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De Achelse Kluis – Superior Blond

Das Achel Superior Blond ist ein starkes, belgisches obergäriges Bier mit einem Alkoholgehalt von etwa 9,5 % Vol.. Es gehört zur Produktpalette der Brouwerij De Achelse Kluis aus Hamont-Achel in Belgien und ist auch bekannt als die „starke Schwester“ der Achel Tripel/Blond-Varianten. Da ich bei einem anderen Bier bereits über die Brauerei geschrieben habe, kann ich jetzt direkt mit der Verkostung beginnen.

Golden und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Der schneeweiße Schaum ist feinporig und bleibt sehr lange erhalten. Wenn das Bier so schmeckt wie es aussieht, bin ich damit vollständig zufrieden.

Das Bier duftet angenehm nach Biskuitteig mit der typischen belgischen Hefe. Abgerundet wird das Aroma durch Zitrusaromen und würzige Noten, die an weißen Pfeffer erinnern.

Der Antrunk ist frisch und spritzig, in einem Maße, das ich bei 9,5 Volumenprozent Alkohol nicht unbedingt erwartet hätte. Das Bier ist kräftig karbonisiert, wobei die Perlage sehr fein ist. So macht das Bier vom ersten Moment an einen edlen und angenehmen Eindruck. Auf der Zunge präsentieren sich Bittere und Süße in einem ausgewogenen Verhältnis, während die Fruchtigkeit den Eindruck abrundet. Das Mundgefühl ist wie erwartet recht schwer und samtig. In der Kehle wird die Bittere etwas kräftiger. Sie wird aber nie überwältigend stark. Dafür klingt sie sehr lange nach.

Das Achel Superior Blond ist ein idealer Begleiter für kräftige Käse. Auch kräftig gewürztes Asia-Essen passt hervorragend: Das Bier zähmt die Gewürze, ohne seinen eigenen Charakter zu verlieren.

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

De Achelse Kluis
de Kluis 1-A
3930 Hamont-Achel
Belgien
www.achelsekluis.be

A Continent of Beer

Haben Sie sich beim Biertrinken schon einmal gefragt, warum ausgerechnet dieses Getränk Europas Geschichte so eng begleitet? In diesem Videobeitrag der European Beer Consumers Union (EBCU) erfahren Sie, weshalb Bier im Mittelalter zum alltäglichen Grundnahrungsmittel wurde – quer durch alle sozialen Schichten. Tauchen Sie ein in die überraschende Vergangenheit des beliebtesten fermentierten Getränks der Welt und entdecken Sie, warum ohne Bier vieles in Europa ganz anders gelaufen wäre.

Nichtsdestotrotz ist die Bierszene in Europa nicht homogen, sondern die in den unterschiedlichen Ländern Europas angebotenen Bierstile unterscheiden sich deutlich. Ich werde in Zukunft in loser Reihenfolge hier auch Videos veröffentlichen, in der die besten Experten der EBCU die Bierstile ihres Landes vorstellen werden.

Das folgende Video ist wie auch die anderen Videos in englischer Sprache.

Der Finnische Bierverband kommentierte den Vorschlag der Regierung an das Parlament für ein Gesetz zur Änderung des Alkoholgesetzes

Die aktuelle Diskussion über die finnische Alkoholpolitik zeigt deutlich, dass das Land vor einem weiteren Schritt in Richtung Liberalisierung steht. Der Finnische Bierverband sieht Finnland gut vorbereitet, seine Regelungen zu modernisieren, denn der Alkoholkonsum im Land ist seit Jahren rückläufig und liegt inzwischen unter dem EU-Durchschnitt. Seit 2007 sinkt der Konsum kontinuierlich, und auch die Anhebungen der erlaubten Verkaufsstärke im Einzelhandel in den Jahren 2018 und 2024 haben den Konsum nicht erhöht. Vielmehr zeigt sich ein klarer Trend weg von starken hin zu milderen alkoholischen Getränken – und hin zu bewussterem, genussorientiertem Trinken.

Anikó Lehtinen, Präsidentin des Finnischen Bierverbands, betont, dass viele der von der Regierung geplanten Gesetzesanpassungen positive Auswirkungen für finnische Bierkonsumenten hätten. Besonders begrüßt wird, dass nationale Händler und Brauereien künftig ihre Biere online verkaufen und im ganzen Land liefern dürfen – vorausgesetzt, die Alterskontrolle ist gewährleistet. Das würde den Wettbewerb fairer gestalten, vor allem gegenüber ausländischen Händlern, die bereits heute deutlich hochprozentigere Produkte nach Finnland liefern dürfen. Der Verband fordert daher gleiche Regeln für alle Anbieter und eine klare gesetzliche Gleichstellung.

Der Bierverband sieht in liberalisierten Binnen-Lieferverkäufen eine große Chance: Kleinere Brauereien könnten neue Einnahmen erzielen, und Bierliebhaber in entlegenen Regionen bekämen Zugang zu einer deutlich breiteren Auswahl heimischer Biere. Die technischen Voraussetzungen für Alterskontrollen seien bereits gegeben, denn Transportunternehmen prüfen die Identität vieler Empfänger ohnehin. Zusätzliche bürokratische Hürden lehnt der Verband ab und plädiert dafür, bestehende Alkoholpässe um die Anforderungen für Fernverkauf und Lieferung zu erweitern.

Kritisch äußert sich der Verband jedoch zu geplanten Verschärfungen im Marketingbereich. Der Gesetzesentwurf sieht vor, Influencer-Marketing für sowohl milde als auch starke alkoholische Getränke in sozialen Medien vollständig zu verbieten. Auch Werbezeiten im Fernsehen und Radio sollen weiter eingeschränkt werden. Der Bierverband hält diese Verschärfungen für unnötig und widersprüchlich, insbesondere da der Alkoholkonsum unter Minderjährigen seit über 15 Jahren sinkt und strenge Regeln bereits existieren. Zudem sei gerade Influencer-Marketing für Bier in Finnland überwiegend geschmacks- und wissensorientiert und richtet sich an erwachsene Zielgruppen.

Besonders problematisch sei die fehlende Definition des Begriffs Influencer. Dadurch könnten im schlimmsten Fall auch Bierexperten, Blogger oder sogar normale Konsumenten betroffen sein, die online über verkostete Biere berichten. Aus Sicht des Verbands würde das nicht nur ehrliche, verantwortungsbewusste Kommunikation unterbinden, sondern auch den nationalen Influencern schaden, während internationale Akteure weiterhin frei über Bier und Alkohol berichten könnten.

Während der Gesetzentwurf den Zugang zu Alkohol in anderen Bereichen liberalisiert – beispielsweise durch Lieferverkauf und grenzüberschreitenden Onlinehandel – würde gleichzeitig die Kommunikation rund um milde alkoholische Getränke stark eingeschränkt. Dies sieht der Verband als widersprüchlich und fordert daher, das geplante Influencer-Verbot aus dem Entwurf zu streichen. Aus seiner Sicht reguliert das bestehende Gesetz das Marketing bereits ausreichend und schützt Minderjährige effektiv.

Insgesamt zeigt die Stellungnahme des Finnischen Bierverbands deutlich, dass das Land vor einer komplexen Neuausrichtung seiner Alkoholpolitik steht. Einerseits soll der Zugang zu Alkohol moderner und kundenfreundlicher gestaltet werden, andererseits drohen Einschränkungen, die nach Ansicht des Verbands nicht in die Zeit passen und sogar kontraproduktiv sein könnten. Die kommenden Monate werden zeigen, wie die finnische Regierung dieses Spannungsfeld auflösen wird – und welche Auswirkungen die Neuerungen auf die finnische Bierlandschaft und die Konsumenten haben.

Giesinger – Münchner Hell

Giesinger Bräu wurde 2006 im Münchner Stadtteil Obergiesing gegründet. Was als kleines Garagenprojekt begann, entwickelte sich über die Jahre zu einer der etablierten Privatbrauereien Münchens mit eigenem Braustandort, großem Sortiment und moderner Ausstattung.

Ein wichtiger Schritt war der Ausbau der Brauanlage im Norden Münchens, in Milbertshofen (WERK2), inklusive eines über 150 Meter tiefen Brunnens. Das so gewonnene Wasser gilt als klassisches „Münchner Wasser“ — eines der Kriterien, damit eine Brauerei ein offizielles „Münchner Bier“ herstellen darf.

Mit der Produktionserlaubnis für echtes Münchner Wasser und der Erfüllung weiterer Vorgaben (Stammwürze, Alkoholgehalt, Bitterkeit) ist Giesinger seit 2021 eine von nur wenigen Brauereien, die offiziell ein „Original Münchner Hell“ brauen dürfen. Dieses brachte Giesinger im Jahr 2021 auf den Markt, das nach allen traditionellen Kriterien gebraut wird: mit Münchner Wasser aus eigenem Tiefbrunnen, mit einer Stammwürze und Bitterkeit, die in den vorgeschriebenen Bereich fallen.

Goldgelb und kristallklar präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone ist recht klein, bleibt aber lange erhalten.

Das Bier duftet nach Getreide und hellem Malz, abgerundet durch blumige Noten. Mein erster Eindruck ist: das Münchner Hell ist ein ausgewogenes Bier ohne Ecken und Kanten. Mal sehen, ob sich dieser Eindruck auch der Zunge bestätigt.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße aus. Die Kohlensäure ist sehr feinperlig, dabei aber auch kräftig, ohne die Weichheit und Milde des Mundgefühls zu stören. Die Malzaromen stehen im Mittelpunkt und erinnern an Brotkruste, dazu kommt eine gut auf die Süße abgestimmte Bittere. Abgerundet wird der Geschmack durch einige grasige Noten. Jetzt zeigt sich, wie schlank der Körper und wie süffig das Bier ist. Und ja, auf der Zunge bestätigt sich mein Eindruck: das Bier ist sehr gut ausbalanciert. Auch in der Kehle bleibt die Bittere mild, während sich die blumigen Noten etwas verstärken.

Zu diesem Bier passt gut eine typische bayrische Brotzeit oder auch ein Schnitzel.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Bittereinheiten:

18 IBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Giesinger Biermanufaktur GmbH
Martin-Luther-Str. 2
81539 München
www.giesinger-braeu.de

All About … Italian Style Pilsner

Aus Italien mit Hopfen: Alles, was Sie über die Italian Style Pilsener wissen müssen – ein Webinar über Geschichte, Charakteristika und Herstellung eines ganz italienischen Bierstils.

Präsentiert von Agostino Arioli, Brauer und Gründer von Birrificio Italiano, und Matteo Contini, Unionbirrai Biersommelier.

Das Video stammt von der EBCU und ist in englischer Sprache.

De Achelse Kluis – Superior Dark

Die Achelse Kluis, im belgischen Ort Hamont-Achel in der Region Limburg gelegen, war lange Zeit eine der bekannten Klosterbrauereien Belgiens. Ursprünglich stammt die Gemeinschaft aus dem 17. Jahrhundert: 1686 wurde aus einer kleinen Kapelle ein Kloster.

Der Braubeginn im eigentlichen Sinne liegt im 19. Jahrhundert: Ab 1850 wurde erstmals – unter Mönchen – Bier produziert. Später entwickelte sich die Abtei zur offiziellen Klosterbrauerei mit regelmäßiger Produktion. Nach einem langen Stillstand während des 20. Jahrhunderts — insbesondere durch den Ersten Weltkrieg und die Demontage der Brauanlage 1917 — wurde der Betrieb erst 1998 wieder aufgenommen. Unterstützt wurde der Neustart durch erfahrene Mönche anderer berühmter Abteien wie Westmalle Abbey oder Rochefort Abbey. Mit der Wiederaufnahme ab 1998 gehörte Achel zu den offiziell anerkannten Trappisten-Brauereien und trug das Siegel Authentic Trappist Product (ATP).

Das machte die Biere zu Teil der exklusiven Gruppe der Trappistenbiere, die weltweit einen besonderen Stellenwert genießen. Doch 2021 kam der Einschnitt: Die letzten Mönche verließen das Kloster – damit war die Voraussetzung für das Trappistensiegel nicht mehr gegeben.  In der Folge verkaufte man 2023 die Abtei an einen privaten Unternehmer, wodurch Achel offiziell keine Trappistenbrauerei mehr ist.

Trotzdem soll die Produktion unter Beibehaltung der Rezepte weitergehen. Der neue Besitzer plant, die Produktionsmenge von zuletzt etwa 5.000 Hektolitern pro Jahr zunächst auf 12.000 und mittelfristig sogar auf 40.000 Hektoliter auszubauen.

Vor dem Statusverlust gehörten zur Produktpalette Biere mit verschiedenen Alkoholstärken, klassifiziert meist nach „Blond“ und „Bruin“ sowie stärkeren „Extras“. Typische Bierlinien waren z. B. „Achel Blond 8°“, „Achel Bruin 8°“ und die „Extra“-Versionen mit rund 9,5 % Alkohol. Der Braustil blieb auch unter dem neuen Eigentümer grundsätzlich klassisch belgisch: obergärig, mit kräftiger Malzbasis und – je nach Variante – dunklem Charakter oder goldener Farbe. Auch nach dem Wegfall des Trappistensiegels wird betont, dass an den Rezepturen und dem generellen Braustandard festgehalten wird. Jetzt ist es aber genug der Vorrede, öffne ich die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Im Glas präsentiert sich das Superior Dark in einem tiefen Dunkelbraun, das an Mahagoni erinnert. Die cremige, haselnussbraune Schaumkrone hält sich sehr lange.

In der Nase entfaltet sich ein komplexer Duft nach Karamell, braunem Zucker, Kakao und Trockenfrüchten wie Rosinen und Datteln. Dazu kommen feine Anklänge von Kakao, dunklem Holz und die typisch belgischen Hefewürzen, die dem Bier zusätzliche Tiefe verleihen. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine sehr feinperlige und trotzdem kräftige Kohlensäure aus, die dem Bier eine angenehme Spritzigkeit verleiht. Dazu kommt eine präsente und doch nicht dominante Malzsüße. Auf der Zunge zeigt sich die ganze Spannung zwischen dunklem Malz, fruchtigen Noten und einem Hauch dunkler Schokolade. Trotz seines kräftigen Alkoholgehalts wirkt das Superior Dark erstaunlich ausgewogen; die alkoholische Wärme ist spürbar, aber elegant eingebunden. Das Mundgefühl ist recht schwer und samtig-weich. In der Kehle dominieren bittere und süße Noten, nicht allzu intensiv und trotzdem langem Nachklang.

Kulinarisch ist das Achel Superior Dark ein vielseitiger Begleiter. Geschmorte Fleischgerichte wie Rinderbraten, Lammhaxe oder Wildragout harmonieren hervorragend mit der malzigen Tiefe. Auch kräftige Käsesorten wie alter Gouda oder Blauschimmelkäse passen wunderbar. Wer es süß mag, findet in Schokoladendesserts, Lebkuchen oder Fruchtkuchen ideale Partner für die warmen Aromen des Bieres.

Alkoholgehalt:

9,5 % Vol.

Bittereinheiten:

18 IBU

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

De Achelse Kluis
de Kluis 1-A
3930 Hamont-Achel
Belgien
www.achelsekluis.be

Ratsherrn bringt Helles Alkoholfrei auf den Markt

Zum Jahresende überrascht die Ratsherrn Brauerei aus dem Hamburger Schanzenviertel mit einer Neuheit, die perfekt in die heutige Zeit passt. Das beliebte Ratsherrn Helles gibt es ab sofort auch als alkoholfreie Variante. Damit reagiert die Brauerei auf den anhaltenden Trend zu alkoholfreien Bieren und den Wunsch vieler Konsumenten nach leichteren, bewussteren Genussmomenten. Das neue Ratsherrn Helles Alkoholfrei ergänzt das bestehende Angebot, zu dem bisher schon das Ratsherrn Pilsener 0,0 Prozent, der Milde Lime 0,0 Prozent sowie der Malztrunk gehören.

Die Entwicklung des neuen Bieres war für das Brauteam eine besondere Herausforderung. Braumeister Ian Pyle betont, wie wichtig es war, den typischen Charakter des Ratsherrn Hellen zu bewahren. Viele Testreihen und Brauversuche später ist es gelungen, eine alkoholfreie Variante zu schaffen, die geschmacklich kein Kompromiss ist. Das Helle Alkoholfrei überzeugt mit feinen Malznoten, zurückhaltenden Hopfenaromen und einem ausgewogenen, erfrischenden Körper. Es bietet damit den vollen Geschmack des Originals, nur ohne Alkohol.

Dass alkoholfreie Biere längst ihren Platz im modernen Alltag gefunden haben, zeigt sich auch in der Positionierung der Brauerei. Ratsherrn möchte weiterhin Biervielfalt für jede Lebenssituation bieten, ob nach dem Sport, beim Treffen mit Freunden oder beim entspannten Nachmittag im Park. Geschäftsführer Niklas Nordmann sieht das neue Helle Alkoholfrei als ideale Ergänzung, die genau zu diesen Momenten passt.

Optisch reiht sich das neue Bier nahtlos in das Markenbild der Brauerei ein. Gleichzeitig bleibt Ratsherrn seiner Philosophie treu: Regionalität und nachhaltige Produktion stehen im Mittelpunkt. Das neue Helle wird mit besten regionalen Zutaten gebraut und mit handwerklicher Sorgfalt umgesetzt.

Erhältlich sein wird das Ratsherrn Helles Alkoholfrei ab Mitte Dezember. Zu kaufen gibt es das Bier im klassischen Lebensmitteleinzelhandel, im Ratsherrn Store in der Schanze sowie im Onlineshop der Brauerei. Damit macht Ratsherrn den nächsten Schritt, modernen Biergenuss zeitgemäß weiterzuentwickeln und noch mehr Menschen anzusprechen, die vollen Geschmack ohne Alkohol suchen.

Hoppen un Molt – Summer Ale

Über die Brauerei Hoppen un Molt aus Warnemünde habe ich bereits bei der Beschreibung anderer Biere geschrieben. So kann ich jetzt direkt zur Verkostung des Summer Ale kommen.

Golden und mit leichter Hefetrübung strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Die feinporige weiße Schaumkrone ist nur klein, bleibt aber sehr lange erhalten.

Das Bier duftet fruchtig nach Zitrus und Honig, abgerundet durch einen angenehmen Karamellduft sowie den Duft hellen Malzes aus dem Hintergrund. Da freue ich mich doch auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist durch die kräftige Karbonisierung spritzig und überraschend trocken. Auf der Zunge stechen besonders die Aromen nach Zitrusfrüchten und Grapefruitkernen hervor. Zusammen mit dem schlanken Körper ist das Bier frisch und sehr süffig. In der Kehle übernimmt eine freundliche fruchtige Bittere das Kommando, ohne dabei zu kräftig zu werden. Trotzdem klingt der Geschmack sehr lange nach.

Zu diesem Bier passen gut indische Curries, überbackenes Baguette oder gebratenes Fischfilet.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Bittereinheiten:

20 IBU

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Hoppen und Molt
Friedrich-Barnewitz-Str. 3
18119 Warnemünde
www.hoppen-molt.de

Der Broyhan – ein Bier mit Legendenstatus und Renaissance

Wer durch die Altstadt Hannovers schlendert, stößt unweigerlich auf Spuren eines ganz besonderen Bieres: den Broyhan. Benannt nach seinem Erfinder Cord Broyhan aus dem Jahr 1526, war dieses Bier lange eine der bekanntesten Spezialitäten Norddeutschlands. Obwohl das Original längst aus den Braukesseln verschwunden ist, lebt seine Geschichte weiter – nicht nur im Stadtbild, sondern nun auch wieder im Glas. Die Gutshofbrauerei Das Freie in Rethmar bietet seit Frühjahr 2025 eine moderne Interpretation dieses historischen Getränks an.

Wenig konkrete Daten über das Original existieren heute. Viele Brauverfahren wurden mündlich überliefert, schriftliche Aufzeichnungen sind kaum erhalten. Dennoch rekonstruieren Historiker und Bierliebhaber durch alte Brauordnungen und zeitgenössische Beschreibungen das Profil des Broyhan: Sehr hell sollte er sein, fast wie junger Wein in der Farbe, mit einem süß-säuerlichen, angenehm weinähnlichen Geschmack und einem Duft, der Assoziationen an weißen Wein weckt – ergänzt durch spritzige Kohlensäure, die manchen zufolge beim Öffnen bis unter die Decke schoss.

Zugleich waren die Qualitätsanforderungen streng: Ein Broyhan musste klar, frisch und ohne Fehlgeschmack sein. Rauchmalz war ebenso tabu wie Bitterkeit oder muffige Noten. Das Malz stammte dabei aus luftgetrockneten oder schonend gedarrten Sorten – Gerste und Weizen bildeten die Basis, oft sogar mit höherem Weizenanteil als üblich. In einigen Regionen verwendete man Hopfen, in anderen verzichtete man ganz darauf. Manche überlieferte Rezepte wiesen sogar Gewürze oder Kräuter auf; das ursprüngliche Hannoversche Bier jedoch war schlicht und klar.

Die Brauweise war für damalige Verhältnisse vergleichsweise intensiv: Das Schroten und Maischen mit warmem und kochendem Wasser, das Läutern und mehrstündige Kochen der Würze sowie eine rasche Gärung in wenigen Tagen. Die relativ hohe Würzedichte sorgt bis heute für Spekulationen: Obwohl der Alkoholgehalt vermutlich moderat war, galt der Broyhan als kräftig und wirksam – ein Bier mit Charakter.

Im 18. Jahrhundert begann allerdings der Niedergang. Schlechte Wasserqualität, unzureichende Rohstoffhygiene und der Aufstieg neuer Getränke wie Kaffee, Tee und Spirituosen verringerten die Nachfrage. Der Broyhan verschwand fast vollständig aus dem Alltag – blieb jedoch als historische Erinnerung lebendig.

Mit der Neuauflage durch die Brauerei Das Freie bekommt diese Erinnerung nun einen greifbaren Geschmack. Die Neuinterpretation ist mehr als eine Hommage: Sie zeigt, dass traditionelle Braustile, wenn sie mit handwerklichem Bewusstsein modern umgesetzt werden, auch heute noch überzeugen können – mit Authentizität, Geschichte und Charakter. Wer ein Glas Broyhan trinkt, erlebt damit nicht nur ein Bier, sondern ein Stück Braukultur mit tiefen Wurzeln.

Dulion – IPA

Die Brasserie Dulion hat ihren Sitz in Rillieux-la-Pape (Rhône, Region Auvergne-Rhône-Alpes in Frankreich). Die Brauerei verfolgt ein ungewöhnliches, ökologisches Braukonzept: Statt klassisch gemälzter Gerste nutzen sie sogenanntes „Raw Grain Brewing“. Das heißt: Die Brauerei verarbeitet Rohgetreide (z. B. Gerste, Weizen, auch alternative Getreidesorten), das sie gemeinsam mit lokalen Bio-Landwirten liefert — von der Ernte bis zum Endprodukt. Damit sparen sie Energie und Wasser und setzen auf Rückverfolgbarkeit. Dulion versteht sich als „Future Tradition“: Die Brauerei will zeigen, dass handwerkliches Bierbrauen und nachhaltige, regionale Landwirtschaft zusammenpassen können.

Golden und opalisierend mit einer feinporigen schneeweißen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum bleibt sehr lange erhalten.

Das Bier duftet nach Limetten und Grapefruit, dazu kommen florale Noten und ein ganzer Korb voll Südfrüchte. Bei der Auswahl der Hopfen haben die Brauer ein sehr glückliches Händchen gehabt.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine kräftige Karbonisierung aus, die dem Bier eine ordentliche Frische verleiht. Das Mundgefühl ist schlank, wobei auf der Zunge eine kräftige und trotzdem freundliche Bittere auftaucht, hinter der die Fruchtigkeit zurücktritt. In der Kehle wird das Bier trockener und die Bittere legt noch einen Zahn zu. Zusammen mit der Fruchtigkeit klingt die Bittere sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerste, Weizen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Farbe:

6 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Dazu passt:

würziger Käse, Indische Curries, gegrilltes Gemüse

Brauerei:

Brasserie Dulion-Lyon
130, Avenue de l’Industrie
69140 Rilleux-La-Pape
Frankreich
www.brasseriedulion.com