Schlagwort-Archiv: Fruchtbier

Mücke – Himbeer Gose

Die Gose ist ein Bierstil, der schon im Mittelalter in Goslar gebraut wurde. Der Name stammt von dem Flüsschen, nach dem auch die Stadt Goslar benannt wurde. Lange Zeit gab es die Gose nur aus Leipzig, aber in der letzten Zeit befassen sich mehr und mehr Craftbrauer mit diesem Bierstil. Traditionell werden der Würze bei diesem Sauerbier Salz und Koriandersamen hinzugefügt. Das Salz verstärkt die Säure noch etwas.

In hellem Goldgelb präsentiert sich das Bier im Glas mit einer durchschnittlichen Menge feinporigem Schaum, der relativ schnell in sich zusammenfällt. Das ist aber für eine Gose typisch.

Das Aroma ist malzbetont und das Aroma nach Himbeeren ist eher zurückhaltend. Auch saure Düfte sind nur wenig vorhanden. Dafür ist aber die Koriandersaat zu riechen.

Der Antrunk ist mäßig süß und durch die reichlich dosierte Kohlensäure frisch. Auf der Zunge kommt eine diskrete Fruchtigkeit dazu; in erster Linie überwiegt die Frische dieses Bieres. Erst im Abgang kommt ein leichtes Bitter dazu und auch das Salz kommt jetzt zu seinem Recht.

Mit 4,4 Volumenprozent und der ungeheuren Frische ist das Bier gut für einen warmen Sommerabend geeignet oder auch für einen langen Winterabend, an dem wir vom Sommer träumen.

Zutaten:

Gerstenmalz, Hefe, Hopfen (Lemondrop, Summit), Wasser, Weizenmalz, Himbeeren, Koriander, Milchsäure, Salz

Bittereinheiten:

14 IBU

Stammwürze:

11° Plato

Brauerei:

Kesseböhmer-Mai & Pfahl GbR
MÜCKE – Craft Beer
Hölderlinstr. 28
45147 Essen
www.muecke-craftbeer.de

Kesper

Jetzt steht ein Bier aus dem nördlichen Hessen vor mir. Die junge Brauerei Rehbocks aus Wolfhagen, etwa 30 km westlich von Kassel gelegen. Derzeit sind die Brauer noch als Gypsy-Brauer unterwegs, planen aber eine eigene Brauerei in Wolfhagen. Dr. Florian Rehbock ist Mitglied bei den Kreativbrauern. Dieser eingetragene Verein hat für sich das Natürlichkeitsgebot entwickelt. Es ist in vielen Punkten strenger als das so häufig zitierte Reinheitsgebot, schränkt die Brauer aber nicht auf die vier Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe ein. Das Kesper wird mit Kirschsaft aus Witzenhausen gebraut. Auch diese Kleinstadt liegt im Norden von Hessen. Die Brauerei produziert vier unterschiedliche Biere, von denen das Kesper das einzige ist, das nicht dem Reinheitsgebot entspricht.

Kirschrot und leicht hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine hellrote gemischtporige Schaumkrone, die etwas schneller als durchschnittlich in sich zusammenfällt, was für ein Fruchtbier typisch ist.

Ein intensiver Duft nach Kirschen und Karamell steigt mir in die Nase, unterstützt durch eine Bittermandelnote. Die Hopfenaromen gehen dabei etwas unter, auch wenn die Brauerei mitteilt, dass drei unterschiedliche Aromahopfen verwendet wurden.

Der Antrunk ist fruchtig, während recht viel feinperlige Kohlensäure für eine ordentliche Frische sorgt. Auffällig ist, dass das Bier nur wenig Süße enthält, was darauf hinweist, dass der Kirschsaft mit vergoren und dabei der Fruchtzucker durch die Hefe in Kohlensäure und Alkohol umgewandelt wurde. Was mich verwundert ist, dass das Bier nur wenig Säure von den Kirschen enthält. Aber gut, säuerliches Bier ist nicht jedermanns Sache. Obwohl das Bier jetzt nicht meinen Erwartungen entspricht gefällt mir der volle Geschmack, bei dem die Kirschen nicht aufdringlich werden. Der Abgang zeichnet sich durch ein zurückhaltendes Bitter aus, das sich langsam in Richtung Marzipan wandelt und lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Hopfen, Malz, Kirschsaft, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Stammwürze:

11,5° Plato

Bittereinheiten:

18 IBU

Brauerei:

Rehbocks Braumanufaktur
Am Gasterfelderholz 10
34466 Wolfhagen
www.rehbocks.de

Klüvers – Seegang

Auf der Internorga überraschte mich die Brauerei Klüvers im Jahr 2018 mit einem neuen Bier, dem Seegang. Damals hatte das Bier noch keinen Namen und wurde einfach als Algenbier angepriesen. Bei diesem Angebot handelte es sich um einen Probesud und ob dieses Bier in die Produktion geht, sollte davon abhängen, wie das Bier auf der Messe beim Publikum ankommt. Entwickelt hat die Brauerei dieses Bier in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut in Lübeck. Als ich im Sommer dieses Jahres in Neustadt war, habe ich auch Klüvers besucht. Im Laden neben der Brauereigaststätte, in dem Klüvers seine Produkte verkauft, gab es das Seegang nicht, nur in der Gaststätte konnte ich es bestellen, um eine Flasche mit nach Hause zu nehmen. Nun habe ich das Seegang getrunken und mich gewundert, dass die Brauerei dieses Bier nicht auf seiner Website erwähnt, es aber bei mehreren Versandhändlern sowie bei Citti, einer regionalen Supermarktkette, im Angebot ist. Na ja, ich muss auch nicht alles verstehen. Kommen wir zum Bier.

Bernsteinfarben mit leicht überdurchschnittlicher sahniger Schaumkrone strahlt mir das Bier im Glas entgegen. Der Schaum bleibt auch lange erhalten.

Und ich muss sagen, das Bier duftet nach Küste und Hafen. Der Duft der Algen steht im Vordergrund. Unterstützt wird er durch den Malzkörper, dessen Aroma sich aber diskret im Hintergrund hält. Der Duft dieses Bieres ist ungewöhnlich, aber ansprechend.

Der erste Eindruck auf der Zunge sind eine recht kräftige Süße und mein Wunsch nach etwas mehr der sehr feinperligen Kohlensäure. Schnell tritt der Geschmack der Algen in den Vordergrund; begleitet mit etwas Salz sorgt er für ein vollmundiges Mundgefühl. Dieses wird durch den Malzkörper unterstützt. Der Abgang ist sehr mild, ich schmecke kaum bitter und der Geschmack der Algen klingt recht lange nach.

Das Seegang ist kein Bier für jeden Tag, aber zum Fisch oder in der jetzt kommenden kalten Jahreszeit zu Muscheln ist es ein idealer Begleiter. Ich könnte mir auch vorstellen, mit diesem Bier eine Soße zum Fisch zuzubereiten.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Lappentang (Palmaria palmata), Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

2,8 % Vol.

Brauerei:

Klüver’s Delikatessen Manufaktur GmbH & Co. KG
Schiffbrücke 2-4
23730 Neustadt in Holstein
www.kluevers.com

BierSelect

Klosterbrauerei Neuzelle – Kartoffel Bier

Wieder einmal steht ein Bier aus der Klosterbrauerei vor mir, das Kartoffel Bier. Auch für dieses Bier hat die Brauerei nach Angaben von Herrn Fritsche, Geschäftsführer der Klosterbrauerei, eine Ausnahmegenehmigung, es als Bier zu verkaufen, obwohl es nicht so ganz dem deutschen Reinheitsgebot entspricht. Kartoffelsaft im Bier ist schon eine mutige Idee und jetzt bi ich neugierig, wie gut diese Idee ist. Ach ja, die Grundlage für das Kartoffel Bier ist das Pilsener aus Neuzelle.

Das Bier zeigt sich in einem intensiven Gelb und es trägt einen feinporigen weißen Schaum, der sich aber leider bis auf einen kleinen Rest flott auflöst. Dabei duftet das Bier malzig und nach Getreide, so dass auch daran nichts auszusetzen ist. Aber da ist noch eine Duftnuance dabei, die ich als Kartoffel identifiziere, aber auch nur, weil ich weiß, dass das Bier Kartoffelsaft enthält. Diese Nuance ist interessant und hätte mich ohne diese Kenntnis sicher zu längeren Ratespielchen beim Versuch veranlasst, sie zu identifizieren.

Der Antrunk ist leicht süß und keinesfalls mit einem herben norddeutschen Pils zu vergleichen. Das Bier hat einen sanften Körper, was auch erforderlich ist, damit sich die Kartoffel auf der Zunge bemerkbar macht. Die Bitterstoffe halten sich diskret im Hintergrund, so dass ein wirklich mildes und ausgewogenes Bier entsteht. Auch der Abgang ist mild und der Geschmack bleibt noch einige Zeit erhalten.

Zutaten:

Neuzeller Pilsener (Wasser, Gerstenmalz, Hopfen), Kartoffelsaft

Alkoholgehalt:

6,2 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

Klosterbrauerei Neuzelle – Apfel Bier

Bereits seit dem 6. Jahrhundert wird in Mitteleuropa der Apfel angebaut, das Bier gehört sogar noch deutlich länger zur europäischen Kultur. Beides vereint das Apfel Bier aus der Klosterbrauerei Neuzelle in dem Bier, das jetzt vor mir steht. Im Internet habe ich mehrere Rezensionen gefunden, in denen das Apfel Bier als Biermischgetränk bezeichnet wurde. Ich habe darüber mit Herrn Fischer, dem Geschäftsführer der Klosterbrauerei, gesprochen und er hat mir erläutert, dass die Brauerei das Bier zunächst nach dem Reinheitsgebot braut und anschließend mit verschiedenen Zusätzen veredelt. Er hat mir versichert, dass für alle Biere eine Ausnahmegenehmigung als „besonderes Bier“ nach dem vorläufigen Biergesetz aus dem Jahr 1993 vorliegt. Daher dürfen die Biere aus Neuzelle auch als Bier verkauft werden.

Trotzdem bin ich zunächst kritisch, denn ehrlich gesagt kann ich mir die Mischung des Geschmacks von Äpfeln mit dem von Bier nicht so richtig vorstellen. Aber gut, eventuell werde ich ja positiv überrascht. Schließlich kommen aus Belgien auch sehr gute Apfelbiere.

Im Glas sieht das Bier erst einmal aus wie ein Pils. Golden, klar, mit einer durchschnittlichen Schaumkrone. Unspektakulär, aber nicht schlecht.

Das ändert sich, als ich am Bier rieche. Es duftet intensiv nach Malz, unterstützt durch den Duft grüner Äpfel. Den Hopfen kann ich nicht riechen, eventuell wird er ja durch die Äpfel überdeckt.

Der Antrunk ist recht süß, was aber durchaus zu der recht reichlich vorhandenen Kohlensäure passt. Bereits auf der Zungenspitze meine ich, den Apfel zu schmecken, was aber durchaus auch am Duft des Bieres liegen kann, der mir in die Nase steigt. Auch als sich das Bier auf der Zunge verteilt, bleibt das Bier angenehm süß; die Süße verträgt sich aber gut mit dem Herben des Bieres. Das schlanke Bier ist erfrischend. Auch der Abgang ist überraschend gut, da sich auch hier die Apfelsüße gut mit dem ursprünglichen Bier verbindet. Mir persönlich fehlen die Bitternoten des Hopfens, eine Eigenschaft des Apfel Biers, die meiner Frau dagegen ausgesprochen gut gefällt.

Dieses erfrischende Bier eignet sich im Sommer hervorragend, um nach einer Wanderung wieder fit zu werden. Dabei sollten aber die 4,8 Volumenprozente bedacht werden.

Zutaten:

Pilsner (Wasser, Gerstenmalz, Hopfen), Apfelsaftkonzentrat, Invertzuckersirup, Zitronensaftkonzentrat

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
www.klosterbrauerei.com

Bacchus – Vlaams Oud Bruin

So wie Gueuze-Bier ist auch dieses Bier auch ein echtes flämisches Regionalprodukt. Im römischen Pantheon war Bacchus (Sohn des Jupiters) der Gott des Weins, des Trinkens und der allgemeinen Trunkenheit. So erhielt das Bier 1954 aufgrund seines weinartigen Geschmacks seinen Namen.

Als Luc Van Honsebrouck beschloss, das Brauen von Pils einzustellen, schloss er einen Vertrag mit Krüger aus Ostflandern ab. Krüger fing an, Bacchus in seinen Cafés zu bedienen und im Gegenzug verkaufte Krüger in seinen Betrieben Pils. Schnell war Bacchus weitaus stärker gefragt. Der eigentliche Durchbruch gelang dem Bier 1975, als die Nachfrage nach Rodenbach (ebenfalls ein „Oud Bruin“) exponentiell zunahm und die Brauerei nicht mit der Nachfrage mithalten konnte. So wurde die Produktion von Bacchus intensiviert. Innerhalb weniger Jahre stieg die Produktion auf rund 25.000 hl.

Und so steht das Bier jetzt auch vor mir. Es wurde in gebrauchten Rotweinfässern aus Eiche gereift, so dass ich auch weinartige Nuancen erwarten kann. Außerdem hat dieser Bierstil die Eigenschaft, dass das Bier lange gelagert werden kann und in der Flasche nachreift. Dabei verändert sich auch der Geschmack, was in diesem Fall kein Fehler ist. Im Gegenteil: einige Brauereien lassen ihr Oud Bruin zum Gran Cru reifen.

Dunkel kastanienbraun mit einer durchschnittlichen Krone aus mittelbraunem sahnigem Schaum, der lange erhalten bleibt, präsentiert sich das Bier im Glas. Die Optik ist schon mal erstklassig.

Das Aroma ist betörend. Trockenfeigen, deutliche Rotweinnoten, Holzaromen und Vanille umschmeicheln meine Nase.

Der Antrunk ist nicht so süß wie ich es erwartet hätte. Die Kohlensäure ist nur in Spuren vorhanden, was aber durchaus stiltypisch ist. Als sich das Bier auf der Zunge verteilt überrascht mich zunächst die deutliche Säure, die zunächst an Balsamico erinnert, dann aber schnell weinig wird. Dabei ist das Bier recht trocken, wodurch die Holznoten und die Vanille gut zum Ausdruck kommen. Im Abgang klingt die Säure noch kurz nach.

Das Bier ist gut als Aperitif vor einem Festessen geeignet.

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Stammwürze:

11,5° Plato

Brauerei:

Brouwerij Van Honsebrouck
Ingelmunstersestraat 46
8870 Emelgem (Izegem)
Belgien
www.vanhonsebrouck.be

Boon – Framboise 2014

Nun haben wir Mitte November und draußen ist ein ungemütliches Herbstwetter. Das ist doch genau der richtige Zeitpunkt, zumindest im Glas den Sommer zurückzuholen und ein schönes Fruchtbier zu genießen. Dafür habe ich mir jetzt das Framboise Boon aus dem Jahr 2014 ausgesucht. Es ist ein Lambic, also ein Bier, das durch eine Spontangärung mit wilden Hefen gebraut wurde. Aber dieses Bier hat noch mehr Besonderheiten. Es wurde mit 25 % echten Himbeeren gebraut, also nicht mit Saft oder Sirup wie viele andere Fruchtbiere. Zusätzlich wurden noch 5 % Kirschen beigegeben. Dann bin ich mal gespannt, ob sich diese Besonderheiten im Geschmack widerspiegeln.

Im dunklen Rubinrot präsentiert sich das Bier im Glas. Darüber relativ wenig feinporiger Schaum, der aber recht lange erhalten bleibt. Zusätzlich enthält das Bier viel Kohlensäure.

Die feinen Himbeeraromen steigen mir bereits beim Einschenken in die Nase. Der Duft nach Kirschen hält sich im Aroma diskret im Hintergrund und auch das Malz lugt im Aroma durch. Der natürliche Duft ist also wie erwartet und er animiert zum ersten Schluck.

Wie erwartet ist das Bier beim ersten Kontakt mit der Zunge recht süß, was aber zu der extremen Fruchtigkeit passt, die die 25 % Himbeeren dem Bier verleihen. Schnell tritt die Süße aber etwas in den Hintergrund und überlässt das Feld einer fruchtigen Säure. Der intensive Fruchtgeschmack ist elegant und stimmig. Es folgt ein sehr milder Abgang und der Geschmack der Himbeeren bleibt noch lange auf der Zunge erhalten. Viel besser lässt sich der Sommer nicht in den Winter retten.

Zutaten:

Wasser, Himbeeren (25%), Lambic-Gerstenmalz, Weizen, Sauerkirschen (4%), Hopfen

Alkoholgehalt:

5 % Vol.

Brauerei:

N.V. Brouwerij Boon
Fonteinstraat 65
1502 Lembeek
Belgien
www.boon.be

Bacchus – Framboise

Lange habe ich kein Fruchtbier mehr getestet. Diese Biersorte ist wohl auch eher etwas für den Sommer und jetzt haben wir bereits Ende November. Aber mit einem Himbeerbier sich etwas Sommer in den Herbst zu retten hat ja auch etwas für sich. Und dann war das Bier im Regal auch sehr auffällig, die grüne Flasche mit 37,5 cl war von oben bis unten durch Papier verhüllt.

Bei so viel Papier können wir wohl mit Fug und Recht davon ausgehen, dass wir auch so einige Informationen erhalten. Zunächst einmal wird mir klar, dass dieses belgische Bier nicht dem deutschen Reinheitsgebot entspricht. Das liegt nicht nur an den 12,5 % Himbeeren, die in diesem Bier verbraut worden sind, sondern bei der Herstellung dieser Spezialität wurden auch Zucker und Süßstoff verwendet. Aber gut, damit müssen wir bei ausländischen Bieren immer rechnen und diese Zusätze mindern auch nicht zwingend die Qualität des Bieres. Was mich etwas mehr stört ist die nicht vollständige Zutatenliste. Enthalten sind in diesem Bier (in der Reihenfolge der Erwähnung im Text auf der Verpackung der Flasche: Himbeeren, Zucker, Süßstoff, Gerstenmalz, Weizen. Lassen wir uns also überraschen.

Im Glas zeigt sich das Bier in einem sehr dunklen Braun. Darüber eine mittlere Menge beiger Schaum, feinporig aber recht kurzlebig.

Das Aroma wird eindeutig von den Himbeeren dominiert, auch wenn mit einem Hopfenaroma auch etwas Herbes durchkommt.

Wie nicht anders zu erwarten ist der Antrunk süß und durch einen intensiven Himbeergeschmack bestimmt. Auch der Körper des Bieres ist sehr fruchtig, es kommt aber auch eine gewisse Herbheit durch das Bier zum Vorschein. Das Ganze wird noch durch eine lebhafte Kohlensäure unterstützt. Der Abgang ist absolut neutral und das einzige enttäuschende Element in diesem ungewöhnlichen Bier.

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Castle Brewery
Van Honsebrouck Belgium
Oostrezebekestraat 43
V-8770 Ingelmunster
http://www.vanhonsebrouck.be

Buddelship – Rote Grütze

Fruchtbiere kennen wir ja bereits aus Belgien, aber dieses Mal steht erstmals ein Fruchtbier aus Deutschland vor mir, genauer gesagt aus der Brauerei Buddelship in Hamburg. Ich erinnere mich noch daran, dass die dortigen Brauer nach Norwegen gefahren sind, um dort ein Sauerkraut-Bier zu brauen, das dann in Deutschland als Bier verkauft werden darf, obwohl es nicht dem deutschen Reinheitsgebot entspricht. Ob das Team bei der Roten Grütze auf die gleiche Weise vorgegangen ist, weiß ich nicht, aber ich vermute es, da das Bier unter dem Label Sauerbier verkauft wird. Und den Namen Rote Grütze trägt das Bier schon mal zu Recht, denn es enthält einen ganzen Korb voll verschiedener Früchte, die in der Regel auch wirklich für das Kochen einer Roten Grütze verwendet werden: Himbeeren, Erdbeeren, Kirschen, Johannisbeeren und Blaubeeren. Nun bin ich aber mal gespannt, ob dieses Bier mir genauso gut gefällt wie die meisten Fruchtbiere aus Belgien.

Hell bernsteinfarben steht das Bier im Glas, dabei hefetrüb und mit reichlich Kohlensäure, die zu recht viel cremigem weißen Schaum führt, der auch lange erhalten bleibt. Mich wundert kurz die recht helle Farbe. Bei den vielen unterschiedlichen Früchten hätte ich wirklich mehr Farbe erwartet. Insbesondere Johannisbeeren und Blaubeeren färben schließlich sehr gut und die anderen Früchte haben eigentlich auch eine recht intensive Farbe. Aber die helle Farbe beweist zumindest, dass die Brauer hier nicht mit irgendwelchen Farbstoffen gearbeitet haben. Damit wird die Farbe eindeutig zum Pluspunkt für dieses Bier.

Das Aroma gibt schon mal einen Eindruck von der Berechtigung, dieses Bier als Sauerbier zu verkaufen. Säuerliche Düfte herrschen vor und drängen alle anderen Geruchseindrücke zur Seite. Beerig ist ein Wort, das es im Deutschen nicht gibt, dass aber den Duft bestens beschreibt. Er erinnert mich an die Kindheit, wenn meine Großmutter im Sommer Marmelade gekocht hat. Aber hier kommt noch eine leichte herbe Note im Hintergrund dazu.

Der Antrunk ist sauer, wirklich sauer. Das zieht einem zunächst alles zusammen. Beim zweiten oder dritten Schluck habe ich mich dann etwas an die Säure gewöhnt und ich kann noch etwas mehr schmecken. Jetzt kann ich rote Johannisbeeren feststellen. Dieser Geschmack verdrängt alle anderen Früchte. Aber gut, irgendetwas muss ja im Vordergrund stehen.

Kann ich dieses Bier empfehlen? Ich weiß es nicht so richtig. Mir ist es erheblich zu sauer, zumindest ist es zu sauer, um es pur zu trinken. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass es sich sehr gut zum Mixen von Biercocktails eignet. Oder auch zum Bereiten von Desserts. Wenn ich mit diesem Bier ein Gelee bereiten würde, in das ich süße Früchte einbette, beispielsweise Ananas und Banane – doch, ich könnte mir durchaus vorstellen, dass das ein leckeres Dessert werden könnte. Oder ich mache ein Gelee, das ich pikant abschmecke, um es zu Wild, Geflügel oder Fisch zu reichen… So wie dieses Bier aus der Flasche kommt möchte ich es nicht trinken. Aber es regt eindeutig meine Phantasie an.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Himbeeren, Erdbeeren, Kirschen, Johannisbeeren, Blaubeeren, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Brauerei:

Buddelship GmbH
22525 Hamburg
www.buddelship.de

Brasserie des Fagnes – Fruits des Bois

Wieder steht eine Flasche Bier aus Marienbourg in der Wallonie vor mir, diesmal das Fruits des Bois, ein Fruchtbier. Diesmal handelt es sich aber nicht um eine einzelne Frucht wie bei den meisten Fruchtbieren aus Belgien, sondern das Etikett sagt aus, dass es sich um Waldfrüchte handelt, also um eine Fruchtmischung. Aber das muss ja kein Nachteil sein; auch eine Rote Grütze ist schließlich lecker.

Hellrot, fast schon orange, steht das Bier im Glas. Der Optik hätte ein dunkleres Rot sicherlich gutgetan, aber die etwas blasse Farbe legt den Schluss nahe, dass dem Bier keine Lebensmittelfarbe zugesetzt wurde. Das ist immerhin schon mal ein Qualitätsmerkmal. Wie auch die anderen Biere aus dieser kleinen Brauerei ist auf dem Etikett keine vollständige Zutatenliste ausgedruckt. Aber weiter mit dem Bier. Es bildet sich sehr viel feinporiger Schaum, der lange erhalten bleibt, was wohl durch die reichlich vorhandene Kohlensäure gewährleistet wird.

Das Aroma ist betörend. Das Bier duftet intensiv nach roten Früchten, vor allem nach Himbeeren, aber auch nach Erdbeeren. Das Fruchtaroma ist so intensiv, dass weder Hopfen noch Malz durchkommen.

Der Antrunk ist weniger süß als der anderer belgischer Fruchtbiere. Die Kohlensäure ist fast zu reichlich vorhanden, sie verdrängt teilweise die Süße und Fruchtigkeit des Bieres. Aber gut, das ist Geschmackssache. Im Körper kommt dann auch das Malz durch, gerade soweit, dass sich Malz und Fruchtigkeit die Waage halten. Die Bitterstoffe und die Säure sind gut ausgeglichen. Jetzt kommt auch die Kohlensäure nicht mehr so stark zum Vorschein, ohne dass das Bier schal wird. Der Abgang ist freundlich bitter und klingt lange Zeit nach. Das ist eindeutig ein leckeres Bier.

Es passt gut zu Käsespeisen wie Raclette oder Käsefondue, aber auch zu Gänsebraten und gebratenem Fisch.

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Brasserie des Fagnes
Route de Nismes 24
5660 Mariembourg
Belgien
www.fagnes.be