Schlagwort-Archiv: Belgian Dark Strong Ale

Boerken

Es ist schon merkwürdig – ich versuche im Internet mehr über das Bier zu erfahren, das jetzt vor mir steht. Dafür rufe ich die Website auf, die auf dem Etikett angegeben ist, und alles was die Site enthält, ist der Rahmen – Design und Menü, alles ist zu sehen, aber kein Inhalt. Kein Wort. Aber immerhin ist ein Copyright angegeben. Danach ist die Seite seit dem Jahr 2013 ohne Inhalt im Netz. Das ist für mich doch etwas unverständlich.

Ein Blick auf die Zutatenliste des Boerken teilt mir mit, dass beim Brauen dieses Bieres auch der Zusatzstoff E150C eingesetzt worden ist. Diese E-Nummern machen mich ja immer neugierig, so dass ich erst einmal im Internet nachsehen musste, um was es sich dabei handelt. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um Ammoniak-Zuckerkulör handelt, einen Zusatzstoff, der in der Nahrungsmittel-, Kosmetik- und Arzneimittelindustrie Verwendung findet. Nun frage ich mich, was Ammoniak im Bier zu suchen hat und – noch wichtiger – ob dieser Stoff schädlich ist oder nicht.

Die Website Lebensmittel-Zusatzstoffe schreibt, dass E150C als unbedenklich gelte, solange die Höchstmenge von 300 mg je Kilo Körpergewicht eingehalten werde.

Anders sieht es die Website alternativ-gesund-leben.de. Dort wird der gleiche Farbstoff als gefährlich und krebserregend beschrieben. Außerdem wird dort darauf hingewiesen, dass E150C in den USA verboten wurde.

Bei so unterschiedlichen Einschätzungen habe ich noch eine Quelle gesucht, die nicht im Verdacht steht, ihre Einschätzung aufgrund wirtschaftlicher Interessen getroffen zu haben. Was liegt da näher als das Deutschen Zusatzstoffmuseum auf dem Gelände des Großmarkts in Hamburg? Das Museum schreibt auf seiner Website folgendes: „Es handelt sich dabei nicht, wie immer wieder behauptet, um leckeres Karamell, das durch vorsichtiges Erhitzen von Zucker entsteht, sondern um diverse Zuckerarten, die mit Natronlauge, (E 524) Ammoniak (E 527) oder Sulfit (E 220) chemisch umgesetzt wurden. Dabei entstehen auch die umstrittenen Imidazole“.

Ein Klick auf die Links bringt Sie zu den Einträgen auf den jeweiligen Websites. Dort finden Sie auch die vollständigen veröffentlichten Informationen bzw. Desinformationen. Ich würde mich aufgrund der hier (nicht) erlangten Kenntnisse vermutlich gegen den Kauf dieses Bieres entscheiden. Aber da es jetzt nun mal vor mir steht, werde ich es auch verkosten.

Praktisch blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber dümpelt wenig gemischtporiger Schaum, der aber schnell in sich zusammenfällt. Jetzt erinnert das Bier ein wenig an Cola.

Röstaromen, die an dunkle Schokolade erinnern, dominieren den Duft des Bieres. Auch die 9,5 Volumenprozent Alkohol sind durchaus zu riechen, wirken aber nicht aufdringlich.

Der Antrunk ist süß, was aber zur reichlich vorhandenen sanften und feinperligen Kohlensäure passt. Auf der Zunge bleibt die Süße erhalten und paart sich mit dem Schokoladengeschmack sowie einer leichten fruchtigen Säure. Mich verwundert die Säure etwas, da ich sie in der Nase nicht festgestellt habe. Das Mundgefühl ist angenehm weich. Der Abgang ist mild und in der Kehle zeigt sich ein leichtes Bitter mit überraschend langem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Farbstoff E150C

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Brauerei:

Verstraeten H&S
9120 Beveren-Waas
www.boerkenenboerinneken.be

La Cambre – Amber

Wieder einmal steht ein Abteibier aus Brüssel vor mir. Über die Entstehungsgeschichte dieser Biermarke habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben, so dass ich direkt mit der Verkostung beginnen kann.

Kupferfarben und einer voluminösen festen und elfenbeinfarbenen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone bleibt lange erhalten, so dass das Bier eine wirklich gute Figur macht.

Düfte nach Karamell, Trockenfrüchten und Lakritz steigen mir in die Nase.

Der Antrunk ist recht süß, aber die passende Dosierung der Kohlensäure sorgt für eine angenehme Frische. Auf der Zunge kommt die Fruchtigkeit in den Vordergrund, begleitet durch ein leichtes Bitter. Dazu kommt ein weiches Mundgefühl, das den Biergenuss abrundet. Im Abgang wird das Bitter langsam kräftiger und der Geschmack nach Lakritz klingt überraschend lange nach.

Das La Cambre Amber ist ein wirklich schönes Winterbier.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener, Caramalz, Melano), Hopfen (Magnum, Saazer), Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten:

24 IBU

Farbe:

38 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° Celsius

Brauerei:

Brasserie de la Cambre SPRL
Avenue de la Couronne 236B
1050 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelacambre.be

La Corne du Bois des Pendus – Black

Es gibt nicht viele Brauereien, die ihre Rohstoffe selbst herstellen. Die Brasserie Elfique gehört zu den seltenen Seit 2015 produzieren wir unsere eigene Gerste auf dem Bauernhof der Familie Beauregard in Arc-Wattripont im Pays des Collines. Die Brauerfamilie Pierre und Vinciane und ihre Kinder sind die sechste Generation der Bauern und verewigen so die Familienwerte. Seit seiner Eltern im Jahr 2012 in den Ruhestand getreten, hat Pierre leidenschaftlich die Leitung der Farm übernommen.

Praktisch blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine haselnussbraune feste Schaumkrone, die nur langsam in sich zusammenfällt. Ein Bier wie gemalt.

Röststoffe dominieren das Aroma, begreitet vom Duft roter Früchte. Etwas ungewöhnlich, aber wirklich nicht schlecht.

Der Antrunk ist süß und er zeichnet sich durch eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge kommen die Röststoffe in den Vordergrund, aber auch ein zur Süße passendes Bitter kommt zum Vorschein. Ich meine auch, etwas Holz zu schmecken. Das Mundgefühl ist weich, wenn auch nicht ganz rund. Im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger und es klingt sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 8° Celsius

Brauerei:

Brasserie des Légendes SRL
Rue du Castel 19
7801 Irchonwelz
Belgien
http://www.lacorneduboisdespendus.be/

Anthony Martin – Gordon Finest Red

Die Brauerei verspricht viel, um uns zu überzeugen, das Gordon Fines Red zu kaufen: „Erleben Sie die ‚rote‘ Erfahrung mit Gordon Red Strong. Ein Starkbier, das an die Farben der Highlands inmitten von drei Millionen Jahre altem Gestein erinnert… Ein edles und starkes Bier (8,4 % Vol.), das mit den besten Zutaten gebraut wird. Entdecken Sie einen Hauch von Karamell in seinem wirklich raffinierten Geschmack. Gordon Red Strong hat eine dunkle Bernsteinfarbe mit einem violetten Schimmer. Ein einzigartiges Bier…“ Mal sehen, ob das Bier mit der Werbung mithalten kann.

Bordeauxrot und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die hellbraune Schaukrone ist durchschnittlich groß und fällt leider schnell in sich zusammen.

Das Aroma ist malzbetont nach Karamell. Dazu kommen Düfte nach Kandiszucker sowie weinartige Noten.

Der Antrunk ist recht süß, was aber durchaus zur reichlich dosierten feinperligen Kohlensäure passt. Auf der Zunge gesellt sich der Geschmack nach Kandis zur Süße sowie ein leichtes Bitter. Mir fehlt hier etwas Säure und auch Fruchtigkeit suche ich vergebens. Wo sind bloß die weinartigen Noten des Aromas geblieben? So wirkt das Bier eher unausgewogen. Allerdings gefällt mir das weiche Mundgefühl. Auch der Abgang ist mit dem Geschmack nach Karamell süß und mild. Bitter ist nach wie vor kaum zu schmecken, aber trotzdem klingt der Geschmack überraschend lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,4 % Vol.

Bittereinheiten:

35 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

4° – 6° Celsius

Brauerei:

Anthony Martin
Rue de Cerf 191
1332 Genval
Belgien
www.anthonymartin.be

Brouwerij Het Anker – Gouden Carolus Whisky Infused

in Mechelen im flandrischen Teil von Belgien ist die Brouwerij Het Anker beheimatet. Gegründet wurde sie im 15. Jahrhundert und braute zunächst vorwiegend für das Krankenhaus, das damals die Beginen in Mechelen betrieben. 1872 kaufte die Familie Van Breedam die Brauerei. Seitdem ist sie in Familienbesitz geblieben, aktuell in der fünften Generation. Eines ist allen Bieren aus Mechelen gemeinsam: Sie werden mit viel Liebe zum Detail gebraut, was wir als Konsumenten auch schmecken können. Das Gouden Carolus Whisky Infused, das jetzt vor mir steht, wurde in den Jahren 2017, 2018 und 2019 beim Zythos Beer Festival mit derConsumer Trophy und im Jahr 2020 bei den World Beer Awards als World’s best Spirit Flavoured Beer ausgezeichnet. Na, dann kann hier ja nicht viel schiefgehen.

Praktisch blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine elfenbeinfarbene feste Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

Der Whisky dominiert das Aroma zusammen mit torfigen, holzigen und erdigen Noten. Dazu kommt eine leichte Fruchtigkeit, die an einen alten Bordeaux erinnert, abgerundet durch Düfte nach Karamell und Vanille.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Süße sowie eine feinperlige aber kräftige Kohlensäure aus. Auf der Zunge kommt zunächst der Geschmack nach Expresso in den Vordergrund, anschließend die erdigen Noten sowie der Geschmack nach Whisky. Das Mundgefühl ist weich und samtig. Außerdem sind die 11,7 Volumenprozent Alkohol gut eingearbeitet, so dass sie nicht hervorstechen, sondern die anderen Aromen angenehm unterstützen. Der Abgang ist mild, der Whiskygeschmack kommt in den Vordergrund und der Alkohol entfaltet seine wärmende Wirkung.

Das Gouden Carolus Whisky Infused ist ein tolles Genussbier. Obwohl es sehr komplex ist, lässt es sich doch einfach trinken. Dieses Bier ist ein echtes Meisterwerk.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Weizenmalz, Hofe, Hopfen

Alkoholgehalt:

11,7 % Vol.

Stammwürze:

24° Plato

Bittereinheiten:

15 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

10° – 12° Celsius

Brauerei:

Het Anker
Guido Gezellelaan 49
2800 Mechelen
Belgien
www.hetanker.be

Anthony Martin – Waterloo Double Dark

Waterloo liegt etwa zwanzig Kilometer von Brüssel entfernt und ist weltweit als Schauplatz der berühmtesten Schlacht von Napoleon bekannt: der Schlacht von Waterloo. Diese legendäre Schlacht fand am 18. Juni 1815 statt und endete mit dem entscheidenden Sieg der Alliierten (Briten, Deutsche und Niederländer) unter dem Kommando des Herzogs von Wellington und der Preußen – beide standen der französischen Armee unter der Führung von Kaiser Napoleon I. gegenüber. Tatsächlich fanden die Kämpfe nicht in Waterloo statt, sondern etwas weiter südlich, auf dem Gebiet der heutigen Städte Lasne, Braine und Genappe. In Frankreich wurde die Schlacht oft als „Schlacht am Mont-Saint-Jean“ bezeichnet, anstatt des üblichen Titels. Diese Schlacht war die letzte, an der Napoleon persönlich teilnahm, nachdem er während des Hunderttägigen Krieges die Kontrolle über Frankreich übernommen hatte. Trotz seines Wunsches, den Kampf mit neu aufgestellten Truppen fortzusetzen, sah er sich vier Tage nach seiner Rückkehr nach Paris aufgrund mangelnder politischer Unterstützung gezwungen, abzudanken. Die Schlacht von Waterloo gilt als ein bedeutendes historisches Ereignis, das die napoleonische Eroberung Europas beendete und die Grenzen des künftigen Kontinents festlegte.

Heute ist das Schlachtfeld von Waterloo eine der größten historischen Stätten in Europa, die fast vollständig erhalten ist. Jedes Jahr strömen mehr als 300 000 Besucher aus aller Welt dorthin und besteigen den berühmten Löwenhügel, um die Weite des Geländes zu sehen, auf dem die Truppen so hart gekämpft haben.

Im Jahr 2015 wurde in Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden ein umfangreiches Projekt zur Feier des zweihundertjährigen Jubiläums der Schlacht durchgeführt. Ein neues unterirdisches Museum, die Renovierung der Hofbrauerei in Mont-Saint-Jean, eine „Napoleonstraße“ und eine noch nie dagewesene Nachstellung mit 6 500 Schauspielern lockten in diesem Sommer rund 200 000 Besucher an.

Sehr dunkel rotbraun mit einer feinporigen mittelbraunen Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas. Damit hat das Bier seinen Namen mehr als verdient.

Das Bier duftet nach dunkler Schokolade, nach Holz sowie nach würzigen Noten des Hopfens. Auch der Alkohol steigt mir in die Nase, unterstützt das Aroma aber und überdeckt es nicht.

Der Antrunk ist süß mit einer sehr feinperligen Kohlensäure. Die Süße war bei dieser Optik und dem Aroma auch zu erwarten. Auf der Zunge gesellt sich ein minimales Bitter dazu und das Bier schmeckt nach Kaffee und dunkler Schokolade, auch wenn der Geschmack nicht zu kräftig ist wie ich es erwartet hätte. Das Mundgefühl ist weich und rund. Im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger. Es klingt überraschend lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Zucker, geröstete Gerste, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

4° – 6 ° Celsius

Brauerei:

Anthony Martin
Chaussee de Charleroi 591
1410 Waterloo
Belgien
www.waterloo-beer.com

Silly – Double Enghien Brune

Als die Brasserie de Silly im Jahr 1975 die Brauerei Tennstedt-DeCroes in Enghien übernahm, wurden die beliebten Enghien-Marken beibehalten. Und so steht jetzt das Double Enghien Brune vor mir, ein Bier, dessen Name eigentlich bereits aussagt, was mich erwartet, wenn ich dieses Bier gleich verkoste.

Kastanienbraun und hefetrüb fließt das Bier ins Glas. Die feinporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und elfenbeinfarben. Sie bleibt lange erhalten,

Das Aroma ist malzbetont nach Karamell und Pumpernickel. Abgerundet wird das Aroma durch den Duft nach Trockenfrüchten.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß und die Kohlensäure ist feinperlig, dabei aber kräftig. Auf der Zunge gesellt sich ein ordentliches freundliches Bitter zur Süße. Säure kann ich nur in Spuren entdecken, was aber dem vollen Mundgefühl keinen Abbruch tut. Langsam kommen auch die Trockenfrüchte hervor und ich meine, dass mich der Geschmack an getrocknete Feigen erinnert. Im Abgang wird das Bier trockener und ein freundliches Bitter klingt lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8 % Vol.

Brauerei:

Brasserie de Silly
Rue Ville Basse 2
7830 Silly
Belgien
www.silly-beer.com

Het Nest – Klevere Tien

Angeblich waren zwei Jahre Entwicklung und acht Testsude erforderlich, bis die Brauer in Oud-Turnhout mit dem Ergebnis ihrer Arbeit zufrieden waren und mit dem Bier, das jetzt vor mir steht, in Produktion gingen. Die 10 ist dabei Programm. Turnhout ist die Stadt der Spielkarten und Klevere Tien bezeichnet im örtlichen Dialekt die Kreuz 10. Außerdem enthält das Bier zehn Volumenprozent Alkohol und wurde zum zehnten Jahrestag des „Orden des Sperlingsspatzes“, einem Club von Bierbegeisterten, die die Biere der Brauerei Het Nest verkosten.

Die Brauerei beschreibt ihr Bier wie folgt: „Denken Sie an kalten Winterabend und fallenden Schnee … Klevertien mit seinem Kaffee- und Schokoladengeschmack wird Sie auf jeden Fall aufwärmen. Mit 10 Volumenprozent Alkohol ist dies das mit Abstand stärkste Bier von Het Nest. Die „10“ im Namen bezieht sich nicht nur auf den Alkoholgehalt, sondern auch auf den 10. Geburtstag des Bierverkostungsclubs.“

In sehr dunklem Rubin, beinahe schwarz, präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine hellbraune gemischtporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Ja, so gefällt mir ein Bier.

Das Bier duftet nach Espresso, wobei die Röstung des Malzes schon auf die Grenze des Machbaren gestoßen ist, denn das Aroma enthält auch deutliche verbrannte Noten. Aber das wird durch die anderen Aromen nach Waldhonig, Trockenfrüchten und Lakritz wieder wettgemacht. Auch der Duft des Alkohols steigt mir in die Nase.

Der Antrunk überrascht mich, denn er ist weniger süß als erwartet. Die fein perlende Kohlensäure ist zwar nur wenig vorhanden, aber irgendwie passt es doch. Auf der Zunge steht der Geschmack nach Espresso im Mittelpunkt. Außerdem schmecke ich Rosinen, Süßholz und Vanille. Eine leichte fruchtige Säure sowie die zunehmende Süße sorgen für ein schweres und samtiges Mundgefühl. Auch im Abgang bleibt die Süße erhalten und zusammen mit einem leichten freundlichen Bitter klingt sie sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Zucker, Kräuter

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Stammwürze:

20° Plato

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Het Nest
Beyntel 17
2360 Oud-Turnhout
Belgien
www.brouwerijhetnest.be

De Dolle Brouwers – Oerbier

De Dolle Brouwers aus Esen im flandrischen Teil von Belgien sind für ihre guten und außergewöhnlichen Biere bekannt. Das Oerbier ist das Flaggschiff der Brauerei. Es war ihr erstes kommerzielles Bier und wird seit 1980 produziert. Es handelt sich um ein dunkles Bier, das durch die Verwendung verschiedener Malzsorten und einen stundenlangen Kochprozess entsteht.

Seit zwanzig Jahren bringen De Dolle Brouwers außerdem fast jedes Jahr spezielle Gran Reserva-Ausgaben ihres Oerbiers heraus (die nach einem Jahr abgefüllt werden) (es begann mit der Gran Reserva 2002 und seitdem wurde nur 2003 ausgelassen). Es gab auch eine Geburtstagsedition, eine Version mit Eichenholzreifung (abgefüllt nach zwei Jahren) und eine helle Version, um nur einige der besonderen Oerbier-Sorten der Vergangenheit zu nennen. Leider handelt es sich dabei um Sondersude, die nicht mehr erhältlich sind. Aber jetzt will ich mich mit dem standardmäßigen Oerbier beschäftigen.

Rubinrot und mit einer voluminösen gemischtporigen elfenbeinfarbenen Schaumkrone, die lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas.

Das Aroma ist betörend. Ich rieche Düfte nach Brotkrume, getrockneten Birnen und roten Beeren sowie nach Rotwein. Auch der Alkohol kommt leicht zum Tragen.

Im Antrunk fällt zuerst die sehr reichlich vorhandene kräftige Kohlensäure auf, die durch eine leichte Süße begleitet wird. Auf der Zunge gesellt sich eine fruchtige Säure sowie ein leichtes Bitter dazu. Auch der Alkohol kommt durch, er wird aber nicht dominant, sondern unterstützt die anderen Geschmacksrichtungen. Das Mundgefühl ist rund und schwer. Alles in Allem macht das Bier einen fast weinartigen Eindruck. Der Abgang ist anfangs kurz fruchtig, bevor dieser Geschmack durch ein leichtes Bitter mit durchschnittlichem Nachklang abgelöst wird.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Malz, Hopfen (Golding), Hefe

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

12° Celsius

Brauerei:

De Dolle Brouwers
Roeselarestraat 12B
8600 Esen
Belgien
www.dedollebrouwers.be

Arend Winter

Die Brauerei De Ryck, aus der das Bier stammt, das jetzt vor mir steht, ist ein Familienunternehmen mit einer reichen Geschichte und Tradition. Die Brauerei wurde 1886 von Gustave De Ryck als „Brauerei zum Steinadler“ im östlichen Teil Flanderns vor der Kirche in Herzele gegründet. Heute steht die Brauerei für qualitativ hochwertige Biere, die das Ergebnis einer von Generation zu Generation weitergegebenen Handwerkskunst sind.

Seit 1965 braut An De Ryck das Arend Winter für die Weihnachtszeit und den Jahreswechsel ein. Die Brauer beschreiben das Bier wie folgt: „Arend Winter ist ein dunkles, bernsteinfarbenes obergäriges belgisches Ale und einer sekundären Gärung in der Flasche. Dieses Winterbier hat ein würziges Aroma und wird immer noch nach der ursprünglichen Methode mit reinem Malz und Hopfen gebraut. Ein idealer Begleiter an kalten Winterabenden!“ Na, dann will ich mal testen, ob ich diese Aussagen ebenfalls unterschreiben kann.

Rubinrot mit einer durchschnittlich großen mittelporigen Schaumkrone, die lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas. An der Optik gibt es schon mal nichts zu mäkeln.

Das Bier duftet süß nach Kandis und roten Johannisbeeren, dazu einige würzige Noten.

Der erste Eindruck, den das Bier beim Kontakt mit der Zunge hinterlässt, ist die reichlich vorhandene kräftige Kohlensäure. Dabei ist das Bier weniger süß als ich es nach dem Aroma erwartet hätte. Ich schmecke Karamell und Schokolade, begleitet durch den Geschmack roter Früchte. Der Alkohol ist mit sieben Volumenprozent für ein belgisches Winterbier sicher nicht übertrieben vorhanden, schmeckt aber vom ersten Moment durch. Langsam schiebt sich der Geschmack nach Schokolade zusammen mit den fruchtigen Aromen in den Vordergrund, wobei die Süße erhalten bleibt. Die einzelnen Geschmackskomponenten sind gut abgestimmt. Der Alkohol wärmt und erzeugt auf der Zunge ein leichtes Brennen. Trotzdem ist das Mundgewühl weich. Im Abgang wird das Arend Winter etwas trockener und es taucht ein leichtes Bitter mit langem Nachklang.

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Empfohlene Genusstemperatur:

4° – 6° Celsius

Brauerei:

Brouwerij De Ryck
Kerkstraat 24
9550 Herzele
Belgien
www.brouwerijderyck.be