Schlagwort-Archiv: Fruchtbier

Hoegaarden – Rosée

Hoegaarden Rosée basiert auf dem originalen Hoegaarden Witbier, wurde aber zusätzlich mit konzentriertem Fruchtsaft gebraut, der etwa zur Hälfte aus Himbeersaft besteht und dem Bier seine Fruchtigkeit und Farbe verleihen soll.

Fruchtig rot und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine feinporige hellrosa Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Himbeeren und roten Johannisbeeren. Malzsüße und Säure halten sich im Hintergrund, runden den fruchtigen Duft aber gut ab.

Auch der Antrunk besticht durch seine fruchtige Süße, auch wenn ich mir etwas mehr der feinperligen Kohlensäure gewünscht hätte. Auf der Zunge kommt erstaunlich wenig Säure zur Süße und zur angenehmen Fruchtigkeit gesellt sich ein künstlicher Eindruck, vermutlich von den ebenfalls verwendeten Aromen. Da kaum herbe oder bittere Eindrücke nach Bier vorhanden sind, ist das Mundgefühl recht weich. Der Abgang weist eine leichte Fruchtigkeit und einen kurzen Nachklang auf.

Das Hoegaarden Rosée fängt stark an, lässt dann aber immer mehr nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, mind. 1,2 % konzentrierter Fruchtsaft (davon 48 % Himbeeren), Zucker, Säuerungsmittel Zitronensäure, Himbeeraroma, Hopfen, Kräuter (Koriander, Orangenschale), Süßstoff

Alkoholgehalt:

3 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

2° – 4° Celsius

Brauerei:

InBev Belgium bvba/sprl
Stoopkenstraat 46
3320 Hoebaarden
Belgien
www.hoegaarden.com

Chapeau Banana

Chapeau Banana ist ein Lambic-Bier mit Bananengeschmack von der Brauerei De Troch. Die Brauerei De Troch ist auf lambische Biere spezialisiert und braut seit dem 19. Jahrhundert in Wambeek, in der Nähe von Brüssel.

Orangefarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine kleine feinporige Schaumkrone, die sich aber schnell auflöst.

Das Bier duftet intensiv nach überreifen Bananen und Biskuitteig, aber auch die Säure des Lambic kommt gut zum Tragen.

Der Antrunk ist wie erwartet süß und mir fällt auf, dass das Bier nur wenig Kohlensäure enthält, die dafür aber sehr feinperlig ist. Auf der Zunge mischt sich der Geschmack sehr reifer Bananen mit der Säure des Lambic. Diese Mischung passt überraschend gut zusammen, insbesondere weil sich die leichten Bitternoten diskret im Hintergrund halten. Das Mundgefühl ist sehr vollmundig. Im Abgang dominiert die Fruchtigkeit und sie klingt überraschend lange nach.

Anfangs war ich skeptisch, ob die Banane und das Lambic überhaupt zusammenpassen können, aber dieses Bier hat mich mit seinem vielschichtigen Geschmack überzeugt. Gut gekühlt ist es ein ideales Sommerbier.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Zucker, Aromen, Bananen (20 %)

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Troch
Langestraat 20
1741 Ternat
Belgien
www.detroch.be

Passion Bie

Die Brauerei De Bie entstand 1992 in den Hopfengärten des Brauereidorfs Watou in der Nähe von Poperinge und der französischen Grenze. Sie war eine der kleinsten handwerklichen Brauereien in Flandern. Zatte Bie, Hellekapelle und Helleketelbier waren die ersten Biere, die in diesem Haus gebraut wurden. Sie wurden in einfachen Plastiktüten verkauft und konnten auch im Café d’Hellekapelle neben der Brauerei verkostet werden.

Im Jahr 1998 wurde die Brauerei von Jos Tjoen übernommen, der sie modernisierte, um ihr Wachstum zu ermöglichen. Der Standort erwies sich bald als zu klein für eine Expansion, und 2001 verlegte er die Brauerei De Bie in ein großes Gasthaus in Loker mit dem gleichen Namen: d’Hellekapelle. Dort wurde eine völlig neue Brauerei mit einer Verkaufsstelle, einer Bierbar und einem Pub errichtet. Außerdem wurde ein Bierladen eingerichtet.

Durch den großen Erfolg der traditionellen regionalen Biere wurde auch dieser Standort zu klein. Deshalb ist die Brauerei De Bie im Jahr 2011 auf einen viel größeren Bauernhof in Wakken (Dentergem) umgezogen.

Was einst als Hausbrauerei mit 3 Bieren begann, hat sich inzwischen zu einer renommierten Brauerei mit 10 Bieren entwickelt. Dazu gehören drei Fruchtbiere, von denen ich jetzt zwei kaufen konnte. Das erste der Fruchtbiere, das mit Passionsfrucht gebraut wurde, steht jetzt vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Rot und hefetrüb präsentiert sich das Passion Bie im Glas. Die grobporige rosa Schaumkrone ist recht klein und fällt flott in sich zusammen.

Das Aroma ist fruchtig mit süßen und sauen Noten. Irgendwie erinnert es mich mehr an Limonade als an Bier.

Der Antrunk ist wie erwartet süß und er wartet mit einer kräftigen Kohlensäure auf. Auf der Zunge ist das Bier fruchtig, aber eine gewisse Künstlichkeit lässt mich vermuten, dass beim Brauen auch Fruchtaromen verwendet wurden, auch wenn diese in der Zutatenliste nicht erwähnt werden. Aber eventuell täusche ich mich auch. Das Mundgefühl ist eher schlank. Der Abgang zeichnet sich durch eine leichte Säure mit kurzem Nachklang aus.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Zucker, Passionsfrucht, Hefe

Alkoholgehalt:

3,7 % Vol.

Brauerei:

Brewery De Bie
Vijvestraat 47
8720 Dentergem
www.brouwerijdebie.be

Chapeau Exotic

Nun habe ich bereits die meisten der Fruchtbiere aus der Chapeau-Reihe der Brouwerij de Troch verkostet. Nun steht das Exotic vor mir, das mit 20 % Ananas gebraut wurde, einer Kombination, die es vermutlich nur in diesem Bier gibt. Beginne ich also direkt mit der Verkostung.

Kupferfarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Die sehr kleine gemischtporige Schaumkrone löst sich praktisch sofort auf, was bei einem Lambic aber stiltypisch ist.

Auch das Aroma ist stiltypisch mit seinem leicht sauren Duft, der im Vordergrund steht, während die Ananas aus dem Hintergrund einige süße und fruchtige Töne beisteuert.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Die Säure des Lambic zeigt sich erst, nachdem sich das Bier auf der Zunge ausgebreitet hat. Aber auch die leichte Süße bleibt erhalten und mischt sich mit der Säure und der Fruchtigkeit der Ananas. Auch das Exotic ist ein sehr erfrischendes Bier. Im Abgang kommt die Fruchtigkeit in den Mittelpunkt, ohne aber den Geschmack des Lambic zu verdrängen. Dieser Geschmack klingt durchschnittlich lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Zucker, Ananas (20%)

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Troch
Langestraat 20
1741 Ternat
Belgien
http://www.detroch.be

Chapeau Abricot

Die Geschichte der Brauerei De Troch ist eine Geschichte der Familienerbschaften und Landkäufe, die bis etwa 1795 zurückreichen, als Joannes Franciscus De Troch (1766-1808) und seine Frau einen ausgedehnten Bauernhof mit einer Reihe von Nebengebäuden kauften. Um 1818-1820 wurden eine Brauerei und eine Zichorienrösterei hinzugefügt. Nach dem Tod der Ehefrau von Joannes De Troch im Jahr 1818 ging die Brauerei mehrmals in den Besitz der Familie über. Im Jahr 1857 heiratete Petronella Schoonjans ihren Neffen Egidius De Troch.

Wie viele Lambic-Brauer engagierte sich Egidius De Troch in der Politik und wurde schließlich 1885 zum Bürgermeister von Wambeek gewählt. Während seiner Zeit als Bürgermeister baute Egidius die Brauerei weiter aus und errichtete die Gebäude, die noch heute genutzt werden. Im Jahr 1861 bekamen Egidius und Petronella einen Sohn, Ludovicus (Louis I.), der die Brauerei 1899 übernehmen sollte. Louis I. folgte seinem Vater auch als gewählter Bürgermeister von Wambeek von 1899 bis 1933, als er gegen Lode Willems, einen anderen Lambic-Brauer, verlor. Aus der Ehe zwischen Louis De Troch und Maria Josepha De Neve gingen sieben Kinder hervor, von denen nur zwei ihre Eltern überlebten: der älteste Sohn Ludovicus Albertus (Louis II) und Magdalena Theresia.

1923 installierte Louis De Troch ein neues Brausystem mit gusseisernen Maischebottichen, die noch heute in Gebrauch sind. 1936 übernahm sein Sohn und Nachfolger Louis De Troch II die Brauerei. 1938 wurde er auch Bürgermeister von Wambeek, wo er bis 1976 blieb. Louis I. verstarb 1940. 1964 eröffnete De Troch auch einen Bierladen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Im Jahr 1974 ging Louis De Troch II in den Ruhestand und übergab die Brauerei an seinen Neffen Jos Raes, der seit 1972 in der Brauerei arbeitete. Jos (kurz für Jozef), der Sohn von Magdalena und Raymond Raes, wurde von seinem Onkel Louis und seiner Tante Maria Louisa in der Brauerei aufgezogen. Nach dem Tod seines Onkels Louis II im Jahr 1982 verringerte Jos den landwirtschaftlichen Teil des Unternehmens. Er baute die Brauerei weiter aus, indem er eine Reihe „exotischer“ Biere unter einem neuen Namen einführte, wobei der Name De Troch weiterhin für die traditionelleren Lambics reserviert blieb. Der Name Chapeau wurde erst 1991 offiziell eingeführt. Diese gesüßten Produkte, die mit Fruchtsäften und nicht mit ganzen Früchten hergestellt werden, sollen De Troch in einer Zeit über Wasser gehalten haben, in der viele Lambic-Brauereien und -Mixer ihre Tore schlossen. Viele dieser gesüßten Lambics wurden auf Anfrage oder auf Wunsch von Gruppen oder Einzelpersonen gebraut.

De Troch Barrel Room

Heute befindet sich De Troch in der 7. Generation in Familienbesitz. Nach einem Unfall im Jahr 2002, bei dem Jos Raes zwei Jahre lang nicht brauen konnte, musste sein Sohn Pauwel von dem örtlichen Brauingenieur Gert de Rouck in das Brauen eingewiesen werden. De Rouck, der für kurze Zeit in der Brauerei gearbeitet hatte, bevor er an der Brauereischule von Sint-Lieven eingestellt wurde, kehrte an Weihnachten in die Brauerei zurück, um Pauwel zu unterrichten. Pauwel, der seit 2002 verheiratet ist und zwei Söhne hat, blickt zuversichtlich in die Zukunft, denn er hat sowohl bei der Arbeit als auch im Selbststudium an der Universität Gent gelernt. Im Jahr 2004 hätten die belgischen Gesundheitsbehörden die Brauerei wegen Sicherheits- und Hygieneproblemen fast geschlossen, was De Troch zu einem Kurswechsel veranlasste. Er räumt zwar ein, dass die gesüßten Biere nach wie vor den größten Umsatz bringen, aber De Troch bringt langsam aber sicher sein Oude Gueuze wieder auf den Markt und liefert auch gelegentlich Lambic für mindestens einen anderen Abfüller, Vanberg & DeWulf.

Ab 2015 begann De Troch, seine Biere ohne den Namen Chapeau zu vermarkten. Ebenfalls 2015 brachte die Brauerei ein Oude Kriek in 37,5-cl-Flaschen heraus, das erste seit fast 30 Jahren.

Bei einer so traditionellen Brauerei kann ich davon ausgehen, dass die Brauer wissen, was sie tun, öffne jetzt die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Kupferfarben und gefiltert läuft das Bier ins Glas. Dass sich dabei keine Schaumkrone bildet ist für ein Lambic typisch.

Auch das Aroma ist für ein Lambic typisch. Eine fruchtige Säure steht im Vordergrund. Unterstützt wird sie durch Düfte nach Waldhonig und Trockenpflaumen.

Der Antrunk ist frisch. Dabei wurde die sehr feinperlige Kohlensäure sehr zurückhaltend eingesetzt. Auf der Zunge entfaltet sich die fruchtige Säure, während die Süße sich eher im Hintergrund hält. Die Aromen, die ich in der Nase erkannt habe, spiegeln sich auf der Zunge wider. Aprikosen hätte ich allerdings nicht erkannt. Bitter ist so gut wie nicht zu schmecken. Das Mundgefühl ist angenehm weich und voll. Auch der Abgang ist mild und die Fruchtigkeit meldet sich noch einmal in der Kehle, wo sie durchschnittlich lang nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Zucker, Aromen, Aprikosen (20 %)

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Troch
Langestraat 20
1741 Ternat
Belgien
www.detroch.be

Cuvée Watou Rouge

Das Cuvée Watou Rouge, das jetzt vor mir steht, stammt aus der flämischen Brauerei Leroy, die in Watou beheimatet ist. Die Brauerei ist inhabergeführt, wobei der Inhaber auch die Brauerei Van Eecke besitzt, die sich ebenfalls in Watou direkt am Markt befindet. Die beiden Brauereien teilen sich im Übrigen auch die Verwaltung. Aber kommen wir zum Bier. Den Entstehungsprozess beschreibt die Brauerei so: „Die Cuvée Watou Rouge wurde 2019 auf Wunsch unserer Kunden auf den Markt gebracht. Nach einer einjährigen Forschungsphase war unser Braumeister mit der Fruchtkombination, die er zusammengestellt hatte, zufrieden. Dieses typische Rouge kann sowohl Männer als auch Frauen verführen und ist als Fruchtbier mit Geschmackscharakter zu verstehen.“

Rotbraun und hefetrüb läuft das Bier ins Glas und erzeugt dabei eine durchschnittlich große mittelbraune und feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Karamell und roten Früchten, besonders nach Kirschen und Himbeeren. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeigt eine angenehme Süße, die durch eine kräftige Kohlensäure begleitet wird. Aif der Zunge ist der Kirschgeschmack dominant, aber auch die Himbeeren sind zu schmecken und sie runden den Kirschgeschmack gut ab. Die Süße tritt etwas in den Hintergrund und macht einer zu den Aromen passenden fruchtigen Säure Platz. Dazu kommt noch ein leichter Geschmack, der an Marzipan erinnert. Insgesamt ist das Mundgefühl weich und schwer. Im Abgang dominiert der Kirschgeschmack, der die bitteren Marzippannoten perfekt umschließt. Der Nachklang ist nicht allzu lang, macht aber Lust auf mehr.

Zutaten:

Wasser, Malz, Hopfen, natürliche Aromen, Sucralose (E 955)

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Stammwürze:

18° Plato

Brauerei:

Leroy Breweries
Diksmuidseweg 404
8904 Boezinge
Belgien
www.leroybreweries.be

Het Anker – Boscoli

Nun steht mal wieder ein Bier aus der Brouwerij Het Anker im flämischen Mechelen vor mir. Das Boscoli ist das einzige Fruchtbier der Brauerei, die neben diversen Bieren auch drei Sorten Sake sowie einen Reisessig braut (nur mal so nebenbei: auch wenn Sake in Deutschland meist als „Reiswein“ bezeichnet wird, handelt es sich streng genommen um ein Bier, denn der Sake wird aus Reis, also einem Getreide, hergestellt). Die Brauerei verwendet im Gegensatz zu einigen anderen für dieses Bier keine Aromen, sondern ganze Früchte, was der Qualität des Bieres in der Regel wirklich gut tut. Mal sehen, ob diese Erfahrung auch auf das Boscoli zutrifft.

Rubinrot und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die rosafarbene Schaumkrone ist zwar recht klein, bleibt dafür aber lange erhalten.

Das Aroma hält, was das Etikett verspricht: eine Mischung der Düfte verschiedener Früchte, die sich zu dem Duft Roter Grütze vereinen. Dieser Duft überdeckt alles, aber er ist wirklich angenehm und natürlich.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie eine sehr kräftige Kohlensäure aus. Der Geschmack der Früchte gesellt sich auf der Zunge zur Süße und auch hier erinnert die Mischung an Rote Grütze. Ich habe eher das Gefühl, eine flüssige Grütze im Mund zu haben, denn der Geschmack des Bieres wird vollständig überdeckt. Eines muss ich dem Boscoli aber lassen: es ist wirklich erfrischend. Auch im Abgang bleibt die Fruchtigkeit der absolut dominierende Faktor; leider klingt der Geschmack nur kurz nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen Früchte (25 %), Zucker, Hopfen, Hefe, Süßstoff

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

11 IBU

Farbe:

15 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 7° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Het Anker
Guido Gezellelaan 49
2800 Mechelen
Belgien
www.hetanker.be

Bon Secours – Myrtille

Das Bon Secours Myrtille, das jetzt vor mir steht, stammt von der Brasserie Gaulier im wallonischen Péruwelz. Auch wenn die Brauerei eine recht große Bierauswahl anbietet, ist das Myrtille das einzige Fruchtbier im Angebot. Die Brauerei legt Wert auf die Feststellung, dass dieses Bier auf traditionelle Weise gebraut wurde und nicht pasteurisiert oder gefiltert ist und das auch keine Kohlensäure hinzugefügt wurde. Die Blaubeeren stammen Wildsammlung in den Karpaten. Dann kann ja eigentlich nicht viel schiefgehen und ich kann mich auf eine leckere Verkostung freuen.

Rotbraun und mit kräftiger hefetrübung fließt das Bier ins Glas. Dabei entsteht eine feinporige hellrosa Schaumkrone, die bis auf einen Rest recht schnell in sich zusammenfällt. Der Rest bleibt aber sehr lange erhalten.

Intensive Aromen der Heidelbeeren steigen mir in die Nase, abgerundet durch Karamellduft und dem Duft nach süßem Honig. Besonders der Heidelbeerduft kitzelt meine nase bereits beim Einschenken.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße aus, begleitet durch eine sehr feinperlige Kohlensäure. Von Anfang an ist das Bier sehr fruchtig. Auf der Zunge gesellt sich eine leichte fruchtige Säure zu Süße. Beide Geschmacknoten sind gut aufeinander abgestimmt und sie werden durch ein leichtes Bitter aus dem Hintergrund abgerundet. Das Mundgefühl ist weich. Im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger und teilt sich meine Kehle mit der Fruchtigkeit. Die Frucht klingt aber länger nach.

Alkoholgehalt:

6,4 % Vol.

Bittereinheiten:

26 IBU

Brauerei:

Brasserie Caulier
134 Rue de Sondeville
7600 Péruwelz
Belgien
www.bonsecours.beer

Chapeau Lemon

Die Brauerei De Troch beschreibt auf ihrer Website den Herstellungsprozess von Geuze so: „Geuze und Kriek werden nach uralten Methoden gebraut, die auf Spontangärung und Reifung beruhen. In der ersten Stufe wird eine Mischung aus Malz, Weizen und Wasser hergestellt. Dabei wird die Stärke in Zucker umgewandelt, der für die Gärung geeignet ist. Das Mischen wird mehrmals wiederholt. Durch Filtern der Mischung wird eine Flüssigkeit gewonnen. Dies ist die Würze, die schließlich zu Bier wird. Die Würze wird mit gereiftem Hopfen versetzt und anschließend 4 bis 5 Stunden lang gekocht, so dass sie eine Dichte von 5 belgischen Grad erreicht. Nach dem Kochen werden die inzwischen nutzlosen Hopfenknospen entfernt. Die Würze wird dann in flachen Bottichen abgekühlt. Die Außenluft kann ungehindert über die großen offenen Bottiche strömen. Diese Luft ist für das Brauverfahren unerlässlich, da sie die Mikroorganismen enthält, die Lambic seinen einzigartigen Geschmack verleihen. Aus diesem Grund ist das Lambic-Brauen eine saisonale Aktivität (Oktober bis Ende April). Die kühle Würze wird dann in Wannen abgefüllt, bevor sie direkt in Fässer umgefüllt wird. Einige Tage später zeigt sich der Hauptgärungsprozess durch Schaumbildung in den Spundlöchern. Das Bier reift dann in Eichenfässern, die jeweils etwa 650 Liter fassen. Dies ist das echte spontan vergorene Lambic.“ Jetzt steht das Lambic mit Lemon vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Kupferfarben und Klar präsentiert sich das Bier im Glas. Von Schaum ist nichts zu entdecken, aber das ist bei Sauerbieren ja meist der Fall.

Der Antrunk weist eine leichte Süße sowie reichlich dosierte kräftige Kohlensäure auf. Auf der Zunge entwickelt sich eine kräftige fruchtige Säure, die sehr stark an Zitronensaft erinnert und die alle anderen Geschmackskomponenten verdrängt. Vom Malz und vom Hopfen ist nichts zu schmecken. Überraschend ist, dass das Mundgefühl wirklich schwer ist, obwohl das Bier lediglich 3,5 Volumenprozent Alkohol enthält. Der Abgang ist schlank und der Geschmack klingt kaum nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Zucker, Aromen, Zitronen (20 %)

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Troch
Langestraat, 20
1741 Ternat
Belgien
www.detroch.be

Brouwerij De Brabandere – Petrus Aged Red

Die Brauerei De Brabandere, aus der das Petrus Aged Red stammt, das jetzt vor mir steht, befindet sich seit dem Jahr 1894 im Besitz der Familie De Branderes. Falls Sie es noch genauer wissen wollen: die Inhaber hießen bzw. heißen Adolf, Joseph, Albert, Ignace und Bert. Ich bin zwar kein Freund des Genderns, aber eventuell sollte in der nächsten Generation mal eine Frau das Ruder übernehmen. Wie viele belgische Brauereien hat auch De Brabandere seine Wurzeln in der Landwirtschaft. Die Brauerei wurde auf einem Bauernhof gegründet, und trotz mehrerer Rückschläge hat die unternehmungslustige Familie nie den Mut verloren.

Während des Ersten Weltkriegs beschlagnahmten die deutschen Besatzer ihr Kupfer, aber nach dem Waffenstillstand wurde die Produktion schnell wieder aufgenommen. Zu dieser Zeit befanden sich viele ihrer Kunden in der Region um Ypern, einem der am stärksten umkämpften Gebiete an der Westfront. Josephs Bruder Julien war mit der Tochter eines Ziegelherstellers verheiratet, dessen Produkte beim Wiederaufbau verwendet wurden.

Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs ordnete Albert De Brabandere die Demontage des Brauereiwagens an. So hatte der Braumeister nach dem Krieg sofort seinen eigenen Lieferwagen zur Verfügung. Außerdem investierte er in den Ausbau seines Café-Angebots, das oft als „Versicherung des Brauers“ bezeichnet wird. Die Biere von De Brabandere werden heute in der Region um Kortrijk, bis nach Gent und an der Küste verkauft.

Petrus Aged Aged Red ist ein dunkles Fruchtbier, das in Eichenfässern gereift ist. Im Gegensatz zu einem traditionellen Kriek basiert dieses Sauerkirschbier nicht auf einem spontan vergorenen Lambic-Bier, sondern auf einem Oud Bruin. Oder noch genauer: das Petrus Aged Red ist eine Mischung aus 15 % Petrus Aged Pale, das zwei Jahre in Eichenfässern gereift wurde, und 85 % Petrus Dubbel Bruin mit Kirschen. Diese Kombination scheint den Brauern gut gelungen zu sein, denn das Bier wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Jahr 2020 erhielt es beim World Beer Award die Silbermedaille, ebenfalls Silber im Jahr 2021 bei der World Beer Challenge und die Auszeichnung als bestes belgisches Bier bei den World Beer Awards 2021. Nun ist es aber wirklich an der Zeit, die Flasche zu öffnen.

In sehr dunklem Rotbraun und gefiltert läuft das Bier ins Glas. Die feinporige haselnussbraune Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt sehr lange erhalten.

In der Nase mischen sich der Duft reifer Kirschen mit den typischen Aromen eines dunklen Bieres, die an Karamell und Kandis erinnern. Da bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine verhaltene Süße aus, die mit einer feinperligen und sanften Kohlensäure daherkommt. Auf der Zunge entfaltet sich sofort eine kräftige fruchtige Säure. Damit erscheint das Bier wie Kirschsaft mit einigen würzigen Zutaten. Und wirklich – der Geschmack der Kirschen bleibt die gesamte Zeit dominant und er wird durch Hopfen und Malz abgerundet. Das Ergebnis ist ein sehr volles und weiches Mundgefühl, das zu der wunderbaren Fruchtigkeit der Kirschen hervorragend passt. Auch im Abgang klingt der Kirschgeschmack nach.

Zutaten:

Wasser, Malz, Kirschen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

8° Celsius

Brauerei:

Brouwerij De Brabandere
Rijksweg 33
7623 Bavikhove
Belgien
www.brouwerijdebrabandere.be