Archiv der Kategorie: Biertest

Hanssens Artisanaal – Cassis Lambic

Wer sich mit belgischen Lambics beschäftigt, stößt früher oder später auf Hanssens Artisanaal. Die traditionsreiche Geuzestecherei blickt auf eine Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1896 reicht. Heute führt bereits die dritte Generation den Betrieb fort – mit einer klaren Leidenschaft für traditionelle Lambic-Stile und spontane Gärung. Das Cassis verbindet diese Tradition mit schwarzen Johannisbeeren und verspricht damit eine ungewöhnliche Mischung aus Frucht, Säure und Reife.

Im Glas zeigt sich das Bier in einer Farbe, die eher an hellen Rotwein erinnert als an klassische Bierstile. Kristallklar und praktisch ohne Schaum wirkt das Erscheinungsbild fast elegant – und gleichzeitig ungewöhnlich.

In der Nase übernimmt sofort die Lambic-Säure die Kontrolle. Die schwarzen Johannisbeeren, immerhin mit beachtlichen 400 Gramm pro Liter eingesetzt, treten überraschend zurück und bleiben zunächst eher Andeutung als Hauptdarsteller. Wer einen fruchtbetonten Auftritt erwartet, wird hier bereits merken: Dieses Bier folgt eigenen Regeln.

Der Antrunk überrascht dann deutlich. Statt kompromissloser Säure erscheint zunächst eine angenehme Süße, begleitet von fruchtigen Eindrücken. Kohlensäure spielt praktisch keine Rolle, was dem Bier einen ruhigen, beinahe weinartigen Charakter verleiht. Im weiteren Verlauf verändert sich das Bild spürbar. Die Süße weicht einer trockenen Struktur, während die typische Lambic-Säure zunehmend in den Vordergrund tritt. Die Frucht wird dabei fast überlagert und bleibt eher Begleiterscheinung. Trotz der intensiven Aromen wirkt das Mundgefühl schlank und leicht. Im Abgang zeigt das Cassis schließlich seine wilde Seite. Die Säure bleibt präsent und wird von einem Hauch Weinessig ergänzt. Was bei weniger gelungenen Sauerbieren schnell störend wirken könnte, fügt sich hier erstaunlich harmonisch ein und sorgt für einen langen, eigenständigen Eindruck.

Kurz gesagt: Das Hanssens Artisanaal Cassis ist kein Fruchtbier für unkomplizierte Erfrischung. Schwarze Johannisbeeren liefern zwar den Ausgangspunkt, doch im Mittelpunkt stehen die trockene Säure und die typische Lambic-Charakteristik. Das Ergebnis erinnert streckenweise eher an Naturwein als an Bier – spannend, ungewöhnlich und definitiv nichts für Freunde klassischer Süße.

Zutaten:

Wasser, Schwarze Johannisbeeren (40 %), Gerstenmalz, Hefe, Hopfen

Alkoholgehalt:

6,0 % Vol.

Brauerei:

Hanssens Artisanaal
Vroenenbosstraat 15
1653 Beersel
Belgien
https://www.hanssens-artisanaal.be/

Einbecker Landbier

Schon optisch gibt sich dieses Bier klassisch: Goldfarben, kristallklar und mit eher zurückhaltender Schaumkrone. Der schneeweiße Schaum wirkt ordentlich, bleibt aber insgesamt etwas sparsam. Ein Auftritt ohne große Überraschungen – solide, aber nicht besonders einprägsam.

In der Nase zeigen sich helle Malznoten und leichte florale Anklänge. Das bleibt insgesamt recht verhalten. Wer auf intensive Aromen hofft, wird eher enttäuscht sein. Der Duft wirkt eher zurückhaltend und kündigt bereits ein Bier an, das nicht mit Hilfe expressiver Aromatik überzeugen möchte.

Im Antrunk überrascht zunächst eine moderate Süße, begleitet von sehr feinperliger Kohlensäure. Das sorgt für einen angenehmen Einstieg. Schnell entwickelt sich jedoch die Hopfennote zum dominierenden Element. Sie wirkt grasig und teilweise leicht metallisch – eine Kombination, die nicht unbedingt zusätzliche Tiefe erzeugt. Im weiteren Verlauf treten fruchtige Eindrücke auf, die entfernt an Birne erinnern. Gleichzeitig bleibt eine getreidige Süße bestehen, die mit zunehmender Verweildauer sogar stärker wahrgenommen wird. Das ergibt ein etwas widersprüchliches Bild zwischen Süße und Bittere. Der Körper bleibt dabei schlank und gut trinkbar. Positiv fällt auf, dass die Bittere trotz ihrer Präsenz nicht aggressiv wirkt. Sie bleibt vergleichsweise freundlich und zurückhaltend. Allerdings fehlt es dem Hopfen an aromatischer Strahlkraft, wodurch die Bitterkeit eher funktional erscheint als geschmacklich spannend. In der Kehle bleibt eine kurze Bittere zurück, ohne langen Nachhall oder besondere Entwicklung. Genau hier zeigt sich vielleicht am deutlichsten der Gesamteindruck: Das Bier erfüllt klassische Erwartungen an ein hopfenbetontes Lager oder Pils, schafft es aber nicht, darüber hinaus echte Begeisterung zu erzeugen.

Oder anders ausgedrückt: Ein unkompliziertes Bier mit deutlicher Hopfenorientierung, feiner Kohlensäure und angenehmer Trinkbarkeit. Gleichzeitig fehlen aromatische Tiefe und charakteristische Akzente. Die Hopfenbittere bleibt präsent, ohne wirklich spannend zu werden. Ein Bier, das man trinken kann – aber vermutlich keines, an das man sich lange erinnert.

Am ehesten passt das Bier zu deftigen, leicht salzigen Speisen wie Bratwurst, Schnitzel oder herzhaften Brotzeiten. Die Bittere kann Fett etwas ausgleichen, während die getreidige Süße gut mit kräftigen Röstaromen harmoniert. Zu feinen oder komplexen Gerichten dürfte das Bier dagegen schnell untergehen.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Farbe:

8 EBC

Brauerei:

Einbecker Brauhaus AG
Papenstraße 4-7
37574 Einbeck
www.einbecker.de

De Proefbrouwerij – Bloemenbier

De Proefbrouwerij ist eine unabhängige Familienbrauerei, die sich auf die Entwicklung und Herstellung von Bieren und alternativen Getränken für Dritte spezialisiert hat. Was einst als Leidenschaft für den Brauprozess begann, hat sich zu einem Hightech-Produktionsunternehmen entwickelt, das für Qualität, Innovation und Integrität bekannt ist. Ein Ergebnis der Brauversuche der Proefbrouwerij ist das Bloemenbier, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Schon beim Einschenken macht das Bloemenbier klar, dass es nicht in die klassische Bier-Schublade gesteckt werden möchte. Im Glas zeigt sich ein kräftiger Orangeton mit kristallklarer Erscheinung. Der feste, leicht gelbstichige Schaum baut sich üppig auf und hält erstaunlich lange. Optisch erinnert das Bier eher an einen opulenten Aperitif als an ein klassisches Golden Ale.

In der Nase dominieren Malz und Karamell, begleitet von fruchtigen Orangennoten und einer angenehmen Würze. Die angekündigte florale Welt schwingt mit, wirkt aber weniger verspielt als erwartet. Statt Blumenwiese entsteht eher der Eindruck eines gehaltvollen, süßlichen Gebäcks.

Der Antrunk fällt deutlich süß aus. Die Kohlensäure ist extrem feinperlig und zurückhaltend dosiert, wodurch das Bier fast cremig wirkt. Schnell breitet sich ein weiches, volles Mundgefühl aus, das für ein Bier mit sieben Prozent Alkohol überraschend intensiv erscheint. Die Süße bleibt konstant präsent und wird von fruchtigen Nuancen begleitet. Am Gaumen entwickelt sich das Bloemenbier weiter in Richtung Dessert. Bittere spielt praktisch keine Rolle, stattdessen dominieren schwere, süße und fruchtige Eindrücke. Das Mundgefühl wirkt fast likörartig weich, ohne dass der Alkohol störend hervortritt. Gerade diese Kombination macht das Bier ungewöhnlich: Es trinkt sich weniger wie ein klassisches Ale, sondern eher wie eine flüssige Nachspeise. Der Abgang bleibt mild süß mit vergleichsweise kurzem Nachhall. Die angekündigte herbe Bitterkeit taucht allenfalls in Andeutungen auf und bleibt deutlich zurückhaltender, als man es bei vielen belgischen Spezialitäten erwarten würde.

Das Spannende am Bloemenbier ist weniger seine Komplexität als seine Eigenständigkeit. Die Verwendung nicht näher bezeichneter Blütenzutaten und die Herkunft aus dem Umfeld der Universität Gent machen neugierig. Im Glas entsteht daraus ein Bier, das konsequent einen anderen Weg geht – weg von Bittere und Frische, hin zu Süße, Fülle und Dessertcharakter. Das Bloemenbier ist kein Bier für den schnellen Durst und vermutlich auch keines für eingefleischte Pils-Trinker. Dafür eignet es sich hervorragend als flüssiges Dessert.

Zutaten:

Wasser, GERSTENMALZ, Hopfen, Blütenhonig, Invertzucker

Alkoholgehalt:

7,0 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 12° Celsius

Brauerei:

De Proefbrouwerij
Doornzelestraat 20
9080 Lochristi-Hijfte
Belgien
www.proefbrouwerij.com

Preußens Pilsener

Das Preußens Pilsener knüpft bewusst an die lange Brautradition der Hohenzollern an. Bereits am preußischen Hof spielte Bier eine Rolle, und auf der Burg Hohenzollern wurde zu besonderen Anlässen eigenes Bier ausgeschenkt. Das Pilsener versteht sich als Fortführung dieser Geschichte – gebraut nach dem Reinheitsgebot, mit Wasser aus dem Harz, Hallertauer Hopfen und einer auf sieben Wochen ausgedehnten Lagerzeit. Viel Tradition, hohe Ansprüche und ein Name, der Erwartungen weckt.

Schon optisch macht das Bier Eindruck. Im Glas steht ein kristallklares, blondes Goldgelb, gekrönt von einem feinporigen, schneeweißen Schaum mit bemerkenswert guter Standfestigkeit. Ein Pils, das sich durchaus aristokratisch präsentiert.

In der Nase zeigen sich helles Malz und dezente florale Noten. Das wirkt sauber und angenehm, ohne jedoch besonders komplex aufzutreten. Die ersten Eindrücke lassen ein klassisches Pils mit feiner Eleganz erwarten.

Der Antrunk überrascht: Für ein Pils wirkt das Bier zunächst vergleichsweise süß, begleitet von reichlich Kohlensäure. Schnell tritt eine deutliche Würzigkeit hervor, die das Geschmacksbild prägt. Im weiteren Verlauf entwickelt sich eine freundliche, zurückhaltende Bittere, während das auffallend weiche Wasser aus dem Harz tatsächlich für ein sehr angenehmes Mundgefühl sorgt. Der Körper bleibt schlank und gut trinkbar. Leichte blumige Noten ergänzen die Würze, während der Hopfen zwar aromatisch arbeitet, aber keine außergewöhnlichen Akzente setzt. Hier bewegt sich das Bier bewusst auf klassischem Terrain statt auf experimentellen Pfaden. In der Kehle zieht die Bittere noch einmal an und sorgt gemeinsam mit dem trockener werdenden Eindruck für einen überraschend langen Nachhall. Das ist gut gemacht und verleiht dem Bier mehr Charakter, als der erste Schluck vermuten lässt.

Das eigentliche Spannungsfeld entsteht jedoch durch den Namen. „Das Bier der Hohenzollern“ klingt nach großem Auftritt, vielleicht sogar nach etwas Erhabenem. Im Glas landet dann ein solides, gut trinkbares Pils mit angenehmer Würze und weichem Charakter – allerdings ohne jene geschmackliche Besonderheit, die man angesichts des königlichen Erbes vielleicht erwarten würde. Somit ist Preußens Pilsener ein handwerklich sauber gebrautes, klassisches Pils mit schöner Optik, weichem Mundgefühl und langem, herbem Nachhall. Ein gutes Bier – nur nicht unbedingt eines, bei dem man spontan den Adel bemühen würde.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Farbe:

4 EBC

Brauerei:

Kgl. Preußische Biermanufactur
Königsallee 9
14193 Berlin
www.preussische-biermanufactur.de

Hugel – Invidia

Das Invidia, das jetzt vor mir steht, hat die Brauerei Hugel bei der belgischen Brauerei The Brew Society gebraut. Es handelt sich um ein Stout mit 10,5 Alkohol, gebraut mit Rohstoffen aus biologischen Anbau. Stilistisch bewegt sich das Bier an der Grenze zwischen Stout und Quadrupel. Die Bitterkeit stammt weniger vom Hopfen als von den intensiv gerösteten Malzen, bleibt dabei jedoch stets im Hintergrund und unterstützt das Gesamtbild eher, als dass sie dominiert. Zahlreiche Auszeichnungen – darunter Gold bei der Brussels Beer Challenge 2015 und beim Concours International de Lyon 2017 sowie weitere Medaillen bei internationalen Wettbewerben – bestätigen den hohen Anspruch und die Qualität dieses Bieres. Damit ist aber auch genug der Vorrede. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Das Stout präsentiert sich im Glas tiefschwarz und blickdicht, gekrönt von einem feinporigen, hellbraunen Schaum mit beeindruckender Standfestigkeit. Schon optisch wird klar: Hier wartet kein Leichtgewicht.

In der Nase entfaltet sich ein komplexes Aromenspiel. Dunkles Karamell, Kakao und Kaffee bilden die Grundlage, ergänzt durch Noten von reifen und getrockneten Früchten sowie eine leicht waldige, fast schon tertiäre Aromatik. Das wirkt vielschichtig und lädt zum längeren Verweilen ein.

Der Antrunk startet süß, getragen von einer feinperligen, angenehm zurückhaltenden Kohlensäure. Im weiteren Verlauf zeigt sich ein weicher, voller Körper, der die Aromen harmonisch trägt. Eine dezente fruchtige Säure sorgt für zusätzliche Tiefe, während der Alkohol bemerkenswert gut eingebunden ist. Geschmack und Nachhall wirken rund und nahezu nahtlos miteinander verschmolzen. Der Abgang ist mild und weich, ohne Ecken und Kanten, was den Gesamteindruck eines sehr zugänglichen, gleichzeitig aber komplexen Bieres unterstreicht.

Somit ist das Invidia ein vielschichtiges, hervorragend ausbalanciertes Stout mit Anklängen an ein Quadrupel. Komplex, rund und mit großer aromatischer Tiefe – ein Bier für ruhige Genussmomente.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Rohrzucker, Hopfen, Kakao, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

10° Celsius

Brauerei:

Brouwerij Hugel
Pervijzestraat 29
8500 Kortrijk
Belgien
www.hugel.be

bei

The Brew Society
Kortrijksestraat 103A
8501 Heule
www.thebrewsociety.be

Bergquell – Kirsch Porter

Die Bergquell Brauerei Löbau aus der Oberlausitz ist vor allem für ihre Porter mit Fruchtzusatz bekannt. Jetzt steht das Kirsch Porter vor mir und wartet auf seine Verkostung.

Im Glas präsentiert sich das Kirsch Porter in einem klaren Rubinrot. Der hellbraune Schaum wirkt solide, ist jedoch nur von durchschnittlicher Standfestigkeit. Optisch bewegt sich das Getränk irgendwo zwischen Bier und Fruchtgetränk – ein erster Hinweis auf das, was noch folgen wird.

In der Nase wird es dann spannend. Weder typische Röstaromen eines Porters noch eine klare Kirschfrucht treten hervor. Stattdessen erinnert das Aroma eher an eine süßliche Limonade mit schwer greifbarer, leicht künstlich wirkender Fruchtnote.

Der Antrunk bestätigt diesen Eindruck. Deutlich süß, mit sehr feinperliger, eher zurückhaltender Kohlensäure. Frische oder Tiefe sucht man zunächst vergeblich. Im weiteren Verlauf dominiert die Süße weiterhin das Geschehen. Erst allmählich schleicht sich eine Ahnung von Kirsche ein, die jedoch eher angedeutet als klar definiert ist. Dass hier ein Bier im Glas steht, muss man tatsächlich wissen – geschmacklich drängt sich diese Erkenntnis nicht unbedingt auf. In der Kehle bleibt das Bild konsequent: süß, mit etwas deutlicher werdender Kirschanmutung, jedoch ohne jede Bittere, die für Ausgleich sorgen könnte. Dadurch wirkt das Getränk insgesamt recht eindimensional.

Fazit: Es ist durchaus bemerkenswert, ein Getränk zu kreieren, das zumindest entfernt an Kirsche erinnert, ohne dabei auf echte Kirschen zu setzen. Gleichzeitig führt genau das zu einem Ergebnis, das sich geschmacklich deutlich vom klassischen Porter entfernt und eher an eine süße Limonade erinnert als an ein Bier.

Brasserie de la Senne – Taras Boulba

Mit dem Taras Boulba will die Brasserie de la Senne zeigen, dass große Biererlebnisse nicht zwingend mit hohem Alkoholgehalt einhergehen müssen. Das Session IPA aus Brüssel steht exemplarisch für eine Philosophie, die in der Craft-Szene immer mehr Anhänger findet: weniger Alkohol, aber maximaler Geschmack. Ob dieses Vorhaben geklappt hat, will ich jetzt feststellen. Öffne ich also die Flasche und schenke mir das Bier ein.

Optisch präsentiert sich das Bier hell goldfarben und leicht trüb im Glas, gekrönt von einer feinporigen, stabilen weißen Schaumkrone. Ein klassischer, unaufgeregter Auftritt, der gut zum Bierstil passt.

In der Nase wird es dann deutlich spannender. Frische Zitrusaromen treffen auf exotische Fruchtnoten wie Litschi und Mango. Dazu gesellt sich eine leichte Süße, die an Honig und Zitronenlimonade erinnert, begleitet von einem Hauch Würze und mineralischen Nuancen. Ein Duftbild, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk fällt trocken und durch die reichliche Karbonisierung spritzig aus. Eine klare Bittere setzt früh ein, wird aber von einer zarten Malzigkeit und fruchtigen Noten im Hintergrund begleitet. Im weiteren Verlauf entsteht ein interessantes Wechselspiel: Tropische Frucht trifft auf trockene Bitterkeit, ohne dass sich eine Seite in den Vordergrund drängt. Mit rund 33 IBU bleibt die Bittere präsent, aber kontrolliert. Besonders im Abgang zeigt sich das Bier charakterstark: trocken, leicht kräuterig und mit einer Wermut-ähnlichen Note, die für ein ungewöhnliches, aber stimmiges und lang anhaltendes Finale sorgt. Gleichzeitig bleibt das Bier durch seine prickelnde, zitronige Frische erstaunlich süffig.

Das Mundgefühl ist schlank und lebendig, was den Trinkfluss deutlich erhöht. Mit 4,5 Prozent Alkohol erfüllt das Taras Boulba genau das, was ein Session IPA leisten soll: viel Geschmack bei hoher Trinkbarkeit. Unterm Strich ist dieses Bier ein überzeugender Beweis dafür, dass „leicht“ nicht gleich „langweilig“ bedeutet. Oder anders gesagt: Ein Bier, das Sie nicht fordert – aber definitiv beschäftigt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen (Nobel), Zucker, Hefe

Alkoholgehalt:

4,5 % Vol.

Bittereinheiten:

33 IBU

Farbe:

6 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 9° Celsius

Brauerei:

Brasserie de la Senne
Drève Anna Boch 19-21
1000 Brüssel
Belgien
www.brasseriedelasenne.be

Störtebeker – Wild Coast-Ale alkoholfrei

Alkoholfreie Biere haben längst ihren festen Platz gefunden – doch wirklich charakterstarke Vertreter sind noch immer eine angenehme Überraschung. Ich hoffe, dass das Störtebeker Wild Coast-Ale alkoholfrei in diese Kategorie gehört. Schließlich habe mich die Stralsunder bislang selten enttäuscht.

Im Glas zeigt sich das Bier hell und kräftig hefetrüb, mit einer stabilen, schneeweißen Schaumkrone, die bemerkenswert lange stehen bleibt. Optisch wirkt es damit bereits deutlich lebendiger als viele klassische alkoholfreie Vertreter.

In der Nase geht es dann direkt in die Vollen: intensive Fruchtaromen dominieren das Bild. Zitrusnoten treffen auf Ananas und erinnern insgesamt an einen gut gefüllten Obstkorb. Ein Aromaprofil, das sofort Lust auf den ersten Schluck macht.

Der Antrunk ist angenehm weich, mit einer feinen Malzsüße und einer gut abgestimmten, feinperligen Kohlensäure. Beides sorgt für einen lebendigen, aber nicht überdrehten Einstieg. Im Körper zeigt das Wild Coast-Ale, was alkoholfreies Bier heute leisten kann. Die Süße bleibt präsent, wird aber von einer intensiven Fruchtigkeit und einer durchaus spürbaren Bittere begleitet. Das Mundgefühl bleibt dabei schlank und erfrischend – eine Kombination, die besonders an warmen Tagen überzeugt. Der Abgang wird etwas trockener, die Bittere zieht kurz an, bevor sie wieder zurücktritt. Die Aromen klingen dabei angenehm lange nach und hinterlassen einen frischen Gesamteindruck.

Unterm Strich ist dieses alkoholfreie Ale ein gelungener Vertreter seiner Art: aromatisch, ausgewogen und erstaunlich vielschichtig. Besonders als Begleiter zu leichten sommerlichen Gerichten spielt es seine Stärken voll aus. Oder anders gesagt: Ein alkoholfreies Bier, das nicht verzichtet – sondern überzeugt.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Haferflocken, Weizenflocken, Roggenmalz, Hopfen (Citra, Krush, Simcoe, Idaho 7), Hefe, Hopfenauszüge

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Empfohlene Genusstemperatur:

8°C

Brauerei:

Störtebeker Braumanufaktur GmbH
Greifswalder Chaussee 84-85
18439 Stralsund
www.stoertebeker.com

Debuisson – Bush Blonde Triple

Mit dem Bush Blonde Triple bringt die Brasserie Dubuisson ein Bier ins Glas, das kaum Zweifel daran lässt, wo es herkommt: Belgien, und zwar mit allem, was dazugehört. Kraft, Komplexität und eine gewisse Selbstverständlichkeit im Umgang mit Alkoholstärke.

Seit 2008 ergänzt diese Variante die Bush-Familie und setzt auf Flaschengärung, um dem ohnehin schon intensiven Grundbier noch mehr Tiefe zu verleihen. Das Ergebnis zeigt sich bereits beim Einschenken: bernsteinfarben, leicht hefetrüb und mit einem feinporigen, stabilen weißen Schaum, der lange stehen bleibt.

In der Nase wird schnell klar, dass hier kein Leichtgewicht im Glas steht. Aromen von Keksteig, hellem Malz und Karamell treffen auf die typische belgische Hefenote. Dazu gesellen sich florale Anklänge, die dem Ganzen eine überraschende Frische verleihen.

Der Antrunk beginnt vergleichsweise zurückhaltend, mit einer feinen, gut eingebundenen Süße und einer sehr feinperligen Kohlensäure. Doch dieser ruhige Einstieg täuscht: Im weiteren Verlauf entfaltet das Bier seine ganze Bandbreite. Hefige Noten, florale Nuancen und eine ausgewogene, freundliche Bittere greifen ineinander und sorgen für ein rundes, harmonisches Mundgefühl. Besonders bemerkenswert ist, wie gut der Alkohol integriert ist. Mit seiner Stärke bringt er Wärme ins Spiel, ohne jemals störend zu wirken. Stattdessen unterstützt er die Struktur und verleiht dem Bier zusätzliche Tiefe. In der Kehle zeigt sich das Bush Blonde Triple trockener und überraschend mild. Die Bittere bleibt angenehm im Hintergrund, während die alkoholische Wärme langsam nachklingt und das Geschmackserlebnis abrundet.

Unterm Strich ist dieses Bier ein Paradebeispiel für ein belgisches Tripel. Kraftvoll, komplex und dennoch zugänglich. Oder anders gesagt: Ein Bier, an dem sich viele andere messen lassen müssen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,5 % Vol.

Bittereinheiten:

21 IBU

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Brasserie Dubuisson
Chaussée de Mons 28
7904 Leuze-en-Hainaut
Belgien
www.dubuisson.com

Kraftpaule – alkoholfreies Lager

Alkoholfreie Biere haben es nicht leicht. Zu oft sind sie entweder zu süß, zu dünn oder schlicht zu brav. Umso spannender ist es, wenn ein Vertreter aus der Craft-Ecke zeigt, dass es auch anders geht.

Optisch macht das alkoholfreie Lager von Kraftpaule einen überzeugenden ersten Eindruck. Hell im Glas, mit einer leichten Hefetrübung und einer stabilen, feinporigen weißen Schaumkrone, die erstaunlich lange durchhält. Das wirkt frisch und einladend – genau so, wie man es sich von einem Lager wünscht.

In der Nase zeigt sich das Bier überraschend vielschichtig. Helle Malznoten treffen auf eine fruchtige Komponente, die an Birne erinnert, begleitet von einem Hauch Brot und floralen Nuancen. Ein Aromenspiel, das deutlich mehr verspricht als die meisten alkoholfreien Vertreter.

Der Antrunk ist spritzig und lebendig, mit einer leichten Süße, die das Bier zugänglich macht, ohne ins Kitschige abzurutschen. Im Körper bleibt das Lager angenehm weich und malzbetont, mit einer gut eingebundenen Bittere, die von fruchtigen Noten begleitet wird. Hier zeigt sich, dass alkoholfrei nicht automatisch charakterarm bedeuten muss.

Im Abgang wird das Bier trockener, die Bittere tritt etwas deutlicher hervor und bleibt erstaunlich lange präsent. Ein Finish, das dem Bier Struktur gibt und es klar von vielen weichgespülten Alternativen abhebt.

Unterm Strich ist das alkoholfreie Lager von Kraftpaule ein ungewöhnlicher, aber gelungener Vertreter seiner Kategorie. Kein Ersatz, sondern ein eigenständiges Bier mit Charakter – und genau das macht es so angenehm.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Farbe:

5 EBC

Brauerei:

Kraftpaule GmbH
Neckarstr. 132
70190 Stuttgart
www.kraftpaule.de