Archiv der Kategorie: Biertest

And Union – Wednesday

Irgendwie ist es ja eine witzige Idee der Brauerei And Union, die Biere nach den Wochentagen zu benennen, auch wenn die Namen als solche nichts über den Inhalt der Flasche aussagen. Für den Mittwoch haben die Münchner ein Weizenbier kreiert, das jetzt bei mir auf seine Verkostung wartet. Versprochen ist die moderne Interpretation eines klassischen bayerischen Weißbiers.

Hell bernsteinfarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feste Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt lange erhalten. Auch die agile Kohlensäure fällt mir ins Auge.

Wenn ich dem Aroma des Wednesday glauben darf, ist es der Brauerei gelungen, das Versprechen einer modernen Interpretation des Bierstils einzulösen. Düfte nach Biskuitteig, Banane, tropischen Früchten und Vanille steigen mir in die Nase. Damit macht das Bier mich neugierig auf den ersten Schluck, ohne dass der typische Eindruck eines Hefeweizens verloren gehen würde.

Der Antrunk ist durch eine angenehme Süße geprägt, zu der sich auf der Zunge noch eine leichte fruchtige Säure gesellt. Schnell lässt die Süße etwas nach und macht den sanften 20 Bittereinheiten Platz. Dabei ist das Mundgefühl voll und schwer. Im Abgang wird die Fruchtigkeit etwas kräftiger, aber sie klingt leider nur kurz nach.

Zutaten:

Wasser, Weizen, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Bittereinheiten:

20 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

And Union GmbH
Lindwurmstr. 114
80337 München
www.andunion.com

Jopen – Doubting Thomas

Ups, die Brauerei Jopen aus Haarlem gibt an, dass ich jetzt ein Imperial Quadrupel vor mir stehen habe. Ich glaube, das hatte ich noch nicht. Das Bier wurde nach Apostel Thomas benannt, der zunächst an der Auferstehung Jesu zweifelte und deshalb auch als „ungläubiger Thomas“ bezeichnet wurde. Der auf ihn bezogene Feiertag war früher der 21. Dezember, der Beginn des Winters. Jetzt bin ich mal gespannt, was mir die Holländer da verkauft haben.

Rubinrot mit einer feinporigen gelblichen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone bleibt lange erhalten, so dass die Optik des ungläubigen Thomas einen wirklich guten Eindruck vermittelt.

Das Aroma ist atemberaubend. Ich rieche dunkle Schokolade, getrocknete Birnen, Vanille und Rübensirup. Das alles wird durch den Duft des Alkohols zu einem Gesamtkunstwerk verbunden.

Der Antrunk ist süß und von Anfang an fruchtig. Dabei ist die Süße so kräftig, dass das Bier fast einen dickflüssigen Eindruck macht. Die Süße bleibt auf der Zunge erhalten und die Aromen spiegeln sich wider. Das Mundgefühl ist schwer und weich, beinahe samtig. Bitter ist kaum zu schmecken, aber die zehn Volumenprozent Alkohol kommen jetzt zum Tragen und wärmen. Auch der Abgang ist süß und schwer; die Fruchtigkeit klingt noch lange nach.

Das Bier ist dabei von Anfang bis Ende malzig und eignet sich statt eines Likörs nach dem Essen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hafer, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Jopen B.V.
Emrikweg 19
BT Haarlem
Niederlande
www.jopenbier.nl

Weiherer Rauch

Am Rauchbier scheiden sich bekanntlich die Geister. Die einen können nicht genug davon bekommen, die anderen scheuen diesen Bierstil wie der Teufel das Weihwasser. Aber trotzdem: jede fränkische Brauerei, die etwas auf sich hält, muss ein Rauchbier im Programm haben. So auch die Brauerei Kundmüller aus Viereth-Trunstadt. Zusätzlich ist das Bier auch noch umweltfreundlich gebraut worden, denn es wurde als Solarbier anerkannt. Beeindruckend sind aber auch die Auszeichnungen, die Kundmüller mit diesem Bier eingeheimst hat:

  • International Craft Beer Award Gold 2019
  • International Craft Beer Award Gold 2018
  • Gold beim Craft Beer Award 2015
  • selection Gold-2015
  • European Beer Star in Bronze 2014
  • World Beer Cup Silber 2014
  • European Beer Star in Gold 2012
  • Consumers‘ Favorite 2012 in Bronze
  • European Beer Star in Bronze 2010
  • European Beer Star in Silber 2006

Eigentlich kann bei dieser Galerie der Auszeichnungen auch mit meiner Verkostung nichts mehr schieflaufen, oder?

Intensiv golden und gefiltert fließt das Bier ins Glas. Bereits während des Einschenkens steigt mir der typische Rauchbierduft in die Nase. Mir gefällt, dass die durchschnittlich große feinporige Schaumkrone lange erhalten bleibt.

Düfte nach geräuchertem Schinken steigen mir in die Nase, dazu kommen aus dem Hintergrund Aromen nach Brotkrume sowie einige würzige Noten. Ich glaube, dieses Bier hat seine Auszeichnungen zurecht erhalten.

Der Antrunk ist für ein Rauchbier überraschend süß, dabei auch frisch. Auf der Zunge drängt sich der Rauchgeschmack nicht in den Vordergrund sondern er passt sich dem Malzkörper mit seinem leichten Karamellton und den würzigen Hopfennoten an. Dieses Konzert der Geschmäcker kann mich wirklich begeistern. Das Mundgefühl ist voll und rund. Der Abgang ist würzig und rauchtig mit wenigen Bitterstoffen. Der Geschmack klingt durchschnittlich lange nach. Dieses Bier dürfte auch Konsumenten überzeugen, die sonst die Finger von Rauchbier lassen.

Ich kann mir zu diesem Bier einen Wildbraten vorstellen, ein anderes Gericht, bei dem Wacholder eine Rolle spielt oder auch einfach eine fränkische Brotzeit.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol

Stammwürze:

13° Plato

Brauerei:

Brauerei-Gasthof Kundmüller GmbH
Weiher 13
96191 Viereth-Trunstadt
www.brauerei-kundmueller.de

Delirium Deliria

Während die Wallonie beim Brauen eher traditionell eingestellt ist (dabei sind die dortigen Brauer aber ebenfalls sehr kreativ), zeigt sich Flandern offen für neue Wege. Ursprünglich 1906 von Léon Huyghe in einem Gasthaus in der kleinen Stadt Appelhoek gegründet, wurde über die Jahrzehnte Bier gebraut, wenn auch manchmal inoffiziell. Mittlerweile wird in der Stadt Melle in einer Brauerei mit breitem Sortiment gebraut. Die Brauerei ist bekannt dafür, dass alle Flaschen Folien-verschweißt werden, um das Bier ideal vor Sonneneinwirkung zu beschützen.

Die Herstellung des Bieres Delirium Deliria findet seit 2020 einmal im Jahr ausschließlich von Damen für den Weltfrauentag statt. Damit sollen die Frauen im Brau-Business gestärkt werden. Dabei wird das Bier obergärig mit vier Malzsorten und fünf Hopfensorten (dabei kalt gehopft mit Saazer Hopfen) gebraut und dann in der Flasche erneut mit Zucker und Hefe versorgt, was eine zweite Gärung anstößt. Damit entsteht eine höhere Menge an Alkohol und fein perlende Kohlensäure in der Flasche. Die Kohlensäure wird dabei mit einem Naturkorken in der robusten Flasche gesichert.

Blassgolden und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist zwar klein, bleibt aber lange erhalten. Die Optik ist schon mal hervorragend.

Das Aroma überrascht mich dann aber wirklich. Anfangs schien es mir eher weinartig zu sein, bevor der Duft nach Biskuitteig durchkommt, dazu würzige Hopfennoten. Auch der Alkohol kommt durch, aber nicht zu kräftig, so dass er die anderen Aromen nicht erschlägt sondern unterstützt.

Der Antrunk ist mit seiner angenehmen leichten Süße frisch und spritzig. Auf der Zunge entwickeln sich würzige Noten zusammen mit fruchtigen Tönen nach Birnen und Weintrauben. Das Mundgefühl ist voll und schwer. Das Bier erinnert durchaus an einen trockenen Sekt. Im Abgang wird die Säure etwas kräftiger. Die bitteren Töne sind nur verhalten vorhanden, sie klingen aber lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Mais, Reis, Hafer, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Bittereinheiten:

32 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 9° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Huyghe
Geraardsbergsesteenweg 4/B
9090 Melle
Belgien
www.delirium.be

Arber Spezial

Josef Pfeffer, der Bruder des Brauerei- gründers Wolfgang Pfeffer, braute in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein kräftiges Bier, das unter dem Namen „Arber Spezial“ weit über die Grenzen Zwiesels hinaus bekannt wurde. Das neue Arber Spezial, das nach Angaben der Brauerei original nach Josef Pfeffer eingebraut wurde , soll uns diese Zeit in Erinnerung rufen. Auf dem Etikett des neuen Arber Spezial ist wie früher das von dem bekannten Zwiesler Künstler Walter Mauder entworfene Zeichen des Großen Arber abgebildet.

Intensiv goldfarben und gefiltert läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Ebenfalls intensiv ist das Aroma nach Brotkruste, das durch einige würzige und blumige Noten abgerundet wird.

Eine leichte Süße und wenig Kohlensäure bilden den Antrunk. Auf der Zunge kommt eine geringe fruchtige Säure zur Süße; bittere Noten sind kaum festzustellen. Trotzdem ist das Mundgefühl weich und rund. Erst im Abgang taucht ein leichtes Bitter auf und die Fruchtigkeit wird stärker. Dieser Eindruck klingt aber nur kurz bestehen, lediglich das leichte Bitter verweilt noch eine Weile in der Kehle.

Insgesamt ein angenehmes Bier, das ich zu einem Wildgericht gerne noch einmal trinken würde.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Erste Dampfbierbrauerei
W. Pfeffer GmbH & Co. KG
Regener Straße 9
94227 Zwiesel
www.dampfbier.de

Jopen – Northsea IPA

Das Northsea IPA von Jopen stammt aus Haarlem, einer Stadt südlich von Amsterdam. Dort hat das Brauen eine lange Tradition. Bereits im 15. Jahrhundert war Bier ein wichtiges Exportprodukt der Stadt an der Spaarne. Koyt, in Haarlem mit einer Gewürzmischung gebraut, war sogar das am meisten getrunkene Bier in Antwerpen.

Das Bier wurde in Bierfässern mit 112 Litern, Jopen genannt, über die Spaarne transportiert. Damit wäre auch der Name der Brauerei erklärt.

Um die Qualität sicherzustellen veröffentlichte der Stadtrat Anleitungen, die den Brauprozess detailliert beschrieben. Bereits aus dem Jahr 1501, eineinhalb Jahrzehnte vor der Einführung des Hopfens in Bayer, ist ein Bierrezept mit Hopfen aus Haarlem überliefert. 1916 schloss die letzte Brauerei der ihre Pforten und die Brautradition von Haarlem schien zu Ende. Erst im Jahr 1994 erinnerten sich die Haarlemer an die Tradition des Bierbrauens und suchten anlässlich des 750jährigen Stadtjubiläums in den Archiven nach den alten Bierrezepten. Mit dem ersten Bier der neu gegründeten Jopen-Brauerei wurde am 11. November 1994 das Festjahr anlässlich des Stadtjubiläums eingeleitet.

Heute weist die Brauerei eine Besonderheit auf, die vermutlich weltweit ihresgleichen sucht: Nach der Website der Brauerei gibt es hier 16 IPAs, und das ist das Northsea IPA noch nicht einmal aufgeführt. Ich weiß nicht, ob ich eine der letzten Flaschen dieses Bieres bekommen habe oder ob das Bier so neu ist, dass es seinen Weg auf die Website noch nicht gefunden hat. Egal. Jetzt will ich die Flasche erst einmal verkosten.

Hell bernsteinfarben und leicht hefetrüb läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine sehr große feinporige Schaumkrone, die durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist wirklich überzeugend. Der Duft nach Zitrusfrüchten und deren Kernen steigt mir in die Nase, dazu der Duft nach Biskuit und Harz. So lasse ich mir ein IPA gefallen.

Im Antrunk fällt mir zunächst die reichlich vorhandene kräftige Kohlensäure auf, die von einer zurückhaltenden Süße begleitet wird. Auf der Zunge gesellt sich ein freundliches Bitter dazu. Die fruchtigen Aromen spiegeln sich auf der Zunge wider und zu den Zitrusfrüchten gesellt sich noch der Geschmack nach Apfel und Birne. Das Malz rundet aus dem Hintergrund das Geschmackserlebnis ab. Dabei ist das Mundgefühl voll und weich. Der Abgang ist überraschend mild und trotzdem klingen die bitteren Töne noch lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz,. Hopfen (Citra, Simcoe, Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten_

70 IBU

Brauerei:

Jopen B.V.
Emrikweg 19
BT Haarlem
Niederlande
www.jopenbier.nl

Binkert – Porter

Unter dem Motto „Wir lieben Bier“ braut das Team des Brauhauses Binkert das allseits beliebte Mainseidla. Ein Bier, das regionaler nicht sein könnte. Anlässlich der 1200-Jahr-Feier der beschaulichen Gemeinde Breitengüßbach bei Bamberg wurde 2010 das Brauhaus Binkert gegründet. Binkerts Biere sind zeitgenössische Interpretationen und punkten mit vielfältigen Aromen und hochwertigen Zutaten. Der eigentlichen Plan, Craftbiere zu brauen, bekam erst einmal ordentlich Gegenwind von den Lokalgrößen Breitengüßbachs. Man war sich sicher, dass die Bevölkerung den Bieren der Craftbier Bewegung noch nicht gewachsen war. Jörg Binkert, Gründer der Brauerei und Chefbrauer, reagierte diplomatisch und startete langsam. Er eroberte die Region im Sturm und war bereits nach kurzer Zeit so beliebt, dass die Kunden ihm vertrauten. So weit, dass er ihnen irgendwann quasi unbemerkt Craftbier vorsetzen konnte und mit Begeisterung belohnt wurde.

Das Mainsaidla Porter präsentiert sich in einem portertypischen tiefdunklen Mahagoniton. Ein feinporiger, haselnussbrauner Schaum, der sehr standfest ist, krönt das Bier. Mehr kann ich von der Optik eines Porter nicht erwarten.

Düfte nach frisch gemahlenem Espresso und gerösteten Nüssen steigen mir in die Nase, abgerundet durch den Duft von Karamell und Schokolade. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk verrät eine leichte Süße, verbunden mit einer sehr angenehmen Kohlensäure. Dazu kommen schnell die Kaffeenoten zusammen mit einem passenden Bitter. Das Karamellaroma steuert die Süße bei. Die Aromenkomposition wird durch etwas Vanillearoma sowie den diskreten Duft getrockneter Früchte vervollständigt. Das Mundgefühl ist voll und überraschend schwer. Im Abgang gewinnt das Bitter noch einmal an Kraft und die Aromen nach Mokka und dunkler Schokolade klingen lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Röstmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt.

5,3 % Vol.

Brauerei:

Brauhaus Binkert GmbH & Co. KG
Westring 5
96149 Beitengüssbach
www.Mainseidla.de

Poperings – Hommel Bier

Sobald der Hopfen ausgesät ist, dauert es drei Jahre, bis er wächst und Hopfendolden produziert, die zum Brauen verwendbar sind. Das wird in Belgiens Hopfenanbauregion Poperinge alle drei Jahre mit einem Hopfenfest gefeiert. Regionale Brauer wurden gebeten, für diesen Anlass ein Festbier zu kreieren. Das Hommel Bier der Leroy Brewery wurde so oft als das beste des Festivals ausgewählt, dass es zum Synonym für die Region selbst geworden ist.

Die Geschichte dieser unabhängigen Familienbrauerei geht auf das Jahr 1629 zurück, als zum ersten Mal in einem Dokument erwähnt wurde, dass die örtliche Burg an eine Brauerei angrenzte. Tatsächlich sicherte sich die in der Burg lebende Adelsfamilie damals das Recht, sich „Earls of Watou“ zu nennen. Während der Französischen Revolution verbrannten die plündernden französischen Truppen die Burg und die Brauerei. Die Adelsfamilie entkam der Guillotine, indem sie nach England flüchtete. Nur die Brauerei wurde im selben Jahr der Zerstörung von einem lokalen Bauern unter dem Motto „Revolte all you want, but we still need beer here“ umgebaut. Die Brauerei erhielt den Namen „In de Gouden Leeuw“ (Im Goldenen Löwen), ein Wortspiel auf Französisch. Viele Landherren in Frankreich werden „Au Lion d’Or“ (im Goldenen Löwen) genannt, aber die Aussprache ist genau die gleiche wie „au lit on dort“ (im Bett schläft man). Die Brauerei in Watou hatte natürlich auch ein eigenes Gasthaus und bot Platz für Reisende. Der örtliche Landwirt verstand das französische Wortspiel nicht und nannte seine Niederlassung auf Niederländisch den „Gouden Leeuw“, da er in Frankreich so viele solcher Namen gesehen haben muss, aber gleichzeitig das Wortspiel ruinierte.

Durch Heirat wurde die Familie Van Eecke 1862 Herr der Brauerei, wo sie obergärige Saisonbiere braute. Die Brauerei hatte bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg nur eine lokale Bedeutung. Mit der Wiederbelebung der authentischen lokalen Biere in Kombination mit TV und modernem Marketing in den 1960er Jahren wurden die Biere der Brauerei zu einer heißen Ware in Bars und feinen Restaurants in ganz Belgien und Nordfrankreich.

Das Poperings Hommel Ale, das jetzt vor mir steht, ist das berühmteste und meistverkaufte Bier der Brauerei. Die Nachfrage ist manchmal so groß, dass die Produktion nicht nachkommt. Es basierte auf der Bitte des Stadtrates von Poperinge im Jahr 1981 für ein spezielles Bier für das lokale Hopfenfest. Jetzt will ich es aber endlich verkosten.

Golden und leicht hefetrüb fließt das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine sehr große und sehr feste Schaumkrone, die auch sehr lange erhalten bleibt. Sie sollten das Poperings Hommel Bier also vorsichtig einschütten.

Schon meine Nase verrät mir, dass dieses Bier hopfenbetont ist. Würzige Noten dominieren zusammen mit einer leichten zitrusähnlichen Säure meine Geruchsnerven.

Der Antrunk ist recht trocken mit reichlich Kohlensäure. Erst als sich das Bier auf der Zunge verteilt kommt mit dem Geschmack reifer Birnen eine angenehme Fruchtigkeit dazu. Das Mundgefühl ist voll und weich. Der Abgang ist wieder trockener mit einem leichten freundlichen Bitter mit langem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Van Eecke
Douvieweg 2
8978 Watou
Belgien
www.watou.be/brouwerijvaneecke

Zischke Kellerbier Dunkel

Das dunkle Kellerbier von Zischke, das jetzt vor mir steht, stammt aus der Koblenzer Brauerei. Gesehen habe ich diese Brauerei schon häufiger, immer wenn ich mit dem Zug daran vorbeigefahren bin. Dass auch die Marke Zischke von dort kommt war mir allerdings nicht bewusst. Ein Besuch auf der Homepage der Brauerei lässt mich verwundert feststellen, dass diese Marke dort auch nicht erwähnt wird. Na ja, die Brauerei wird sich dabei schon etwas gedacht haben.

In dunklem Rubinrot fließt das Bier ins Glas. Die elfenbeinfarbene Schaumkrone ist nur klein und sie verschwindet auch schnell. Schade. An der Optik hätte die Brauerei sicher noch Optimierungsbedarf.

Das Aroma ist malzbetont mit leichten Röstaromen. Einige fruchtige Noten tragen noch fruchtige Düfte nach Rosinen und Trockenfeigen bei. Das Aroma verrät mir bereits, dass ich ein mildes Bier ohne viele Bitterstoffe vor mir habe.

Der Antrunk offenbart dann auch eine angenehme leichte Süße, zusammen mit einer kräftigen Kohlensäure. Auf der Zunge kommt noch ein leichtes Hopfenbitter zur Süße dazu und die Röstaromen treten deutlich hervor, ohne sich aber in den Vordergrund zu drängen. Das Mundgefühl ist angenehm weich. Im Abgang geht die Süße zurück. De Röst- und Bitterstoffe klingen lange nach.

Anfangs war ich bei diesem Bier etwas skeptisch, schon allein weil in der Zutatenliste der Hopfenextrakt noch vor dem Hopfen steht. In diesem Fall kann das Bier mich aber positiv überraschen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Brauerei:

Koblenzer Brauerei GmbH
An der Königsbach 8
56075 Koblenz
Da die Koblenzer Brauerei leider Insolvenz anmelden musste und abgewickelt wird, gibt es zu diesem Bier keine URL mehr.

Åbro Original

Schweden ist nicht unbedingt das erste Land, das mir einfällt, wenn es um das Thema Bier geht. Und doch gibt es in diesem skandinavischen Land eine ganze Reihe Brauereien, die wirklich ansprechende Biere brauen. Eine Besonderheit des schwedischen Biers ist der geringe Alkoholgehalt. Bei mehr als drei Volumenprozent Alkohol steigt die Alkoholsteuer stark an, so dass die meisten Brauereien auch ein Bier knapp unter dieser Grenze anbieten.

Das Åbro Original ist ein Lager mit 5,2 Volumenprozent Alkohol und stammt aus der Åbro Bryggeri, Schwedens ältester familiengeführten Brauerei im südöstlichen Vimmerby (Småland), die dieses Bier bereits seit ungefähr eineinhalb Jahrhunderten braut. 2014 gewann die Brauerei übrigens für die Bierflasche mit dem 3-D-Löwen den renommierten Red Dot Award. Aber ich will mich hier nicht mit der Flasche beschäftigen, sondern mit dem Inhalt. Öffne ich die Flasche also.

Intensiv goldfarben und gefiltert fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone.

Frische Düfte nach Getreide und Karamell steigen mir in die Nase, dazu die Würze des Hopfens mit dem Duft nach frischem Gras und einem Hauch Zitrone.

Der Antrunk ist recht süß und die feinperlige Kohlensäure ist auffällig knapp dosiert. Auf der Zunge überlagert das Bitter die Süße, so dass bei mir ein unausgewogener Eindruck entsteht. Das Mundgefühl ist aber angenehm weich. Im Abgang wird das Bitter noch verstärkt, es klingt aber nur kurz nach.

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

6° Celsius

Brauerei:

AB Åbro Bryggeri
Åbrovägen 13
598 40 Vimmerby
Schweden
www.abro.se