Die Übernahme von BrewDog durch den US-amerikanischen Getränkekonzern Tilray ist bereits einige Monate her. Jetzt wird deutlicher, was von der insolventen Gesellschaft zurückbleibt. Nach einem neuen Bericht der Insolvenzverwalter von AlixPartners werden die Gläubiger von BrewDog PLC voraussichtlich kaum etwas von ihren Forderungen zurückerhalten. Insgesamt geht es um rund 190 Millionen Pfund (etwa 222 Millionen Euro) an unbesicherten Forderungen. Die Gläubiger dürften weniger als einen Penny je Pfund erhalten.
Noch schlechter sieht die Situation bei der früheren Gastronomiesparte aus. Für BrewDog Retail Limited wurden unbesicherte Forderungen von mehr als 207 Millionen Pfund angemeldet. Nach Angaben der Insolvenzverwalter stehen für eine Ausschüttung an diese Gläubiger voraussichtlich überhaupt keine Mittel zur Verfügung. Auch Forderungen mit Vorrang können offenbar nicht vollständig bedient werden.
489.000 Pfund offene Löhne
Besonders bitter ist die Situation für die ehemaligen Beschäftigten. Ausstehende Löhne und Urlaubsansprüche belaufen sich bei BrewDog Retail auf rund 489.000 Pfund. Auch diese Forderungen können aus der Insolvenzmasse voraussichtlich nicht bezahlt werden. Die betroffenen Mitarbeiter wurden allerdings über die Möglichkeit staatlicher Unterstützung im Rahmen des britischen Redundancy Payments Service informiert.
Hinzu kommen offene Forderungen der britischen Steuerbehörde HMRC. Allein für nicht bezahlte Mehrwertsteuer sowie weitere Abgaben stehen rund 2,4 Millionen Pfund im Raum. Auch hierfür sehen die Insolvenzverwalter keine ausreichenden Mittel für eine vollständige Zahlung.
Tilray übernahm nur Teile des Unternehmens
Der Hintergrund ist die im März dieses Jahres erfolgte Übernahme wesentlicher Teile von BrewDog durch Tilray Brands. Für rund 33 Millionen Pfund wechselten unter anderem die Marke BrewDog, geistiges Eigentum, die britischen Brauereien und elf Bars den Besitzer. Ein großer Teil des bisherigen Bar-Geschäfts gehörte allerdings nicht zu diesem Geschäft. In der Folge wurden zahlreiche Standorte geschlossen und Hunderte Arbeitsplätze gingen verloren.
Nach Angaben der britischen Fachzeitschrift The Morning Advertiser wurden insgesamt 38 Bars geschlossen und rund 440 Beschäftigte entlassen; 736 Mitarbeiter wechselten im Zuge der Übernahme zu Tilray.
Für die Insolvenzverwalter erwies sich die Verwertung der verbliebenen Vermögenswerte zudem als schwieriger als zunächst erwartet. Die Erlöse aus den Immobilien und anderen Vermögenswerten blieben hinter den Erwartungen zurück, während gleichzeitig die Kosten des Insolvenzverfahrens stiegen. Unter anderem mussten sich die Verwalter mit Problemen bei einzelnen Immobilien auseinandersetzen.
Auch die Crowdfunding-Unterstützer verlieren
Die BrewDog-Geschichte hat noch eine weitere Gruppe von Betroffenen. Über seine Crowdfunding-Kampagnen hatte das Unternehmen eine große Zahl von Unterstützern gewonnen. Medien berichten von rund 200.000 Teilnehmern, deren Beteiligungen beziehungsweise die damit verbundenen Anteile im Zuge der Insolvenz und des Verkaufs wertlos geworden sind.
Ein teures Ende der BrewDog-Krise
BrewDog hatte zum Zeitpunkt der Übernahme durch Tilray Schulden von insgesamt mehr als 500 Millionen Pfund. Mit dem Verkauf wesentlicher Unternehmensteile konnte zwar der operative Kern des Biergeschäfts weitergeführt werden. Für die zurückbleibenden Gesellschaften zeichnet sich nun jedoch ein deutlich anderes Bild ab: Lieferanten, ehemalige Beschäftigte, Behörden und andere Gläubiger werden einen erheblichen Teil ihrer Forderungen abschreiben müssen.
Damit wird zunehmend sichtbar, wie tief der finanzielle Einschnitt bei BrewDog tatsächlich war. Die Marke und die Brauereien existieren unter dem neuen Eigentümer weiter – die finanziellen Folgen der Insolvenz bleiben dagegen bei den früheren Gesellschaften und deren Gläubigern zurück.
Die Insolvenzverfahren laufen weiter. Nach den aktuellen Angaben der Verwalter sollen die Verfahren für BrewDog Retail und BrewDog International in einem der kommenden Berichtszeiträume abgeschlossen werden.