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Stralsunder Bier

Wer an Bier aus Stralsund denkt, der denkt zuerst an die Störtebeker Brauerei. Und mit dem Stralsunder Bier liegt man damit auch nicht wirklich falsch. Es ist zwar eine andere Marke, aber sie kommt trotzdem aus der bekannten Braumanufaktur an der Greifswalder Chaussee.

Weshalb das so ist, wurde mir bei meinem Besuch in Stralsund erklärt. Stralsunder Bier gibt es bereits seit 1827 und aufgrund der günstigen geografischen Lage am Strelasund versorgte die Brauerei die Seebäder auf Rügen mit seinem Bier, das einen sehr guten Ruf genossen haben soll. In der Zeit der DDR soll es aufgrund veralteter Maschinen und mangelnder Rohstoffe mit der Qualität deutlich bergab gegangen sein. Ein Mitarbeiter der Störtebeker Brauerei sagte bei meinem Besuch, dass die Qualität der Biere aus Stralsund zum Ende der DDR „selbst für DDR-Verhältnisse schlecht“ gewesen sei.

Da muss ich mal einen Break machen. Als 1990 die Grenze geöffnet war bin ich einige Male in Cottbus gewesen, damals noch mit dem Auto. Auf (fast) jedem Parkplatz an der Autobahn stand ein Imbisswagen, ein Bretterverschlag oder ein Zelt und diente als Imbiss. Bratwurst, selbstgemachte Frikadellen und Kaffee gab es überall, in vielen Fällen auch Bier aus Ostproduktion. Ich habe die Biere, die sicher noch nach DDR-Rezeptur gebraut waren, eigentlich immer genossen. Sie erschienen mir eher besser als viele Biere aus dem Westen. Eventuell kann mir das mal jemand erklären. Kommen wir aber zum Stralsunder Bier zurück, zu dem aus der Gegenwart.

In hellem Goldgelb präsentiert sich das Bier im Glas. Es enthält reichlich Kohlensäure, die für eine durchschnittliche Menge cremigen Schaums sorgt, der auch durchschnittlich lange erhalten bleibt. Bei der Optik hat die Brauerei also schon mal nichts verkehrt gemacht, auch wenn sie mich nicht aus den Socken haut.

Das Aroma gefällt mir schon erheblich besser. Es wird durch Karamell geprägt, untermalt durch den Duft von Wiesenheu mit vielen Kräutern. Der Duft macht klar, dass hier nur mit richtigem Hopfen gebraut wurde und dass in dieser Brauerei Hopfenextrakte keinen Platz haben. Da bekomme ich wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist leicht süß und die feinperlige Kohlensäure verleiht ihm eine angenehme Frische. Sobald sich das Bier im Mund ausbreitet kommen recht viel saure Noten zu Vorschein, die sich aber gut mit der Süße des Bieres vertragen. Mir fehlen nur die Bitterstoffe, die für ein norddeutsches Pils prägend sind. Mit den wenigen Bitterstoffen ist auch der Abgang recht nichtssagend.

Mir erscheint das Bier etwas unausgeglichen, aber mit mehr Bitter könnte es ein nordisches Pils nach meinem Geschmack sein. Das ist aber wirklich mein persönlicher Eindruck, den viele andere Biertrinker sicher nicht teilen werden. Dass die Stralsunder Biere von der DLG mit der Goldmedaille und von 2010 bis 2012 mit dem Bundesehrenpreis ausgezeichnet wurden, spricht für sich.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmal, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,4° Plato

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stralsunder.de

Störtebeker – Imperial Stout

Im August letzten Jahres veranstaltete die Störtebeker Braumanufaktur bereits zum vierten Mal das Festival der Bierspezialitäten in Stralsund. Knapp 15 Hobbybrauern aus ganz Deutschland hatten ihre Kreationen eingereicht. Sie nahmen dabei an der ersten Meisterschaft der Hobbybrauer teil, bei der sie ein eigens eingebrautes „Imperial Stout“ einreichen mussten. Eine sechsköpfige Jury – unter anderem mit dem Vizeweltmeister der Biersommeliers Frank Lucas – verkosteten im Vorfeld der Veranstaltung die verschiedenen Biere und kürten die Besten: Platz eins ging an Stefan Mahlburg.

Jetzt ist es so weit – die Brauerei hat das Siegerbier nachgebraut und vertreibt es derzeit. Ich habe jetzt eine Flasche vor mir stehen und werde sie verkosten.

Schwarz und fast blickdicht steht das Bier im Glas. Darüber eine unterdurchschnittliche Menge haselnussbrauner Schaum, cremig mit einzelnen großen Blasen. Optisch hat die Braumanufaktur also alles richtiggemacht. Leider bleibt der Schaum nur recht kurze Zeit erhalten.

Das reichhaltige Aroma wird durch Röstaromen geprägt. Ich bemerke Düfte nach Toffee, Espresso und etwas Würziges. Ist das Pfeffer? Egal, auf jeden Fall macht der Aroma richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, aber nicht so süß wie ich erwartet hätte. Dafür ist er aber sehr intensiv und cremig, fast wuchtig. Der Körper ist samtig, rund und vollmundig mit Noten dunkler Schokolade. Der Abgang ist nur leicht bitter, dabei aber trotzdem intensiv. Der Geschmack ist nicht nur in der Kehle, sondern füllt lange Zeit den gesamten Mund aus.

Leider ist das Bier nur vorübergehend im Angebot. Wenn der Sud verkauft ist, wird es nicht neu aufgelegt. Es lohnt sich auf jeden Fall, das Bier noch schnell zu bestellen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Buchweizenmalz, Röstgerste, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,67 % Vol.

Stammwürze:

18° Plato

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Hansestadt Stralsund
www.stoertebeker.com

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Störtebeker – Stark-Bier

Heute teste ich das erste Bier aus der Störtebeker-Brauerei in Stralsund. War die Brauerei vor einigen Jahren noch hauptsächlich für sein Schwarzbier bekannt, das fast ausschließlich regional vertrieben wurde, bietet das Unternehmen jetzt mehr als ein Dutzend unterschiedliche Biere an, teilweise sogar in Bio-Qualität. Jetzt ist aber erst einmal das Stark-Bier an der Reihe.

Bevor ich das Bier teste sehe ich mir erst einmal die Website der Brauerei an. Dort werden die einzelnen Biersorten sowie deren Zutaten vorgestellt. Und das wirklich umfassend. Störtebeker schreibt nicht nur, dass Hopfen verarbeitet wird, sondern es werden sogar die Hopfensorten genannt. In diesem Fall handelt es sich um die Sorte Smaragd. Dieser Hopfen gehört zu den hochfeinen Aromasorten und zeichnet sich durch seinen fruchtigen und würzigen Geschmack aus. Die Aromen sind fruchtig, hopfenwürzig, blumig. So viel Offenheit habe ich noch bei keiner anderen Brauerei erlebt. Das macht doch richtig Lust auf den Test.

Ich gieße mir also ein Glas ein – und staune schon wieder. Diesmal über die tiefe Schwärze des Biers. Selbst als ich das Glas gegen die Lampe betrachte, ist nur sehr schwach der typische Rotton zu erkennen. Darüber eine feinporige und feste hellbraune Schaumkrone, die auch wunderbar lange stehenbleibt. Dazu der kräftige Duft nach Karamell, unterstützt von Röst-, Schokoladen- und Kaffeenoten.

Der Antrunk ist leicht süßlich. Das war aber auch zu erwarten und die Süße ist auch nicht aufdringlich. Im Körper kommt dann das Malz in den Vordergrund und auch die Schokoladennoten kommen diskret durch. Der langanhaltende Abgang rundet den Schluck mit relativ wenigen Bitternoten perfekt ab.

Fazit: Ein Bier, das einfach rund ist, super geeignet zu Wildgerichten oder Sauerbraten. Zwischendurch ein Stück Bitterschokolade zu essen wertet dieses Bier noch weiter auf.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

16,9 %

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Stralsund
http://www.stoertebeker.com

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Insel-Brauerei – Insel Kreide

Jetzt verkoste ich ein Bier aus der Rügener Insel-Brauerei, das Insel Kreide. Verkauft wird das Bier als „Seltenes Bier“. Als Bierstil wird eine Eigenkreation angegeben, als internationale Bierkategorie Champagner Ale.

Eine Eigenkreation? Da muss ich doch erst einmal auf der Website der Brauerei nachsehen, ob ich da weitere Informationen erhalte. Und tatsächlich wird auf der Website Braumeister Markus Bererich, der auch Geschäftsführer der Brauerei ist, zitiert: „Das erste Kreide Bier der Welt haben wir aus Kreide und Champagner Hefe gebraut.“ Kreide im Bier? Das macht doch mich schon mal neugierig. Und bei den Zutaten steht noch an letzter Stelle Gewürz, eine Zutat, die auf der Flasche nicht vermerkt ist. Das ist ein Grund, einmal bei der Brauerei nachzufragen, woher diese Differenz kommt. Und tatsächlich antwortete mir Markus. Ich zitiere hier mal aus seiner Mail: „es war zum Start rechtlich nicht ganz klar ob die Kreide als Gewürz deklariert werden muss. Muss sie nicht da sie geogen im Wasser vorkommt. Es muss daher nicht als Gewürz deklariert werden.“ Das wäre also schon mal geklärt.

Da die Flasche vollständig in Papier eingepackt ist, bleibt viel Platz für die Beschreibung des Biers. Auch wenn sich die Bewertung des Biers hier auf Stichworte beschränkt, geht die Brauerei hier in die Vollen. Das Bier wird als erfrischend, trocken und subtil prickelnd beschrieben, als Genussanlass wird Festlich und Empfang angegeben und als Speiseempfehlung Empfangs-Snacks. Schon wieder wundere ich mich. Unter Empfangs-Snacks stelle ich mir Fingerfood oder Löffelfood vor. Und das kann so ziemlich alles sein. Ist den Brauern auf Rügen nichts eingefallen, wozu dieses Bier passt oder passt es zu allen Speisen? Mal sehen, ob ich diese Frage bei der Verkostung beantworten kann. Jetzt ist es aber wirklich an der Zeit, das Bier zu testen.

In hellem Gelb und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas, darüber recht viel grobporiger Schaum, der sich schnell auflöst.

Das Aroma ist säuerlich mit Tönen von grünen Äpfeln und Zitrusfrüchten. Auch dass in diesem Bier Weizenmalz verbraut ist, kommt deutlich durch. Wüsste ich nicht aus der Zutatenliste, dass mehr Gerstenmalz als Weizenmalz enthalten ist, würde ich das Bier vom Aroma her für ein leicht saures Weizenbier halten. An einem warmen Sommertag ist das ja nicht verkehrt.

Der Antrunk ist trocken. Ich kann kaum Süße schmecken. Das ist doch mal etwas anderes als die vielen Biere, bei denen die Süße ziemlich dominant ist. Dazu kommt die feine Kohlensäure, die die Champagnerhefe produziert hat. Auch der Körper ist eher säuerlich mit Noten von Äpfeln und Quitten. Es folgt ein trockener Abgang. Bis hierhin schmeckt das Bier nicht schlecht, aber es kann mich auch noch nicht richtig überzeugen; irgendwie wirkt es nicht so richtig ausgewogen.

An dieser Stelle muss ich ausführen, dass ich Biere in der Regel zimmerwarm teste, da sich bei etwas höherer Temperatur die Aromen und Geschmäcker besser entwickeln. Allerdings ist es derzeit sehr warm, so dass ich vermute, dass die recht hohe Temperatur den Genuss beeinträchtigen könnte. Bei diesem Bier wird eine Trinktemperatur von 10°C empfohlen. Ich habe also die Flasche wieder verschlossen und für einen Tag in die Tür meines Kühlschranks gestellt, so sie auf etwa 8°C heruntergekühlt wird. Einen Tag später wiederhole ich den Test mit dem kühlen Bier.

Das Aroma scheint jetzt etwas schwächer zu sein, aber das hatte ich auch erwartet. Die Säure ist jetzt auf der Zunge nicht mehr so dominant, dafür kommen die Weinnoten mehr zum Vorschein, die ich von der Champagnerhefe erwartet habe. Irgendwie erscheint mir das Bier jetzt auch komplexer und deutlich ausgewogener. Der Abgang ist weiterhin trocken.

Dieses Bier muss gekühlt getrunken werden. Ich hätte nicht geglaubt, dass die Temperatur einen so großen Einfluss auf den Geschmack des Bieres haben kann. Durch das Kühlen wurde bei der Insel Kreide aus einem nicht wirklich ausgewogenen Bier ein echter Genuss. Jetzt verstehe ich auch, weshalb als Speiseempfehlung Empfangs-Snacks angegeben sind. Dieses Bier kann als Aperitif jeden Sekt nicht nur ersetzen, es übertrifft den Genuss des Sekts in fast allen Fällen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmal, Weizenmalz, Traubenzucker (vollständig vergoren in Flaschenreifung), Naturhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstr. 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de

Vielanker – Pilsener

Wieder einmal werde ich jetzt ein Bier aus dem mecklenburg-vorpommerschen Vielank verkosten, diesmal das Pilsener. Nachdem mir das Schwarzbier aus dieser Brauerei im mecklenburgischen Biosphärenreservat bereits sehr gut gefallen hat, bin ich jetzt wirklich neugierig auf das Pilsener.

Mit einem intensiven Goldgelb steht das Bier im Glas. Mir fällt auf, dass es für ein ungefiltertes Bier relativ wenig Hefe enthält. Dafür bildet das Bier eine feste und feinporige Schaumkrone, die auch längere Zeit erhalten bleibt. Der Duft wird durch die Maische, den Hopfen und etwas Hefe geprägt. Der Antrunk ist für ein norddeutsches Pils typisch: herb, dabei leicht süß und spritzig. Anschließend machen sich feine Bitterstoffe im Mund breit, die durch die Hefe abgemildert und komplettiert werden. Das Bier ist herrlich süffig, halt typisch nordisch. Überraschend ist aber der milde Abgang, auch wenn er anschließend noch lange erhalten bleibt. Für mich gehört dieses Pilsener durchaus zu den besten seiner Art.

Zutaten:

Quellwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Brauhefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Vielanker Brauhaus GmbH & Co. KG
Lindenplatz 1
19303 Vielank
http://www.vielanker-brauhaus.de/

Störtebeker – Frei-Bier

Nun ist der Sommer im Ruhrpott angekommen und es ist an der Zeit, mal wieder ein alkoholfreies Bier zur verkosten. Jetzt habe ich ein Frei-Bier vor mir stehen, ein alkoholfreies Pils aus der Braumanufaktur Störtebeker in Stralsund. Häufig schmecken die alkoholfreien Biere ja recht wässrig, einfach weil Alkohol ein Geschmacksträger ist. Aber die Biere aus Stralsund sind ja sonst sehr geschmackvoll, so dass ich von Vornherein das Vorurteil habe, dass das Frei-Bier eine Ausnahme darstellen könnte.

Die Farbe ist zumindest schon mal ansprechend. Kräftig Goldgelb präsentiert es sich. Dazu reichlich Kohlensäure sowie eine durchschnittliche Menge cremiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt. Doch, Bei anderen alkoholfreien Bieren ist der Schaum ein Problempunkt, da er sehr schnell in sich zusammenfällt. Hier haben die mecklenburgischen Brauer also irgendetwas richtiggemacht. Rein optisch macht das Bier einen wirklich guten Eindruck. Mal sehen, ob das auch beim Geschmack so bleibt.

Das Aroma ist kräftig würzig, nach Blumen, Gras und Kräutern. Irgendwie vermisse ich hier etwas den Duft des Malzes. Aber eventuell sind auch alle Zutaten so gut aufeinander abgestimmt, dass die Aromen so zueinanderpassen, dass meine Nase sie nicht wieder trennen kann. Der Antrunk ist relativ süß und durch die reichlich vorhandene Kohlensäure auch spritzig. Die Süße wird aber schnell durch die vielen Bitterstoffe abgelöst, in der Menge durchaus zum noch vorhandenen Malzzucker passend. Das Bittere ist aber auch durchaus angenehm; ich würde mir an dieser Stelle aber wohl noch etwas Säure wünschen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Geschmack dadurch noch runder werden könnte. Der Abgang lässt sich am Besten in Stichworten beschreiben: herb und bitter, kurz gesagt nordisch.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Gärungskohlensäure, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

13,0° Plato

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stoertebeker.com

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Vielanker – Schwarz

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus dem norddeutschen Mecklenburg-Vorpommern nahe der Grenze zu Niedersachsen vor mir, das Schwarzbier aus Vielank. Zur Brauerei gehört auch eine Gaststätte und wenn ich die Angaben auf der Website richtig verstehe, wird dort auch der Großteil der Produktion verkauft. Es handelt sich also um ein wirklich handwerklich hergestelltes Bier. Das Etikett verrät, dass das Bier wirklich im eigenen Brauhaus hergestellt wurde und dass es ungefiltert ist. Damit werden meine Erwartungen schon mal kräftig hochgeschraubt. Dementsprechend neugierig bin ich auch auf dieses Bier. Dann will ich es mal einschenken.

Bereits während das Bier ins Glas läuft fällt mir die tiefschwarze Färbung auf. Und tatsächlich, auch als ich das Glas gegen das Licht halte, kommt kaum ein Rotschimmer durch. Über dem Bier steht ein feinporiger brauner Schaum, der sich auch nur langsam auflöst. Optisch gefällt mir das Bier schon mal hervorragend. Auch die intensiven Röstaromen sind mir bereits beim Einschenken aufgefallen. Im Glas stelle ich noch leichte Aromen von reifen Pflaumen und Kaffee fest. So ein komplexes Aroma gefällt mir ausnehmend gut.

Im Antrunk kommt die Süße des Malzzuckers zum Vorschein, ohne dass sie sich unangenehm in den Vordergrund drängt. Dann explodiert der Geschmack im Mund regelrecht. Norddeutsch bitter, mit Anklängen von Karamell und Schokolade füllt der Geschmack des Bieres den Mund aus. Lediglich etwas mehr Kohlensäure würde ich mir wünschen. Es folgt ein angenehm bitterer Abgang, dessen Geschmack noch lange anhält.

Was für ein Bier. Es kann sowohl für sich allein genossen werden, konzentriert auf den Geschmack des Bieres. Es passt aber auch hervorragend zu einem herzhaften norddeutschen Essen. So ein Bier würde ich mir häufiger wünschen.

Zutaten:

Quellwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Brauhefe

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

VIELANKER Brauhaus GmbH & Co. KG
Lindenplatz 1
19303 Vielank
http://www.vielanker-brauhaus.de/

Störtebeker – Eis Lager

Um ein Eisbier herzustellen wird zunächst das Bier normal gebraut und anschließend bei unter null Grad Celsius eingefroren. Das Wasser gefriert und der Alkohol, der die Aromen enthält und einen deutlich tieferen Gefrierpunkt hat, bleibt flüssig und kann abfließen. Das Ergebnis ist ein deutlich stärkeres und aromatischeres Bier, in diesem Fall satte 9,8 Volumenprozente.

Jetzt steht das Eis Lager aus der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund vor mir. Bislang kannte ich Eisbiere nur als Eisbock, weshalb diese Verkostung für mich durchaus spannend ist.

Kupferfarben und gefiltert präsentiert sich mir das Eis Lager. Die Schaumkrone ist recht üppig und feinporig. Sie bleibt auch lange erhalten. Bei der Optik hat die Brauerei schon mal keinen Fehler gemacht.

Wie ich bei einem Lagerbier erwarte, ist das Aroma malzbetont. Düfte nach Honig, Biskuit und Karamell steigen mir in die Nase. Aber auch der Hopfen steuert Düfte nach Pfirsich und Orangenschale zum Aroma bei. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der erste Eindruck ist der eines recht süßen Bieres, was nach der Eisreifung aber zu erwarten war. Außerdem harmoniert die Süße gut mit der sehr feinperligen Kohlensäure. Und noch eine Erwartung von mir wird erfüllt: der Geschmack ist intensiv. Aber erst als sich das Bier auf der Zunge erwärmt lässt es so richtig seine Muskeln spielen. Wuchtig und rund wärmt es mich. Der Alkohol ist gut eingebettet und leistet seinen Beitrag zur Intensivierung des Geschmacks, ohne dass er hervorsticht. Der Abgang ist wenig bitter und lässt eine Whiskeynote erahnen, die sehr lange nachklingt.

Das Störtebeker Eis Lager ist ein tolles Bier, das am besten in kleinen Schlucken genossen wird.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Calypso), Hefe

Alkoholgehalt:

9,8 % Vol.

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stoertebeker.com

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Rügener Insel-Brauerei – Baltic Tripel

Seit 2015 braut die Insel-Brauerei in Rambin auf Rügen unter dem Motto „Expeditionen ins Bierreich“ besondere Biere. Dabei werden alte Bierstile neu interpretiert, ohne sich dabei durch das deutsche Reinheitsgebot einschränken zu lassen. Für mich steht aber eine andere Besonderheit der Insel-Brauerei im Mittelpunkt: Während etliche andere Brauer immer nur von „ihrem Hefestamm“ sprechen, also in Einzahl, verwendet die Insel-Brauerei 24 unterschiedliche Hefen, jeweils zwei für jedes der zwölf Biere, die in Rambin gebraut werden. Ich kann nicht beurteilen, wie groß die Unterschiede im Ergebnis sind, aber zumindest zeigt die Vielzahl der Hefen an, wie sorgfältig auf Rügen die Zutaten für die Biere ausgewählt werden. Jetzt steht vor mir das Baltic Triple. Das Tripel ist ein belgischer Bierstil, stark eingebraut mit einem Alkoholgehalt bis zu etwa 10 Volumenprozenten. Mal sehen, ob sich ein solches Bier auch in Mecklenburg-Vorpommern brauen lässt.

Dass die Flaschen in Papier gepackt sind, auf dem die Informationen zum Bier stehen, ist im Regal ein guter Blickfang. Außerdem ist auf diese Weise auch mehr Platz für die Informationen. So stehen auf der Flaschenverpackung auch alle Infos, die auf der Website stehen. Eine Information sticht besonders hervor: für das Bier wird eine Trinktemperatur von 16° C empfohlen. Meist wird eine deutlich niedrigere Temperatur empfohlen, für meinen Geschmack häufig eine zu niedrige Temperatur. Ich meine, je besser ein Bier schmeckt und je dunkler und stärker das Bier ist, desto wärmer kann es auch getrunken werden. Dann ist es nicht erforderlich, es fast bis auf Kühlschranktemperatur herunter zu kühlen. Offensichtlich sind die Brauer auf der Insel der gleichen Meinung.

In der Zutatenliste steht an letzter Stelle „Gewürz“. Als ich das bei der Insel Kreide erstmals gesehen habe, habe ich einmal bei der Brauerei nachgefragt, was es damit auf sich hat. Markus Berberich, der Geschäftsführer der Rügener Insel-Brauerei, hat mir damals geantwortet, dass das Bier Kreide enthält und es nicht klar war, ob die Kreide extra ausgewiesen werden muss. Da sie natürlich im Wasser gelöst vorkommt, ist es eigentlich nicht erforderlich, sie in der Zutatenliste aufzuführen. Aber verboten ist es nicht, so dass sie noch als Gewürz auf der Flasche ausgewiesen wird. Jetzt wollen wir aber endlich zum Bier kommen.

Goldgelb und leicht hefetrüb ist das Bier. Es enthält viel Kohlensäure, die vermutlich aus der Flaschengärung entsteht, während der die Hefe den zugesetzten Traubenzucker in Alkohol und Kohlensäure aufspaltet. Darüber bildet sich sehr viel sahniger weißer Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch kann ich schon mal nichts an dem Bier aussetzen.

Das Aroma lässt sich einfach als fruchtig beschreiben. Ich rieche Zitronenschale, Vanille und – für ein helles Bier eher untypisch – rote Beeren. So macht das Bier Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist leicht süß und spritzig. Obwohl die Süße nicht intensiv ist, zeigt sich von Anfang an ein kräftiger Geschmack auf der Zunge, der durch eine leichte Würzigkeit unterstützt wird. Schnell breitet sich der Geschmack im Mund aus und bringt dann eine ordentliche Fruchtigkeit mit. Ich schmecke Zitronen, Bananen und Ananas, dazu etwas Apfel. Süße und Säure sind ausgewogen, Bitter ist eher zu ahnen. Der Abgang ist überraschend fruchtig und langanhaltend.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Traubenzucker, Naturhopfen, Hefe, Gewürz

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstr. 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de

Rügener Insel-Brauerei – Insel Saison

Die Insel-Brauerei aus Rambin auf Rügen steht einfach für Qualität. Daher habe ich auch keine Befürchtungen das Insel Saison von dort zu öffnen und zu verkosten. Saison, auch Farmhouse Ale genannt, ist ein alter belgischer Bierstil. Traditionell wurde er im Winter gebraut, um im Sommer die Erntehelfer zu motivieren, am nächsten Tag wieder zur harten Arbeit aufs Feld zu gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dabei groß aus Qualität und konsistenten Geschmack geachtet wurde; vermutlich war die Menge wichtiger und es wurde mit den Zutaten gebraut, die noch in ausreichender Menge verfügbar waren.

Heute ist das Saison ein sehr komplexer Bierstil. Die meisten dieser Biere verfügen über ein sehr fruchtiges Aroma, das sich auch im Geschmack widerspiegelt. Achten Sie auf erdige Hefetöne, milde bis mäßige Säure. Viel Würze und mit mittlerer Bitterkeit. Sie neigen dazu, halbtrocken zu sein, wobei viele nur einen Hauch von Süße haben. Ob dies auch auf das Produkt von Deutschlands größter Insel zutrifft will ich jetzt feststellen.

Rotgolden und praktisch ohne Hefetrübung zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich sehr viel fester Schaum mit einem leichten Gelbstich, der sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier schon mal eine gute Figur.

Angenehme Fruchtaromen nach Trockenpflaumen, Orange und Pfirsich seigen mir in die Nase, unterstützt durch einige würzige Noten. Ich meine, Koriander und einen Hauch Nelke zu erkennen.

Der Antrunk ist recht süß und fruchtig, wobei die Orange etwas stärker in den Vordergrund tritt als im Aroma. Leider ist die sehr sanfte und feinperlige Kohlensäure recht knapp bemessen. Da würde ich mir etwas mehr wünschen. Auf der Zunge entwickelt sich eine ordentliche geschmackliche Intensität. Zur Süße gesellt sich eine gut abgestimmte fruchtige Säure, so dass mich die wenige Kohlensäure nicht mehr stört. Bitterstoffe kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht feststellen. Dafür erinnert das Bier jetzt etwas an Wein. Auch der Abgang ist sehr mild und mit minimalen Bitterstoffen. Leider klingt auch die Fruchtigkeit nur kurz nach.

Für mich ist das Insel Saison sicher nicht das beste Bier aus der Brauerei in Rambin, aber der Geschmack ist komplex und wirklich nicht zu verachten. Ich kann jeden Biergenießer verstehen, der von diesem Bier begeistert ist. Ich würde aber trotzdem empfehlen, es etwas kühler zu trinken als mit den von der Brauerei empfohlenen 12° Celsius. Es gilt aber: mit diesem Bier kann der Sommer kommen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Traubenzucker (während der Flaschenreifung vollständig vergoren), Naturhopfen, Hefe, Gewürz

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstraße 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de