Archiv der Kategorie: Biertest

Brasserie des Trévires – Brune d’un Noël en Gaume

Die Brasserie des Trévires ist eine relativ junge, unabhängige belgische Handwerksbrauerei mit Sitz in der Gaume-Region (Lamorteau/Rouvroy, nahe der luxemburgischen Grenze). Sie wurde 2018 von einer Gruppe leidenschaftlicher Brauer gegründet, die Tradition, Kreativität und regionalen Charakter miteinander verbinden wollen. Der Name der Brauerei bezieht sich auf die keltische Volksgruppe der Trévires, die einst in der Gegend ansässig war – ein lokales Erbe, das die Identität und Verbundenheit mit der Region betont.

Die Brauerei stellt ein breites Sortiment verschiedenster Biere her, das mehrfach bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet wurde und traditionelle Stile neu interpretiert. Neben klassischen Sorten gehören auch experimentelle Brauvarianten und saisonale Spezialitäten zur Palette. Besucher können die Brauerei besichtigen, an Verkostungen teilnehmen und im eigenen Shop oder angeschlossenen Restaurant Biere und lokale Küche genießen.

Brune d’Un Noël en Gaume ist Weihnachts-/Winterbier und steht jetzt zur Verkostung vor mir. Die belgischen Weihnachtsbiere zeichnen sich typischerweise durch reichhaltige, komplexe Aromen aus, so dass ich mich auf eine angenehme Verkostung freue.

In einem sehr dunklen braun präsentiert sich das Bier im Glas. Die haselnussbraune Schaumkrone ist feinporig, fällt aber trotzdem recht schnell in sich zusammen.

In der Nase wirkt das Bier sofort weihnachtlich, ohne aufdringlich zu sein. Aromen von Karamell, dunklem Brot und Toffee stehen im Vordergrund. Dazu kommen Trockenfrüchte wie Rosinen und Pflaumen sowie eine dezente Würzigkeit, die an Nelken, Zimt, Lakritz und einen Hauch Muskat erinnert. Der Alkohol ist wahrnehmbar, aber gut eingebunden.

Der Antrunk ist weich und malzbetont. Eine angenehme Süße eröffnet gemeinsam mit der sehr feinperligen Kohlensäure das Geschmackserlebnis, getragen von Noten nach Karamellmalz, braunem Zucker und dunklem Honig. Auf der Zunge entwickeln sich erneut Trockenfrüchte und eine feine, zurückhaltende Würze. Die Kohlensäure unterstützt das volle, runde Mundgefühl. Eine spürbare Bittere fehlt weitgehend, stattdessen sorgt eine leichte Röstigkeit für Balance. Der Alkohol ist weiterhin gut eingebunden und unterstützt die anderen Aromen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. In der Kehle zeigt sich das Bier warm und leicht alkoholisch, mit Noten von Karamell, getrockneten Früchten und einem Hauch Kakao. Die Süße klingt langsam aus, ohne klebrig zu wirken, und hinterlässt einen angenehm wärmenden Eindruck.

Das Brune d’Un Noël en Gaume ist ideal für ruhige Abende, gut passend zu kräftigem Käse, Desserts mit Nüssen oder einfach solo als winterlicher Genuss.

Das Brune d’Un Noël en Gaume umfasst die kreative Bandbreite der Brasserie des Trévires: ein Bier, das lokale Braukunst mit saisonaler Stimmung verbindet und sowohl Biertradition als auch Genuss in den Fokus stellt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Rohzucker, Hopfen, Kakaobohnen, Hefe, Zimt, Rum, Vanille

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Farbe:

35 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

Brasserie des Trévires
Zone artisanale de Lamorteau Nr. 2
6767 ROUVROY (Lamorteau)
Belgien
www.trevires.be

Kreativbrauer – Kreativsud #7

Einmal im Jahr treffen sich die Macherinnen und Macher aus kleinen, unabhängigen Brauereien, um etwas ganz Besonderes zu schaffen: Den Kreativsud des Verbands deutscher Kreativbrauer.

Hier geht es nicht nur ums Bierbrauen, sondern um eine Zeitreise. Mit viel Leidenschaft werden historische Bierstile neu interpretiert und so nah wie möglich am Puls ihrer Entstehungszeit gebraut. Das Ergebnis? Biere, die überraschen, herausfordern und begeistern – auf jeden Fall aber neugierig machen.

Denn der Kreativsud will nicht jedem gefallen, sondern Geschichten erzählen: Von vergessenen Aromen, alten Rezepturen und der unglaublichen Vielfalt, die Bier schon vor Jahrhunderten hatte. Er zeigt auch, dass die Braukunst weit mehr zu bieten hat als Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – und dass spannende, leckere Biere schon immer mit den unterschiedlichsten Zutaten gebraut wurden. Jetzt steht vor mir der siebte Sud, der auf diese Weise entstanden ist.

Bernsteinfarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Leider löst sich der Schaum sehr schnell auf, sonst würde das Bier optisch eine sehr gute Figur machen.

Das Bier duftet nach Karamell und Waldhonig, abgerundet mit einem Hauch Tabak. Auch die 10 Volumenprozent Alkohol steigen mir in die Nase, allerdings angenehm zurückhaltend.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine mäßige Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Ich hätte mir allerdings etwas mehr Kohlensäure erhofft. Auf der Zunge drängt sich nun der Alkohol in den Mittelpunkt. Für ein Honigbier ist der Kreativsud überraschend trocken. Das Mundgefühl ist weich und voll. Der Alkohol brennt leicht und erzeugt einen beinahe likörartigen Eindruck. Daher überrascht mich auch der sehr milde Geschmack in der Kehle nicht übermäßig.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Honig, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Bräu
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
https://www.orcabrau.de

Gemeinsam mit

Bundesverband der deutschen Kreativbrauer e.V.
Rathgeberstraße 7
97656 Oberelsbach
www.deutschekreativbrauer.de

Alvinne – Cuvée Botte di Barolo

Die Brouwerij Alvinne gehört zu den spannendsten unabhängigen Brauereien Belgiens. Gegründet wurde sie 2004 von Glenn Verhasselt in Ostflandern, 2008 wurde der Firmensitz der Brauerei nach Moen bei Zwevegem verlegt. Alvinne steht für kompromisslose Handwerkskunst, kleine Chargen und eine sehr persönliche Handschrift.

Ein zentrales Element der Brauerei ist die hauseigene Hefe namens „Morpheus“. Diese wird nicht klassisch rein gezüchtet, sondern über Jahre hinweg gepflegt und weiterentwickelt. Sie kann sowohl sauber als auch leicht säuerlich vergären und ist extrem widerstandsfähig. Je nach Bierstil, Temperatur und Reifung entstehen sehr unterschiedliche Aromaprofile – von elegant-fruchtig bis komplex und wild.

Alvinne arbeitet intensiv mit Holz. Große Foeder, Barriques und gebrauchte Weinfässer sind fester Bestandteil der Produktion. Viele Biere reifen monatelang oder sogar jahrelang, teilweise mit Nachgärung und Reifung in der Flasche. Der Fokus liegt nicht auf schnellen Releases, sondern auf Tiefe, Struktur und Reifepotenzial. Genau hier bewegt sich auch das Cuvée Botte di Barolo, das ich jetzt verkosten möchte.

Dunkel kastanienbraun und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Eine Schaumkrone ist nicht vorhanden. Da das Bier nur wenig bis gar keine Kohlensäure enthält, habe ich auch keinen Schaum erwartet.

Das Aroma ist weinartig und sehr komplex. Ich rieche eine fruchtige Säure, die an Kirschen und Pflaumen erinnert. Dazu dunkle Trockenfrüchte, Kandis und Melasse. Später gesellen sich auch Aromen von Kakao und Portwein dazu.

Der Antrunk ist likörartig. Eine fruchtige Säure kommt gemeinsam mit einer gut eingebundenen Süße daher. Dabei wirkt das Bier aber von Anfang an frisch und recht leicht. Auf der Zunge kommen die fruchtigen Noten in den Mittelpunkt und harmonisieren dabei mit den Rotweinnoten des Barolo. Stiltypisch ist nur eine geringe Bittere zu schmecken, während das Malz mit leichten Karamellnoten dem Bier eine angenehme Tiefe verleiht. Mich überrascht etwas die zunehmende Trockenheit des Bieres. In der Kehle erinnert das Bier an einen fruchtigen im Barrique ausgebauten Rotwein und dort kann ich erstmals auch die 12 Volumenprozent Alkohol schmecken.

Das Cuvée Botte di Barolo ist kein Bier für den schnellen Genuss. Es bewegt sich bewusst an der Grenze zwischen Bier und Wein und richtet sich an Genießer, die Fassreifung, Komplexität und Reifepotenzial schätzen. Ideal ist es zu kräftigem Käse, dunkler Schokolade oder einfach solo im großen Glas.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

ca. 12 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brauerei Alvinne
Vaartstraat 4a
8552 Moen
Belgien
www.alvinne.be

Köstritzer – Kirsche

Köstritzer Kirsche ist ein Biermischgetränk der Köstritzer Schwarzbierbrauerei aus Bad Köstritz/Thüringen, die seit 1543 für ihr Schwarzbier bekannt ist – heute ist sie Teil der Bitburger Braugruppe.

Es handelt sich nicht um ein klassisches Bier wie ein Schwarzbier, sondern um einen Mix aus 60 % Köstritzer Schwarzbier und 40 % Süßkirsch-Limonade. Der Kirschanteil kommt aus Saftkonzentraten und Limonade, die dem Mix seinen Fruchtgeschmack verleiht. Der Fruchtsaftanteil beträgt zwar nur 0,5 %, aber damit liegt die Köstritzer Kirsche noch deutlich vor dem Lausitzer Erdbeer-Porter, das zwar intensiv nach Erdbeeren schmeckt, aber überhaupt keine Erdbeerbestandteile enthält. Es ist schon erstaunlich, was die Aromenindustrie so alles auf die Beine stellt. Jetzt reicht es aber mit der Vorrede und ich will mit der Verkostung beginnen.

Dunkel rotbraun präsentiert sich das Bier im Glas, beinahe schwarz. Darüber steht eine feinporige hellrosa Schaumkrone, die sich recht lange hält. Optisch kann ich an diesem Mischgetränk nichts aussetzen.

Das Aroma ist durchaus angenehm. Sowohl das Schwarzbier als auch die Fruchtigkeit der verwendeten Säfte und Limonaden kommen in der Nase zur Geltung. Dazu kommt noch ein süßes Aroma, das mich an Kandis denken lässt.

Der Antrunk ist fruchtig-süß und trumpft mit einer sehr kräftigen Kohlensäure auf. Auf der Zunge stehen eindeutig die Fruchtaromen im Mittelpunkt, während das Bier eher zu ahnen ist. Während die Süße sehr präsent ist ohne aber klebrig zu werden, kann ich keine Bittere feststellen, aber immerhin eine minimale Säure. In der Kehle kommen die Aromen nach Kirsche und Marzipan in den Vordergrund, klingen aber leider nur kurz nach.

Die Köstritzer Kirsche ist eine angenehme Erfrischung für den Sommer, ohne mit seinen 2,8 Volumenprozent Alkohol zu sehr „reinzuhauen“. Aber ich kann mir das Getränk auch im Winter vorstellen und ich glaube, ich werde mal versuchen, mit der Köstritzer Kirsche einen Glühpunsch zu kreieren.

Zutaten:

Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt), Erfrischungsgetränk mit Kirschgeschmack (Wasser, Zucker, Zitronensaft (2 %), Holunderbeersaft (1,5 %), natürliches Aroma)

Alkoholgehalt:

2,8 % Vol.

Brauerei:

Köstritzer Schwarzbierbrauerei
07586 Bad Köstritz
www.koestritzer.de

Brasserie Bocq – Tete de Mort X-MAS

Tête de Mort – X-MAS braut die Brasserie du Bocq in Purnode aus Namur in der Wallonie als ein klassisches belgisches Winter-/Weihnachtsbier. Es handelt sich um ein kräftiges, obergäriges Bier mit 8,1 % Alkohol, das speziell für die kalte Jahreszeit und festliche Anlässe gebraut wird und jetzt für eine Verkostung vor mir steht.

Das X-MAS präsentiert sich dunkelbraun und gefiltert im Glas mit einer feinporigen, weißen Schaumkrone, die lange erhalten bleibt – ein typisches Erscheinungsbild für saisonale Winterbiere.

In der Nase öffnen sich reichhaltige Aromen, in denen süße Malznoten auf Gewürznuancen wie Koriander und Süßholz (Lakritz) treffen; dazu gesellen sich Noten von dunklem Karamell.

Der Antrunk ist stiltypisch süß mit einer feinperligen aber kräftigen Kohlensäure. Vom ersten Moment an erinnert die Süße an Melasse. Auf der Zunge gesellt sich zur Süße das Aroma von Trockenfrüchten, das an getrocknete Pflaumen erinnert. Das Mundgefühl ist samtig und voll. In der Kehle ist das Bier sehr mild.

Das Bier macht seinem Stil – einem Weihnachtsbier – alle Ehre. Es passt hervorragend zu winterlichen und herzhaften Speisen wie geschmortem Fleisch, Wildgerichten oder kräftigen Käseplatten – ideal für gemütliche Abende im Kreise von Familie und Freunden in der festlichen Jahreszeit.

Alkoholgehalt:

8,1 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brasserie Bocq
Rue de la Brasserie
4530 Purnode
Belgien
www.bocq.be

Orca Brau – Kellerbier

Ein Kellerbier ist ursprünglich ein unfiltriertes, naturtrübes Hellbier, das noch im Holz- oder Edelstahltank „kellernd“ reift. Klassisch ist der Stil vor allem in Franken und Bayern verbreitet. Charakteristisch sind eine natürliche Trübung, ein weiches und rundes Mundgefühl, eine leicht malzige Süße im Zusammenspiel mit mild-herbe. Hopfennoten sowie ein eher moderater Alkoholgehalt. An diesen Eigenschaften muss sich auch das Kellerbier von orca brau in Nürnberg messen lassen.

Orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Die weiße feinporige Schaumkrone ist eher klein, bleibt aber lange erhalten. Optisch geht das Bier in Ordnung.

Das Bier duftet angenehm nach Karamell und frischem Brot, abgerundet durch rote Früchte wie Erdbeeren und einige florale Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine fruchtige Süße sowie eine kräftige Karbonisierung aus. Auf der Zunge bleibt die Fruchtigkeit im Mittelpunkt und jetzt ist das Bier weniger süß als erwartet. Dazu kommt eine zurückhaltende Bittere, die gemeinsam mit den anderen Aromen für ein weiches Mundgefühl sorgt. In der Kehle legt die Bittere zu, bleibt aber moderat. Trotzdem klingt der Geschmack lange nach.

Das Orca Kellerbier lässt sich mit verschiedenen Gerichten kombinieren, beispielsweise mit gegrilltem Fleisch oder Würstchen, mit Würstchen oder Grillgemüse.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Saphir), Hefe

Alkoholgehalt:

5,4 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Cardeña – Cardeña Dubbel

Die Abtei San Pedro de Cardeña liegt rund zehn Kilometer südöstlich von Burgos und zählt zu den geschichtsträchtigsten Klosteranlagen Spaniens. Mehrere Quellen datieren ihre Gründung auf das Jahr 534. Sollte diese Annahme zutreffen, wäre San Pedro de Cardeña das älteste Benediktinerkloster des Landes. Schon allein diese Zahl macht deutlich, dass hier nicht nur religiöse, sondern auch kulturelle Geschichte von außergewöhnlicher Tiefe verwurzelt ist.

Die Jahrhunderte gingen jedoch nicht spurlos an dem Kloster vorbei. Besonders tragisch ist der 6. August 1603, an dem rund 200 Mönche bei einem Überfall ermordet wurden. Ihnen zu Ehren wurde noch im selben Jahr ein Altar für die heiligen Märtyrer errichtet. Bis heute wird dieses Ereignisses jährlich gedacht – ein stilles Mahnmal für die Gewalt, die selbst abgeschiedene Orte des Glaubens erreichen kann. Im 19. Jahrhundert traf die Abtei ein weiterer schwerer Einschnitt. 1836 wurde sie im Zuge der Säkularisation aufgegeben und stand über ein Jahrhundert leer. Während des Spanischen Bürgerkriegs erlebte das Kloster ein besonders dunkles Kapitel: Von 1936 bis 1939 wurde die Anlage als Konzentrationslager missbraucht. Erst nach dem Krieg begann langsam ein neuer Abschnitt.

1942 kehrte das monastische Leben zurück. Zisterziensermönche aus Dueñas bezogen das verfallene Kloster und begannen mit der Restaurierung der Gebäude. 1948 wurde San Pedro de Cardeña offiziell zur Abtei erhoben. Seit 2014 gehören die Mönche zudem der Internationalen Trappistenvereinigung an und sind damit Teil jener Gemeinschaft, die weltweit für eine besondere Verbindung aus Handwerk, Spiritualität und Selbstversorgung steht.

Innerhalb der Klostermauern entstehen bis heute verschiedene Produkte: Bier, Wein, Likör und Käse gehören ebenso dazu wie handgefertigte Keramik aus der klostereigenen Töpferwerkstatt. 2014 erschien mit dem Cardeña Tripel das erste spanische Trappistenbier auf dem Markt. Gebraut wird es allerdings nicht im Kloster selbst, sondern bei der Madrider Brauerei Fábrica de Cervezas MarPal. Aus diesem Grund trägt es auch nicht das ATP-Logo der Trappistenbiere. Langfristig ist jedoch geplant, die Bierproduktion direkt in die Abtei zu holen.

Neben dem Tripel gibt es mit dem Cardeña Dubbel ein weiteres Bier nach klassisch belgischem Vorbild. Es handelt sich um ein obergäriges, dunkles Starkbier, das mit Flaschengärung abgefüllt wird. Damit folgt es stilistisch der traditionellen Klosterbierlinie und verbindet historische Braukultur mit der besonderen Geschichte eines Ortes, der über anderthalb Jahrtausende spanischer Vergangenheit in sich trägt. Dieses Dubbel steht jetzt vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Blickdicht schwarz steht das Bier im Glas. Gegen das Licht schimmern rötliche Reflexe durch. Der beigefarbene Schaum baut sich feinporig auf, bleibt stabil und hinterlässt beim Trinken zarte Schlieren am Glas.

In der Nase präsentiert sich das Dubbel vielschichtig, ohne laut zu sein. Noten von dunklem Karamell, Rosinen und getrockneten Pflaumen stehen im Vordergrund. Dazu gesellen sich Anklänge von Karamell, etwas Brotkruste und eine dezente Würze, die an Nelke und einen Hauch Lakritz erinnert. Alkohol ist wahrnehmbar, aber gut eingebunden und eher wärmend als dominant.

Der Antrunk ist weich und vermittelt den Eindruck eines süßen Espresso. Dabei sorgt die sehr feinperlige Kohlensäure für eine angenehme Frische. Schnell entfalten sich Aromen von Karamell, dunklem Toffee und reifer Banane. Auf der Zunge kommen Trockenfrüchte hinzu, begleitet von einer milden, brotigen Malzbasis. Die Bittere hält sich bewusst im Hintergrund und sorgt lediglich für Balance, ohne den malzigen Charakter zu stören. Die Süße bleibt präsent, geht aber nie ins Klebrige über. Eine leichte Würzigkeit der Hefe sorgt für Tiefe und erinnert daran, dass es sich um ein obergäriges Starkbier nach belgischem Vorbild handelt. Der Alkohol trägt die Aromen, ohne hervorzustechen, und verleiht dem Bier eine angenehme Wärme. Der Abgang ist recht mild, aber die Bittere und das Espressoaroma klingen sehr lange nach.

Das Cardeña Dubbel ist kein Bier für Eile. Er passt gut zu ruhigen Abenden, zu kräftigen Käsesorten und Schmorgerichten.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Lugar San Pedro Cardeña
Castrillo del Val, 09193
Spanien
www.monasteriosanpedrodecardena.com

orca brau – C’est La Vie

Die Orca Brau GmbH aus Nürnberg steht für Vielfalt und experimentelle Braukunst. Auf einer kleinen 10-Hektoliter-Anlage entstehen sowohl traditionelle als auch moderne Bierstile – vom Kellerbier über Pale Ale bis zu kreativen Spezialitäten wie das C’est La Vie, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet. Orca versteht sich als Teil der lebendigen deutschen Craft-Szene, die klassische Bierstile hinterfragt und neue Geschmackserlebnisse sucht. Dabei entstehen bei den Nürnbergern innovative Biere, von denen mich noch keines enttäuscht hat. Mal sehen, ob das beim C’est La Vie auch der Fall ist. Das Bier ist aus einer Zusammenarbeit von Orca Brau mit der Kaffeewerkstatt Kucha entstanden.

Orangefarben und opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. So schön wie die Farbe auch ist, so schnell fällt der Schaum in sich zusammen. Ich vermute, dass das daran liegt, dass das Bier ohne Hopfen gebraut wurde, sondern dass alle Bitterstoffe vom Kaffee stammen.

Düfte nach Karamell und Banane steigen mir in die Nase, aber über allem liegt das Aroma des Kaffees.

Der Antrunk ist recht süß und besticht durch die sehr feinperlige Kohlensäure. Das Aroma des Kaffees ist bereits auf der Zungenspitze präsent. Auf der Zunge gesellt sich zum Kaffeearoma der Geschmack nach Karamell. Während die Süße erhalten bleibt, fehlt mir die Bittere. Die 7,5 Volumenprozent Alkohol sind sehr gut eingearbeitet, so dass der Alkohol nicht hervorschmeckt, sondern die anderen Aromen unterstützt. Mit der Zeit wird der Geschmack der Vanille kräftiger, so dass das Bier in der Kehle beinahe wie Vanilleeis schmeckt, und obwohl weiterhin die Bittere fehlt, klingt der Geschmack überraschend lange nach.

Der Craftbeer-Shop zieht für das Bier folgendes Fazit: „C’est La Vie ist kein klassisches Alltagsbier: Es eignet sich hervorragend als After-Dinner-Beer, zum gemütlichen Serienabend oder als überraschender Abschluss eines Menüs. Sein cremiger Charakter und die Dessert- Assoziationen machen es zu einem Bier, das man langsam genießt und zu dem man bewusst zurückkehrt.“

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Weizenmalz, Kaffee und Vanille

Alkoholgehalt:

7,5 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Brau
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
www.orcabrau.de

Brasserie de Blaugries

Die Brasserie de Blaugies liegt im kleinen Dorf Blaugies nahe der französischen Grenze in der Provinz Hennegau, also im deutschsprachigen Teil Belgiens. Gegründet wurde sie 1988 von Jean-Pierre und Daniel Blaugies, zwei Cousins, die sich bewusst der traditionellen belgischen Braukunst verschrieben haben. Bis heute ist die Brauerei ein Familienbetrieb geblieben, der nur eine kleine, aber sehr charakterstarke Bierpalette braut.

Typisch für Blaugies sind unfiltrierte Biere mit Flaschengärung, eine ausgeprägte Hefecharakteristik und ein klarer Fokus auf historische Stile wie Saison und Farmhouse Ale. Die Biere gelten als ehrlich, handwerklich und kompromisslos – Eigenschaften, die auch La Moneuse widerspiegeln soll.

Der Name La Moneuse geht auf Antoine Joseph Moneuse zurück, einen berüchtigten Räuber des 18. Jahrhunderts, der in der Region lebte und zur Familiengeschichte der Brauer gehört. Schon der Name macht klar: Hier geht es nicht um gefällige Massenware, sondern um Charakter. Ob das Bier diesem Anspruch auch genügen kann, will ich jetzt feststellen.

Da La Moneuse ist ein Saison. “Saison” bedeutet auf Französisch „Saisonbier“ – ein historischer Bierstil, der in den Bauernhöfen Walloniens entstand. Diese Biere wurden traditionell im Winter gebraut, um sie im Sommer den Feldarbeitern als erfrischende Stärkung zu servieren.

Golden mit einem Stich ins orangefarbene und hefetrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die gemischtporige Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. So muss ein Saison aussehen.

Das Bier duftet nach Biskuit und belgischer Hefe, nach Karamell und gelben Früchten, abgerundet durch einige würzige Noten.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine angenehme Malzsüße sowie eine lebendige feinperlige Kohlensäure aus. Eventuell hätte ich das Bier noch etwas länger lagern sollen. Vermutlich wäre es dann noch trockener geworden. Aber jetzt bleibt die Süße auch auf der Zunge erhalten. Das Verhältnis der Bitteren und der fruchtigen Säure ist gut ausgewogen und das Mundgefühl ist angenehm weich. In der Kehle wird das Bier trockener und es dominiert eine freundliche und nicht allzu kräftige Bittere, die aber trotzdem sehr lange nachklingt.

Während ich die Flasche langsam leere, wird auch das Bier etwas wärmer und im gleichen Maße zeigt das La Moneuse mehr Tiefe: Kräuter, leichte Honignoten und eine tolle pfeffrige Würze kommen jetzt zum Vorschein..

Trotz des Alkoholgehalts wirkt das Bier nie schwer oder alkoholisch. Genau hier zeigt sich die große Stärke von La Moneuse: Kraft ohne Schwere.

Zu diesem Bier passen hervorragend alter Käse, kräftig gewürzte Würste, Steak oder Eintöpfe. Das La Moneuse ist ein Bier mit Ecken, Kanten und Geschichte – und genau deshalb so faszinierend.

Alkoholgehalt:

8 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Farbe:

10 EBC

Brauerei:

Brasserie de Blaugies
Rue De La Frontière 435
7370 Dour
Belgien
www.brasseriedeblaugies.com

Riedenburger – Emmerbier Alkoholfrei

Emmer ist kein Modegetreide – es gehört zu den ältesten Getreiden der Menschheit. Schon vor über 10.000 Jahren wurde es in Vorderasien und Europa angebaut und diente als Grundlage für Brot und Bier. Dass dieses Getreide heute wieder in einer alkoholfreien Spezialität auftaucht, ist hoffentlich mehr als nur ein Retro-Trend, sondern ich hoffe, dass es uns ein angenehmes neues Geschmacks- und Geschichtserlebnis ins Glas bringt.

Bernsteinfarben und naturtrüb präsentiert sich das Bier im Glas. Die feste Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. Optisch habe die Brauer aus dem Altmühltal jedenfalls alles richtig gemacht.

Das Bier duftet nach nicht vollständig vergorener Würze, dazu kommen Karamell- und Kräuteraromen. Nicht wirklich perfekt, aber auch nicht unangenehm.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine zurückhaltende Süße sowie eine feinperlige Kohlensäure aus. Auf der Zunge gesellt sich eine leichte Bittere zur karamelligen Süße und ich meine sogar ein leichtes Schokoaroma zu schmecken. Das Mundgefühl ist leicht, so dass das Bier sehr erfrischend wirkt. In der Kehle ist es mild mit nur wenig Bittere. Dieses Aroma klingt aber zusammen mit dem Schokoladengeschmack überraschend lange nach.

Zutaten:

Wasser, Emmermalz, Gerstenmalz, Dinkelmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

<0,5 % Vol.

Farbe:

13 EBC

Brauerei:

Riedenburger Brauhaus
Michael Krieger GmbH & Co. KG
Hammerweg 5
93339 Riedenburg
www.riedenburger.de