Schlagwort-Archiv: Franken

Gradl – Leupser Dunkel

Das historisch gestaltete Etikett zeigt das Wappen der Brauerei Gradl.Die Brauerei Gradl, von der das Leupser Dunkel stammt, das ich jetzt verkosten will, ist bereits seit 1683 in Familienbesitz. Aktuell hält Braumeister Stephan Wolfring die fränkische Brautradition im Dorf am Leben. Er braut feinste Biere, betreibt eine gemütliche Gaststube samt Biergarten, organisiert das legendäre Schupfenfest im Juli und die Kerwa im September. Im Prinzip lebt er also so, wie sich ein Norddeutscher einen fränkischen Brauer vorstellt. Eine Besonderheit gibt es aber doch: Stephan braut nur zwei Biere: das Leupser Dunkel und das Leupser Pils. Dazu kommen noch im Laufe des Jahres die traditionellen saisonalen Biere im Mai und zu Weihnachten. Mehr gibt es nicht. Aber wenn er nur vier Biere braut, kann er die doch gewiss besonders gut hinbekommen. Ob dieses Vorurteil von mir stimmt, will ich jetzt am Beispiel des Leupser Dunkel überprüfen.

Rubinrot und kristallklar fließt das Bier ins Glas. Dabei bildet es eine durchschnittlich große fest Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

Malz und würzige Noten verbinden sich zu einem angenehmen Aroma, das mir in die Nase steigt.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme und nicht zu kräftige Malzsüße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge sind die Röststoffe im Mittelpunkt; Kaffee- oder Schokoladennoten kann ich nicht feststellen, auch keine Säure. Aber die würzigen Noten des Hopfens machen sich deutlich bemerkbar. Die Bittere wird in der Kehle kräftiger, wo sie sehr lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Farbe:

20 EBC

Brauerei:

Brauerei Gradl
Leups 6
91257 Pegnitz
http://www.leupser.de/

Maisel & Friends – Hoppy Dunkel

Die Brauerei Maisel steht für Biervielfalt. Dabei beschränkt sie sich nicht auf die traditionellen Bierstile, sondern bietet unter dem Namen Maisel & Friends viele Biere an, die nach dem Reinheitsgebot gebraut wurden und trotzdem aus dem üblichen Rahmen fallen. Und das Friends im Namen ist durchaus wörtlich zu nehmen. Maisel unterstützt auch andere kreative Brauer, sowohl gewerbliche als auch Hobbybrauer. So fand im Jahr 2023 bereits zum vierten Mal der Hobbybrauerwettbewerb statt, den Maisel & Friends gemeinsam mit der BrauBeviale bereits zum sechsten Mal ausrichtete.

Gesucht wurde ein „Münchner Dunkel (Modern Style)“, bei dem die klassische Malzsüße auf moderne Hopfensorten trifft. Sieger war der Hesse Paul Schüßler. Anfang Oktober war Paul deshalb in Bayreuth zu Gast, um sein Gewinnerrezept auf der großen Brauanlage mit dem Braumeister von Maisel & Friends nachzubrauen. Jetzt ist das Bier fertig und solange der Vorrat reicht, kann es bei Maisel & Friends bestellt werden.

Kupferfarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine elfenbeinfarbene und größtenteils feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier also eine gute Figur.

Der Unterschied zu traditionellen Bieren zeigt sich bereits in der Nase. Aufgrund der Optik hätte ich Aromen erwartet, die an Schokolade, Karamell und Waldhonig erinnern. Diese Aromen sind auch vorhanden und unterstützen die zusätzlichen Fruchtaromen. Im Mittelpunkt stehen Düfte, die an Ananas und Orange, an Pfirsich und Blaubeere erinnern.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge steht die Fruchtigkeit der Hopfensorten im Vordergrund, während die Malznoten lediglich unterstützend wirken. Die Fruchtaromen mischen sich wie in einem tropischen Obstsalat. Dabei ist das Mundgefühl weich und voll. In der Kehle ist das Bier sehr mild. Während die Fruchtigkeit lange nachklingt, kann ich kaum eine Bittere feststellen.

Und wie immer bei den Sondersuden von Maisel & Friends gilt: wenn weg, dann weg. Dieses Bier wird es dann nie wieder geben. Aber bis dahin gilt: es gibt das Bier im Onlineshop von Maisel & Friends sowie bei verschiedenen Versandhändlern.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Columbus, Hallertauer Mittelfrüh, Simcoe, Talus), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2% Vol.

Stammwürze:

12,90° Plato

Farbe:

16 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

(diese Temperatur empfiehlt die Brauerei, ich meine aber, dass dieses Bier durchaus eine etwas höhere Temperatur vertragen könnte)

Brauerei:

Maisel & Friends
Brauerei Gebr. Maisel GmbH & Co. KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Weißenoher – Kloster-Sud

Der Kloster-Sud aus der Klosterbrauerei Weissenohe ist nach Angaben der Brauerei ein urfränkisches Bier und entspringt einer jahrhundertealten Brautradition. Jetzt steht das Bier vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Bernsteinfarben bis kastanienbraun und glanzfein fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine feinporige weiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. An der Optik dieses Kloster-Suds gibt es wirklich nichts zu mäkeln.

Röstaromen dominieren den Duft dieses Bieres, gepaart mit dem Duft nach frischem Brot, Karamell und dunkler Schokolade. Aus dem Hintergrund meine ich auch einen Hauch Lakritz zu riechen.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine tolle Spritzigkeit aus. Aber erst auf der Zunge zeigt sich die gesamte Komplexität dieses Bieres. Süß und würzig ist es mit kräftiger Malznote. Dazu kommen ein leichter Honiggeschmack, ein Hauch gerösteter Nüsse sowie etwas Kandis. Obwohl das Bier kaum Fruchtigkeit aufweist, ist das Mundgefühl rund und weich. In der Kehle schmecke ich erstmal eine leichte Bittere, die kurz nachklingt.

Ein typisches Bier aus Franken, mild und süffig.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner, rotes Caramelmalz, Weissenoher Wiener), Hopfen (Hallertauer Nordbrauer, Hersbrucker Gebirgshopfen, Spalter Ariana, Spalter Select)

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Bittereinheiten:

22 IBU

Brauerei:

Klosterbrauerei Weißenohe GmbH & Co.KG
Klosterstr. 20
91367 Weißenohe
www.klosterbrauerei-weissenohe.de

 

Hanscraft – 7 Haze a Week

Die Zahl Sieben nimmt in vielen Mythologien und Märchen eine besondere Rolle ein. Sie gilt als magisch und ist allgegenwärtig. Da stehen die Protagonisten vor sieben Aufgaben, es gibt die sieben Weltwunder der Antike, die Juden haben ihren siebenarmigen Leuchter, die Christen kennen sieben Todsünden, Schneewittchen zog es zu den sieben Zwergen und nun gibt es von Hanscraft das Bier z Haze a Week, das, wenig verwunderlich, mit sieben Hopfensorten gebraut wurde und das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Golden und mit kräftiger Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist gemischtporig und fällt leider recht flott in sich zusammen.

Das Aroma gefällt mir schon deutlich besser. Düfte nachAnanas, Zitrusfrüchten, Mango und Papaya steigt mir in die Nase. Aus dem Hintergrund meldet sich auch die Hefe. Neben der Fruchtigkeit fällt mir auch die Süße des Aromas auf.

So ist auch der Antrunk wie erwartet süß und fruchtig, dabei auch spritzig und frisch. Auf der Zunge steht die Fruchtigkeit im Mittelpunkt. Dazu kommt eine passende freundliche Bittere, die für ein volles und weiches Mundgefühl sorgt. In der Kehle lässt die Fruchtigkeit nach und die Bittere übernimmt das Kommando. Obwohl sie für ein IPA recht mild ist, klingt der Geschmack doch lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hafermalz, Hopfen (Bru 1, Cashmere, Cascade, Comet, Saphir, Simcoe, Mosaic), Hefe

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Bittereinheiten:

20 IBU

Farbe:

6 EBC

Brauerei:

HansCraft & CO.
Inh. Christian Hans Iocca
Landingstr. 24
63739 Aschaffenburg
www.hc-co.de

für

Die Bierothek® Bamberg
Untere Königstraße 1
96052 Bamberg
www.bierothek.de

Keesmann – Herren Pils

Die Brauerei Keesmann ist ein traditionsreiches Bamberger Brauhaus, das sich seit 1867 im Besitz der Familie Keesmann befindet. Es liegt im Stadtteil Wunderburg gegenüber der Kirche Maria Hilf. Die Brauerei ist ein fester Bestandteil der städtischen Kultur und hat sich einen Namen gemacht, insbesondere durch ihr überregional bekanntes Herren-Pils, das vollkommen untypisch für Franken 92 % der Produktion ausmacht und das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine sahnige schneeweiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier hervorragend.

Das Bier duftet nach Brotkrume, abgerundet mit einigen würzigen Noten.

Der Antrunk ist recht süß und er zeichnet sich durch eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge gesellt sich eine auf die Süße abgestimmte Bittere dazu. Gemeinsam mit den würzigen Aromen ergibt sich so ein vollmundiges und süffiges Bier. In der Kehle wird die Bittere etwas kräftiger, und sie klingt auch einige Zeit nach.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Bittereinheiten:

31 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Keesmann Bräu
96050 Bamberg

 

Erklärung der Privaten Brauereien Bayern zur Hopfenernte und zum Hopfenmarkt 2023

Traditionell laden auf der BrauBeviale der Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V., der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband e.V., der Bayerische Brauerbund e.V. sowie die Privaten Brauereien Bayern e.V. zu einer gemeinsamen Pressekonferenz ein. Hier das Statement von Mario Schäfer, Geschäftsführer Private Brauereien Bayern e.V. Ich veröffentliche es sowohl schriftlich als auch als Podcast zum Anhören. Hier also das Statement:

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich Willkommen hier auf der BrauBeviale 2023. Nach vier Jahren Pause ist es ein tolles Gefühl wieder hier in Nürnberg durch die Messehallen zu gehen und die Messestände der Aussteller zu besuchen. Als Ideeller Träger der BrauBeviale freuen wir uns vom Verband Private Brauereien Bayern über einen zahlenmäßig sehr erfreulichen Neustart der BrauBeviale.

Die BrauBeviale ist ein wertvoller Impuls- und Ideengeber für die Brau- und Getränkewirtschaft. Entlang der gesamten Wertschöpfungskette bietet die Fachmesse unterschiedlichste Lösungsansätze, Hilfestellung und Informationen. Als Netzwerkplattform für Techniker, Technologen und Entscheider ist sie zudem essentieller Bestandteil unserer Branche.

Ein ebenso wichtiger Bestandteil der BrauBeviale ist die heutige Hopfen-Pressekonferenz, der das Hopfenjahr aus verschiedenen Blickwinkeln Revue passieren lässt. Mein Dank gilt dem Verband Deutscher Hopfenpflanzer und dem Deutschen Hopfenwirtschaftsverband für die Möglichkeit, ein kurzes Statement aus Sicht der mittelständischen Brauwirtschaft abzugeben.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

das regenreiche Wetter Mitte Juli hat dem deutschen Hopfenanbau die rettende Menge an Wasser gebracht. Am Ende musste zwar eine unterdurchschnittliche, aber dennoch keine so schlechte Ernte wie im Vorjahr verzeichnet werden.

Beim Bierabsatz sieht es im Vergleich zum Vorjahr aus Sicht der Brauwirtschaft eher weniger erfreulich aus. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurde in den Sommermonaten deutlich weniger Bier abgesetzt als im Vergleichszeitraum 2022. So sank der steuerpflichtige Bierabsatz in der Bundesrepublik Deutschland bis Ende September um rund 3,9 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Neben der langfristigen demografischen Entwicklung ist hierfür vor allem ein Rückgang im Flaschenbiergeschäft verantwortlich.

Diese Entwicklung setzt die Braubranche im Allgemeinen und besonders die kleinen und mittleren Brauereien weiter unter Druck. Die mittelständische Brauwirtschaft sieht sich mit enormen Herausforderungen konfrontiert. So haben starke Energiepreiserhöhungen bei Strom, Gas oder Heizöl und bei Braurohstoffen wie Gerstenmalz allein die reinen Herstellungskosten für einen Hektoliter Bier einer typischen mittelständischen Brauerei um bis zu 15 % verteuert. Hinzu kommen höhere Personalkosten, stark gestiegene Einkaufspreise für Flaschen, Kästen und Betriebsstoffe sowie deutlich zunehmende Aufwendungen im Fuhrpark- und Logistikbereich, die aufgrund der Erhöhung der Mautgebühren für LKWs und der CO2-Abgabe für Dieselkraftstoffe im kommenden Jahr 2024 weiter wachsen werden.

Für das Jahr 2024 rechnen wir daher nicht mit einer signifikanten Markterholung. Im Gegenteil, mit der jetzt beschlossenen Wiederanwendung des 19-prozentigen Umsatzsteuersatzes für Speisen in der Gastronomie verschlechtert die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für unsere Branche sogar. Denn dieser Schritt wird unweigerlich auch negative Auswirkungen auf den Fassbierabsatz unserer Betriebe haben.

Das Gebot der Stunde für die mittelständische Brauwirtschaft ist es daher, wo immer möglich Effizienzsteigerungen zu erreichen und Kosteneinsparungen vorzunehmen. Ebenso wichtig ist es aber auch, die Arbeit an der Markenprofilierung fortzusetzen.

Die mittelständische Brauwirtschaft ist hierbei bereits auf einem guten Weg. Qualitativ hochwertige Brauspezialitäten aus der Region stehen bei den Konsumenten unverändert hoch im Kurs, auch wenn sie einen höheren Preis als bekannte Fernsehbiermarken haben und aufgrund ihrer Werthaltigkeit auch haben müssen.

Zu bedauern sind in diesem Zusammenhang Preis-Aktionen des Handels, die gezielt auf die in manchen Haushalten schwierige finanzielle Lage abzielen und das wertige Produkt Bier zu Billigpreisen verramschen. Die Schere zwischen Aktionspreis und Normalpreis geht dabei immer weiter auseinander. Wenn jedoch bei den nationalen Pilsmarken der Promotionsanteil bereits bei knapp 80 Prozent liegt, stelle ich die Frage, welcher Preis denn dann eigentlich der „Normalpreis“ ist?

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch heuer wurden uns die Folgen des Klimawandels auf den Hopfenanbau wieder besonders vor Augen geführt. Wir begrüßen es daher, dass die Hopfenwirtschaft hier an nachhaltigen Konzepten arbeitet. Trotz einer unterdurchschnittlichen Ernte 2023 ist ausreichend Hopfen für die Brauwirtschaft vorhanden. Nur bei einigen wenigen Sorten wird also die Alpha-Klausel in diesem Jahr greifen.

Der Brauwirtschaft sind dabei auch die Probleme der Hopfenbaubetriebe bewusst: auch sie leiden unter den gestiegenen Energie- und Materialkosten. Ein partnerschaftlicher Umgang aller Beteiligten – von den Pflanzern über den Hopfenhandel bis hin zu den Brauereien – ist daher essentiell. Nur durch Zusammenarbeit auf Augenhöhe kann es gelingen, die derzeitigen Herausforderungen sowie die Auswirkungen des Klimawandels erfolgreich zu meisternund so unsere einzigartige Biervielfalt in Deutschland zu erhalten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

sinnbildlich für den Begriff „Biervielfalt“ steht der renommierte Bierwettbewerb European Beer Star, den unser Verband in diesem Jahr bereits zum 20. Mal veranstaltet hat. Mitte September verkostete und bewertete eine rund 140-köpfige Jury bestehend aus internationalen Bierexpertinnen und -experten hier auf dem Nürnberger Messegelände die eingereichten Biere. Insgesamt 2356 Biere aus 47 Ländernwetteiferten beim European Beer Star 2023 um die begehrten Awards. Am Ende wurden jedoch nur die drei besten Biere in der der 74 Kategorien mit Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet.

Welche Brauereien waren am erfolgreichsten? In welche Länder gehen die Awards? Das erfahren Sie bei der Preisverleihung des European Beer Star 2023 heute Nachmittag ab 15:20 Uhr, zu der ich Sie alle recht herzlich einlade. Erstmals findet die Preisverleihung mitten im Messegeschehen statt. Wir freuen uns auf Ihren Besuch im Forum BrauBeviale in Halle 1!

Bayreuther Brauerei bei zwei internationalen Bierwettbewerben ausgezeichnet

Die Brussels Beer Challenge gilt als einer der renommiertesten Bierwettbewerbe, nicht zuletzt, da die Medaillen für jeden Bierstil nur ein einziges Mal verliehen werden. Bayreuther Hell wurde mit einer der begehrten Goldmedaillen ausgezeichnet. Bereits 2021 konnte das traditionell gebraute bayerische Helle bei der Brussels Beer Challenge vollends überzeugen und die Goldmedaille gewinnen. Auch im letzten Jahr fand sich Bayreuther Hell auf dem Siegertreppchen ein und holte Bronze. Braumeister Horst Weiß ist stolz auf den Wiederholungserfolg: „Für einen Brauer ist das Helle der am schwersten herzustellende Bierstil, weshalb es auch oft als Königsklasse angesehen wird. Nicht der kleinste Braufehler kann versteckt oder durch intensiven Hopfeneinsatz kaschiert werden, es muss ganz fein ausbalanciert sein. Für ein Helles ausgezeichnet zu werden, gleicht daher einem Ritterschlag und unser gesamtes Team freut sich riesig darüber!“ Bayreuther Hell bekommt durch die sorgsam ausgewogene Balance aus feinsten, hellen Gerstenmalzen und einer dezenten Hopfennote seinen unverkennbaren Charakter. Gebraut wird es mit viel Liebe und Herzblut nach überliefertem Rezept und nach den Regeln bester bayerischer Braukunst.

„Die Teilnahme an Bierwettbewerben ist für uns immens wichtig, weil wir dadurch unseren hohen internen Qualitätsanspruch auch von unabhängigen Experten prüfen lassen können. Neben der Brussels Beer Challenge konnte eines unserer Biere kürzlich auch beim European Beer Star überzeugen“, freut sich Hans Joachim Leipold, Vorstand der Bayreuther Bierbrauerei.

Der European Beer Star ist eine ebenfalls sehr renommierte internationale Auszeichnung, bei der ausschließlich die besten drei Biere jeder Kategorie einen Award erhalten. Das macht den European Beer Star zu einem der härtesten Wettbewerbe der Welt. Aktien Zwick’l Kellerbier wurde mit Silber prämiert. Die naturbelassene, hefetrübe und unfiltrierte Bierspezialität war früher nur dem Braumeister vorbehalten, der das Fass kurz angestochen hat und den ersten Schluck verkostete. Das Fass wurde dann wieder mit einem Holzzwick’l verschlossen, woher auch der Name rührt.

Hütten – Hell

Das Etikett des Bieres ist nahezu schmucklos gehalten, aber der Name des Bieres strahlt einem bereits aus einiger Entfernung entgegen.Die Brauerei Hütten in Warmensteinach, Bayern ist eine Familienbrauerei, die bereits seit dem Jahr 1602 existiert. Sie liegt im idyllischen Fichtelgebirge, in der Nähe des Ochsenkopfs, dem zweithöchsten Berg der Region. Von dort kommt das Helle, das jetzt vor mir auf seine Verkostung wartet.

Goldgelb und gefiltert fließt das Bier ins Glas. Dabei bildet sich lediglich eine kleine Schaumkrone, die auch recht schnell in sich zusammenfällt. Da könnte die Brauerei sicher noch einmal nachsteuern.

Der Duft heller Malze steigt mir in die Nase. Abgerundet wird das Aroma durch einige blumige Noten. Jetzt gefällt mir das Bier schon deutlich besser.

Der Antrunk ist recht süß und er zeichnet sich durch eine sehr feinperlige, dabei aber kräftige Kohlensäure aus. Auf der Zunge kommt eine zur Süße passende Bittere. Jetzt fehlen mir fruchtige Hopfennoten, die den Geschmack abrunden würden. So bleibt ein schlankes Mundgefühl. In der Kehle wird die Bittere etwas kräftiger, bleibt dabei aber immer noch zurückhaltend. Trotzdem ist der Nachklang überraschend lang.

Auch wenn das Bier recht süffig ist, ist es nicht so ganz meins. Aber zu einer bayrischen Brotzeit passt es gut.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

11,8° Plato

Farbe:

5 EBC

Braureei:

Brauerei Hütten
Hütten 6-8
95485 Warmensteinach
www.brauerei-huetten.de

 

Erklärung des Bayerischen Brauerbundes zur Hopfenernte und zum Hopfenmarkt 2023

Traditionell laden auf der BrauBeviale der Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V., der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband e.V., der Bayerische Brauerbund e.V. sowie die Privaten Brauereien Bayern e.V. zu einer gemeinsamen Pressekonferenz ein. Hier das Statement von Dipl.-Ing. Walter König vom Bayerischen Brauerbund e.V. Ich veröffentliche es sowohl schriftlich als auch als Podcast zum Anhören. Hier also das Statement:

Sehr verehrte Damen und Herren,

auch im Namen des Bayerischen Brauerbundes begrüße ich Sie sehr herzlich zu unserer heutigen gemeinsamen Pressekonferenz. Hopfen wird zu 99% zur Bierherstellung verwendet. Es ist deshalb seit vielen Jahren Tradition und gelebtes Miteinander, dass bei der Pressekonferenz zur Hopfenernte und zum Hopfenmarkt anlässlich der Fachmesse BrauBeviale auch Vertreter der brauwirtschaftlichen Verbände zur aktuellen Situation berichten. In Absprache mit meinem Kollegen Mario Schäfer wird er auf die aktuelle Entwicklung des Bierausstoßes sowie auf die wirtschaftliche Situation und die Herausforderungen in den Brauereien näher eingehen.

Lassen Sie mich einen Blick auf die Versorgungssituation der heimischen Brauwirtschaft mit hochwertigen Rohstoffen werfen.

Trotz der durch den klimatischen und politischen Wandel hervorgerufenen enormen Herausforderungen in der Hopfenproduktion und der zwei unterdurchschnittlichen Ernten im vergangenen, sowie im laufenden Jahr, war es der Hopfenwirtschaft wichtig, direkt zum Start der Ernte das Signal der Versorgungssicherheit in die Brauwirtschaft zu senden: „Die Deckung des Bedarfs an Hopfen für das Braujahr 2023 ist trotz des schwachen Ergebnisses gesichert, da im Markt immer noch erhebliche Vorräte, die sich vorwiegend in den Händen der Brauereien befinden, vorhanden sind!“ lautete das Statement zur Hopfenrundfahrt 2023.

Diese, für die Brauwirtschaft beruhigende und komfortable Situation ist mehreren Faktoren zu verdanken:

Vertragswesen stützt Planungssicherheit

Die Hopfenproduktion reagiert träge und Veränderungen brauchen Zeit. Jeder Hopfenkauf wird über den Hopfenhandel in der Landwirtschaft langjährig durch Verträge abgebildet. Im Gegensatz zu den USA laufen Hopfenkauf- und somit auch Hopfenlieferverträge in Deutschland über viele Jahre. Das Vorvertragswesen ist ein Garant dafür, dass trotz kurzfristig auftretender Schwankungen eine hohe Grundversorgung und Vorratshaltung gewährleistet ist. So tragen langfristig eingekaufte Hopfenmengen, die während des stark eingebrochenen Bierausstoßes während der Corona Pandemie nicht benötigt wurden, heute zur Versorgungssicherung bei.

Einschneidende Ereignisse, wie beispielsweise die Corona-Pandemie, die durch den Russland-Ukraine-Krieg verursachte Logistik- und Energiekrise und auch eine Missernte wie 2022 verlangen zukünftig jedoch flexiblere Handlungsmechanismen von uns. Zusätzlich zum Vorvertragswesen brauchen wir deshalb eine bedarfsgerechtere Mengenplanung, die auf gesicherten Informationen beruht und schnellere Anpassungen in der Hopfenlogistik ermöglicht. Beispielsweise könnten so über den tatsächlichen Bedarf hinaus gekaufte Hopfen der Brauereien, die in der Regel in den Kühlhäusern des Hopfenhandels liegen, schneller identifiziert und anderweitig im Markt verwendet werden. Lagerhaltung und Logistik werden optimiert und sowohl Brauerei als auch Hopfenhandel erhalten höhere Wirtschaftlichkeit und mehr Planungssicherheit.

Kostendruck erzwingt höherer Wirtschaftlichkeit

Nicht nur bei der Hopfenproduktion und Verarbeitung haben die vergangenen zwei Jahre zu erheblichen Kostensteigerungen in der Produktion geführt. Auch der energieintensive Brauprozess sowie immens steigende Lohn-, Verpackungs- und Logistikkosten belasten die Brauwirtschaft. Natürlich wird in diesem Zusammenhang auch beim Hopfeneinsatz wieder mehr Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit gelegt. Beim weltweiten Hopfeneinsatz ist sogar eine Trendwende weg vom Aromahopfen hin zu mehr Hochalphahopfen beim Brauen zu beobachten. Dies verursacht einen Flächenüberhang, der uns unter anderem in den letzten beiden knappen Erntejahren die komfortable Versorgungssituation gewährleistet hat.

Mit dem Blick nach vorne möchte ich aber auch gerade das Thema Planungssicherheit in den Mittelpunkt meiner Betrachtung stellen. Das klare Statement zur Versorgungssicherheit mit Hopfen aus deutschen Anbaugebieten hat nämlich noch eine weit größere Bedeutung als die der aktuellen Ernteeinschätzung. Das Statement soll uns Brauern sagen: „Auf die deutsche Hopfenwirtschaft ist Verlass!“ Es gibt also keinen Grund, sich auch wegen einer Missernte, wegen des Klimawandels oder wegen veränderter Rahmenbedingungen im Hopfeneinkauf anderweitig zu orientieren.

Investitionen in die Zukunft der heimischen Rohstoffversorgung

Die Bauwirtschaft begrüßt die Bemühungen des Hopfenpflanzerverbandes außerordentlich, weitere und vor allem nachhaltige Bewässerungsmöglichkeiten für große Teile der Hopfenanbaugebiete in der Hallertau und in Spalt zu realisieren. Diese Konzepte fordern von den Hopfenpflanzern hohe Investitionskosten und ein Bekenntnis für die Hopfenproduktion in den nächsten Jahrzehnten. Ein für uns sehr wichtiges und vor dem Hintergrund der vergangenen Ernten notwendiges Signal zur Versorgungssicherung.

Auch wurde erst im vergangenen Jahr mit der Eröffnung des weltweit größten und modernsten Hopfenverarbeitungswerks in der Hallertau eine enorme Investition in die Zukunft des Hopfenproduktionsstandorts Deutschland getätigt. Neben der Versorgungssicherheit gewährleistet uns dieser Meilenstein auch höchste Produktqualität mit allen bei uns gängigen Hopfenveredelungs- und Verarbeitungsprodukten.

Große Anstrengungen in Resourcenschutz, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

Ebenfalls begrüßten wir die großen Anstrengungen sowie die Weitsicht der Hopfenpflanzer und der Hopfenwirtschaft, mit Neuzüchtungen in den Bereichen Aromasorten, Bittersorten und Hopfensorten mit besonderen Eigenschaften einen aktiven Beitrag zum Resourcenschutz, zur nachhaltigeren Produktion und auch zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit zu leisten. In diesem Zusammenhang richte ich jedoch auch einen Appell in die Brauwirtschaft, diese Anstrengungen mit Offenheit gegenüber neuen Sorten auch in bestehenden Rezepturen und mit einem klaren Bekenntnis zur heimischen Brauwirtschaft zu honorieren.

Nur gemeinsam können wir die Wettbewerbsfähigkeit und die Qualitätsführerschaft der deutschen Hopfenproduktion zum Wohle unserer Versorgungssicherheit mit qualitativ hochwertigem Hopfen in die Zukunft tragen. Auch wenn US-Hopfen womöglich durch bessere Rahmenbedingungen und Sondereffekte kurzfristig günstiger am Markt zu haben sein werden, müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer heimischen Rohstoffversorgung stärken. Die Abhängigkeit in der Rohstoffversorgung von Drittstaaten darf, kann und wird nicht die Versorgungsstrategie der deutschen Brauwirtschaft sein.

Wir setzen auf Nachhaltigkeit im Rohstoffbezug, auf Partnerschaft und Planungssicherheit. Wir haben erfahren, was es bedeutet, wenn Lieferketten kurzfristig wegbrechen, wenn Rückstandshöchstmengen in Drittstaaten mit unseren Qualitätsvorstellungen nicht übereinstimmen und vor allem, wenn die Produktionsplanung im Sudhaus nach der Verfügbarkeit der Rohstofflieferung ausgerichtet werden muss. Trotz und gerade wegen aller Herausforderungen, die jeder von uns in seinem Bereich aktuell tragen muss, sind die Kommunikation, der Dialog und das Verständnis füreinander wichtig. Jeder Einzelne, Braumeister, Rohstoffeinkäufer oder Logistiker ist ein Entscheider, der die Zukunft mit seiner individuellen persönlichen Entscheidung mit prägt. Lassen Sie uns die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die wir in den vergangenen Jahren gelebt haben, gerade jetzt, wenn die Zeiten wieder schwieriger werden, fortsetzen und so gut es geht die Herausforderungen der Zukunft weiterhin zusammen anpacken.

 

Erklärung des Deutschen Hopfenwirtschaftsverbands zur Situation auf dem Hopfenmarkt

Traditionell laden auf der BrauBeviale der Verband Deutscher Hopfenpflanzer e.V., der Deutsche Hopfenwirtschaftsverband e.V., der Bayerische Brauerbund e.V. sowie die Privaten Brauereien Bayern e.V. zu einer gemeinsamen Pressekonferenz ein. Hier das Statement von Pascal Piroué vom Deutschen Hopfenwirtschaftsverband e.V. Ich veröffentliche es sowohl schriftlich als auch als Podcast zum Anhören. Hier also das Statement:

Die Ausgangslage vor der Ernte 2023

Ausgehend von einer außergewöhnlich schwachen Welternte 2022, die mit einer Menge von rd. 107.500 Tonnen Hopfen dennoch einen Überschuss an Alphasäure produzierte, zeigte sich der Weltmarkt im Braujahr 2023, wie auch in den Vorjahren, in einigen Sorten sehr gut bis überversorgt.

Trotz der schlechten europäischen Ernte konnten nicht alle Mengen verkauft werden. Zudem verliefen die Auslieferungen von kontrahierten Hopfenprodukten der Vermarkter an die Brauer über das gesamte Jahr überraschend schleppend. Zur Ernte 2023 befinden sich noch deutliche Mengen an nicht abgerufenen Hopfenprodukten aktueller und früherer Ernten in den Lägern der Vermarkter. Zudem bestehen Anfragen aus der Brauwirtschaft im größeren Umfang bereits vorkontrahierte Mengen zu stornieren.

Die Ursache liegt in dem seit Frühjahr 2023 ernüchternden Entwicklung des globalen Bierausstoßes. Gemäß den aktuellen Zahlen und Schätzungen für das Braujahr 2023 sind die Ausstoßzahlen vor allem in Nordamerika, Europa und Asien insgesamt wieder rückläufig. Die erhoffte nachhaltige Erholung nach Beendigung der coronabedingten Einschränkungen ist in vielen Ländern durch ein verändertes Verbraucherverhalten aufgrund von restriktiver Alkoholpolitik, Inflationsängsten, politischen Krisen und der allgemeinen wirtschaftliche Entwicklung schwächer verlaufen als angenommen. Auch das Craft-Bier-Segment verliert in nahezu allen Regionen spürbare Absatzmengen, mit der Folge, dass der Hopfenbedarf sinkt.

Die Ernte 2023 und die voraussichtliche Versorgungslage 2024

Die Wachstumsbedingungen in Mitteleuropa waren nach der bereits sehr schwachen Ernte 2022 auch im Sommer 2023 wiederholt von zahlreichen Hitzetagen und von ausbleibenden Niederschlägen über längere Zeiträume gekennzeichnet. Dies ist die Folge einer seit über 10 Jahren zu beobachtenden Klimaveränderung in Mitteleuropa, welche nach aktuellen Prognosemodellen die Witterungsbedingungen in dieser Region auch in der Zukunft prägen wird.

Diese Trockenphasen in der Anbauphase 2023 betrafen besonders die Anbauregionen Hallertau, Spalt und Tettnang sowie Tschechien und Frankreich. Hier fielen in der Folge vor allem die Alphasäurewerte deutlich unterdurchschnittlich aus. In den Anbaugebieten Elbe-Saale, Slowenien und Polen kam es hingegen in den für den Pflanzenstand wichtigen Monaten Juni und Juli zu ausreichenden, in Slowenien sogar zu weit überdurchschnittlichen Niederschlägen, so dass hier die Ernteergebnisse durchschnittlich bis gut waren. In Spanien führte ein massiver Mehltaubefall zur Ernte aufgrund fehlender Pflanzenschutzmittel zu größeren Einbußen.

Für Gesamteuropa ergibt sich nach ersten Einschätzungen eine Erntemenge von rund 57.300 Tonnen gegenüber 48.900 Tonnen im Jahre 2022 (+17 %) – dieses Ergebnis ist zwar besser als im Vorjahr, liegt jedoch immer noch rd. 4% unter dem langjährigen Durchschnitt. Deutlich größer war die Auswirkung der Witterung auf die Alphasäurewerte, die bei den meisten Sorten äußerst schwach ausfielen.

In den USA war die Ernte durchschnittlich bis gut und übertraf trotz einer Flächenreduzierung um über 2.100 Hektar bzw. – 8,5% das Vorjahresergebnis. Mit insgesamt 47.080 Tonnen erntete man in der Pacific-North West Region rd. 1.100 Tonnen mehr als im Vorjahr, was vor allem auf den verstärkten Anbau von ertragreicheren Hochalphasorten zurückzuführen ist.

Die weltweite Ernte beträgt nach ersten Hochrechnungen 117.000 Tonnen, bzw. 9.930 mt Alphasäure. Dies ist zwar eine Steigerung der Mengenerträge von rund 9 % im Vergleich zum Vorjahr aber nur +2,2% bei der Alphasäureproduktion.

Damit wurde auch in der Ernte 2023 und damit zum 8. Mal in Folge Alphasäure über dem Bedarf produziert. Die hohen Bestände aus früheren Ernten belasten den Markt zunehmend und es zeigt sich, dass viele Brauereien vertragsmäßig überkontrahiert sind. In der Folge entkoppelt sich bereits seit einigen Jahren das erntebezogene Marktgeschehen von der eigentlichen Versorgungslage.

Ausblick 2024

Für das Braujahr 2024 gehen aktuelle Schätzungen von einem, aus den genannten Gründen, weiterhin schwachen Biermarkt aus. In der Folge haben die Notierungen für Spothopfen in der Ernte 2023 mit deutlich fallenden Preisen bereits erheblich reagiert. Es ist zudem zu erwarten, dass Russland, als wichtiger Abnehmer europäischen Hopfens, den Hopfenanbau steigert und zunehmend zum Selbstversorger wird.

Um den Markt wieder in die Balance zu bekommen, müsste die Fläche in allen Hauptanbaugebieten spürbar reduziert werden, um sich der geringeren Bedarfslage anzupassen. Ein besonderes Augenmerk muss auch auf einige Aromasorten gerichtet werden, deren Bedarf global überproportional rückläufig ist.

Diese unerwartet deutlich veränderte Bedarfslage stellt die gesamte Hopfenwirtschaft vor noch größere Herausforderungen. Dies beginnt bei den anhaltend hohen Kosten in der landwirtschaftlichen Erzeugung sowie der Kostenbelastung der Verarbeiter und Vermarkter durch anhaltend verteuerte Energie, Personal und Zinsen. Es ist offensichtlich, dass die gesamte Wertschöpfungskette massiv unter Druck steht.

Die Hopfenpflanzer in Deutschland haben aktuell zumeist noch einen hohen Anteil an Vorverträgen bis ins Jahr 2025. Wesentlich für die Erhaltung der Erzeugung über diesen Zeitraum hinaus sind nachhaltige, kostendeckende Anschlussverträge seitens der Brauindustrie, um den Hopfenpflanzern auch in der kommenden Dekade Sicherheit bei der Planung zu geben. Ein Ausbleiben von Anschlussverträgen könnte dazu führen, dass die Anbaufläche stark reagiert, da zahlreiche Hopfenpflanzer der Anbau aufgeben.

In diesem Kontext sei erwähnt, dass für die Erreichung wichtiger Nachhaltigkeitsziele und der Sicherstellung der Versorgung die Hopfenwirtschaft seit Jahren an die Brauindustrie appelliert, bereits zur Verfügung stehende hitzestress- und krankheitsresistente Zuchtsorten mit Priorität in ihre Rezepturen einzubringen. Diese liefern selbst bei einem sich sichtbar verändernden Klima stabile Erträge und Qualitäten und sind geeignet, durch ihre hohe Leistungsfähigkeit Kosten zu sparen.