Archiv der Kategorie: Biertest

Namyslów Pils

Von meiner letzten Reise nach Polen habe ich mir auch das Namyslów Pils mitgebracht, das jetzt vor mir auf seine Verkostung wartet. Die südpolnische Brauerei bewirbt ihr Bier so: „Namyslów ist ein traditionelles polnisches Bier mit einem einzigartigen Geschmack, ausgezeichnet mit Medaillen auf der ganzen Welt. Das traditionelle Rezept für die Herstellung basiert auf der Verwendung von kristallklarem Wasser und natürlichen Zutaten. Es wird jedoch moderne Produktionstechnologie verwendet, so dass es wie kein anderes Bier schmeckt.“ Na ja, bei dieser Beschreibung kann ich mich ja auf ein richtig gutes Bier einstellen. Obwohl – die Medaillen werden in diesem Werbetext zwar erwähnt, aber ich konnte nirgends einen Hinweis darauf finden, welche Preise die Brauerei mit diesem Bier gewonnen hat. Irgendwie werde ich jetzt doch etwas misstrauisch. Aber gut, das Bier steht hier, mache ich es also auf und schenke es ein.

Intensiv goldfarben und gefiltert läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich nur eine kleine feinporige Schaumkrone, die sich schnell auflöst. Mit dieser Optik hat das Bier sicher keine Preise gewonnen.

Das Bier duftet nach Malz und Honig. Aromen des Hopfens suche ich vergebens und auch das Malzaroma verfliegt recht schnell. Hoffentlich macht das Bier auf der Zunge eine bessere Figur als in der Nase.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie eine sehr kräftige Kohlensäure aus. Auf der Zunge kommt ein nicht allzu angenehmes Bitter dazu; ansonsten ist das Bier eher wässrig. Das Mundgefühl ist schlank. Auch der Abgang ist wässrig und unangenehm bitter. Glücklicherweise klingt der Geschmack nur kurz nach.

Ich habe bereits einige Biere aus Polen verkostet. Meist haben sie mir recht gut gefallen, etliche konnten mich sogar begeistern. Das Namyslów beweist aber, dass die Polen nicht nur gute Biere brauen können.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Gerste, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Brauerei:

Grupa Zywiec S.A.
34-300 Zywiec
Polen

Camba Bavaria – Braumeister-Edition #49 (Korbinian Häußler) – Maibock

So einen umfangreichen Namen wie der Maibock von Camba Bavaria hat noch kein anderes Bier gehabt, das ich in diesem Blog beschrieben habe. Das ist für mich Grund genug, einmal auf der Website der Brauerei nachzusehen, was es damit auf sich hat. Camba schreibt dazu:

„Die Neue Braumeister-Edition ist ein Maibock von unserem Braumeister Korbinian Häußler. Zusammen mit ein paar Mitarbeitern hat er die 49. Edition gebraut.

Zu seiner Kreation haben wir Korbinian folgende Fragen gestellt:

Warum hast du diesen Bier-Stil gewählt und was ist das Besondere an deiner Rezeptur?

Ich habe mich für diesen Bierstil entschieden, da er eher selten Platz im Biersortiment findet. Frisch interpretiert mit dem gewissen Etwas. Den gewissen Kick bringt das Zusammenspiel frischer, fein-fruchtiger Hopfenaromen in der Nase und die ausgewogene Malzsüße.

Wie würdest du den Geschmack beschreiben und wie passt der Name dazu?

Klassisch eingebraut mit vollmundigem Körper, feiner malziger, nussiger Charakter und cremiger Schaumkrone, einem Hauch fruchtiger Hopfennoten, das meinen Maibock zu einem frischen Trinkerlebnis und Lust auf mehr macht.

Zu welcher Gelegenheit passt dieses Bier?

Ob zum Feierabend, als Gipfelbier oder zu einem guten Essen – durch seine hohe Drinkability passend für jede Gelegenheit.“

So – damit wäre das geklärt. Kommen wir also zum Bier.

Kupferfarben und ohne Hefetrübung läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich nur eine kleine Schaumkrone, die auch schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist malzbetont nach Karamell, abgerundet mit dem Duft nach Waldhonig.

Der Antrunk weist die die stiltypische Süße auf, die durch eine reichlich vorhandene feinperlige Kohlensäure begleitet wird. Auf der Zunge gesellt sich ein passendes Bitter dazu und sorgt für ein volles Mundgefühl. Fast erscheint es, als wäre das Bier dickflüssig. Im Abgang wird das Bitter kräftiger und es klingt recht lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener, Caramünch Typ 2), Hopfen (Tettnanger, Saphir), Hefe

Alkoholgehalt:

6,8 % Vol.

Stammwürze:

16,1° Plato

Bittereinheiten:

35 IBU

Farbe:

20 EBC

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

Chapeau Abricot

Die Geschichte der Brauerei De Troch ist eine Geschichte der Familienerbschaften und Landkäufe, die bis etwa 1795 zurückreichen, als Joannes Franciscus De Troch (1766-1808) und seine Frau einen ausgedehnten Bauernhof mit einer Reihe von Nebengebäuden kauften. Um 1818-1820 wurden eine Brauerei und eine Zichorienrösterei hinzugefügt. Nach dem Tod der Ehefrau von Joannes De Troch im Jahr 1818 ging die Brauerei mehrmals in den Besitz der Familie über. Im Jahr 1857 heiratete Petronella Schoonjans ihren Neffen Egidius De Troch.

Wie viele Lambic-Brauer engagierte sich Egidius De Troch in der Politik und wurde schließlich 1885 zum Bürgermeister von Wambeek gewählt. Während seiner Zeit als Bürgermeister baute Egidius die Brauerei weiter aus und errichtete die Gebäude, die noch heute genutzt werden. Im Jahr 1861 bekamen Egidius und Petronella einen Sohn, Ludovicus (Louis I.), der die Brauerei 1899 übernehmen sollte. Louis I. folgte seinem Vater auch als gewählter Bürgermeister von Wambeek von 1899 bis 1933, als er gegen Lode Willems, einen anderen Lambic-Brauer, verlor. Aus der Ehe zwischen Louis De Troch und Maria Josepha De Neve gingen sieben Kinder hervor, von denen nur zwei ihre Eltern überlebten: der älteste Sohn Ludovicus Albertus (Louis II) und Magdalena Theresia.

1923 installierte Louis De Troch ein neues Brausystem mit gusseisernen Maischebottichen, die noch heute in Gebrauch sind. 1936 übernahm sein Sohn und Nachfolger Louis De Troch II die Brauerei. 1938 wurde er auch Bürgermeister von Wambeek, wo er bis 1976 blieb. Louis I. verstarb 1940. 1964 eröffnete De Troch auch einen Bierladen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Im Jahr 1974 ging Louis De Troch II in den Ruhestand und übergab die Brauerei an seinen Neffen Jos Raes, der seit 1972 in der Brauerei arbeitete. Jos (kurz für Jozef), der Sohn von Magdalena und Raymond Raes, wurde von seinem Onkel Louis und seiner Tante Maria Louisa in der Brauerei aufgezogen. Nach dem Tod seines Onkels Louis II im Jahr 1982 verringerte Jos den landwirtschaftlichen Teil des Unternehmens. Er baute die Brauerei weiter aus, indem er eine Reihe „exotischer“ Biere unter einem neuen Namen einführte, wobei der Name De Troch weiterhin für die traditionelleren Lambics reserviert blieb. Der Name Chapeau wurde erst 1991 offiziell eingeführt. Diese gesüßten Produkte, die mit Fruchtsäften und nicht mit ganzen Früchten hergestellt werden, sollen De Troch in einer Zeit über Wasser gehalten haben, in der viele Lambic-Brauereien und -Mixer ihre Tore schlossen. Viele dieser gesüßten Lambics wurden auf Anfrage oder auf Wunsch von Gruppen oder Einzelpersonen gebraut.

De Troch Barrel Room

Heute befindet sich De Troch in der 7. Generation in Familienbesitz. Nach einem Unfall im Jahr 2002, bei dem Jos Raes zwei Jahre lang nicht brauen konnte, musste sein Sohn Pauwel von dem örtlichen Brauingenieur Gert de Rouck in das Brauen eingewiesen werden. De Rouck, der für kurze Zeit in der Brauerei gearbeitet hatte, bevor er an der Brauereischule von Sint-Lieven eingestellt wurde, kehrte an Weihnachten in die Brauerei zurück, um Pauwel zu unterrichten. Pauwel, der seit 2002 verheiratet ist und zwei Söhne hat, blickt zuversichtlich in die Zukunft, denn er hat sowohl bei der Arbeit als auch im Selbststudium an der Universität Gent gelernt. Im Jahr 2004 hätten die belgischen Gesundheitsbehörden die Brauerei wegen Sicherheits- und Hygieneproblemen fast geschlossen, was De Troch zu einem Kurswechsel veranlasste. Er räumt zwar ein, dass die gesüßten Biere nach wie vor den größten Umsatz bringen, aber De Troch bringt langsam aber sicher sein Oude Gueuze wieder auf den Markt und liefert auch gelegentlich Lambic für mindestens einen anderen Abfüller, Vanberg & DeWulf.

Ab 2015 begann De Troch, seine Biere ohne den Namen Chapeau zu vermarkten. Ebenfalls 2015 brachte die Brauerei ein Oude Kriek in 37,5-cl-Flaschen heraus, das erste seit fast 30 Jahren.

Bei einer so traditionellen Brauerei kann ich davon ausgehen, dass die Brauer wissen, was sie tun, öffne jetzt die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Kupferfarben und gefiltert läuft das Bier ins Glas. Dass sich dabei keine Schaumkrone bildet ist für ein Lambic typisch.

Auch das Aroma ist für ein Lambic typisch. Eine fruchtige Säure steht im Vordergrund. Unterstützt wird sie durch Düfte nach Waldhonig und Trockenpflaumen.

Der Antrunk ist frisch. Dabei wurde die sehr feinperlige Kohlensäure sehr zurückhaltend eingesetzt. Auf der Zunge entfaltet sich die fruchtige Säure, während die Süße sich eher im Hintergrund hält. Die Aromen, die ich in der Nase erkannt habe, spiegeln sich auf der Zunge wider. Aprikosen hätte ich allerdings nicht erkannt. Bitter ist so gut wie nicht zu schmecken. Das Mundgefühl ist angenehm weich und voll. Auch der Abgang ist mild und die Fruchtigkeit meldet sich noch einmal in der Kehle, wo sie durchschnittlich lang nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Zucker, Aromen, Aprikosen (20 %)

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Troch
Langestraat 20
1741 Ternat
Belgien
www.detroch.be

Finne – Lauer Lenz

Ich muss gestehen, dass ich ein absoluter Maibockfan bin. Und auch wenn der Mai für dieses Jahr inzwischen vergangen ist, fand ich jetzt doch noch einen Maibock im Kühlschrank. Finne ist eine kleine Biobrauerei in Münster, die den meines Wissens einzigen Maibock mit Zutaten aus biologischem Anbau braut. Dann will ich mal testen, wie sich der Bock so macht.

Goldfarben mit einem Stich ins Orange und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist recht klein ausgefallen, aber sie bleibt lange erhalten.

Düfte nach Karamell steigen mir in die Nase, abgerundet durch fruchtige Noten.

Der Antrunk weißt die stiltypische Süße auf, begleitet von einer sehr feinperligen Kohlensäure. Auf der Zunge gesellt sich ein passendes Bitter dazu. Das Mundgefühl ist weich und rund. Der Abgang ist mild mit einem leichten Bitter und leider einem nur kurzen Nachklang.

Insgesamt ist der Laue Lenz von Finne ein wunderbares Bier für einen Frühlingsabend.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz (Pilsener, Münchner), Hopfen (Spalter Select, Mittelfrüh, Smaragd), Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten:

21 IBU

Farbe:

16 EBC

Empfohlene Genusstemeratur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

Münsteraner Finne GmbH
Kerßenbrockstraße 8
48147 Münster
www.finne-brauerei.de

Brasserie du Mont Blanc – La Blonde

Als ich im März in Lyon war, habe ich in einem Supermarkt das La Blonde aus der Brasserie du Mont Blanc gefunden. Ich muss zugeben, dass ich die Brauerei nicht kannte. Inzwischen habe ich etwas recherchiert und dabei festgestellt, dass die Biere der Brauerei eine ganze Reihe an Preisen gewonnen haben. La Blanche du Mont-Blanc hat 2015 eine Auszeichnung erhalten und wurde zum besten Weißbier der Welt in allen Kategorien gekürt. Mit dieser Auszeichnung ist die Brasserie du Mont-Blanc die erste Handwerksbrauerei, die in den elitären Club der acht Gewinner aufgenommen wurde. Dieser Preis ist ein außergewöhnlicher Erfolg, da über 1 000 Biere aus 30 Ländern am Wettbewerb teilnahmen. Bereits 2013 war das Blanche zum besten Weißbier der Welt in seiner Kategorie gewählt worden. Im Jahr 2017 war die Brasserie du Mont Blanc beim Internationalen Brauereiwettbewerb die erste französische Brauerei seit ihrer Gründung, die einen weltweiten Goldtitel erhielt. La Rousse du Mont Blanc wurde kürzlich beim Internationalen Brauereiwettbewerb, einem der renommiertesten internationalen Wettbewerbe, an dem mehr als 2.000 Biere aus 46 Ländern teilnehmen, zum besten Bier der Welt gewählt. 2014 wurde La Rousse du Mont-Blanc bei den Global Craft Beer Awards erneut als weltbestes Amberbier ausgezeichnet. Bereits 2011 war La Rousse bei den World Beer Awards zum besten Bernsteinbier der Welt gekürt worden. Auch wenn sich das La Blonde nicht unter den Preisträgern findet, kann ich wohl mir Fug und Recht davon ausgehen, dass auch die anderen Biere aus La Motte-Servolex wirklich gut sind. So kann ich beruhigt die Flasche öffnen und mir das Bier einschenken.

Golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine durchschnittlich große Krone aus sahnigem Schaum, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier eine sehr gute Figur.

Das Bier duftet nach Brotkrume, abgerundet mit einigen würzigen Noten sowie fruchtigen Noten nach Zitrone.

Der Antrunk ist mit seiner zurückhaltenden Süße und der feinperligen Kohlensäure sehr angenehm. Auf der Zunge kommt die Fruchtigkeit nach vorne, die jetzt nicht nur an Zitrusfrüchte erinnert, sondern auch an getrocknete Birnen. Bitter ist nur wenig zu schmecken. Dafür ist das Mundgefühl angenehm weich. Auch der Abgang ist fruchtig mit einer angenehmen Säure und Würzigkeit, die leider nur kurz nachklingt.

Das La Blonde der Brasserie du Mont Blanc eignet sich im Sommer gekühlt gut als Erfrischung im Freien.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Hafer, Hopfen, Kräuter

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Bittereinheiten

17 IBU

Farbe

10 EBC

Brauerei:

Brasserie du Mont Blanc
128, avenue René Cassin
73290 La Motte-Servolex
Frankreich
www.brasserie-montblanc.com

Hildesheimer Braumanufaktur – Blutbuche

Seit 2016 brauen Jan Pfeiffer und Malte Feldmann in der Hildesheimer Oststadt ihre Biere, von denen mich die meisten bislang begeistern konnten. Immer wieder kommen neue Kreationen von der Goslarschen Landstraße und jetzt steht die Blutbuche vor mir. Längere Zeit hat sie in meinem Kühlschrank gestanden und auf ihre Verkostung gewartet, jetzt ist es endlich so weit. Eventuell ist das Bier sogar zu lange im Kühlschrank gereift, denn auf der Website der Hildesheimer Braumanufaktur wird die Blutbuche gar nicht mehr aufgeführt. Vermutlich hat es sich um einen Sondersud gehandelt, der mittlerweile ausgetrunken ist und ich öffne jetzt die letzte Flasche.

Rubinrot und ziemlich klar, so dass es fast wie gefiltert aussieht, fließt das Bier ins Glas. Dabei entwickelt es eine durchschnittlich große feinporige und elfenbeinfarbene Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

Für ein Rauchbier ist das Raucharoma überraschend dezent, auch wenn der Duft von Räucherschinken deutlich zu riechen ist. Abgerundet wird das Aroma durch den Duft frischer Brotkruste und von Kaffee.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge dominiert der Rauchgeschmack zusammen mit Noten nach Karamell und Brotkrume. Das Bitter ist sehr verhalten. Insgesamt ergeben die Aromen ein weiches und volles Mundgefühl. Im Abgang wird das Bitter zusammen mit dem Rauch etwas kräftiger, wobei der Rauchgeschmack länger nachklingt.

Im Vergleich zu Rauchbieren aus Bamberg ist der Rauchgeschmack bei der Blutbuche sehr zurückhaltend. Es handelt sich hier um ein Rauchbier für Einsteiger und ich hoffe, dass die Hildesheimer Braumanufaktur die Blutbuche wieder ins Sortiment nimmt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Hallertauer Tradition, East Kent Goldings), Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Brauerei:

Hildesheimer Braumanufaktur
Jan Pfeiffer & Malte Feldmann GbR
Goslarsche Landstr. 15
31135 Hildesheim
www.hildesheimer-braumanufaktur.de

Cuvée Watou Rouge

Das Cuvée Watou Rouge, das jetzt vor mir steht, stammt aus der flämischen Brauerei Leroy, die in Watou beheimatet ist. Die Brauerei ist inhabergeführt, wobei der Inhaber auch die Brauerei Van Eecke besitzt, die sich ebenfalls in Watou direkt am Markt befindet. Die beiden Brauereien teilen sich im Übrigen auch die Verwaltung. Aber kommen wir zum Bier. Den Entstehungsprozess beschreibt die Brauerei so: „Die Cuvée Watou Rouge wurde 2019 auf Wunsch unserer Kunden auf den Markt gebracht. Nach einer einjährigen Forschungsphase war unser Braumeister mit der Fruchtkombination, die er zusammengestellt hatte, zufrieden. Dieses typische Rouge kann sowohl Männer als auch Frauen verführen und ist als Fruchtbier mit Geschmackscharakter zu verstehen.“

Rotbraun und hefetrüb läuft das Bier ins Glas und erzeugt dabei eine durchschnittlich große mittelbraune und feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Karamell und roten Früchten, besonders nach Kirschen und Himbeeren. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeigt eine angenehme Süße, die durch eine kräftige Kohlensäure begleitet wird. Aif der Zunge ist der Kirschgeschmack dominant, aber auch die Himbeeren sind zu schmecken und sie runden den Kirschgeschmack gut ab. Die Süße tritt etwas in den Hintergrund und macht einer zu den Aromen passenden fruchtigen Säure Platz. Dazu kommt noch ein leichter Geschmack, der an Marzipan erinnert. Insgesamt ist das Mundgefühl weich und schwer. Im Abgang dominiert der Kirschgeschmack, der die bitteren Marzippannoten perfekt umschließt. Der Nachklang ist nicht allzu lang, macht aber Lust auf mehr.

Zutaten:

Wasser, Malz, Hopfen, natürliche Aromen, Sucralose (E 955)

Alkoholgehalt:

8,5 % Vol.

Stammwürze:

18° Plato

Brauerei:

Leroy Breweries
Diksmuidseweg 404
8904 Boezinge
Belgien
www.leroybreweries.be

Grünbacher Bayrisches Weißbier

Die Schlossbrauerei Grünbach wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gegründet und hat sich bis heute als inhabergeführtes Familienunternehmen behaupten können. Das ist eigentlich schon mal ein Zeichen, dass ich mich auf ein angenehmes und charakterstarkes Bier freuen kann.

Ich bin mir nicht sicher und kann mich irren – aber irgendwie habe ich die Erinnerung, dass die Weißbiere in den 1980er Jahren deutlich mehr Schaum entwickelt haben als heute. Damals war das Einschenken eines Weizenbieres eine Fähigkeit, über die nicht jeder verfügte. Daran muss ich jetzt denken, während ich das Grünbacher einschenke. Eine wahnsinnig voluminöse feinporige Schaumkrone, die wirklich lange erhalten bleibt. Darunter das goldene Weißbier mit seiner kräftigen Hefetrübung. Ein Bier wie gemalt.

Aromen nach Banane und Nelken steigen mir in die Nase, dazu der typische Hefeduft. Mehr und mehr bekomme ich Lust auf dieses Bier.

Der Antrunk ist angenehm süß und die sehr sanfte feinperlige Kohlensäure umschmeichelt meinen Daumen. Auf der Zunge kommt eine leichte fruchtige Säure dazu, während sich die Aromen, die ich bereits in der Nase festgestellt habe auf der Zunge widerspiegeln. Der Geschmack ist wirklich intensiv und das Mundgefühl ist voll und weich. Erst im Abgang schmecke ich ein leichtes Bitter, von dem ich mir wünschen würde, dass es länger nachklingt.

Das Bayrische Weißbier der Schlossbrauerei Grünbach ist sehr süffig, das ideale Bier für den Biergarten.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz. Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Bittereinheiten:

14 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Schloßbrauerei Grünbach
Kellerberg 2
85461 Grünbach
www.gruenbacher-weissbier.de

Het Anker – Boscoli

Nun steht mal wieder ein Bier aus der Brouwerij Het Anker im flämischen Mechelen vor mir. Das Boscoli ist das einzige Fruchtbier der Brauerei, die neben diversen Bieren auch drei Sorten Sake sowie einen Reisessig braut (nur mal so nebenbei: auch wenn Sake in Deutschland meist als „Reiswein“ bezeichnet wird, handelt es sich streng genommen um ein Bier, denn der Sake wird aus Reis, also einem Getreide, hergestellt). Die Brauerei verwendet im Gegensatz zu einigen anderen für dieses Bier keine Aromen, sondern ganze Früchte, was der Qualität des Bieres in der Regel wirklich gut tut. Mal sehen, ob diese Erfahrung auch auf das Boscoli zutrifft.

Rubinrot und leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die rosafarbene Schaumkrone ist zwar recht klein, bleibt dafür aber lange erhalten.

Das Aroma hält, was das Etikett verspricht: eine Mischung der Düfte verschiedener Früchte, die sich zu dem Duft Roter Grütze vereinen. Dieser Duft überdeckt alles, aber er ist wirklich angenehm und natürlich.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie eine sehr kräftige Kohlensäure aus. Der Geschmack der Früchte gesellt sich auf der Zunge zur Süße und auch hier erinnert die Mischung an Rote Grütze. Ich habe eher das Gefühl, eine flüssige Grütze im Mund zu haben, denn der Geschmack des Bieres wird vollständig überdeckt. Eines muss ich dem Boscoli aber lassen: es ist wirklich erfrischend. Auch im Abgang bleibt die Fruchtigkeit der absolut dominierende Faktor; leider klingt der Geschmack nur kurz nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen Früchte (25 %), Zucker, Hopfen, Hefe, Süßstoff

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

11 IBU

Farbe:

15 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

5° – 7° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Het Anker
Guido Gezellelaan 49
2800 Mechelen
Belgien
www.hetanker.be

Camba Bavaria – Die Therese

Ursprünglich wurde die „Camba Bavaria“ 2008 als Showroom des Brauanlagenherstellers BrauKon in Truchtlaching gegründet. In der alten Mühle am Ufer der Alz wollte Gründer Markus Lohner Kunden aus aller Welt zeigen, wie seine Brauanlagen funktionieren und welche Biervielfalt man damit brauen konnte. Mit Erfolg: Die Testbiere schmeckten und die „Camba Bavaria“ entwickelte sich zu dem Pionier der Craft-Bier-Branche, der sie bis heute ist. Weil es schon bald zu eng wurde in der kleinen Gasthausbrauerei in Truchtlaching, bekam die „Camba Bavaria“ 2016 eine neue Heimat im benachbarten Ort Seeon. Hier werden nicht nur die Camba-Biere gebraut, sondern auch die Brauereianlagen der BrauKon gefertigt. Eine hochmoderne Brauerei wurde hier geschaffen, in der mit viel Liebe zum Brauerei-Handwerk gebraut wird. Insgesamt schon über 250 verschiedene Biere, dauerhaft im Sortiment finden wir insgesamt 18 unterschiedliche Biere, dazu einige limitierte und saisonale Bierspezialitäten.

Intensiv golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist leider recht klein geraten und fällt auch flott in sich zusammen. Beim Schaum sehe ich durchaus noch Verbesserungspotential, aber die Farbe ist schon wirklich ansprechend.

Düfte nach Karamell und Brotkrume steigen mir in die Nase, dazu honigsüße und florale Noten.

Der Antrunk überzeugt durch die stiltypische Süße des Bieres sowie durch die feinperlende Kohlensäure. Auf der Zunge gesellen sich zur Süße noch angenehme würzige Noten sowie ein leichtes Bitter. So sorgt das Bier Bier für ein weiches und volles Mundgefühl. Im Abgang wird das Bitter etwas kräftiger und der Geschmack klingt sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner), Hopfen (Tradition, Select, Tettnanger), Hefe

Alkoholgehalt:

6,2 & Vol.

Stammwürze:

15° Plato

Bittereinheiten:

21 IBU

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de