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Apostelbräu – 5 Korn

So, jetzt steht wieder einmal ein Bier von Apostelbräu in Hauzenberg vor mir. Dieses Mal ist es das 5 Korn. Diese Bezeichnung kennen wir vermutlich alle vom Bäcker, aber als Bier habe ich die Mischung von Gerste, Weizen, Dinkel, Roggen und Emmer noch nicht erlebt. Was ich erwarte? Die Brauerei teilt mit, dass sie das Bier wie ein Helles gehopft hat; dieses Bier dürfte also mild und malzbetont sein. Allerdings wird das 5 Korn im Gegensatz zum Hellen mit obergäriger Hefe vergoren.

Golden und mit leichter Hefetrübung läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine relativ kleine feinporige Schaumkrone, die durchschnittlich lange erhalten bleibt.

Ein malzbetontes Aroma steigt mir in die Nase. Ich rieche Karamell, Rosinen, Walnüsse und Honig.

Der Antrunk ist recht süß und er zeichnet sich durch eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge bleibt die Süße erhalten und die Aromen spiegeln sich. Bitter kann ich nicht feststellen. Daher wirkt das Bier eher lasch, erzeugt aber trotzdem ein volles Mundgefühl. Auch der Abgang ist mild. Erstmals kann ich ein leichtes Bitter feststellen, das dann aber überraschend lange nachklingt.

Zutaten:

Gersten-, Weizen-, Dinkel-, Roggen- und Emmermalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5%

Brauerei:

Apostelbräu
Eben 11 – 13
94051 Hauzenberg
www.apostelbraeu.de

Apostelbräu – Einkorn-Gourmet-Bier

Manche Brauereien suchen sich eine Nische, in der ihr wirtschaftliches Überleben gesichert ist. So auch die Brauerei Apostelbräu aus dem niederbayrischen Landkreis Passau. Dort haben sich die Brauer darauf eingeschworen, Biere aus alten Getreidearten zu brauen, die ansonsten vermutlich dem Vergessen zum Opfer fallen würden. Jetzt steht vor mir das Einkorn. Dieses Getreide stammt ursprünglich vom wilden Weizen ab (Quelle: Wikipedia)

Bernsteinfarben und nur leicht hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die sahnige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und elfenbeinfarben. Sie bleibt sehr lange erhalten.

Das Bier duftet nach Karamel und Pumpernickel, nach getrockneten Birnen und einem Hauch Honig. Das ist doch schon mal vielversprechend.

Der Antrunk ist mäßig süß und die feinperlige sanfte Kohlensäure ist leider nur sehr wenig vorhanden. Auf der Zunge dominieren die Geschmacksnoten nach Brotrinde und eine leichte fruchtige Säure gesellt sich dazu. Bitter kann ich nicht feststellen, aber das Mundgefühl ist angenehm weich. Der Abgang ist mild mit einer leichten Fruchtigkeit und kurzem Nachklang.

Mein Lieblingsbier wird das Einkorn mit Sicherheit nicht, aber ich kann durchaus nachvollziehen, dass es seine Fans hat. Immerhin hebt es sich wohltuend von der Masse der Biere ab.

Zutaten:

Wasser, Einkornmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Apostelbräu
Eben 11-13
94051 Hauzenberg
www.apostelbraeu.de

Apostelbräu – Roggen

Die Brauerei Apostelbräu ist im niederbayrischen Hauzenberg beheimatet, das im Landkreis Passau liegt. Bekannt wurde die Brauerei im Wesentlichen durch zwei Dinge: dort wird Bier aus anderen Getreiden als Gerste und Weizen gebraut und das Landratsamt hat der Brauerei untersagt, auf den Flaschenetiketten den alten bayrischen Wunsch „Wohl bekomm’s“ abzudrucken. Dieser Aufdruck wäre eine gesundheitsbezogene Aussage. Meiner Meinung nach handelt es sich hier aber wohl eher um einen bürokratischen Ausrutscher des Landratsamts. Aber jetzt wollen wir uns mit dem Bier beschäftigen, das die Brauerei von anderen unterscheidet. Jetzt steht als erstes Bier dieser Brauerei das Roggen vor mir.

Dunkel rotbraun und leicht hefetrüb fließt das Bier ins Glas. Die durchschnittlich große elfenbeinfarbene Schaumkrone ist fest und bleibt lange erhalten. Damit ist das Bier optisch jedenfalls sehr ansprechend.

Das Bier duftet nachKaramell und Pumpernickel, dazu leichte Zitrusnoten. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße aus. Dabei macht das Bier einen wirklich frischen Eindruck, auch wenn die sehr feinperlige Kohlensäure recht knapp dosiert ist. Auf der Zunge erinnert das Bier an ein gutes Sauerteigbrot. Bitterstoffe kann ich kaum schmecken. Das Mundgefühl ich angenehm weich. Der Abgang ist mild. Auch jetzt kann ich nur wenig Bitter feststellen, aber eine leichte Fruchtigkeit verleiht dem Bier eine ungewohnte Leichtigkeit. Trotz der wenigen Bitterstoffe klingt der Geschmack lange nach.

Zutaten:

Wasser, Roggenmalz, Gerstenmalz, Hefe, Hopfen (Bavaria Mandarin, Tettnanger)

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Brauerei:

Apostelbräu
Eben 11-13
94051 Hauzenberg
www.apostelbraeu.de

Bertinchamps – Hiver

Die Familie Humblet war auf der Suche nach einem Standort für den Bau einer neuen Brauerei, um die Tradition und die lange Liste der von ihrem Vater Benoit Humblet gebrauten Biere fortzusetzen.

Im Jahr 2011 entdeckten sie den Bauernhof von Bertinchamps, nicht weit von Gembloux in der Wallonie entfernt. Der Hof war sehr alt und auch ziemlich verfallen. Aber er verfügte über erstaunlichen Charakter und lag in einer Umgebung, die den Vorstellungen der Familie entsprach. Es war Zeit für eine Verjüngungskur und das Renovierungsprojekt begann sofort. Nach fast 2 Jahren harter Arbeit wurde schließlich im März 2013 die Brauanlage in den alten Scheunen installiert. Hochmoderne Gärtanks mit einem Fassungsvermögen von 6.000 hl, ein erstaunlicher Kontrast zwischen moderner Technologie und dem mehr als 7 Jahrhunderte alten Bauernhof. Dort werden inzwischen acht unterschiedliche Biere gebraut. Dazu gehört auch das Hiver, das nur im Winter erhältlich ist und das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Bernsteinfarben, hefetrüb und mit einer leicht überdurchschnittlichen Schaumkrone strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Da der Schaum sehr lange erhalten bleibt, ist an der Optik schon mal nichts auszusetzen.

Das Aroma ist würzig. Die Gewürze, die beim Brauen verwendet wurden, stehen eindeutig im Vordergrund. Ich kann sie nicht im Einzelnen identifizieren, aber eine gewisse Tendenz zu den Kräutern der Provence ist nicht zu übersehen. Dazu kommt die Malzsüße mit einem Karamellduft, so dass das Bier einerseits an einen Kräuterbonbon erinnert, was aber diesmal nicht abwertend gemeint ist, sondern wirklich Lust macht auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, aber die Kräuter geben dem Bier eine sehr angenehme Würzigkeit. Die Süße bleibt auch auf der Zunge erhalten und die Kräuter kommennoch weiter in den Vordergrund. Bitterstoffe kann ich kaum feststellen. Obwohl das Bier mit seinen acht Volumenprozent für ein Weihnachts- oder Winterbier nicht übertrieben kräftig und der Alkohol sehr gut in den Geschmack eingearbeitet ist, erinnert es mich doch an einen Likör. Das Mundgefühl ist weich und voll. Im Abgang wird das Bier trockener, das Bitter wird etwas kräftiger. In der Kehle stehen zunächst besonders die Kräuter im Vordergrund, aber das Bitter klingt länger nach.

Dieses Bier eignet sich hervorragend zu Wildgerichten, aber auch zur Weihnachtsgans.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Gewürze

Alkoholgehalt:

8,0 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Stammwürze:

18° Plato

Farbe:

20 – IBU 30

Brauerei:

Brasserie de Bertinchamps
4, Rue de Bertinchamps
5030 Gembloux
Belgien
www.bertinchamps.be

Joybräu – Proteinbier Light 7G

Jetzt steht mal wieder ein Bier von Joybräu in Hamburg vor mir. Wie alle anderen Biere von Joybräu ist auch dieses alkoholfrei. Obwohl alkoholfreie Biere bereits von Haus aus deutlich weniger Kalorien enthalten als Biere mit Alkohol, wird das 7G, das jetzt auf seine Verkostung wartet, noch einmal mit dem Begriff „Light“ beworben. Dann bin ich ja mal gespannt, wie sich dieses Bier so macht.

Weizengelb und gefiltert läuft das Bier ins Glas und lässt dabei eine durchschnittlich große sahnige Schaumkrone erstehen, die lange erhalten bleibt. Das Bier erscheint etwas blass, ansonsten aber wirklich ansehnlich.

Das Bier duftet nach Karamell, unterstützt durch einige blumige Noten des Malzes sowie einem dezenten Duft nach Vanille.

Der Antrunk ist leicht süß und sehr rezent. Auf der Zunge kommt ein passendes Bitter dazu. Das Mundgefühl ist angenehm weich. Im Abgang wird das Bier trockener, das Bitter bleibt und klingt lange nach.

Ein alkoholfreies Bier mit reduziertem Zuckergehalt hat es bei mir schwer. Da poppt bei mir doch gleich mein Vorurteil auf, dass dieses Bier ziemlich wässrig sein könnte. Das Joybräu light kann mich aber geschmacklich überzeugen. Ob die zugesetzten Proteine und Eiweiße etwas bringen kann ich nicht beurteilen; darüber müssen andere entscheiden.

Zutaten:

alkoholfreies Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfenextrakt, Hopfen), Aminosäurenzubereitung (Wasser, BCAA (L-Leucin, L-Isoleucin, L-Valin), α-L-Alanin, L-Carnitin)

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Brauerei:

JoyBräu GmbH
Doormannsweg 43
20259 Hamburg
www.joybraeu.de

Hertl – Vater & Sohn

Hinter dieser Bierkreation steckt eine sehr persönliche Geschichte. David Hertl, Kopf und Herz hinter der Braumanufaktur Hertl, kommt aus einer Winzer-Familie. Sein Vater Bernd Hertl ist mit Leib und Seele Winzer und wünschte sich, dass sein Sohn das Handwerk ebenfalls erlernte. Schon früh wurde der Junge an die Trauben herangeführt, doch so recht wollte keine Begeisterung für die Önologie aufkommen. Man ließ nichts unversucht, doch Sturkopf David konnte nicht überzeugt werden. Um ihn trotzdem zur Fortführung eines Familiengewerbes zu bewegen, schickte man den Jungen mit seinem Großvater mit. Doch auch Elektriker wollte David nicht werden. Beim Besuch einer Brauerei allerdings entdeckte David sein großes Interesse für das Brauhandwerk. Die Familie atmete erleichtert auf, David hatte seine Passion gefunden!

Und weil man bei den Hertls nicht nachtragend ist, hat Bernd das Winzerhandwerk kurzfristig an den Nagel gehängt und unterstützt David seit Tag 1 tatkräftig in Frankens kleinster Brauerei. Diese Familiensaga hätte ein böses Ende nehmen können, doch die Hertls haben das Beste draus gemacht und feiern ihre Leidenschaft nun mit einer gemeinsamen Kreation. Vater & Sohn ist ein Bier, das Brauhandwerk und Winzerei miteinander verbindet: Ein junges Stout wird mit einem jungen Domina-Wein vergoren.

Bereits beim Öffnen der Flasche kommt mir der Inhalt entgegen. Es ist so viel Druck auf der Flasche, dass die Hälfte des Biers heraussprudelt. Schade. Eigentlich wollte ich es ja trinken. Und das Aroma ist wirklich verführerisch. Es erinnert mich an einen guten französischen Rotwein, der sein Aroma mit dem der Hefe vermischt. Auch die Farbe erinnert an einen Bordeaux, der aber durch die Hefe eingetrübt ist.

Der Antrunk ist recht süß und wie ich nach dem Sprudeln des Biers aus der Flasche vermutet hatte, enthält es reichlich Kohlensäure. Auf der Zunge macht das Bier den gleichen Eindruck wie in der Nase. Rotwein und Hefe sind die Geschmackseindrücke, eigentlich ähnlich wie bei einem roten Federweißen. Nur kommen jetzt die Weinnoten noch mehr zum Vorschein. Das Mundgefühl ist weich und rund. Der Rotweingeschmack dominiert auch den Abgang, wobei noch die Bitterstoffe des Hopfens zum Tragen kommen, die einige Zeit nachklingen.

Zutaten:

Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe), Wein (Wasser, Trauben, Hefe)

Alkoholgehalt:

9 % Vol.

Brauerei:

Braumanufaktur Hertl
Thüngfeld 61
96132 Schlüsselfeld
www.braumanufaktur-hertl.de

 

Kiesby – Waldbier Eiche

Bereits seit dem Jahr 2011 braut die Naturbrauerei Kiesbye in Zusammenarbeit mit den österreichischen Bundesforsten in jedem Jahr ein besonderes Bier, in dem er eine Zutat aus dem Wald verwendet. Bislang hat er die folgenden Biere gebraut:

  • Jahrgang 2019; Elsbeere
  • Jahrgang 2018: Holzbirne
  • Jahrgang 2017: Wilde Kirsche
  • Jahrgang 2016: Wacholder
  • Jahrgang 2015: Fichtenharz
  • Jahrgang 2014: Schwarzkiefer
  • Jahrgang 2013: Lärche
  • Jahrgang 2012: Zirbe
  • Jahrgang 2011: Tanne

2020 war dann die Eiche dran. Vermutlich hat noch nie ein Bier eine so lange Planungs- und Vorbereitungszeit erfordert. Bereits 2015 wurde die 200 Jahre alte Traubeneiche für dieses Bier im Revier Kierling im Wienerwald ausgewählt und gefällt. Die geschnittenen Bretter trockneten dann bis ins Jahr 2019, in dem sie nach Niederösterreich gebracht und von Innungsmeister Schrimpl zu 60 Dauben verarbeitet wurden. Die Dauben wurden nach Deutschland zum Fassbauer Eder gebracht, der sie zu einem Barrique-Fass zusammensetzte, das dann nach den Vorgaben der Brauerei getoastet wurde. Anschließend wurde das Waldbier in das Fass gefüllt, wo es mehrere Monate reifte und die Holznoten aus dem Fass extrahierte.

Bernsteinfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist nicht allzu voluminös und sie fällt auch schnell in sich zusammen.

Das Aroma gefällt mir da schon deutlich besser. Das Aroma nach Trockenfrüchten wie Rosinen und Feigen paart sich mit dem von dunklem Honig, Aprikosen und Rum. Auch dass das Bier drei Monate im Holzfass gereift wurde, schlägt sich im Duft nieder.

Der Antrunk ist frisch und durch die reichlich vorhandene Kohlensäure auch wunderbar spritzig. Das Mundgefühl ist voll und schwer, es erinnert fast an Wein. Dabei ist der Geschmack mild, eine leichte fruchtige Säure harmoniert mit der gut abgestimmten Restsüße des Malzes. Die Aromen, die ich bereits in der Nase festgestellt habe, spiegeln sich auf der Zunge wider. Dazu kommen noch einige blumige Nuancen. Bitter kann ich nicht feststellen. Im Abgang kommt das Holz zum Tragen und obwohl ich auch jetzt kein Bitter schmecke, klingt der Geschmack lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Eichenholz, Hefe

Alkoholgehalt:

6,2% Vol.

Brauerei:

Kiesbye Naturbrauerei
Axel Kiesbye GmbH
Dorfplatz 1
5162 Obertrum
Österreich
www.kiesbye.at

Segelschiff Mumme

Jetzt habe ich eine Brauspezialität aus dem östlichen Niedersachsen vor mir stehen, eine Mumme aus der Brauerei Nettelbeck in Braunschweig. Wenn Sie noch nie etwas von Mumme gehört haben müssen Sie sich keine Sorgen machen. Mir ging es bis gestern auch nicht anders. Andererseits ist Mumme Wikipedia immerhin einen langen Artikel wert. Dort wird auch ausgeführt, dass dieses Bier bereits vor 600 Jahren bis nach Indien und in die Karibik verschifft wurde. In dieser Hinsicht können wir die Mumme durchaus als Urahn des Indian Pale Ale betrachten. Heute braut nur noch die Brauerei Nettelbeck KG die Mumme. Sollte diese Brauerei irgendwann aus welchem Grund auch immer einmal die Herstellung dieser Spezialität einstellen, geht ein Stück Bierkultur verloren. Hoffen wir also das Beste.

In tiefem Rotbraun steht das Bier im Glas, darüber ein heller leicht gelbstichiger Schaum, gemischtporig und von durch durchschnittlicher Standzeit. Das Aroma ist deutlich malzbetont mit leichten Röstaromen, unterstützt durch den Duft von Trockenfrüchten. Bis hierhin macht das Bier schon mal Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist leicht süß, aber nicht so sehr wie es die Optik und das Aroma vermuten ließen. Die sehr feinperlige Kohlensäure trägt das Bier über die Zungenspitze hinweg und sorgt für eine angenehme Süffigkeit. Die Menge des Hopfens ist gut auf den Geschmack des Malzes abgestimmt. Er sorgt für eine gewisse Fruchtigkeit, die in feinem Einklang mit den Bitterstoffen des Hopfens steht. Trotz des milden Abgangs bleibt der Geschmack dieser Bierspezialität noch eine ganze Zeit erhalten.

Alles in Allem handelt es sich um ein eigenwilliges Bier, das nicht jedem gefallen will und das sich wohltuend von der Masse abhebt. Wenn Sie einmal ein solches Bier finden, sollten Sie nicht versäumen, sich die eine oder andere Flasche mitzunehmen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Brauerei:

H. Nettelbeck KG
Leipziger Str. 184
38124 Braunschweig
http://www.bs-mumme.de

Riedenburger – Emmer-Bier

Nun verkoste ich mal wieder ein Craft-Bier aus dem Riedenburger Brauhaus in Bayern, das Emmer-Bier. Emmer, auch Zweikorn genannt, ist ein Vorgänger des Weizens. Er ist, zusammen mit Einkorn, eine der ältesten kultivierten Getreidearten. Diese Weizenart mit lang begrannten, meist zweiblütigen Ährchen wird heute in Europa kaum noch angebaut. Heute baut die Riedenburger Brauerei den Emmer im Rahmen eines Programms zum Erhalt historischer Getreidearten wieder an.

Rotbraun und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber ein üppiger hellgelber Schaum mit leichtem Braunstich, feinporig und mit mittlerer Standzeit.

Das Aroma ist getreidig mit Anklängen von Pflaume und roten Früchten. Bis hierhin ist das Bier durchaus ansprechend.

Im Antrunk ist malzig, auch wenn sich die Süße diskret im Hintergrund hält. Schnell kommt eine angenehme Säure in den Vordergrund, die dem Bier zusammen mit der feinperligen Kohlensäure eine großartige Eleganz verleiht. Der Abgang ist mild und kaum bitter. Dafür hält sich der Geschmack aber noch einige Zeit im Mund und in der Kehle. Das richtige Bier für alle, die eher milde Biere lieben.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Mit Ausnahme des Wassers und der Hefe stammen alle Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau.

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
93339 Riedenburg
http://www.riedenburger.de

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Störtebeker – Roggen-Weizen

Ist das Bier Störtebeker aus der Störtebeker Braumanufaktur in Stralsund eigentlich Craft Beer? Ehrlich gesagt kann ich diese Frage nicht wirklich beantworten. Wer Craft Beer hört, denkt meist an Startups, die mit einem halben Dutzend Angestellten in der Brauerei aus besten Zutaten ein hervorragendes Bier braut. Teilweise arbeiten die Brauer auch alleine. Ich denke außerdem an originelle Rezepturen, an Biere, die nicht ständig zur Verfügung stehen, an ständig neue Biere und auch an Biere, bei denen jeder Sud etwas anders schmecken kann, da er ja aus rein natürlichen Zutaten hergestellt wurde. Ein weiteres von mir beobachtetes Merkmal der Craft Beer-Brauer ist eine erstaunliche Offenheit, was die Auswahl der Rohstoffe angeht. Ich gebe zu, dass ich bei der Aufzählung dieser Kriterien etwas romantisiert habe. Mir ist auch bewusst, dass sie nicht vollständig ist und auch nicht vollständig sein kann. Sicher hat jeder Mensch andere Kriterien, die ihm wichtig sind, Dies sind einfach die Eigenschaften von Craft Beer und Brauer, die mir spontan beim Schreiben in den Kopf gekommen sind und ich staune selbst, wie viele es geworden sind.

www.hopfenhelden.de macht sich auch so seine Gedanken, was Craft Beer Die Website kommt dabei auf 5 Kriterien, von denen ich hier nur mal die Überschriften aufzähle, was sich der Autor genau dabei gedacht und aufgeschrieben hat, können Sie ja unter dem am Anfang dieses Absatzes stehenden Link nachlesen. Hier nun die Kriterien:

  • Craft Beer zeigt Gesicht
  • Craft Beer ist unabhängig
  • Craft Beer ist kreativ
  • Craft Beer ist Handwerk
  • Craft Beer schmeckt

Zumindest nach diesen Kriterien ist meine Eingangsfrage beantwortet. Aber entscheiden Sie selbst.

So, genug der Vorrede, jetzt kommen wir aber wirklich zum Roggen-Weizen von Störtebeker. Ein Blick auf die Etiketten zeigt, dass der Roggen, auch wenn er im Namen ganz vorne steht, in der Inhaltsangabe weit hinten kommt, erst nach Weizen- und Gerstenmalz. Ich erwarte also eher ein Weizenbier mit einer Roggenzugabe. Mal so ganz nebenbei bemerkt: Malz und Hopfen dieses Biers aus kontrolliert biologischem Anbau. Jetzt keine weiteren Verzögerungen mehr, jetzt wird das Bier eingeschenkt.

Dunkel Rotbraun ist es, das Roggen-Weizen, dazu leicht hefetrüb. Darüber ein cremiger elfenbeinfarbener Schaum, der lange erhalten bleibt. Die Optik dieses Bieres macht richtig was her. Mal sehen, ob der Geschmack mit der Optik mithalten kann.

Bereits das Aroma ist betörend vielfältig. Der Duft reifer Bananen dominiert, was bei einem Bier mit einem hohen Anteil an Weizenmalz nicht verwundert. Dazu kommen Düfte von Rumtopf, Vanille und anderer Gewürze. Der Antrunk ist wenig süß, ich hätte eigentlich etwas mehr Süße erwartet. Dabei ist er aber durch die feinperlige Kohlensäure spritzig. Die Bananennoten, die den Duft dominiert haben, bleiben auch im Mund erhalten. Als sich das Bier im Mund verteilt, kommt erst seine ganze Komplexität zum Vorschein. Der Geschmack der Banane bleibt erhalten, dazu kommt eine angenehme Säure, zu der sich Anklänge dunkler Schokolade gesellen. So macht Bier Spaß. Der Abgang ist sehr mild und enthält nur minimale Bitterstoffe.

Zutaten:

Brauwasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Roggenmalz, Hopfen (Smaragd), Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Stammwürze:

12,9° Plato

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
18439 Hansestadt Stralsund
www.stoertebeker.com

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