Braumanufaktur – Hell

Seit Mai 2007 arbeitet die Braumanufaktur in Potsdam ausschließlich mit biologischen Zutaten. Glückwunsch zum zehnjährigen Jubiläum! Aber das kleine Unternehmen setzt auch auf absolute Transparenz. Daher sind die meisten Biere mit eine Bio-mit-Gesicht-Nummer ausgestattet, über die der Konsument erfahren kann, wer die Rohstoffe für das Bier erzeugt hat. Bei so viel Transparenz können wir wohl mit Fug und Recht davon ausgehen, dass die Brauer mit den Zutaten auch sorgfältig umgehen. Das beschreibt das Team in Templin auf seiner Website wie folgt: „Im Gegensatz dazu kann es bei den Schnellgärverfahren der Großbrauereien, die bei höheren Temperaturen erfolgen, um die Gärzeiten zu verkürzen, zu mehr Fuselalkoholen und damit auch zu sogenannten „Kopfschmerzbieren“ kommen. Hergestellt werden unsere Bio-Biere mit zertifizierten Rohstoffen mit dem Naturland und dem Öko-Kontrollsiegel. Unser Ziel war es, möglichst Rohstoffe aus einheimischer Produktion einzusetzen, aber zurzeit gibt es in Brandenburg keinen Hersteller von ökologisch erzeugtem Hopfen. Für den Braugerstenanbau ist es uns gelungen, einen Brandenburger Bauern zu gewinnen, so das in absehbarer Zeit unser Bier mit einheimischem Braugerstenmalz eingebraut wird. Das aus der Brandenburger Gerste erzeugte Malz beziehen wir von der Firma Rhön-Malz GmbH und den ökologisch erzeugten Hopfen aus Bayern von einem Bioland-Bauern.“

Aber kommen wir zum Bier. In hellem Gelb und leicht hefetrüb präsentiert es sich im Glas. Darüber bildet sich viel sahniger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik ist also nahezu perfekt.

Der Antrunk ist recht süß, aber angenehm. Halt so, wie ich es von einem guten Hellen erwarte. Allerdings enthält das Bier recht wenig Kohlensäure. Etwas mehr würde dem Bier noch mehr Frische verleihen. Schnell gesellt sich noch ein recht kräftiges Hopfenbitter hinzu. Da das Bier nur sehr wenig Säure enthält ist es nicht wirklich ausgewogen, aber es ist süffig und mit Charakter. Der Abgang ist erstaunlich mild und wenig bitter. Er klingt mittellang nach.

Das Helle der Braumanufaktur wird sicher nicht mein Lieblingsbier, aber es eignet sich gut als Begleiter zum Essen oder auch für einen Abend mit Freunden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Naturdoldenhopfen

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Stammwürze:

11,8 %

Brauerei:

Braumanufaktur
Köhler & Kirchhoff GbR
Templiner Str. 102
14473 Potsdam
www.braumanufaktur.de

Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan zieht Pandemie-Bilanz

Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan zieht nach einem Jahr Corona-Pandemie Bilanz. Am 22. März 2021 jährt sich der Beginn der ersten Lockdown-Phase und lässt die Brauerei auf ein Jahr der Extreme zurückblicken. Nicht nur für die Bevölkerung, das Gesundheitswesen und viele Unternehmen war es ein Jahr mit ständig wechselnden Rahmenbedingungen, die ein hohes Maß an Flexibilität verlangten, sondern auch für die deutsche Brauwirtschaft, die durch abgesagte Veranstaltungen und die geschlossene Gastronomie vor einer Herausforderung stand, wie es sie noch nie gab. Die älteste Brauerei der Welt gibt Einblicke, wie sich die Corona-Pandemie ausgewirkt hat und wie sie die Situation auf dem regionalen, nationalen und internationalen Markt gemeistert hat und weiterhin meistern wird.

Das Jahr 2020 begann, wie für viele andere Brauereien in Bayern, mit einer wichtigen Entscheidung. Das traditionelle Starkbierfest im Weihenstephaner Bräustüberl auf dem Berg war bis ins Detail vorbereitet, die Gäste eingeladen, als die ersten Fälle bekannt wurden. Nach ausführlichen Besprechungen entschied sich die Brauerei als Vorsichtsmaßnahme für die Absage der Veranstaltung. „Wie sich gezeigt hat, war das die einzig richtige Entscheidung, auch die Gäste, die natürlich gerne mit uns gefeiert hätten, waren im Nachhinein sehr froh darüber“, blickt Prof. Dr. Josef Schrädler, Direktor der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan, auf den Beginn der Pandemie zurück. Danach überschlugen sich die Ereignisse, auf die Weihenstephan sehr schnell mit einem umfassenden Maßnahmenpaket reagierte, wie Dr. Schrädler berichtet: „Unseren Markenbotschafter Matthias Ebner mussten wir mit einem der letzten Flüge von Australien nach Hause holen. In der Brauerei mussten wir innerhalb kürzester Zeit reagieren. Die Mitarbeiter wurden, wo es möglich war, ins Homeoffice geschickt, ein detailliertes Hygienekonzept wurde ausgearbeitet und für jeden Mund-Nasen-Schutzmasken verteilt. Zudem haben wir an der Büroaufteilung gearbeitet, um die Risiken soweit es geht zu minimieren. Damit sind wir bis heute gut gefahren.“

Der erste Lockdown von Ende März bis Mitte Mai hat für sehr hohe Verluste gesorgt, da die Umsätze auf dem regionalen und nationalen Markt durch die Schließung der Gastronomie komplett weggebrochen sind. Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan liefert ihre Bierspezialitäten in über 50 Länder weltweit, daher war der Export in Abstimmung mit der Produktion und Logistik stark gefordert, die internationale Lage zu beobachten und schnell zu reagieren. „In unserer Produktion mussten wir in dieser Zeit flexibel sein, Bestellrhythmen gab es einfach nicht mehr. Vorher konnte man sich zu einem gewissen Grad darauf einstellen, welches Land wann und wie viel bestellt. Jetzt mussten wir kurzfristig reagieren und ohne unser Logistikzentrum und die damit verbundenen Lagermöglichkeiten wäre dies nicht möglich gewesen. Und beim Bier ist es ja so, dass es auch eine gewisse Zeit zum Reifen braucht. Und das Wichtigste: Die Qualität muss trotz allen Umständen stimmen“, legt Schrädler die Situation dar.

Ein heller Lichtblick

Trotz Corona-Pandemie und Lockdown wurde wie geplant im Mai 2020 eine Neuheit vorgestellt. Nach über einem Jahr Entwicklungszeit präsentierte die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan eine weitere untergärige Bierspezialität: ein harmonisch ausbalanciertes Helles mit ausgewogenem, aber schlankem Malzkörper und elegantem Hopfenaromaprofil. Die Markteinführung im Mai war für die Brauerei genau richtig: „Wir bewegten uns auf das Ende des ersten Lockdowns zu, es war eine positive Stimmung zu spüren. Und dann war’s auch ein bisserl glücklich, dass wir ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt mit allem fertig wurden. Klar ist so eine Entscheidung immer mit einem Risiko verbunden, aber das Bier wurde und wird super angenommen. Eine Punktlandung und eine Erfolgsgeschichte. Insgesamt konnten wir ein Wachstum von 30 Prozent im Handel verzeichnen“, berichtet Dr. Schrädler. Die nach wie vor ungebrochene Nachfrage nach der neuen Bierspezialität wird aber nicht zu einer Strategieänderung weg von der Gastronomie hin zum Handel führen, erklärt Schrädler: „Weihenstephan ist nun mal eine Gastromarke, weshalb der erfreuliche Zuwachs im Handel mit dem neuen Hellen natürlich die Verluste nicht auffangen kann, die wir durch den Lockdown eingefahren haben. Aber wir sehen die Gastronomie nach wie vor als wichtigsten Partner und natürlich auch als den Vorreiter zur Markterschließung an. Deshalb wird sich unser Vorgehen auch 2021 nicht groß ändern.“

In der Summe betrachtet

2020 verbucht die Bayerische Staatsbrauerei in erster Linie als einen herben Rückschlag, da der Ausstoß unter 400.000 Hektoliter gefallen ist und die älteste Brauerei der Welt um einige Jahre zurückwirft. Dennoch schaut der Brauereidirektor optimistisch in die Zukunft: „Eine Prognose kann man zwar nicht treffen, aber wir hoffen, dass sich die Situation zum Sommer hin wieder bessert, und die Gastronomie wieder öffnen darf. Einen Herbst wie 2020 brauchen wir nicht noch einmal. Die Hoffnung besteht aber, dass wir im Spätsommer oder Herbst so weit sind, dass man die Wirtschaften nicht mehr schließen muss.“

Ablassfrei – Thadäus Zwickelbier

Auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Essen steht seit einigen Jahren Ablassfrei und bietet dort Marmeladen und vier Biere an. Die sehr ansprechende Ausstattung des Standes hat mich dazu verleitet, von jedem der Biere jeweils eines mitzunehmen, ohne dass ich mir vorher die Zutatenliste angesehen habe. Als ich das zuhause nachholte, musste ich feststellen, dass beim Brauen der Biere auch Hopfenextrakt verwendet worden war. Hätte ich zwischen 4 und 10 Euro pro Flasche ausgegeben, wenn ich das geahnt hätte? Vermutlich nicht, aber jetzt war es zu spät. Es ist halt wie es ist, deshalb öffne ich die Flasche und schenke mir das erste Glas ein.

Golden und nur leicht hefetrüb opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine minimal überdurchschnittliche feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier eine gute Figur.

Das Aroma ist würzig und hopfig und ähnelt einem Pils. Dazu kommen einige grasige Noten. Damit ist der Duft recht angenehm, wenn auch wenig spektakulär.

Der Antrunk ist leicht süß und ich stelle fest, dass das Thaddäus nur wenig Kohlensäure enthält, die aber angenehm feinperlig ist. Schnell gesellt sich ein leichtes freundliches Bitter dazu. Allerdings macht das Bier einen etwas wässrigen Eindruck. Der Abgang ist leicht bitter; er klingt aber lange nach.

Insgesamt ist das Thaddäus Zwickelbier von Ablassfrei kein schlechtes Bier, aber es ist austauschbar. Es handelt sich meiner Meinung nach um ein durchschnittliches Industriebier, das allerdings zum Preis eines Craft Beer verkauft wird. Die € 3,50 im Onlineshop bzw. € 4,00 auf dem Markt ist das Bier wirklich nicht wert.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Medival Food Group
Volkardeyer Weg 51
40472 Düsseldorf
www.ablassfrei.de

Brauereigaststätten erhalten jetzt doch staatliche Unterstützung im Lockdown

Mit großer Erleichterung hat der Bayerische Brauerbund die Nachricht aufgenommen, dass Brauereigasthöfe nun doch in den Genuss der November- bzw. Dezemberhilfe kommen, mit der der Bund das Gastgewerbe in den ersten beiden Monaten des 2. Lockdowns unterstützt.

Gemeinsam haben Ministerpräsident Söder und Bundeswirtschaftsminister Altmeier dieses Ergebnis der Beratungen der Bundesregierung mit dem Freistaat Bayern am Vormittag des 17. März bekanntgegeben.

„Wir sind erleichtert, dass den Brauereigasthöfen nun Gerechtigkeit widerfährt, vor allem aber, dass sie endlich eine Förderperspektive erhalten.“, kommentiert Dr. Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, die gute Nachricht.

Er äußert sich dankbar für die Unterstützung aus Bayerns Staatskanzlei und Finanzministerium, vor allem aber für die Hilfestellung durch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Dieser habe Bayerns Brauereigasthöfe als wichtigen Teil der touristischen Infrastruktur im Freistaat, vor allem aber auch als bedeutsames Element heimischer Gastlichkeit und Genusskultur verstanden und sich stark für die Rettung dieser oftmals Jahrhunderte alten Einrichtungen engagiert.

Die den Brauereigasthöfen durch diesen Schritt zusätzlich zufließenden staatlichen Mittel werden ihnen nach Überzeugung des Brauerbundes helfen, die andauernde Krise zu überdauern und ihren erzwungenen monatelangen Stillstand wirtschaftlich durchzustehen.

Bislang galt für Brauereigasthöfe, die innerhalb eines sogenannten „Mischbetriebes“ unselbständiger Teilbetrieb einer Brauerei sind, dass sie in den Genuss der November- und Dezemberhilfen nur kommen konnten, wenn der mit Flaschenbier, das die Brauerei an den Handel verkauft, erzielte Umsatz höchstens 20% des Gesamtumsatzes des Unternehmens ausmacht – für viele dieser Unternehmen eine unüberwindbare Hürde. Reine Gastronomiebetriebe erhielten hingegen für den im November und Dezember 2020 entgangenen Umsatz Hilfsgelder in Höhe von 75% des Umsatzes im gleichen Zeitraum 2019.

Seit Monaten hatte der Bayerische Brauerbund im engen Schulterschluss mit betroffenen Mitgliedern und fraktionsübergreifend unterstützt durch zahlreiche Abgeordnete des Deutschen Bundestages, aber auch des Landtages und viele Kommunalpolitiker, um die Beseitigung dieser in seinen Augen eklatant ungerechten Behandlung der Brauereigasthöfe gekämpft.

Zuletzt hatte sich auch Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger anlässlich des von ihm initiierten „Brauereigipfels“ Ende Februar an die Seite der Brauer gestellt und namens der Bayerischen Staatsregierung beim Bund dringenden Nachbesserungsbedarf bei den Hilfspaketen angemahnt.

Stiftungsbräu – Helles Vollbier

Kürzlich gab es in meinem Stamm-Getränkemarkt eine Sonderaktion – es gab das Stiftungsbräu aus Erding zum Nulltarif. Die Brauerei hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie geht bis ins Jahr 1691 zurück, als Erding an sechs Bürger das Braurecht verlieh. Im Jahr 1838 wurde die Brauerei vom Gastwirt Joseph Fischer übernommen. 1856 übernahm sein Sohn Friedrich die Brauerei und gründete 1891 Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung. Die Brauerei wurde Teil der Stiftung und heißt seitdem Fischer’s Stiftungsbräu. 1991 wurde die Brauerei geschlossen, dann aber von Erdinger Weißbräu übernommen. Diese bekannte Brauerei führt die Marke bis heute weiter und spendet pro Liter verkauftes Bier einen Cent an die nach wie vor existierende Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung. Mal sehen, wie sich das Bier nun macht.

Golden und kristallklar präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel feinporiger weißer Schaum, der sehr langsam in sich zusammenfällt. Die Optik gefällt mir schon mal.

Das Aroma ist malzig, leicht süß und mit einem Hauch von Heu. Das lässt ein gutes aber typisch bayerisches Helles erwarten.

Der Antrunk ist recht süß und bei der feinperligen Kohlensäure war die Brauerei auch etwas geizig. Mehr Kohlensäure hätte für eine bessere Frische gesorgt. Aber dann dreht das Bier noch auf. Das Bitter kommt durch und ist passend zur Süße portioniert. Damit macht das Bier einen vollmundigen, runden und süffigen Eindruck. Im Abgang zieht sich das Bittere zurück, so dass das Bier in der Kehle erstaunlich mild ist und leider nur kurz nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,1 %

Stammwürze:

11,8° Plato

Brauerei:

Privatbrauerei Erdinger Weißbräu
Werner Brombach GmbH
Erding

für

Fischer’s Stiftungsbäu
Daimlerstr. 5
85435 Erding
www.stiftungsbraeu.de

Craftwerk – Mad Callista

Als ich das Mad Callista erstmals gesehen habe, musste ich erst einmal recherchieren, woher dieser doch etwas merkwürdig anmutende Name stammt. Dass Callista ursprünglich ein Frauenname war, ist mir neu. Noch neuer ist allerdings der Ursprung des Namens dieses Biers aus der Craft Beer-Schmiede der Bitburger-Brauerei. Callista ist eine neue Hopfensorte, die im bayrischen Hüls gezüchtet wurde. Erst im Jahr 2014 begann die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft mit dem Versuchsanbau auf großen Flächen wobei dieser Hopfen auf der ganzen Linie zu überzeugen wusste. Für uns als Konsumenten sind die Aromen dieses Hopfens wichtig, die die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft wie folgt beschreibt: „Aroma der Hopfendolden: hopfig, fruchtig, süße Früchte wie Aprikose und Maracuja, Waldbeeren, Grapefruit, würzig, gemüseartig

Das soll aber genug der Theorie sein; kommen wir zum Bier. Kräftig goldgelb mit einer munteren feinperligen Kohlensäure erstrahlt das Bier im Glas. Darüber entwickelt sich eine üppige strahlend weiße Krone, die durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Das Aroma offenbart einen ganzen tropischen Obstsalat: Ich rieche Zitrusfrüchte, Maracuja, Ananas und grüne Früchte. Die Aromen sind aber so vielfältig, dass sicher jede Nase noch weitere Früchte entdecken wird.

Der Antrunk ist schlank mit feinen und angenehmen Malznoten und einer passend abgestimmten Menge feinperliger Kohlensäure. Sobald sich das Bier im Mund verteilt entwickelt sich ein ganzer Fruchtcocktail tropischer Früchte mit blumigen Noten. Ich bin mir nicht sicher, ob ich schon einmal ein so fruchtiges Bier getrunken habe. Überraschend wenig bitter ist der Abgang, der zum Abschied noch einmal den Geschmack reifer Grapefruits hinterlässt.

Ich glaube, etwas mehr Bitterstoffe würden dem Bier guttun. Aber auch so soft es bei mir für Begeisterung.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Karamellmalz), Hopfen (Callista), Hefe

Alkoholgehalt:

3,9 % Vol.

Stammwürze:

9° Plato

Bittereinheiten:

23 IBU

Brauerei:

CraftWerk Brewing
Bitburger Braugruppe GmbH
Römermauer 3
54634 Bitburg
www.craftwerk.de

Maisel & Friends – Artbeer #1

Jetzt steht mal wieder ein Sondersud von Maisel & Friends vor mir, Artbeer #1 genannt. Das auffällige Etikett wurde von Andreas von Chrzanowski gestaltet, auch als Case Maclaim bekannt. Na ja, bekannt ist wohl relativ. Ich hatte noch nie von ihm gehört, aber immerhin hat er es zu einem eigenen Eintrag auf Wikipedia gebracht. Der Bildausschnitt auf dem Etikett zeigt, wie filigran Case sprayt. Damit passt das Bild gut zu den in der Regel gut komponierten Bieren aus Bayreuth.

Beim Artbeer #1 handelt es sich um ein Hoppy Strong Ale, so dass ich also ein kräftiges, schweres und ordentlich gehopftes Bier erwarte. Mal sehen, wie mir dieses Bier gefällt, bei dem bereits der Name aussagt, dass es sich um das erste einer Reihe handelt.

Golden mit einem ordentlichen Stich ins orange präsentiert sich das Bier im Glas. Dazu kommt eine leichte Hefetrübung, die mich aber noch sehen lässt, dass das Bier recht viel Kohlensäure enthält. Die Schaumkrone ist durchschnittlich groß, dabei aber cremig und mit langer Haltbarkeit. Optisch macht das Bier schon mal einen sehr guten Eindruck.

Das Aroma ist frisch und fruchtig. Düfte nach Zitrusfrüchten, Ananas, Mango und Himbeeren steigen mir in die Nase. Ich kann kaum glauben, dass diese frischen Aromen wirklich mit satten 9,5 Volumenprozenten Alkohol daherkommen. Jedenfalls bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Bereits beim ersten Kontakt des Bieres mit meiner Zungenspitze spiegeln sich die fruchtigen Aromen wider. Die Süße ist angenehm zurückhaltend. Während sich das Bier auf der Zunge verteilt nimmt die Fruchtigkeit noch zu und das Mundgefühl ist cremig und rund. Ich frage mich nur, wo sich denn die 38 Bittereinheiten verstecken. Die verstecken sich offensichtlich irgendwo hinter der ungeheuren Fruchtigkeit der Hopfensorten Mosaic und Citra und sie kommen erst im recht trockenen Abgang wirklich zum Vorschein. Auch der Geschmack des Alkohols meldet sich erstmals im Abgang, wo er aber gut eingebunden ist. Und wo wir schon beim Abgang sind: die Fruchtigkeit klingt noch ellenlang nach.

Das Artbeer #1 hat mich wirklich überrascht und auch überzeugt. Und wie immer gilt bei den Sondersuden: wenn weg dann weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Stammwürze:

19,3° Plato

Bittereinheiten:

38 IBU

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstaße 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Detmolder Kellerbier

Nun habe ich mal wieder ein Bier aus Ostwestfalen-Lippe vor mir stehen, das Detmolder Kellerbier. Es stammt aus der 1863 gegründeten Brauerei Strate, die inzwischen in der fünften Generation in Familienbesitz ist und von den drei Schwestern Renate, Friederike und Simone Strate als geschäftsführende Gesellschafterinnen geführt wird. Friederike Strate war einmal die jüngste Braumeisterin Deutschlands.

Dunkel-rotbraun und hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber bildet sich leicht unterdurchschnittlich viel feinporiger Schaum, weiß mit leichtem Beigestich, der relativ schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma wird durch Röstaromen dominiert, vor allem durch den Duft dunkler Schokolade. Aber auch Vanille sowie einige blumige Noten steigen mir in die Nase.

Der Antrunk ist nur leicht süß und das Malz hält sich diskret zurück. Stattdessen sorgt die sehr feinperlige Kohlensäure für eine angenehme Spritzigkeit. Schnell kommt der Geschmack der dunklen Schokolade dazu, den ich bereits im Aroma festgestellt habe, gepaart mit überraschend vielen Bitterstoffen. Das Mundgefühl dieses Bieres ist nicht wirklich ausgewogen, aber mir gefällt es. Der Abgang ist dann trocken und überraschend mild. Er klingt recht kurz nach, nur ein leichtes Bitter bleibt mir lange erhalten.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Privatbrauerei Strate GmbH & Co. KG
32756 Detmold
www.brauerei-strate.de

BierSelect

Binding – Carolus der Starke

Nach Angaben der Brauerei ist dieser Doppelbock die älteste Bierspezialität aus der Binding Brauerei in Frankfurt. Erstmals ausgeschenkt wurde dieses Bier am 28. Januar 1902, dem Namenstag des Gründers von Frankfurt/Main, dem Namenstag Karls des Großen. Die Brauerei wirbt damit, dass damit eine inzwischen mehr als 100 Jahre alte Tradition der Binding-Brauerei begonnen hat. Allerdings wird dieser Doppelbock ohne Hopfen gebraut, sondern ausschließlich mit Hopfenextrakt. Allerdings wurde Hopfenextrakt erst im Jahre 1968 für das Brauen von Bier zugelassen, so dass sich die heutige Rezeptur dieses Biers doch von der ursprünglichen Rezeptur unterscheiden dürfte. Aber hier geht es nicht um längst getrunkene Biere, sondern um das Carolus von heute. Und dieses Bier will ich nun verkosten.

Dunkelrot, fast schwarz ist das Bier. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge feinporiger hellbrauner Schaum, der recht lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist durch die Röstaromen des Malzes geprägt. Dunkle Schokolade und Espresso kann ich riechen, aber keine Spur von Hopfenaromen. Schade. Etwas Aromahopfen hätte diesem Bier sicher gutgetan.

Der Antrunk ist süß, wobei die kräftige Süße durch die sehr feinperlige Kohlensäure etwas gebändigt wird. Der Körper ist malzig mit dem Geschmack dunkler Schokolade. Dazu kommt ein recht intensives Bitter, aber da sämtliche Aromen des Hopfens fehlen, ist der Geschmack recht unausgewogen. Der Abgang ist dann überraschend mild und die Röststoffe klingen einige Zeit nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

18,4° Plato

Brauerei:

Binding-Brauerei AG
Darmstädter Landstr. 185
60598 Frankfurt
www.binding.de

Tarifrunde Brauwirtschaft 2021: Corona-Pandemie trifft die bayerische Brauwirtschaft schwer

Am 18.03.2021 beginnen die Tarifverhandlungen für die ca. 11.000 Beschäftigten der bayerischen Brauwirtschaft. Die Tarifrunde steht wie alles in dieser Zeit ganz im Zeichen von Corona. Die Pandemie hat die Branche hart getroffen. Die zu ihrer Eindämmung ergriffenen Maßnahmen führen zu schmerzhaften Umsatzverlusten der Brauereien. Existenzangst geht um. Eine Besserung ist nicht in Sicht. Allein im Januar 2021 verloren Bayerns Brauereien im Vergleich zum Vorjahr über ein Viertel ihres Gesamtabsatzes – der stärkste in einem einzelnen Monat je gemessene Rückgang.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert eine Lohnerhöhung von 3,8 % im Gesamtvolumen bei einer tarifvertraglichen Laufzeit von 12 Monaten, um, wie sie schreibt, „Einkommen zu stärken, aber auch um Beschäftigung zu sichern“. Für die Brauereien in München und dessen Umland erwartet sie eine überproportionale Erhöhung der Zulage. Die Ausbildungsvergütungen sollen um EUR 60,00 pro Ausbildungsjahr steigen.

Diese geforderte Tariferhöhung ignoriert nach Ansicht des Bayerischen Brauerbundes, der die Interessen der Arbeitgeber vertritt, die dramatische Situation der Branche. Deren wirtschaftliche Lage hänge ganz entscheidend vom Absatzweg Gastronomie ab – die aber sei seit bald 5 Monaten erzwungenermaßen geschlossen.

Schon sähen Brauereien sich gezwungen, unverkäufliches Fassbier, das sein Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht, zu vernichten. Es gehe, so der Brauerbund, bayernweit um zigtausende Hektoliter. Auch die im vergangenen Jahr gänzlich ausgefallene Festsaison habe in den Büchern der Brauereien tiefe Spuren hinterlassen.

Die Gastronomie, Volksfeste sowie kleine und große Veranstaltungen aller Art seien für die Brauwirtschaft deutlich ertragsstärker als das von einem scharfen Wettbewerb geprägte Geschäft mit Flaschenbier im Handel. Das habe, so räumt Dr. Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Brauerbundes, ein, zwar einen Teil der in der Gastronomie und auf den Volksfestplätzen verlorenen Absatzmengen wettmachen können. Die Umsätze aber seien eingebrochen: „Die Brauereien schreiben rote Zahlen“. Dazu trägt auch ein Einbruch der Bierexporte der bayerischen Brauwirtschaft infolge der Corona-Krise bei. Eilten Bayerns Brauer in den letzten Jahren von einem Exportrekord zum anderen, so mussten sie im vergangenen Jahr ein Export-Minus von 10% hinnehmen. Von den rd. 920.000 hl, die die deutsche Brauwirtschaft 2020 an Exportvolumen verloren hat, stammten 60% aus bayerischen Sudkesseln – rund 54 Mio. Maß!

Bei der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage dürfe zudem nicht übersehen werden, dass auch ausgefallene Miet- und Pachterträge für Gastronomieobjekte die Ergebnisse vieler Brauereien stark belasten, so der Brauerbund in München. Nach einer Lohnerhöhung zu Beginn der Krise im März 2020 sieht er für neuerliche Erhöhungen der Bezüge jetzt keine Spielräume, zumal eine Besserung der Lage sich nicht abzeichne. Um in der Krise überhaupt Arbeitsplätze erhalten zu können, würden viele Brauereien bis heute zum Instrument der Kurzarbeit greifen. Die Sicherung der Arbeitsplätze darf nach Ansicht des Brauerbundes jetzt durch überzogene Erwartungen an die Gehaltsentwicklung inmitten der schwersten Nachkriegskrise der Brauwirtschaft nicht gefährdet werden.

Der Bayerische Brauerbund erwartet daher für seine Mitgliedsunternehmen, dass die anstehenden Tarifverhandlungen dieser äußerst schwierigen Situation Rechnung tragen müssen.