Archiv der Kategorie: Biobier

Hofmark – Weisse

Sommerzeit ist Weißbierzeit. So steht jetzt die Hofmark Weisse aus der Brauerei Hofmark im Bayrischen Wald vor mir. Die Flasche ist eine Abfüllung für die Bioladenkette denn’s. Dabei handelt es sich um das gleiche Bier, das die Brauerei auch unter dem Namen Hofmark Bio Weisse in der Bügelverschlussflasche vertreibt. Die Brauerei begann im Jahr 1995 Bier aus biologischen Zutaten zu brauen. Dann wollen wir mal sehen, wie sich das Bier so macht.

Kräftig goldfarben und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Für ein Weizenbier bildet sich wenig Schaum, der auch nicht allzu lange erhalten bleibt. Aber es kommt ja nicht so sehr auf den Schaum an und die Farbe des Bieres verspricht schon einmal einen intensiven Geschmack.

Das Aroma ist schon mal überraschend. Der für ein Weizenbier typische Duft nach Banane hält sich diskret im Hintergrund, stattdessen dominieren der Duft der Hefe, nach Toffee, Birnen und einem Hauch Zitrone. Ungewöhnlich, aber wirklich nicht schlecht.

Der Antrunk ist recht süß, aber die sehr gut bemessene feinperlige Kohlensäure sorgt für eine angenehme Frische. Das Bier verteilt sich im Mund und es zeigt sich, dass die Duftnoten sich im Geschmack fortsetzen. Die Süße sorgt für einen vollmundigen kräftigen Geschmack. Ich schmecke Birne und eine dezente Säure, während auch hier der eigentlich sortentypische Geschmack der Banane fast vollständig fehlt. Aber insgesamt macht der Geschmack einen runden und ausgewogenen Eindruck. Erst im Abgang wagt sich der Bananengeschmack hervor und ich meine, auch Anklänge von Haselnuss zu erschmecken. Bitterstoffe tauchen nur sehr wenig auf.

Das Hofmark Weisse ist untypisch, aber wirklich lecker. Wer milde und vollmundige Biere mag, wird dieses Bier lieben.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürze:

12° Plato

Bittereinheiten:

15 IBU

Brauerei:

Hofmark Brauerei KG
Hofmarkstr. 15
93455 Loifling
www.hofmark-brauerei.de

für

denree GmbH
Hofer Str. 11
95183 Töpen
www.dennree.de

Riedenburger – Dolden Null

Alkoholfreies Craft Beer ist selten und auch beim Bier aus biologischen Zutaten ist alkoholfreies Bier die absolute Ausnahme. Beim Dolden Null aus dem Riedenburger Brauhaus im Altmühltal kommt nun beides zusammen: ein alkoholfreies Craft Beer, das aus Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau gebraut wurde. Nur zur Erinnerung: alkoholfreies Bier heißt nicht, dass das Bier absolut keinen Alkohol enthält, sondern lediglich, dass weniger als ein halbes Volumenprozent enthalten ist. Darauf weist das Riedenburger Brauhaus beim Dolden Null auch auf dem vorderen Etikett hin.

Auf dem Rückenetikett beschreibt die Brauerei im Telegrammstil, weshalb und wie sie das Bier braut: „Manchmal müssen wir noch Auto fahren. Manchmal am nächsten Tag fit sein. Aber deswegen auf ein Craftbier verzichten? Wir mussten es lösen, dieses schier unlösbar geglaubte Dilemma. Auch für uns selbst. Hier ist Dolden Null. Eingebraut als Dolden Sud und dann urplötzlich die Gärung gestoppt. Quasi ein Alcoholitus Interruptus. Das Ergebnis: ein hopfig, fruchtiges craftiges Bier – nur eben fast ohne Alkohol.“ Soweit die Theorie, kommen wir nun zum Bier.

Goldgelb zeigt sich das Bier im Glas, dazu minimal hefetrüb. Darüber bildet sich eine recht große feinporige weiße Schaumkrone, die sich sehr langsam auflöst. Die Optik dieses Biers ist schon mal ein Gedicht.

Das Bier duftet nach Zitrusschalen und Bitterorange. Dazu ist eine gewisse Malzsüße zu erahnen. Jetzt habe ich aber richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk spiegelt das Aroma wider. Die Zitrone kommt dabei mehr in den Vordergrund und ich würde mir etwas mehr Süße wünschen. Aber die sehr lebendige Kohlensäure sorgt für eine ordentliche Frische. Insgesamt macht das Bier während des Trinkens einen leichten Eindruck. Erst im Abgang kommt eine leichte und freundliche bittere Note hervor, die recht kurz nachklingt.

Es ist ein durchaus leckeres Bier, das ich gerne an einem warmen Sommerabend im Biergarten genießen würde. Für ein IPA fehlt mir aber etwas.

Zutaten:

Wasser, Emmermalz, Gerstenmalz, Hopfen (Spalter Select, Saphir, Mandarina Bavaria, Cascade, Pilgrim), Gärungskohlensäure, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Stammwürze:

6° Plato

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
93339 Riedenburg
www.riedenburger.de

BierSelect

Riedenburger – Dolden Dark

Nun befasse ich mich mal wieder mit einem Bier aus Bayern, das Dolden Dark aus dem Riedenburger Brauhaus. Es handelt sich um ein handwerklich gebrautes Porter. Eine Besonderheit dieses biologischen Bieres aus dem Altmühltal ist die Verwendung von Emmermalz. Emmer ist eine alte Getreidesorte, die zwischenzeitlich nahezu ausgestorben war. Erst in den letzten Jahren gewinnt sie langsam wieder etwas an Bedeutung. Aber wenden wir uns dem Bier zu.

Ein Blick auf das Etikett zeigt bereits eine Besonderheit. Da die Rohstoffe für diese Bierspezialität vermutlich nicht in beliebigen Mengen vorhanden sind und sich die Brauer daher nicht sicher sein können, beim nächsten Mal das exakt gleiche Ergebnis zu erzielen, ist auf dem Etikett die Nummer des Suds vermerkt. In diesem Fall ist es der Sud 11.

Absolut schwarz und blickdicht ist das Bier, darüber ein nussbrauner gemischtporiger Schaum, der allerdings recht flott verschwindet. Lediglich ein kleiner Rest des Schaums bleibt dauerhaft erhalten.

Das Aroma ist durch Röstaromen geprägt, das Bier duftet nach Kaffee und Schokolade. Der Hopfen kommt hier nicht in den Vordergrund.

Der Antrunk ist leicht süß und hier kommt erstmals die sehr feinperlige Kohlensäure zum Vorschein. Zu sehen war sie nicht, da das Bier so konzentriert ist, dass wirklich kein Licht in es eindringt.

Der Körper ist ausgewogen, ich schmecke bittere Schokolade gemischt mit Kaffee, dazu eine leichte Säure. An so ein Bier könnte ich mich doch glatt gewöhnen. Der Abgang ist anfangs wie eine gute Bitterschokolade, die etwas Säure mit sich bringt. Dann wandelt sich der Geschmack und es kommen die Kaffeetöne zum Vorschein. Der Geschmack bleibt auch einige Zeit erhalten, bevor er langsam verklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Emmermalz, Hopfen, Hefe

Mit Ausnahme des Wassers und der Hefe stammen alle Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau.

Alkoholgehalt:

6,9 % Vol.

Bittereinheiten:

28 IBU

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
93339 Riedenburg
http://www.riedenburger.de

BierSelect

Neumarkter – Gerstenthaler Alkoholfrei

Nun steht mal wieder ein Biobier aus Neumarkt in der Oberpfalz vor mir, erstmals aber nicht aus der Lammsbräu-Brauerei, sondern von Glossner Bräu. Es handelt sich um ein alkoholfreies Schankbier. Häufig ist Schankbier ja nicht von bester Qualität und der Entzug des Alkohols macht das Bier auch nicht wirklich schmackhafter. Dementsprechend niedrig sind meine Erwartungen. Aber bevor ich über dieses Bier den Stab breche will ich erst einmal prüfen, ob sich mein Vorurteil bestätigt. Schenke ich mir also eine Probe ein.

Golden steht das Bier im Glas und mir fällt auf, dass es relativ wenig Kohlensäure enthält. Auf dem Bier steht eine mittlere Menge Schaum, feinporig und reinweiß, der auch einige Zeit erhalten bleibt. Rein von der Optik her macht das Bier also einen guten Eindruck, der mit etwas mehr Kohlensäure perfekt sein könnte.

Das Aroma ist eindeutig neben dem Malz durch den Hopfen bestimmt, auch der Geruch brauner Banane ist dabei. Fast könnte der Eindruck entstehen, dass es sich um ein Weizenbier handelt. Der Antrunk ist leicht süß und aufgrund der geringen Kohlensäuremenge wenig spritzig, fast langweilig. Der Körper ist recht bitter, was aber nicht unangenehm ist, sondern durchaus noch ausgewogen harmonisch mit der Süße des Malz und der leichten Säure, die der Hopfen mit sich bringt. Der Abgang ist nicht wirklich überzeugend, aber zumindest bleiben die Bitterstoffe längere Zeit in der Kehle erhalten.

Das alkoholfreie Gerstenthaler ist wirklich kein Spitzenbier, auch wenn es für ein alkoholfreies Bier doch besser ist als der Durchschnitt. Mit dem Alkohol geht bekanntlich auch ein guter Teil des Geschmacks verloren. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass ich dieses Bier in einer Blindverkostung nicht als alkoholfrei erkannt hätte. Dieser Eindruck ist sicher der guten Auswahl der Hopfensorte geschuldet.

Zutaten:

Mineralwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Gärungskohlensäure

Brauerei:

Brauerei Franz Xaver Glossner & Neumarkter Mineralbrunnen e.K.
Deininger Weg 88
92318 Neumarkt
http://www.glossner.de

Neumarkter Lammsbräu – Festbier Winter

Ich meine mich zu erinnern, dass Neumarkter Lammsbräu die größte Brauerei Deutschlands ist, die ausschließlich mit Rohstoffen aus kontrolliert biologischem Anbau braut. Auch wenn ich mir da nicht vollkommen sicher bin, gehört die Brauerei auf jeden Fall zu den ganz großen in der Bio-Nische. Außerdem verwendet die Brauerei nicht die Rohstoffe nach EU-Bio, das eher ein „Bio Light“ ist, sondern die Brauerei ist von Naturland zertifiziert, verwendet also „echtes“ Bio. Besonders beeindruckt mich aber, dass die Brauerei sich noch weitere Regeln auferlegt hat:

  • Die Rohstoffe stammen aus biologischem Anbau. Na gut, dass ist für eine Bio-Brauerei selbstverständlich.
  • Lammsbräu verwendet ausschließlich die vollständigen Dolden von Aromahopfen-Sorten. Das geht schon über das Übliche hinaus. Häufig wird Bier mit Pellets gebraut. Damit nimmt die Brauerei einige zusätzliche Mühen in Kauf, da der Hopfen in jedem Sack einen etwas anderen Gehalt an Alphasäuren und Hopfenölen enthalten kann. Außerdem ist die Lagerhaltung aufgrund des höheren Volumens des Hopfens aufwändiger.
  • Das Getreide wird eigens von Lammsbräu gemalzt. Dabei wird durch eine indirekte Beheizung eine Nitrosaminbildung verhindert.
  • Das Bier wird schonend gebraut. Dabei verzichtet die Brauerei sowohl auf Schnellgärverfahren als auch auf Aktivkohlefilter für die Entfernung missliebiger Geschmacksstoffe als auch auf die Einstellung der Farbe durch Röstmalzextrakt.
  • Das Bier wird nicht künstlich haltbar gemacht. Das bedeutet, dass auf den Einsatz von Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP) oder Kieselsäurepräparate (Stabilisierungsmittel) zur Verlängerung der Haltbarkeit verzichtet wird.
  • Das Bier wird ausschließlich in Mehrwegverpackungen abgefüllt.

Soweit die Theorie; jetzt ist es an der Zeit, dass wir die Flasche zu öffnen und uns mit dem Festbier Winter zu beschäftigen.

Bernsteinfarben fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittliche Krone aus größtenteils feinporigem Schaum, die lange erhalten bleibt.

Das Malz dominiert das Aroma. Düfte nach Karamell steigen mir in die Nase, unterstützt durch den Duft des Hopfens, der Noten nach Gras und Blumen zusteuert. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Als erstes macht das Bier auf der Zunge einen vollmundigen und runden Eindruck. Die mäßige Süße korrespondiert gut mit der sehr feinperligen Kohlensäure. Schnell kommt ein mildes Bitter dazu und das Bier macht ein fast cremiges Mundgefühl. Jetzt stelle ich noch eine leichte Fruchtigkeit fest, die für einen ausgewogenen Geschmack sorgt. Das wird durch den gut eingearbeiteten Alkohol unterstützt. Im Abgang wird das Bier etwas trockener. Mit seinem leicht bitteren Geschmack sorgt es für einen mittleren Nachklang.

Das Neumarkter Lammsbräu Festbier Winter trägt seinen Namen zu Recht; es passt gut zu winterlichen Gerichten wie Wildbraten, aber auch zu Geflügel.

Zutaten:

Mineralwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Stammwürze:

13,6° Plato

Brauerei:

Neumarkter Lammsbräu
Gebr. Ehrnsperger KG
Amberger Str. 1
92318 Neumarkt
www.lammsbraeu.de

Bayreuther Bio-Weiße

Heute steht mal wieder ein Bier aus Bayern vor mir, die naturtrübe Bio-Weiße aus der Brauerei Maisel in Bayreuth. Auch wenn Maisel vielen Menschen eher als Hersteller von Massenbieren bekannt ist, gibt es aus diesem Unternehmen doch auch einige Spezialitäten. Beispiele dafür sind dieses Weizenbier oder die Kollektion „Maisel & Friends“. Mir gefällt, dass die Zutaten für dieses Bier nicht aus dem EU-Bio-Anbau stammen, sondern dass das Bier von Bioland zertifiziert ist, dass es sich also um ein „echtes“ biologisches Produkt handelt.

Rotgolden und nur leicht hefetrüb ist das Bier, darüber viel weißer Schaum, größtenteils feinporig, der sich zum Großteil aber relativ schnell auflöst. Ein Rest bleibt aber lange erhalten. Bereits ein erster Blick auf das Bier offenbart eine lebhafte Kohlensäure.

Das Aroma wird durch das Weizenmalz geprägt, wobei sich das Karamellaroma aus der Mälzung gut mit einem Hauch von Duft nach Trockenfrüchten verträgt.

Auch der Antrunk wird durch das Malz bestimmt, er ist durch den Malzzucker recht süß. Nur langsam kommt der Geschmack des Hopfens zum Vorschein. Mir würde es gefallen, wenn dieses Bier etwas mehr Hefe enthalten würde, wodurch Antrunk und Körper besser miteinander verbunden würden. Der Abgang ist leicht bitter und der Geschmack bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Alles in Allem ist es ein recht gutes Bier, eindeutig überdurchschnittlich, aber zu einem Spitzenbier ist doch noch einige Luft.

Zutaten:

Wasser, Weizen- und Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Gebr. Maisel KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
http://www.bayreuther-bio-brauer.de

Corsendonk – Pater-Dubbel

Nun steht ein Abteibier vor mir, das Corsendonk Pater-Dubbel. Im Gegensatz zu den Trappistenbieren werden Abteibiere in der Regel nicht von den Mönchen im Kloster gebraut, sondern die Biere werden von externen Brauereien in Lizenz gebraut. Das Rezept, das in vielen Fällen seit langer Zeit überliefert wurde, bleibt dabei im Besitz der Mönche, die Lizenzzahlungen von den externen Brauereien erhalten. Normalerweise handelt es sich bei den Abteibieren um komplexe Biere, die einen besonderen Genuss versprechen. Mal sehen, ob das auch für dieses Bier zutrifft. Eine Besonderheit hat die Brauerei. Sie stellt kein Bier mehr selbst her, sondern der Brauvorgang wird in allen Fällen extern an Dienstleister vergeben,

Schwarz und blickdicht steht das obergärige Bier im Glas, darüber recht viel cremiger beiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Doch, dieses Bier macht optisch schon mal einen richtig guten Eindruck.

Das Aroma überrascht mich. Bei der Optik hätte ich erwartet, dass es durch Röststoffe dominiert wird. Tatsächlich halten sich die Röststoffe mit ihrem Duft nach Karamell und dunkler Schokolade diskret im Hintergrund. Stattdessen duftet das Bier eher nach reifen Früchten, ich meine Kirsche zu erkennen.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß und ich bemerke, dass dieses Bier recht viel Kohlensäure enthält. Der Körper ist intensiv und so komplex, wie ich es bei einem Abteibier erwarte. Süße und Bitterstoffe halten sich perfekt die Waage, dazu kommt eine dezente Säure. Kaffee, Schokolade und Karamell dominieren den Geschmack, dazu kommen Noten nach roten Früchten und Weinbrand. Dabei sorgt etwas Hefe, die sich im Bier befindet, für einen milden Geschmack. Der Abgang ist bitter-säuerlich mit mittlerem Nachklang.

Noch besser schmeckt dieses Bier, wenn man zwischen den Schlucken noch ein Stück dunkler Schokolade isst.

Zutaten:

Wasser, Gerste, Hopfen. Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten:

25 IBU

Brauerei:

Brouwerij Cosendonk NV/SA
Slachthuisstraat 27
2300 Turnhout
Belgien
www.corsendonk.com

Hellers – Sommersud

Ja, der Sommer ist inzwischen vorbei und wir sind mitten im Herbst. Trotzdem stand bei mir noch eine Flasche von Hellers Sommersud in der Ecke, die ich jetzt geleert habe und die ich jetzt beschreiben will.

Hellers Sommersud ist das erste Jahresbier, das die inzwischen seit 25 Jahren bestehende Brauerei herausgebracht hat. Die Brauerei beschreibt den Sommersud wie folgt: „Der Sommersud ist ein unfiltriertes, obergäriges Bier mit einer goldgelben Farbe. Schon in der Nase sind Nuancen von Zitrusfrüchten und Mandarine vorhanden, die sich im Geschmack fortsetzen. Der Sommersud ist etwas stärker gehopft und hat eine gut erkennbare Bittere.“ Mal sehen, ob ich diese Beschreibung bestätigen kann.

Hell Goldgelb und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber viel feinporiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist frisch und wird durch Zitrusnoten bestimmt, dazu ein Hauch Karamell.

Der Antrunk ist mittelsüß und obwohl das Bier nur recht wenig Kohlensäure enthält, ist es spritzig. Der Körper ist deutlich bitter und es kommt etwas Säure durch. Die Süße hält sich diskret im Hintergrund. Doch, dieses Bier ist schon etwas Besonderes und wunderbar süffig. Der Abgang ist recht bitter und klingt einige Zeit nach.

Alles in Allem sehe ich das Bier wie ein recht mildes und leckeres IPA. Die Brauerei verspricht, dass das Sommersud das erste Bier in einer regelmäßigen Reihe von Sonderbieren darstellt. Braumeister Gregor Scharek erklärt: „Wir haben bereits eine Idee für das nächste Sonderbier“. Ich freue mich schon drauf.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Weizen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Heller GmbH
Roonstraße 33
50674 Köln
www.hellers-brauhaus.de

Quintine – Bio

Das Bier, das jetzt vor mir steht, ist der Hexe Quintine gewidmet, der letzten Hexe, die im belgischen Ellezelles im wallonischen Teil von Belgien am 26. Oktober 1610 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Quintine war als gute Brauerin bekannt, verwendete aber häufig Zutaten, die nicht immer Gutes bewirkten.

Was Quintine so alles in ihr Bier gemischt hat weiß ich nicht. Ich stelle aber fest, dass die Brauerei in der Tradition Quintines braut. Zumindest sagt das Etikett nicht einmal aus, um welchen Bierstil es sich handelt. Ich habe das Bier trotzdem gekauft, quasi als Überraschungstüte. Ich kann aber nach dem Trinken sagen, dass es sich um ein Strong Ale handelt, auch wenn es mit seinen 5,9 Volumenprozenten Alkohol für belgische Verhältnisse nicht allzu stark ist. Aber wir wollen vom Bier ja den Genuss, die Wirkung soll nicht im Vordergrund stehen.

Hell bernsteinfarben und hefetrüb ist das Quintine. Es enthält eine sehr aktive Kohlensäure und es entwickelt recht viel sahnigen Schaum, der langsam in sich zusammenfällt. Optisch gefällt mir das Bier schon mal.

Das Aroma ist süß-säuerlich und fruchtig. Ich meine, Mango zu riechen, begleitet von einigen würzigen Noten. Der Antrunk ist voll und rund, so dass das Bier von Anfang an einen angenehmen Eindruck vermittelt. Auf der Zunge macht das Bier einen fruchtigen Eindruck. Auch wenn es relativ viel fruchtige Säure enthält, wirkt sie nicht unangenehm, sondern sie ist mit der Süße gut ausgewogen. Jetzt schmeckt das Bier nach tropischen Früchten, wobei der Geschmack nach Ananas im Vordergrund steht. Bitterstoffe machen sich erst im Abgang bemerkbar, zwar nur leicht, aber sie klingen lange nach.

Das Quintine Bio ist ein typisches belgisches Bier, das auch hervorragend zu belgischem Essen passt, also zu Muscheln und gebratenem Fisch.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,9 %

Brauerei:

Brasserie des Légendes sprl
Rue de castel 19
7801 Ath
Belgien
www.brasseriedeslegendes.be

Wolfscraft – Viel Weizen

Cemal Cattaneo ist Schweizer und stellt seit längerer Zeit handgemachte Pasta in Bio-Qualität her. Vor einigen Jahren stellte er fest, dass viele Biere in Deutschland keine Aromen haben und er hatte die Schnapsidee, selbst Bier zu brauen. Seit 2016 sind seine Biere nun unter der Marke Wolfscraft auf dem Markt. Da Cemal sich für den Umweltschutz engagiert, ist es naheliegend, dass Malz und Hopfen aus biologischem Anbau stammen. Als Brauwasser wird Alpenquellwasser verwendet. Im Interview mit Meiningers Craft Magazin hat er erzählt, dass er bislang „nur“ die Biere entwickelt und den Brauprozess an eine Brauerei beauftragt. Für die Zukunft will er nicht ausschließen, eine eigene Brauerei zu errichten, aber darüber ist noch nicht entschieden. Bei der Entwicklung der Biere analysiert er die Eigenschaften traditioneller deutscher Braustile und interpretiert diese Stile neu. Sowohl er als auch die Brauerei machen eine gute Arbeit. Nicht umsonst wurde das Weizenbier von Wolfscraft, das jetzt vor mir steht, bei Meiningers Craft Beer Award in diesem Jahr mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

Beim Einschenken des Bieres fällt mir sofort die sehr geringe Schaumbildung auf. Weiß und gemischtporig ist er und er löst sich recht schnell auf. Das Bier selbst ist honiggelb und es enthält viel Hefe. Aufgrund der geringen Schaumbildung gefällt mir die Optik nicht so gut. Gerade bei Weizenbieren erwarte ich viel Schaum.

Das Aroma versöhnt mich dann aber wieder mit dem Weizenbier von Wolfscraft. Es ist ungewöhnlich fruchtig. Allerdings sind nicht wie bei den meisten Weizenbieren Aromen von Banane im Vordergrund, sondern der Duft von Orangen und Trockenfrüchten. Das Aroma ist ungewöhnlich, aber sehr angenehm und es macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk enthält recht wenig Süße, stattdessen ist er fruchtig und spritzig. Während sich das Bier im Mund verteilt kommt erstmals die von mir im Aroma vermisste Note nach Bananen zum Vorschein. Zusätzlich spiegelt sich jetzt das Aroma von Orangen wider. Dazu kommt eine ungeheure Süffigkeit. Das Bier gefällt mir immer besser. Der Abgang ist fruchtig-trocken. Leider klingt er nur kurz nach.

Das Viel Weizen von Wolfscraft ist ungewöhnlich und überraschend, dabei aber richtig gut. So ein Craft Beer wünsche ich mir häufiger.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,4 %

Brauerei:

Wolfscraft GmbH
General-von-Nagel-Str. 15
85356 Freising
www.wolfscraft.de