Archiv der Kategorie: Biobier

Neumarkter – Gerstenthaler Alkoholfrei

Nun steht mal wieder ein Biobier aus Neumarkt in der Oberpfalz vor mir, erstmals aber nicht aus der Lammsbräu-Brauerei, sondern von Glossner Bräu. Es handelt sich um ein alkoholfreies Schankbier. Häufig ist Schankbier ja nicht von bester Qualität und der Entzug des Alkohols macht das Bier auch nicht wirklich schmackhafter. Dementsprechend niedrig sind meine Erwartungen. Aber bevor ich über dieses Bier den Stab breche will ich erst einmal prüfen, ob sich mein Vorurteil bestätigt. Schenke ich mir also eine Probe ein.

Golden steht das Bier im Glas und mir fällt auf, dass es relativ wenig Kohlensäure enthält. Auf dem Bier steht eine mittlere Menge Schaum, feinporig und reinweiß, der auch einige Zeit erhalten bleibt. Rein von der Optik her macht das Bier also einen guten Eindruck, der mit etwas mehr Kohlensäure perfekt sein könnte.

Das Aroma ist eindeutig neben dem Malz durch den Hopfen bestimmt, auch der Geruch brauner Banane ist dabei. Fast könnte der Eindruck entstehen, dass es sich um ein Weizenbier handelt. Der Antrunk ist leicht süß und aufgrund der geringen Kohlensäuremenge wenig spritzig, fast langweilig. Der Körper ist recht bitter, was aber nicht unangenehm ist, sondern durchaus noch ausgewogen harmonisch mit der Süße des Malz und der leichten Säure, die der Hopfen mit sich bringt. Der Abgang ist nicht wirklich überzeugend, aber zumindest bleiben die Bitterstoffe längere Zeit in der Kehle erhalten.

Das alkoholfreie Gerstenthaler ist wirklich kein Spitzenbier, auch wenn es für ein alkoholfreies Bier doch besser ist als der Durchschnitt. Mit dem Alkohol geht bekanntlich auch ein guter Teil des Geschmacks verloren. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass ich dieses Bier in einer Blindverkostung nicht als alkoholfrei erkannt hätte. Dieser Eindruck ist sicher der guten Auswahl der Hopfensorte geschuldet.

Zutaten:

Mineralwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Gärungskohlensäure

Brauerei:

Brauerei Franz Xaver Glossner & Neumarkter Mineralbrunnen e.K.
Deininger Weg 88
92318 Neumarkt
http://www.glossner.de

Neumarkter Lammsbräu – Festbier Winter

Ich meine mich zu erinnern, dass Neumarkter Lammsbräu die größte Brauerei Deutschlands ist, die ausschließlich mit Rohstoffen aus kontrolliert biologischem Anbau braut. Auch wenn ich mir da nicht vollkommen sicher bin, gehört die Brauerei auf jeden Fall zu den ganz großen in der Bio-Nische. Außerdem verwendet die Brauerei nicht die Rohstoffe nach EU-Bio, das eher ein „Bio Light“ ist, sondern die Brauerei ist von Naturland zertifiziert, verwendet also „echtes“ Bio. Besonders beeindruckt mich aber, dass die Brauerei sich noch weitere Regeln auferlegt hat:

  • Die Rohstoffe stammen aus biologischem Anbau. Na gut, dass ist für eine Bio-Brauerei selbstverständlich.
  • Lammsbräu verwendet ausschließlich die vollständigen Dolden von Aromahopfen-Sorten. Das geht schon über das Übliche hinaus. Häufig wird Bier mit Pellets gebraut. Damit nimmt die Brauerei einige zusätzliche Mühen in Kauf, da der Hopfen in jedem Sack einen etwas anderen Gehalt an Alphasäuren und Hopfenölen enthalten kann. Außerdem ist die Lagerhaltung aufgrund des höheren Volumens des Hopfens aufwändiger.
  • Das Getreide wird eigens von Lammsbräu gemalzt. Dabei wird durch eine indirekte Beheizung eine Nitrosaminbildung verhindert.
  • Das Bier wird schonend gebraut. Dabei verzichtet die Brauerei sowohl auf Schnellgärverfahren als auch auf Aktivkohlefilter für die Entfernung missliebiger Geschmacksstoffe als auch auf die Einstellung der Farbe durch Röstmalzextrakt.
  • Das Bier wird nicht künstlich haltbar gemacht. Das bedeutet, dass auf den Einsatz von Polyvinylpolypyrrolidon (PVPP) oder Kieselsäurepräparate (Stabilisierungsmittel) zur Verlängerung der Haltbarkeit verzichtet wird.
  • Das Bier wird ausschließlich in Mehrwegverpackungen abgefüllt.

Soweit die Theorie; jetzt ist es an der Zeit, dass wir die Flasche zu öffnen und uns mit dem Festbier Winter zu beschäftigen.

Bernsteinfarben fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittliche Krone aus größtenteils feinporigem Schaum, die lange erhalten bleibt.

Das Malz dominiert das Aroma. Düfte nach Karamell steigen mir in die Nase, unterstützt durch den Duft des Hopfens, der Noten nach Gras und Blumen zusteuert. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Als erstes macht das Bier auf der Zunge einen vollmundigen und runden Eindruck. Die mäßige Süße korrespondiert gut mit der sehr feinperligen Kohlensäure. Schnell kommt ein mildes Bitter dazu und das Bier macht ein fast cremiges Mundgefühl. Jetzt stelle ich noch eine leichte Fruchtigkeit fest, die für einen ausgewogenen Geschmack sorgt. Das wird durch den gut eingearbeiteten Alkohol unterstützt. Im Abgang wird das Bier etwas trockener. Mit seinem leicht bitteren Geschmack sorgt es für einen mittleren Nachklang.

Das Neumarkter Lammsbräu Festbier Winter trägt seinen Namen zu Recht; es passt gut zu winterlichen Gerichten wie Wildbraten, aber auch zu Geflügel.

Zutaten:

Mineralwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,6 % Vol.

Stammwürze:

13,6° Plato

Brauerei:

Neumarkter Lammsbräu
Gebr. Ehrnsperger KG
Amberger Str. 1
92318 Neumarkt
www.lammsbraeu.de

Bayreuther Bio-Weiße

Heute steht mal wieder ein Bier aus Bayern vor mir, die naturtrübe Bio-Weiße aus der Brauerei Maisel in Bayreuth. Auch wenn Maisel vielen Menschen eher als Hersteller von Massenbieren bekannt ist, gibt es aus diesem Unternehmen doch auch einige Spezialitäten. Beispiele dafür sind dieses Weizenbier oder die Kollektion „Maisel & Friends“. Mir gefällt, dass die Zutaten für dieses Bier nicht aus dem EU-Bio-Anbau stammen, sondern dass das Bier von Bioland zertifiziert ist, dass es sich also um ein „echtes“ biologisches Produkt handelt.

Rotgolden und nur leicht hefetrüb ist das Bier, darüber viel weißer Schaum, größtenteils feinporig, der sich zum Großteil aber relativ schnell auflöst. Ein Rest bleibt aber lange erhalten. Bereits ein erster Blick auf das Bier offenbart eine lebhafte Kohlensäure.

Das Aroma wird durch das Weizenmalz geprägt, wobei sich das Karamellaroma aus der Mälzung gut mit einem Hauch von Duft nach Trockenfrüchten verträgt.

Auch der Antrunk wird durch das Malz bestimmt, er ist durch den Malzzucker recht süß. Nur langsam kommt der Geschmack des Hopfens zum Vorschein. Mir würde es gefallen, wenn dieses Bier etwas mehr Hefe enthalten würde, wodurch Antrunk und Körper besser miteinander verbunden würden. Der Abgang ist leicht bitter und der Geschmack bleibt durchschnittlich lange erhalten.

Alles in Allem ist es ein recht gutes Bier, eindeutig überdurchschnittlich, aber zu einem Spitzenbier ist doch noch einige Luft.

Zutaten:

Wasser, Weizen- und Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Gebr. Maisel KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
http://www.bayreuther-bio-brauer.de

Corsendonk – Pater-Dubbel

Nun steht ein Abteibier vor mir, das Corsendonk Pater-Dubbel. Im Gegensatz zu den Trappistenbieren werden Abteibiere in der Regel nicht von den Mönchen im Kloster gebraut, sondern die Biere werden von externen Brauereien in Lizenz gebraut. Das Rezept, das in vielen Fällen seit langer Zeit überliefert wurde, bleibt dabei im Besitz der Mönche, die Lizenzzahlungen von den externen Brauereien erhalten. Normalerweise handelt es sich bei den Abteibieren um komplexe Biere, die einen besonderen Genuss versprechen. Mal sehen, ob das auch für dieses Bier zutrifft. Eine Besonderheit hat die Brauerei. Sie stellt kein Bier mehr selbst her, sondern der Brauvorgang wird in allen Fällen extern an Dienstleister vergeben,

Schwarz und blickdicht steht das obergärige Bier im Glas, darüber recht viel cremiger beiger Schaum, der lange erhalten bleibt. Doch, dieses Bier macht optisch schon mal einen richtig guten Eindruck.

Das Aroma überrascht mich. Bei der Optik hätte ich erwartet, dass es durch Röststoffe dominiert wird. Tatsächlich halten sich die Röststoffe mit ihrem Duft nach Karamell und dunkler Schokolade diskret im Hintergrund. Stattdessen duftet das Bier eher nach reifen Früchten, ich meine Kirsche zu erkennen.

Der Antrunk ist wie erwartet recht süß und ich bemerke, dass dieses Bier recht viel Kohlensäure enthält. Der Körper ist intensiv und so komplex, wie ich es bei einem Abteibier erwarte. Süße und Bitterstoffe halten sich perfekt die Waage, dazu kommt eine dezente Säure. Kaffee, Schokolade und Karamell dominieren den Geschmack, dazu kommen Noten nach roten Früchten und Weinbrand. Dabei sorgt etwas Hefe, die sich im Bier befindet, für einen milden Geschmack. Der Abgang ist bitter-säuerlich mit mittlerem Nachklang.

Noch besser schmeckt dieses Bier, wenn man zwischen den Schlucken noch ein Stück dunkler Schokolade isst.

Zutaten:

Wasser, Gerste, Hopfen. Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Bittereinheiten:

25 IBU

Brauerei:

Brouwerij Cosendonk NV/SA
Slachthuisstraat 27
2300 Turnhout
Belgien
www.corsendonk.com

Hellers – Sommersud

Ja, der Sommer ist inzwischen vorbei und wir sind mitten im Herbst. Trotzdem stand bei mir noch eine Flasche von Hellers Sommersud in der Ecke, die ich jetzt geleert habe und die ich jetzt beschreiben will.

Hellers Sommersud ist das erste Jahresbier, das die inzwischen seit 25 Jahren bestehende Brauerei herausgebracht hat. Die Brauerei beschreibt den Sommersud wie folgt: „Der Sommersud ist ein unfiltriertes, obergäriges Bier mit einer goldgelben Farbe. Schon in der Nase sind Nuancen von Zitrusfrüchten und Mandarine vorhanden, die sich im Geschmack fortsetzen. Der Sommersud ist etwas stärker gehopft und hat eine gut erkennbare Bittere.“ Mal sehen, ob ich diese Beschreibung bestätigen kann.

Hell Goldgelb und leicht hefetrüb steht das Bier im Glas. Darüber viel feinporiger Schaum, der auch lange erhalten bleibt.

Das Aroma ist frisch und wird durch Zitrusnoten bestimmt, dazu ein Hauch Karamell.

Der Antrunk ist mittelsüß und obwohl das Bier nur recht wenig Kohlensäure enthält, ist es spritzig. Der Körper ist deutlich bitter und es kommt etwas Säure durch. Die Süße hält sich diskret im Hintergrund. Doch, dieses Bier ist schon etwas Besonderes und wunderbar süffig. Der Abgang ist recht bitter und klingt einige Zeit nach.

Alles in Allem sehe ich das Bier wie ein recht mildes und leckeres IPA. Die Brauerei verspricht, dass das Sommersud das erste Bier in einer regelmäßigen Reihe von Sonderbieren darstellt. Braumeister Gregor Scharek erklärt: „Wir haben bereits eine Idee für das nächste Sonderbier“. Ich freue mich schon drauf.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Weizen

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Heller GmbH
Roonstraße 33
50674 Köln
www.hellers-brauhaus.de

Quintine – Bio

Das Bier, das jetzt vor mir steht, ist der Hexe Quintine gewidmet, der letzten Hexe, die im belgischen Ellezelles im wallonischen Teil von Belgien am 26. Oktober 1610 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Quintine war als gute Brauerin bekannt, verwendete aber häufig Zutaten, die nicht immer Gutes bewirkten.

Was Quintine so alles in ihr Bier gemischt hat weiß ich nicht. Ich stelle aber fest, dass die Brauerei in der Tradition Quintines braut. Zumindest sagt das Etikett nicht einmal aus, um welchen Bierstil es sich handelt. Ich habe das Bier trotzdem gekauft, quasi als Überraschungstüte. Ich kann aber nach dem Trinken sagen, dass es sich um ein Strong Ale handelt, auch wenn es mit seinen 5,9 Volumenprozenten Alkohol für belgische Verhältnisse nicht allzu stark ist. Aber wir wollen vom Bier ja den Genuss, die Wirkung soll nicht im Vordergrund stehen.

Hell bernsteinfarben und hefetrüb ist das Quintine. Es enthält eine sehr aktive Kohlensäure und es entwickelt recht viel sahnigen Schaum, der langsam in sich zusammenfällt. Optisch gefällt mir das Bier schon mal.

Das Aroma ist süß-säuerlich und fruchtig. Ich meine, Mango zu riechen, begleitet von einigen würzigen Noten. Der Antrunk ist voll und rund, so dass das Bier von Anfang an einen angenehmen Eindruck vermittelt. Auf der Zunge macht das Bier einen fruchtigen Eindruck. Auch wenn es relativ viel fruchtige Säure enthält, wirkt sie nicht unangenehm, sondern sie ist mit der Süße gut ausgewogen. Jetzt schmeckt das Bier nach tropischen Früchten, wobei der Geschmack nach Ananas im Vordergrund steht. Bitterstoffe machen sich erst im Abgang bemerkbar, zwar nur leicht, aber sie klingen lange nach.

Das Quintine Bio ist ein typisches belgisches Bier, das auch hervorragend zu belgischem Essen passt, also zu Muscheln und gebratenem Fisch.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,9 %

Brauerei:

Brasserie des Légendes sprl
Rue de castel 19
7801 Ath
Belgien
www.brasseriedeslegendes.be

Wolfscraft – Viel Weizen

Cemal Cattaneo ist Schweizer und stellt seit längerer Zeit handgemachte Pasta in Bio-Qualität her. Vor einigen Jahren stellte er fest, dass viele Biere in Deutschland keine Aromen haben und er hatte die Schnapsidee, selbst Bier zu brauen. Seit 2016 sind seine Biere nun unter der Marke Wolfscraft auf dem Markt. Da Cemal sich für den Umweltschutz engagiert, ist es naheliegend, dass Malz und Hopfen aus biologischem Anbau stammen. Als Brauwasser wird Alpenquellwasser verwendet. Im Interview mit Meiningers Craft Magazin hat er erzählt, dass er bislang „nur“ die Biere entwickelt und den Brauprozess an eine Brauerei beauftragt. Für die Zukunft will er nicht ausschließen, eine eigene Brauerei zu errichten, aber darüber ist noch nicht entschieden. Bei der Entwicklung der Biere analysiert er die Eigenschaften traditioneller deutscher Braustile und interpretiert diese Stile neu. Sowohl er als auch die Brauerei machen eine gute Arbeit. Nicht umsonst wurde das Weizenbier von Wolfscraft, das jetzt vor mir steht, bei Meiningers Craft Beer Award in diesem Jahr mit der Goldmedaille ausgezeichnet.

Beim Einschenken des Bieres fällt mir sofort die sehr geringe Schaumbildung auf. Weiß und gemischtporig ist er und er löst sich recht schnell auf. Das Bier selbst ist honiggelb und es enthält viel Hefe. Aufgrund der geringen Schaumbildung gefällt mir die Optik nicht so gut. Gerade bei Weizenbieren erwarte ich viel Schaum.

Das Aroma versöhnt mich dann aber wieder mit dem Weizenbier von Wolfscraft. Es ist ungewöhnlich fruchtig. Allerdings sind nicht wie bei den meisten Weizenbieren Aromen von Banane im Vordergrund, sondern der Duft von Orangen und Trockenfrüchten. Das Aroma ist ungewöhnlich, aber sehr angenehm und es macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk enthält recht wenig Süße, stattdessen ist er fruchtig und spritzig. Während sich das Bier im Mund verteilt kommt erstmals die von mir im Aroma vermisste Note nach Bananen zum Vorschein. Zusätzlich spiegelt sich jetzt das Aroma von Orangen wider. Dazu kommt eine ungeheure Süffigkeit. Das Bier gefällt mir immer besser. Der Abgang ist fruchtig-trocken. Leider klingt er nur kurz nach.

Das Viel Weizen von Wolfscraft ist ungewöhnlich und überraschend, dabei aber richtig gut. So ein Craft Beer wünsche ich mir häufiger.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,4 %

Brauerei:

Wolfscraft GmbH
General-von-Nagel-Str. 15
85356 Freising
www.wolfscraft.de

Liebhart‘s – Bio Malz

Normalerweise trinke ich kein Malzbier, aber bei diesem Erzeugnis aus Ostwestfalen mache ich doch mal eine Ausnahme. Bislang haben mir alle Biere aus der Brauerei in Detmold recht gut gefallen und wenn die Brauer sich die zusätzlichen Kosten für Biozutaten aufbürden, geben sie sich meist mehr Mühe mit dem Bier, was der Qualität eindeutig zugutekommt. Und letztendlich macht mich die Süßung dieses Malzbiers neugierig. Liebharts Bio Malz wird nicht mit weißem Industriezucker gesüßt, sondern mit Rohrzucker und Reissirup. Diese Süßungsmittel sind zwar nicht unbedingt gesünder als Industriezucker, aber da sie nicht chemisch gereinigt wurden enthalten sie noch Geschmackstoffe, weshalb ich mir durchaus vorstellen kann, dass dieses Bier gut trinkbar ist.

Dunkel-rotbraun ergießt sich das Malzbier ins Glas. Schaum bildet sich fast nicht, und das bisschen Schaum, das sich aufbaut, verschwindet auch fast sofort wieder. OK, das ist bei einem solchen Getränk auch nicht anders zu erwarten.

Das Aroma ist malzig-süß, etwas Karamell kommt dazu und der Hopfen ist bestenfalls zu ahnen. Die Süße war bei dieser Zutatenliste zu erwarten, denn Wasser steht an erster Stelle, danach kommen Malz, Rohrzucker und Reissirup. Aber immerhin ist die Süße nicht so penetrant wie bei einer Limonade oder den Malzgetränken der Industrie.

Auch im Geschmack ist die Süße der vorherrschende Eindruck. Nicht so sehr wie bei Industrieprodukten oder beim Kinderbier, das ich aus der Brauerei Super des Fagnes im belgischen Mariembourg mitgebraucht habe, aber auch das Malzbier von Liebharts ist mir deutlich zu süß. Außerdem enthält es kaum Kohlensäure, so dass es von Anfang an etwas abgestanden wirkt. Eventuell war aber auch das Gummi des Bügelverschlusses porös und bei einem heilen Gummi würde das Bier mehr Kohlensäure enthalten und damit erfrischender sein.

Mein Bier ist das nicht, aber es hat sicher auch seine Liebhaber, denn ansonsten würde es sich nicht verkaufen und in der Folge nicht weiter hergestellt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Rohrzucker, Reissirup, Hopfen

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Brauerei:

Liebhart’s Privatbrauerei GmbH & Co. KG
Am Geldkamp 6
32758 Detmold
www.residenz-biere.de

Friedensreiter Bräu – Dunkel

Das dunkle Lager, das jetzt vor mir steht, wird von der Brauerei vollmundig beworben: „Friedensreiter Dunkel ist eine malzig-würzige Bierspezialität. Durch den hohen Einsatz von Karamellmalzen entsteht ein einzigartig aromatischer Geschmack. Die dunkle Bernsteinfarbe wird durch den Einsatz von Röstmalzen erzielt, leichte Röst- und Kaffeearomen prägen den Geschmack. Eine dezente Hopfennote rundet das Geschmackserlebnis ab, die leichte Kohlensäure macht das Bier rezent-prickelnd und süffig. Ein Traum von einem dunklen Bier.“ So weit, so gut. Zusätzlich sind die Biere von Friedensreiter nicht nur aus Zutaten gebraut, die aus kontrolliert biologischem Anbau stammen, sondern bei der Auswahl der Rohstoffe achtet die Brauerei auch darauf, dass es sich um alte Sorten handelt. Den Grund dafür teilt die Brauerei in einer Pressemitteilung mit: „Durch den Einsatz historischer Sorten wie z. B. Dr. Franks grannenabwerfender Imperialgerste, Chevallier von Neuhaus oder Heines Goldthorpe wirkt Friedensreiter® Bräu der zunehmenden Verarmung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft entgegen. Die einzigartige Aromen- und Geschmacksvielfalt der Inhaltsstoffe wird auf die handgemachten Biere übertragen.“ Dann will ich mal testen, ob sich diese Auswahl wirklich auf das Bier auswirkt.

Dunkel bersteinfarben bis rubinrot präsentiert sich das Lager im Glas. Darüber bildet sich eine durchschnittlich große feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Röstaromen und auch ein Hauch des Hopfens steigen mir in die Nase. Ich rieche Karamell und Trockenfrüchte, die an Rosinen erinnern.

Der Antrunk ist recht süß, was aber zu der reichlich vorhandenen sehr feinperligen Kohlensäure passt. Dabei ist der Geschmack angenehm frisch. Süße und Frische bleiben auch auf der Zunge bestehen und sorgen für ein rundes und vollmundiges Mundgefühl. Der Abgang ist mild und die Röststoffe kommen in den Vordergrund. Bitterstoffe sind nur gering vorhanden. Trotzdem klingt der Geschmack lange nach.

Das Friedensreiter Bräu gefällt mir gut. Es ist ein unkompliziertes Craft Beer, das ohne Experimente auskommt, sondern einen bewährten Bierstil bestens umsetzt. Damit dürfte es nicht nur ausgesprochenen Craft Beer-Trinkern gefallen, sondern auch der durchschnittliche Biertrinker, für den Bier halt nach Bier schmecken soll, dürfte Gefallen an diesem Lager finden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,8° Plato

Bittereinheiten:

26 IBU

Brauerei:

Nudge products GmbH
Altenberger STr. 38
48565 Steinfurt
www.friedensreiterbraeu.de

Fullers – Honey Dew

Nun will ich mal wieder ein Bier aus England verkosten, das Fuller’s Honey Dew. Das Golden Ale, das auf dem Etikett am Hals als erfrischend angepriesen wird, soll zu den meistverkauften Bieren auf der Insel gehören. Mal sehen, ob dies zu Recht so ist. Ausgezeichnet ist das Bier mit dem EU-Biosiegel. Nachdem mir andere Biere aus diese Brauerei bereits sehr gut gefallen haben, kann ich in diesem Fall wohl meine Erwartungen etwas höher ansetzen.

Goldgelb ist das Bier und entwickelt nur relativ wenig feinporigen Schaum, der aber recht lange erhalten bleibt. Dazu sehe ich vergleichsweise wenig Kohlensäure.

Auch wenn das Bier hell ist, wird das Aroma durch den Duft nach Waldhonig dominiert. Die Differenz zwischen der hellen Farbe und dem Duft nach Waldhonig, der bekanntlich eher herb und dunkel ist, kommt vermutlich daher, dass ein guter Teil des Zuckers während des Brauprozesses vergoren und in Alkohol und Kohlensäure aufgespalten wurde. Unterstützt wird der Honigduft durch eine Karamellnote. Der Antrunk ist sehr süß und der Honiggeschmack kommt deutlich durch. Aber die kräftige Süße ist zusammen mit der Kohlensäure nicht unangenehm. Auch im Körper dominiert der Honig, dazu kommt die Würzigkeit des Hopfens, die sich zwar gut mit dem Geschmack des Honigs verbindet, sich aber nicht wirklich entfalten kann. Dabei sorgt das Malz aber für eine recht gute Süffigkeit. Der Abgang ist sehr mild, die Süße spielt weiterhin mit und es gibt nur wenige Bitterstoffe. Der Geschmack klingt nur kurz nach.

Dieses Bier macht mir den Eindruck, dass es nicht jedem gefallen will. Mir persönlich ist es zu süß, während es meiner Frau aufgrund der wenig dominanten Bitterstoffe recht gut gefallen hat. Aber auch ich muss zugeben, dass dieses Bier besser schmeckt als die Biermischgetränke, die auf den Mittelaltermärkten in Deutschland angeboten werden.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Honig, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Brauerei:

Fuller Smith & Turner PLC
Chiswick Lane South
London W4 2QB
Großbritannien
www.fullers.co.uk