Camba – IPA

Camba Bavaria wurde im Jahr 2014 von Meiningers International Award als Craft -Brauer des Jahres ausgezeichnet. 2017 erschien in der Welt ein Artikel, in dem die Redaktion die Brauerei als eine der innovativsten Brauereien beschrieb, gemeinsam mit Maisel & Friends. Diese Beschreibung bezog sich allerdings nicht auf das Bier, sondern auf die Produktion. Die Brauerei beschreibt sich auf ihrer Website wie folgt: „Von der Produktion bis hin zum Vertrieb verfolgen wir gemeinsam ein Ziel: unseren Kunden beste Biere zu bieten – dabei steht der persönliche Kontakt und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit stets an erster Stelle. Unsere Expertise und die Bündelung unterschiedlichster Kompetenzen unter einem Dach zeichnet uns als Brauerei aus. Eine internationale Ausrichtung sowie geballtes Branchen-Know-How, ermöglicht es uns, Kunden aus aller Welt zu beliefern und einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.“ Na, dann wollen wir doch mal sehen, ob sich so viel attestierte Kompetenz auch im Bier niederschlägt.

Mit seiner dunklen Bernsteinfarbe, die einen deutlichen Rotstich aufweist und der kräftigen Hefetrübung spricht mich das Bier schon mal an. Auch die sich darüber bildende sehr voluminöse und sahnige Schaumkrone lässt mir das Wasser im Munde zusammenlaufen.

Im Aroma halten sich die Fruchtigkeit des Hopfens und der Malzkörper die Waage. Mir steigen Aromen von Mandarinen, Limetten und Ananas in die Nase, gepaart mit dem Karamellduft des Malzes sowie einigen grasigen Noten. Das macht doch richtig Lust auf den ersten Schluck.

Eine leichte Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure prägen den ersten Eindruck dieses Bieres. Für ein IPA geht es überraschend leicht über die Zunge. Die Bitterstoffe halten sich zunächst diskret im Hintergrund, so dass das Bier recht leicht wirkt. Das bleibt aber nicht so. Als sich das Bier im Mund verteilt, kommt der Geschmack nach Grapefruit in den Vordergrund und zieht auch die Bitterstoffe mit sich. Immer noch wirkt das Bier aber frisch und gut trinkbar. Der Abgang ist durch ein freundliches Bitter mit einem langen Nachklang geprägt.

Zutaten

Brauwasser, helle und dunkle Gerstenbraumalze, Hopfen (Mosaic, Cascade, Chinook, Citra), obergärige Bierhefe

Alkoholgehalt

6,6 % Vol.

Stammwürze

15,5 %

Bittereinheiten

62 IBU

Brauerei:

Camba Bavaria
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.cambabavaria.de

Hacker-Pschorr – Animator

Winter und Frühling sind die traditionelle Zeit, in der spezielle Bockbiere gebraut werden. Ich erinnere hier an die ganzen Mai- und Frühjahrsböcke. Da will auch die Brauerei Hacker-Pschorr aus München keine Ausnahme machen und hat den Animator aufgelegt. Mit 8,1 Volumenprozenten Alkohol entspricht der Alkoholgehalt auch den anderen Frühlingsbieren. Etwas Besonderes hat dieses Bier aber an sich: während andere Bockbiere in der Regel gefiltert sind, ist der Animator naturtrüb. Wie sich die Hefe im Bockbier macht, werde ich gleich feststellen. Besonders ist auch die Bügelflasche, in der ich das Bier gekauft habe. Sie hat zwei Liter Inhalt, eine recht seltene Größe für Bierflaschen. Gebraut wurde das Bier aus 80 % Münchner Malz, das aus den Gerstensorten Marthe, Grace und Catamaran hergestellt wurde. Es ist das erste Mal, dass eine Brauerei die Gersten benennt, aus denen das Malz besteht. Im Gegenzug verrät die Brauerei aber auch nicht, welche anderen Malze die anderen 20 % bilden. Aber bei satten 19 % Stammwürze kann ich mich auf ein sehr intensives Bier freuen.

Bernsteinfarben mit viel beigen cremigen Schaum zeigt sich das Bier im Glas. Die Krone bleibt auch lange erhalten. Mit fällt allerdings auf, dass das Bier klar ist, und das, obwohl auf dem Etikett doch angegeben war, dass das Bier ungefiltert ist. Na gut, das muss kein Nachteil sein; Bockbiere werden schließlich im Normalfall ohne Hefe abgefüllt.

Das Aroma ist betörend. Düfte von Rosinen und Feigen steigen mir in die Nase, auch der Alkohol ist zu riechen, so dass sich die Aromen zu dem Duft von Rumtopf vereinen. Dazu kommt noch ein Hauch dunkler Schokolade. Meine bisherige Meinung, dass Hacker-Pschorr eher langweilige weil austauschbare Biere braut, muss ich wohl revidieren. Hält der Geschmack, was das Aroma verspricht?

Wie ich es erwartet habe ist der Antrunk relativ süß. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, allerdings würde ich mir doch wünschen, dass das Bier mehr davon enthalten würde. Der Körper ist fruchtig und vollmundig. Die intensive Süße der Trockenfrüchte kommt gut zur Geltung, ist aber durchaus ausgewogenem Verhältnis zum freundlichen Bitter, das sich jetzt zeigt. Jetzt erinnert das Bier an einen Likör. Der Abgang ist fruchtig mit einem angenehmen Bitter.

Dieses Bier ist etwas Besonderes und eignet sich als Ersatz für einen Dessertwein.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Münchner Malz (Gerstensorten Marthe, Grace und Catamaran)), Hefe, Hopfen (Tradition, Herkules), Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

8,1 % Vol.

Stammwürze:

19,3° Plato

Bittereinheiten:

28

Brauerei:

Hacker-Pschorr Bräu GmbH
Hochstraße 75
81541 München
www.hacker-pschorr.de

Rügener Insel-Brauerei – Insel Saison

Die Insel-Brauerei aus Rambin auf Rügen steht einfach für Qualität. Daher habe ich auch keine Befürchtungen das Insel Saison von dort zu öffnen und zu verkosten. Saison, auch Farmhouse Ale genannt, ist ein alter belgischer Bierstil. Traditionell wurde er im Winter gebraut, um im Sommer die Erntehelfer zu motivieren, am nächsten Tag wieder zur harten Arbeit aufs Feld zu gehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dabei groß aus Qualität und konsistenten Geschmack geachtet wurde; vermutlich war die Menge wichtiger und es wurde mit den Zutaten gebraut, die noch in ausreichender Menge verfügbar waren.

Heute ist das Saison ein sehr komplexer Bierstil. Die meisten dieser Biere verfügen über ein sehr fruchtiges Aroma, das sich auch im Geschmack widerspiegelt. Achten Sie auf erdige Hefetöne, milde bis mäßige Säure. Viel Würze und mit mittlerer Bitterkeit. Sie neigen dazu, halbtrocken zu sein, wobei viele nur einen Hauch von Süße haben. Ob dies auch auf das Produkt von Deutschlands größter Insel zutrifft will ich jetzt feststellen.

Rotgolden und praktisch ohne Hefetrübung zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich sehr viel fester Schaum mit einem leichten Gelbstich, der sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier schon mal eine gute Figur.

Angenehme Fruchtaromen nach Trockenpflaumen, Orange und Pfirsich seigen mir in die Nase, unterstützt durch einige würzige Noten. Ich meine, Koriander und einen Hauch Nelke zu erkennen.

Der Antrunk ist recht süß und fruchtig, wobei die Orange etwas stärker in den Vordergrund tritt als im Aroma. Leider ist die sehr sanfte und feinperlige Kohlensäure recht knapp bemessen. Da würde ich mir etwas mehr wünschen. Auf der Zunge entwickelt sich eine ordentliche geschmackliche Intensität. Zur Süße gesellt sich eine gut abgestimmte fruchtige Säure, so dass mich die wenige Kohlensäure nicht mehr stört. Bitterstoffe kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht feststellen. Dafür erinnert das Bier jetzt etwas an Wein. Auch der Abgang ist sehr mild und mit minimalen Bitterstoffen. Leider klingt auch die Fruchtigkeit nur kurz nach.

Für mich ist das Insel Saison sicher nicht das beste Bier aus der Brauerei in Rambin, aber der Geschmack ist komplex und wirklich nicht zu verachten. Ich kann jeden Biergenießer verstehen, der von diesem Bier begeistert ist. Ich würde aber trotzdem empfehlen, es etwas kühler zu trinken als mit den von der Brauerei empfohlenen 12° Celsius. Es gilt aber: mit diesem Bier kann der Sommer kommen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Traubenzucker (während der Flaschenreifung vollständig vergoren), Naturhopfen, Hefe, Gewürz

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstraße 2c
18573 Rambin
www.insel-brauerei.de

Potsdamer Stange

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus der Braumanufaktur in Potsdam vor mir. Die Potsdamer Stange ist ein alter regionaler Bierstil, der zuletzt in den 1970er Jahren gebraut und durch die Braumanufaktur wiederbelebt wurde. Den Namen dieses Bierstils beschreibt die Brauerei auf ihrer Website wie folgt: „Durch den höheren Spundungsdruck bei der Herstellung ist dieses Bier etwas spritziger und es entsteht mehr Schaum. Deshalb verwendet man zum Ausschank hohe Gläser um dem Schaum den nötigen Steigraum zu geben. Diese Stangengläser gaben dem Bier auch den Namen.“

Dass die Brauerei Rohstoffe aus biologischem Anbau verwendet, ist keine Seltenheit mehr. Aber die Brauerei geht noch weiter. Sie veröffentlicht nicht nur den biologischen Anbau, sondern verrät auch ihre Lieferanten. Die gesamte Lieferkette vom Anbau der Rohstoffe über die einzelnen Verarbeitungsstufen wird veröffentlicht. Das nenne ich mal Transparenz. Dafür wird auf dem Rückenetikett der wichtigsten Biere eine bmg-Nummer aufgedruckt. Diese Nummer geben Sie unter www.bio-mit-gesicht.de ein und Sie erfahren, wer den Hopfen und die Gerste angebaut hat, wer die Gerste gemälzt hat, welche Zwischenhändler an der Produktionskette beteiligt waren und die Mannschaft der Brauerei wird mit einem Bild vorgestellt. So detailliert wollen die meisten Konsumenten es vermutlich gar nicht wissen, aber eine so weitgehende Transparenz beweist auf jeden Fall, dass die Brauerei wirklich nichts zu verbergen hat. Aber kommen wir jetzt zum wichtigsten, dem Bier.

Hell bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Wie von der Brauerei beschrieben bildet sich recht viel feinporiger Schaum. Er ist weiß und hält sich wirklich lange Zeit. Optisch hat die Brauerei also keinen Fehler gemacht.

Nach der Optik vermag auch das Aroma zu überzeugen. Ich rieche Gras, reife Bananen, gebrannte Mandel und aus dem Hintergrund noch ein Hauch fruchtiger Noten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Die Süße des Bieres wird während des spritzigen Antrunks durch die reichlich vorhandene Hefe abgemildert, die auch vom ersten Moment an für einen komplexen und intensiven Eindruck sorgt. Schnell kommen die bananigen Noten des Weizenmalz hervor. Zwar ist der Geschmack nach Banane nicht so intensiv wie bei einem Weizenbier, aber ich habe ihn durchaus als stärksten Geschmackseindruck wahrgenommen. Aber auch andere fruchtige Noten kommen zu ihrem Recht. Süße, Säure und bitter sind gut ausgewogen, so dass das Bier einen runden und vollmundigen Eindruck macht. Der Abgang ist leicht bitter und er klingt nur relativ kurz nach.

Die Potsdamer Stange erinnert an ein belgisches Witbier, nur dass die zusätzlichen fruchtigen Noten nicht vorhanden sind, die durch die Kumquats und den Koriander entstehen. Es ist ein Bier, das rundherum zu begeistern weiß. Ich kann es nur empfehlen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Naturdoldenhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Stammwürze:

11,8° Plato

Brauerei:

Braumanufaktur GmbH
Templiner Str. 102
14473 Potsdam
www.braumanufaktur.de

Craftwerk – Dark Season

Jetzt habe ich mal wieder ein Bier von Craftwerk Brewing aus der Bitburger-Gruppe vor mir stehen, das Dark Season, ein Sweet Stout. Nachdem mir kürzlich das Tangerine Dream gut gefallen hat, erwarte ich auch jetzt ein besonderes Bier. Mal sehen, ob das Dark Season meine Erwartungen erfüllt.

Tiefschwarz mit einer durchschnittlichen Menge hellbraunem gemischtporigen Schaum zeigt sich das Bier im Glas. Der sich schnell auflösende Schaum weist darauf hin, dass die Brauerei mit dem Hopfen sehr sparsam umgegangen ist.

So ist auch das Aroma überraschend schwach. Ich rieche Karamell, dunkle Schokolade, etwas Kaffee sowie einen Hauch roter Beeren. Das Aroma ist nicht schlecht, aber erheblich schwächer als ich erwartet hätte.

Der Antrunk ist leicht süßlich und ich bemerke, dass das Bier recht viel feinperlige Kohlensäure enthält. Im Mund kommt dann noch eine leichte Säure dazu, was eine gewisse Fruchtigkeit bewirkt, dazu minimal der Geschmack nach Schokolade. Der Abgang ist neutral und da ich keinerlei Bitterstoffe feststellen kann, empfinde ich ihn als nichtssagend.

Das Dark Season hat mich wirklich enttäuscht. Das kann Craftwerk wirklich besser. Gerade weil dieses Bier Dark Season, also dunkle Jahreszeit, heißt, hätte ich ein Bier mit mehr Intensität und Vollmundigkeit erwartet, das ein warmes Mundgefühl erzeugt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Karamellmalz dunkel, Münchner Malz, Röstmalz), Hopfen (Golding), Hefe

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Stammwürze:

12,7° Plato

Bittereinheiten:

22 IBU

Brauerei:

Bitburger Braugruppe GmbH
54634 Bitburg
www.craftwerk.de

Maisel & Friends – ChocoPorter

Es gibt Biere, von denen ich nur den Namen hören muss, um bei mir Erwartungen zu erwecken. Ich muss zugeben, dass so früh geweckte Erwartungen etwas unfair sind gegenüber den Brauern, denn das beste Bier kann enttäuschen, wenn es nicht den Erwartungen entspricht, die ich als Konsument habe. Ein solches Bier steht jetzt vor mir, das Choco Porter aus dem Hause Maisel & Friends.

Dass ich hier etwas unfair an die Verkostung gegangen bin, sei mir bitte nachgesehen. Es ist bei diesem Namen schon schwierig, sich nicht genau vorzustellen, wie dieses Bier wohl schmecken wird. Es ist bei diesem Bier ja auch schwer, kein Vorurteil zu entwickeln. Von einem Porter erwarte ich eine tiefschwarze Farbe und ein malzbetontes süffiges und leicht süßes Bier mit einem samtigen Mundgefühl. Außerdem erwarte ich, dass dieses Bier vergleichsweise wenige Bitterstoffe aus dem Hopfen enthält. Der Namensbestandteil Choco weckt in mir die Erwartung, dass bei diesem Bier auch besonders kräftig geröstetes Malz verwendet wurde, so dass die Gerste auch leichte Noten dunkler Schokolade entwickelt. Kurz gesagt erwarte ich ein Bier zum Wohlfühlen. Die Messlatte für dieses Bier liegt also ziemlich hoch.

Erstmals habe ich das Choco Porter bereits kennengelernt, bevor mir die Brauerei einige Flaschen zum Verkosten zugeschickt hat. Es war beim Brauerstammtisch am Rande der Internorga in Hamburg. Dort gab es das Choco Porter vom Fass und auch ohne gestaltetes Etikett bin ich direkt auf dieses Bier angesprungen und kann daher bereits jetzt mitteilen, dass es die Maisel & Friends wieder einmal nicht geschafft hat, mich zu enttäuschen. Allerdings habe ich dort den Fehler gemacht, das Choco Porter gleich zuerst zu probieren. Hinterher haben mir die anderen Biere nicht mehr so gemundet wie sie es sicher getan hätten, wenn ich sie vor dem Choco Porter getrunken hätte. Wenn Sie mehrere Biere an einem Abend trinken wollen, wiederholen Sie meinen Fehler nicht und verkosten Sie das Choco Porter ganz am Schluss.

Nun aber genug der Vorrede. Es ist Zeit, das Bier einzuschenken und zu verkosten. Und wie ich es erwartet habe ist das Bier schwarz, wirklich tiefschwarz. Erst als ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert ein leichtes Rubinrot durch. Über dem Bier bildet sich eine leicht überdurchschnittliche Menge hellbrauner Schaum, der sehr lange erhalten bleibt. Mehr kann ich von der Optik nicht erwarten.

Düfte dunkler Schokolade schmeicheln meiner Nase, unterstützt durch Noten von Kaffee und etwas Toffee. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der erste Eindruck ist eine leichte Süße, deutlich aber nicht so intensiv wie ich es erwartet (oder befürchtet?) habe. Schnell breitet sich der Geschmack von Schokolade und Espresso im Mund aus. Dabei kommt der Espressogeschmack stärker in den Vordergrund als im Aroma. Im Hintergrund stelle ich noch eine ganz leichte Säure fest, gerade so viel, dass im Zusammenspiel mit der Süße des Malzes ein runder Geschmack entsteht. Das Mundgefühl ist cremig und trotz des wirklich intensiven Geschmacks bringt das Bier eine ungeheure Süffigkeit mit sich. Im Abgang schiebt sich die Schokolade wieder mehr in den Mittelpunkt und da der Hopfen nur sparsam verwendet wurde, ist die Bitterkeit sehr zurückhaltend und der Geschmack klingt nicht gar so lange nach. Bei diesem Bier betrachte ich das aber nicht als Nachteil.

Das Choco Porter ist das vierte Sessionbier dieser Brauerei, das sich aber deutlich von den anderen Bieren dieser Produktreihe unterscheidet. Während beim Choco Porter eindeutig mit den Malzen gespielt wurde, sind die anderen Biere hopfenbetont. Ursprünglich sollte es ausschließlich als Fassware für die Gastronomie vertrieben werden. Ich finde es gut, dass sich die Brauerei entschieden hat, es nun auch in Flaschen zu vertreiben. Seit Ende März ist das Bier deutschlandweit im Handel erhältlich.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Stammwürze:

15,2° Plato

Bittereinheiten:

22 IBU

Brauerei:

Brauerei Gebr. Maisel KG
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Harzcraft – Klosterkeller

Nun will ich mich wieder einem Bier aus Niedersachsen zuwenden, dem Klosterkeller aus dem Kloster Wöltingerode. Dort am Nordrand des Westharzes werden einige Biere gebraut und veredelt, die sogar zwischen anderen Craft-Bieren herausstechen. Das Klosterkeller, das jetzt vor mir steht, ist im Cognacfass gereift. Durch die Reifung im Cognac- oder Rumfass erhalten die Biere ein besonderes Aroma, so dass es sich meist lohnt, für diesen Genuss etwas mehr Geld pro Flasche auszugeben. Jetzt will ich feststellen, ob das auch für dieses Bier zutrifft. Immerhin werden die Flaschen exklusiv von Hand abgefüllt und nummeriert, meine Probe ist Flasche 49 von 3562 abgefüllten Flaschen.

Matthias Kliemt, der erste 3-Sterne-Biersommelier trumpft auf dem Etikett jedenfalls ganz schön auf: „Düfte von Tabak, dunklem Honig und Toffee verbreitet das rotbraun leuchtende Bier. Erst wohlig weich und schlank im Antrunk verbreitet sich eine raumgreifende Vollmundigkeit. Das erinnert an Cognac, ohne dabei seine Leichtigkeit zu verlieren. Im Abgang bleibt ein trockenes, warm weiches Mundgefühl mit einer leichten Cremigkeit am Gaumen. Das Holzfass ist deutlich schmeckbar…“ Denny Merres, 1. Brauer, betont ebenfalls auf dem Etikett das Gebirgswasser des Harzes, aus dem dieses Bier gebraut wurde. Bei einer solchen Beschreibung sind meine Erwartungen selbstverständlich ganz weit oben angesiedelt.

In dunklem Mahagoni, fast schwarz, präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine feinporige Krone aus weißem Schaum mit einem leichten Braunstich, die lange erhalten bleibt. Über die Optik lässt sich also schon mal absolut nicht meckern.

Das Aroma ist durch das Malz geprägt. Ich rieche Toffee, etwas Waldhonig und Vanille. Unterstützt werden diese Düfte durch das Aroma einer guten Zigarre. So sehr ich mich auch anstrenge, kann ich nichts vom Cognacfass riechen. Trotzdem ist das Aroma wunderbar komplex und wenn Sie dieses Bier ebenfalls verkosten, werden Sie sicher noch andere Nuancen feststellen. Schließlich reagiert jede Nase etwas anders.

Der Antrunk ist überraschend weich und schlank. Diese Eleganz habe ich aber aufgrund des Aromas auch erwartet. Als sich das Bier im Mund verteilt, kommt auch der Geschmack des Cognacs zum Vorschein, dazu von Holz und von dunkler Schokolade. Bei dieser Vollmundigkeit möchte ich das Bier fast nicht schlucken, sondern den Geschmack möglichst lange im Mund halten. Der Abgang ist mild, die Bitterstoffe des Hopfens sind gut verborgen; in der Kehle wirkt das Bier fast wie ein sehr milder Cognac. Der Geschmack bleibt auch lange erhalten.

Nein, das ist kein Bier, das man sich einfach so hinter die Binde kippt. Hier muss wirklich jeder einzelne Schluck bewusst genossen werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, geröstetes Karamellmalz, Röstmalz), Hopfen (Herkules, Select)

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

12,3° Plato

Brauerei:

Kloster Wöltingerode Brennen & Brauen GmbH
Wöltingerode 1
38690 Goslar
www.woeltingerode.de

Einbecker – Kellerbier

Wieder steht ein Bier aus Niedersachsen vor mir, das naturtrübe Einbecker Kellerbier. Die Brautradition von Einbeck geht bis ins 14. Jahrhundert zurück, als jeder Bürger das Recht hatte, Bier zu brauen. Damals gab es in der kleinen Stadt im Weserbergland etwa 700 Brauherren. Das führte selbstverständlich zu einer extremen Überproduktion, die von der Stadt aufgekauft wurde, um sie außerhalb der Stadtmauern zu verkaufen. Die Biertransporte gingen bis nach Amsterdam, München und nach Reval, dem heutigen Tallinn, der Hauptstadt von Estland. Von den vielen Brauereien ist nur noch das Einbecker Brauhaus übriggeblieben, das dafür aber zu den bekanntesten Brauereien Deutschlands gehört.

Goldgelb und mit vergleichsweise wenig Hefe zeigt sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittliche Menge weißer feinporiger Schaum, der recht lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Karamell, Vanille und im Hintergrund nach grünen Äpfeln. Das Aroma ist angenehm, aber nicht wirklich umwerfend.

Der Antrunk ist frisch und spritzig. Die leichte Süße wird schnell durch ein freundliches Bitter zusammen mit einer angenehmen Fruchtigkeit ergänzt. Im Abgang lässt das Bitter etwas nach, er ist mild. Trotzdem klingt der Geschmack überraschend lange an.

Gegen dieses Bier lässt sich nichts sagen, es dürfte fast jedem gefallen. Mir fehlt nur etwas der Charakter, eine Eigenschaft, die dieses Bier unverwechselbar macht.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,5 %

Brauerei:

Einbecker Brauhaus AG
Papenstraße 4-7
37574 Einbeck
www.einbecker.de

BierSelect

Straffe Hendrik – Wild 2017

Das Straffe Hendrik Wild ist eine wilde Variante des bekannten Straffe Hendrik Tripel. Dieses traditionelle Bier wird mit Brettanomyces-Hefe vergoren. Sie sorgen für fruchtige Aromen, die mit den reichhaltigen Aromahopfen harmonieren. Die wilden Hefen sorgen für eine längere natürliche Haltbarkeit sowie für eine Reifung des Bieres in der Flasche, die während der nächsten Jahre für eine Weiterentwicklung des Geschmacks sorgen. Bevor das Bier ausgeliefert wird, muss es längere Zeit in der Flasche reifen. Erst nach drei Monaten Flaschenreifung in den Kellern ist die Gärung der wilden Hefen abgeschlossen und das junge Bier kann getrunken werden. Das Bier entwickelt sich ebenso in den nachfolgenden Jahren noch weiter. Die bitteren Hopfenaromen werden weicher, während die wilden Hefen weiterwirken und fruchtige sowie blumige Aromen bilden. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Jahrgänge des Straffe Hendrik Wild voneinander. Dieses Bier wird nur einmal pro Jahr abgefüllt.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier, zusammen mit einer riesigen feinporigen Schaumkrone, schneeweiß und sehr lange haltbar. Die Optik ist perfekt.

Das Aroma wird durch das Malz dominiert, aber auch der Hopfen kommt zu seinem Recht. Düfte nach Karamell, Honig, Trockenfrüchten, Brot und Getreide steigen mir zusammen mit etwas Bergamotte sowie Kräuterduft in die Nase. Ein so komplexes und dabei gut ausgewogenes Aroma ist selten.

Der erste Eindruck beim Antrunk ist die Süße, die aber durch viel feinperlige Kohlensäure ausgeglichen wird. Die Aromen, die ich bereits in der Nase wahrgenommen habe, spiegeln sich jetzt auf der Zunge wider. Zunächst macht das Bier einen frischen und leicht fruchtigen Eindruck. Dann zeigt sich der ordentliche Malzkörper, das Bier ist rund und süffig. Ich schmecke Trockenfrüchte, unterstützt durch den Geschmack des Alkohols, der sich aber nicht in den Vordergrund drängt. Der trockene Abgang ist zunächst wenig bitter und das Herbe des Hopfens entwickelt sich langsam, klingt dann aber sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Kandiszucker

Alkoholgehalt:

9 % Vol.

Stammwürze:

19° Plato

Bittereinheiten:

35 IBU

Brauerei:

Brouwerij De Halve Maan
Walplein 26
8000 Brügge
Belgien
www.straffehendrik.be

Ostergold 2017

Kürzlich war ich in Nürnberg und habe dort die Hausbrauerei Altstadthof besucht. Die kleine Brauerei unterhalb der Burg braut neben einigen Bieren, die ständig im Angebot sind, auch etliche saisonale Bierstile. Dabei stammen sowohl das Malz als auch der Hopfen aus biologischem Anbau. Nun weiß ich nicht, ob sich die bessere Rohware nach den ganzen Verarbeitungsschritten in der Brauerei noch im Bier bemerkbar macht. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Brauereien, die bei den Zutaten nicht nur auf den Preis achten, sorgfältiger mit diesen Zutaten umgehen und sich mehr bemühen, das Beste aus dem Ursprungsmaterial herauszuholen. Aber das ist meine Spekulation. Als ich vor Ostern im Altstadthof war, gab es selbstverständlich das Ostergold aus dem Jahrgang 2017 und genauso selbstverständlich habe ich mir eine Flasche dieses Biers, von dem nur 500 Flaschen abgefüllt wurden, zur Verkostung mitgenommen. Eine Besonderheit dieser Brauerei sei noch erwähnt: sowohl der Hopfen als auch das Malz stammen aus der Region, was auch dem Werbespruch der Brauerei, Original Nürnberger Biergenuss, seinen Wahrheitsgehalt verleiht.

Altgold und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber bildet sich viel beiger feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Optisch gibt es an diesem Bier nichts auszusetzen.

Das Aroma ist würzig, fast pfeffrig, was auf die Kalthopfung mit mehreren Hopfensorten zurückzuführen ist. Aus dem Hintergrund kommen auch Düfte von Südfrüchten zum Vorschein. Aber auch der Duft des Malzes kommt zu seinem Recht. Damit ist das komplexe Aroma bereits ein Genuss für sich und bildet ein Gesamtkunstwerk. Wenn der Geschmack da mithält, ist dieses Bier etwas ganz Besonderes.

Der Antrunk ist leicht süß und intensiv. Auch die Menge der Kohlensäure ist für meinen Geschmack perfekt gewählt. Aber erst als sich das Bier im Mund verteilt, kommt die gesamte Geschmacksfülle dieses Bieres richtig zur Geltung. Der Geschmack von Orangenschale gesellt sich zu den würzigen Noten, die bereits im Aroma vorhanden waren. Dabei unterstützt die Orangenschale die würzigen Geschmäcker aber nur, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Überhaupt sind die Süße, Säure und das Bitter in einem wirklich ausgewogenen Verhältnis. Im Abgang kommt das freundliche Bitter stärker hervor; dieser Geschmack klingt noch lange nach.

Wenn Sie einmal nach Nürnberg kommen, sollten Sie auf keinen Fall einen Besuch in der Hausbrauerei Altstadthof versäumen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Naturhopfen (Opal, Spalter), Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürze:

13,3° Plato

Bittereinheiten:

26 IBU

Brauerei:

Hausbrauerei Altstadthof
Bergstr. 19-21
90403 Nürnberg
www.hausbrauerei-altstadthof.de