In Finnland geht es derzeit um nichts Geringeres als das beste Bier des Landes. Beim Wettbewerb „Suomen Paras Olut“ – also „Finnlands bestes Bier“ – wurden Anfang Juni die Finalisten gekürt. Wer am Ende ganz oben steht, entscheidet sich am 11. Juni.
Blindverkostung mit Expertenjury
Ausgetragen wurde der Wettbewerb am 6. und 7. Juni an der Perhon Business School. Mehr als 50 geschulte Juroren nahmen die Biere dabei genau unter die Lupe – beziehungsweise ins Glas. Verkostet wurde blind, um größtmögliche Objektivität zu gewährleisten.
Teilnehmen dürfen ausschließlich Biere, die in Finnland gebraut und regulär im Handel erhältlich sind. Das Besondere: Der Wettbewerb richtet sich bewusst an die gesamte Branche – von großen Brauereien bis hin zu kleinen Craft-Betrieben.
Organisiert wird „Suomen Paras Olut“ vom finnischen Brauereiverband, hinter dem sowohl die Interessenvertretung der Brau- und Softdrinkindustrie als auch die Vereinigung der Kleinbrauereien stehen. Damit ist es der einzige Wettbewerb des Landes, der sich ausschließlich auf finnische Biere konzentriert.
Bekannte Namen hinter den Kulissen
Für die fachliche Leitung sorgten erfahrene Persönlichkeiten der Szene. Als Hauptjuror fungierte der langjährige Bierexperte Jussi Rokka. Die Gesamtleitung lag bei Veera Savolainen, während André Brunnsberg die finale Juryrunde anführte. Die Organisation des Wettbewerbs koordinierte Anikó Lehtinen.
Neben den Kategoriesiegern wird auch der Gesamtsieger gekürt – das „Finnische Bier des Jahres 2026“. Zusätzlich vergibt die Jury Sonderpreise, unter anderem für das beste glutenfreie Bier und das beste Stout.
Die folgenden Biere stehen im Finale
Die Liste der Finalisten zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die finnische Bierlandschaft inzwischen ist:
Bellywasher / Iso-Kallan Brewery, Bock’s Doppelbock / Bocks Corner Brewery, Cloud Strider / Mallassepät, Crisp Lager / Sinebrychoff Oy, Fat Barrel 08: Bardstown Bourbon / Fat Lizard Brewing Company, Fat Lite Micro NEIPA / Fat Lizard Brewing Company, Fredrik / Mathildedalin Village Brewery, Green Riff / Varikko Brewery, Hartaa / Varikko Brewery, Intense 44 IPA / Maku Brewing, HÖLLI Juicy Pale Ale / HIISI, IKIIURSO Imperial Stout / HIISI, KASKI Cold-Smoked Lager / Takatalo & Tompuri, KASKI, Mustakaura / Takatalo & Tompuri, KASKI Strong Lager / Takatalo & Tompuri, Keisari Blanc, 5.2% / Nokian Brewery, Keisari Mexican Lager, 4.5% alcohol / Nokian Brewery, Kiljuhanhi / Tuju Brewery, Korven Kutsu Wild Alder Smoked Lager / Karvila Brewery, Kukko Rye / Laitilan Brewery, Laiskajaakko / Teerenpeli Brewery and Distillery, Lammin Sahti / Lammin Sahti, Lepaa Saison / Lepaa Brewery, Loisto West Coast Pils / Mathildedalin Village Brewery, Luigi Italo Pils / Kanavan Brewery Oy, Masuuni Imperial Stout 9% / Mathildedalin Village Brewery, Mirage / Tired Uncle Brewing, Mylläri Lager / Brewery, MYLLÄRI LOW ALC ALE 2-WAY / OlutMylly, Mystery / Brewery Tuju, Märichello / Olarin Brewery, Nikkari Pils / Maku Brewing, NOPPA Barrel-Aged Imperial Stout / HIISI, Otaniemi – Oriented / Masis Brewery, Raspberry Vanilla Sour, 5% ABV / CoolHead Brew, RPS Rock Blanc / RPS Brewing, SOURMA Barrel-Aged Brettanomyces Cherry Sour / HIISI, Ignition: Micro NEIPA / Brewery Himo, Teräs Strong Lager / Tornio Brewery, The Dark Place / Masis Brewery, Cherish the Memories / Olarin Brewery, Trippin‘ On Spruce Tips / Olarin Brewery, Vanilla Pear Pie / Pastry Chefs, Vanilla Stout / Chocolate Stout, Gloves / Skilled craftspeople
Zwischen Lager, IPA und Spezialitäten
Ein Blick auf die Liste zeigt: Von klassischen Lagerbieren über hopfenbetonte IPAs bis hin zu ausgefallenen Spezialitäten wie fassgereiften Stouts oder Sauerbieren ist alles vertreten. Auch traditionelle finnische Bierstile wie Sahti finden sich unter den Finalisten.
Damit spiegelt der Wettbewerb nicht nur die Qualität, sondern auch die enorme Bandbreite der finnischen Brauszene wider.
Spannung bis zur Bekanntgabe
Wer sich am Ende den Titel „Finnlands bestes Bier 2026“ sichert, wird am 11. Juni um 17:00 Uhr bekannt gegeben. Bis dahin bleibt es spannend. Fest steht aber schon jetzt: Die finnische Bierlandschaft hat deutlich mehr zu bieten, als man ihr auf den ersten Blick vielleicht zutraut. Oder anders gesagt: Es lohnt sich, auch jenseits der klassischen Bierländer genauer hinzuschauen – manchmal wartet das nächste Lieblingsbier eben in Finnland.

Nun steht mal wieder ein Bier des Fliegenden Holländers Ronald de Waal vor mir. Ein Niederländer, der in Finnland wohnt und zum Brauen sich in belgischen Brauereien einmietet. Damit vereint er drei große Biernationen, was sich auch durchaus in seinen Bieren niederschlägt.
Alkoholfreie Biere liegen im Trend. Auch Flying Dutchman will da nicht abseits stehen und hat mit „Free Your Mind and Your Ass Will Follow“ in dieser Kategorie ebenfalls ein Bier im Angebot. 2020 wurde das Bier bei den World Beer Awards sogar mit der Silbermedaille als Belgiens zweitbestes Bier ausgezeichnet. Na, wenn das kein Anreiz ist, das Bier zu verkosten.
Der Brauer beschreibt dieses Bier wie folgt: „Haftungsausschluss. Dieses unheimliche Bier sollte nur in einer düsteren Stimmung getrunken werden. Von Kopf bis Fuß schwarz gekleidet und Joy Division Love zuhörend. Dies ist ein ernstes Bier für ernsthafte Menschen. Seien Sie jedoch gewarnt, das Zusammenspiel von schwarzen Johannisbeeren und Schokolade mit etwas Vanille- und Eichenchips, das von unserem glücklichen Brauer verwendet wird, kann Sie unerwartet aus der Leere existenzieller Schmerzen herausholen, die Sie so genossen haben. Und dann fühlst du dich plötzlich gut. Das ist wirklich nicht gut.“ OK, sonst noch was? Ja, im Jahr 2019 hat das Bier bei den World Beer Awards den ersten Platz unter den belgischen Bieren gewonnen. Das ist doch was.
Manchmal frage ich mich, ob die Jungs von der Flying Dutchman Brewing Company mehr Zeit mit dem Brauen ihres Biers oder mit dem Texten der sperrigen Namen für ihre Biere verbringen. Auch wenn ich diese Frage nicht beantworten kann, haben mir die Biere bislang immer gut gefallen. Jetzt steht vor mir erstmals ein Sauerbier aus dieser Brauerei, das mit einigen roten Beeren gebraut wurde. Mal sehen, ob mir auch dieses Bier so gut gefällt.