche. In Bayern wurden 2026 rund 74.500 Hektar Sommergerste angebaut. Das entspricht nur noch etwa 88 Prozent der Vorjahresfläche. Auch bei der Qualität erwartet die LfL bei der Sommerbraugerste ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Gleichzeitig dürften die Eiweißgehalte etwas höher ausfallen.

Für die Mälzereien und Brauereien ist das eine ungünstige Kombination: Weniger Fläche, geringere Erträge und ein größerer Anteil der Ernte, der die Anforderungen an hochwertige Braugerste möglicherweise nicht erfüllt.

Trockenheit hat auch eine positive Seite

Ganz so einfach ist die Bilanz allerdings nicht. Die extreme Trockenheit hatte auch einen positiven Effekt auf die Pflanzengesundheit. Der Krankheitsdruck war nach Angaben der LfL gering. Außerdem zeigen die verschiedenen Anbausysteme, dass Gerste durchaus Möglichkeiten besitzt, mit trockeneren Bedingungen umzugehen.

Winterbraugerste und im Herbst ausgesäte Sommergerste konnten der stärksten Trockenheit weitgehend entgehen. Für diese Bestände erwartet die LfL derzeit durchschnittliche Erträge und eine durchschnittliche Kornqualität.

Damit deutet sich auch an, in welche Richtung sich der Anbau künftig entwickeln könnte. Die LfL beschäftigt sich bereits mit alternativen Anbauzeitpunkten und Sorten, die unter trockenen Bedingungen Vorteile bieten können.

Keine unmittelbare Bierknappheit

Für Biertrinker bedeutet die schwache Ernte 2026 zunächst nicht, dass deutsches Bier knapp werden wird. Deutschland verfügt über internationale Beschaffungsmöglichkeiten für beide Rohstoffe. Außerdem handelt es sich sowohl beim Hopfen als auch bei der Braugerste um Rohstoffe, die gelagert und über längere Zeiträume beschafft werden können.

Die aktuellen Zahlen sind deshalb eher ein Warnsignal als eine Ankündigung einer Versorgungskrise. Sie zeigen allerdings, wie stark sich die Bedingungen für die Rohstoffproduktion verändern. Beim Hopfen treffen eine rückläufige Anbaufläche und extreme Wetterbedingungen aufeinander. Bei der Braugerste kommt hinzu, dass die Anbaufläche der klassischen Sommergerste bereits seit Jahren unter Druck steht.

Für die Brauereien wird damit die Frage wichtiger, wie sich Sortenwahl, Anbauzeitpunkt und Rohstoffbeschaffung verändern müssen.

Was bedeutet die Ernte für das Bier?

Kurzfristig dürfte der Verbraucher von der schwächeren Ernte wenig bemerken. Die Auswirkungen werden sich eher über die Rohstoffmärkte und die Beschaffung der Brauereien zeigen.

Beim Hopfen könnte die geringere Erntemenge insbesondere bei einzelnen Sorten und Qualitäten relevant werden. Die Entwicklung lässt sich deshalb nicht allein anhand der Gesamttonnage beurteilen.

Bei der Braugerste ist die Situation ähnlich. Nicht jede Tonne geerntete Sommergerste wird automatisch zu Braugerste. Entscheidend sind unter anderem Vollgerstenanteil, Eiweißgehalt, Kornqualität und die Eignung für die Mälzerei.

Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die Zahlen der Verbände und Forschungseinrichtungen – und nicht nur auf die reine Erntemenge.

Die entscheidenden Fragen kommen später

Eine abschließende Bewertung der Ernte 2026 ist ohnehin noch nicht möglich. Die jetzt vorliegenden Zahlen sind teilweise Schätzungen, bei der Braugerste kommen die tatsächlichen Qualitätsuntersuchungen hinzu.

Bis dahin lässt sich die Ernte 2026 vor allem so zusammenfassen: Deutschland hat deutlich weniger Hopfen geerntet, und auch bei der Braugerste ist die Situation angespannt. Eine Versorgungskrise ist daraus noch nicht entstanden – die Abhängigkeit der Bierproduktion von Wetter und klimatischen Veränderungen wird aber immer sichtbarer.

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