Schlagwort-Archiv: Sauerbier

Insel-Brauerei – Meerjungfrau

Dieses Natursauerbier der Inselbrauerei Rügen, das jetzt vor mir steht, wird gebraut nach dem Rügener Artenschutzabkommen für seltene Bierarten. Über sein Bier sagt der Braumeister Markus Berberich: „Dieses seltene Bier haben wir mit zwei Milchsäure-Stämmen und Champagnerhefe gebraut. Das ergibt eine sehr feine intensive Säure, elegante Fruchtnoten und ist dabei sehr erfrischend, sehr fruchtig prickelnd – eine saure Verführung.“

Hellgelb und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die sehr voluminöse feinporige Schaumkrone fällt anfangs schnell in sich zusammen, aber der Rest bleibt lange erhalten. Die Optik ist auf jeden Fall schon mal sehr ansprechend.

Das Aroma wird durch eine frische Säure bestimmt, dazu kommen Düfte nach Apfel und Weißwein. Überhaupt erinnert mich das Aroma eher an einen Sekt als an ein Bier.

Im Antrunk fällt eine leichte Süße auf, gepaart mit einer agilen Kohlensäure, so dass auch der erste Eindruck auf der Zunge mich an einen Sekt denken lässt. Mit der Erwärmung des Biers auf der Zunge kommt die fruchtige Säure mehr zum Tragen, so dass der Weincharakter mehr zum Tragen kommt. Das Mundgefühl ist dabei weich und frisch. Im Abgang verabschiedet sich das Bier mit einer leichten Säure, die durchschnittlich lange nachklingt.

Die Meerjungfrau der Insel-Brauerei in Rambin eignet sich hervorragend als Aperitif und kann einen Champagner gut ersetzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Weizenmalz, Traubenzucker (vollständig vergoren, Flaschenreifung)

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei
Hauptstraße 2c
18573 Rambin/Rügen
www.insel-brauerei.de

Cuvée des Jacobins

Omer Vander Ghinste ist eine Traditionsbrauerei aus dem westflämischen Bellegem. Die seit 1869 aktive Brauerei wurde 1892 von der Familie Vander Ghinste gekauft. Ihre Biere hatten damals noch keinen Namen und so wurden sie als Omer Vander Ghinste verkauft. Die Brauerei verteilte schicke Bleiglasfenster mit dem Schriftzug Omer Vander Ghinste an Cafés, die ihre Biere ausschenkten. Um diese teuren Werbematerialien nicht ersetzen zu müssen, benannte Marguerite Vandamme ihren ersten Sohn nach ihrem Vater Omer und begann damit eine Familientradition, die bis heute weitergeführt wird. Das Hauptprodukt der Brauerei war ein untergärig gebrautes Pils mit dem Namen Bockor, einem Fantasiewort aus dem deutschen Bock und dem französischen Or, „goldener Bock“, das seit 1934 verkauft wird. Vom Erfolg der Lambicbiere ermutigt, nahm Vander Ghinste Gueuze und Kriek Biere ins Sortiment auf. Das Lambic Grundbier kaufte er von Brüsseler Brauern. Die Brauerei trägt das Label „Belgian Family Brewers“.

Cuvée des Jacobins ist ein 100%ig unverschnittenes Foederbier, das 18 Monate in Eichenholzfässern reifen durfte. 2014 gewann Vander Ghinste mit diesem Bier eine Goldmedaille auf den World Beer Awards.

In dunklem Bordeauxrot läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich nunr wenig schaum, der sich auch sofort auflöst. Bei einem Sauerbier kann ich das aber auch erwarten.

Der typische Duft eines spontan vergorenen Bieres steigt mir in die Nase. Abgerundet wird das Aroma durch Noten nach Kandis und Holz, nach getrockneten Kirschen, Kakao und Vanille.

Der Antrunk ist überraschend süß und kommt mit reichlich kräftiger Kohlensäure daher. Dass es sich um ein Sauerbier handelt, merke ich erst, als sich auf der Zunge eine kräftige fruchtige Säure entwickelt, in der sich auch alle Aromen spiegeln, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Dazu kommt ein weiches und nahezu cremiges Mundgefühl. Auch der Abgang zeichnet sich durch die Säure aus. Obwohl ich kein Bitter schmecken kann, klingt der Geschmack lange nach.

Dieses Bier ist recht komplex und auch gewöhnungsbedürftig. Ich habe einige Schlucke benötigt, um mich mit diesem Bier anzufreunden, aber kann hat es mir immer besser gefallen. Dazu ein kräftiger Frischkäse, beispielsweise ein Feta und etwas frisches Brot, und schon ist ein tolles Abendessen an einem heißen Sommerabend fertig.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Omer Van der Ghiste nv
Brouwtorenstraat 5
8510 Bellegem
Belgien
www.omervanderghinste.be

Rodenbach – FruitAge

Die Geschichte der Brauerei Rodenbach, aus der das FruitAge stammt, das jetzt vor mir steht, geht lange zurück. Ursprünglich aus Andernach am Rhein stammend, ließen sich die Rodenbachs im westflämischen Roeselare nieder. Die Familie Rodenbach hatte viele Soldaten, Dichter, Schriftsteller, Bierbrauer, Unternehmer, aber auch pragmatische Revolutionäre und Politiker in ihren Reihen. Pedro Rodenbach zum Beispiel nahm am Russlandfeldzug Napoleons teil und führte 1830 die belgische Revolution an, die zur Unabhängigkeit Belgiens führte. Zwei Rodenbachs waren Mitglieder der verfassungsgebenden Versammlung bei der Gründung Belgiens. Constantijn Rodenbach ist der Verfasser der Brabançonne, der belgischen Nationalhymne.

Im Jahr 1821 gründen Alexander, Gregoor, Pedro und Amalia die Brauerei. Seine einzigartige Qualität und seinen meisterhaften Charakter verdankt Rodenbach jedoch Eugène Rodenbach. Er beschäftigte sich nicht nur mit der Vinifizierung des Bieres, sondern optimierte auch den Reifungsprozess in Eichenfässern. Die weltberühmten Fässerhallen mit ihren 294 Eichenfässern, von denen einige 150 Jahre alt sind, sind als industrielles Erbe der Flämischen Gemeinschaft geschützt.

Ein eindeutiger Hinweis, dass das FruitAge ein sehr gutes Bier sein muss, sind die Auszeichnungen, die Rodenbach mit diesem Bier errungen hat:

  • 2018 – World Beer Awards – Silbermedaille – Sauerbier / Fruchtlambic
  • 2018 – Brussels Beer Challenge – Zertifikat für Exzellenz – Fruchtbier
  • 2019 – World Beer Awards – Goldmedaille – Sauer- und Wildbier / Fruchtlambic
  • 2020 – Asia Beer Challenge – Silbermedaille – Fruchtbier
  • 2021 – Australian International Beer Awards – Bronzemedaille – Fruchtbier im belgischen Stil

Bordeauxrot und gefiltert läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine recht kleine hellrosa Schaumkrone. Der feinporige Schaum bleibt lange erhalten.

Das Bier duftet feinsäuerlich nach Kirschen, abgerundet durch den Malzduft nach Karamell.

Der Antrunk ist überraschend süß. Die reichlich vorhandene Kohlensäure ist feinperlig, dabei aber kräftig. Auf der Zunge hält sich der Geschmack der Kirschen im Vordergrund. Dazu kommen ein Geschmack nach Marzipan sowie eine eine angenehme Fruchtsäure. Das Mundgefühl ist samtig. Im Abgang erfreuen Kirschen und Marzipan meine Kehle und diese Geschmäcker klingen einige Zeit nach.

Der Geschmack des FruitAge ist intensiv und das Bier passt perfekt zu einem frischen Käsekuchen. Auch dunkle Chilischokolade kann ich mir gut zu diesem Bier vorstellen. Und wenn der Braumeister von Rodenbach, Rudi Ghequire, sagt, dass das FruitAge mit Eiswürfeln, einer Limettenscheibe und Minze aromatisiert den perfekten Cocktail ergibt, werde ich ihm sicher nicht widersprechen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Kirschsaft

Alkoholgehalt:

3,9 % Vol.

Bittereinheiten:

10 IBU

Brauerei:

Brouwerij Rodenbach
Spanjestraat 133
8800 Roeselare
Belgien
www.rodenbach.be

Chapeau Banana

Chapeau Banana ist ein Lambic-Bier mit Bananengeschmack von der Brauerei De Troch. Die Brauerei De Troch ist auf lambische Biere spezialisiert und braut seit dem 19. Jahrhundert in Wambeek, in der Nähe von Brüssel.

Orangefarben und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine kleine feinporige Schaumkrone, die sich aber schnell auflöst.

Das Bier duftet intensiv nach überreifen Bananen und Biskuitteig, aber auch die Säure des Lambic kommt gut zum Tragen.

Der Antrunk ist wie erwartet süß und mir fällt auf, dass das Bier nur wenig Kohlensäure enthält, die dafür aber sehr feinperlig ist. Auf der Zunge mischt sich der Geschmack sehr reifer Bananen mit der Säure des Lambic. Diese Mischung passt überraschend gut zusammen, insbesondere weil sich die leichten Bitternoten diskret im Hintergrund halten. Das Mundgefühl ist sehr vollmundig. Im Abgang dominiert die Fruchtigkeit und sie klingt überraschend lange nach.

Anfangs war ich skeptisch, ob die Banane und das Lambic überhaupt zusammenpassen können, aber dieses Bier hat mich mit seinem vielschichtigen Geschmack überzeugt. Gut gekühlt ist es ein ideales Sommerbier.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Zucker, Aromen, Bananen (20 %)

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Troch
Langestraat 20
1741 Ternat
Belgien
www.detroch.be

Chapeau Exotic

Nun habe ich bereits die meisten der Fruchtbiere aus der Chapeau-Reihe der Brouwerij de Troch verkostet. Nun steht das Exotic vor mir, das mit 20 % Ananas gebraut wurde, einer Kombination, die es vermutlich nur in diesem Bier gibt. Beginne ich also direkt mit der Verkostung.

Kupferfarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Die sehr kleine gemischtporige Schaumkrone löst sich praktisch sofort auf, was bei einem Lambic aber stiltypisch ist.

Auch das Aroma ist stiltypisch mit seinem leicht sauren Duft, der im Vordergrund steht, während die Ananas aus dem Hintergrund einige süße und fruchtige Töne beisteuert.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine leichte Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Die Säure des Lambic zeigt sich erst, nachdem sich das Bier auf der Zunge ausgebreitet hat. Aber auch die leichte Süße bleibt erhalten und mischt sich mit der Säure und der Fruchtigkeit der Ananas. Auch das Exotic ist ein sehr erfrischendes Bier. Im Abgang kommt die Fruchtigkeit in den Mittelpunkt, ohne aber den Geschmack des Lambic zu verdrängen. Dieser Geschmack klingt durchschnittlich lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Zucker, Ananas (20%)

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Troch
Langestraat 20
1741 Ternat
Belgien
http://www.detroch.be

Chapeau Abricot

Die Geschichte der Brauerei De Troch ist eine Geschichte der Familienerbschaften und Landkäufe, die bis etwa 1795 zurückreichen, als Joannes Franciscus De Troch (1766-1808) und seine Frau einen ausgedehnten Bauernhof mit einer Reihe von Nebengebäuden kauften. Um 1818-1820 wurden eine Brauerei und eine Zichorienrösterei hinzugefügt. Nach dem Tod der Ehefrau von Joannes De Troch im Jahr 1818 ging die Brauerei mehrmals in den Besitz der Familie über. Im Jahr 1857 heiratete Petronella Schoonjans ihren Neffen Egidius De Troch.

Wie viele Lambic-Brauer engagierte sich Egidius De Troch in der Politik und wurde schließlich 1885 zum Bürgermeister von Wambeek gewählt. Während seiner Zeit als Bürgermeister baute Egidius die Brauerei weiter aus und errichtete die Gebäude, die noch heute genutzt werden. Im Jahr 1861 bekamen Egidius und Petronella einen Sohn, Ludovicus (Louis I.), der die Brauerei 1899 übernehmen sollte. Louis I. folgte seinem Vater auch als gewählter Bürgermeister von Wambeek von 1899 bis 1933, als er gegen Lode Willems, einen anderen Lambic-Brauer, verlor. Aus der Ehe zwischen Louis De Troch und Maria Josepha De Neve gingen sieben Kinder hervor, von denen nur zwei ihre Eltern überlebten: der älteste Sohn Ludovicus Albertus (Louis II) und Magdalena Theresia.

1923 installierte Louis De Troch ein neues Brausystem mit gusseisernen Maischebottichen, die noch heute in Gebrauch sind. 1936 übernahm sein Sohn und Nachfolger Louis De Troch II die Brauerei. 1938 wurde er auch Bürgermeister von Wambeek, wo er bis 1976 blieb. Louis I. verstarb 1940. 1964 eröffnete De Troch auch einen Bierladen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Im Jahr 1974 ging Louis De Troch II in den Ruhestand und übergab die Brauerei an seinen Neffen Jos Raes, der seit 1972 in der Brauerei arbeitete. Jos (kurz für Jozef), der Sohn von Magdalena und Raymond Raes, wurde von seinem Onkel Louis und seiner Tante Maria Louisa in der Brauerei aufgezogen. Nach dem Tod seines Onkels Louis II im Jahr 1982 verringerte Jos den landwirtschaftlichen Teil des Unternehmens. Er baute die Brauerei weiter aus, indem er eine Reihe „exotischer“ Biere unter einem neuen Namen einführte, wobei der Name De Troch weiterhin für die traditionelleren Lambics reserviert blieb. Der Name Chapeau wurde erst 1991 offiziell eingeführt. Diese gesüßten Produkte, die mit Fruchtsäften und nicht mit ganzen Früchten hergestellt werden, sollen De Troch in einer Zeit über Wasser gehalten haben, in der viele Lambic-Brauereien und -Mixer ihre Tore schlossen. Viele dieser gesüßten Lambics wurden auf Anfrage oder auf Wunsch von Gruppen oder Einzelpersonen gebraut.

De Troch Barrel Room

Heute befindet sich De Troch in der 7. Generation in Familienbesitz. Nach einem Unfall im Jahr 2002, bei dem Jos Raes zwei Jahre lang nicht brauen konnte, musste sein Sohn Pauwel von dem örtlichen Brauingenieur Gert de Rouck in das Brauen eingewiesen werden. De Rouck, der für kurze Zeit in der Brauerei gearbeitet hatte, bevor er an der Brauereischule von Sint-Lieven eingestellt wurde, kehrte an Weihnachten in die Brauerei zurück, um Pauwel zu unterrichten. Pauwel, der seit 2002 verheiratet ist und zwei Söhne hat, blickt zuversichtlich in die Zukunft, denn er hat sowohl bei der Arbeit als auch im Selbststudium an der Universität Gent gelernt. Im Jahr 2004 hätten die belgischen Gesundheitsbehörden die Brauerei wegen Sicherheits- und Hygieneproblemen fast geschlossen, was De Troch zu einem Kurswechsel veranlasste. Er räumt zwar ein, dass die gesüßten Biere nach wie vor den größten Umsatz bringen, aber De Troch bringt langsam aber sicher sein Oude Gueuze wieder auf den Markt und liefert auch gelegentlich Lambic für mindestens einen anderen Abfüller, Vanberg & DeWulf.

Ab 2015 begann De Troch, seine Biere ohne den Namen Chapeau zu vermarkten. Ebenfalls 2015 brachte die Brauerei ein Oude Kriek in 37,5-cl-Flaschen heraus, das erste seit fast 30 Jahren.

Bei einer so traditionellen Brauerei kann ich davon ausgehen, dass die Brauer wissen, was sie tun, öffne jetzt die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Kupferfarben und gefiltert läuft das Bier ins Glas. Dass sich dabei keine Schaumkrone bildet ist für ein Lambic typisch.

Auch das Aroma ist für ein Lambic typisch. Eine fruchtige Säure steht im Vordergrund. Unterstützt wird sie durch Düfte nach Waldhonig und Trockenpflaumen.

Der Antrunk ist frisch. Dabei wurde die sehr feinperlige Kohlensäure sehr zurückhaltend eingesetzt. Auf der Zunge entfaltet sich die fruchtige Säure, während die Süße sich eher im Hintergrund hält. Die Aromen, die ich in der Nase erkannt habe, spiegeln sich auf der Zunge wider. Aprikosen hätte ich allerdings nicht erkannt. Bitter ist so gut wie nicht zu schmecken. Das Mundgefühl ist angenehm weich und voll. Auch der Abgang ist mild und die Fruchtigkeit meldet sich noch einmal in der Kehle, wo sie durchschnittlich lang nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Zucker, Aromen, Aprikosen (20 %)

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Troch
Langestraat 20
1741 Ternat
Belgien
www.detroch.be

Chapeau Lemon

Die Brauerei De Troch beschreibt auf ihrer Website den Herstellungsprozess von Geuze so: „Geuze und Kriek werden nach uralten Methoden gebraut, die auf Spontangärung und Reifung beruhen. In der ersten Stufe wird eine Mischung aus Malz, Weizen und Wasser hergestellt. Dabei wird die Stärke in Zucker umgewandelt, der für die Gärung geeignet ist. Das Mischen wird mehrmals wiederholt. Durch Filtern der Mischung wird eine Flüssigkeit gewonnen. Dies ist die Würze, die schließlich zu Bier wird. Die Würze wird mit gereiftem Hopfen versetzt und anschließend 4 bis 5 Stunden lang gekocht, so dass sie eine Dichte von 5 belgischen Grad erreicht. Nach dem Kochen werden die inzwischen nutzlosen Hopfenknospen entfernt. Die Würze wird dann in flachen Bottichen abgekühlt. Die Außenluft kann ungehindert über die großen offenen Bottiche strömen. Diese Luft ist für das Brauverfahren unerlässlich, da sie die Mikroorganismen enthält, die Lambic seinen einzigartigen Geschmack verleihen. Aus diesem Grund ist das Lambic-Brauen eine saisonale Aktivität (Oktober bis Ende April). Die kühle Würze wird dann in Wannen abgefüllt, bevor sie direkt in Fässer umgefüllt wird. Einige Tage später zeigt sich der Hauptgärungsprozess durch Schaumbildung in den Spundlöchern. Das Bier reift dann in Eichenfässern, die jeweils etwa 650 Liter fassen. Dies ist das echte spontan vergorene Lambic.“ Jetzt steht das Lambic mit Lemon vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Kupferfarben und Klar präsentiert sich das Bier im Glas. Von Schaum ist nichts zu entdecken, aber das ist bei Sauerbieren ja meist der Fall.

Der Antrunk weist eine leichte Süße sowie reichlich dosierte kräftige Kohlensäure auf. Auf der Zunge entwickelt sich eine kräftige fruchtige Säure, die sehr stark an Zitronensaft erinnert und die alle anderen Geschmackskomponenten verdrängt. Vom Malz und vom Hopfen ist nichts zu schmecken. Überraschend ist, dass das Mundgefühl wirklich schwer ist, obwohl das Bier lediglich 3,5 Volumenprozent Alkohol enthält. Der Abgang ist schlank und der Geschmack klingt kaum nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe, Zucker, Aromen, Zitronen (20 %)

Alkoholgehalt:

3,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij De Troch
Langestraat, 20
1741 Ternat
Belgien
www.detroch.be

Timmermans – Faro

Das Faro ist ein Lambic, dem Wasser sowie Kandiszucker zugegeben wurden, um auf diese Weise den Säuregehalt des Bieres zu verringern. Faro war im 19. Jahrhundert in der Region Brüssel sehr beliebt. Das Timmermans Faro wird bis heute nach der traditionellen Methode gebraut.

Kupferfarben präsentiert sich das Bier im Glas. Die gemischtporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß, löst sich aber sehr schnell auf, weshalb sie nicht weiter erwähnenswert ist.

Das Aroma ist wie erwartet süß und erinnert mich eher an eine Kräuterlimonade als an ein Bier.

Auch der Antrunk ist süß, aber die lebhafte Kohlensäure sorgt für eine angenehme Erfrischung. Jetzt kommt auch die leichte fruchtige Säure durch, die mich an einen grünen Apfel denken lässt. Gleichzeitig bleibt aber die Süße erhalten. Das Mundgefühl ist weich. Erst im Abgang kommt auch das Bitter zum Tragen, wenn auch lediglich in Spuren. Die fruchtige Säure ist jetzt dominant und sie klingt kurz nach.

Das Timmermans Faro erinnert nur entfernt an die Biere, die wir kennen. Mir erscheint das Bier eher wie eine Limonade, aber auch diese ist durchaus angenehm und erfrischend zu trinken. Es ist halt ein Bier für einen warmen Sommerabend.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Kandiszucker, Weizen, 1,2 % Apfelsaftkonzentrat, Hopfen, Antioxidant E 300

Alkoholgehalt:

4,0 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

4° – 6° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Timmermans
Kerkstraat 11
1711 Itterbeek
Belgien
http://www.brtimmermans.be

Hoppebräu – Daubern Sour

Daubern ist der bayrische Name für Blaubeeren. Blaubeeren und Bier? Weshalb nicht. Aus Belgien kommen viele Sauerbiere, die mit Früchten vergoren wurden. Ein belgisches Bier mir Blaubeeren habe ich zwar noch nicht gefunden, kann es mir aber gut vorstellen. Dazu kommt noch, dass ich sowohl Hoppebräu als auch Yankee&Kraut als Brauer sehr guter Biere kenne und schätze. Außerdem haben die Brauer satte 600 kg Blaubeeren organisiert, auf denen sie ihr Sauerbier gereift haben. Mit diesem Wissen öffne ich jetzt mal die Dose und schenke mir das Bier ein.

Bonbonrot und hefetrüb läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine feinporige rosa Schaumkrone, die bis auf einen Rest recht schnell in sich zusammenfällt. Aber das war bei einem Sauerbier nicht anders zu erwarten.

Das Aroma ist süß mit Aromen nach Banane und Heidelbeere, abgerundet durch einen Hauch Vanille.

Der Antrunk ist für ein Sauerbier überraschend süß. Begleitet wird die Süße, die an Honig erinnert, durch eine fruchtige Säure. Wenn ich nicht wüsste, dass das Bier mit Blaubeeren gebraut wurde, würde ich die Frucht vermutlich nicht identifizieren können. Aber das soll jetzt nicht abwertend gemeint sein; bislang habe ich noch kein mit Blaubeeren gebrautes Bier gefunden, das es Geschmacksmäßig mit einem Bier aufnehmen kann, das mit Sauerkirschen oder Schwarzen Johannisbeeren gebraut wurde. Das Daubern Sour ist mit seinem eher schlanken Mundgefühl erfrischend. Der Abgang ist sehr mild mit kurzem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hafermalz, Hopfen, Hefe, Laktose, Heidelbeeren

Alkoholgehalt:

6,1 % Vol.

Brauerei:

Yankee&Kraut GbR
Donaustraße 3
85049 Ingolstadt
www.yankeeundkraut.de

gemeinsam mit

Hoppebräu
Edelweißstr. 21
83666 Waakirchen
www.hoppebraeu.de

Flying Dutchman – Rose Hipped Hibiscus Dipped Flower Power Funky Sour

So, da hat sich der Fliegende Holländer wieder ein ungewöhnliches Bier einfallen lassen, das einige angesehene Preise gewonnen hat, z.B. The International Beer Challenge 2017 sowie bei den World Beer Awards 2017, 2019 und 2020. Das Bier muss also etwas besonderes sein.

Aber was hat es mit diesem Namen auf sich? Und dann noch ein rosa Etikett! Mann, das muss offiziell das am mädchenhaftesten aussehende Bier aller Zeiten sein. Es wird mit Pilsner- und Weizenmalz und mit frischem Hagebuttensaft im Sudkessel gebraut. Das Bier reift auf Hibiskusblüten und französischen Eichenchips. Die zusätzliche Trockenhopfung mit Nelson Sauvin-Hopfen rundet es ab. Dann will ich doch mal sehen, ob diese ganze Arbeit sich auch gelohnt hat.

Kupferfarben und mit einer durchschnittlich voluminösen festen Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas.

Das Aroma ist blumig mit einer angenehmen fruchtigen Säure sowie Noten nach Honig und Toffee. Das macht schon mal Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist durch die reichlich vorhandene Kohlensäure frisch und angenehm. Auf der Zunge verbreitet sich eine fruchtige Säure, die an grüne Äpfel erinnert. Aus dem Hintergrund kommen eine passend dosierte Süße sowie der unverkennbare Geschmack von Hibiskusblüten. Bitterstoffe kann ich nicht feststellen. Auch der Abgang ist mild und durch einen fruchtigen Nachklang geprägt.

Alkoholgehalt:

4,0 % Vol.

Bittereinheiten:

20 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

5° Celsius

Brauerei:

The Flying Dutchman Brewing Co.
Tapolanku 2
Vantaa
Finnland
www.flyingdutchmanbrewingcompany.com