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La Goudale

Das Bier, das jetzt vor mir steht, habe ich mir mitgebracht, als ich vor einiger Zeit in Lyon bei einem Bierwettbewerb als Juror tätig war. Dort ist mir aufgefallen, dass sich in Frankreich in den letzten eine neue Bierkultur entwickelt hat, die sich an der belgischen Bierszene orientiert. Frankreich ist also kein reines Weinland mehr. Die Orientierung an der belgischen Bierkultur geht so weit, dass das Bier, das jetzt vor mir steht, sogar einen belgischen bzw. niederländischen Namen hat. Übersetzt heißt es Goldale.

Gebraut wird dieses Bier in Nordfrankreich in der kleinen Gasthausbrauerei „Le Brasseus de Gayant“. Diese Brauerei gibt es seit 1919. Das Rezept und die Idee des Bieres „La Goudale“ sind aber noch älter. Sie stammen bereits aus dem 14. Jahrhundert. Damals wurden die guten Biere „Goudale“, „Goudalle“, oder auch „Good Ale“ genannt. Es wurde für 2 Denare pro Topf bei einem Händler namens „der Goudalier“ verkauft. Von dieser guten Tradition haben die Bierbrauer in der Brauerei Gayant das Können und den wirklich recht ansprechenden Namen behalten, der allein schon eine ganze Geschichte ist.

Goldfarben und gefiltert fließt das Bier ins Glas. Dabei entwickelt sich eine kleine feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Karamell und gelben Pflaumen. Abgerundet wird das Aroma durch kräftige würzige Noten des Korianders sowie durch den Geschmack der Orangeschalen.

Der Antrunk ist recht süß. Auffällig ist die kräftige Kohlensäure. Die Süße bleibt auch auf der Zunge erhalten und wird dort durch Anklänge von Waldhonig und die fruchtigen Aromen der Orangenschale ergänzt. Abgerundet wird der Geschmack durch die Würze des Korianders sowie durch ein leichtes freundliches Bitter. Zusammengenommen ergeben die Geschmackseindrücke ein weiches bis samtiges Mundgefühl. Im Abgang wird das Bier trockener, das Bitter wird etwas kräftiger und es klingt sehr lange nach.

Das La Goudale ist ein angenehmes frisches Bier aus Frankreich, das deutlich in der Tradition belgischer Biere steht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Reis, Fructose-/Glucose-Sirup, Hopfen, Koriander, Orangenschalen

Alkoholgehalt:

7,2 % Vol.

Bittereinheiten:

28 IBU

Farbe:

13 EBC

Brauerei:

Brasserie Goudale
Avenue Isaac Newton
62510 Arques
www.brasserie-goudale.com

Brasserie du Mont Blanc – La Blonde

Als ich im März in Lyon war, habe ich in einem Supermarkt das La Blonde aus der Brasserie du Mont Blanc gefunden. Ich muss zugeben, dass ich die Brauerei nicht kannte. Inzwischen habe ich etwas recherchiert und dabei festgestellt, dass die Biere der Brauerei eine ganze Reihe an Preisen gewonnen haben. La Blanche du Mont-Blanc hat 2015 eine Auszeichnung erhalten und wurde zum besten Weißbier der Welt in allen Kategorien gekürt. Mit dieser Auszeichnung ist die Brasserie du Mont-Blanc die erste Handwerksbrauerei, die in den elitären Club der acht Gewinner aufgenommen wurde. Dieser Preis ist ein außergewöhnlicher Erfolg, da über 1 000 Biere aus 30 Ländern am Wettbewerb teilnahmen. Bereits 2013 war das Blanche zum besten Weißbier der Welt in seiner Kategorie gewählt worden. Im Jahr 2017 war die Brasserie du Mont Blanc beim Internationalen Brauereiwettbewerb die erste französische Brauerei seit ihrer Gründung, die einen weltweiten Goldtitel erhielt. La Rousse du Mont Blanc wurde kürzlich beim Internationalen Brauereiwettbewerb, einem der renommiertesten internationalen Wettbewerbe, an dem mehr als 2.000 Biere aus 46 Ländern teilnehmen, zum besten Bier der Welt gewählt. 2014 wurde La Rousse du Mont-Blanc bei den Global Craft Beer Awards erneut als weltbestes Amberbier ausgezeichnet. Bereits 2011 war La Rousse bei den World Beer Awards zum besten Bernsteinbier der Welt gekürt worden. Auch wenn sich das La Blonde nicht unter den Preisträgern findet, kann ich wohl mir Fug und Recht davon ausgehen, dass auch die anderen Biere aus La Motte-Servolex wirklich gut sind. So kann ich beruhigt die Flasche öffnen und mir das Bier einschenken.

Golden und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber prangt eine durchschnittlich große Krone aus sahnigem Schaum, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier eine sehr gute Figur.

Das Bier duftet nach Brotkrume, abgerundet mit einigen würzigen Noten sowie fruchtigen Noten nach Zitrone.

Der Antrunk ist mit seiner zurückhaltenden Süße und der feinperligen Kohlensäure sehr angenehm. Auf der Zunge kommt die Fruchtigkeit nach vorne, die jetzt nicht nur an Zitrusfrüchte erinnert, sondern auch an getrocknete Birnen. Bitter ist nur wenig zu schmecken. Dafür ist das Mundgefühl angenehm weich. Auch der Abgang ist fruchtig mit einer angenehmen Säure und Würzigkeit, die leider nur kurz nachklingt.

Das La Blonde der Brasserie du Mont Blanc eignet sich im Sommer gekühlt gut als Erfrischung im Freien.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Mais, Hafer, Hopfen, Kräuter

Alkoholgehalt:

5,8 % Vol.

Bittereinheiten

17 IBU

Farbe

10 EBC

Brauerei:

Brasserie du Mont Blanc
128, avenue René Cassin
73290 La Motte-Servolex
Frankreich
www.brasserie-montblanc.com

Maisel & Friends – Jeff’s Bavarian Ale

Den Bayern ist ihr Weißbier bekanntlich heilig. Trotzdem haben sich die Brauer von Maisel & Friends an diesen Klassiker gewagt und ihn vollkommen neu interpretiert. Herausgekommen ist Jeff’s Bavarian Ale, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist elfenbeinfarben und bleibt lange erhalten.

Düfte nach Banane und Brotkrume sowie nach schwarzen Johannisbeeren steigen mir in die Nase, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße aus. Obwohl die feinperlige Kohlensäure eher knapp dosiert ist, passt sie doch zur Süße. Auf der Zunge kommt die Fruchtigkeit in den Vordergrund. Die Aromen siegeln sich, begleitet durch ein passendes Bitter. Das Mundgefühl ist rund und weich und die 7,1 Volumenprozent Alkohol wärmen. Der Abgang wird sowohl durch ein mildes freundliches Bitter als auch durch die Fruchtigkeit ausgezeichnet, wobei die Fruchtigkeit länger nachklingt als das Bitter.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,1 % Vol.

Stammwürze:

17° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

9° – 11° Celsius

Brauerei:

Maisel & Friends
Hindenburgstraße 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Insel-Brauerei – Baltic Farm

Das Farmhouse Ale ist ein alter belgischer Bierstil, der ursprünglich auf den Bauernhöfen für die Tagelöhner auf den Feldern gebraut wurde. Wir können wohl mit Fug und Recht davon ausgehen, dass es sich dabei früher um ein recht dünnes Bier mit manchmal zweifelhaftem Geschmack gehandelt hat. Heute sieht die Welt anders aus und das Farmhouse Ale ist ein Bierstil, der mit seiner Vielseitigkeit und Qualität zu begeistern weiß. Dies gilt insbesondere, wenn das Bier wie in diesem Fall aus einer Brauerei stammt, die für ihre hervorragenden Biere bekannt ist. Und wenn das Bier auch noch im Jahr 2020 sowohl bei den World Beer Awards als bestes deutsches Bier als auch bei Meiningers International Craft Bier Awards mit Gold ausgezeichnet wurde, kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen.

Kupferfarben und hefetrüb strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber prangt eine durchschnittlich große feste und schneeweiße Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Optisch ist das Bier eine Pracht.

Das Aroma ist fruchtig. Düfte nach Mandarine und Orange, nach Melone und Biskuit steigen mir in die Nase. Dieser frische und appetitliche Duft macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist durch die Malzsüße sowie eine kräftige Kohlensäure geprägt. Schnell kommen der Geschmack der typischen belgischen Hefe sowie eine angenehme fruchtige Säure dazu, die durch ein leichtes Bitter begleitet wird. Zusammen mit einige würzigen Noten ergibt sich ein angenehmes und volles Mundgefühl. Im Abgang wird das Bier trockener und das Bitter kommt in den Vordergrund. Der Geschmack klingt sehr lange nach.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Traubenzucker, Naturhopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei GmbH
Hauptstraße 2 c
18573 Rambin auf Rügen
www.insel-brauerei.de

Green King – Rocking Rudolph

Was wäre Weihnachten ohne Rudolph, das Rentier mit der roten Nase? Das hat sich auch die Green King im englischen Suffolk gedacht und kreiert bereits seit mehreren Jahren zu Weihnachten ein Christmas Ale mit Namen Rocking Rudolph. Mit lediglich 4,2 Volumenprozent Alkohol gehört es zu den leichteren Bieren seiner Art. Auffällig ist die nicht eingefärbte Flasche, was mich besonders bei einem Bier mit einer zweiten Gärung in der Flasche verwundert. Schließlich sind das Biere, die sich noch weiterentwickeln und die daher besonders vor Licht geschützt werden sollten. Na ja, dann will ich die Flasche mal öffnen und den Inhalt verkosten.

Leuchtend rot wie Rudolphs Nase in diversen Weihnachtsschnulzen präsentiert sich das Bier im Glas. Die kleine elfenbeinfarbene Schaumkrone fällt schnell in sich zusammen.

Rote Johannisbeeren sind das erste Aroma, das mir in die Nase steigt. Dazu kommt die gesamte Bandbreite an Karamellaromen, abgerundet durch einen Hauch gerösteter Haselnüsse. Obwohl das Bier nur 4,2 Volumenprozent Alkohol enthält, kommt dessen Geruch ebenfalls deutlich zum Tragen.

Süß und nach Rosinen schmeckend – das ist der erste Eindruck, den das Bier auf der Zunge hinterlässt. Dazu kommt eine feinperlige und trotzdem kräftige Kohlensäure. Auf der Zunge kommen die Bitterstoffe in den Vordergrund und verbinden sich mit den fruchtigen Aromen. Das Mundgefühl ist weich, aber schlank. Im Abgang wird das Bier etwas trockener und das Bitter kommt mit einem sehr langen Nachklang zum Tragen.

Sicherlich hat dieses Bier seine Liebhaber, aber ich gehörte nicht wirklich dazu.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pale Ale, Crystal Malz), Hopfen (Challenger, Target, Pilgrim, First Gold, Bramling Cross, Tettnanger), Hefe

Alkoholgehalt:

4,2 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

Greene King plc Westgate Brewery
Westgate Street Abbot House
IP33 1QT Bury St. Edmunds
Großbritannien
www.greenekingbrewery.co.uk

St. Bernardus – Extra 4

Extra 4 ist der jüngste Spross der renommierten St. Bernardus-Familie. Die Brauerei verspricht ein erfrischendes blondes Bier. Das Extra 4 wird jedes Jahr im Frühling und Sommer gebraut, aber in einer Menge, die mindestens bis in den Spätherbst ausreicht. Jedenfalls habe ich das Bier jetzt im Dezember erhalten und werde es jetzt verkosten.

Hell goldfarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die reinporige Schaumkrone ist voluminös und bleibt sehr lange erhalten.

Frisch ist der erste Eindruck, den das Bier in meiner Nase hinterlässt. Malzige Aromen mischen sich mit blumigen und fruchtigen Düften, wobei sich der Duft nach Zitrusdüften diskret im Hintergrund hält.

Der Antrunk ist recht süß, was aber durch eine passende Carbonisierung ausgeglichen wird. Auf der Zunge kommt die Fruchtigkeit mehr in den Mittelpunkt. Dabei werden die Zitrusnoten nicht dominant, sondern sie passen gut zur Süße. Einige würzige Noten nach weißem Pfeffer und Nelken treten auf den Plan. Ich würde mir jetzt etwas mehr Bitter wünschen, aber das ist ein individueller Eindruck. Das Mundgefühl ist überraschend schlank. Im Abgang werden die Fruchtigkeit und auch das Bitter kräftiger und diese Geschmackseindrücke klingen sehr lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

30 IBU

Farbe:

9 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 10° Celsius

Brauerei:

St.Bernardus
Trappistenweg 23
8978 Watou
Belgien
www.sintbernardus.be

Schoppe – Brut Ale

Im Jahr 2001, also vor mittlerweile 20 Jahren, wurde Schoppe Bräu in Berlin gegründet. „Hopfen, Malz und Muskelschmalz“ ist das Motto von Gründer Thorsten Schoppe, dem er auch heute noch treu ist. Von dort stammt das BrutxAle mit dem Untertitel Schampus der Straße, das jetzt vor mir steht.

Der Untertitel st nicht zufällig gewählt, sondern das Ale, das jetzt vor mir steht, wurde mit Champagnerhefe vergoren. Biere, die mit Wein-, Sekt- oder Champagnerhefe hergestellt wurden, sind meist etwas stärker als die gewöhnlichen deutschen Biere und sie haben etwas Besonderes an sich, das zumindest mir sehr gut gefällt und ich frage mich, weshalb mit diesen Hefen nicht häufiger gebraut wird.

Bernsteinfarben und hefetrüb läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine relativ kleine feinporige Schaumkrone, die sich bis auf einen Rest schnell auflöst.

Das Aroma ist fruchtig nach Zitrone, Ananas und Vanille, aber auch das Malz kommt mit seinem Duft nach Brotkrume zu seinem Recht.

Der Antrunk zeigt, dass dieses Bier seinen Namen zu Recht trägt, denn er ist trocken, aber durch die feinperlige Kohlensäure angenehm frisch. Auf der Zunge ist es fruchtig, fast wie ein Multivitaminsaft. Ich schmecke Orange, Pfirsich und Apfel. Aus dem Hintergrund kommen noch die Noten nach Brot und Waldhonig. Eine leichte Säure erinnert an Weißwein. Zusammen mit dem weichen Mundgefühl kann mich das Bier wirklich begeistern. Obwohl der Abgang sich durch eine wirklich mild-bittere Fruchtigkeit auszeichnet, klingt er lange nach.

Das BrutxAle ist ein ungewöhnliches Bier. Etwas in dieser Art würde ich mir häufiger wünschen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Wiener Malz, Pilsner Malz), Weizenmalz, Hopfen (Hallertauer Blanc, Mosaic, Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 9° Celsius

Brauerei:

Schoppe Bräu GmbH
Schönhauser Allee 176
10119 Berlin
www.schoppebraeu.de

Grüner Anarchist – Geile Zig

Grüner Anarchist ist eine Brauerei in Franken. Die Philosophie des Unternehmens wird auf der Website der Brauerei so dargestellt: „Bei Grüner Anarchist bringen wir dich endlich wieder zurück zu den echten, inneren Werten. Traditionelles Brauhandwerk trifft auf beste, natürliche und regional angebaute Zutaten, die der Grüne Anarchist zu einem einzigartigen Geschmacksprofil zusammensetzt. Und warum? Weil wir endlich wieder eine Biermarke brauchen, die nicht nur geschmacklich überzeugt, sondern auch die inneren Werte schätzt und pflegt. Denn das ist grüne Anarchie! Echtes Handwerk – Echt Natur – Echt anders. Das ist Grüner Anarchist.

Wir von Grüner Anarchist verbinden ursprüngliche, handwerkliche Braukunst mit den kreativen Ideen der Craft Beer Bewegung. Natürlich gebraut legen wir bei all unseren Sorten besonders viel Wert auf natürliche Rohstoffe – denn die besten Inhaltsstoffe sind für uns gerade gut genug!

Natürliche Bio-Malze und Bio-Hopfen bilden den Körper und die Seele unserer Biere.

Besonders unsere „Alten Landmalzsorten“, die noch nicht zu Hochleistungszüchtungen der Agrarindustrie stilisiert worden sind, bringen einen einzigartigen Geschmack in alle Biere von Grüner Anarchist. Immer ganz nach dem Motto: Echtes Handwerk, Echt Natur, Echt anders!“

Das klingt doch soweit schon mal gut. Nur eines macht mich stutzig – die Brauer schreiben mehrfach von Rohstoffen aus biologischer Erzeugung. Auf den Etiketten ist aber keines der bekannten Biosiegel abgedruckt. Das muss nichts heißen, aber irgendwie hätte ich dafür schon gerne eine Begründung. Aber gut, wende ich mich jetzt dem Bier zu.

Hell goldfarben und leicht hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Die Aromen des Hopfens stürmen meine Nase. Ich rieche Düfte nach Zitrusfrüchten und Melone, dazu grasige Noten. Abgerundet wird das Aroma durch die Karamellnoten des Malzes, die sich aber im Hintergrund halten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Süße aus. Obwohl die sehr feinperlige Kohlensäure vergleichsweise zurückhaltend eingesetzt wurde, wirkt das Bier frisch und angenehm. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen wider und es gesellt sich noch der Geschmack nach frisch geernteten Kräutern dazu. Die Bitterkeit des Hopfens hält sich überraschend im Hintergrund, während die Süße erhalten bleibt und für ein volles Mundgefühl sorgt. Erst im Abgang kommt das Bitter in den Vordergrund, wo es aber weiterhin mild und diskret bleibt, aber trotzdem überraschend lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

12 ° Plato

Bittereinheiten:

40 IBU

Brauerei:

Brauhaus Binkert
Westring 5
96149 Breitengüßbach
www.mainseidla.de

für

Grüner Anarchist
Am Riegel 3
97783 Karsbach
www.grüneranarchist.de

Braukraft – Sud-Terrain

Es ist doch immer wieder interessant, zu sehen, wie die deutschen Kreativbrauer zu ihrem Beruf und damit zu ihrer Passion gekommen sind. So auch in diesem Fall. Mathias Lottes war Verkehrspilot und flog acht Jahre durch die ganze Welt. Von seinen Reisen brachte er seinen Freunden häufig besondere Biere mit. Es war da nur eine Frage der Zeit, bis die Frage aufkam, weshalb es so etwas hier nicht gibt. Daher begann er als Hobbybrauer. Weil von dem Bier aber fast nie etwas übrigblieb (schließlich wollten alle etwas abhaben), beschloss er, alles eine Nummer größer zu machen. Er holte Braumeister Florian Ceppa dazu und nun brauen die beiden in Gilching ihre neun kreativen Biere. Von diesen Bieren steht jetzt das Sud Terrain vor mir, von dem die Brauer sagen, dass es im Stil eines Kölsch gebraut sei (Kölsch dürfen die beiden das Bier nicht nennen, da der Name dieses Bierstils von den Brauern in Köln geschützt ist und Kölsch ausschließlich in Köln gebraut werden darf).

Das Etikett mit dem Henker könnte doch glatt aus Belgien stammen. Auf dem Rückenetikett haben die Brauer eine kleine Geschichte verewigt, die ich hier noch zum Besten geben will: „Seyfried von dem Turme, ritterlicher Nachfahre aus Tirol, war der Kunst des Brauens verfallen. Auf seiner Burg verkochte er verschiedenste Zutaten zu wohlschmeckenden Suden. Einzig sein Vater hatte den Duft satt und verbannte ihn ins Untergeschoss der Festung. Obwohl kaum noch Tageslicht zur Verfügung stand, war er in der Lage, diese hervorragende Spezialität zu ersinnen. Das Rezept dafür steht immer noch eingeritzt auf einem Stein in der Wand…“ Über den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte kann ich allerdings keine Angaben machen. Wenden wir uns jetzt also von den Etiketten ab und dem Inhalt der Flasche zu.

Die Farbe ist helles Bernstein mit sehr viel Hefe. Es bildet sich eine voluminöse grobporige Krone aus weißem Schaum, die lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet malzig süß, dazu kommen die Aromen von Hefe sowie Zitrusnoten. Obwohl weder die Optik noch das Aroma an Kölsch erinnern, gefällt mir das Bier bis hier sehr gut.

Der Antrunk ist recht süß, aber da das Bier reichlich Kohlensäure enthält, ist er doch spritzig und angenehm. Dazu trägt auch die leichte Fruchtigkeit bei, die vom ersten Moment an zu schmecken ist. Das Bier verteilt sich um Mund und jetzt kommt der Geschmack der Hefe zum Tragen. Jetzt kann ich auch die Fruchtigkeit besser identifizieren, sie bringt den Geschmack von Limone ins Bier. Dazu kommt aber noch ein weiterer Geschmack, den ich nicht identifizieren kann, den ich aber eindeutig als Fehlgeschmack erkenne. Er lässt sich am besten als leichte Muffigkeit beschreiben. Dieser Geschmack steht nicht im Vordergrund, aber er stört mich doch. Im Abgang geht diese Muffigkeit in ein freundliches Bitter über, das lange nachklingt.

Das Sud Terrain von Braukraft ist ein sehr spezielles Bier. Im Aroma, im Antrunk und Abgang gefällt es mir sehr gut, aber der Fehlgeschmack im Körper stört mich doch sehr. Da sollte die Brauerei noch einmal etwas nachsteuern; dann könnte daraus ein richtig gutes Bier werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,1 % Vol.

Brauerei:

Braukraft
Münchnerstr. 20
82205 Gilching
www.braukraft.de

Iron Maiden – Trooper Ale

Wenn zwei Craft-Brauereien sich zu einem Collaboration-Brew zusammenfinden, bringen sie meist das Beste aus beiden Brauereien zusammen und dementsprechend gut sind auch die Biere, die dabei entstehen. Aber wie sieht es bei einem Collaboration-Brew zwischen einer Brauerei und einer Heavy Metal-Band aus? Das will ich heute herausfinden. Für das Iron Maiden Trooper haben sich die Robinsons Brewery im englischen Stockport und Bruce Dickinson, der Sänger von Iron Maiden, zusammengetan. Die Brauerei beschreibt das Ergebnis dieser Zusammenarbeit wie folgt: Trooper ist ein britisches Premiumbier, das durch Iron Maiden inspiriert und in der Robinsons Brewery handwerklich gebraut wurde. Malzaromen und Zitrusnoten aus einer einmaligen Mischung der Hopfensorten Bobec, Goldings und Cascade dominieren dieses tiefgoldene Ale mit einem Hauch Limone. Mal sehen, wie mir dieses Bier mundet.

Bernsteinfarben und klar zeigt sich das Bier im Glas. Es bildet sich eine durchschnittliche Menge sahniger Schaum mit einem Stich ins Beige, der durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt. Mir fällt auf, dass keine Kohlensäure zu sehen ist.

Das Aroma ist süßlich mit Röstaromen sowie den Düften nach Karamell, Honig und einigen Zitrusfrüchten. Ich bin mir in diesem Fall nicht sicher, was ich davon halten soll.

Die Geschmackseindrücke bestätigen die Wahrnehmungen meiner Nase. Der Antrunk ist recht süß, wobei die Süße durch die sehr feinperlige Kohlensäure etwas relativiert wird. Schnell drängt sich der Geschmack nach Limonen in den Vordergrund, begleitet von einem gut abgestimmten Bitter. Das Bitter verstärkt sich im Abgang und es klingt lange nach.

Anfangs war ich bei diesem Bier recht kritisch, aber während des Trinkens spricht es mich immer mehr an. Es wundert mich nicht, dass die Robinsons Brewery mit diesem Bier einen phänomenalen Erfolg hat und es zum erfolgreichsten Craft Beer von der Insel geworden ist.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Bobec, Goldings, Cascade), Hefe

Alkoholgehalt:

4,7 %

Brauerei:

Frederic Robinson LTD
Stockport
SK1 1JJ
Großbritannien
www.ironmaidenbeer.com