Licorne Black

Nun steht ein Bier aus dem Land der Feinschmecker vor mir, aus Frankreich, genauer gesagt aus dem Elsass. Mal sehen, ob die Franzosen nicht nur Wein keltern, sondern auch ein vernünftiges Bier brauen können.

Dunkel-Rubin ist es das Licorne Black, beinahe schwarz. Es bildet sich recht viel beiger Schaum, gemischtporig und mit recht kurzer Verweildauer auf dem Bier. Optisch bleibt also noch einige Luft nach oben.

Das Aroma lässt sich nur mit süß beschreiben, ich rieche Toffee. Bei der Farbe des Bieres hätte ich einige Röstaromen erwartet, die ich aber absolut nicht feststellen kann. Woher kommt dann die dunkle Farbe? Ein Blick auf die Zutatenliste verrät es: die Farbe stammt aus dem Farbstoff 150c, Zuckercouleur. Auch wenn dieser Farbstoff als gesundheitlich unbedenklich gilt, hat er nach meiner Meinung im Bier doch absolut nichts verloren. Hoffentlich ist der Geschmack besser als das Aroma.

Dem ist leider nicht so. Dieses Bier schmeckt nach – nach was eigentlich? Irgendetwas zwischen Malztrunk und Cola. Meiner Meinung nach ungenießbar. Nach einem Schluck habe ich den Rest der Flasche im Ausguss entsorgt. Ich habe bereits viele Biere verkostet und es waren viele Biere dabei, die mir nicht gefallen haben, aber das Licorne Black ist das erste Bier, das ich als ungenießbar bewerte.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Glucosesirup, Zucker, Farbstoff E 150c, Aromen, Raucharoma, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Brasserie Licorne
60 rue de Dettviller
6700 Saverne
Frankreich
www.brasserielicorne.com

Löwenbrauerei Passau – Urtyp Hell

Nun habe ich ein Bier aus einer regionalen Brauerei in Niederbayern vor mir stehen, das Urtyp Hell aus der Löwenbrauerei in Passau. Dieses Bier wurde mehrfach prämiert, es erhielt den European Beer Star in Gold 2009 + 2010 und wurde 0012 mit World Beer Cup in Gold ausgezeichnet. Ich kann meine Erwartungen also hochschrauben.

In einem intensiven leuchtenden Gold mit einer leicht überdurchschnittlichen Menge Schaum, der auch lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas. Dazu sehe ich reichlich Kohlensäure. Optisch hat die Brauerei also schon mal alles richtiggemacht.

Das Aroma ist durch Karamell und Toffee geprägt. Ich habe hier ein Bier vor mir, das durch das verwendete Malz geprägt ist. Ich erwarte aufgrund des Aromas ein recht mildes Bier.

Der Antrunk ist spritzig und nur leicht süß. Dann kommt der intensive Körper mit seinem Volumen zum Vorschein. Auch hier dominiert das Malz und es sind kaum saure und bittere Noten festzustellen. Bitterstoffe zeigen sich erst im Abgang, aber auch dort mild und sie halten auch nicht allzu lange an.

Das Urtyp hell aus Passau ist ein schönes Bier, das man gut zum Feierabend genießen kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,6° Plato

Brauerei:

Löwenbrauerei Passau AG
94032 Passau
www.loewenbrauerei.de

Erdinger – Pikantus

Nachdem ich vor einigen Tagen einen Weizenbock von Schneider verkostet habe und er mir ausnehmend gut gefallen hat, will ich jetzt gleich ein weiteres Bier diesen Stils testen, wenn auch eines mit einem deutlich niedrigeren Preis. Vor mir steht ein Erdinger Pikantus. Auffällig ist bereits das Rückenetikett, auf dem die Zutatenliste in immerhin sechs Sprachen abgedruckt ist, was darauf hinweist, dass ein recht großer Anteil dieses Biers exportiert wird. Die Zutatenliste enthält auch Röstmalzbier. Das ist eine Zutat, bei der ich immer misstrauisch werde. Nun ist Röstmalzbier (auch Farbebier genannt) nichts per se schlechtes. Schließlich handelt es sich um ein sehr starkes und sehr konzentriertes Bier, so stark, dass es in der Form, in der es an die Brauereien verkauft wird, nicht trinkbar ist. Röstmalzbier ist auch nichts grundsätzlich Schlechtes. Aber da es dazu dient, aus einem Bierstil (in diesem Falle heller Weizenbock) zwei zu machen (in diesem Fall wird aus dem hellen Weizenbock durch eine relativ geringe Menge Röstmalzbier ein dunkler Weizenbock). Röstmalzbier gilt aber Bier, und da ein Verschnitt mehrerer Biere in Deutschland nicht gekennzeichnet werden muss, rechne ich es der Brauerei Erdinger durchaus positiv an, dass sie diesen Trick angibt. Überhaupt die Transparenz. Hier ist Erdinger vorbildlich, ich meine sogar, dass an diesem Punkt übertrieben wird. Dass 100 ml dieses Weizenbiers 0,32 Broteinheiten enthalten ist für Diabetiker noch eine wichtige Information, aber dass in der gleichen Menge Bier 2,0 mg Salz enthalten sind, dürfte für niemanden interessant sein. Aber gut, lieber etwas zu viel als zu wenig. Kommen wir nun zum Bier.

Sehr dunkel Rotbraun und fast blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber relativ wenig feinporiger hellbrauner Schaum, der sich recht schnell auflöst.

Das Aroma wird durch Karamellnoten geprägt, dazu meine ich, den Duft von Trockenpflaumen sowie einige würzige Noten festzustellen.

Beim Antrunk zeigt sich, dass das Bier reichlich feinperlige Kohlensäure enthält, die dem Bier eine angenehme Spritzigkeit verleiht. Außerdem ist das Bier nur wenig süß und enthält deutlich weniger Zucker als ich erwartet hätte. Der Körper präsentiert viele Röststoffe und nur wenig Bitter. Mir fehlt hier etwas Säure. Der Abgang ist dann überraschend mild und der Geschmack bleibt nicht allzu lange enthalten.

Die Brauerei preist das Bier als Aperitif an. Ich meine, dass es dafür noch etwas mehr Aromenvielfalt bieten müsste. Es ist aber sicher kein schlechter Begleiter für einen Grillabend.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Röstmalzbier, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,3 % Vol.

Stammwürze:

16,7° Plato

Brauerei:

Erdinger Weissbräu
Werner Brombach GmbH
85435 Erding
www.erdinger.de

Lemke – Black Rye IPA

Die Brauerei Lemke aus Berlin beschreibt diesen Bierstil so: „Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entwickelten die Engländer mit dem dunklen, röstmalzbetonten Porter das erste Bier nach heutiger Brauart. Das nahmen sie auch mit auf ihre Reise nach Nordamerika, wo Roggen (Rye) das erste Brau-Getreide war, das die Auswanderer anbauten. Als schließlich 100 Jahre später mit dem IPA das erste helle und stark hopfenbetonte Bier das Licht der Welt erblickte – und seinen großen Siegeszug antrat, lag es nahe, beide Bierstile zu vereinen, das Black Rye IPA war geboren.“ Mit dem Black Rye IPA von Lemke steht also ein traditioneller Bierstil vor mir und ich will jetzt mal feststellen wie er mir so gefällt.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier. Darüber bildet sich ein ordentlicher fester mittelbrauner Schaum, der nur langsam in sich zusammenfällt. Optisch gibt es an diesem Bier schon mal nichts auszusetzen.

Das Aroma überrascht mit seiner Komplexität. Anfangs dominieren fruchtige Aromen nach Ananas, Melone und der Süße getrockneter Feigen. Etwas später wagen sich auch Düfte nach Pumpernickel und Schokolade an die Oberfläche. Es lohnt sich also, der Nase mehr als einen Versuch zu gönnen.

Der Antrunk ist durch die Süße des Malzes geprägt, die durch die extrem feinperlige und sanfte Kohlensäure sowie den Noten nach Roggen umschmeichelt wird. Dabei ist das Bier überraschend frisch. Schnell kommt die Fruchtigkeit in den Vordergrund und die Aromen, die die Nase bereits festgestellt hat, spiegeln sich auf der Zunge wider. Ich frage mich nur, wo sich die 65 Bittereinheiten verstecken. Ein gewisses Bitter spielt beim Geschmack mit, aber irgendwie hätte ich ja mehr erwartet. Insgesamt produziert das Black Rye IPA ein angenehmes, rundes und samtiges Mundgefühl. Im Abgang lässt die Süße nach und macht einem fruchtigen und freundlichen Bitter mit sehr langem Nachklang Platz.

Die Brauer haben in Berlin ein Bier kreiert, an das ich mich glatt gewöhnen könnte.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Caraaroma, Carafa), Roggenmalz, Hopfen (Cascade, Amarillo, Galaxy), Hefe

Alkoholgehalt:

7,2 % Vol.

Stammwürze:

18,5° Plato

Bittereinheiten:

65 IBU

Brauerei:

Brauerei Lemke GmbH
Dircksenstr., S-Bahnbogen 143
10178 Berlin
www.lemke.berlin

Ename – Blond

Seit mehr als 460 Jahren beherbergt Oudenaarde die Brauerfamilie Roman, die die Brautradition vom Vater zum Sohn vererbt. Offiziell begann die Geschichte der Brauerei im Jahre 1545, was Roman zur ältesten Familienbrauerei Belgiens macht. Oudenaarde liegt im Zentrum der flämischen Ardennen und ist bekannt für seine braunen Biere. Es war das Grundelement, auf dem die Brauerei bis 1945 ihren Ruf begründete. Mit der Einführung von Romy Pils wurde eine neue Expansionsphase für die römische Brauerei eingeleitet und das Segment Pils zum zweiten wichtigen Standbein. Das machte Roman zu einem wichtigen Akteur für die Gastronomie der Region. Die achtziger Jahre waren der Beginn der obergärige Biere mit Nachgärung in der Flasche. Mit dieser neuen Technik erreichte Roman auch ein neues Qualitätsniveau. Schließlich hat die Brauerei in den letzten 30 Jahren eine ganze Reihe belgischer Biere mit unterschiedlichen Geschmacksrichtungen und Farben entwickelt.

1990 war ein wichtiges Jahr für die Brauerei Roman, als sie ein triumphales Trio von Abteibieren gründeten: Ename Blond, Dubbel und Tripel. Der Start fiel mit einem Open-Air-Spektakel zwischen den Klosterruinen zusammen. Das Ename Blond war vielleicht das beliebteste dieser drei Biere. Und dieses Bier steht jetzt vor mir, darauf wartend, verkostet zu werden.

Bereits die Optik dieses hellgoldenen Bieres besteht aus Superlativen: es enthält sehr viel agile Kohlensäure und es bildet sich eine sehr voluminöse Krone aus festem Schaum, der auch sehr lange erhalten bleibt.

In der Nase zeigt sich eine deutliche Fruchtigkeit. Neben dem Aroma des Malzes kann ich einen Hauch Ananas sowie etwas weißen Pfeffer riechen.

Der allererste Eindruck beim Kontakt dieses Bieres mit der Zunge ist eine kräftige Süße, aber durch die ordentlich dosierte Kohlensäure wirkt es doch wirklich frisch. Schnell gesellt sich eine kräftige Fruchtigkeit dazu. Der Geschmack nach Zitrone, Mandarine und Orange kommt in den Vordergrund, während die Süße in die zweite Reihe zurücktritt. Der trockene Abgang ist durch ein sehr mildes Bitter geprägt; trotzdem klingt er lange nach.

Alles in allem ein robustes, aber dennoch leichtes Bier mit einem schönen, trockenen und anhaltenden Abgang. Das Ename Blond ist Durstlöscher und Degustationsbier in einem. Erfrischend, leicht, aber mit viel Komplexität.

Nicht umsonst hat dieses Bier im Jahr 2014 zwei Auszeichnungen errungen:

  • Brussels Beer Challenge – Bronze Abbey Style
  • World Beer Challenge – Silver – Belgian Style Abbey Ale

Alkoholgehalt:

6,6 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Roman
Hauwaart 105
9700 Oudenaarde
Belgien
http://www.roman.be/

Leikeim – Steinbier

Steinbier gehört zu den seltenen Bierspezialitäten. Es wird mit obergäriger Hefe gebraut. Dabei handelt es sich vermutlich um die älteste Braumethode. Da es keine Metallgefäße gab, war das indirekte Kochen die einzige Möglichkeit, große Wassermengen zu kochen. Dafür wurde ein Loch in der Erde ausgehoben, mit Steinen ausgekleidet und mit Holz aufgefüllt. Das Holz wurde entzündet und es wurden Steine daraufgelegt, die sich durch das Feuer auf bis zu 1000° C erhitzten. Die heißen Steine wurden mit Zangen in die Bierwürze gegeben und diese dadurch zum Kochen gebracht. Durch die Hitze öffneten sich in der Oberfläche der Steine Poren, in denen der Malzzucker karamellisierte. Auf diese Weise erhält das Steinbier seinen karamellartigen und leicht rauchigen Geschmack. Heute wird Steinbier in Franken, Baden-Württemberg und Salzburg gebraut. Heute steht vor mir das Steinbier von Leikeim in Altenkunstadt in Franken. Mal sehen, wie es sich so macht.

Die Brauerei verspricht schon mal viel. Die für das Bier verwendete Gerste wurde in Franken angebaut und auch regional gemalzt. Die Aroma-Hopfen stammen aus Spalt und der Hallertau. Das Wasser kommt aus dem betriebseigenen Brunnen und die Hefe wird in der eigenen Reinzuchtanlage gezüchtet. Wir können uns also auf ein Bier freuen, das einzigartig ist.

Schon optisch macht das Bier einen hervorragenden Eindruck. Bernsteinfarben mit einer großen weißen cremigen Schaumkrone präsentiert es sich im Glas. Der Schaum bleibt auch lange erhalten.

Das Aroma wird durch Karamell dominiert; das Bier dürfte also recht süß sein. Die Hopfennoten bleiben diskret im Hintergrund und sind kaum festzustellen. Aber gut, die Karamellisierung ist ja ein Merkmal des Steinbiers.

Wie erwartet ist der Antrunk recht süß, was zusammen mit der sehr feinperligen Kohlensäure aber durchaus angenehm ist. Überhaupt bleibt das Karamell die wichtigste Geschmacksnote. Auf der Zunge kommt noch eine leichte Fruchtigkeit dazu. Erst im Abgang kommt erstmals ein leichtes angenehmes Bitter zum Vorschein, das aber nur kurz nachklingt.

Das Leikeim Steinbier ist ein sehr angenehmes Bier für alle, die sehr milde Biere mögen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Brauerei:

Brauhaus Leikeim
Gewerbegebiet 4
96264 Altenkunstadt
www.leikeim.de

Berliner Schnauze

Bereits seit dem Jahr 2001 braut Schoppe Bräu in Berlin individuelle Biere. Die Brauerei hat damit also bereits einige Jahre vor dem Beginn des Craft Beer-Booms begonnen. Aus diesem Produkt-Portfolio steht jetzt die Berliner Schnauze vor mir, ein dunkles Lager, ein untergäriges Bier, das mit Pilsener-Hefe gebraut wurde. Schoppe beschreibt das Bier wie folgt: „Süffiges röstmalzbetontes Dunkles. Schnoddrig aber herzlich. Für Laubenpieper und andere Vögel.“ Na gut, dann wollen wir mal sehen, ob das so stimmt.

Auf jeden Fall sieht das Bier schon mal gut aus. Dunkelbraun ist es mit einer leicht überdurchschnittlichen Menge beigen feinporigen Schaums, der recht lange erhalten bleibt.

Wie ich es erwartet habe, duftet das Bier intensiv nach Schokolade, dazu nach roten Früchten sowie leicht nach Cognac und Rauch. So macht es richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, wobei die feinperlige Kohlensäure das Bier spritzig macht und ihm eine frische Note verleiht. Schnell schieben sich die Röststoffe mit dem Geschmack nach Kaffee in den Vordergrund. So viel Malz die Brauerei verwendet hat, so sparsam ist sie mit dem Hopfen umgegangen. Dass das Bier damit nur wenige Bitterstoffe enthält und auch nicht sonderlich komplex ist, hat die Brauerei vermutlich so gewollt. Der Abgang bringt Noten dunkler Schokolade mit sich und er ist ebenfalls nur wenig bitter. Trotzdem klingt der Geschmack lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Münchner, Pilsner, Melanoidin, Carafa), Roggenmalz (Cara Roggen), Hopfen (Herkules, Spalter Select), Hefe

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Stammwürze:

15,5° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Pfefferbräu
Schönhauser Allee 176
10119 Berlin
www.schoppebraeu.de

Brand – Dubbel Bock

Der Doppelbock, der jetzt bei mir auf seine Verkostung wartet, wird von der Brauerei Brand als Herbstbier angepriesen. Ich hoffe aber, dass das Bier auch jetzt im Vorfrühling gefallen kann. Ich bin aber ganz optimistisch, da das Bier bei der Brussels Beer Challenge 2020 einen ersten Platz abgeräumt hat. Dann will ich mal gleich mit der Verkostung beginnen.

Rubinrot und gefiltert läuft das Bier aus Wijre im süd-niederländischen Limburg ins Glas. Die mittelbraune sahnige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt lange erhalten. An der Optik gibt es schon mal nichts zu meckern.

Das Aroma ist recht süß, was aber zu den Düften nach Karamell und Trockenpflaumen passt. Da bin ich doch mal gespannt auf den ersten Schluck.

Wie erwartet ist auch der Antrunk süß. Das ist für ein Doppelbock ja normal und war daher zu erwarten, aber ich hätte mir doch etwas mehr Kohlensäure gewünscht, die noch ein wenig Frische mitgebracht hätte. Die Süße bleibt auch auf der Zunge erhalten und die Aromen spiegeln sich im Mund wider. Eine leichte Säure gesellt sich dazu. Das Mundgefühl ist schwer und weich und der Alkohol wirkt wärmend. Der Abgang ist überraschend mild und kaum bitter. Jetzt brennt der Alkohol leicht in der Kehle. Obwohl das Bitter nur sehr zurückhaltend ist, klingt es doch einige Zeit nach.

Zutaten:

Natürliches Mineralwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Brauerei:

Brand Bierbrouwerij
Brouwerijstraat 2-10
Wijlre
Niederlande
www.brand.nl

Schneider Weisse – TAP3 – Mein Alkoholfrei

Langsam kündigt der Mai an, sich von seiner schönen Seite zu zeigen, um seinem Ruf als Wonnemonat gerecht zu werden. Da passt es doch, dass nun wieder einmal die Verkostung eines alkoholfreien Biers ansteht, des TAP3 Mein Alkoholfreies von Schneider Weiße. Nicht umsonst haben besonders die alkoholfreien Weizenbiere ihren Ruf, nach sommerlichen Aktivitäten die durch den Schweiß verlorengegangenen Reserven des Körpers wieder aufzufüllen. Das Problem ist bei vielen alkoholfreien Bieren aber der Geschmack. Da Alkohol ein Geschmacksträger ist, leidet beim Entzug des Alkohols auch der Geschmack, weshalb viele alkoholfreie Biere recht wässrig schmecken. Ich kenne nur wenige alkoholfreie Biere, die ich mit gutem Gewissen empfehlen kann. Der Brauerei Schneider würde ich es aber zutrauen, ein gutes alkoholfreies Weizenbier zu brauen. Darin bestärkt mich auch die Stiftung Warentest, die das TAP3 im Mai 2010 als bestes alkoholfreies Weißbier ausgezeichnet hat. Gleich werde ich wissen, ob ich der Brauerei zu viel zugetraut habe.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Beim Einschenken bildet sich sehr viel fester weißer Schaum, der sehr langsam in sich zusammenfällt. Es ist also sinnvoll, das Bier langsam einzuschenken und dabei das Glas schiefzuhalten, sonst kann sich der Konsument auf eine lange Wartezeit einstellen, bis sich der Schaum aufgelöst hat. Aber optisch ist an dem Bier nichts auszusetzen und wenn der Geschmack so gut ist wie die Optik…

Das Bier duftet angenehm nach Getreide, nach Banane, Hefe und Honig. Dann ist da noch ein leichtes anderes Aroma, es könnte sich um den Duft gekochter Maiskolben handeln. Ungewöhnlich, aber nicht schlecht. Da bekomme ich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch und nicht zu süß. Leider enthält das Bier nur relativ wenig Kohlensäure, die dafür aber recht feinperlig ist. Keinesfalls sprudelt das Bier auch nur annähernd so kräftig wie auf der Abbildung auf der Produktseite in Schneiders Website. Aber eines lässt sich nicht abstreiten – der Antrunk ist schon mal sehr angenehm. Aber dann verteilt sich das Bier im Mund. Es ist ausgeglichen und mild, aber leider auch ohne Ecken und Kanten, daher ohne Charakter. Wie bei den meisten alkoholfreien Bieren wird der Geschmack etwas dünn. Auch der Abgang ist sehr neutral, mit wenig Bitter und praktisch ohne Nachklang.

Dieses Bier ist nicht schlecht, aber wenn ich es noch einmal trinke, als ersten Durstlöscher, bevor ich zu einem anderen Weizen übergehe.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Gärungskohlensäure, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 %

Stammwürze:

6,5 %

Brauerei:

Schneider Weisse
G. Schneider & Sohn GmbH
93309 Kelheim
https://schneider-weisse.de

Green Betty

Das Brauhaus Gusswerk ist eine innovative Symbiose aus Bierausschank und Brauerei, ein Ort für Genuss, Kommunikation und Gemütlichkeit. Initiator dieses einzigartigen Projektes ist der Salzburger Reinhold Barta, Braumeister aus Leidenschaft. Nach über zehn Jahren Bio-Brauerfahrung verwirklichte er 2007 seine Bio-Brauerei im Salzburger „Gusswerk“, wo auf über 40.000 m2 zahlreiche renommierte Firmen ihr Zuhause gefunden haben. Reinhold Bartas Ziel ist es, nachhaltig und biologisch-dynamisch produziertes Bier in Österreich salonfähig zu machen. Als er die Pläne des „Gusswerks“ sah, war ihm sofort klar: „Hierher gehört meine Brauerei.“ Das Bier sollte aus der Kraft des Ursprungs geschöpft werden, natürlich mit rein biologischen Zutaten und alten, naturbelassenen Herstellungsverfahren, die den Kreis der Natur widerspiegeln. Deswegen braut der Braumeister nach biologisch-dynamischen Demeter-Richtlinien.

Mit der Green Betty hat Reinhold ein Bier kreiert, das einem Rezept aus der Zeit nachempfunden wurde, als Hopfen noch nicht bei der Bierherstellung verwendet wurde. Damals wurden zum Brauen unterschiedliche Kräuter verwendet. Für die Green Betty wurden neben zwei Hopfensorten auch Wermut, Grundrebe, Giersch und Mädesüß verwendet. Im Jahr 2009 errang dieses Bier den zweiten Platz bei der österreichischen Staatsmeisterschaft der Kleinbrauereien.

Schwarz ist sie, die Betty. Dabei ist sie fast blickdicht, nur gegen das Licht gehalten schimmert etwas Rubinrot durch. Ich sehe reichlich Kohlensäure, die für eine durchschnittlich große hellbraune Schaumkrone sorgt. Der Schaum ist größtenteils feinporig, fällt aber relativ schnell in sich zusammen.

Das Aroma wird durch die Röststoffe des Malzes dominiert. Düfte nach Schokolade und Nüssen steigen mir in die Nase, begleitet von Kräuteraromen und einen leichten sauren Duft. Damit ist das Aroma ungewöhnlich, aber wirklich nicht schlecht.

Der Antrunk ist recht süß und der Schokoladengeschmack harmonisiert gut mit der sanften Kohlensäure. Dieser Geschmack verliert aber schnell an Dominanz und wird durch die Noten der verwendeten Kräuter ergänzt. Jetzt macht das Bier einen nicht ganz ausgewogenen Eindruck. Der Abgang ist sehr mild, ich schmecke nur wenige Bitterstoffe, dafür kommen die Kräuternoten in den Vordergrund. Der Geschmack nach Schokolade ist dezent, klingt aber trotzdem lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, Kara Dunkel, Röstmalz), Wermut, Gundlrebe, Giersch, Mädesüß, Hopfen (Mühlviertler Malling, Tettnanger Aroma), Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,6° Plato

Bittereinheiten:

23 IBU

Brauerei:

Brauerei Gusswerk
Römerstraße 3
5322 Hof bei Salzburg
Österreich
www.brauhaus-gusswerk.at