ProWein 2023: Trendthema „Bier & Craft-Beer – wo steht die internationale Bierwelt?“

von Peter Eichhorn

Deutschland ist ein Land mit großer Brautradition: regionale Bierkulturen, herausragende Hopfenanbaugebiete, beste Braumalze, vorbildliche Ausbildungsgänge und umfangreiche Hefebanken machen es möglich. Vor allem das Marktsegment der Spezialbiere entwickelt sich stetig weiter und findet auch Einzug in die gehobene Gastronomie. Zahlreiche Sommeliers wählen spannende Bierstile aus, um ihre weinaffinen Gäste sensorisch zu überraschen. Man gewinnt durchaus den Eindruck, dass Braustile wie Geuze, Barley Wine, Imperial Barrel Aged Stout oder Doppelbock Weingenießer anregen und inspirieren.

So überrascht es wenig, dass auf der diesjährigen ProWein vom 19. bis 21. März eine stattliche Zahl von Brauereien aus Ländern, die gemeinhin als Weinnationen gelten, ihre Biere präsentieren. Es lohnt sich sehr, diese Brauspezialitäten näher in Augenschein zu nehmen. Auch wenn der Pro-Kopf-Bierkonsum 2021 in Spanien (50 Liter), Italien (35 Liter), Frankreich (33 Liter) oder Griechenland (32 Liter) weit hinter dem von Tschechien (129 Liter), Österreich (102 Liter) und Deutschland (89 Liter) zurückliegt, so belegen andere Statistiken, dass die Konsumenten in diesen Weinnationen bereit sind, mehr Geld für ihr Bier auszugeben.

Ein Höhepunkt der diesjährigen ProWein ist die Brasserie Meteor aus Frankreich (Halle 7/ D 30). Als älteste Brauerei Frankreichs verweist sie auf eine Familiengeschichte in acht Generationen und datiert zurück auf das Jahr 1640. Tradition trifft Innovation, wenn die Biere die Bandbreite von Pils bis India Pale Ale schmackhaft abdecken. Dazu kommen Jahreszeiten-Biere zu Weihnachten oder aktuell zum Frühlingsbeginn, Blanche-Weizenbiere mit zarten Gewürz- und Fruchtnoten oder das vollmundige Wendelinus Blonde mit Noten von Karamell und Muskat. Natürlich darf der französischste Braustil von Allen nicht fehlen: Bière de Garde. Ein kraftvolles, gereiftes Weizenbier mit einem Alkoholgehalt von 7,2 % mit Süße, Nussigkeit, Vanille und einer kraftvollen Komplexität, die als Speisebegleitung fasziniert.

Erst seit 2016 fertigt die Brasserie Alaryk in Beziers ihre Brauspezialitäten (Halle 7/ D 34). Inspiriert von der Languedoc-Weinregion spiegeln die Biere ihre Heimat wider und sind dazu biologisch hergestellt, unfiltriert, ohne Zusatzstoffe und ohne CO2-Zusetzung. Hinzu kommt die Brasserie Gôde, bei der ein charmantes Ehepaar ihre jeweilige Heimat, Flandern und die Champagne, in besondere Biere einfließen lassen (Halle 9/C 40). Flaschenreifung, Fleur de Lys mit Hopfen und eine Präsentation in der entsprechenden Flasche bieten ein Bier für Champagnertrinker.

Die Bandbreite der spanischen Braukunst präsentiert der Verband der spanischen Brauer, Cerveceros de España (Halle 7/ D 45). Abwechslungsreich und vielschichtig möchte der Zusammenschluss der Brauer zeigen, welches Niveau die Biere zwischen Bilbao und Malaga zu bieten haben.

Foodpairing steht auch bei den Brauern von Birra Flea aus dem italienischen Gualdo Tadino im Vordergrund. Und wieder besuchen wir mit Umbrien eine traditionsreiche Weinregion. Die Biere sind sorgfältig und ohne Zusatzstoffe gebraut und international inspiriert. In den wunderschönen Flaschen verbergen sich India Pale Ale, Imperial Red Ale, Rauchbier oder Blanche. (Halle 7/ D 43). Mit Interbrau (Halle 7/ D 39) aus Villafranca präsentiert ein renommiertes Vertriebsunternehmen aus Italien ein stattliches Sortiment von Brauspezialitäten aus aller Welt. Das Portfolio umfasst Klassiker, wie Sierra Nevada, Schneider Weisse, St. Bernardus, Uerige, Mikkeller oder Guinness. Aus der italienischen Heimat kommt Birra Antoniana aus Padua ins Glas.

Mit der Pineios Brewery (Halle 7/ C 33) und der Septem Microbrewery (Halle 7/ D 32) können die Besucher zudem das Handwerk zweier moderner griechischer Kreativbier-Schmieden verkosten. Septem sind Biere eines Winzers, der Hopfen im Bier so betrachtet wie die Traube im Wein. Bei Pineios stellt sich die sympathische Mikrobrauerei aus Larisa dem kritischen deutschen Biergaumen. Unter den zahlreichen Kreationen sind auch typische deutsche Bierstile, wie Weizenbier, Bock und Dortmunder Export.

Schlossbrauerei Irlbach – Rauchröhren Dampfbier

Das Bier, das jetzt vor mir steht, hat seinen Namen von den Rauchröhren am Kaitersberg im Bayerischen Wald. Als im 30jährigen Krieg die Bewohner vor den vorrückenden Schweden in den Wald fliehen mussten, fanden sie in den dortigen Felsen ein geeignetes Versteck. Sie konnten dort ohne Gefahr, entdeckt zu werden, Feuer machen, das nicht nur zum Kochen und Wärmen, sondern auch zum Brauen erforderlich war. Der aufsteigende Rauch gab den Felsen ihren bis heute erhaltenden Namen: Die Rauchröhren vom Bayrischen Wald.

Dampfbier beschreibt Wikipedia wie folgt: Dampfbier war im Rheinland, in Westfalen und Bayern bis Ende des 19. Jahrhunderts weit verbreitet und wurde wegen der kostengünstigen Brauweise als „Arme-Leute-Bier“ bezeichnet. Zum Brauen wurde vorwiegend Gerstenmalz genutzt und nur wenig karamellisiertes Malz zugesetzt. Der Gärprozess wurde mit überschüssiger Hefe aus Weißbierbrauereien gestartet. Aus Kostengründen wurde meist selbstangebauter Hopfen („Hinterhofhopfen“) zugesetzt. Das Bier wurde nicht pasteurisiert und zur Verbesserung der Haltbarkeit in tiefgelegenen Kellern oder Felsenkellern gelagert. Der geringe Hopfengehalt führte zu einem phenolischen (an Gewürznelken erinnernden), mitunter leicht rauchigen Geschmack. Nachdem nun sowohl der Name als auch der Bierstil geklärt sind, kann ich mit der Verkostung beginnen und öffne die Flasche.

Orangefarben und gefiltert läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine feste Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Ein Bier wie gemalt.

Das Aroma ist malzbetont nach Brotkruste. Aber auch würzige Noten des Hopfens sowie leichte fruchtige Noten der Hefe kommen zum Tragen. Damit macht das Aroma schon richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß und besticht durch seine sanfte Kohlensäure. Auf der Zunge gesellt sich ein gut auf die Süße abgestimmtes Bitter dazu. Auch wenn das Mundgefühl weich ist, kann mich das Bier bislang nicht so richtig begeistern, denn der Geschmack ist etwas eindimensional; ich würde mir hier doch etwas mehr Hopfen wünschen. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks. In der Kehle wird das Bitter nur etwas kräftiger, aber der Geschmack klingt sehr lange nach.

Das Rauchröhren Dampfbier wird sicherlich nicht mein Lieblingsbier, aber es ist wirklich sehr gut trinkbar. Es beginnt eher langweilig, legt dann aber überraschend zu.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Schlossbrauerei Irlbach GmbH & Co. KG
Heckenweg 5
94342 Irlbach
www.schlossbrauerei-irlbach.de

Kronkorken gehören nicht in die Umwelt

Dieser Artikel befasst sich nicht direkt mit Bier, aber auf fast jeder Flasche Bier befindet sich ein Kronkorken. Auch wenn die Flasche selbst mehrfach befüllt werden kann, ist der Kronkorken ein typisches Einwegprodukt. Wohin damit, wenn die Flasche einmal geöffnet ist? Auf jeden Fall sollten die Kronkorken nicht einfach fallengelassen werden. Auch wenn der einzelne Kronkorken kaum auffällt – in der Masse wird daraus ein Riesenproblem.

Im Herbst 2022 sammelte die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) zusammen mit PartnerInnen von ColorSwell und Voice of the Seas im Rahmen einer Isar-Müllsammelaktion auf 1,3 Kilometern stattliche 12.000 Kronkorken. Auf eine anschließende Kontaktaufnahme mit Brauereien aus München, um gemeinsam Lösungen für die Kronkorken-Problematik zu eruieren, folgte Mitte Februar ein erster Gedankenaustausch mit Vertretern der Zunft. Fest steht schon jetzt: Mit einer einzelnen Aktion ist es nicht getan.

Der Kronkorken: ein Umweltproblem

Es ist mitnichten ein Kavaliersdelikt, den Verschluss einer Bier- oder Limonadenflasche in der Natur zu entsorgen. Der im Deckel enthaltene Kunststoffanteil (Polyethylen) bzw. das daraus entstehende Mikroplastik gehört ebenso wenig in die Umwelt wie das gut zu recycelnde Weißblech. Dennoch finden sich in München am Straßenrand, in Naherholungsgebieten oder an stark frequentierten Uferabschnitten der Isar unzählige Kronkorken, die überwiegend von Bierflaschen stammen.

Das Problem gemeinsam angehen

Dass die Deckel in der Natur nichts verloren haben, darüber herrschte beim Treffen zwischen Dipl.-Biologin Verena Platt-Till und Mathias Hansen (beide GRD) mit Dipl. Kfm. Andreas Maisberger, Geschäftsführer des Vereins Münchener Brauereien e.V. und Dipl.-Ing. Thomas Reiter, Abteilungsleiter Externe Qualitätssicherung bei der Augustiner Brauerei, Einigkeit.

Wesentlich intensiver besprochen wurde die Frage nach praktikablen Lösungsansätzen, seien diese nun technischer Art in Form von Dosen-Abfüllung oder dem Einsatz eines Bügelverschlusses oder aber – mit Blick auf die KonsumentInnen – kommunikativer Art. Die Sensibilität in der Bevölkerung dahingehend zu erhöhen, die Flaschenverschlüsse nachhaltig zu entsorgen, ist ein Ansatzpunkt und kann nur mittels intensiver Aufklärungsarbeit gelingen. Auch in diesem Punkt bestand Konsens.

Ein vielschichtiges Problem verlangt vielschichtige Aktionen

Welche Wege aber führen zum Ziel? Sicherlich kein Einzelner, dafür ist das Thema zu vielschichtig. „Auch kann es nicht Sinn und Zweck sein, eine Müllsammelaktion nach der anderen zu organisieren. Es müssen bereits in einem früheren Stadium signifikante Veränderungen herbeigeführt werden, damit der Deckel erst gar nicht in die Umwelt gelangt“, betont Verena Platt-Till beim Treffen mit den Brauereivertretern.

Dass die Vertreter der Brauindustrie ein offenes Ohr für die Thematik haben, zeigte sich während des Treffens mehrfach. Dies ist keinesfalls überraschend, da die Brauereien in jüngster Vergangenheit bereits viele Maßnahmen im betrieblichen Umweltschutz und im Umweltmanagement umgesetzt haben, die zu mehr Nachhaltigkeit in den Betrieben führten.

„Die Brauereien haben Umweltschutz und Nachhaltigkeit als wesentliche Grundsätze und stetigen Verbesserungsprozess bei allen Produktionsschritten immer im Blick – auch und gerade beim Thema Verpackung, Recycling, Pfandsystem und Abfallvermeidung. Insofern ist selbstverständlich auch hier die Bereitschaft da, bei der Lösungssuche mitzuwirken“, brachte es Andreas Maisberger auf den Punkt. Über bestehende Netzwerke gilt es nun, weiteres Know-how zu bündeln und lösungsorientierte Strategien zu entwickeln.

Ich werde die Aktivitäten dieses Vereins weiter beobachten und ggf hier darüber berichten, was aus der Aktion geworden ist.

Banks – Amber Bitter

Vor einiger Zeit hatte Lidl mal wieder Biere im Angebot. Daher steht jetzt vor mir das Banks’s Amber aus der Brauerei Marstons in England. Carlsberg schafft es immer wieder, mich zu überraschen. Die in Deutschland gebrauten Biere, beispielsweise Holsten und Astra, sind nicht unbedingt als Genießerbiere bekannt, sondern eignen sich eher für das Wirkungstrinken. Anders in anderen Ländern. Aus Polen, den Niederlanden und halt auch aus Großbritannien kommen zumindest teilweise Biere, die geeignet sind, mich zu begeistern. Jetzt bin ich mal gespannt, ob das Ale in der Flasche vor mir mich begeistern kann.

Nomen est Omen. Mit einem kräftigen Bernsteinton und gefiltert läuft das Bier ins Glas. Die feinporige Schaumkrone ist durchschnittlich voluminös, aber leider fällt sie recht schnell in sich zusammen. Würde der Schaum länger erhalten bleiben, wäre die Optik perfekt.

Das Bier duftet angenehm nach Karamell mit einem Hauch Marzipan, abgerundet durch blumige Noten. Obwohl das Bier nur 3,8 Volumenprozent Alkohol enthält ist das Aroma recht intensiv.

Wie erwartet ist der Antrunk recht süß und er zeichnet sich durch eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge übernimmt das Bittere die Regie, auch wenn sie die Süße nicht vollständig verdrängen kann. Überraschend ist für mich das recht schlanke Mundgefühl. Aber im Abgang dreht das Bier wieder auf. Das Bitter kitzelt zwar nur leicht in der Kehle, kommt jetzt aber zusammen mit einigen torfigen und erdigen Tönen daher.

Das Banks’s Amber Bitter ist einfach zu trinken und obwohl es einigen Charakter aufzuweisen hat, bleibt doch noch Luft nach oben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen (Fuggles, Goldings), Hefe

Alkoholgehalt:

3,8 % Vol.

Farbe:

16 EBC

Brauerei:

Carlsberg Marston’s Brewing Co Ltd
Wolverhampton
WVI, 4JT
Großbritannien
www.banksbeer.co.uk

70 bierbegeisterte Damen aus ganz Bayern wollen Bayerische Bierkönigin werden

Dem Aufruf des Bayerischen Brauerbundes „Willst Du Bayerns Königin werden?“ sind 70 Damen aus ganz Bayern gefolgt. Es waren Bewerberinnen aus allen bayerischen Regierungsbezirken vertreten. In einer internen Vorauswahl hat die Jury 24 Damen aus allen Bewerbungen ausgewählt und zum Casting ins GOP Varieté-Theater nach München eingeladen.

Die Jury des Castings setzte sich aus verschiedenen Bereichen zusammen: Frank-Ulrich John, Geschäftsführer Kommunikation und Pressesprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA für den Bereich Gastronomie, Moderatorin Karin Schubert als Vertreterin der Medien sowie Daniela Stradinger, Geschäftsführerin der Agentur dhc Werbung. Präsident Georg Schneider, wurde vom Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, Dr. Lothar Ebbertz, vertreten.

Im GOP Varieté Theater sammelten die Bewerberinnen erste Bühnenerfahrung und präsentierten sich einzeln vor der Jury. Die Entscheidung, welche sieben Kandidatinnen am 25. Mai auf der Bühne des Löwenbräukellers im Finale stehen, gab die Jury direkt im Anschluss an das Casting bekannt.

Die Finalistinnen sind:

Alina Andraschko, 25 J., Neustadt a.d. Donau (Ndb), geb. in Passau (Ndb), Polizeibeamtin

Anna Eberle, 26 J., Landsberg am Lech (Obb), geb. in Peißenberg (Obb), Radiomoderatorin

Rosemarie Katharina Gams, 32 J., München (Obb), geb. in Bad Tölz (Obb), Vorstandsreferentin

Gina Parzinger, 20 J. (ist am Wahlabend 21 J.), Waging am See (Obb), in Traunstein (Obb), Industriekauffrau

Anna-Kathrin Ott, 34 J., Seinsheim (Ufr), geb. in Würzburg (Ufr), Soldatin

Mona Sommer, 24 J., Weitnau (Schw), geb. in Kempten (Schw)., Brauerin und Mälzerin

Dr. Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, führte durch das Casting und bedankte sich bei allen Bewerberinnen für das große Interesse am Amt der Bayerischen Bierkönigin. Er betonte, wie schwer es doch sei, sich zwischen so vielen bierbegeisterten Damen für 6 Finalistinnen entscheiden zu müssen.

In den nächsten Wochen werden die Finalistinnen auf einer Studienfahrt im Bayerischen Brauereimuseum in Kulmbach geschult und auf die mögliche Amtszeit als Bayerische Bierkönigin vorbereitet. Zudem lädt der Bayerische Brauerbund die sechs Finalistinnen zu einer professionellen Medienschulung ein.

Auf der Website der Bayerischen Bierkönigin www.bayerische-bierkönigin.de wird es ab dem 20. April 2023, ein Online-Voting für die 6 Finalistinnen geben.

Letztendlich wird die Wahl zur Bayerischen Bierkönigin durch das Online-Voting, durch die Jurystimmen und durch die Stimmen der Gäste im Saal in der Wahlnacht zu je einem Drittel Gewichtung entschieden.

Karten für das Finale am 25. Mai 2023 im Löwenbräukeller können in Kürze über www.muenchenticket.de (Tel. 0 89/ 54 81 81 81) gebucht werden.

Vielanker – Winterbock

Vielank liegt in Mecklenburg-Vorpommern, genauer gesagt im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Würde es dort kein Brauhaus geben, wüsste ich ehrlich gesagt überhaupt nicht, dass es Vielank gibt. Aber auch ohne dass ich schon einmal in Vielank war, ist mir das dortige Brauhaus durchaus sympathisch. Verschiedene Biere, Gaststätte mit regionalen Spezialitäten, Hotel und Produkte vom Auerochsen – viel mehr Regionalität kann ein einzelnes Unternehmen kaum bieten. Irgendwann muss ich mal dort hin. Jetzt steht vor mir der Winterbock und wartet auf seine Verkostung.

Kupferfarben und mit geringer Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber steht eine feste elfenbeinfarbene Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Düfte nach Karamell und Trockenpflaumen steigen mir in die Nase. Auf jeden Fall habe ich hier ein recht süßes Bier vor mir, aber auch der Alkohol ist in der Nase deutlich feststellbar. Das Aroma erinnert an Likör. Da bin ich mal gespannt, wie sich das Bier auf der Zunge macht.

Der Antrunk ist wie erwartet süß. Kohlensäure ist reichlich vorhanden. Die Fruchtigkeit ist auf der Zunge weniger präsent als ich es vom Duft her erwartet hatte. Bitterstoffe sind stiltypisch nur wenige vorhanden und das Mundgefühl ist cremig. Der Abgang ist mild und jetzt kommt in der Kehle doch noch die Fruchtigkeit zu ihrem Recht, die an rote Früchte erinnert und die lange nachklingt.

Der Vielanker Winterbock ist ungewöhnlich, kann aber wirklich gefallen. Ich meine aber, etwas mehr Frische würde diesem Bier gut zu Gesicht stehen.

Zutaten:

Quellwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Brauhefe

Alkoholgehalt:

6,7 % Vol.

Stammwürze:

16° Plato

Bittereinheiten:

18 IBU

Farbe:

25 EBC

Brauerei:

Vielanker Brauhaus GmbH & Col. KG
Lindenplatz 1
19303 Vielank
www.vielanker.de

BierSelect

Biergenuss – auch ohne Alkohol

Ich veröffentliche hier eine Pressemitteilung der Brauunion Österreich zum Thema alkoholfreies Bier. Auch wenn die Fakten aus Österreich stammen, bin ich überzeugt, dass die Situation in Deutschland zumindest vergleichbar ist. Außerdem hat sich in den letzten Jahren die Qualität der alkoholfreien Biere deutlich verbessert. Entsprach der Geschmack alkoholfreier Biere vor 30 Jahren eher dem einer Malzbrause mit einigen Hopfennoten, gibt es heute zumindest einzelne alkoholfreie Biere, die im Genuss den Standardbieren in nichts nachstehen. Außerdem steigt der Absatz alkoholfreier Biere entgegen dem Trend kräftig an.

Auf die 5. Jahreszeit, die nach pandemiebedingter Pause jetzt wieder in vielen Gegenden reichlich närrisches Treiben brachte, folgt die Fastenzeit. Ob aus religiösen Motiven oder wegen der bevorstehenden Bikinisaison: Vorsätze rund um Verzicht sind in der Zeit zwischen Fasching und Ostern weit verbreitet. Neben Verzicht auf Süßes. Tabak oder Fleisch ist auch Alkohol ein beliebter Kandidat, auf den es ein paar Wochen zu verzichten gilt. Dass dies der Gesundheit guttut, ist unbestritten, fällt aber manchen schwer. Leichter könnte das Durchhalten dieses Vorsatzes fallen, wenn man zwar auf den Alkohol, aber nicht auf den Biergenuss verzichtet: Die Auswahl und die Qualität von alkoholfreien Bieren steigt ständig – ebenso wie die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Gabriela Maria Straka, Director Corporate Affairs & ESG bei der Brau Union Österreich, meint: „Mit alkoholfreiem Bier oder auch alkoholfreien Biermischgetränken muss sich Verzicht gar nicht nach Verzicht anfühlen – etwa mit alkoholfreien Bieren mit 0,0% Alkohol, wie sie etwa in der Brauerei Wieselburg entscheidend mitentwickelt wurden und mittlerweile von vielen Marken angeboten werden, kommt man mit bestem Biergenuss durch die Fastenzeit.“

Null gewinnt: Wer gerne Bier trinkt, mag auch alkoholfrei immer lieber

Auch abseits von prädestinierten Zeiträumen wie „Dry January“ oder Fastenzeit ist nämlich der Trend zum alkoholfreien Bier ungebrochen: Die Studie zum aktuellsten Bierkulturbericht bestätigt, dass wer gerne Bier trinkt, auch alkoholfrei immer lieber mag. Sowohl in puncto Genuss als auch in puncto Ansehen ist alkoholfreies Bier klar auf dem Vormarsch. So ist sich eine absolute Mehrheit (57%) sicher, dass alkoholfreies Bier an Ansehen gewonnen hat. Das ist ein Plus von 12 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Bei den regelmäßigen Bierkonsum unterschreiben sogar 60 Prozent diese positive Veränderung. Auch beim Genuss von alkoholfreiem Bier sprechen die Zahlen für sich – tranken 2017 noch 17 Prozent gerne alkoholfrei, sind es inzwischen 28 Prozent. Besonders deutlich zeigt sich der Trend bei den Jüngeren von 18 bis 29 Jahren: Hier sind es 32 Prozent. Nachzulesen ist der gesamte Bierkulturbericht unter www.brauunion.at/bierkultur.

Promillefreie Produktvielfalt, preisgekrönter Geschmack

Erfreulicherweise bedeutet der Alkoholverzicht nicht, dass der Biergenuss ausbleiben muss. Denn der ist auch natürlich alkoholfrei möglich – mit einer geschmacklichen Vielfalt: Gösser NaturGold Alkoholfrei, Heineken 0,0, Zipfer Hell Alkoholfrei, Wieselburger 0,0, Puntigamer Pr0,0st, Schlossgold, Villacher Freilich Alkoholfrei, Fohrenburger Alkoholfrei und Weizenbier Edelweiss Alkoholfrei. Viele davon wurden auch bereits mehrfach von unabhängigen Jurys preisgekrönt. Auch im fruchtigeren Bereich muss man hier nicht sündigen: So bietet etwa der Gösser NaturRadler 0,0 vollsten Geschmack für verzichtswillige Erwachsene.

Soweit die Pressemitteilung aus Wien. Auch wenn hier immer die Rede von den Bieren mit 0,0 Prozent Alkohol die Rede ist (was bedeutet, dass das Bier weniger als 0,05 Volumenprozent Alkohol enthält), werden zumindest in Deutschland alle Biere mit maximal 0,5 Volumenprozent Alkohol als alkoholfrei verkauft. Diese Grenze halte ich auch durchaus für sinnvoll. Ich habe vor längerer Zeit von einer Studie einer deutschen Universität gelesen (eine Quelle kann ich leider nicht mehr angeben), in der Studenten versucht haben, mit alkoholfreiem Bier eine Blutalkoholkonzentration zu erreichen, die es ihnen verbieten würde, mit dem Auto zu fahren. Es ist nicht gelungen. Und wird das alkoholfreie Bier in normaler Geschwindigkeit getrunken, so wie es auch im Biergarten oder dem Gasthaus üblich ist, wird der mit dem Bier aufgenommene Alkohol schneller abgebaut als aufgenommen. Es spricht also absolut nichts gegen den Genuss alkoholfreien Bieres.

Brasserie {c} – Black

Die Wurzeln der Brauerei {C} (ja, sie heißt wirklich {C} reichen bis ins Jahr 2012 zurück, als sich François und Renaud, zwei frischgebackene Agronomen die ihr Studium abgeschlossen hatten, in ein Brauereiabenteuer stürzten, das ihr Leben verändern sollte. Nach mehreren Jahren des Bierbrauens in der Garage entschieden sich die beiden leidenschaftlichen Braumeister dazu, ihr eigenes Bier zu brauen und sich dazu entschlossen, den Schritt zu wagen, ihr berühmtes Rezept, das von Curtius, bekannt zu machen!

Die beiden Freunde, die schnell ein Lokal im Herzen des Viertels Saint-Léonard übernommen hatten, lernten „on the job“, wie sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen konnten.

Ab 2013 vergrößerte sich das Team der Brauerei und sie mussten einen neuen Standort finden. Der Beginenhof des Heiligen Geistes, ein Gebäude aus dem Jahr 1611, schien wie aus einem Traum, um dort eine eigene Mikrobrauerei zu gründen, und trotz vieler Hindernisse und ihres Status als Selbstständige wurde der Traum im Frühjahr 2014 Wirklichkeit.

Einen geschichtsträchtigen Ort zu besetzen, um dort handwerklich hergestellte Biere im 21. Jahrhundert zu produzieren, war eine großartige Leistung, aber das Team der Brasserie {C} ruht sich keineswegs auf seinen Lorbeeren aus, sondern ist seither ständig bemüht, geschmacklich starke Vorschläge zu machen, neue Produktreihen einzuführen und anderen Handwerkern die Hand zu reichen. Mit weit geöffneten Türen bietet sie auch Brauereibesichtigungen und Workshops an, die vom Brauen bis zur Verkostung reichen.

Seit 2019 ist die Brasserie {C} zu ihren Wurzeln zurückgekehrt und hat ihren brandneuen Produktionsraum im Viertel Saint-Léonard eingerichtet. Die Fabrique {C} war geboren. So reiht sich ein Projekt an das andere und das Team wächst unaufhörlich mit dem einzigen Leitmotiv, weiterhin wachträumen zu können und jeden herzlich willkommen zu heißen, der die Ehre erweist, sich für die Brauerei zu interessieren.

Blickdicht schwarz läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine kleine feinporige und haselnussbraune Schaumkrone, die aber leider sehr schnell in sich zusammenfällt.

Düfte nach Espresso und dunkler Schokolade steigen mir in die Nase, abgerundet durch den Duft gerösteter Nüsse. So lasse ich mir ein Stout gefallen.

Der Antrunk ist stiltypisch süß und er besticht durch die reichlich enthaltene sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge vermischen sich die Aromen, die ich bereits in der Nase festgestellt habe, mit einem angenehmen Bitter. Zusammen ergibt sich ein cremiges Mundgefühl. Der Abgang zeichnet sich durch ein freundliches und nicht allzu kräftiges bittersüß mit einem sehr langen Nachklang aus.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener, Gerstenflocken, Special B-Coffee, Chocolate, Röstmalz), Zucker, Hopfen (Chinook, Styrian Golding), Hefe

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

55 IBU

Farbe:

120 EBC

Brauerei:

Brasserie {C}
Impasse des Ursulines 14
4000 Liege
Belgien
www.brasseriec.com

Altenburger – Winterbier

Altenburg ist vor Allem für seine Spielkarten bekannt, aber auch das Bier, das von dort kommt, kann durchaus gefallen. Das Winterbier, das jetzt vor mir steht, wird im Spätsommer gebraut und wird von Oktober bis April verkauft. Auch wenn die Biere aus dem östlichen Thüringen hier im Westen eher selten zu finden sind, ist es mir doch gelungen, eine Flasche zu ergattern, die ich jetzt und hier vorstellen möchte.

Rotbraun und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist sahnig und bleibt sehr lange erhalten. Ein winterliches Bier wie gemalt.

Wie ich es von einem Winterbier erwarte wird das Aroma durch die verwendeten Malze dominiert. Ich rieche Noten nach Karamell und Toffee, nach Kaffee und Trockenpflaumen. Ich muss sagen, das passt alles zusammen.

Der Antrunk ist frisch und er besticht durch seine leichte Malzsüße. Auf der Zunge schmecke ich Aromen nach dunkler Schokolade, Karamell und Dörrobst. Bitter ist nur wenig vorhanden, so dass das Mundgefühl weich und rund ist. Im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger. Es bleibt aber immer zurückhaltend und klingt trotzdem sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Melatoninmalz, Karamellmalz), Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 Vol.-%

Stammwürze:

13,3° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Farbe:

28 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

10° – 11° Celsius

Brauerei:

Altenburger Brauerei GmbH
Brauereistraße 20
04600 Altenburg
www.brauerei-altenburg.de

BierSelect

Brasserie de l‘Abbaye des Rocs – La Montagnarde 1979 Ambrée

Südlich von Mons liegt in der Provinz Hennegau das Dorf Montignies-sur-Roc. Die offizielle Tourismusseite www.visitwallonia.be nennt es eines der schönsten Dörfer der Wallonie. Die dortigen Einwohner werden Montagnards genannt, so dass es mir logisch erscheint, dass das dort gebraute Bier La Montagnarde heißt. Ich habe vier dieser Biere bei mir im Kühlschrank stehen und heute werde ich das Montagnarde 1979 Ambrée verkosten.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist klein und sie fällt schnell in sich zusammen.

Das Bier duftet nach Karamell und Brotkrume. Dazu kommen würzige Noten sowie der Duft nach roten Früchten. Das Aroma ist sehr ansprechend.

Wie erwartet ist der Antrunk recht süß und fruchtig. Mir gefällt die feinperlige Kohlensäure. Aber erst als sich das Bier auf der Zunge verteilt kommt eine überraschende Fruchtigkeit zum Tragen. Neben Erdbeeren meine ich auch unreife Birnen zu schmecken. Dazu kommen eine leichte angenehme Säure sowie ein cremiges Mundgefühl. Erst im Abgang kann ich in der Kehle ein leichtes und dabei fruchtiges Bitter schmecken. Obwohl es eher zurückhaltend dosiert ist, hat es einen überraschend langen Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Kräuter, Hefe

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Farbe:

1 EBC

Brauerei:

Brasserie de l’Abbaye des Rocs s.a.
14, Chaussée Brunehault
7382 Audregnies
Belgien
www.abbayedesrocs.com