Schlagwort-Archiv: saisonales Bier

Alvinne – Balthazar

Das Etikett ist eher schlicht gehalten, bietet aber alle Informationen, die der Konsument für seine Kaufentscheidung benötigt.Nun steht ein Winterbier aus Belgien vor mir. Genauer gesagt handelt es sich um das Balthazar, ein Bier aus der „Vintage Recipe Serie“. Obwohl es als Winterbier angeboten wird, trägt es den Namen eines der heiligen drei Könige, also im Grunde einen Namen für ein Weihnachtsbier. Aber gut, halten wir uns nicht mit dem Namen auf und wenden uns direkt der Kreation aus der kleinen Brauerei Alvinne im belgischen Flandern zu.

Dunkles Kupfer – so lässt sich die Farbe dieses Starkbiers am besten beschreiben. Es ist fast schwarz. Die Schaumkrone ist haselnussbraun und bleibt sehr lange erhalten. Die Optik des Balthazar ist schon mal sehr vielversprechend.

Das Bier duftet nach dunkler Schokolade und Lakritz. Zusätzlich sorgen noch würzige Noten für einen angenehmen Touch der an Lebkuchen aus Nürnberg erinnert. Eines ist klar – das Aroma dieses Biers passt zu Weihnachten.

Der Antrunk ist recht süß, was aber durchaus zur reichlich vorhandenen kräftigen Kohlensäure passt. Auf der Zunge dominieren die Röststoffe. Der Geschmack nach Schokolade steht im Vordergrund, unterstützt durch die Aromen von Ingwer und weihnachtlichen Gewürzen. Die 9,0 Volumenprozent Alkohol sind gut eingearbeitet, so dass der Alkohol nicht hervorschmeckt, sondern lediglich die anderen Aromen unterstützt. Das Mundgefühl ist schwer, so wie ich es bei einem Winterbier auch erwarte. In der Kehle teilen sich zunächst ein leichtes freundliches Bitter und der Geschmack des Ingwers die Bühne, wobei sich der Ingwer relativ schnell zurückzieht und der Bitteren den langen Nachklang überlässt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Challenger, East Kent Goldings), dunkler Kandis, Hefe, Kardamom, Ingwer, Koriander

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Farbe:

40 EBC

Bittereinheiten:

28 IBU

Brauerei:

Brouwerij Alvinne
Vaartstraat 4a
8552 Moen
Belgien
www.alvinne.com

Gentse Stadsbrouwerij – gruut Winterspecial

Das Etikett ist in schwarzer Grundfarbe mit weißer Schrift, die informiert, dass es sich um ein Winter-Grutbier mit Ahornsirup und Chili handelt. An grafischen Elementen sind weiße Punkte eingesetzt, die einen Schneefall bilden und am unteren Rand wird die Genter Skyline angezeigt.Ich glaube, es ist das erste Mal, dass ich ein Winter-Grutbier verkoste. Zunächst einmal muss ich feststellen, was das Winterliche an diesem Bier ist. Die sieben Volumenprozent Alkohol können es nicht sein. Die sind für ein Bier aus Belgien recht normal. Aber ein Blick auf die Zutatenliste hilft mir schon weiter. Das gruut Winterspecial ist mit Ahornsirup und Chilis gebraut. Die Süße des Ahornsirups und die Schärfe der Chilis passen schon mal gut zusammen. Wie diese Mischung sich in der Grutbier einpasst werde ich jetzt gleich feststellen.

Blickdicht schwarz präsentiert sich das Bier im Glas. Der grobporige Schaum, der sich beim Einschenken gebildet hat, löst sich sofort auf. Jetzt erinnert die Optik des gruut Winterspecial an ein Glas Coca Cola.

Das Aroma ist schon deutlich angenehmer. Düfte nach dunkler Schokolade steigen mir in die Nase. Dazu kommen würzige Noten. Auch die Süße steigt mir in die Nase, das zusammen mit den sieben Volumenprozent Alkohol und den anderen Aromen ein likörartiges Gesamtbild erzeugt.

Der Antrunk ist spritzig und schnell kommt der Geschmack des Ahornsirups in den Vordergrund. Er kann aber das Schokoladenaroma nicht vollständig verdrängen. Das Chiliaroma bleibt diskret im Hintergrund und auch der Alkohol ist auf der Zunge nicht so präsent wie in der Nase. Der Abgang ist mild und der Ahornsirup ist noch einige Zeit in der Kehle zu schmecken.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Gewürze, Hefe, Ahornsirup, Chili-Pfeffer

Alkoholgehalt:

7 % Vol.

Brauerei:

Gentse Stadsbrouwerij GRUUT
R Dodoensdreef 1
9000 Gent
Belgien
www.gruut.be

Maisel & Friends – Hopfenreiter #8

Wie in jedem Jahr zeigt das Etikett des Hopfenreiters einen aus Hopfendolden gebildeten Menschen, halt den Hopfenreiter.Die Idee zum Hopfenreiter wurde 2016 geboren. Seitdem startet er jedes Jahr seinen Ritt durch den Doldenwald. Die Idee hinter dem Hopfenreiter ist, dass die Rezeptur immer gleichbleibt. Lediglich die Hopfensorten ändern sich. Immer andere Brauer aus aller Welt steuern eine spannende Hopfensorte bei, wodurch das mittlerweile zur Legende gewordene Bier immer anders riecht und schmeckt. Schon Wochen vorher fiebert die Beer Community auf das Double-IPA hin.

Im Juli 2023 war es wieder so weit: fünf Brauereien besuchten Maisel & Friends in Bayreuth, brachten ihren Hopfen mit und brauten gemeinsam das Double-IPA, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Folgende Brauereien waren dabei:

  • Mücke (Essen): Sorachi Ace
  • Unverhopft (Berlin): Motueka
  • Brique House Brewery (Lille, Frankreich): Elixir
  • Lervig (Stavanger, Norwegen): Nelson Sauvin
  • Sori Brewing (Tallinn, Estland): Cashmere
  • Maisel & Friends mit freundlicher Unterstützung von BarthHaas

Orangefarben und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine durchschnittlich große feste und weiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier wirklich was her.

Düfte nach Grapefruit und Zitronenschale, nach Karamell und Gewürzen, nach Melone und gelben Früchten steigen mir in die Nase. Aus dem Hintergrund kommt noch ein leichtes Pinienaroma dazu. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk offenbart eine überraschend kräftige Süße und er besticht durch eine sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge steht die Fruchtigkeit im Vordergrund und eine dazu passende kräftige Bittere kommt dazu. Die Süße des Malzes wird dabei in den Hintergrund gedrängt, bleibt aber präsent. Die immerhin 8,5 Volumenprozent Alkohol sind gut eingearbeitet und nicht zu schmecken, aber sie unterstützen die anderen Aromen hervorragend. Dazu kommt noch ein cremige bis samtige Mundgefühl. In der Kehle lässt die Süße weiter nach und Fruchtigkeit sowie Bittere übernehmen vollständig das Kommando. Dieser Geschmack klingt auch sehr lange nach.

Eigentlich ist es wie jedes Jahr – wenn der Hopfenreiter kommt kann ich mich auf ein Bier mit einer komplexen Palette an Aromen freuen und der Hopfenreiter hat mich noch nie enttäuscht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Sorachi Ace, Motueka, Elixir, Nelson Sauvin, Cashmere) Hefe

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Stammwürze:

18,6° Plato

Bittereinheiten:

70 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Ayinger – Maibock

Die Privatbrauerei Aying ist eine traditionelle bayrische Brauerei und als solche hat sie einen gut gefüllten Festkalender. Und selbstverständlich braucht jedes Fest sein eigenes Bier. So wird Bierkultur gelebt.

Jetzt steht der Maibock aus dem Münchner Umland vor mir. Ich mag diesen Bierstil, ist er doch leichter und frischer als die dunklen Vertreter der Maiböcke und die kräftigere Hopfung mildert die Süße des Bocks. Mal sehen, ob der Maibock aus Aying meine Erwartungen erfüllen kann.

Goldgelb und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine feste schneeweiße Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier schon mal perfekt.

Das Bier duftet wunderbar nach hellem Malz, abgerundet durch das Aroma nach gelben Früchten und reifen Birnen.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme und nicht aufdringliche Malzsüße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Leider ist die Kohlensäure recht knapp dosiert; da hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Auf der Zunge zeigt sich eine zur Süße passende Bittere. Die Fruchtigkeit, die ich in der Nase noch deutlich festgestellt hatte, tritt in den Hintergrund. Trotzdem ist das Mundgefühl voll und weich. Außerdem bietet das Bier eine für ein Bockbier ungewöhnliche Frische. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere legt noch zu, um dann sehr lange nachzuklingen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,9 % Vol.

Stammwürze:

17° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Brauerei Aying
Franz Inselkammer KG
Zornedinger Straße 1
85653 Aying
www.ayinger.de

Das Gold Ochsen Jahrgangsbier 2023 ist ein Dinkel-Weizenbock

Seit nunmehr elf Jahren sorgt die Brauerei Gold Ochsen jeden Herbst mit dem limitierten Jahrgangsbier für besonders große Freude bei Bierfreunden. 2023 präsentiert die Ulmer Brauerei mit dem Dinkel-Weizenbock eine Hommage an ihre Heimatregion. Bei dem limitierten Bier handelt es sich um eine charaktervolle, obergärige Weizenstarkbierspezialität, die aus dem Urgetreide Dinkel – auch bekannt als Schwabenkorn – gebraut wurde. Das Dinkelmalz ist nicht nur namensgebend, sondern verleiht dem Dinkel-Weizenbock ebenso einen charaktervollen, typisch obergärigen und leicht süßlichen Körper mit nussigen Malzaromen, die den Gaumen langanhaltend und rund im Abgang erfreuen. Als harmonische Ergänzung verwendeten die Gold Ochsen Braumeister außerdem Pilsner Malz, Weizen Malz und Cara Münch. Die stimmige Gesamtkomposition beeindruckt mit einer bernsteinfarbenen Optik sowie einer cremigen, feinporigen Schaumkrone. Darüber hinaus überzeugen die elegante Spritzigkeit im Antrunk sowie die fruchtige Note in der Nase. Somit ist das Jahrgangsbier No. 11 mit einem Alkoholgehalt von 7,1 Volumenprozent ein idealer Begleiter zu deftigen Fleischgerichten oder süßen Desserts, eignet sich jedoch auch als feiner Aperitif. Die eleganten 0,75-Liter-Flaschen mit Naturkorken sind ab Mitte Oktober 2023 im Brauerei Shop in der Ulmer Keplerstraße, im Ochsen Shop in der Ulmer Innenstadt sowie bundesweit über den Gold Ochsen Online Shop erhältlich – und wie immer in Anlehnung an das Gründungsjahr der Brauerei auf 1.597 Stück limitiert.

Das Spelzweizengetreide Dinkel hat seinen Ursprung im Nahen Osten, wo es bereits vor über 6.000 Jahren von den Sumerern und alten Ägyptern zum Brauen verwendet wurde. In Europa wurde Dinkel vor etwa 3.000 Jahren in der späten Bronzezeit von den Alemannen – einem germanischen Stamm, der im Gebiet Baden-Württemberg und der deutschen Schweiz lebte – angebaut und kultiviert. Da das Schwabenland damals als Zentrum des europäischen Dinkelanbaus galt, trägt das Getreide den Spitznamen „Schwabenkorn“. Insofern steht hinter der Idee des Jahrgangsbiers ganz klar schwäbische Tradition.

Brauprozess mit Herausforderungen

Trotz dieser traditionsreichen Geschichte wird heute nicht mehr viel braufähiger Dinkel angebaut. „Die Nachfrage ist aufgrund der Verarbeitungsschwierigkeiten im Brauprozess gering“, erklärt Stephan Verdi, 1. Braumeister bei Gold Ochsen, und fügt hinzu: „Dinkel enthält relativ viel Eiweiß, was beim Läuterprozess im Sudhaus zu Ablaufschwierigkeiten führen kann. Deshalb sollten nicht mehr als 50 Prozent der Schüttung davon verwendet werden. Daher kommen beim Dinkel-Weizenbock auch Pilsner Malz, Weizenmalz und Cara Münch zum Einsatz.“ Zudem wird die Liste der qualitativ hochwertigen, regionalen Zutaten durch die obergärige, brauereieigene Reinzuchthefe und das Brauwasser aus dem Veitsbrunnen abgerundet. Nachdem der einzigartige Geschmack des Jahrgangsbiers über mehrere Monate reifen konnte, wurde die Bierspezialität wie gewohnt von Hand in 1.597 Flaschen abgefüllt. Diese Zahl hat ihren Ursprung im Gründungsdatum der Brauerei Gold Ochsen, die im Jahr 1597 gegründet wurde.

Kalea – Sündenbock 2022

Nun haben wir bereits Mitte September 2023 und jetzt habe ich noch ein Bier aus dem Kalea-Adventskalender 2022 bekommen. Es handelt sich beim Sündenbock um eine Eigenentwicklung von Kalea, die in jedem Jahr von einer anderen Brauerei gebraut wird. 2022 fiel die Wahl auf die Schlossbrauerei Herrngiersdorf. Diese Brauerei liegt zwischen Kehlheim und Landhut und hat viel Erfahrung mit dem Brauen von Starkbieren.

Kupferfarben präsentiert sich der Sündenbock im Glas. Gegen das Licht gehalten strahlt er mahagonifarben. Dass sich die feinporige beige Schaumkrone recht flott auflöst, ist bei einem Bier mit gut sieben Volumenprozent Alkohol nicht ungewöhnlich.

Das Bier duftet süß nach Karamell und Sirup, nach dunkler Schokolade, Rosinen und Kandis. Damit ist das Aroma schon mal vielversprechend.

Wie erwartet ist der Antrunk süß und er zeichnet sich durch ein sehr feinperlige und sanfte Kohlensäure aus. Auf der Zunge steht der Geschmack nach Rübensirup im Vordergrund, abgerundet durch ein leichtes freundliches Bitter. Aus dem Hintergrund meldet sich auch der Geschmack nach Trockenfrüchten zu Wort. Das Mundgefühl ist samtig. Auch in der Kehle bleibt die Süße erhalten, die Bittere wird etwas kräftiger und der Geschmack klingt überraschend lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,3 % Vol.

Stammwürze:

17,5° Plato

Bittereinheiten:

29 IBU

Farbe:

25 EBC

Brauerei:

Kalea Deutschland GmbH
Schlenkenstraße 2
83395 Freilassing
www.kalea.com

Raschhofer – Bad Santa XMS SPCL 2022

In jedem Jahr bringt der österreichische Bier-Versandhändler Kalea zusammen mit einer Brauerei aus dem Alpenland ein Weihnachtsbier mit dem Namen Bad Santa auf den Markt, das im Kalea-Adventskalender hinter dem 24. Türchen verborgen wird. Im Jahr 2022 hat es die Brauerei Raschhofer aus dem Inntalviertel getroffen. Da auch der Bierstil jährlich wechseln kann, war ich gespannt, welches Bier nun auf mich zukommt. Es wurde ein IPA. Auch wenn ich diesen Bierstil nicht wirklich als einen Bierstil für den Winter betrachte, bin ich doch neugierig und öffne die Flasche.

Orangefarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine weiße und feste voluminöse Schaumkrone, die lange erhalten bleibt. Ein Bier wie gemalt.

Düfte nach Karamell und Zitrusschale, nach Grapefruit und Ananas steigen mir in die Nase, abgerundet mit einem Hauch Waldhonig.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine ordentliche Malzsüße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge gesellt sich ein passendes freundliches Bitter dazu. Jetzt scheint mir das Bier noch komplexer als in der Nase. Ich schmecke Biskuitteig und Karamell, dazu ein ganzer Obstsalat mit Noten nach Grapefruit, Ananas und Mango. Das Mundgefühl ist samtig und da das Bier auch nicht übermäßig bitter ist, hat es eine ungeheure Drinkability. Auch im Abgang wird das Bittere nicht zu kräftig; trotzdem klingt es sehr lange nach.

Selten habe ich ein so ausgewogenes und dabei doch charaktervolles IPA erlebt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Stammwürze:

13,7° Plato

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Brauerei Raschhofer
Braunauer Straße 12
4950 Altheim
Österreich
www.raschhoferbier.at/

Distelhäuser – Winter Festbier

Die Distelhäuser Brauerei ist eine mittelständische inhabergeführte Brauerei im nordbadischen Tauberbischofsheim. Ich glaube, ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass das Unternehmen in der Region verwurzelt ist. Gerste und Weizen stammen aus der Region von Bauern, mit denen die Brauerei langjährige Verträge hat. Bei 18 unterschiedlichen Bieren ist für jeden Geschmack etwas dabei und der gesamte Vertrieb findet in der Region statt – das Verbreitungsgebiet der Biere sind 100 km rund um die Brauerei.

Das alleine macht ja noch keine Qualitätsbiere aus. Wenn ich aber die Siegel der Freien Brauer und von Slow Brewing sehe, bin ich bereits überzeugt, dass ich ein Bier vor mir stehen habe, das eine Verkostung lohnt. Slow Brewing steht schon alleine für charaktervolle Biere und auch die Biere der Freien Brauer gefallen mir fast alle überdurchschnittlich gut. Zeit also, die Flasche zu öffnen und mit der Verkostung zu beginnen.

Golden und gefiltert strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber steht eine durchschnittlich voluminöse und feinporige weiße Schaumkrone. Anfangs fällt sie recht flott in sich zusammen, der Rest bleibt aber lange erhalten. An der Optik dieses Märzen ist also nichts auszusetzen.

Das Bier duftet nach malzbetont nach Karamell, abgerundet mit leichten würzigen Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge lässt das Bier dann seine Qualitäten spielen. Mit seiner Vollmundigkeit und dem weichen Mundgefühl erinnert es schon fast an ein Bockbier. Die würzigen Noten werden etwas dominanter und die Bittere hält sich stilgerecht im Hintergrund. Im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger, bleibt aber zurückhaltend und klingt trotzdem lange nach

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, dunkles Karamellmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Stammwürze:

13,5° Plato

Bittereinheiten:

20 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Distelhäuser Brauerei Ernst Bauer GmbH & Co. KG
Grünsfelder Straße 3
97941 Tauberbischofsheim
www.distelhaeuser.de

Goldochsen – Zirbenbock

Die Brauerei Gold Ochsen aus Ulm hat im letzten Jahr ihr 425-jähriges Bestehen gefeiert. Außerdem braut sie in jedem Jahr ein Jahrgangsbier, inzwischen ist es das zehnte. In diesem Jahr ist es der Gold Ochsen Zirbenbock. Seinen Namen hat das Bier von der Zirbelkiefer, auch Zirbenkiefer genannt. Dieser Baum wächst in den Alpen und in den Karparten. Der Baum, dessen Holz für die Reifung dieses Biers verwendet wurde, ist in den Bergen des Ahrntals in Tirol gewachsen und wurde von Braumeister Alexander Maier persönlich gefällt. Selbstverständlich ist dieses Bier wie in jedem Jahr auf 1.597 Flaschen limitiert, was auf das Gründungsdatum der Brauerei im Jahr 1597 hinweist.

So edel die Herkunft dieses Bieres, so vornehm ist auch das Erscheinungsbild. Eine dunkelbraune Flasche, mit Naturkorken verschlossen und mit Aufdruck in Rot und Gold. Das ganze in einem schwarzen Karton, der in den gleichen Farben bedruckt ist. Bereits vor dem Einschenken ist dieses Bier ein Genuss.

Orangefarben mit einem Farbton, der an dunklen Honig erinnert und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die gemischtporige Schaumkrone ist recht klein und fällt schnell in sich zusammen.

Das Bier duftet frisch und fruchtig, das Harz der Zirbenkiefer ist deutlich wahrzunehmen. Die harzigen Noten passen sehr gut zum Aroma der Hefe.

Der vollmundige Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine gut darauf abgestimmte Karbonisierung aus. Während sich das Bier im Mund ausbreitet bilden sich auch die harzigen Aromen heraus und kommen zum Vorschein. Sie sind gut auf die Süße des Bockbiers abgestimmt. Das Bitter unterstützt den Geschmack und jetzt kommen noch fruchtige Aromen zum Vorschein, die an helle Früchte erinnern und den Geschmack abrunden. Jetzt kann mich das Bier noch überraschen. Zeigte es anfangs noch die für ein Bockbier stiltypische Süße, wird es jetzt von Schluck zu Schluck trockener. Auch im Abgang ist das Bier trocken und das Harz steht im Mitelpunkt. Zusammen mit dem itter klingt der Geschmack sehr lange nach.

Der Zirbenbock aus Ulm ist kein Bier, das man den ganzen Abend trinken kann. Ich stelle es mir eher statt eines Champagner als Aperitif vor.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,7 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Gold Ochsen GmbH
Veitsbrunnenweg 3-8
89073 Ulm
www.goldochsen.de

Einbecker Winterbock – Aged Bock

Einbeck ist eine ehemalige Hansestadt und als die Heimat des Bockbiers bekannt. Ursprünglich gab es aus der dortigen Brauerei neben dem für Niedersachsen typischen Pils nur den hellen und den dunklen Bock sowie ab März das Maibock. Später, es muss jetzt wohl ungefähr 20 Jahre her sein, kam auch noch das Winterbock dazu. Im Jahr 2015 kam jemand auf die Idee, ein gereiftes Bier anzubieten. So nahm die Brauerei das für den Winter 2015/2016 gebraute Bockbier (meine Flasche hat das Mindesthaltbarkeitsdatum 19. 7. 2016) packte jede einzelne Flasche lichtdicht in Papier und lagerte das so geschützte Bier in den historischen Gewölben unterhalb des Einbecker Marktplatzes ein, um es Ende 2022 wieder aus dem Dornröschenschlaf zu befreien und den geneigten Konsumenten anzubieten. Auf der Verpackung steht auch ein neues MHD: der 31. 12. 2030.

Und das Papier dient nicht nur dem Schutz des Bieres vor Licht, sondern es sind auch die Ereignisse des Jahres 2015 aufgedruckt, die so manche Erinnerung wecken. So wird an die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 erinnert, an den 34. Tag der Niedersachsen in Hildesheim, der Europäische Gerichtshof erklärt aus datenschutzrechtlichen Gründen das Safe Harbor-Abkommen für ungültig, es tritt der deutschlandweit geltende Mindestlohn in Kraft und selbstverständlich darf auch der nach wie vor nicht vergessene Abgasskandal bei VW nicht fehlen. Na, hätten Sie sich an alle diese Ereignisse erinnert? Mir musste erst einmal auf die Sprünge geholfen werden.

Sehr dunkel kupferfarben und leicht opalisierend läuft das Bier ins Glas. Die feinporige Schaumkrone ist eher klein und löst sich schnell auf. Damit entspricht die Optik des gereiften Winterbocks meinen Erwartungen.

Auch das Aroma ist für ein gereiftes Bier typisch. Düfte nach dunklem Malz und Karamell, nach Trockenpflaumen und eingelegten Kirschen, nach Waldhonig und Holz steigen mir in die Nase. Abgerundet wird der Duft durch das Aroma eines Likörweins. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist wie erwartet süß, was aber zu der reichlich vorhandenen feinperligen Kohlensäure passt und während sich das Bier im Mund erwärmt kommen langsam die anderen Aromen zum Vorschein, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Das Mundgefühl ist schwer und weich und die 7,5 Volumenprozent Alkohol wärmen angenehm. In der Kehle wird das Bier überraschend trocken, Karamell steht jetzt im Mittelpunkt, begleitet vom Geschmack frischer Brotkruste. Obwohl das Bier nur wenige Bitterstoffe enthält, klingt der Geschmack sehr lange nach.

Parallel zum gereiften Bier habe ich eine Flasche des diesjährigen Einbecker Winterbocks zum Vergleich geöffnet. Eines ist klar – die Reifung hat dem Bier wirklich gutgetan. Die Aromen sind intensiver geworden, neue Aromen sind dazugekommen. Das Bier ist einfach komplexer geworden und ich hoffe, dass die lange Lagerung eines Bockbiers keine einmalige Aktion der Brauerei bleibt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

18,2° Plato

Farbe:

20 EBC

Brauerei:

Einbecker Brauhaus AG
Papenstraße 4-7
37574 Einbeck
www.einbecker.de