Schelde Brouwerij – Oesterstout

Seit mehr als 25 Jahren gibt es im flandrischen Meer die Scheldebrauerei. Die Brauer dort sind ständig auf der Suche nach der perfekten Balance des Geschmacks ihrer Biere. Bei dieser Suche sind etliche ungewöhnliche und einzigartige Biere herausgekommen, die mich begeistern können.

In den frühen 90er Jahren begann Peter van den Eijnden in seinem Hinterhofschuppen mit dem Brauen seiner Bierspezialitäten. Jetzt, so viele Jahre und Liter weiter, ist die Mission des Braumeisters immer noch dieselbe: Biere zu brauen, die weder langweilen noch enttäuschen. Ungewöhnlich ist auf jeden Fall die Herstellung dieses Bieres. Ursprünglich wurde die leichte Salzigkeit des Oesterstout erreicht, indem das Bier über Austernschalen filtriert wurde. Von dieser Vorgehensweise ist die Brauerei aber abgewichen und gibt während des Kochens der Würze Meerfenchel und Seelavendel hinzu. Das Oesterstout ist mittlerweile also vegan.

Schwarz und praktisch blickdicht präsentiert sich das Bier im Glas. Zusammen mit seiner hellbraunen und sahnigen Schaumkrone macht es einen sehr einladenden Eindruck.

Dominiert wird das Aroma des Oesterstout durch die Röststoffe. Intensiv duftet es nach Espresso. Dazu kommt noch eine leichte fruchtige Säure aus dem Hintergrund, die das Aroma gut abrundet.

Der Antrunk ist weniger süß als ich es erwartet hätte. Ungewöhnlich ist auch die kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen wider und wie in der Nase steht auch im Mund Espresso im Vordergrund und die Fruchtigkeit rundet zusammen mit einem Hauch Salz diesen Geschmack ab. Das Mundgefühl ist voll und weich. Es überrascht nicht, dass auch im Abgang die Röststoffe im Vordergrund stehen. Bitterstoffe sind nur moderat vertreten, aber der Geschmack nach Espresso klingt noch lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Meerfenchel, Seelavendel, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Bittereinheiten:

19 IBU

Farbe:

103 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 12° Celsius

Brauerei:

De Scheldebrouwerij B.V.
Wenenstraat 7
2321 Meer
Belgien
www.scheldebrouwerij.com

Dockyard 21 – Fjord Wheat

Die Fjorde der Ostsee sind bekannt für ihre reichen Bernstein-Vorräte – was liegt da also näher, als ein bernsteinfarbenes Weizen „Fjord Wheat“ zu nennen? Genau dies dachten sich die Brauer der „Westindien Compagnie“ in Ihrer Manufaktur in Flensburg. Hier erschufen Sie ein Weizen für die „Dockyard 21“ Reihe aus dunklen und hellen Weizenmalzen und noch einigen weiteren Spezialmalzen und nannten es Fjord Wheat. Genau dieses Bier steht jetzt vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die sehr voluminöse Schaumkrone ist fest und elfenbeinfarben und sie fällt nur sehr langsam in sich zusammen.

Der Duft ist so, wie er bei einem guten Weizenbier sein muss: Der Duft nach Biskuit und Bananen steht im Vordergrund, dazu eine leichte Note nach Gewürznelken. Das Aroma ist nicht aufdringlich; es lässt sich am Besten mit „elegant“ umschreiben.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße aus und eine reichliche Portion sehr feinperliger Kohlensäure sorgt für eine angenehme Frische. Auf der Zunge gesellt sich eine fruchtige Säure dazu. Das Mundgefühl ist voll und weich, so dass das Bier ausgewogen und süffig ist. Im Abgang kommt noch ein minimales Bitter dazu, während die Fruchtigkeit mit einem durchschnittlichen Nachklang weiterhin dominiert.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Westindien Compagnie
Seehandelsgesellschaft mbH
Brauereiweg 21
24939 Flensburg
www.westindien.com

BierSelect

Raspberry Dipping, Chocolate Dripping, Super Trouper Sour Porter

Ronald de Waal alias der Fliegende Holländer ist ein echter Gypsy-Brauer. Mit über 25 Jahren Brauerfahrung ist Ronald einer der Fackelträger der Craft-Bier-Bewegung in den Niederlanden. Er hat Biere in Finnland, den Niederlanden und Belgien gebraut und arbeitet mit den besten Craft-Brauereien zusammen. Er liebt es, von einer Brauerei zur anderen zu reisen und von spannenden neuen Bierrezepten zu träumen. Er liebt die Freiheit der Wahl und die Freiheit der Straße. Vielen Dank dafür!

Wenn es jemals einen Mann gegeben hat, der zum Braunomaden geeignet war, dann ist es Ronald de Waal. Er ist ein Seelensucher, ein Reisender der Erde, ständig in Bewegung, forschend und beobachtend. Ronald ist ein echter Braunomade. Oder genauer gesagt, ein NoMad-Brauer. Wenn Sie Ronald das erste Mal treffen, sind Sie von seiner zenartigen Aura beeindruckt. Er lächelt, schaut Ihnen in die Augen und Sie fühlen sich sofort wohl. Er ist ein zufriedener, glücklicher Mann, der das tut, was er am meisten liebt: große Biere mit großer Freiheit zu brauen.

Ende der 1980er Jahre studiert Ronald Lebensmitteltechnologie in den Niederlanden und bekommt ein Praktikum bei der Craft-Brauerei De Raaf. Er wird dann gebeten, als Brauer in die Firma einzusteigen und verbringt dort einige fruchtbare Jahre. Dann kreuzt eine schöne finnische Blondine seinen Lebensweg. Ronald wirft alles hin und zieht nach Finnland. Leider sind es die frühen Neunziger und von Spezialbieren hat dort noch niemand etwas gehört. Es gibt keinen Job für einen niederländischen Brauer. Zum Glück ist Ronald ein hübscher Kerl mit ziemlich langen Haaren, und so bekommt er einen Job als Meerjungfrau in einem Vergnügungspark. Kein feuchter Traum für einen Brauer, aber es bezahlt die Rechnungen. Es gibt keine interessanten Biere auf dem Markt, also beschließt Ronald, eines zu brauen. Wir schreiben das Jahr 1994 und das Bier, an das sich die Fans immer noch gerne erinnern, heißt Bergzigt. Es ist stärker und hopfiger als jedes andere Bier auf dem finnischen Markt. Die Finnen sind erstaunt, kann Bier so schmecken? Bergzigt wird in den Brauereien De Raaf und De Hemel in den Niederlanden gebraut, was Ronald einen ersten Vorgeschmack auf die Wanderbrauerei gibt. Wir schreiben das Jahr 1997 und Ronald arbeitet für eine kleine Handwerksbrauerei in Espoo, Finnland, und entwickelt neue Rezepte. Er fühlt sich bereit, den Sprung zu wagen und gründet die Diamond Beer Brewing Company. Das Brauen in fremden Brauereien geht weiter, dieses Mal in Belgien. Ronald wird zum Trendsetter bei der Entwicklung und Einführung neuer Bierstile bei den Finnen. Er erhält sogar eine offizielle Auszeichnung für seine Arbeit und seinen Einfluss auf die finnische Bierkultur. Neben der Kreation eigener Produkte wird Diamond Beer zum größten Importeur von Bierspezialitäten, indem es mehr als 1000 neue Biere aus der ganzen Welt den nach neuen Erfahrungen dürstenden Finnen vorstellt. Diamond Beer wird erfolgreich und wird im Jahr 2008 verkauft. Ronald arbeitet anschließend als Unternehmensberater.

Das Leben wird zu geschäftsmäßig und der Ruf der Straße wird immer stärker. Ronald springt in sein Wohnmobil und folgt seinem Herzen durch Europa und Nordafrika. Es ist Zeit, in die Sterne zu schauen und das Leben zu genießen. Einige Jahre vergehen und ein Plan beginnt sich zu entwickeln. Ronald beschließt, das zu tun, was er am meisten liebt: große Biere in Freiheit zu brauen. Er wird ein echter Braunomade.

Der Fliegende Holländer ist ein legendäres Geisterschiff, das niemals den Hafen erreichen kann und dazu verdammt ist, für immer über die Weltmeere zu segeln. Ronald de Waal ist ein nomadischer Brauer, der nie ein langweiliges Bier machen kann und dazu verdammt ist, ewig durch die Brauereien zu ziehen. Kommen wir abber nun zum ersten Bier von ihm, das ich verkoste.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine mittelbraune feinporige Schaumkrone, die auch lange erhalten bleibt.

Intnsiv steigt mir der Duft der Himbeeren in die Nase, dazu kommt der Duft nach dunkler Schokolade. Obwohl ich normalerweise die Mischung Schokolade und Früchte nicht schätze, passt diese Kombination in diesem Fall überraschend gut.

Der Antrunk ist durch die reichlich vorhandene Kohlensäure überraschend frisch und die Süße macht einen angenehmen Eindruck. Auf der Zunge kommen zunächst die Himbeeren zu ihrem Recht, bevor sich der Geschmack nach Schokolade entwickelt und sich anschließend mit der Fruchtigkeit der Himbeeren vereint. Das Mundgefühl ist voll und beinahe samtig. Im Abgang kommen die Himbeeren erneut in den Vordergrund und deren Geschmack klingt lange nach. Ansonsten ist der Abgang wirklich mild.

Zutaten:

Eine vollständige Zutatenliste hat Ronald nicht veröffentlicht, aber an unterschiedlichen Stellen konnte ich doch so einiges finden.

Wasser, Gerstenmalz, Hafer, frische Himbeeren, Hopfen (Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Bittereinheiten:

55 Ibu

Empfohlene Genusstemperatur:

10° Celsius

Brauerei:

The Flying Dutchman Brewing Co.
Tapolanku 2
Vantaa
Finnland
www.flyingdutchmanbrewingcompany.com

gebraut bei

Proef Brouwerij
Doornzelestraat 20
Lochristi-Hijfte

Ulrike Freund ist seit 30 Jahren Geschäftsführerin bei Gold Ochsen

Am 13. Mai 2021 feierte Ulrike Freund ihr 30-jähriges Jubiläum als Geschäftsführerin der Brauerei Gold Ochsen. Seitdem ihr die Verantwortung von ihrem Vater, August Leibinger III., 1991 übertragen wurde, hat sie alles darangesetzt, das Ulmer Traditionsunternehmen auf Kurs zu halten und als feste Größe in der Region zu verankern. Angesichts des seit Jahren durchschnittlich immer weiter sinkenden Bierkonsums und zunehmenden Wettbewerbs der Brauereien inklusive entsprechender Preiskämpfe gestaltete sich diese Aufgabe nicht immer leicht. Dennoch ist es ihr gelungen, die Umsätze der Brauerei sowie der Tochtergesellschaft Ulmer Getränke Vertrieb GmbH, die den Vertrieb der Biere und alkoholfreien Getränke aus dem Hause Gold Ochsen verantwortet, nicht nur auf hohem Niveau zu halten, sondern zeitweilig sogar auszubauen. Zudem hat sie sich in ihrer Position nicht zuletzt durch weitreichende Sponsoring-Aktivitäten und die Unterstützung zahlreicher sozialer, sportlicher und kultureller Organisationen einen Namen gemacht.

Ihr starkes unternehmerisches wie gesellschaftliches Engagement findet seit jeher weit über die Grenzen Ulms hinaus Anerkennung. So erhielt Ulrike Freund 2007 die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württembergs. Seit 2018 ist sie Trägerin des baden-württembergischen Landesverdienstordens, den ihr Ministerpräsident Winfried Kretschmann für nachhaltige Unternehmensführung bei der feierlichen Zeremonie persönlich überreichte. 2019 wurde Ulrike Freund vom Marketing-Club Ulm/Neu-Ulm e.V. zudem als Ulmer Marketingpersönlichkeit des Jahres ausgezeichnet.

Aber nicht nur sie persönlich, auch die Brauerei und die hergestellten Produkte konnten unter ihrer Führung in den letzten Jahren Erfolge verbuchen und zahlreiche Preise einheimsen. So setzte sich „Ulms flüssiges Gold“ bereits mehrfach beim international renommierten World Beer Cup durch: Das Gold Ochsen Special sicherte sich 2014 den Silber-Award, das Kristallweizen punktete bei der Jury aufgrund seines hervorragenden Geschmacks und exzellenter Qualität sowohl 2012 (Silber) als auch 2014 (Gold) und zuletzt 2018 (Silber). Dass bei der Herstellung der Biere und alkoholfreien Getränke im Hause Gold Ochsen sehr hohe Maßstäbe gelten, untermauern vielfache Qualitätsauszeichnen wie der „Libella Quality Award“ oder das Siegel „IFS Food-Standard Version 6 (Higher Level)“.

Ehre statt Verpflichtung

Obwohl Ulrike Freund laut eigener Aussage – die viele Außenstehende bestätigen können – für die Brauerei lebt, investiert sie gleichzeitig viel Zeit ins Ehrenamt. So engagiert sie sich beispielsweise als Mitglied der IHK-Vollversammlung, im Verwaltungsbeirat der Universität Hohenheim, im Beirat Süd der SV SparkassenVersicherung, im AOK Bezirksrat sowie im Wahlausschuss, Beirat und der Vertreterversammlung der Volksbank Ulm-Biberach. Zudem ist sie seit 1994 als Handelsrichterin am Landgericht Ulm aktiv und gehört zu den Gründungsmitgliedern des Lions Club Ulm/Neu-Ulm/Alb-Donau.

Mit Initiative, Hartnäckigkeit und Überzeugung zum Ziel

Fragt man Ulrike Freund nach ihrem Erfolgsrezept, kommt die Antwort sofort: Ausdauer, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit – und ganz viel Freude an der Arbeit. Insofern ist Aufhören für sie derzeit kein Thema. Die nächsten Jahre will sie als Unternehmenslenkerin „dranbleiben“, auch wenn es ihrerseits bereits Ideen gibt, wie sich die Leitung des Unternehmens nach dem Ende ihrer Ära gestalten könnte. Bis dahin wird aber sicher noch einige Zeit ins Land gehen. Wie ihrem Vater, der bis zu seinem Tod 1998 mit 90 Jahren noch als Hauptgeschäftsführer in der Brauerei tätig war, wird es auch ihr schwerfallen, sich ganz aus dem Arbeitsalltag zurückzuziehen, wie sie offen zugibt.

30167 Haltenhopf II

Ich muss zugeben, dass ich mit einigen Vorurteilen an dieses Bier herangehe. Der Name gibt Rätsel auf, die ich trotz intensiver Recherche nicht lösen konnte. Das „30167“ am Beginn ist die Postleitzahl der Genossenschaft „Nordstadt braut“. Die römische 2 am Ende zeigt an, dass dieses Bier das zweite war, das die Genossenschaft auf den Markt gebracht hat. Was diese Information, die ich erst aus dem Internet erhalten habe, im Namen zu suchen hat, erschließt sich mir bislang nicht. Erscheint in fünf Jahren ein Bier mit dem Namenszusatz „XXIIV“? Was ein Haltenhopf sein soll ist mir allerdings vollständig schleierhaft. Ich kenne nur einen Wiedehopf, aber der hat mit Bier nun so garnichts zu tun. Eine Internetrecherche brachte auch keine wirkliche Klarheit. Der einzige ähnliche Begriff, der zumindest eine minimale Verbindung zu Hannover hat, ist der Name „Holger Haltenhof“. Dieser Fußballspieler war Anfang der 1970er Jahre beim HSV und spelte am 7. 10. 1972 für drei Minuten gegen Hannover 96. Aber diese Erklärung erscheint mir doch etwas zu abgedreht. Vermutlich handelt es sich bei Haltenhopf um eine vollkommen sinnfreie Worschöpfung. Schade. Wenn ich ein mir nicht bekanntes Bier im Regal sehe, hätte ich schon gerne schnell eine Ahnung davon, was ich da vor mir habe. Aber auf den zweiten Blick sehe ich noch den Schriftzug „Maerzen“, den ich jetzt mal als Märzen lese. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Bernsteinfarben mit einer feinporigen Schaumkrone, die auch lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas. Leider ist es vollkommen stiluntypisch hefetrüb.

In die Nase steigt mir der angenehme Duft des Malzes nach Brotrinde. Leider wird dieser Duft durch den Hopfen fast überdeckt.

Der Antrunk ist leicht süß und durch die feinperlige Kohlensäure recht frisch. Auf der Zunge kommt der Hopfen in den Vordergrund und verdrängt den für ein Märzen typischen Geschmack des Malzes fast vollständig. So ist das Bier für ein Märzen ungewöhnlich bitter und auch das weiche Mundgefühl kann dieses Bier nicht mehr retten. Im Abgang verstärkt sich das Bitter noch einmal und es klingt sehr lange nach.

Jetzt drängt sich mr die Frage auf, ob ich mich total irre oder das Bier wirklich seinen Stil so weit verfehlt hat. Schaue ich mal in meinen Unterlagen nach. In der Kategorieliste der Frankfurt International Beer Trophy wird das German-Style Märzen wie folgt beschrieben: „B ernsteinfarben. Vollmundig, oft mit süßer Malznote. Nicht betonter bis leichter Karamellcharakter. Kräftigere Version des Kellerbies, aber klar filtriert.“ Ähnlich sieht auch die Kategoriebeschreibung für das German-Style Märzen beim European Beer Star aus: „bernsteinfarben – malzbetont, mit süßer Malznote – leicht röstartig, jedoch nicht betont karamellartig – leichter Brot- oder Bisuitcharakter im Geruch und Geschmack – Hopfengeruch und -geschmack gering aber erkennbar und rein – keine fruchtigen Ester- oder Diacetylnoten – das Bier ist filtriert – keine Kältetrübung“.

Offensichtlich hat die Genossenschaft den Bierstil vollkommen verfehlt. Damit will ich nicht behaupten, dass das Bier als solches nur schlecht wäre. Im Gegenteil – als Zwickl würde es durchaus durchgehen. Sehr gelungen finde ich eigentlich die Hopfengabe, die zusammen mit einem kräftigen roten Malzkörper ein wirklich gutes Irish Red Ale ergeben würde. Aber als Märzen? Ich frage mich hier wirklich, ob ein falsches Bier abgefüllt wurde (oder ob die Flaschen mit falschen Etiketten beklebt wurden).

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener, Cara Medium), Hopfen (Centennial, Columbus, Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Stammwürze:

14° Plato

Farbe:

20 EBC

Brauerei:

Nordstadt braut eG
Engelbosteler Damm 126
30167 Hannover
www.nordstadt-braut.de

Budels White Gose

Normalerweise ist eine Gose bekanntlich ein leicht saures Bier, das einen minimalen Salzgeschmack mit sich bringt. Früher wurde für die Säure die Spontangärung verwendet, während heute Milchsäurebakterien eingesetzt werden. Der Name stammt vom niedersächsischen Flüsschen Gose, das auch der Stadt Goslar seinen Namen verlieh. Diese Gose ist einzigartig: es ist die erste Gose, die ich erlebe, deren Zutaten aus biologischem Anbau stammen. Außerdem ist es die bislang einzige mir bekannte Gose aus den Niederlanden. Außerdem kenne ich keine andere Gose, die biozertifiziert ist. Die White Gose wird seit 2019 gebraut.

Blassgolden und leicht hefetrüb zeigt sich die White Gose im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und löst sich sehr schnell auf. Die Optik enttäuscht mich, da bin ich aus Budels wirklich etwas besseres gewöhnt.

Das Aroma verrät eine leichte frische und fruchtige Säure, die an Birnen und grüne Äpfel erinnert. Das Getreide, besonders der Weizen, hält sich diskret im Hintergrund und rundet die anderen Aromen eher ab.

Der Antrunk ist frisch und spritzig. Er erinnert mit seiner Rezenz und leichten Säure eher an einen guten Sekt.Und so geht es auch weiter. Fruchtig und süßsauer präsentiert sich die Gose auf der Zunge. Selten habe ich eine so fruchtige Gose erlebt. Sie erinnert mich an einen Obstwein. Das Mundgefühl ist voll und rund. Der Abgang ist mild und trocken.

Für den Sommer ist die White Gose aus Budels unübertrefflich. Die frische Säure macht munter und auch für heiße Tage sollte der moderate Alkoholgehalt nicht zu viel sein.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Zitrus, Koriander, Salz

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Bittereinheiten:

12 IBU

Farbe:

8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

Budelse Brouwerij B.V.
Nieuwstraat 9
6021 Budel
Niederlande
www.budels.nl

Weltenburger – Asam Bock

Der Weltenburger Asam Bock verdankt seinen Namen dem genialen, barocken Maler und Baumeister des Spätbarocks Cosmas Damian Asam. Er wurde am 28. September 1686 geboren und verstarb am 10. Mai 1739 in München. Cosmas Damian Asam arbeitete hauptsächlich mit seinem Bruder, dem Stuckateur und Bildhauer Egid Quirin Asam zusammen. Er gilt ein Hauptmeister der süddeutschen Deckenmalerei zwischen Barock und Rokoko. Er wirkte bei der Ausgestaltung der Schlösser in Bruchsal, Ettlingen und Mannheim und der Klosterkirche Weingarten mit. Die Deutsche Bundespost gab zu Asams 250. Todestag im Jahr 1989 eine Gedenkmarke mit dem Wert 60 Pfennig heraus; sie zeigt Cosmas Damian Asam vor dem Deckenfresko in der Klosterkirche Weltenburg. Von dort stammt auch das Bier, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet, der Weltenburger Asam Bock.

Sehr dunkel rubinrot, praktisch schwarz ist dieses preisgekrönte Bockbier. Der mittelbraune Schaum ist sahnig und bleibt sehr lange erhalten. Optisch macht das Bier auf jeden Fall richtig was her.

In der Nase dominieren die Röstaromen. Düfte nach dunkler Schokolade und Kaffee steigen mir in die Nase, aber auch süße Noten mit einigen würzigen Anklängen fehlen nicht.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine kräftige Süße sowie reichlich Kohlensäure aus. Auf der Zunge bleibt die Süße erhalten und paart sich mit dem Geschmack nach Mokka, ohne dass verbrannt wirkende Noten dazukommen. Das Mundgefühl ist schwer und rund. Der Abgang ist überraschend mild und der Geschmack nach Espresso klingt lange nach.

Der Asam Bock ist ein wunderbares Bier, das gut zu Pudding und anderen auf Milch basierenden Desserts passt, aber auch zu Wildgerichten oder Sauerbraten ist es eine passende Begleitung.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Dunkles Gerstenmalz, Caramelmalz, Farbmalz), Hopfen (Perle)

Alkoholgehalt:

7,3 % Vol.

Stammwürze:

18,2 %

Empfohlene Genusstemperatur:

8° Celsius

Brauerei:

Brauerei Bischofshof GmbH & Co. KG
Heitzerstraße 2
93049 Regensburg
www.weltenburger.de

Texels Dubbel

Jetzt habe ich bereits länger kein Bier mehr von der westfriesischen Insel Texel getestet. Es wird also mal wieder Zeit. Vor mir steht das Dubbel aus der Texelse Bierbrouwerij. Dubbels sind eher dunkle Starkbiere mit einem Alkoholgehalt von meist sechs bis acht Volumenprozent. Ursprünglich stammt der Bierstil Dubbel aus der Brautradition der Trappistenklöster, aber beretis seit den Tagen des zweiten Weltkriegs werden diese Biere nachgebraut.

Kupferfarben läuft das Bier ins Glas. Die feinporige Schaumkrone hat die Farbe von Elfenbein und bleibt lange erhalten.

Das Aroma wird durch die Röststoffe des Malzes dominiert. Düfte nach Schokolade und dunklen Trockenfrüchten wie Rosinen und Pflaumen steigen mir in die Nase. So weit gefällt mir das Aroma, aber leider steigt mir auch der Alkohol deutlich erkennbar in die Nase.

Der Antrunk ist recht süß, so dass ich denke, dass dieses Dubbel als Dessertbier geeignet ist. Zu diesem Eindruck trägt auch die feinperlige Kohlensäure bei. Auf der Zunge kommt noch der Geschmack nach Schokolade zur Süße, gemeinsam mit Karamell- und Nussnoten. Das Mundgefühl ist weich und der Alkohol wärmt. Im Abgang ist das Texels Dubbel mild und es kommt jetzt auch erstmal eine leichte Fruchtigkeit auf. Leider ist der Nachklag nur kurz.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,4 % Vol.

Brauerei:

Texels Bierbrouwerij BV.
Schilderweg 214b
1792 CK Oudeschild
Niederlande
www.texels.nl

30167 Bock

Seit dem Sommer 2017 gibt es in Hannover die Genossenschaft „Nordstadt braut“. Bislang hat die etwa 500 in der Genossenschaft zusammengeschlossenen Bierliebhaber aus Hannover und Umgebung vier Biere, ein Mischgetränk und zwei Limonaden im Angebot. Eines der Biere ist der 30167 Bock, ein helles Bockbier, das in Zusammenarbeit mit Strecks Brauhaus aus Ostheim vor der Rhön produziert wurde.

Auffällig sind die in diesem Fall minimalen Angaben auf den Etiketten, es wird nicht einmal angegeben, ob es sich um einen hellen oder einen dunklen Bock handelt. Na ja, das werde ich ja gleich feststellen.

Intensiv goldfarben und leicht opalisieren strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber steht eine durchschnittlich große Krone aus sahnigem Schaum, die sehr lange erhalten bleibt. Ein Bier wie gemalt.

Wie die Optik, so ist auch das Aroma. Stiltypisch malzbetont duftet es nach Biskuit, abgerundet durch würzige Aromen nach weißem Pfeffer sowie einigen blumigen Noten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist leicht süß, die Rezenz ist gut abgetimmt. Auf jeden Fall macht das Bier einen sehr frischen Eindruck. Auf der Zunge überrascht das Bier mit einer ordentlichen Portion Bitter, die sich zur Süße im Vordergrund gesellt. Die Frische bleibt die gesamte Zeit erhalten. Obwohl der Abgang recht mild ist, klingen die Bitterstoffe noch lange nach.

Dieses Bockbier gehört zu den besten Böcken, denen ich bislang gegegnet bin. Zu Wildgerichten ist es ein sehr guter Begleiter.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,3 % Vol.

Stammwürze:

16,2 %

Brauerei:

Nordstadt braut eG
Engelbosteler Damm 126
30167 Hannover
www.nordstadt-braut.de

in Zusammenarbeit mit

Streck-Bräu GmbH & Co. KG
Ludwig-Jahn-Straße 11
97645 Ostheim/Rhön
www.strecks-brauhaus.de

Musketeers – Troubadour Obscura

Ich liebe die belgischen Brauer, besonders die aus der Wallonie. Sie haben keine Angst davor, Stile auszuprobieren, die man gemeinhin weniger als „belgische Stile“ betrachtet. Ja, es gibt viele belgische Stile. Aber es gibt auch Stile, die ihren Ursprung anderswo haben und in denen die Belgier ebenfalls hervorragend sind und sich bei aller Kreativität an die Definition der Stile halten. Die belgische Handwerkskunst schimmert oft durch, egal was man gerade trinkt. Sie haben jedoch fast immer einen unverwechselbaren belgischen Geschmack. Die Brauerei Musketeers in Ursel beispielsweise beschreibt ihr Gebräu als „mildes Stout“. Das macht mich neugierig und deshalb will ich das Bier jetzt auch verkosten.

Mahagonifarben mit einer sehr großen mittelbraunen festen Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt, strahlt mich das Bier aus dem Glas an. Besser kann ein belgisches Strong Dark Ale nicht aussehen.

Das Aroma wird durch die verschiedenen verwendeten Malze bestimmt. Ich rieche Karamell, dunkle Schokolade und Vanille. Da bekomme ich wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch und süß und durch die perfekt dosierte Kohlensäure sehr angenehm. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen wider, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Ich schmecke Toffee und dunkle Schokolade. Die Süße bleibt bestehen und wird durch ein leichtes Bitter ergänzt. Das Mundgefühl ist voll und rund Im Abgang kommt der Geschmack nach Schokolade in den Vordergrund und er klingt lange nach.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,2 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Farbe:

115 EBC

Brauerei:

Brouwerij The Musketeers
Tramstraat 8
9910 Ursel
Belgien
www.themusketeers.be