Die Nutzung des besonders reinen Münchner Tiefengrundwassers durch die Brauereien sorgt erneut für Diskussionen. Neu ist dabei vor allem die Reaktion der Stadt: Nach der außergewöhnlichen Wasserknappheit in diesem Sommer soll die bisherige Nutzungspraxis überprüft werden. Ein Gutachten soll bis Ende des Jahres klären, ob die wertvolle Wasserreserve tatsächlich gefährdet ist.
Dass Münchner Brauereien ihr Tiefengrundwasser nicht ausschließlich zum Brauen verwenden, ist bereits seit mehreren Monaten bekannt. Das Wasser wird auch zum Reinigen von Tanks und Leitungen sowie zum Spülen von Fässern und Flaschen eingesetzt. Genau diese Verwendung ist nach einem Merkblatt des Bayerischen Landesamtes für Umwelt grundsätzlich nicht zulässig, da dafür Wasser in Trinkwasserqualität ausreichen soll. Das Tiefengrundwasser ist nach den Vorgaben des Bayerischen Landesentwicklungsprogramms für Zwecke vorgesehen, bei denen eine besondere Reinheit erforderlich ist.
Stadt München will bisherige Praxis überprüfen
Jetzt bekommt die Diskussion eine neue Dynamik. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause fordert angesichts der zunehmenden Trockenheit und der Erfahrungen mit der Wasserknappheit im Sommer eine Überprüfung der bisherigen Nutzung. Gespräche zwischen der Stadt und den Brauereien laufen bereits.
Krause erklärte gegenüber dem BR, man sei bislang davon ausgegangen, dass in München ausreichend Trinkwasser zur Verfügung stehe. Die Erfahrungen dieses Sommers hätten jedoch gezeigt, dass diese Annahme nicht mehr ohne Weiteres gelte. Deshalb müsse die Stadt ihre bisherige Vorgehensweise überdenken und sich auf die kommenden Jahre vorbereiten.
Im Sommer hatte München angesichts des außergewöhnlich hohen Wasserverbrauchs und niedriger Grundwasserstände bereits mit Einschränkungen reagiert. Die Stadtwerke meldeten während der Hitzeperiode einen Tagesverbrauch von zeitweise mehr als 400 Millionen Litern, während normalerweise etwa 300 bis 350 Millionen Liter pro Tag verbraucht werden.
Fast vier Millionen Kubikmeter Tiefengrundwasser im Jahr
Wie groß die Bedeutung der Ressource für die Münchner Brauereien ist, zeigen die aktuellen Zahlen. In München gibt es insgesamt 19 Tiefbrunnen, 16 davon gehören Brauereien. Nach den staatlichen Vorgaben dürfen die Brauereien nur eine bestimmte Menge Tiefengrundwasser entnehmen. Diese Grenzen wurden laut BR bislang eingehalten. 2024 lag die Entnahme demnach bei knapp vier Millionen Kubikmetern. Gleichzeitig ist die entnommene Menge innerhalb von knapp 20 Jahren um rund ein Drittel gestiegen.
Nach Angaben des BR gibt es derzeit allerdings noch keinen Hinweis darauf, dass das Tiefengrundwasser in München mengenmäßig tatsächlich zur Neige geht. Das entnommene Wasser bildet sich nach. Die Stadt will dennoch genauer wissen, wie belastbar diese Situation angesichts der klimatischen Veränderungen und der zunehmenden Trockenheit künftig ist.
Genau hier soll das angekündigte Gutachten ansetzen. Bis zum Ende dieses Jahres soll geklärt werden, ob das Tiefengrundwasser in München gefährdet ist. Erst danach dürfte sich genauer abzeichnen, welche Konsequenzen daraus für die Nutzung durch die Brauereien folgen könnten.
Brauereien verweisen auf Qualitätssicherung
Die Münchner Brauereien verteidigen derweil die bisherige Praxis und verweisen vor allem auf die Qualitätssicherung. Martin Leibhard von Augustiner-Bräu, Vorsitzender des Vereins Münchener Brauereien, erklärte gegenüber dem BR, für die Brauer sei es wichtig, dass das Wasser, das unmittelbar mit dem Bier in Kontakt komme, aus den eigenen Brunnen stamme.
Als Grund nennt Leibhard mögliche Veränderungen im öffentlichen Leitungsnetz. Sollte das Trinkwasser beispielsweise aufgrund eines Problems im Netz chloriert werden und dies von der Brauerei nicht rechtzeitig bemerkt werden, könne dies nach seiner Darstellung Auswirkungen auf Geschmack und Qualität des Bieres haben.
Der Verein verweist außerdem auf die in den vergangenen Jahren gesunkenen Wasserverbräuche der Brauereien. Nach Angaben des Vereins werden für einen Liter Bier durchschnittlich drei bis vier Liter Wasser benötigt, wobei ein großer Teil davon für Reinigungsarbeiten anfällt. Die Brauereien betonen, dass sie ihre Verfahren bereits auf einen geringeren Wasserverbrauch ausgerichtet hätten.
Es geht nicht nur um die Brauereien
Auch das Wasserwirtschaftsamt München bewertet die Verwendung des Tiefengrundwassers durch die Brauereien kritisch. Gleichzeitig weist es darauf hin, dass die privaten Haushalte deutlich mehr Wasser verbrauchen als die Brauereien – allerdings handelt es sich dabei um das normale Trinkwasser und nicht um das geschützte Tiefengrundwasser. Die Stadt München verbraucht nach den vom BR genannten Zahlen rund 4.000 Liter Wasser pro Sekunde.
Damit ist die aktuelle Auseinandersetzung größer als die Frage, wie viel Wasser einzelne Brauereien benötigen. Im Mittelpunkt steht die künftige Nutzung einer besonders hochwertigen Wasserressource in einer Stadt, die in diesem Sommer erstmals mit konkreten Maßnahmen auf Wasserknappheit reagieren musste.
Was passiert mit den Münchner Brauereien?
Eine Entscheidung über neue Regeln ist bislang noch nicht gefallen. Zunächst soll das Gutachten die Grundlage dafür schaffen, wie gefährdet das Münchner Tiefengrundwasser tatsächlich ist. Parallel laufen Gespräche zwischen Stadt und Brauereien.
Die aktuelle Entwicklung dürfte deshalb vor allem für die Münchner Brauwirtschaft interessant werden. Sollte die Stadt zu dem Ergebnis kommen, dass das Tiefengrundwasser stärker geschützt werden muss, könnte sich für die Brauereien insbesondere bei Reinigungs- und Spülvorgängen die Frage nach alternativen Wasserquellen und entsprechenden technischen Anpassungen stellen.