Klüvers – Alkoholfreies Weizen

Bis in die 1980er Jahre war Weizenbier eigentlich nur in Bayern bekannt. Dann machte es sich aber auf, ganz Deutschland zu erobern und besonders in den Sommermonaten erreichen die Weizenbiere in den Biergärten einen erheblichen Marktanteil. Jetzt steht ein Weizenbier aus Schleswig-Holstein vor mir, das aus der Braumanufaktur Klüvers in Neustadt/Holstein stammt. Dort betreibt die Familie Klüver seit dem Jahr 1993 in der alten Fischhalle das Neustädter Brauhaus, in dem es neben einer regional geprägten Brauhausküche auch neun ständige Biersorten sowie einige saisonale Sondersude zu verkosten gibt. Ein Besuch lohnt sich sicher. Jetzt steht das erste Bier aus der Braumanufaktur vor mir, das alkoholfreie Weizen.

Strohgelb und kräftig hefetrüb zeigt sich das Bier im Glas. Beim Einschenken bildet sich sehr viel weißer cremiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch hat Braumeister Steve Michalak schon mal alles richtiggemacht.

Das Aroma überrascht mich, ja, es irritiert mich sogar etwas. Eigentlich hatte ich einen fruchtigen Duft nach Malz, Banane und eventuell noch anderen Südfrüchten erwartet. Aber wonach duftet dieses Weizenbier? Die zweite Nase bringt es an den Tag: dieses Bier duftet intensiv nach Weizen, genauer gesagt nach frisch gemahlenem Weizenmehl. Ungewohnt, überraschend, aber wirklich gut. Hoffentlich kann das Bier diesen Eindruck auch weiter durchhalten.

Der Antrunk ist kaum süß und auch die Fruchtigkeit hält sich vornehm im Hintergrund. Wie beim Aroma steht auch hier eine kräftige Getreidigkeit im Vordergrund. Dazu kommen der sanfte Geschmack der Hefe und schnell auch eine leichte Bitternote. Insgesamt ist das Bier vollmundig, süffig und ausgewogen, aber mit einem eigenen Charakter. Der Abgang ist fruchtig und nur leicht bitter, klingt aber überraschend lange nach.

Dieses Weizenbier ist absolut anders als ich es erwartet hatte, aber es ist in seiner Unverwechselbarkeit wirklich gut.

Zutaten:

Brauwasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, HopfenHopfenextrakt,  Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

12,5°Plato

Brauerei:

Klüvers Delikatessen
Manufaktur GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.kluevers.com

BierSelect

Sierra Nevada – Torpedo Extra IPA

In der Regel bevorzuge ich ja Biere aus kleinen Brauereien, die ihr Bier in der jeweiligen Region vertreiben. Jetzt gehe ich aber mal wieder fremd und teste ein Bier aus den USA, das Sierra Nevada Torpedo Extra IPA. Mal sehen, wie sich das Bier so schlägt und ob es auch einem europäischen Gaumen gefällt.

Bernsteinfarben steht das Bier im Glas. Es enthält etwas Hefe, nicht so viel wie ein europäisches naturtrübes Bier, aber immerhin. Darüber steht eine durchschnittliche Menge feinporiger elfenbeinfarbener Schaum, der lange erhalten bleibt. Ich stelle fest, dass das Bier recht wenig Kohlensäure enthält.

Das Aroma ist nicht so intensiv wie bei deutschen IPAs, dafür aber recht komplex. Ich stelle Zitrusfrüchte, Toffee, geröstete Nüsse und Gewürze fest. Mir hat ein Biersommelier erklärt, dass die USA im Züchten von Hopfensorten deutlich weiter sind als die deutschen Hopfenbauern. Dieses Bier könnte durchaus der lebende Beweis für diese Aussage sein.

Der Antrunk präsentiert sich angenehm mit geringer Süße. Dafür bemerke ich, dass das Torpedo mehr Kohlensäure enthält als zu sehen war. Die Kohlensäure ist extrem feinperlig und verleiht dem Bier eine ungeahnte Frische. Ich denke spontan, dass die deutschen Brauer noch etwas üben müssen, um zu einer so feinen Kohlensäure zu kommen. Der Körper enthält weniger Säure als deutsche IPAs, dafür dominieren die bitteren Noten. Das Bittere dominiert auch den Abgang, aber der Geschmack lässt recht schnell nach.

Ich mag dieses Bier, aber eventuell habe ich den Fehler gemacht, dieses IPA zu sehr mit dem deutschen Pendent zu vergleichen. Vermutlich muss ich in Zukunft das amerikanische IPA als eigenen Bierstil betrachten, dieses Bier unterscheidet sich jedenfalls recht deutlich von den PIAs, die ich aus Deutschland kenne.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,2 % Vol.

Stammwürze:

17,0° Plato

Brauerei:

Sierra Nevada Brewing Co.
Chico,CA & Mills River NC.
USA
www.sierranevada.com

Einbecker – Ainpöckisch Bier 1378

Das Ainpöckisch Bier 1378 ist ein weiteres Bockbier aus Einbeck. Im Gegensatz zu den anderen Bockbieren dieser Brauerei enthält dieses Bier Hefe. Da auch die klaren Böcke aus Einbeck mir gut gefallen haben und da mit der Hefe auch Geschmacksstoffe aus dem Bier entfernt werden, erwarte ich hier ein wirklich geschmackvolles Bier. Das Ainpöckisch Bier, das im Jahr 1378 erstmals urkundlich erwähnt wurde, wird nach Angaben der Brauerei nach traditioneller Rezeptur gebraut, ist unfiltriert und hopfenbetont. Zu Zeiten der Hanse war Ainpöckisch Bier im gesamten Hanseraum begehrt und selbst Martin Luther lobte 1521: „Der beste Trank, den einer kennt, wird Ainpöckisch Bier genennt.“ Na, dann wollen wir mal. Vor dem Öffnen der Flasche müssen wir diese aber erst einmal etwas schütteln, da sich die Hefe am Boden abgesetzt hat und sich erst einmal wieder mit dem Bier vermischen muss, damit wir in den vollen Genuss dieses Bieres kommen.

Hell bernsteinfarben und hefetrüb ist das Ainpöckisch, die Krone ist leicht überdurchschnittlich hoch und sehr feinporig. Sie bleibt sehr lange erhalten.

Das Bier duftet würzig, leicht süß und nach Hefe. Halt so, wie ein gutes Bockbier riechen soll, die einzige Besonderheit ist der Duft der Hefe.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß und das Bier enthält eine gute Menge feinperliger Kohlensäure. Der Körper ist sehr vollmundig. Zur Süße kommt jetzt etwas der Geschmack der Hefe sowie ein leichtes Bitter. Das Bier macht einen wirklich ausgewogenen Eindruck. Im Abgang nimmt das angenehme Bitter zu und der Geschmack klingt lange nach.

Zu dem Bier passen Schmorbraten, Wild und Frikadellen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,7 % Vol.

Stammwürze:

16,4 %

Brauerei:

Einbecker Brauhaus AG
Papenstr. 4-7
37574 Einbeck
www.einbecker.de

BierSelect

Zombräu – Motor Oil

Craftbeer-Revolution beschreibt Zombräu so: „Zombräus Mission ist es, der Welt zu zeigen, was Bier alles kann. Niemals aufhören zu experimentieren und niemals aufhören sich zu verbessern. Bier ist für die beiden Brauer Tobi und Basti keine Massenware. Für sie ist Bier so kompliziert und einzigartig, wie das Leben selbst. Und sie wollen dafür sorgen, dass das auch so bleibt.“ Ich habe die beiden Brauer vor einiger Zeit in Bayreuth kennengelernt und kann diese Aussagen nur bestätigen. Jetzt steht das Motor Oil vor mir, ein Imperial Stout, das auf dem Etikett ein Versprechen gibt: „Guaranteed Satisfaction“. Ein hoher Anspruch, von dem ich hoffe, dass dieses Bier ihn erfüllt.

Blickdicht schwarz ist das Bier, mit einer durchschnittlichen Menge mittelbraunen feinporigen Schaums, der lange erhalten bleibt. Optisch ist an dem Motor Oil nichts auszusetzen.

Das Bier duftet nach Espresso, Schokolade und Karamell, unterstützt durch einen Hauch Vanille. Das macht schon mal Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist nicht allzu süß und durch die sehr feinperlige Kohlensäure wunderbar frisch. Damit entspricht das Bier nicht meinen Erwartungen, sondern es überrascht mich. Die Überraschung ist aber durchaus positiv. Langsam entwickelt sich aber eine samtige Süße zusammen mit dem Geschmack nach Espresso und Karamell, unterstützt durch ein ordentliches Bitter. Jetzt ist das Bier vollmundig und wärmend, auch der Alkoholgehalt von 7,5 Volumenprozent passt sich gut in das Geschmacksbild ein. Das Bier geht runter wie Öl. Im Abgang kommt die Schokolade mit einem langen Nachklang in den Vordergrund.

Das Motor Öl ist einfach ein tolles Bier, das zu vielen Desserts und anderen Süßspeisen passt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmal (Pilsener Malz, Caraamber, Caraaroma, Röstmalz, Chocolate Malt), Hopfen (Nugget), Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

19° Plato

Bittereinheiten:

45 IBU

Brauerei:

Zombräu
Obere Sendlbachstr. 19
84051 Mirskofen
www.zombraeu.com

Alpirsbacher – Kloster Starkbier

Auf dieses Bier bin ich besonders gespannt. Aus der Alpirsbacher Brauerei kommen eher milde Biere, bei denen die Brauer eher mit dem Malz experimentieren (und das mit wirklich gutem Ergebnis) und bei denen der Hopfen eher dezent eingesetzt wird. Wie passt das mit einem Starkbier zusammen? Das werde ich bei dieser Verkostung versuchen zu ergründen. Das Etikett verrät mir, dass das Bier ausschließlich mit Naturhopfen gebraut wurde, ansonsten enthält es keine erwähnenswerten Fakten. Dann kann ich ja mit der Verkostung beginnen.

In einem intensiven leuchtenden Goldgelb präsentiert sich das Bier. Abgerundet wird das Bild durch den weißen feinporigen Schaum, der auch einige Zeit erhalten bleibt. Mir fällt auch die große Menge Kohlensäure auf.

Das Aroma ist bestechend vielfältig. Karamelldüfte mischen sich mit Trockenfrüchten und Honig. Das macht wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist bereits geschmacksintensiv und spritzig. Der Körper fällt durch einen intensiven süßen Malzgeschmack auf, dabei ist er rund, obwohl er kaum Bitternoten und auch keine Säure erkennen lässt. Das Bittere kommt erst im Abgang intensiv zum Vorschein, die Bittertöne bleiben aber sehr angenehm und der Geschmack bleibt auch lange erhalten.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,3 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Brauerei:

Alpirsbacher Klosterbräu
72275 Alpirsbach
http://www.alpirsbacher.de

Braumanufaktur – Hell

Seit Mai 2007 arbeitet die Braumanufaktur in Potsdam ausschließlich mit biologischen Zutaten. Glückwunsch zum zehnjährigen Jubiläum! Aber das kleine Unternehmen setzt auch auf absolute Transparenz. Daher sind die meisten Biere mit eine Bio-mit-Gesicht-Nummer ausgestattet, über die der Konsument erfahren kann, wer die Rohstoffe für das Bier erzeugt hat. Bei so viel Transparenz können wir wohl mit Fug und Recht davon ausgehen, dass die Brauer mit den Zutaten auch sorgfältig umgehen. Das beschreibt das Team in Templin auf seiner Website wie folgt: „Im Gegensatz dazu kann es bei den Schnellgärverfahren der Großbrauereien, die bei höheren Temperaturen erfolgen, um die Gärzeiten zu verkürzen, zu mehr Fuselalkoholen und damit auch zu sogenannten „Kopfschmerzbieren“ kommen. Hergestellt werden unsere Bio-Biere mit zertifizierten Rohstoffen mit dem Naturland und dem Öko-Kontrollsiegel. Unser Ziel war es, möglichst Rohstoffe aus einheimischer Produktion einzusetzen, aber zurzeit gibt es in Brandenburg keinen Hersteller von ökologisch erzeugtem Hopfen. Für den Braugerstenanbau ist es uns gelungen, einen Brandenburger Bauern zu gewinnen, so das in absehbarer Zeit unser Bier mit einheimischem Braugerstenmalz eingebraut wird. Das aus der Brandenburger Gerste erzeugte Malz beziehen wir von der Firma Rhön-Malz GmbH und den ökologisch erzeugten Hopfen aus Bayern von einem Bioland-Bauern.“

Aber kommen wir zum Bier. In hellem Gelb und leicht hefetrüb präsentiert es sich im Glas. Darüber bildet sich viel sahniger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik ist also nahezu perfekt.

Der Antrunk ist recht süß, aber angenehm. Halt so, wie ich es von einem guten Hellen erwarte. Allerdings enthält das Bier recht wenig Kohlensäure. Etwas mehr würde dem Bier noch mehr Frische verleihen. Schnell gesellt sich noch ein recht kräftiges Hopfenbitter hinzu. Da das Bier nur sehr wenig Säure enthält ist es nicht wirklich ausgewogen, aber es ist süffig und mit Charakter. Der Abgang ist erstaunlich mild und wenig bitter. Er klingt mittellang nach.

Das Helle der Braumanufaktur wird sicher nicht mein Lieblingsbier, aber es eignet sich gut als Begleiter zum Essen oder auch für einen Abend mit Freunden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Naturdoldenhopfen

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Stammwürze:

11,8 %

Brauerei:

Braumanufaktur
Köhler & Kirchhoff GbR
Templiner Str. 102
14473 Potsdam
www.braumanufaktur.de

Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan zieht Pandemie-Bilanz

Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan zieht nach einem Jahr Corona-Pandemie Bilanz. Am 22. März 2021 jährt sich der Beginn der ersten Lockdown-Phase und lässt die Brauerei auf ein Jahr der Extreme zurückblicken. Nicht nur für die Bevölkerung, das Gesundheitswesen und viele Unternehmen war es ein Jahr mit ständig wechselnden Rahmenbedingungen, die ein hohes Maß an Flexibilität verlangten, sondern auch für die deutsche Brauwirtschaft, die durch abgesagte Veranstaltungen und die geschlossene Gastronomie vor einer Herausforderung stand, wie es sie noch nie gab. Die älteste Brauerei der Welt gibt Einblicke, wie sich die Corona-Pandemie ausgewirkt hat und wie sie die Situation auf dem regionalen, nationalen und internationalen Markt gemeistert hat und weiterhin meistern wird.

Das Jahr 2020 begann, wie für viele andere Brauereien in Bayern, mit einer wichtigen Entscheidung. Das traditionelle Starkbierfest im Weihenstephaner Bräustüberl auf dem Berg war bis ins Detail vorbereitet, die Gäste eingeladen, als die ersten Fälle bekannt wurden. Nach ausführlichen Besprechungen entschied sich die Brauerei als Vorsichtsmaßnahme für die Absage der Veranstaltung. „Wie sich gezeigt hat, war das die einzig richtige Entscheidung, auch die Gäste, die natürlich gerne mit uns gefeiert hätten, waren im Nachhinein sehr froh darüber“, blickt Prof. Dr. Josef Schrädler, Direktor der Bayerischen Staatsbrauerei Weihenstephan, auf den Beginn der Pandemie zurück. Danach überschlugen sich die Ereignisse, auf die Weihenstephan sehr schnell mit einem umfassenden Maßnahmenpaket reagierte, wie Dr. Schrädler berichtet: „Unseren Markenbotschafter Matthias Ebner mussten wir mit einem der letzten Flüge von Australien nach Hause holen. In der Brauerei mussten wir innerhalb kürzester Zeit reagieren. Die Mitarbeiter wurden, wo es möglich war, ins Homeoffice geschickt, ein detailliertes Hygienekonzept wurde ausgearbeitet und für jeden Mund-Nasen-Schutzmasken verteilt. Zudem haben wir an der Büroaufteilung gearbeitet, um die Risiken soweit es geht zu minimieren. Damit sind wir bis heute gut gefahren.“

Der erste Lockdown von Ende März bis Mitte Mai hat für sehr hohe Verluste gesorgt, da die Umsätze auf dem regionalen und nationalen Markt durch die Schließung der Gastronomie komplett weggebrochen sind. Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan liefert ihre Bierspezialitäten in über 50 Länder weltweit, daher war der Export in Abstimmung mit der Produktion und Logistik stark gefordert, die internationale Lage zu beobachten und schnell zu reagieren. „In unserer Produktion mussten wir in dieser Zeit flexibel sein, Bestellrhythmen gab es einfach nicht mehr. Vorher konnte man sich zu einem gewissen Grad darauf einstellen, welches Land wann und wie viel bestellt. Jetzt mussten wir kurzfristig reagieren und ohne unser Logistikzentrum und die damit verbundenen Lagermöglichkeiten wäre dies nicht möglich gewesen. Und beim Bier ist es ja so, dass es auch eine gewisse Zeit zum Reifen braucht. Und das Wichtigste: Die Qualität muss trotz allen Umständen stimmen“, legt Schrädler die Situation dar.

Ein heller Lichtblick

Trotz Corona-Pandemie und Lockdown wurde wie geplant im Mai 2020 eine Neuheit vorgestellt. Nach über einem Jahr Entwicklungszeit präsentierte die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan eine weitere untergärige Bierspezialität: ein harmonisch ausbalanciertes Helles mit ausgewogenem, aber schlankem Malzkörper und elegantem Hopfenaromaprofil. Die Markteinführung im Mai war für die Brauerei genau richtig: „Wir bewegten uns auf das Ende des ersten Lockdowns zu, es war eine positive Stimmung zu spüren. Und dann war’s auch ein bisserl glücklich, dass wir ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt mit allem fertig wurden. Klar ist so eine Entscheidung immer mit einem Risiko verbunden, aber das Bier wurde und wird super angenommen. Eine Punktlandung und eine Erfolgsgeschichte. Insgesamt konnten wir ein Wachstum von 30 Prozent im Handel verzeichnen“, berichtet Dr. Schrädler. Die nach wie vor ungebrochene Nachfrage nach der neuen Bierspezialität wird aber nicht zu einer Strategieänderung weg von der Gastronomie hin zum Handel führen, erklärt Schrädler: „Weihenstephan ist nun mal eine Gastromarke, weshalb der erfreuliche Zuwachs im Handel mit dem neuen Hellen natürlich die Verluste nicht auffangen kann, die wir durch den Lockdown eingefahren haben. Aber wir sehen die Gastronomie nach wie vor als wichtigsten Partner und natürlich auch als den Vorreiter zur Markterschließung an. Deshalb wird sich unser Vorgehen auch 2021 nicht groß ändern.“

In der Summe betrachtet

2020 verbucht die Bayerische Staatsbrauerei in erster Linie als einen herben Rückschlag, da der Ausstoß unter 400.000 Hektoliter gefallen ist und die älteste Brauerei der Welt um einige Jahre zurückwirft. Dennoch schaut der Brauereidirektor optimistisch in die Zukunft: „Eine Prognose kann man zwar nicht treffen, aber wir hoffen, dass sich die Situation zum Sommer hin wieder bessert, und die Gastronomie wieder öffnen darf. Einen Herbst wie 2020 brauchen wir nicht noch einmal. Die Hoffnung besteht aber, dass wir im Spätsommer oder Herbst so weit sind, dass man die Wirtschaften nicht mehr schließen muss.“

Ablassfrei – Thadäus Zwickelbier

Auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Essen steht seit einigen Jahren Ablassfrei und bietet dort Marmeladen und vier Biere an. Die sehr ansprechende Ausstattung des Standes hat mich dazu verleitet, von jedem der Biere jeweils eines mitzunehmen, ohne dass ich mir vorher die Zutatenliste angesehen habe. Als ich das zuhause nachholte, musste ich feststellen, dass beim Brauen der Biere auch Hopfenextrakt verwendet worden war. Hätte ich zwischen 4 und 10 Euro pro Flasche ausgegeben, wenn ich das geahnt hätte? Vermutlich nicht, aber jetzt war es zu spät. Es ist halt wie es ist, deshalb öffne ich die Flasche und schenke mir das erste Glas ein.

Golden und nur leicht hefetrüb opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine minimal überdurchschnittliche feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier eine gute Figur.

Das Aroma ist würzig und hopfig und ähnelt einem Pils. Dazu kommen einige grasige Noten. Damit ist der Duft recht angenehm, wenn auch wenig spektakulär.

Der Antrunk ist leicht süß und ich stelle fest, dass das Thaddäus nur wenig Kohlensäure enthält, die aber angenehm feinperlig ist. Schnell gesellt sich ein leichtes freundliches Bitter dazu. Allerdings macht das Bier einen etwas wässrigen Eindruck. Der Abgang ist leicht bitter; er klingt aber lange nach.

Insgesamt ist das Thaddäus Zwickelbier von Ablassfrei kein schlechtes Bier, aber es ist austauschbar. Es handelt sich meiner Meinung nach um ein durchschnittliches Industriebier, das allerdings zum Preis eines Craft Beer verkauft wird. Die € 3,50 im Onlineshop bzw. € 4,00 auf dem Markt ist das Bier wirklich nicht wert.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Brauerei:

Medival Food Group
Volkardeyer Weg 51
40472 Düsseldorf
www.ablassfrei.de

Brauereigaststätten erhalten jetzt doch staatliche Unterstützung im Lockdown

Mit großer Erleichterung hat der Bayerische Brauerbund die Nachricht aufgenommen, dass Brauereigasthöfe nun doch in den Genuss der November- bzw. Dezemberhilfe kommen, mit der der Bund das Gastgewerbe in den ersten beiden Monaten des 2. Lockdowns unterstützt.

Gemeinsam haben Ministerpräsident Söder und Bundeswirtschaftsminister Altmeier dieses Ergebnis der Beratungen der Bundesregierung mit dem Freistaat Bayern am Vormittag des 17. März bekanntgegeben.

„Wir sind erleichtert, dass den Brauereigasthöfen nun Gerechtigkeit widerfährt, vor allem aber, dass sie endlich eine Förderperspektive erhalten.“, kommentiert Dr. Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, die gute Nachricht.

Er äußert sich dankbar für die Unterstützung aus Bayerns Staatskanzlei und Finanzministerium, vor allem aber für die Hilfestellung durch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Dieser habe Bayerns Brauereigasthöfe als wichtigen Teil der touristischen Infrastruktur im Freistaat, vor allem aber auch als bedeutsames Element heimischer Gastlichkeit und Genusskultur verstanden und sich stark für die Rettung dieser oftmals Jahrhunderte alten Einrichtungen engagiert.

Die den Brauereigasthöfen durch diesen Schritt zusätzlich zufließenden staatlichen Mittel werden ihnen nach Überzeugung des Brauerbundes helfen, die andauernde Krise zu überdauern und ihren erzwungenen monatelangen Stillstand wirtschaftlich durchzustehen.

Bislang galt für Brauereigasthöfe, die innerhalb eines sogenannten „Mischbetriebes“ unselbständiger Teilbetrieb einer Brauerei sind, dass sie in den Genuss der November- und Dezemberhilfen nur kommen konnten, wenn der mit Flaschenbier, das die Brauerei an den Handel verkauft, erzielte Umsatz höchstens 20% des Gesamtumsatzes des Unternehmens ausmacht – für viele dieser Unternehmen eine unüberwindbare Hürde. Reine Gastronomiebetriebe erhielten hingegen für den im November und Dezember 2020 entgangenen Umsatz Hilfsgelder in Höhe von 75% des Umsatzes im gleichen Zeitraum 2019.

Seit Monaten hatte der Bayerische Brauerbund im engen Schulterschluss mit betroffenen Mitgliedern und fraktionsübergreifend unterstützt durch zahlreiche Abgeordnete des Deutschen Bundestages, aber auch des Landtages und viele Kommunalpolitiker, um die Beseitigung dieser in seinen Augen eklatant ungerechten Behandlung der Brauereigasthöfe gekämpft.

Zuletzt hatte sich auch Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger anlässlich des von ihm initiierten „Brauereigipfels“ Ende Februar an die Seite der Brauer gestellt und namens der Bayerischen Staatsregierung beim Bund dringenden Nachbesserungsbedarf bei den Hilfspaketen angemahnt.

Stiftungsbräu – Helles Vollbier

Kürzlich gab es in meinem Stamm-Getränkemarkt eine Sonderaktion – es gab das Stiftungsbräu aus Erding zum Nulltarif. Die Brauerei hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie geht bis ins Jahr 1691 zurück, als Erding an sechs Bürger das Braurecht verlieh. Im Jahr 1838 wurde die Brauerei vom Gastwirt Joseph Fischer übernommen. 1856 übernahm sein Sohn Friedrich die Brauerei und gründete 1891 Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung. Die Brauerei wurde Teil der Stiftung und heißt seitdem Fischer’s Stiftungsbräu. 1991 wurde die Brauerei geschlossen, dann aber von Erdinger Weißbräu übernommen. Diese bekannte Brauerei führt die Marke bis heute weiter und spendet pro Liter verkauftes Bier einen Cent an die nach wie vor existierende Fischer’s Wohltätigkeitsstiftung. Mal sehen, wie sich das Bier nun macht.

Golden und kristallklar präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel feinporiger weißer Schaum, der sehr langsam in sich zusammenfällt. Die Optik gefällt mir schon mal.

Das Aroma ist malzig, leicht süß und mit einem Hauch von Heu. Das lässt ein gutes aber typisch bayerisches Helles erwarten.

Der Antrunk ist recht süß und bei der feinperligen Kohlensäure war die Brauerei auch etwas geizig. Mehr Kohlensäure hätte für eine bessere Frische gesorgt. Aber dann dreht das Bier noch auf. Das Bitter kommt durch und ist passend zur Süße portioniert. Damit macht das Bier einen vollmundigen, runden und süffigen Eindruck. Im Abgang zieht sich das Bittere zurück, so dass das Bier in der Kehle erstaunlich mild ist und leider nur kurz nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,1 %

Stammwürze:

11,8° Plato

Brauerei:

Privatbrauerei Erdinger Weißbräu
Werner Brombach GmbH
Erding

für

Fischer’s Stiftungsbäu
Daimlerstr. 5
85435 Erding
www.stiftungsbraeu.de