Archiv der Kategorie: Dies und Das

26. 1. 2017: Senatsbockanstich bei Blockbräu in Hamburg

Es soll ja eine uralte Tradition in Hamburg sein und heute ist mal wieder der entscheidende Tag: die Hanseaten den diesjährigen Anstich des Senatsbock, der gemeinschaftlich von unterschiedlichen Hamburger Brauereien gebraut worden ist, und das direkt an den Landungsbrücken, wodurch ein hervorragender Blick auf den Hafen und die Elbe gewährleistet ist, auch wenn in diesem Jahr das Wetter etwas trübe sein dürfte. Ab 18 Uhr gehen die Türen des Blockbräu an den Hamburger Landungsbrücken auf, der große Anstich der ersten Fasses ist für 19:00 Uhr geplant. Dazu gibt es Grünkohl, Kassler und Livemusik. Eintritt im VVK 12,90 €, Essen und das erste Glas Bier inklusive.

Ein göttliches Bier: Bayerns brauende Klosterschwester

Im niederbayerischen Kloster Mallersdorf braut sich Woche für Woche etwas ganz Besonderes zusammen: Dort mixt seit mehr als drei Jahrzehnten eine von deutschlandweit nur drei brauenden Klosterschwestern einen göttlichen Gerstensaft. Zum Brauen kam Schwester Doris wie die Jungfrau zum Kind: Als sie mit 16 ins Kloster kam, gab es im Brauhaus noch Arbeit. Doch schnell wurde der Nonne ihr Schicksal zur Leidenschaft. Als einzige Frau ihres Jahrgangs wurde Schwester Doris vor über 38 Jahren an einer Fachschule in Ulm zur Braumeisterin – als Jahrgangsbeste.

Die Brau-Tradition des Klosters Mallersdorf reicht bis ins 16. Jahrhundert. Doch seit Schwester Doris in der Brauerei das Sagen hat, ist die moderne Braukunst hinter den altwehrwürdigen Klostermauern eingezogen. „Das alte Klosterrezept ist ein Mythos und nur ein Werbespruch“, beichtet die brauende Nonne. Das Bier von damals wolle heute aber auch keiner mehr trinken.

Doch trotz technischer Tricks liegt die Qualität des Klosterbiers auch heute noch zum Großteil in Gottes Hand: „Das Wetter im April und die folgende Gerste-Ernte sind entscheidend“, sagt Schwester Doris. Verarbeitet wird das Getreide aus eigenem Anbau in einer beauftragten Mälzerei außerhalb der Klostermauern.

Bei aller Modernität läuft in der Klosterbrauerei aber doch noch einiges anders. „Bei uns ist Bier ein Frische-Produkt“, sagt Schwester Doris. Nach sechs bis acht Wochen sollte es getrunken sein – denn in Mallersdorf wird das Bier nicht steril gefiltert wie beim üblichen Gerstensaft aus dem Getränkemarkt. Dadurch bleiben viele gesunde und geschmacksgebende Inhaltsstoffe erhalten.

Einmal wöchentlich ist „Sudtag“ im Kloster Mallersdorf: Dann ist Schwester Doris ab halb vier Uhr morgens im Einsatz, um mit ihrem Gesellen rund 70 Hektoliter für etwa 700 Kästen „göttliches Bier“ zu brauen. Das füllt die Nonne anschließend auch höchstpersönlich ab. Produziert wird Helles und naturtrübes Zoigl. Das Bier hat zwölf Prozent Stammwürze und fünf Prozent Alkoholgehalt. Im Advent und in der Fastenzeit kommt noch ein helles Bockbier dazu.

Verkauft wird das besondere Bier täglich direkt ab Kloster und in ausgewählten Märkten in der Region, beispielsweise in Straubing, Landshut und Regensburg. Doch auch die rund 500 Nonnen von der Ordensgemeinschaft der Armen Franziskanerinnen im Kloster Mallersdorf sind ihrem eigenen Bier nicht abgetan: Etwa ein Fünftel der Jahresproduktion von rund 3000 Hektolitern trinken sie selbst.

Ihrer Berufung als brauende Klosterschwester will die 66-jährige Doris Engelhard – so Gott will – noch mindestens 20 Jahre nachkommen. Eine Nachfolgerin ist bisher nicht in Sicht. „Im Kloster wird gearbeitet und gestorben“, sagt Schwester Doris.

TV-Tipp: 45 Min

Wie viel Brautradition steckt noch im norddeutschen Industriebier? Wie aktuell ist das Reinheitsgebot für Bier noch? Wem gehören die norddeutschen Brauereien? Diesen und anderen Fragen geht der Beitrag aus der Reihe 45 Min nach, der im Auftrag des NDR produziert wurde.

Mit viel Engagement haben die Macher des Beitrags nicht nur bei den Großbrauereien wie AB InBev gedreht, sondern es kommen auch mehrere familiengeführte Brauereien zum Zug. So hat das Team auch bei der Flensburger Brauerei und bei Barre in Ostwestfalen gedreht und stellt damit auch einige Brauereien vor, die wirklich aus der Region stammen und nicht von Investmentbankern im Ausland gemanagt werden. Und auch die Craft Beer-Brauereien bleiben nicht unerwähnt. Insgesamt ein sehr sehenswerter Beitrag, der mir nur in einer Szene sauer aufgestoßen ist. Da ist das Team mit einigen Flaschen Industriebier im Gepäck nach New York geflogen und mit diesen Bieren in eine Craft Beer-Bar gegangen, um norddeutsches Industriebier mit amerikanischem Craft Beer zu vergleichen. Dass die deutschen Biere bei diesem Vergleich keine Chance haben können, war mir vorher klar. Aber das nur nebenbei, ansonsten hat mir der Beitrag gut gefallen. Er wird noch zweimal wiederholt, am 5. Januar um 23:00 Uhr und am 7. Januar um 11:15 Uhr, jeweils auf tagesschau24. Unbedingt einschalten!

4. – 6. 11. 2016: Fisch & Feines in Bremen

Drei Tage lang geht es in der Messe Bremen um nachhaltigen Genuss. Regionale Produkte können verkostet werden und traditionelle Spezialitäten werden den Besuchern wieder in Erinnerung gebracht. Und wenn es um gutes Essen und Trinken geht, darf selbstverständlich auch das Craft Beer nicht fehlen.

Brauereien aus Brandenburg, Bremen, Hamburg und Niedersachsen stellen ihre Biere vor. Eine recht große Auswahl an Bieren verkosten zu können ist für sich allein bereits sehr reizvoll. Aber in Bremen gibt es noch mehr.

Die Craft Beer-Szene bietet viele neue Kreationen und überrascht immer wieder mit neuen Geschmacksrichtungen. Schnell ist der Konsument überfordert. Welches Bier reichen wir zu welchem Essen? Welches Bier zu Schweinebraten, zu Fisch, vegetarischen Gerichten oder zum Dessert? Die Qual der Wahl will ein Foodpairing-Seminar erleichtern, das es auf der Messe von den Brauern abgehalten wird.

Aber selbst das ist noch zu toppen und in Bremen wird dieses Angebot noch überboten. Hunderte Hopfensorten verleihen dem Bier seine besonderen Noten. Wenn es dazu noch in ehemaligen Whisky- oder Rumfässern reift, gesellen sich weitere Aromen hinzu. Was Bierspezialitäten charakterisiert? Auf dem Aromen-Parcours der Berufsschullehrer Boris von Schaewen und Jens Kummert schulen Besucher ihre Nasen und entdecken die Aromen bei Verkostungen wieder (Stand 1 Ü 20/Westfoyer Süd, Freitag: 16 Uhr, Samstag: 13 & 16 Uhr, Sonntag: 13 & 16 Uhr, Teilnahmepreis jeweils pro Person 5 Euro).

Die Tore der Messe sind täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9,00 Euro, ermäßigt 7,50 Euro. Am Freitag gibt es ab 15:00 Uhr auch noch ein Nachmittagsticket für 5,00 Euro. Zeitgleich finden auch die Messen Reiselust und Caravan Bremen statt, zu denen die Besucher mit dem Ticket für Fisch & Feines ebenfalls Zutritt haben.

Foto: Messe Bremen

29. 10. 2016 – Berlin: Tante Frizzante feiert Geburtstag

Tante Frizzante ist ein Getränkemarkt in der Hermannstr. 95 in Berlin-Neukölln. Er will mehr sein als nur der Getränkemarkt um die Ecke: das selbstgestellte Ziel ist es, durch neue Geschmäcker zu begeistern. Die Vielfalt hochwertiger Getränke macht Tante Frizzante zu einem einzigartigen Ort der Genüsse. Auf 130 qm Ladenfläche bietet der Drinks Concept Store ein breit gefächertes Sortiment aus über 200 verschiedenen alkoholfreien Drinks und mehr als 120 Bieren und Craft-Bieren. Auch Wein und Cidre wurden nicht vergessen. Auch diese Angebote bieten etwas Besonderes. So gibt es auch biologische und vegane Weine. Es gibt dort halt die Getränke, die uns der Supermarkt an der Ecke nicht bieten kann oder will.

Nun wird der der Markt, den www.hopfenhelden.de als Kiosk bezeichnet, ein Jahr alt – Grund genug für eine ordentliche Party. Ab Samstag um 14:00 Uhr ist zunächst Tag der offenen Tür mit Verkostungen und Musik. Abends ist dann Party und die Veranstalter versprechen, dass es an den Getränken nicht mangeln soll.

21. – 23. 10. 2016: Street Food Festival mit Craft Beer in Mosbach

Irgendwie gehören Street Food und Craft Beer zusammen – beide sind geeignet, den Gaumen zu erfreuen. So verwundert es auch nicht, dass es beim 1. Mosbacher Street Food Festival mit Craft Beer beides gibt. Viele Brauereien werden ihre Kreationen vorstellen. Welche Brauereien dabei sein werden verrät der Veranstalter im Vorfeld nicht. Nur das Bad Uracher Kleinbrauhaus wird auf der Facebook-Seite des Veranstalters erwähnt. Aber nicht nur für den Magen wird gesorgt, sondern auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz. Am Freitag geht es um 19.30 Uhr Mit dem Duo Ashley Whited und Franky Rogers los, die die Besucher mit Rock, Country und Pop unterhalten. Am Samstag ab 12.00 Uhr und Sonntag ab 14 Uhr tritt das Duo Maryben mit Bass und Gesang auf und am Samstagabend ab 19.00 Uhr sorgt DJ Nutsgroove für gute Stimmung.

Der Eintritt ist frei. Sie können aber für 2 Euro ein Probierglas erwerben, mit dem Sie die Brauspezialitäten verkosten können.

14. 10. – 15. 10. 2016: 3. Trierer Bierfestival

Am 14. Oktober ist es um 16:00 Uhr soweit – das Trierer Bierfestival öffnet seine Pforten, und das bereits zum dritten Mal. Brauereien aus Europa, Deutschland und dem Umkreis von Trier bieten ihre Craft Biere zum Verkosten an. Veranstalter ist Kraft Bräu, die 1 Trierer Hausbrauerei im Hotel Blesius Garten. Welche Brauereien kommen werden, verraten die Veranstalter noch nicht, das ist eine Überraschung. Im Vorfeld wurde nur verraten, dass es mehr als 100 Biere zum Verkosten gibt. Die sechs Euro Eintritt werden sich also lohnen. Für das Geld gibt es ein Probierglas, mit denen Sie zu den einzelnen Brauereien gehen und die Biere testen können. Das Bierfestival beginnt am Freitag um 16:00 Uhr, am Samstag um 15:00 Uhr. Das Festival findet im überdachten Biergarten des Blesius Gartens statt. Auch für die nötige Grundlage ist gesorgt – passend zu den Bieren werden verschiedene Streetfood-Kreationen angeboten.

11. 10. – 12. 10. 2016: Bar Convent Berlin

Bereits zum 10. Mal findet die Bar Convent Berlin statt. Für internationale Brauer, Bierprofis, Bartender und Gastronomen ist Brew Berlin eine Pflichtveranstaltung. Nicht nur, weil sich hier die namhaften Vertreter der Branche treffen und die neuesten Mixturen und die kreativsten Trends aus der Bierszene präsentieren. Auch das Programm hat einiges zu bieten. Erstklassige Referenten, darunter John Keeling von der bekannten britischen Fuller’s Brauerei und Chris Heaney vom Londoner Brau-Start-up Partizan Brewing, behandeln Themen, die Spaß machen, die informieren, die inspirieren. Der Beer Stage in Halle 3 ist zwei Tage lang das Wissenszentrum von Brew Berlin, einem eigenen Ausstellungsbereich auf dem Bar Convent Berlin, der vom 11. bis 12. Oktober in der Station Berlin stattfindet.

Insgesamt 37 Aussteller sind in diesem Jahr auf Brew Berlin dabei. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Fläche verdoppelt, insbesondere das Craft-Beer Segment hat sich spürbar vergrößert. Als Aussteller mit dabei sind sowohl bekannte Namen als auch Newcomer, so etwa Bitburger, Carlsberg, SAB Miller, Schoppe Bräu, Leeds Brewery, Berliner Berg, Ratsherrn oder And Union. Insgesamt sechs Unternehmen sind aus den USA vertreten, ebenso zwei britische Brauer, Birrificio Indipendente Elav aus Italien, Nosawa aus Japan, Lehe Brewery aus Estland und verschiedene Vertreter der deutschen Braukunst. Gezeigt werden nationale wie internationale Biere, die besten Bier-Cocktails und die kreativsten Craft-Beer-Neuheiten. Auch Zubehör-Anbieter präsentieren sich auf der Fläche, darunter Glashersteller Sahm und Nachtmann oder Kühlgeräte-Profi Gastro-Cool. Da Bier auf dem Bar Convent eine immer größere Rolle einnimmt, widmet sich zum zweiten Mal auch eine ganze Bühne dem Gerstensaft und seinen Spielarten.

Bier ist Kult im Brew Berlin Programm

Zum großen Teil auf Englisch oder aber zweisprachig bietet das Vortragsprogramm internationales Know-How, weitergegeben von wahren Koryphäen der Bierszene. Thema am ersten Messetag ist z.B. der „Boom der Bier-Gastronomie – progressive Gastronomie im Craft-Zeitalter“. An der Runde nehmen u.a. Oliver Lemke von der Brauerei Lemke, Jeff Maisel von Liebesbier (Maisel & Friends) oder Frank Reinwand von Stone Brewing teil. Auch britische Brauereien stehen im Fokus des Programms. John Keeling von Fuller’s, Dean Pugh von Brew Dog, Chris Heaney von Partizan Brewing und Sam Smith von Samuel Smith geben Informationen zum Thema „British Breweries“. Am Nachmittag äußern sich u.a. Axel Ohm von And Union & Neue Bierkultur, Sylvia Kopp von der U.S. Brewers Association und Frank Boer von der Braukunst Live! zu Prognosen, Wunschträumen und den harten Wahrheiten rund um die Frage: „Wo steht die deutsche Bierkultur in fünf Jahren?“ Zum Tagesabschluss sowie zum Auftakt des zweiten Messetages findet ein Programmpunkt zu „The Art of Beer Cocktails“ statt, wo u.a. Gabor Nemeth von der bekannten Bierbar Élesztő Budapest und Daniel Bart, Gründer von Braufest Berlin und Főzdefeszt, ihre Erfahrungen und Best Practices mit den Zuhörern teilen werden.

Mit „Internationalen Biertrends“ geht es am Mittwoch ab 14 Uhr weiter im Programm. Referenten aus Übersee und Europa werden diese diskutieren, darunter Ralf Hugger von Founder’s Brewing aus den USA., Claudia Schröder, deutsche Markenbotschafterin für Brooklyn Brewery, „Beerbartender“ Nicola Radisis aus Griechenland, Chris Heaney von der britischen Partizan Brauerei und Daniel Bart vom ungarischen Főzdefeszt. Und international geht es weiter, denn ab 16 Uhr geht es um den Vergleich zwischen britischem und amerikanischem Bier. Sylvia Kopp (U.S. Brewers Association) und der bekannte Bierjournalist und Buchautor Pete Brown (Hops & Glory, United Kingdom) laden die Besucher zum „Comparative Beer Tasting: British vs. American Styles“ ein. Mit dem Battle of Brews No. 2 endet schließlich das Rahmenprogramm für Bier-Spezialisten am zweiten Messetag. Hier treten Lenny’s Artisanal Ales, Lervig Gryggeri, Pirate Brew Berlin, Straßenbräu, BRLO und Berliner Berg zur „Showbrewing Competition“ gegeneinander an.

Staatliche Massenbierhaltung? Nein Danke!

Die Fraktion der Grünen im Bayrischen Landtag hat einen Antrag gestellt, in dem die Staatsregierung aufgefordert wird, in den beiden staatlichen Brauereien, dem Hofbräuhaus und der Staatsbrauerei Weihenstephan, zu veranlassen, dass dort „Biobiersorten unter der Verwendung bayerischer Rohstoffe“ gebraut werden. Um es vorab klarzustellen – ich bin ein Verfechter des biologischen Landbaus und ich meine auch, dass die biologischen Erzeugnisse bei der Bierherstellung Verwendung finden sollen. Trotzdem meine ich, dass der Antrag gut gemeint ist – was wiederum das Gegenteil von gut gemacht meint. Ein Widerspruch?

Ganz sicher nicht. Ich habe auch nichts dagegen, wenn die beiden staatlichen Brauereien biologische Grundstoffe verwenden würden. Diese beiden Brauereien haben aber einen Nachteil – sie stellen riesige Mengen Bier her. Die Biere sind teils nicht schlecht, in vielen Fällen auch richtig gut. Leider sind sie zum großen Teil aber auch gegen andere Biere austauschbar. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass von jetzt auf gleich die gesamte Produktion umgestellt werden kann. Mindestens dürfte ein solcher Totalumstieg für eine deutliche Verknappung der biologischen Grundstoffe sorgen und damit für höhere Preise. Wahrscheinlicher ist nach meiner Meinung, dass die Brauereien kleinere Sude ansetzen würden (zumindest für deren Verhältnisse). Dafür sind Investitionen erforderlich.

Ich würde es bevorzugen, wenn die bayerische Landesregierung dieses Geld in die Hand nehmen und mit diesem Geld Berater einstellen würde, die kleine Brauereien in Bayern beim Umstieg auf Biobier unterstützen würden. Damit würde die Biervielfalt in Bayern erhalten. Gerade in Franken, aber auch in anderen Gegenden Bayerns gibt es nach wie vor eine lebendige Bierkultur, die es wert ist, unterstützt zu werden. Da auf diese Weise die Brauer auch zusätzliche Vertriebswege erschließen könnten, würde damit auch das Weiterbestehen der kleinen Brauereien gewährleistet oder zumindest wahrscheinlicher. Staatliche Investitionen in die Großbrauereien würden diesen Betrieben einen weiteren Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Dass die kleinen Brauereien unterstützt werden sollten sehen auch die Grünen. In einem weiteren Antrag fordern sie die Landesregierung auf, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass die kleineren Brauereien bei der Biersteuer bessergestellt werden. Ich befürchte, dass dadurch nur die Bürokratie der Finanzbehörden aufgebläht würde, ohne dass sich die Einnahmesituation der Brauereien verbessert. Liebe Grüne, wenn ihr die Kleinbrauereien bei der Umstellung unterstützen würdet, wäre das Übel bei der Wurzel gepackt und weitere Bürokratie wäre überflüssig.

Auf der Suche nach der idealen Hefe

Es ist schon merkwürdig – wenn ich mir die Etiketten der verschiedenen Biere ansehe, wundere ich mich manchmal, wie offen die Brauer mit ihren Rezepturen umgehen. Freimütig werden die Malzsorten und der Hopfen genannt, die für das Bier verwendet wurden. Aber wie sieht es mit der Hefe aus? Da halten sich die Brauer bedeckt. In der Zutatenliste steht in der Regel nur Hefe und auch die Internetseiten der Brauereien, die häufig mehr Informationen bereitstellen, geben in der Regel nicht mehr her. Und wenn dort etwas steht, dann eine eher technische Bezeichnung, z.B. Stamm W 177. Weil mich das bereits seit längerer Zeit wundert, habe ich einige Craft Beer-Brauer auf die Hefe angesprochen. Und auch wenn sie ansonsten gerne und freigiebig über ihre Arbeit sprechen, werden sie beim Thema Hefe recht einsilbig.

Da könnte der Konsument doch glatt auf den Gedanken kommen, dass die Hefe von untergeordneter Bedeutung und recht langweilig ist. Dabei ist eigentlich genau das Gegenteil der Fall. Laut Mathias Hutzler, dem Leiter des Hefezentrums im Forschungszentrum Weihenstephan, stammen rund 80 % der Aromastoffe im Bier von der Hefe. Und es gibt viele Hefearten. Wissenschaftler schätzen nach einem Bericht der Stuttgarter Zeitung, dass es weltweit etwa 670.000 Hefearten gibt, die alle ein anderes Aromaprofil haben. Allerdings sind davon nur etwa 1.500 Hefearten bekannt. Auch wenn sich sicher nicht jede der Hefen zum Brauen eignet, gibt es doch offensichtlich noch ein weites unerforschtes Potential für experimentierfreudige Brauer, neue Biere auf den Markt zu bringen, die Aromen mit sich bringen, von denen wir heute nur träumen können. Das Hefezentrum in Weihenstephan bietet aktuell etwa 300 Hefen an, auch wenn nur von 80 dieser Hefen das Aromaprofil beschrieben ist. Ich bin ja gespannt, was da noch alles auf uns zukommt. Übrigens: die marktbeherrschenden Brauereien verwenden gerade mal etwa 20 Hefestämme – zusammen. Schade aber verständlich, schließlich wollen und müssen diese Brauereien Biere mit dem immer gleichen Geschmack auf den Markt bringen. Die Hefe prägt das Aroma eines Bieres am nachhaltigsten: Wenn ein und dieselbe Bierwürze mit unterschiedlichen Hefen vergoren wird, schmeckt das Bier jedes Mal ganz anders. Viel Anklang bei Verkostungen in Weihenstephan fand eine Hefe, die das damit gebraute Bier nach Beeren, Honig und Gummibärchen schmecken lässt.

Damit könnte ich das Thema eigentlich abschließen, aber die Jagd nach immer neuen Hefen ist doch auch recht spannend. Mathias Hutzler ist zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen Steven Wagner in die Eifel zur Vulkanbrauerei gefahren. Diese Brauerei hat den angeblich tiefsten Braukeller der Welt. Dort hat er an jeder Stelle, an der sich kratzen ließ, Hefen gesucht. Die Proben stammen aus Fässern, Bürsten, von Werkzeugen und Wänden. Dabei ist er auch fündig geworden und hat eine Hefe gefunden, die für fruchtige Aromen sorgt.

Die Wildhefe, aus der die untergärigen Hefen gezüchtet wurden, ist übrigens bekannt. Allerdings wurde sie nicht in Europa nachgewiesen, dafür aber in vielen anderen Gegenden der Welt, so in Patagonien, in Tibet, Neuseeland und Teilen der USA.