72. Delegiertentreffen der EBCU in Warschau

Die European Beer Consumers Union (EBCU) hat sich am 17. und 18. Oktober 2025 zu ihrer 72. Delegiertentagung in Warschau getroffen. Gastgeber war die polnische Hobbybrauervereinigung PSPD (Polskie Stowarzyszenie Piwowarów Domowych). Vertreter aus ganz Europa kamen zu zwei Tagen voller Diskussionen, strategischer Überlegungen und gelebter Bierkultur zusammen – passend begleitet vom Warsaw Beer Festival, Polens größter Bierveranstaltung.

Die Tagung verband ernste Themen mit der herzlichen Atmosphäre der polnischen Bierszene. Die Sitzungen fanden in den Browary Warszawskie, einem aufwendig restaurierten Brauereikomplex, sowie in der Craft-Beer-Bar The Taps statt. Ein besonderes Highlight war die Jubiläumsgala zum 15-jährigen Bestehen der PSPD sowie ein Bier-Rundgang durch Warschaus vielfältige Brauereilandschaft.

Ein zentrales Thema war die geplante Kampagne „Brewed Where?“, die für mehr Transparenz bei der Bierkennzeichnung sorgen und Verbrauchern helfen soll, die Herkunft ihrer Biere besser nachzuvollziehen. Außerdem wurde intensiv über die aktuelle Krise in der europäischen Brauwirtschaft diskutiert. Die Delegierten tauschten Erfahrungen aus ihren Heimatländern aus und überlegten, wie die EBCU als gemeinsame Stimme der Bierkonsumenten gestärkt werden kann.

Neben der Genehmigung des Haushalts für 2026 wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die einen langfristigen Entwicklungsplan für die Zeit ab 2027 erarbeiten soll. Zudem berichteten verschiedene Arbeitsgruppen über ihre Projekte, darunter Themen wie Bierstile, Wohlbefinden, Hobbybrauen und Kommunikation.

Auch die Zusammenarbeit mit der britischen Campaign for Real Ale (CAMRA) wurde neu geregelt. CAMRA bleibt ab dem 1. Juli 2026 als assoziiertes Mitglied Teil der EBCU und wird deren Arbeit weiterhin aktiv unterstützen.

Die nächsten Delegiertentreffen finden im April 2026 in Rom und im Herbst 2026 in Deutschland statt. Mit neuen Ideen, frischer Energie und klarer Zielsetzung zeigte die Tagung in Warschau, dass die EBCU geschlossen für die Interessen der europäischen Bierliebhaber eintritt und die internationale Zusammenarbeit weiter stärkt.

Urstrom – Das natürliche Bier

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus Schleswig-Holstein vor mir, genauer gesagt aus Dollerup bei Flensburg. Auffällig ist, dass sich die Brauerei vollkommen bedeckt hält, um was für ein Bier es sich handelt. Den angenehm schlicht gehaltenen Etiketten kann ich lediglich entnehmen, dass es sich um ein Craft Bier handelt, das aus biologisch angebauten Zutaten gebraut wurde und dass es ein natürliches Bier ist. Vorder- und Rückenetikett sind mit insgesamt sechs Siegeln vollgepackt, aber um was für einen Bierstil es sich handelt, verrät die Brauerei nicht. Ich habe also ein Überraschungsbier gekauft, ich könnte auch sagen, die Katze im Sack. Ich meine, da sollte die Brauerei noch einmal nacharbeiten. Aber komme ich zum Bier.

Hell goldfarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist nur klein und löst sich schnell auf.

Das Aroma gefällt mir schon besser. Düfte nach Biskuitteig und hellen Steinfrüchten steigen mir in die Nase, abgerundet durch einen leichten Zitrusduft.

Beim Antrunk fallen mir zunächst die zurückhaltende Süße sowie die kräftige Karbonisierung auf. Auf der Zunge gesellt sich schnell noch eine leichte fruchtige Säure zur Süße. Die beiden Aromen sind gut aufeinander abgestimmt. Eine Bittere kann ich lediglich erahnen. Das Mundgefühl ist sehr schlank. Sogar in der Kehle kann ich keine Bittere feststellen, lediglich der Geschmack der Hefe taucht kurz in der Kehle auf.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Bittereinheiten:

26 IBU (laut Angabe bei Untappd)

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

Flensburger Spirituosen Manufaktur GmbH
Neukirchener Weg 8a
24989 Dollerup
www.urstrom-bier.de

Stadtmusikanten, Sudkessel und hopfige Experimente – Bremen braut wieder

Wenn in Bremen die Fisch&Feines mit dem Craft Beer Event an den Start geht, ist das fast schon ein Feiertag für alle, die gutes Bier lieben. Vom 7. bis 9. November ziehen – ganz wie einst Esel, Hund, Katze und Hahn – die Bremer Braumanufaktur, die Union Brauerei und die Brau-Klasse des Schulzentrums Rübekamp an einem Strang. Ihr gemeinsames Werk: das neue Stadtmusikanten-Bier 2025.

In diesem Jahr setzen die Brauer auf ein hopfengestopftes Pils, das klassische Braukunst mit modernen Aromen verbindet. „Dabei geben wir den Hopfen während oder nach der Gärung kalt zu – so bleiben die ätherischen Öle erhalten“, erklärt Braulehrer Boris von Schaewen. Das Ergebnis soll ein komplexes, aromatisches Pils werden – goldgelb, frisch und mit rund 5,6 % Alkohol.

Doch ein Rezept genügt den Bremern nicht: Jede der drei beteiligten Braustätten interpretiert das Stadtmusikanten-Pils auf ihre eigene Weise. Am Ende entstehen drei Varianten, die Besucherinnen und Besucher beim CRAFT BEER EVENT verkosten und direkt vergleichen können.

Neben dem Gemeinschaftsbier wartet die Messe mit einer beeindruckenden Auswahl handwerklich gebrauter Biere aus Deutschland und den Niederlanden auf – alle streng geprüft, ohne künstliche Aromen oder Hopfenextrakte.

Ein besonderes Highlight sind die Tastings mit Biersommelière Manuela Harms und Genussexpertin Petra Pekeler. Unterhaltsam und lehrreich zugleich geht es hier um Themen wie Bier & Fisch, After Work Beer oder Frauen und Brauen.

Also: Auf nach Bremen! Wo sonst trifft man auf Stadtmusikanten mit Schaumkrone und bekommt zu jedem Schluck auch noch eine gute Geschichte serviert?

De Dochter van de Korenaar – Sans Pardon – Pure Oak

De Dochter van de Korenaar ist eine belgische Brauerei mit Sitz in Baarle-Hertog, die 2007 von Ronald und Monique gegründet wurde. Die Brauerei ist bekannt für ihre hochwertigen Spezialbiere in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Stilen, darunter preisgekrönte und holzgereifte Biere. Die Brauerei hat sich einen guten Ruf erarbeitet und ist vor allem für ihre dunklen Biere beliebt.

Fassgereifte Biere werden in der Regel in Fässern gereift, in denen vorher Weine oder Spirituosen gelagert wurden. Bei den Brauern in Baarle-Hertog entstand die Idee, einige Biere aus dem Sortiment in neuen, unbenutzten Eichenfässern reifen zu lassen. Die Erfahrungen der Winzer sind aber auch beim Reifen von Bier eingeflossen. Dinge wie die Art der Eiche, die Art des Sägens, der Röstgrad, die Reifezeit und die Temperatur spielen eine wichtige Rolle bei der endgültigen Geschmacksentwicklung des Endprodukts. Mal sehen, was dabei herausgekommen ist.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine gemischtporige haselnussbraune Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass ich bei einem Bier aus dieser Brauerei auch nichts anderes erwartet habe.

Das Aroma des Sans Pardon ist wirklich betörend: selbstverständlich kommt die Eiche gut zum Tragen, aber auch die anderen Aromen nach Kaffee, Lakritz und Kandis sind sehr ansprechend und machen zusammen mit dem Vanillearoma richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist weniger süß als erwartet und er überzeugt durch eine feinperlige und dabei doch kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge präsentiert sich das Bier sehr geschmacksintensiv, ohne dabei übertrieben wuchtig zu werden. Der Kaffeegeschmack steht im Mittelpunkt, unterstützt durch etwas Lakritz. Dabei ist die Bittere etwas zurückhaltend vertreten. Das Mundgefühl ist schwer und samtig. Für die Ausgewogenheit des Bieres sorgt eine angenehme Süße, während der Geschmack der Eiche dem Bier die Spitzen nimmt. In der Kehle ist das Bier überraschend mild und während der Alkohol im Magen wärmt, klingt der Kaffeegeschmack sehr lange nach.

Die neun Monate Reifung in den neuen Eichenfässern, der daraus resultierende Tannin-Eichengeschmack und die runden Vanillenoten und die Nachgärung in der Flasche ergeben ein sehr schmackhaftes und angenehmes Stout.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, geröstete Gerste, Weizenmalz, Hopfen, Rooibos, Hefe

Alkoholgehalt:

11,0 % Vol.

Brauerei:

De Dochter van de Korenaar
Oordeelstraat 38
2387 Baarle-Hertog
Belgien
www.dedochtervandekorenaar.be

Die lange Nacht der kölschen Brauhäuser – Ein Abend voller Lebensfreude

Am 25. Oktober 2025 verwandelt sich Köln in ein einziges großes Brauhaus: Unter dem Motto „Kölsch verbindet“ öffnen zahlreiche Brauhäuser ihre Türen für eine Nacht voller Musik, Kultur und Gemeinschaft.

Kölsch als Zeichen der Gemeinsamkeit

Im Fokus steht nicht nur das Bier selbst, sondern vor allem das, was es symbolisieren soll: Offenheit, Geselligkeit und das kölsche Miteinander. Jedes teilnehmende Brauhaus bringt seine eigene Note in den Abend ein – von traditionell bis modern, von ruhig bis ausgelassen. Damit soll die Vielfalt der Kölner Gastronomieszene erlebbar werden und zeigen, wie sehr das Kölsch die Menschen in dieser Stadt verbindet.

Musik und Mitmachen – live in jedem Brauhaus

Musik wird die ganze Nacht hindurch die Straßen und Schankräume erfüllen. So lädt etwa das Bayenthaler Wirtshaus zu einem Mitsing-Konzert mit der Band Hörgerät ein. In der Brauerei zur Malzmühle stehen Künstler wie Constantin Gold und Moritz Köpping auf der Bühne.

Wer selbst aktiv sein möchte, kann im Brauhaus Pütz beim Schockturnier mitspielen oder im Em Kölsche Boor beim Kneipenquiz sein Wissen testen.

Weitere Highlights:

  • Im Reissdorf am Griechenmarkt sorgt die Band King Loui für Stimmung.
  • Im Gaffel am Dom lädt Ben Randerath zu einem Mitsingabend ein.
  • Im Hellers Brauhaus tritt das beliebte Trio Et Thekenterzett auf.
  • Beim Papa Joe’s wechseln sich handgemachte Musik und die berühmte Roboterband ab.

Hinter die Kulissen schauen

Für alle, die nicht nur feiern, sondern auch lernen wollen, gibt es Angebote wie nächtliche Taschenlampenführungen in der Brauwelt Köln – eine Gelegenheit, die Kunst des Brauens hautnah zu erleben.

Auch in Brauhäusern wie in Longerich wird mit Live-Musik und frisch zubereiteten Reibekuchen gefeiert. An anderen Orten wird mit besonderen Aktionen gelockt, etwa in der Schreckenskammer, wo jedes elfte Kölsch gratis ausgegeben wird.

Eintritt & Ablauf

Der Großteil des Programms ist eintrittsfrei, sodass alle Interessierten spontan von Brauhaus zu Brauhaus ziehen können. Für manche Programmpunkte (z. B. Führungen oder Turniere) ist jedoch eine vorherige Anmeldung erforderlich.

Die Programme starten zeitlich versetzt – manche Angebote schon am Nachmittag, andere erst am Abend – und oft wird bis tief in die Nacht gefeiert. Wer teilnehmen möchte, sollte allerdings frühzeitig planen oder reservieren, da die einzelnen Häuser gut besucht sein dürften.

Ein Abend, der Köln in seiner Seele zeigt

Die Lange Nacht der kölschen Brauhäuser ist weit mehr als ein Event. Sie ist ein lebendiges Abbild dessen, was Köln ausmacht: Freude, Musik, Humor, Herzlichkeit – alles vereint in gemeinschaftlichem Feiern. Wenn in den Brauhäusern gesungen, gelacht und angestoßen wird, spürt man, was „Kölsch verbindet“ wirklich bedeutet.

Hildesheimer Braumanufaktur – Black Ale

Das Village Rock Söhlde Open Air ist ein kleines, aber feines und vielseitiges Rock-/Metalfestival im niedersächsischen Söhlde (An der Schwimmhalle, Hinterm Knick). Das zweitägige Festival findet in jedem Jahr im Juli statt und bietet verschiedene Musikrichtungen: von Pop-Rock über Hard Rock und Heavy Metal bis zu Metalcore und Post-Hardcore. Und nicht zu vergessen: es gibt auch ein eigenes Bier, das Black Ale, das – wenig überraschend – von der Hildesheimer Braumanufaktur gebraut wird. Die Veranstaltung ist familiär, nicht überproduziert – und mit einem Herz für die Rock-Community. Kommen wir aber zum Bier.

In tiefem Rubinrot strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die elfenbeinfarbene und feinporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. An der Optik dieses Bieres gibt es nichts zu mäkeln.

Dunkle Schokolade, Zitrusfrüchte und etwas Rauch dominieren das Aroma.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge steht der Schokoladengeschmack im Mittelpunkt, begleitet durch eine fruchtige Säure. Eine freundliche Bittere rundet den Geschmack ab, während aus dem Hintergrund noch das Raucharoma zum Vorschein kommt. Die Röstaromen stehen auch in der Kehle im Vordergrund, wobei der Geschmack jetzt eher an Mokka erinnert, weniger an Schokolade. Aber durch den langen Nachkling ist das Bier insgesamt sehr angenehm.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Citra, Callista, El Dorado) Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Krise auf dem polnischen Biermarkt

Dass die deutsche Brauereiszene unter Problemen leidet, haben wir wohl alle bereits erfahren. Aber wie sieht es in den anderen Ländern der EU aus? Mit dieser Frage habe ich mich in der letzten Zeit beschäftigt und mir die Situation in verschiedenen Ländern angesehen. Hier erst einmal meine Einschätzung zur Lage in Polen:

Die polnische Brauindustrie steht unter Druck. Während der Bierkonsum nach Jahren des Wachstums rückläufig ist, kämpfen Brauereien mit steigenden Kosten, Überkapazitäten und einer unklaren Steuerpolitik. Das wurde in einer Debatte der Tageszeitung *Rzeczpospolita* deutlich, die sich auf den Bericht „Die Brauindustrie in Polen: Auswirkungen auf die Wirtschaft“ des Centrum Analiz Społeczno-Ekonomicznych (auf Deutsch: Zentrum für Sozial- und Wirtschaftsforschung) (CASE) stützte.

Laut CASE sank die Bierproduktion von 41 Millionen Hektolitern im Jahr 2018 auf 34,6 Millionen im Jahr 2024 – ein Rückgang um über 15 Prozent. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch fiel von 100 auf weniger als 86 Liter. „Das entspricht einem Verlust von sechs Millionen Hektolitern, also der Produktion von sechs großen Brauereien“, sagte Bartłomiej Morzycki, Generaldirektor des Arbeitgeberverbands der polnischen Brauindustrie.

Ursachen und Strukturprobleme

Die Ursachen liegen in einem Zusammenspiel aus veränderten Konsumgewohnheiten, steigenden Preisen und regulatorischen Belastungen. Immer mehr junge Menschen trinken weniger oder gar keinen Alkohol – ein Trend, der sich durch die Pandemie und einen bewussteren Lebensstil verstärkt hat. Zugleich haben gestiegene Energie-, Rohstoff- und Verpackungskosten den Bierpreis in zwei Jahren um rund 35 Prozent erhöht.

Auch die Gastronomie, die stark vom Bierverkauf abhängt, wurde durch Pandemie und Inflation geschwächt. In Polen stammen 50 bis 70 Prozent des Umsatzes in Restaurants aus Alkohol, doch viele Betriebe mussten schließen oder kämpfen ums Überleben.

Überkapazitäten und soziale Folgen

Die großen Brauereien arbeiten mit bis zu 10 Millionen Hektolitern Überkapazität. Das gefährdet nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die Zulieferer. Besonders betroffen sind Hopfenbauern in der Region Lublin, die keinen Absatz mehr finden. Insgesamt schafft laut CASE jeder Arbeitsplatz in einer Brauerei zehn weitere in Zulieferbetrieben, Gastronomie und Handel. Sinkt die Produktion, leidet also die gesamte Wertschöpfungskette.

Auch Craft-Bier steht unter Druck

Die einst dynamische Craft-Beer-Szene leidet ebenfalls. „Wir sind das kreative Herz des polnischen Biermarkts, aber die steuerliche und bürokratische Belastung wächst ständig“, klagte Marek Kamiński, Präsident des polnischen Verbands der Craft-Brauereien. Besonders das geplante Pfandsystem könnte kleine Betriebe überfordern, da die Kosten für Logistik, Sammelautomaten und Verwaltung ihre Möglichkeiten übersteigen würden.

Forderung nach Planbarkeit

Neben wirtschaftlichen Belastungen kritisierten die Branchenvertreter vor allem die fehlende Berechenbarkeit der Steuerpolitik. Zwar wurden in den vergangenen Jahren jährliche Erhöhungen der Verbrauchsteuer festgelegt, doch fehlende Kontinuität und kurzfristige Änderungen erschweren Investitionsplanungen.

„Wir erwarten keine Sonderbehandlung“, so Morzycki. „Aber wir brauchen Stabilität, um langfristig planen zu können.“ Eine Senkung der Mehrwertsteuer für Bier in der Gastronomie, wie sie andere Länder nach der Pandemie eingeführt haben, könne zudem den Konsum wieder ankurbeln.

Die polnische Brauindustrie steht demnach an einem Wendepunkt. Rückläufiger Konsum, steigende Kosten und bürokratische Hürden bedrohen nicht nur große Konzerne, sondern auch kleine Familienbetriebe. Ohne verlässliche Rahmenbedingungen und einen echten Dialog mit der Regierung, so die Experten einhellig, könnte Polens traditionsreiche Bierkultur erheblich an Vielfalt und wirtschaftlicher Bedeutung verlieren.

Lindemans – Tarot d’or

Die Brauerei Lindemans wurde im Jahr 1822 gegründet, als Joos Frans Lindemans die Brauertochter Francisca Josina Vandersmissen heiratete und gemeinsam auf dem Bauernhof „Hof ter Kwade Wegen“ in Vlezenbeek Lambic-Bier herstellten. Ursprünglich war Lindemans eine gemischte Landwirtschaft mit kleiner Brauerei, um die Bauern im Winter zu beschäftigen. Mit der Zeit wurde das Bierbrauen zentraler und die Landwirtschaft zurückgefahren. Heute wird Lindemans von der sechsten Generation der Familie (unter anderen Dirk und Geert Lindemans) geführt.

Der Lambic-Prozess bei Lindemans folgt historischen Methoden: Die Würze wird gekocht, dann in flache Becken („coolships“) ausgekühlt, damit wilde Hefen und Bakterien aus der Umgebung – insbesondere dem Pajottenland rund um Vlezenbeek – spontaner Gärung einleiten. Die Reifung erfolgt in Holzfässern („foudres“) und über längere Zeiträume. Bei einigen Neuheiten verwendet Lindemans heute auch Edelstahlbehälter und Holzchips, um Geschmack und Qualität in immer gleichem Maße liefern zu können.

Jetzt will ich das Lindemans Tarot d’Or verkosten, ein Bier, das mit verschiedenen Früchten vergoren wurde. Dabei kamen sowohl wilde als auch obergärige Hefen zum Einsatz. Es ist inspiriert von der Belle Époque Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese schillernde Zeit war geprägt von einer Faszination für das Mystische und Unbekannte, als diejenigen, die einen Blick in die Zukunft werfen wollten, Hellseher aufsuchten und sich für alles Geheimnisvolle interessierten. 

Golden und glanzfein präsentiert sich das Bier im Glas. Dass die weiße Schaumkrone schnell in sich zusammenfällt, ist bei Fruchtbieren keine Seltenheit.

Das Bier duftet nach tropischen Früchten; ich meine, Mango, Melone und Zitrusfrüchte riechen zu können. Dazu kommt noch ein leichter Geruch, der an Kaugummi erinnert.

Der Antrunk ist süß mit einer reichlichen Karbonisierung. Auf der Zunge gesellt sich eine leichte fruchtige Säure zur Süße und die fruchtigen Aromen treten in den Mittelpunkt. Leider kommt aus dem Hintergrund noch ein leichter chemischer Geschmack zum Tragen, eventuell ist das der Übeltäter, der mich in der Nase an Kaugummi erinnert hat. Der Körper ist schlank. Sowohl die Fruchtigkeit als auch der chemische Geschmack werden in der Kehle noch einmal kräftiger.

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

11 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Lindemans
Lenniksebaan 1479
1602 Vlezenbeek
Belgien
www.lindemans.be

Störtebeker – Hanse-Porter alkoholfrei

Ich erinnere mich gerne an meinen Besuch in der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund zurück. Es war eine tolle Führung, die Biere bei der Verkostung haben mir gefallen und beim anschließenden Besuch der Brauereigaststätte haben wir noch richtig gut gegessen.

Die Brauerei bietet nicht nur eine breite Auswahl an alkoholhaltigen Bieren, sondern sie gibt sich auch bei den alkoholfreien Bieren Mühe, die Bierkultur hochzuhalten. So gibt es nicht irgendein Bier, das als alkoholfrei bezeichnet wird, so wie es bei anderen Brauereien leider üblich ist, sondern auch bei den alkoholfreien Bieren wird der Bierstil angegeben und trotz des fehlenden Alkohols auch gut getroffen. Ob das auch für das alkoholfreie Hanse-Porter gilt, will ich jetzt feststellen.

Blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei einen haselnussbraunen Schaum. Anfangs fällt er recht flott in sich zusammen, aber ein Rest bleibt sehr lange erhalten. An der Optik gibt es schon mal nichts auszusetzen.

Das Aroma ist stiltypisch malzbetont nach Kandis und Kaffee. Allerdings kommt aus dem Hintergrund noch eine leichte Säure, die irgendwie nicht so richtig dazu passen will.

Der Antrunk ist süß, was durch die zur Süße passende Karbonisierung abgerundet wird. Aber als sich das Bier auf der Zunge verteilt, ist sie wieder da, die Säure. Die Aromen nach dunkler Schokolade und Kaffee treten in den Hintergrund. Außerdem ist das Mundgefühl für ein Porter ungewöhnlich schlank. In der Kehle ist das Bier mild, die Säure tritt etwas in den Hintergrund und der Geschmack klingt nur kurz nach.

Als Porter kann das Bier mich nicht begeistern; lediglich als Malzbrause geht es in Ordnung. Von der Störtebeker Braumanufaktur hätte ich mir wirklich mehr erwartet. Das alkoholfreie Hanse-Porter ist das erste Bier aus Stralsund, das meine Erwartungen nicht erfüllt. Das können die Hanseaten wirklich besser.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Glukose-Fruktosesirup, Gärungskohlensäure, Hopfen (Perle), Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

12° Celsius

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stoertebeker.com

Browar Kingpin – Golden Ale

Mit dem Golden Ale von Browar Kingpin steht wieder einmal ein polnisches Craft Beer vor mir, das ich in einem Lidl-Markt in Polen gekauft habe. Die Brauerei beschreibt das Bier so (Übersetzung aus dem Polnischen von mir): „Golden Ale ist ein klassisches, leichtes, alltagstaugliches Bier mit einem ausgeprägten Hopfencharakter. Die fruchtigen, zitrusartigen und tropischen Noten der verwendeten Hopfensorten verstärken die erfrischenden Eigenschaften des Bieres und machen es zu einem perfekten Begleiter für jeden Anlass.“ Dann hoffen wir mal das Beste.

Golden und hefetrüb fließt das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine schneeweiße Schaumkrone, die zwar recht klein ist, aber dafür lange erhalten bleibt.

Düfte nach Grapefruit, Anans und Pfirsich steigen mir in die Nase, abgerundet durch einige würzige Noten. Aus dem Hintergrund kommt noch das getreidige Aroma des Malzes zum Vorschein. Das macht wirklich Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist spritzig mit einer angenehmen Malzsüße. Auf der Zunge steht die Fruchtigkeit im Mittelpunkt, die von einer kräftigen Bittere begleitet wird. Das Mundgefühl ist weich, auch wenn der Körper des Bieres schlank ist. In der Kehle präsentiert sich das Bier mit einer freundlichen Bitteren mit sehr langem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,5° Plato

Farbe:

 8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 10° Celsius

Brauerei:

Browar Kingpin
Sp. z.o.o.
ul. Wilczak 18 B
61-623 Poznan
Polen
www.browarkingpin.pl