Archiv der Kategorie: Craft Beer

Maisel & Friends – Marc’s Chocolate Bock

Jetzt steht mal wieder ein Bier aus dem fränkischen Bayreuth vor mir, Marc’s Chocolate Bock stammt aus der Reihe der Signature Biere, einer Reihe, die lediglich drei Biere umfasst und damit wohl als die exklusivste Serie von Maisel betrachtet werden kann.

Schon der Name des Bieres sagt eine Menge über das Bier aus. Schokoladige Noten, die kräftig genug sind, um im Namen aufzutauchen, würde ich eher bei einem Stout erwarten. Damit sagt mir bereits der Name dieses Bieres, dass es sich um einen Hybrid eines Bockbiers mit einem Stout handeln könnte. Mal sehen, ob das Bier diesen Anspruch erfüllt oder ob ich eventuell in den Namen zu viel hineininterpretiere.

Praktisch blickdicht schwarz fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine kleine hellbraune Schaumkrone, die aber lange erhalten bleibt. Optisch macht das Bier schon mal eine gute Figur.

Dunkle Schokolade dominiert das Aroma, zusammen mit dem Duft frisch gerösteter Kaffeebohnen. Abgerundet wird das Aroma durch den Duft nach gerösteten Haselnüssen und einem Hauch getrockneter Blaubeeren. Nicht zu vergessen die Karamellsüße.

Im Antrunk präsentiert sich das Bier mit einer mäßigen Süße, weniger als ich aufgrund des Aromas erwartet habe, und einer reichlichen Gabe Kohlensäure. Aber dann kommt es auf der Zunge zu einer wahren Geschmacksexplosion. Dunkle Schokolade vereint sich mit Karamell, dazu kommt eine leichte Rauchnote. Dazu kommt eine leichte Fruchtigkeit, die mich jetzt eher an Preiselbeeren denken lässt. Alle Geschmackskomponenten sind wunderbar aufeinander abgestimnt, so dass sich ein weiches und leichtes Mundgefühl ergibt. Auch der Alkohol ist gut eingearbeitet und unterstützt die anderen Geschmackseindrücke, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen. Im Abgang wird das Bier trockener und der Geschmack nach Schokolade tritt mehr in den Vordergrund. Anfangs fehlt mir ein wenig das Bitter, das sich dann aber entwickelt und sehr lange nachklingt.

Marc’s Chocolate Bock ist ein Bier, das mit seiner geschmacklichen Tiefe, seiner Leichtigkeit und Drinkability wirklich überraschen kann. Es eignet sich gut als Begleitung zu Wildgerichten oder auch hellen Desserts.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Stammwürze:

17,4° Plato

Bittereinheiten:

23 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 12° Celsius

Brauerei:

Brauerei Gebrüder Maisel KG
Hindenburgstraße 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Chapeau Fraises

Mittlerweile habe ich die meisten Biere aus der Serie Chapeau der Brouwerij De Troch verkostet und beschrieben, so dass es über die Brauerei und die Biere als solches eigentlich nichts mehr zu sagen gibt. Als eines der letzten Biere steht jetzt das Chapeau Fraises vor mir, ein gesüßtes Lambic, das laut Etikett mit 20 % Erdbeeren gebraut wurde.

Braun wie Erdbeersaft, der zu lange dem Sauerstoff ausgesetzt war, fließt das Bier ins Glas. Eine Schaumkrone ist praktisch nicht vorhanden, was bei Lambic-Bieren aber stiltypisch ist.

Auch das Aroma ist stiltypisch mit der fruchtigen Säure und dem Duft nach Kandis. Erdbeeraroma stelle ich nur in geringem Maße fest.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie sehr wenig feinperlige Kohlensäure aus. Erst als sich das Bier auf der Zunge verteilt, kommt eine kräftige Säure zum Tragen, die an einen guten Essig erinnert. Den Geschmack von Erdbeeren kann ich bestenfalls erahnen. Das Mundgefühl ist voll und samtig, das Bier macht fast einen dickflüssigen Eindruck. Auch der Abgang ist recht sauer, ansonsten mild mit sehr kurzem Nachklang.

Von allen Bieren aus der Reihe Chapeau, die ich bislang verkostet habe, gefällt mir das Fraises am wenigsten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Zucker, Aromen, Erdbeeren (20 %)

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Troch
Langestraat 20
1741 Wambeek
Belgien
www.detroch.be

Liquid Story – All Night Long

Aus Braunschweig stammt die Liquid Story Brewing Company, von der jetzt das erste Bier vor mir steht. Die beiden Gründer, Lukas & Sophia, haben ein Faible für leckere Biere und stehen am Anfang einer hoffentlich großartigen Geschichte. Immer mehr kleine Brauereien versuchen durch kreative Ansätze und Neuinterpretationen etablierter Bierstile ihre Biere geschmacklich von der breiten Masse zu differenzieren und nachhaltig für mehr Geschmacks- und Biervielfalt zu sorgen. Und genau hier wollen die beiden Niedersachsen mitmischen und ziehen als Gypsy-Brauer zu befreundeten Brauereien, wo sie die Biere herstellen, mit denen sie uns erfreuen wollen. Aber genug der Einleitung. Öffne ich jetzt die Flasche und gieße mir das Session IPA ein.

Gelb mit einem Stich ins Orangefarbene präsentiert sich das Bier im Glas. Auffällig sind die sehr kräftige Hefetrübung und die recht kleine sahnige Schaumkrone, die aber sehr lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Grapefruit, Ananas und Mango, nach Zitrone und Vanille.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine dezente Süße sowie sehr viel Kohlensäure aus. Auf der Zunge kommt ein leichtes freundliches Bitter dazu und die fruchtigen Aromen spiegeln sich auf der Zunge. Das Mundgefühl ist schlank; trotzdem ist das Bier wirklich erfrischend. Im Abgang fällt mir das für ein IPA immer noch sehr leichte Bitter auf, das auch relativ kurz nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Dinkelmalz, Hafermalz, Hopfen (Mosaic, Sabro, Centennial), Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Brauerei:

Hohmanns Brauhaus
Florengasse 3-5
36037 Fulda
www.hohmanns-brauhaus.de

für

Liquid Story Brewing UG
Calvördestr. 11
38118 Braunschweig
www.liquid-story.com

Black Bean Stout

Jetzt steht ein neues Bier aus Österreich vor mir. Das Black Bean Stout hat Bierpapst Conrad Seidl in seinem BuchBier Guide 2022 unter der Überschrift Bier-Innovationen wie folgt beschrieben: „Schwarze Bohnen haben einen leicht bitteren Geschmack – und gemeinsam mit dem ‚Bohna Vista – local hub‘ entwickelte der Lebensmitteltechnologe Roland Pöttschacher die Idee, diese Bittere und das Eiweiß von Bohnen aus der Region Rosalia, vom Pöttschinger Bohnenbauern Harald Strassner, in einem Bio-Bier zu nutzen. Tiefschwarz und mit dunkelbraunem, sehr üppigen Schaum liegt dieses Bier im Glas. Es duftet nach Bohnen und Kaffee, zeigt starke, etwas brenzlige Röstaromen. Der Antrunk ist erfrischend spritzig, aber mald macht sich eine Süße bemerkbar, die an Trinkschokolade erinnert. Gegen den Nachtrunk hin gewinnt die Bittere die Oberhand, was für eine gute Balance von zwei sehr starken Geschmackseindrücken im Finish sorgt.“

Da lässt sich ja kaum noch etwas hinzufügen. Aber ich habe das Bier vor mir stehen und werde es jetzt verksoten. Ich bin gespannt, ob ich die gleichen Sinneseindrücke habe wie Conrad. Blickdicht schwarz mit sehr viel festem haselnussbraunem Schaum präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone bleibt auch sehr lange erhalten. Selten hatte ich ein Stout, das mich so angesprochen hat.

Wie die Optik ist auch das Aroma hervorragend. Düfte nach dunkler Schokolade mischen sich mit süßen Noten, die an Kandis erinnern. Aus dem Hintergrund kann ich die Bohnen riechen, die auch ein angenehmes Kaffeearoma mitbringen. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Süß und durch die reichlich vorhandene kräftige Kohlensäure spritzig – das ist der erste Eindruck, den das Bier beim Kontakt mir der Zunge vermittelt. Schnell kommen die Röstaromen mit dem Geschmack nach Kaffee in den Vordergrund. Gleichzeitig kommen auch die Bohnen zum Zuge. Auch wenn ich mir diese Kombination vorher nur schwer vorstellen konnte – Röstaromen und Bohnen passen sehr gut zusammen, besonders wenn sie wie hier durch ein verhaltenes Bitter begleitet werden. Zusammen ergibt sich ein sehr volles Mundgefühl. Bitter und süß ist auch der Abgang, der in der Kehle durchschnittlich lange nachklingt.

Das Black Bean Stout ist ein komplexes und trotzdem leicht zu trinkendes Bier. Ich würde mir wünschen, dass es auch in Deutschland erhältlich wäre; ich würde es mir häufiger mal kaufen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Schwarze Bohnen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,9 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Kobersdorf
Hauptstr. 43
7322 Kobersdorf
Österreich
www.kobersdorfer.at

für

Bohna Vista Local Hub
Familie Pöttschacher
7020 Loipersbach im Burgenland
Österreich
honigwein@lupold.at

Insel-Brauerei – Meerjungfrau

Dieses Natursauerbier der Inselbrauerei Rügen, das jetzt vor mir steht, wird gebraut nach dem Rügener Artenschutzabkommen für seltene Bierarten. Über sein Bier sagt der Braumeister Markus Berberich: „Dieses seltene Bier haben wir mit zwei Milchsäure-Stämmen und Champagnerhefe gebraut. Das ergibt eine sehr feine intensive Säure, elegante Fruchtnoten und ist dabei sehr erfrischend, sehr fruchtig prickelnd – eine saure Verführung.“

Hellgelb und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die sehr voluminöse feinporige Schaumkrone fällt anfangs schnell in sich zusammen, aber der Rest bleibt lange erhalten. Die Optik ist auf jeden Fall schon mal sehr ansprechend.

Das Aroma wird durch eine frische Säure bestimmt, dazu kommen Düfte nach Apfel und Weißwein. Überhaupt erinnert mich das Aroma eher an einen Sekt als an ein Bier.

Im Antrunk fällt eine leichte Süße auf, gepaart mit einer agilen Kohlensäure, so dass auch der erste Eindruck auf der Zunge mich an einen Sekt denken lässt. Mit der Erwärmung des Biers auf der Zunge kommt die fruchtige Säure mehr zum Tragen, so dass der Weincharakter mehr zum Tragen kommt. Das Mundgefühl ist dabei weich und frisch. Im Abgang verabschiedet sich das Bier mit einer leichten Säure, die durchschnittlich lange nachklingt.

Die Meerjungfrau der Insel-Brauerei in Rambin eignet sich hervorragend als Aperitif und kann einen Champagner gut ersetzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Weizenmalz, Traubenzucker (vollständig vergoren, Flaschenreifung)

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei
Hauptstraße 2c
18573 Rambin/Rügen
www.insel-brauerei.de

Broeder Jacob – Bidon

Das Bidon, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet, ist eines der wenigen Pilsener Biere aus Belgien. Es stammt aus der Brouwerij Broeder Jacob. Weshalb benennt sich eine Brauerei nach einer Legende? Die Brauerei begründet das so: „Jeder kennt das Volkslied von dem Mönch, der zu lange schlief. Frère Jacob (Frere Jacques, wie man in England sagt oder auch in Deutschland Bruder Jakob). Aber warum kam der arme Mönch nicht rechtzeitig zur Frühmesse? Die Legende lautet wie folgt:

Wir schreiben das Jahr 1385. Jacobus Klaaszn ist ein sechzehnjähriger Novize, und sein Abt gibt ihm den Auftrag, bei Bruder Isidoor in die Lehre zu gehen. Bruder Isidoor ist der Braumeister des Klosters. Aber der gute Mann nähert sich dem reifen Alter von achtzig Jahren. Der Abt will verhindern, dass Isidoor seine Brauereigeheimnisse mit ins Grab nimmt. Das Bier von Isidoor ist ein angenehmes, leicht alkoholisches Bier. Die Mönche trinken es zu ihrem Mittagessen.

Bruder Jakob – wie der Junge nun genannt wird – ist ein eifriger Schüler. Eines Tages schickt ihn Bruder Isidoor ins Kloster von Rochefort. Dort wird ihm ein Bier serviert, das ihm sehr gut schmeckt. Er kommt mit dem Mönch/Braumeister ins Gespräch und lernt so einiges. Zurück zu Hause beichtet er dem Abt, was er in Rochefort gelernt hat. Er bittet um die Erlaubnis, selbst solches Bier zu brauen. Vater Abt gibt seinen Segen, aber nur unter der Bedingung, dass Bruder Jakob in seiner eigenen Zeit experimentiert.

Deshalb ist Bruder Jakob auch mitten in der Nacht mit Pfannen, Kesseln und Fässern beschäftigt. Er ist so vertieft in seine Arbeit, dass er viel zu spät in seine Zelle zurückkehrt. Mit dem bekannten Ergebnis. Bruder Jakob, schläfst du noch? (Frère Jacques, dormez-vous?)

Aber die Arbeit von Bruder Jakob hat große Früchte getragen. Eines Tages ist sein Bier komplett fertig. Er präsentiert sein erstes Fass dem Vater Abt. Dieser ist erfreut, aber auch beunruhigt. Das Bier schmeckt köstlich und reichhaltig, enthält aber mehr Alkohol, als die Mönche und Brüder gewöhnt sind. Deshalb ordnet er an, dass das Bruder-Jacob-Bier nur unter strengster Geheimhaltung gebraut werden darf. Und nur für ihn und den Bruder-Brauer. Und so wurde es gemacht…

… bis Johan Claes im einundzwanzigsten Jahrhundert wieder auf den Geschmack kommt. Sie machen sich ans Werk und brauen ein neues

Bier mit dem Segen von Bruder Jakob. Und jetzt will ich herausfinden, was dabei herausgekommen ist.

Blass-golden und gefiltert läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine feinporige und sehr voluminöse Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. So gut das Bier auch aussieht – das Einschenken sollte langsam und vorsichtig geschehen.

Das Aroma ist malzbetont mit würzigen Noten. Insgesamt ist das Bier in der Nase angenehm, hält aber keine Überraschungen bereit.

Der Antrunk ist recht süß mit einer agilen Kohlensäure. Auf der Zunge gesellt sich ein freundliches Bitter dazu. Auch wenn ich keine Fruchtigkeit feststellen kann, ist das Mundgefühl doch recht voll. Der Abgang ist zunächst schlank, fast wässrig. Dann entwickelt sich in der Kehle ein angenehmes Bitter, freundlich und zurückhaltend, trotzdem mit sehr langem Nachklang.

Insgesamt ist das Bidon unsprektakulär, aber zu einem deftigen Essen oder beim Grillen absolut zu empfehlen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Magnum, Saaz)

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Bittereinheiten:

14 EBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Brouwerij Broeder Jacob
Beninksstraat 28
3111 Wezemaal
Belgien
www.broederjacob.com/

Camba – 4 Sessions

Seeon liegt im Chiemgau und von dort kommen die immer wieder neuen Kreationen der Camba Bavaria Brauerei. Jetzt steht das 4 Sessions vor mir, ein Pale Ale, wobei das Sessions für einen niedrigeren Alkoholgehalt bei Bieren steht. Mit milden 4,1% vol. Alkoholgehalt und nur 28 Bittereinheiten (IBU) sollte sich das Bier sehr gut und barrierefrei trinken lassen. Zumindest ist das meine Erwartung.

Bernsteinfarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die größtenteils feinporige Schaumkrone ist zwar nur klein, bleibt aber sehr lange erhalten. Damit macht das Bier eine wirklich gute Figur.

In der Nase zeigt das Bier sich als wahrer Obstsalat. Ich rieche das Bittere der Grapefruit, die Süße der Ananas sowie die Fruchtigkeit von Mango und Maracuja.

Der Antrunk ist recht spritzig-frisch mit fruchtigen und blumigen Noten, die von einer angenehmen Süße sowie einer passend dosierten Kohlensäure begleitet werden. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen und es gesellen sich Zitrus- und Grapefruitnoten dazu. Das Mundgefühl ist schlank, so wie ich es bei lediglich 4,1 Volumenprozent Alkohol erwartet habe. Der Abgang wird dominiert von einer fruchtigen-frische und tropischen Fruchtaromen sowie einem geringen Bitter, das durchschnittlich lange nachklingt.

Mit seinen etwas mehr als vier Volumenprozent Alkohol und der Fruchtigkeit ist das 4 Sessions ein sehr angenehmes Sommerbier.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Columbus, Citra, Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

4,1 % Vol.

Stammwürze:

10° Plato

Bittereinheiten:

28 IBU

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

Cuvée des Jacobins

Omer Vander Ghinste ist eine Traditionsbrauerei aus dem westflämischen Bellegem. Die seit 1869 aktive Brauerei wurde 1892 von der Familie Vander Ghinste gekauft. Ihre Biere hatten damals noch keinen Namen und so wurden sie als Omer Vander Ghinste verkauft. Die Brauerei verteilte schicke Bleiglasfenster mit dem Schriftzug Omer Vander Ghinste an Cafés, die ihre Biere ausschenkten. Um diese teuren Werbematerialien nicht ersetzen zu müssen, benannte Marguerite Vandamme ihren ersten Sohn nach ihrem Vater Omer und begann damit eine Familientradition, die bis heute weitergeführt wird. Das Hauptprodukt der Brauerei war ein untergärig gebrautes Pils mit dem Namen Bockor, einem Fantasiewort aus dem deutschen Bock und dem französischen Or, „goldener Bock“, das seit 1934 verkauft wird. Vom Erfolg der Lambicbiere ermutigt, nahm Vander Ghinste Gueuze und Kriek Biere ins Sortiment auf. Das Lambic Grundbier kaufte er von Brüsseler Brauern. Die Brauerei trägt das Label „Belgian Family Brewers“.

Cuvée des Jacobins ist ein 100%ig unverschnittenes Foederbier, das 18 Monate in Eichenholzfässern reifen durfte. 2014 gewann Vander Ghinste mit diesem Bier eine Goldmedaille auf den World Beer Awards.

In dunklem Bordeauxrot läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich nunr wenig schaum, der sich auch sofort auflöst. Bei einem Sauerbier kann ich das aber auch erwarten.

Der typische Duft eines spontan vergorenen Bieres steigt mir in die Nase. Abgerundet wird das Aroma durch Noten nach Kandis und Holz, nach getrockneten Kirschen, Kakao und Vanille.

Der Antrunk ist überraschend süß und kommt mit reichlich kräftiger Kohlensäure daher. Dass es sich um ein Sauerbier handelt, merke ich erst, als sich auf der Zunge eine kräftige fruchtige Säure entwickelt, in der sich auch alle Aromen spiegeln, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Dazu kommt ein weiches und nahezu cremiges Mundgefühl. Auch der Abgang zeichnet sich durch die Säure aus. Obwohl ich kein Bitter schmecken kann, klingt der Geschmack lange nach.

Dieses Bier ist recht komplex und auch gewöhnungsbedürftig. Ich habe einige Schlucke benötigt, um mich mit diesem Bier anzufreunden, aber kann hat es mir immer besser gefallen. Dazu ein kräftiger Frischkäse, beispielsweise ein Feta und etwas frisches Brot, und schon ist ein tolles Abendessen an einem heißen Sommerabend fertig.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Omer Van der Ghiste nv
Brouwtorenstraat 5
8510 Bellegem
Belgien
www.omervanderghinste.be

Freie Brau Union Bremen – Helles

Mindestens seit dem 11. Jahrhundert wird in Bremen Bier gebraut. Die Qualität der traditionellen Bremer Sorten wie Rotbier, Porter und Ale wurden dabei nicht nur in der Hansestadt geschätzt. Bremer Braukunst wurde im großen Stil nach Holland, England und Skandinavien exportiert.

Die Zahl der Brauereien war einst groß. So wurden im Jahr 1748 noch 35 Brauereien in Bremen gezählt. Diese Vielfalt nahm später kontinuierlich ab, bis 2015 nur noch drei Brauereien Bier brauten, und das in einer Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohnern. Im Dezember 2015 wurde die Freie Brau Union Bremen eröffnet.

Von dort stammt das Helle, das jetzt vor mir steht. Die Brauerei schreibt, dass es sich um ein typisches Helles handelt, das aber hanseatisch angepasst wurde. Dann will ich mal sehen, ob die Bremer mit ihrer Anpassung nicht zu weit gegangen sind.

Golden und mit einer durchschnittlich großen feinporigen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum bleibt durchschnittlich lange erhalten, so dass an der Optik nichts auszusetzen ist.

Das Aroma ist stiltypisch malzbetont nach Brotkrume und Kandis, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk ist mäßig süß und die reichlich vorhandene kräftige Kohlensäure sorgt für eine angemessene Erfrischung. Auf der Zunge zeigt sich für ein Helles ein überraschend kräftiges Bitter, das durchaus dominant ist. Trotzdem ist das Mundgefühl voll und weich. Im Abgang lässt das Bitter nach, der Geschmack bleibt aber trotzdem lange in der Kehle erhalten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Münchner Malz, Carapils®), Hopfen, (Hallertauer Mittelfrüh, Hersbrucker, Mandarin Bavaria, Herkules) Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,7° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

4° – 6° Celsius

Brauerei:

Union Brauerei Bremen GmbH
Theodorstraße 13
28219 Bremen
www.brauerei-bremen.de

Maisel & Friends – Fruity Tornado

Seit dem Jahr 2020 brauen die Auszubildenden bei Maisel in Bayreuth im Abschlussjahr ihrer Ausbildung ein eigenes Bier. Von der Entwicklung einer Idee bis zum fertigen Bier vergeht dabei ungefähr ein Jahr. Jetzt im dritten Jahr haben die sechs Auszubildenden, die im Übrigen aus allen Bereichen des Unternehmens stammen, ein hopfengestopftes Weizenbier mit 4,9 Volumenprozent Alkohol kreiert. Dieses Bier steht jetzt vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Goldgelb mit einem Stich ins Orange und kräftig hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt lange erhalten. Bei der Optik haben die Auszubildenden wohl irgendetwas richtig gemacht.

Auch das Aroma ist sehr ansprechend. Das Bier duftet nach Banane und Biskuitteig, unterstützt durch einen ganzen Obstsalat, in dem ich Zitrusfrüchte, Ananas, Vanille und Honig rieche. Das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß mit einer angenehm feinperligen Kohlensäure. Auf der Zunge spiegeln sich die fruchtigen Aromen und mischen sich mit dem malzigen Geschmack und der Hefe. Insgesamt erzeugen sie ein volles und weiches Mundgefühl. Überraschend ist für mich das geringe Bitter. Auch im Abgang bleibt das Bitter recht schüchtern, passt aber gut zur milden Fruchtigkeit. Bitter und Frucht klingen einige Zeit in der Kehle nach.

Insgesamt gefällt mir das Bier recht gut. Lediglich den Abgang hätte ich mir durchaus etwas kräftiger gewünscht. Aber auch so ist das Fruity Tornado gekühlt getrunken erfrischend und es löscht gut den Durst.

Wie alle Sondersude ist auch das Fruity Tornado im Brauereiladen sowie im Versand erhältlich. Und auch diesmal gilt es, schnell zu sein, denn: wenn weg, dann weg. Und es kommt nicht wieder.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Spitzmalz, Karamellmalz hell, Karamellmalz dunkel), Hopfen (Callista Sabro, Bru1), Hefe

Alkoholgehalt:

11,5° Plato

Brauerei:

Maisel & Friends
Brauerei Gebr. Maisel GmbH & Co. KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com