Jetzt haben wir zwar erst Anfang März, aber trotzdem steht vor mir das erste Bier für den Winter. Das Grelotte ist ein unfiltriertes und obergäriges Bier mit 9,0 Volumenprozent Alkohol aus Hombourg, in der belgischen Provinz Lüttich gelegen. Die Verwendung von vier unterschiedlichen Malzsorten weckt in mir die Hoffnung auf ein rundes und komplexes Aroma. Außerdem soll mich das Bier darüber hinwegtrösten, dass der Sommer nun für dieses Jahr endgültig vorbei ist.
Dunkel bernsteinfarben zeigt sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone hat die Farbe von Elfenbein und bleibt lange erhalten.
Das Bier duftet nach dunkler Schokolade, dazu fruchtig-süß nach Trockenfrüchten wie Feigen und Birnen. Damit ist das Bier hervorragend geeignet, mich auf die Weihnachtszeit einzustimmen.
Der Antrunk ist wie erwartet süß und die Kohlensäure ist zwar feinperlig, aber kräftig. Auf der Zunge bleibt die Süße erhalten und die Fruchtigkeit entwickelt sich, so dass sich die Aromen auf der Zunge widerspiegeln. Bitterstoffe kann ich kaum feststellen. Das Mundgefühl ist voll und schwer. Dabei ist der Alkohol gut eingearbeitet, so dass er nicht hervorschmeckt. Auch der Abgang ist durch die süße Fruchtigkeit geprägt, begleitet durch ein minimales Bitter, das aber überraschend lange nachklingt.
Die Kustbrouwerij in Leffinge (Middelkerke)begann als Hausbrauerei. Nach vielen erfolgreichen Experimenten haben die Inhaber beschlossen, den nächsten Schritt zu wagen. Seit Juni 2014 ist ihr erstes Bier „Dunekeun“ auch im Rest der Welt erhältlich. Derzeit arbeiten sie als Gypsy-Brauer auf den Anlagen von Deca Services in Woesten.
Das Sortiment der Kustbrouwerij besteht derzeit aus 4 Bieren: Dunekeun Goudblond, Dunekeun Bruin, Dunekeun Tripel und Dunekeun Winter. Außerdem wird eine Reihe von exklusiven Bieren gebraut, die unter dem Markennamen Sirius erscheinen. Aber jetzt will ich mich mit dem Dunekeun Winter beschäftigen. Zu diesem Bier schreibt die Brauerei, dass es sechs Monate in Holzfässern unter Zugabe von Wacholder gereift wurde. Da bin ich wirklich gespannt.
Dunkelbraun und hefetrüb fließt das Bier ins Glas. Die feinperlige und elfenbeinfarbige Schaumkrone ist recht groß, fällt aber bis auf einen Rest schnell in sich zusammen.
Das Bier duftet süß nach Karamell und Rübensirup, aber auch nach dem für die Reifung verwendeten Holz und nach Gewürzen. Ja, so stelle ich mir ein Winterbier vor.
Der Antrunk ist malzig-süß, wirkt aber durch die reichlich vorhandene Kohlensäure frisch. Auf der Zunge vertragen sich die würzigen und salzigen Noten gut mit der Würze, lediglich etwas Bitter fehlt. Der Alkohol wärmt und sorgt für ein schweres und weiches Mundgefühl. Im Abgang wird das Bier trockener. Bitter ist immer noch kaum zu schmecken, dafür kommt die Würzigkeit in den Vordergrund und sorgt für einen langen Nachklang.
Zu diesem Bier fehlt mir nur noch etwas Weihnachtsgebäck, zum Beispiel ein Elisenlebkuchen.
Dass von der Brauerei Maisel & Friends im fränkischen Bayreuth richtig gute Biere kommen ist ja bekannt. Aber einmal im Jahr setzen die Franken noch einen drauf und veröffentlichen ihren Bourbon Bock. Dieses Bier hatte mehrere Monate Zeit, in verschiedenen Bourbon-Fässern zu reifen. Auch wenn das Jahr 2020 bereits einige Zeit vorüber ist, steht doch jetzt erst dieser Jahrgangsbock vor mir.
Bernsteinfarben strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die durchschnittlich voluminöse Schaumkrone ist größtenteils feinporig und bleibt relativ lange erhalten.
Das Aroma ist sehr komplex. Ich rieche Süße, Mandeln, Trockenfrüchte, Kokos und Vanille. Der Duft des Whiskys bündelt diese Düfte zu einem bunten Strauß, der richtig Lust auf den ersten Schluck macht.
Der Antrunk ist weniger süß aus ich es erwartet habe. Im Gegenteil ist er erstaunlich frisch mit einer angenehm feinporigen Kohlensäure. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Die Frische bleibt präsent und nur wenig Bitter gesellt sich zu den Aromen. Dabei ist das Mundgefühl weich. Im Abgang wird das Bier trockener und das Bitter kommt etwas mehr in den Vordergrund. Dabei bleibt der Geschmack freundlich und mild und er sorgt trotzdem für einen langen Nachklang.
Inzwischen ist es das achte Jahr, dass die Brauerei Gold Ochsen in Ulm ein Jahrgangsbier auf den Markt bringt. Von diesen Bieren werden in jedem Jahr genau 1597 Flaschen per Hand abgefüllt. Weshalb so eine krumme Anzahl? Ganz einfach: 1597 ist das Gründungsjahr der Gold Ochsen-Brauerei. Einige dieser Biere habe ich kennenlernen dürfen und ich war von allen Jahrgangsbieren, die in jedem Jahr wechseln, wirklich begeistert. Nun steht das Jahrgangsbier 2020 vor mir, in diesem Jahr ist es ein Weizen-Doppelbock.
Leuchtend gelb strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die feinporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt durchschnittlich lange erhalten.
Das Aroma zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Intensität aus. Neben dem für ein Weizenbier typischen Bananenaroma steigen mir noch Düfte nach Maracuja, Litschi, Pfirsich und roten Beeren aus. Abgerundet wird das Aroma durch einige blumige Noten. Auch den Alkohol kann ich bereits in der Nase feststellen, da er dem Duft des Bieres einen likörartigen Eindruck verleiht. Dabei ist er aber so gut eingearbeitet, dass er das Aromenspiel perfektioniert.
Der Antrunk ist weniger süß als erwartet und die Kohlensäure ist angenehm dosiert. Auf der Zunge zeigt sich der Kristallweizen Doppelbock malzbetont und die blumigen Noten kommen stärker in den Vordergrund und buhlen mit dem Bananenaroma um die Gunst des Konsumenten. Das Mundgefühl ist sehr weich und voll. Der Abgang ist mild und fruchtig. Obwohl die Bitterstoffe nur dezent zu schmecken sind, klingen sie recht lange nach.
Dieses Bier ist ein perfekter Aperitif, dem gut Fischgerichte oder ein Hühnerfrikassee folgen können.
Niedersachsen ist für seine Maiböcke bekannt, aus Franken kommt ein Frühjahrs Märzen. Und dafür gibt es auch einen Grund, den Wikipedia so erklärt: „In der bayerischen Brauordnung von 1539 und per Dekret durch Albrecht V. von 1553 wurde festgelegt, dass nur zwischen Michaeli (29. September) und Georgi (23. April) gebraut werden durfte. In den fünf Monaten danach war das Bierbrauen verboten. Grund war die in den Sommermonaten erhöhte Brandgefahr beim Biersieden. Hinzu kam, dass die Herstellung des in Bayern beliebten untergärigen Biers Temperaturen von unter zehn Grad erfordert.
Um bis zur nächsten Brausaison nicht ohne Bier zu sein, braute man im März ein besonderes, haltbares Bier. Dies erreichte man durch Erhöhung des Gehalts an Stammwürze und Alkohol und durch stärkere Hopfung. Es wurde in tiefen Felsenkellern gelagert. Wenn möglich, wurden diese mit Natureis bestückt. Diese Eisblöcke wurden meist aus nahe gelegenen Flüssen oder dem brauereieigenen Teich entnommen. Um den Keller und seinen Zugang vor starker Sonneneinstrahlung zu schützen, pflanzte man die Rosskastanie darüber, die dank ihrer großen Blätter reichlich Schatten spendete, mit ihren flachen Wurzeln jedoch keine Gefahr für die Kellerdecke darstellte. Eher beiläufig entwickelte sich so aus dem jeweiligen Brauereiausschank mit der Zeit der heute typische bayerische Biergarten bzw. der fränkische Bierkeller, zu dessen vertrauter Optik noch heute schattige Kastanienbäume gehören.“ Dann will ich jetzt mal hoffen, dass mir das Bier gefällt, ich öffne die Flasche und schenke mir ein.
Bernsteinfarben präsentiert sich das Bier im Glas, darüber eine durchschnittlich große sahnige Schaumkrone, die durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt.
Das Aroma ist stiltypisch malzbetont mit Düften nach Karamell und Brotkrume, dazu ein Hauch Fruchtigkeit, die an reife Äpfel erinnert. So soll ein Märzen sein.
Der Antrunk ist recht süß und erinnert mich sofort an Karamell. Dazu kommt eine sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge entwickelt sich ein angenehmes Bitter, die sich mit einer leichten Fruchtigkeit paart. Der Alkohol schmeckt leicht durch. Das Mundgefühl ist rund und leicht. Im Abgang wird das Märzen etwas trockener, auch das Bitter wird etwas schwächer und klingt durchschnittlich lange nach.
Das Veldensteiner Frühjahrs Märzen ist angenehm zu trinken, ganz ohne Ecken und Kanten, aber auch ohne Überraschungen.
In diesem Jahr habe ich erstmals ein Maibock von Bitburger im Handel gesehen und selbstverständlich musste ich sofort eine Probe mitnehmen. Ich mag einfach die stärker eingebrauten Bockbiere sowohl im Frühjahr als auch zu Weihnachten und im Winter. Nun will ich die Flasche aber auch sofort öffnen und das Bier verkosten.
Ungewöhnlich hell strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die feste Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt recht lange erhalten.
Das Aroma des Bitburger Maibocks ist würzig und hopfenbetont. Dabei ist das Hopfenaroma aber nicht so stark, dass das Malz in den Hintergrund gedrängt wird. An der Zusammensetzung der Hopfensorten könnte Brauer Stefan Meyna aber noch etwas feilen, so dass die Fruchtigkeit der verwendeten Aromahopfen besser zum Tragen kommt. Hier ist es bestenfalls zu erahnen.
Der Antrunk offenbart eine angenehme Malzsüße mit der passenden Carbonisierung. Auf der Zunge bleibt die Süße erhalten und ein passendes Bitter gesellt sich dazu. Auch hier würde ich mir etwas mehr Fruchtigkeit wünschen. Das Mundgefühl ist weich und rund. Im Abgang wird das Bitter kräftiger, für ein Bockbier sogar ungewöhnlich kräftig, was mir durchaus entgegenkommt, genau wie der lange Nachklang.
Der Bitburger Maibock ist ein ungewöhnliches Bockbier, das aber sehr süffig ist. Dazu ein kräftiger Käse und der Abend ist gerettet.
Aus dem Oberallgäu kommt das Winter-Festbier, das jetzt vor mir steht. Auch wenn der Winter bereits Geschichte ist, kann eventuell ja dieses Märzen mit seinen 5,6 Volumenprozent Alkohol die dunkle Zeit von Corona etwas aufhellen.
Intensiv bernsteinfarben fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine kleine feinporige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier also schon mal was her.
Das Bier duftet nach frischem Brot und Karamell. Dazu kommen würzige Noten.
Der Antrunk ist recht süß und durch die reichlich dosierte Kohlensäure frisch. Diese Frische steht im Kontrast zu der Schwere des Bieres auf der Zunge, wenn ein zur Süße passendes Bitter dazukommt. Im Abgang wird das Bitter kräftiger, aber der Geschmack klingt nur kurz nach.
Insgesamt lässt sich das Bier gut trinken und es ist gefällig, es schafft es aber nicht, mich wirklich zu begeistern.
Zutaten:
Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt
Alkoholgehalt:
5,6 % Vol.
Stammwürze:
13,5 %
Bittereinheiten:
20 IBU
Brauerei:
Höss Brau- und Vertriebs GmbH & Co. KG Gewerbepark 35 D-87477 Sulzberg www.hoess-bier.com
Auch aus dem Vereinten Königreich kommen saisonale Biere, die für den Winter stärker eingebraut werden. Das Winter Welcome Ale, das jetzt vor mir steht, stammte von Samuel Smith, Yourshires ältester Brauerei. Außerdem wurde das Bier so häufig ausgezeichnet, dass ich es mir erspare, die Preise hier alle aufzuzählen. Ich gehe einfach davon aus, dass es sich um ein tolles Bier handelt, das ich jetzt verkosten werde.
Bernsteinfarben und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone fällt recht klein aus, aber sie bleibt sehr lange erhalten. Damit geht die Optik schon mal in Ordnung.
Das Aroma macht es bereits klar: ich habe jetzt ein wirklich süßes Bier vor mir. Düfte nach Trockenfrüchten wie Rosinen und Feigen steigen mir in die Nase, dazu einige blumige Noten.
Der Antrunk erfüllt meine Erwartungen an die Süße. Dabei sorgt aber die Kohlensäure für die erforderliche Frische. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen nach den Trockenfrüchten wider, das Bitter des Hopfens ist nur sehr dezent feststellbar. Dafür schmecken die sechs Volumenprozent Alkohol durch. Trotzdem ist das Mundgefühl weich und rund. Auch der Abgang wird durch die Trockenfrüchte dominiert, wobei das Bitter etwas kräftiger wird und lange nachklingt.
Jedes Jahr am 6. Januar ist es soweit: im oberfränkischen Huppendorf wird der Winterweizen angestochen und er wird solange verkauft, bis der Sud weg ist. Dann heißt es wieder warten bis Heilige drei Könige. Aber das dürfte eigentlich kein größeres Problem darstellen, da die Brauer noch einige andere saisonale Bierspezialitäten im Angebot haben. Heute geht es aber um den Winterweizen, den ich jetzt öffne.
Rotbraun und hefetrüb fließt das Bier, das immerhin mit einem Weizenanteil von 60 % auftrumpfen kann, ins Glas. Für ein Weißbier ist die Schaumkrone recht klein und sie fällt schnell in sich zusammen. Da kann ich nur hoffen, dass der Geschmack besser ist als die Optik.
Das Aroma macht mir den Winterweizen schon sympathischer. Ein intensives Aroma nach Bananen steigt mir in die Nase, begleitet durch den Duft nach Nelken, das Ganze durch einen Karamellduft abgerundet. Die 5,5 Volumenprozent Alkohol kommen zwar auch zum Tragen, unterstreichen aber die anderen Aromen, sie stören also nicht.
Der Antrunk ist süß und spritzig. Auf der Zunge entwickelt sich zusätzlich zu den Aromen, die ich in der Nase bereits festgestellt hatte, eine leichte Fruchtigkeit, die an Zitrusfrüchte erinnert und gut mit den Karamellnoten harmoniert. Das Mundgefühl ist samtig und weich. Im Abgang steigert sich die Fruchtigkeit und sie klingt lange nach.
Obwohl mich die Optik so gar nicht angesprochen hat, konnte der Huppendorfer Winterweizen mich letztlich doch begeistern.
Zutaten:
Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe
Alkoholgehalt:
5,5 % Vol.
Stammwürze:
13,8 %
Brauerei:
Brauerei und Gastwirtschaft Johannes Grasser Huppendorf 25 96167 Königsfeld www.huppendorfer-bier.de
Die Puristen werden jetzt sagen, dass das Ratsherrn Wintertiet in diesem Blog nichts verloren hat, weil es sich um kein Bier im Sinne des Biergesetzes aus dem Jahr 1993 oder im Sinne des deutschen Reinheitsgebots ist, das 2016 sein 500jähriges Bestehen feiert. Ganz falsch ist diese Meinung nicht, schließlich enthält das Wintertiet Kandis und Koriander. Das Argument ist aber durchaus zwiespältig, da das Wintertiet in Deutschland auch als Bier verkauft werden dürfte, wenn die Ratsherrn es nicht selbst gebraut hätte, sondern den Brauvorgang ins Ausland, beispielsweise nach Dänemark oder Polen, verlegt und das Bier dann importiert hätte. Da der Brauvorgang in Deutschland geschehen ist, darf das Bier in Deutschland lediglich als „Brauspezialität“ verkauft werden. Würde das Bier exportiert, dürfte es im Ausland wieder als deutsches Bier verkauft werden. Also passt das Wintertiet doch hier hin. Und bereits auf dem Etikett steht, dass es sich um ein „Strong Belgian Dark“ handelt, und in Belgien sind diese Zutaten durchaus üblich. So, das soll als Vorbemerkung ausreichen, kommen wir zum Biertest.
Aber Moment, eine Bemerkung sei mir noch gestattet. Auf dem Etikett ist vermerkt, dass es sich um den zweiten Sud handelt. Eine Neuauflage dieses Getränks kann schon wieder anders schmecken. Dieser Test bezieht sich ausdrücklich nur auf diesen Sud.
Das Bier ist schwarz. Wirklich intensiv schwarz. Nur wenn ich das Glas gegen das Licht halte, schimmert schwach etwas Mahagoni durch. Diese Farbe warnt mich schon: der Geschmack dieses Bieres ist sehr intensiv, das ist keinesfalls etwas, das ich mir einfach so „hinter die Binde kippen“ kann. Der haselnussbraune Schaum ist feinporig, beinahe cremig und er bleibt auch zum Teil wirklich lange erhalten.
Das Aroma wird durch die Röstaromen bestimmt. Vordergründig kommt Karamell zur Geltung, das Bier duftet aber auch leicht süßlich mit einem Hauch von Trockenfrüchten. Damit entspricht das Aroma dem Eindruck, den die Optik vermittelt hat. Das macht wirklich Lust auf den ersten Schluck.
Der Antrunk ist süß, wirklich süß. Die Süße überdeckt im ersten Moment jeden anderen Geschmack. Da aber Kandis verwendet wurde, kein Raffinadezucker, ist der Geschmack trotzdem recht komplex und nicht unangenehm. Der Körper ist so intensiv wie ich ihn aufgrund der Optik und des Aromas erwartet habe. Bitter und süß halten sich prima die Waage. Dazu ist das Bier leicht fruchtig. Der Koriandersamen ist kaum zu schmecken, da ich aber aus der Zutatenliste weiß, dass er im Bier enthalten ist, kann ich ihn ahnen. Im Abgang ist das Wintertiet sowohl bitter als auch süß. Während die Süße aber recht schnell verschwindet, bleibt der angenehm-bittere Geschmack lange erhalten.
Dieses Bier steht wirklich in der Tradition der belgischen Braukunst. Ich habe vor vielen Jahren durch die belgischen Biere erfahren, dass Bier mehr ist (oder zumindest sein kann) als die übliche Industrie-Massenware. So etwas wie das Ratsherrn Wintertiet wünsche ich mir öfter.