Archiv der Kategorie: Biertest

Black Bean Stout

Jetzt steht ein neues Bier aus Österreich vor mir. Das Black Bean Stout hat Bierpapst Conrad Seidl in seinem BuchBier Guide 2022 unter der Überschrift Bier-Innovationen wie folgt beschrieben: „Schwarze Bohnen haben einen leicht bitteren Geschmack – und gemeinsam mit dem ‚Bohna Vista – local hub‘ entwickelte der Lebensmitteltechnologe Roland Pöttschacher die Idee, diese Bittere und das Eiweiß von Bohnen aus der Region Rosalia, vom Pöttschinger Bohnenbauern Harald Strassner, in einem Bio-Bier zu nutzen. Tiefschwarz und mit dunkelbraunem, sehr üppigen Schaum liegt dieses Bier im Glas. Es duftet nach Bohnen und Kaffee, zeigt starke, etwas brenzlige Röstaromen. Der Antrunk ist erfrischend spritzig, aber mald macht sich eine Süße bemerkbar, die an Trinkschokolade erinnert. Gegen den Nachtrunk hin gewinnt die Bittere die Oberhand, was für eine gute Balance von zwei sehr starken Geschmackseindrücken im Finish sorgt.“

Da lässt sich ja kaum noch etwas hinzufügen. Aber ich habe das Bier vor mir stehen und werde es jetzt verksoten. Ich bin gespannt, ob ich die gleichen Sinneseindrücke habe wie Conrad. Blickdicht schwarz mit sehr viel festem haselnussbraunem Schaum präsentiert sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone bleibt auch sehr lange erhalten. Selten hatte ich ein Stout, das mich so angesprochen hat.

Wie die Optik ist auch das Aroma hervorragend. Düfte nach dunkler Schokolade mischen sich mit süßen Noten, die an Kandis erinnern. Aus dem Hintergrund kann ich die Bohnen riechen, die auch ein angenehmes Kaffeearoma mitbringen. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Süß und durch die reichlich vorhandene kräftige Kohlensäure spritzig – das ist der erste Eindruck, den das Bier beim Kontakt mir der Zunge vermittelt. Schnell kommen die Röstaromen mit dem Geschmack nach Kaffee in den Vordergrund. Gleichzeitig kommen auch die Bohnen zum Zuge. Auch wenn ich mir diese Kombination vorher nur schwer vorstellen konnte – Röstaromen und Bohnen passen sehr gut zusammen, besonders wenn sie wie hier durch ein verhaltenes Bitter begleitet werden. Zusammen ergibt sich ein sehr volles Mundgefühl. Bitter und süß ist auch der Abgang, der in der Kehle durchschnittlich lange nachklingt.

Das Black Bean Stout ist ein komplexes und trotzdem leicht zu trinkendes Bier. Ich würde mir wünschen, dass es auch in Deutschland erhältlich wäre; ich würde es mir häufiger mal kaufen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Schwarze Bohnen, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,9 % Vol.

Brauerei:

Brauerei Kobersdorf
Hauptstr. 43
7322 Kobersdorf
Österreich
www.kobersdorfer.at

für

Bohna Vista Local Hub
Familie Pöttschacher
7020 Loipersbach im Burgenland
Österreich
honigwein@lupold.at

Insel-Brauerei – Meerjungfrau

Dieses Natursauerbier der Inselbrauerei Rügen, das jetzt vor mir steht, wird gebraut nach dem Rügener Artenschutzabkommen für seltene Bierarten. Über sein Bier sagt der Braumeister Markus Berberich: „Dieses seltene Bier haben wir mit zwei Milchsäure-Stämmen und Champagnerhefe gebraut. Das ergibt eine sehr feine intensive Säure, elegante Fruchtnoten und ist dabei sehr erfrischend, sehr fruchtig prickelnd – eine saure Verführung.“

Hellgelb und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die sehr voluminöse feinporige Schaumkrone fällt anfangs schnell in sich zusammen, aber der Rest bleibt lange erhalten. Die Optik ist auf jeden Fall schon mal sehr ansprechend.

Das Aroma wird durch eine frische Säure bestimmt, dazu kommen Düfte nach Apfel und Weißwein. Überhaupt erinnert mich das Aroma eher an einen Sekt als an ein Bier.

Im Antrunk fällt eine leichte Süße auf, gepaart mit einer agilen Kohlensäure, so dass auch der erste Eindruck auf der Zunge mich an einen Sekt denken lässt. Mit der Erwärmung des Biers auf der Zunge kommt die fruchtige Säure mehr zum Tragen, so dass der Weincharakter mehr zum Tragen kommt. Das Mundgefühl ist dabei weich und frisch. Im Abgang verabschiedet sich das Bier mit einer leichten Säure, die durchschnittlich lange nachklingt.

Die Meerjungfrau der Insel-Brauerei in Rambin eignet sich hervorragend als Aperitif und kann einen Champagner gut ersetzen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Weizenmalz, Traubenzucker (vollständig vergoren, Flaschenreifung)

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Rügener Insel-Brauerei
Hauptstraße 2c
18573 Rambin/Rügen
www.insel-brauerei.de

Broeder Jacob – Bidon

Das Bidon, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet, ist eines der wenigen Pilsener Biere aus Belgien. Es stammt aus der Brouwerij Broeder Jacob. Weshalb benennt sich eine Brauerei nach einer Legende? Die Brauerei begründet das so: „Jeder kennt das Volkslied von dem Mönch, der zu lange schlief. Frère Jacob (Frere Jacques, wie man in England sagt oder auch in Deutschland Bruder Jakob). Aber warum kam der arme Mönch nicht rechtzeitig zur Frühmesse? Die Legende lautet wie folgt:

Wir schreiben das Jahr 1385. Jacobus Klaaszn ist ein sechzehnjähriger Novize, und sein Abt gibt ihm den Auftrag, bei Bruder Isidoor in die Lehre zu gehen. Bruder Isidoor ist der Braumeister des Klosters. Aber der gute Mann nähert sich dem reifen Alter von achtzig Jahren. Der Abt will verhindern, dass Isidoor seine Brauereigeheimnisse mit ins Grab nimmt. Das Bier von Isidoor ist ein angenehmes, leicht alkoholisches Bier. Die Mönche trinken es zu ihrem Mittagessen.

Bruder Jakob – wie der Junge nun genannt wird – ist ein eifriger Schüler. Eines Tages schickt ihn Bruder Isidoor ins Kloster von Rochefort. Dort wird ihm ein Bier serviert, das ihm sehr gut schmeckt. Er kommt mit dem Mönch/Braumeister ins Gespräch und lernt so einiges. Zurück zu Hause beichtet er dem Abt, was er in Rochefort gelernt hat. Er bittet um die Erlaubnis, selbst solches Bier zu brauen. Vater Abt gibt seinen Segen, aber nur unter der Bedingung, dass Bruder Jakob in seiner eigenen Zeit experimentiert.

Deshalb ist Bruder Jakob auch mitten in der Nacht mit Pfannen, Kesseln und Fässern beschäftigt. Er ist so vertieft in seine Arbeit, dass er viel zu spät in seine Zelle zurückkehrt. Mit dem bekannten Ergebnis. Bruder Jakob, schläfst du noch? (Frère Jacques, dormez-vous?)

Aber die Arbeit von Bruder Jakob hat große Früchte getragen. Eines Tages ist sein Bier komplett fertig. Er präsentiert sein erstes Fass dem Vater Abt. Dieser ist erfreut, aber auch beunruhigt. Das Bier schmeckt köstlich und reichhaltig, enthält aber mehr Alkohol, als die Mönche und Brüder gewöhnt sind. Deshalb ordnet er an, dass das Bruder-Jacob-Bier nur unter strengster Geheimhaltung gebraut werden darf. Und nur für ihn und den Bruder-Brauer. Und so wurde es gemacht…

… bis Johan Claes im einundzwanzigsten Jahrhundert wieder auf den Geschmack kommt. Sie machen sich ans Werk und brauen ein neues

Bier mit dem Segen von Bruder Jakob. Und jetzt will ich herausfinden, was dabei herausgekommen ist.

Blass-golden und gefiltert läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich eine feinporige und sehr voluminöse Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. So gut das Bier auch aussieht – das Einschenken sollte langsam und vorsichtig geschehen.

Das Aroma ist malzbetont mit würzigen Noten. Insgesamt ist das Bier in der Nase angenehm, hält aber keine Überraschungen bereit.

Der Antrunk ist recht süß mit einer agilen Kohlensäure. Auf der Zunge gesellt sich ein freundliches Bitter dazu. Auch wenn ich keine Fruchtigkeit feststellen kann, ist das Mundgefühl doch recht voll. Der Abgang ist zunächst schlank, fast wässrig. Dann entwickelt sich in der Kehle ein angenehmes Bitter, freundlich und zurückhaltend, trotzdem mit sehr langem Nachklang.

Insgesamt ist das Bidon unsprektakulär, aber zu einem deftigen Essen oder beim Grillen absolut zu empfehlen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Magnum, Saaz)

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Bittereinheiten:

14 EBU

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Brouwerij Broeder Jacob
Beninksstraat 28
3111 Wezemaal
Belgien
www.broederjacob.com/

Camba – 4 Sessions

Seeon liegt im Chiemgau und von dort kommen die immer wieder neuen Kreationen der Camba Bavaria Brauerei. Jetzt steht das 4 Sessions vor mir, ein Pale Ale, wobei das Sessions für einen niedrigeren Alkoholgehalt bei Bieren steht. Mit milden 4,1% vol. Alkoholgehalt und nur 28 Bittereinheiten (IBU) sollte sich das Bier sehr gut und barrierefrei trinken lassen. Zumindest ist das meine Erwartung.

Bernsteinfarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die größtenteils feinporige Schaumkrone ist zwar nur klein, bleibt aber sehr lange erhalten. Damit macht das Bier eine wirklich gute Figur.

In der Nase zeigt das Bier sich als wahrer Obstsalat. Ich rieche das Bittere der Grapefruit, die Süße der Ananas sowie die Fruchtigkeit von Mango und Maracuja.

Der Antrunk ist recht spritzig-frisch mit fruchtigen und blumigen Noten, die von einer angenehmen Süße sowie einer passend dosierten Kohlensäure begleitet werden. Auf der Zunge spiegeln sich die Aromen und es gesellen sich Zitrus- und Grapefruitnoten dazu. Das Mundgefühl ist schlank, so wie ich es bei lediglich 4,1 Volumenprozent Alkohol erwartet habe. Der Abgang wird dominiert von einer fruchtigen-frische und tropischen Fruchtaromen sowie einem geringen Bitter, das durchschnittlich lange nachklingt.

Mit seinen etwas mehr als vier Volumenprozent Alkohol und der Fruchtigkeit ist das 4 Sessions ein sehr angenehmes Sommerbier.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Hopfen (Columbus, Citra, Amarillo), Hefe

Alkoholgehalt:

4,1 % Vol.

Stammwürze:

10° Plato

Bittereinheiten:

28 IBU

Brauerei:

Camba Bavaria GmbH
Gewerbering 3
83370 Seeon
www.camba-bavaria.de

Cuvée des Jacobins

Omer Vander Ghinste ist eine Traditionsbrauerei aus dem westflämischen Bellegem. Die seit 1869 aktive Brauerei wurde 1892 von der Familie Vander Ghinste gekauft. Ihre Biere hatten damals noch keinen Namen und so wurden sie als Omer Vander Ghinste verkauft. Die Brauerei verteilte schicke Bleiglasfenster mit dem Schriftzug Omer Vander Ghinste an Cafés, die ihre Biere ausschenkten. Um diese teuren Werbematerialien nicht ersetzen zu müssen, benannte Marguerite Vandamme ihren ersten Sohn nach ihrem Vater Omer und begann damit eine Familientradition, die bis heute weitergeführt wird. Das Hauptprodukt der Brauerei war ein untergärig gebrautes Pils mit dem Namen Bockor, einem Fantasiewort aus dem deutschen Bock und dem französischen Or, „goldener Bock“, das seit 1934 verkauft wird. Vom Erfolg der Lambicbiere ermutigt, nahm Vander Ghinste Gueuze und Kriek Biere ins Sortiment auf. Das Lambic Grundbier kaufte er von Brüsseler Brauern. Die Brauerei trägt das Label „Belgian Family Brewers“.

Cuvée des Jacobins ist ein 100%ig unverschnittenes Foederbier, das 18 Monate in Eichenholzfässern reifen durfte. 2014 gewann Vander Ghinste mit diesem Bier eine Goldmedaille auf den World Beer Awards.

In dunklem Bordeauxrot läuft das Bier ins Glas. Dabei bildet sich nunr wenig schaum, der sich auch sofort auflöst. Bei einem Sauerbier kann ich das aber auch erwarten.

Der typische Duft eines spontan vergorenen Bieres steigt mir in die Nase. Abgerundet wird das Aroma durch Noten nach Kandis und Holz, nach getrockneten Kirschen, Kakao und Vanille.

Der Antrunk ist überraschend süß und kommt mit reichlich kräftiger Kohlensäure daher. Dass es sich um ein Sauerbier handelt, merke ich erst, als sich auf der Zunge eine kräftige fruchtige Säure entwickelt, in der sich auch alle Aromen spiegeln, die ich bereits in der Nase festgestellt habe. Dazu kommt ein weiches und nahezu cremiges Mundgefühl. Auch der Abgang zeichnet sich durch die Säure aus. Obwohl ich kein Bitter schmecken kann, klingt der Geschmack lange nach.

Dieses Bier ist recht komplex und auch gewöhnungsbedürftig. Ich habe einige Schlucke benötigt, um mich mit diesem Bier anzufreunden, aber kann hat es mir immer besser gefallen. Dazu ein kräftiger Frischkäse, beispielsweise ein Feta und etwas frisches Brot, und schon ist ein tolles Abendessen an einem heißen Sommerabend fertig.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,5 % Vol.

Brauerei:

Brouwerij Omer Van der Ghiste nv
Brouwtorenstraat 5
8510 Bellegem
Belgien
www.omervanderghinste.be

Freie Brau Union Bremen – Helles

Mindestens seit dem 11. Jahrhundert wird in Bremen Bier gebraut. Die Qualität der traditionellen Bremer Sorten wie Rotbier, Porter und Ale wurden dabei nicht nur in der Hansestadt geschätzt. Bremer Braukunst wurde im großen Stil nach Holland, England und Skandinavien exportiert.

Die Zahl der Brauereien war einst groß. So wurden im Jahr 1748 noch 35 Brauereien in Bremen gezählt. Diese Vielfalt nahm später kontinuierlich ab, bis 2015 nur noch drei Brauereien Bier brauten, und das in einer Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohnern. Im Dezember 2015 wurde die Freie Brau Union Bremen eröffnet.

Von dort stammt das Helle, das jetzt vor mir steht. Die Brauerei schreibt, dass es sich um ein typisches Helles handelt, das aber hanseatisch angepasst wurde. Dann will ich mal sehen, ob die Bremer mit ihrer Anpassung nicht zu weit gegangen sind.

Golden und mit einer durchschnittlich großen feinporigen Schaumkrone präsentiert sich das Bier im Glas. Der Schaum bleibt durchschnittlich lange erhalten, so dass an der Optik nichts auszusetzen ist.

Das Aroma ist stiltypisch malzbetont nach Brotkrume und Kandis, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk ist mäßig süß und die reichlich vorhandene kräftige Kohlensäure sorgt für eine angemessene Erfrischung. Auf der Zunge zeigt sich für ein Helles ein überraschend kräftiges Bitter, das durchaus dominant ist. Trotzdem ist das Mundgefühl voll und weich. Im Abgang lässt das Bitter nach, der Geschmack bleibt aber trotzdem lange in der Kehle erhalten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Münchner Malz, Carapils®), Hopfen, (Hallertauer Mittelfrüh, Hersbrucker, Mandarin Bavaria, Herkules) Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol.

Stammwürze:

11,7° Plato

Bittereinheiten:

25 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

4° – 6° Celsius

Brauerei:

Union Brauerei Bremen GmbH
Theodorstraße 13
28219 Bremen
www.brauerei-bremen.de

Ter Dolen – Rouge

Als die Schlossbrauerei De Dool ihr 25jähriges Bestehen feierte, wurde zu diesem Anlass ein neues Bier kreiert, das Ter Dolen Rouge, das jetzt vor mir steht. Es handelt sich um ein Fruchtbier mit Kirschen.

Bordeauxrot und gefiltert läuft das Bier ins Glas und erzeugt dabei eine recht kleine hellbraune feinporige Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt.

Düfte nach Kirsche, Karamell und Kandis steigen mir in die Nase und auch der Alkohol ist zu riechen.

Der Antrunk ist süß und mir fällt die sehr kräftige Kohlensäure auf. Auf der Zunge verringert sich die Süße und herbe Noten kommen zusammen mit einem leichten Marzipangeschmack zum Vorschein. Das Mundgefühl ist nicht wirklich rund und ausgewogen. Erst im Abgang zeigt sich ein leichtes Bitter mit überraschend langem Nachklang.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Kirschsaft, Brauner Zucker, Karamell, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,5 % Vol.

Brauerei:

Schlossbrauerei De Dool NV
Eikendreef 21
3530 Houthalen-Helchteren
Belgien
www.terdolen.be

Maisel & Friends – Fruity Tornado

Seit dem Jahr 2020 brauen die Auszubildenden bei Maisel in Bayreuth im Abschlussjahr ihrer Ausbildung ein eigenes Bier. Von der Entwicklung einer Idee bis zum fertigen Bier vergeht dabei ungefähr ein Jahr. Jetzt im dritten Jahr haben die sechs Auszubildenden, die im Übrigen aus allen Bereichen des Unternehmens stammen, ein hopfengestopftes Weizenbier mit 4,9 Volumenprozent Alkohol kreiert. Dieses Bier steht jetzt vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Goldgelb mit einem Stich ins Orange und kräftig hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feinporige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt lange erhalten. Bei der Optik haben die Auszubildenden wohl irgendetwas richtig gemacht.

Auch das Aroma ist sehr ansprechend. Das Bier duftet nach Banane und Biskuitteig, unterstützt durch einen ganzen Obstsalat, in dem ich Zitrusfrüchte, Ananas, Vanille und Honig rieche. Das macht Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß mit einer angenehm feinperligen Kohlensäure. Auf der Zunge spiegeln sich die fruchtigen Aromen und mischen sich mit dem malzigen Geschmack und der Hefe. Insgesamt erzeugen sie ein volles und weiches Mundgefühl. Überraschend ist für mich das geringe Bitter. Auch im Abgang bleibt das Bitter recht schüchtern, passt aber gut zur milden Fruchtigkeit. Bitter und Frucht klingen einige Zeit in der Kehle nach.

Insgesamt gefällt mir das Bier recht gut. Lediglich den Abgang hätte ich mir durchaus etwas kräftiger gewünscht. Aber auch so ist das Fruity Tornado gekühlt getrunken erfrischend und es löscht gut den Durst.

Wie alle Sondersude ist auch das Fruity Tornado im Brauereiladen sowie im Versand erhältlich. Und auch diesmal gilt es, schnell zu sein, denn: wenn weg, dann weg. Und es kommt nicht wieder.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz (Pilsner Malz, Spitzmalz, Karamellmalz hell, Karamellmalz dunkel), Hopfen (Callista Sabro, Bru1), Hefe

Alkoholgehalt:

11,5° Plato

Brauerei:

Maisel & Friends
Brauerei Gebr. Maisel GmbH & Co. KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

La Goudale

Das Bier, das jetzt vor mir steht, habe ich mir mitgebracht, als ich vor einiger Zeit in Lyon bei einem Bierwettbewerb als Juror tätig war. Dort ist mir aufgefallen, dass sich in Frankreich in den letzten eine neue Bierkultur entwickelt hat, die sich an der belgischen Bierszene orientiert. Frankreich ist also kein reines Weinland mehr. Die Orientierung an der belgischen Bierkultur geht so weit, dass das Bier, das jetzt vor mir steht, sogar einen belgischen bzw. niederländischen Namen hat. Übersetzt heißt es Goldale.

Gebraut wird dieses Bier in Nordfrankreich in der kleinen Gasthausbrauerei „Le Brasseus de Gayant“. Diese Brauerei gibt es seit 1919. Das Rezept und die Idee des Bieres „La Goudale“ sind aber noch älter. Sie stammen bereits aus dem 14. Jahrhundert. Damals wurden die guten Biere „Goudale“, „Goudalle“, oder auch „Good Ale“ genannt. Es wurde für 2 Denare pro Topf bei einem Händler namens „der Goudalier“ verkauft. Von dieser guten Tradition haben die Bierbrauer in der Brauerei Gayant das Können und den wirklich recht ansprechenden Namen behalten, der allein schon eine ganze Geschichte ist.

Goldfarben und gefiltert fließt das Bier ins Glas. Dabei entwickelt sich eine kleine feinporige Schaumkrone, die lange erhalten bleibt.

Das Bier duftet nach Karamell und gelben Pflaumen. Abgerundet wird das Aroma durch kräftige würzige Noten des Korianders sowie durch den Geschmack der Orangeschalen.

Der Antrunk ist recht süß. Auffällig ist die kräftige Kohlensäure. Die Süße bleibt auch auf der Zunge erhalten und wird dort durch Anklänge von Waldhonig und die fruchtigen Aromen der Orangenschale ergänzt. Abgerundet wird der Geschmack durch die Würze des Korianders sowie durch ein leichtes freundliches Bitter. Zusammengenommen ergeben die Geschmackseindrücke ein weiches bis samtiges Mundgefühl. Im Abgang wird das Bier trockener, das Bitter wird etwas kräftiger und es klingt sehr lange nach.

Das La Goudale ist ein angenehmes frisches Bier aus Frankreich, das deutlich in der Tradition belgischer Biere steht.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizen, Reis, Fructose-/Glucose-Sirup, Hopfen, Koriander, Orangenschalen

Alkoholgehalt:

7,2 % Vol.

Bittereinheiten:

28 IBU

Farbe:

13 EBC

Brauerei:

Brasserie Goudale
Avenue Isaac Newton
62510 Arques
www.brasserie-goudale.com

Licher Pilsener

Die Geschichte der Licher Brauerei reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als der Gastwirtsohn Johann Heinrich Jhring im Jahr 1854 die Dampfbierbrauerei Lich gründet, die die elterliche Gaststätte „Zum Löwen“ mit Bier versorgte. Heute ist die Brauerei Marktführer in Hessen und sie gehört seit 2004 zum Bitburger-Konzern.

In hellem Goldgelb und gefiltert präsentiert sich das Bier im Glas. Die sahnige Schaumkrone ist durchschnittlich groß und bleibt sehr lange erhalten. An der Optik gibt es jedenfalls nichts zu mäkeln.

Das Aroma ist getreidig, aber mit deutlichen würzigen Noten des Hopfens.

Der Antrunk ist frisch und spritzig mit einer leichten Süße. Auf der Zunge gesellt sich ein kräftiges Bitter dazu. Auch wenn mir das Bier jetzt durchaus gefällt, ist das Mundgefühl eher schlank. Im Abgang steht das Bitter im Mittelpunkt und es klingt lange nach.

Das Bier hat nichts falsches an sich. Auch wenn es mich nicht wirklich begeistern kann, ist es doch ein Bier, das ich mir zum Grillen sehr gut vorstellen kann.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,5° Plato

Bittereinheiten:

28 IBU

Brauerei:

Licher Privatbrauerei
Jhring-Melchior GmbH
In den Hardtberggärten
35423 Lich
www.licher.de