Archiv des Autors: Mathias

Alkoholfreies Bier: Auf dem Weg vom Nischenprodukt zum festen Bestandteil der Bierkultur

Der Trend zu alkoholfreien Getränken ist längst kein kurzfristiges Phänomen mehr. Was für viele mit dem „Dry January“ beginnt, setzt sich über das gesamte Jahr fort. Alkoholfreies Bier hat sich dabei von einer Nische zu einem festen Bestandteil des Biermarkts entwickelt – mit stetig wachsenden Marktanteilen.

Auch große Brauereien reagieren auf diese Entwicklung. Die Krombacher Brauerei etwa verzeichnet seit Jahren einen kontinuierlichen Zuwachs bei alkoholfreien Produkten. Laut Unternehmensangaben wächst dieses Segment dynamischer als viele andere Bereiche des Biermarkts. Besonders jüngere Konsumentengruppen, häufig der Generation Z zugerechnet, greifen vermehrt zu Getränken ohne Alkohol – sei es aus gesundheitlichen, sozialen oder schlicht pragmatischen Gründen.

Interessant ist dabei, dass alkoholfreies Bier längst nicht mehr nur als Ersatzprodukt wahrgenommen wird. Stattdessen differenziert sich das Angebot zunehmend nach Anlass und Geschmack. Krombacher unterscheidet beispielsweise zwischen einem alkoholfreien Pils, das sich bewusst am klassischen Biergeschmack orientiert, und einem 0,0-Prozent-Produkt, das stärker auf Erfrischung und Alltagstauglichkeit setzt. Diese Trennung zeigt, dass alkoholfreie Biere nicht mehr als einheitliche Kategorie gedacht werden, sondern unterschiedliche Bedürfnisse bedienen sollen.

Auch auf der technischen Seite ist alkoholfreies Bier deutlich komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Für die Herstellung kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz, etwa eine frühzeitig gestoppte Gärung oder die nachträgliche Entalkoholisierung durch Umkehrosmose. Beide Methoden erfordern zusätzlichen Aufwand und beeinflussen das sensorische Ergebnis spürbar. Ziel ist es, je nach Produkt entweder möglichst nah an den Geschmack eines klassischen Bieres heranzukommen oder bewusst leichtere, weniger bierige Profile zu erzeugen.

Begleitend zum wachsenden Markt wird auch das Sortiment weiterentwickelt. Neue Sorten, veränderte Designs und eine stärkere Sichtbarkeit alkoholfreier Biere in der Öffentlichkeit zeigen, welchen Stellenwert das Segment inzwischen für große Brauereien hat. Alkoholfrei ist nicht mehr bloß Ergänzung, sondern Teil langfristiger Strategien.

Unabhängig von einzelnen Marken lässt sich festhalten: Alkoholfreies Bier ist gekommen, um zu bleiben. Die wachsende Vielfalt, verbesserte Brautechnik und veränderte Konsumgewohnheiten sorgen dafür, dass alkoholfreie Biere heute deutlich selbstbewusster auftreten als noch vor einigen Jahren – und zunehmend auch von Biertrinkerinnen und Biertrinkern akzeptiert werden, die früher einen Bogen darum gemacht hätten.

Hoppen un Molt – Pale Ale

Hoppen un Molt ist eine kleine, unabhängige Brauerei, die im Rostocker Ortsteil Warnemünde beheimatet ist, und die sich klar der handwerklichen Braukultur verschrieben hat. Der Name ist plattdeutsch und steht ganz bewusst für das, worum es der Brauerei geht: Hopfen und Malz, ohne Schnickschnack, dafür mit viel Charakter. Die Biere sind meist unfiltriert, nicht pasteurisiert und klar am Stil orientiert, ohne dabei beliebig zu wirken. Jetzt will ich das Pale Ale der Warnemünder Brauer verkosten.

Hell Golden und hefetrüb fließt das Bier ins Glas und bildet dabei eine voluminöse feinporige Schaumkrone aus, die sich lange hält. Optisch ist das Bier 1A.

In der Nase stehen stiltypisch die frischen Hopfenaromen im Vordergrund. Zitrusnoten wie Grapefruit und Limette steigen mir in die Nase, abgerundet durch den Duft der Hefe, so dass beinahe der Duft nach Biskuitteig entsteht. Aber auch der Malzkörper kommt aus dem Hintergrund zur Geltung.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine mäßige Süße sowie eine reichliche und kräftige Karbonisierung aus. Auf der Zunge zeigt sich eine überraschend kräftige und dabei freundliche Bittere, die aber der Fruchtigkeit die Pole Position überlässt. Bei aller Intensität bleibt das Mundgefühl schlank. In der Kehle wird das Bier trockener und sowohl Bittere als auch Fruchtigkeit klingen lange nach.

Das Pale Ale von Hoppen un Molt ist ein stilsicheres, ehrliches Pale Ale mit norddeutschem Charakter. Es eignet sich sowohl als Einstieg in hopfenbetonte Biere als auch als verlässlicher Begleiter für alle, die ausgewogene Craftbiere schätzen – pur, zum Grillen oder zu unkomplizierten Speisen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,9 % Vol.

Stammwürze:

11,5° P

Bittereinheiten: 

27 IBU

Farbe:

6 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

7° – 10° Celsius

Brauerei:

Hoppen un Molt
Alexandrinenstraße 49
18119 Rostock-Warnemünde
https://hoppen-molt.de/

Verteidigung der Wahlfreiheit der Verbraucher und der Zusammenarbeit in Finnlands Bierkultur

Stellungnahme der European Beer Consumers Union (EBCU) zur geplanten Änderung der Biersteuer in Finnland (Übersetzung von mir):

Finnland erwägt derzeit neue Leitlinien zur Verbrauchsteuer, die viele Collaboration Brews für kleine Brauereien faktisch unmöglich machen würden. Nach der vorliegenden Entwurfsinterpretation könnte ein Bier, das mehr als die Namen oder Logos von mehr als einer Brauerei trägt (wie es bei Kollaborationen üblich ist), als „Produktion unter Lizenz“ eingestuft werden. In diesem Fall könnten die beteiligten Brauereien ihre Steuererleichterungen für kleine Brauereien für das gesamte Jahr verlieren. Dies würde nicht nur finnische Brauereien betreffen, sondern auch Importe und internationale Kooperationen – und letztlich die Auswahl für Bierkonsumenten deutlich verringern.

Kollaborationsbiere gehören zu den Besonderheiten der modernen Bierkultur. Wenn zwei oder mehr unabhängige Brauereien gemeinsam ein Bier brauen, teilen sie Ideen, Fachwissen und Leidenschaft – oft auch über Landesgrenzen hinweg. Diese Gemeinschaftsbiere machen in der Regel niemanden reich; es handelt sich meist um kleine Sude, die Bierliebhabern etwas Neues und Spannendes bieten und Brauereien helfen, neue Zielgruppen zu erreichen. Das europäische Recht erkennt an, dass kleine Brauereien gelegentlich zusammenarbeiten, und erlaubt den EU-Mitgliedstaaten, unabhängigen kleinen Brauereien Steuererleichterungen zu gewähren. In vielen Ländern hat dies Zusammenarbeit und Innovation gefördert, ohne steuerliche Regeln auszuhöhlen.

Finnlands Entwurf zur Verbrauchsteuer-Leitlinie schlägt den entgegengesetzten Weg ein. Er würde jedes Bier, das mehr als ein Brauereilogo trägt, als „lizenzierte Produktion“ behandeln und allen beteiligten Brauereien die Steuererleichterung für kleine Brauereien für ein ganzes Jahr entziehen. Selbst wenn kein Geld fließt und das Bier in den eigenen Räumlichkeiten einer Brauerei gebraut wird, würde allein das Vorhandensein eines Partnerlogos ausreichen, um diese Sanktion auszulösen. Das käme einem faktischen Verbot von Kollaborationsbieren für Finnlands kleine Brauereien gleich, würde internationale Kooperationen entmutigen und Finnland zu einem Sonderfall in Europa machen.

Als Europäische Bierkonsumenten-Vereinigung sind wir der Auffassung, dass Verbraucher Auswahl, Vielfalt und Fairness verdienen. Kollaborationsbiere bereichern die Bierlandschaft, stärken grenzüberschreitende Freundschaften und bringen Konsumenten neue Stile und Geschmacksrichtungen näher. Kleine Brauereien daran zu hindern, solche Biere zu brauen, würde Vielfalt und Innovation für Biertrinker in Finnland und darüber hinaus einschränken. Zudem könnten die Exportchancen finnischer Brauereien leiden, während ausländische Brauereien den finnischen Markt meiden könnten – aus Angst, ihren Status als kleine Brauerei zu verlieren. Am Ende hätten Verbraucher weniger Auswahl in den Regalen.

Wir fordern die finnischen Behörden auf, ihren Leitlinienentwurf zu überdenken. Regelungen zur Steuererleichterung für kleine Brauereien sollten klar zwischen echter Auftragsbrauerei (bei der ein Unternehmen die Marke eines anderen produziert) und kreativer Zusammenarbeit unterscheiden, die Verbrauchern neue Erlebnisse bieten. Gleichzeitig appellieren wir an die EU-Politik, dafür zu sorgen, dass der Kooperationsgedanke der Richtlinie 92/83/EWG in allen Mitgliedstaaten einheitlich angewendet wird. Bierkonsumenten in Finnland und ganz Europa verdienen politische Rahmenbedingungen, die Vielfalt, Innovation und faire Behandlung unterstützen.

EBCU: Verteidigung der Wahlfreiheit der Verbraucher und der Zusammenarbeit in der finnischen Bierkultur

Finnland erwägt derzeit einen Gesetzentwurf, der, wenn er in der jetzigen Form beschlossen würde, zur Folge hätte, dass gemeinsame Sude mehrerer Brauereien deutlich erschwert würden, da die beteiligten Brauereien mit deutlich höheren Steuern belegt würden. Die European Beer Consumers Union (EBCU) hat aktuell die folgende Stellungnahme zu diesem Gesetzentwurf herausgegeben (die Übersetzung aus dem Englischen stammt von mir):

Finnland erwägt derzeit neue Leitlinien zur Verbrauchsteuer, die viele Kollaborationsbiere für kleine Brauereien faktisch unmöglich machen würden. Nach der vorliegenden Entwurfsinterpretation könnte ein Bier, das mehr als den Namen oder das Logo einer Brauerei trägt (wie es bei Kollaborationen üblich ist), als „lizenzierte Produktion“ eingestuft werden. In diesem Fall könnten die beteiligten Brauereien ihre Steuererleichterungen für kleine Brauereien für das gesamte Jahr verlieren. Dies würde nicht nur finnische Brauereien betreffen, sondern auch Importe und internationale Kooperationen – und letztlich die Auswahl für Bierkonsumenten deutlich verringern.

Kollaborationsbiere gehören zu den großen Freuden der modernen Bierkultur. Wenn zwei oder mehr unabhängige Brauereien gemeinsam ein Bier brauen, teilen sie Ideen, Fachwissen und Leidenschaft – oft auch über Landesgrenzen hinweg. Diese Gemeinschaftsbiere machen in der Regel niemanden reich; es handelt sich meist um kleine Sude, die Bierliebhabern etwas Neues und Spannendes bieten und Brauereien helfen, neue Zielgruppen zu erreichen. Das europäische Recht erkennt an, dass kleine Brauereien gelegentlich zusammenarbeiten, und erlaubt den EU-Mitgliedstaaten, unabhängigen kleinen Brauereien Steuererleichterungen zu gewähren. In vielen Ländern hat dies Zusammenarbeit und Innovation gefördert, ohne steuerliche Regeln auszuhöhlen.

Finnlands Entwurf zur Verbrauchsteuer-Leitlinie schlägt den entgegengesetzten Weg ein. Er würde jedes Bier, das mehr als ein Brauereilogo trägt, als „lizenzierte Produktion“ behandeln und allen beteiligten Brauereien die Steuererleichterung für kleine Brauereien für ein ganzes Jahr entziehen. Selbst wenn kein Geld fließt und das Bier in den eigenen Räumlichkeiten einer Brauerei gebraut wird, würde allein das Vorhandensein eines Partnerlogos ausreichen, um diese Sanktion auszulösen. Das käme einem faktischen Verbot von Kollaborationsbieren für Finnlands kleine Brauereien gleich, würde internationale Kooperationen entmutigen und Finnland zu einem Sonderfall in Europa machen.

Als Europäische Bierkonsumenten-Union sind wir der Auffassung, dass Verbraucher Auswahl, Vielfalt und Fairness verdienen. Kollaborationsbiere bereichern die Bierlandschaft, stärken grenzüberschreitende Freundschaften und bringen Konsumenten neue Stile und Geschmacksrichtungen näher. Kleine Brauereien daran zu hindern, solche Biere zu brauen, würde Vielfalt und Innovation für Biertrinker in Finnland und darüber hinaus einschränken. Zudem könnten die Exportchancen finnischer Brauereien leiden, während ausländische Brauereien den finnischen Markt meiden könnten – aus Angst, ihren Status als kleine Brauerei zu verlieren. Am Ende hätten Verbraucher weniger Auswahl in den Regalen.

Wir fordern die finnischen Behörden auf, ihren Leitlinienentwurf zu überdenken. Regelungen zur Steuererleichterung für kleine Brauereien sollten klar zwischen echter Auftragsbrauerei (bei der ein Unternehmen die Marke eines anderen produziert) und kreativen Kollaborationen unterscheiden, die Verbrauchern neue Erlebnisse bieten. Gleichzeitig appellieren wir an die EU-Politik, dafür zu sorgen, dass der Kooperationsgedanke der Richtlinie 92/83/EWG in allen Mitgliedstaaten einheitlich angewendet wird. Bierkonsumenten in Finnland und ganz Europa verdienen politische Rahmenbedingungen, die Vielfalt, Innovation und faire Behandlung unterstützen.

Brasserie des Trévires – Brune d’un Noël en Gaume

Die Brasserie des Trévires ist eine relativ junge, unabhängige belgische Handwerksbrauerei mit Sitz in der Gaume-Region (Lamorteau/Rouvroy, nahe der luxemburgischen Grenze). Sie wurde 2018 von einer Gruppe leidenschaftlicher Brauer gegründet, die Tradition, Kreativität und regionalen Charakter miteinander verbinden wollen. Der Name der Brauerei bezieht sich auf die keltische Volksgruppe der Trévires, die einst in der Gegend ansässig war – ein lokales Erbe, das die Identität und Verbundenheit mit der Region betont.

Die Brauerei stellt ein breites Sortiment verschiedenster Biere her, das mehrfach bei internationalen Wettbewerben ausgezeichnet wurde und traditionelle Stile neu interpretiert. Neben klassischen Sorten gehören auch experimentelle Brauvarianten und saisonale Spezialitäten zur Palette. Besucher können die Brauerei besichtigen, an Verkostungen teilnehmen und im eigenen Shop oder angeschlossenen Restaurant Biere und lokale Küche genießen.

Brune d’Un Noël en Gaume ist Weihnachts-/Winterbier und steht jetzt zur Verkostung vor mir. Die belgischen Weihnachtsbiere zeichnen sich typischerweise durch reichhaltige, komplexe Aromen aus, so dass ich mich auf eine angenehme Verkostung freue.

In einem sehr dunklen braun präsentiert sich das Bier im Glas. Die haselnussbraune Schaumkrone ist feinporig, fällt aber trotzdem recht schnell in sich zusammen.

In der Nase wirkt das Bier sofort weihnachtlich, ohne aufdringlich zu sein. Aromen von Karamell, dunklem Brot und Toffee stehen im Vordergrund. Dazu kommen Trockenfrüchte wie Rosinen und Pflaumen sowie eine dezente Würzigkeit, die an Nelken, Zimt, Lakritz und einen Hauch Muskat erinnert. Der Alkohol ist wahrnehmbar, aber gut eingebunden.

Der Antrunk ist weich und malzbetont. Eine angenehme Süße eröffnet gemeinsam mit der sehr feinperligen Kohlensäure das Geschmackserlebnis, getragen von Noten nach Karamellmalz, braunem Zucker und dunklem Honig. Auf der Zunge entwickeln sich erneut Trockenfrüchte und eine feine, zurückhaltende Würze. Die Kohlensäure unterstützt das volle, runde Mundgefühl. Eine spürbare Bittere fehlt weitgehend, stattdessen sorgt eine leichte Röstigkeit für Balance. Der Alkohol ist weiterhin gut eingebunden und unterstützt die anderen Aromen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. In der Kehle zeigt sich das Bier warm und leicht alkoholisch, mit Noten von Karamell, getrockneten Früchten und einem Hauch Kakao. Die Süße klingt langsam aus, ohne klebrig zu wirken, und hinterlässt einen angenehm wärmenden Eindruck.

Das Brune d’Un Noël en Gaume ist ideal für ruhige Abende, gut passend zu kräftigem Käse, Desserts mit Nüssen oder einfach solo als winterlicher Genuss.

Das Brune d’Un Noël en Gaume umfasst die kreative Bandbreite der Brasserie des Trévires: ein Bier, das lokale Braukunst mit saisonaler Stimmung verbindet und sowohl Biertradition als auch Genuss in den Fokus stellt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Rohzucker, Hopfen, Kakaobohnen, Hefe, Zimt, Rum, Vanille

Alkoholgehalt:

9,0 % Vol.

Bittereinheiten:

30 IBU

Farbe:

35 EBC

Empfohlene Genusstemperatur:

8° – 10° Celsius

Brauerei:

Brasserie des Trévires
Zone artisanale de Lamorteau Nr. 2
6767 ROUVROY (Lamorteau)
Belgien
www.trevires.be

Kreativbrauer – Kreativsud #7

Einmal im Jahr treffen sich die Macherinnen und Macher aus kleinen, unabhängigen Brauereien, um etwas ganz Besonderes zu schaffen: Den Kreativsud des Verbands deutscher Kreativbrauer.

Hier geht es nicht nur ums Bierbrauen, sondern um eine Zeitreise. Mit viel Leidenschaft werden historische Bierstile neu interpretiert und so nah wie möglich am Puls ihrer Entstehungszeit gebraut. Das Ergebnis? Biere, die überraschen, herausfordern und begeistern – auf jeden Fall aber neugierig machen.

Denn der Kreativsud will nicht jedem gefallen, sondern Geschichten erzählen: Von vergessenen Aromen, alten Rezepturen und der unglaublichen Vielfalt, die Bier schon vor Jahrhunderten hatte. Er zeigt auch, dass die Braukunst weit mehr zu bieten hat als Wasser, Malz, Hopfen und Hefe – und dass spannende, leckere Biere schon immer mit den unterschiedlichsten Zutaten gebraut wurden. Jetzt steht vor mir der siebte Sud, der auf diese Weise entstanden ist.

Bernsteinfarben und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Leider löst sich der Schaum sehr schnell auf, sonst würde das Bier optisch eine sehr gute Figur machen.

Das Bier duftet nach Karamell und Waldhonig, abgerundet mit einem Hauch Tabak. Auch die 10 Volumenprozent Alkohol steigen mir in die Nase, allerdings angenehm zurückhaltend.

Der Antrunk zeichnet sich durch eine mäßige Süße sowie eine sehr feinperlige Kohlensäure aus. Ich hätte mir allerdings etwas mehr Kohlensäure erhofft. Auf der Zunge drängt sich nun der Alkohol in den Mittelpunkt. Für ein Honigbier ist der Kreativsud überraschend trocken. Das Mundgefühl ist weich und voll. Der Alkohol brennt leicht und erzeugt einen beinahe likörartigen Eindruck. Daher überrascht mich auch der sehr milde Geschmack in der Kehle nicht übermäßig.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Honig, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

10,0 % Vol.

Farbe:

12 EBC

Brauerei:

Orca Bräu
Am Steinacher Kreuz 24
90427 Nürnberg
https://www.orcabrau.de

Gemeinsam mit

Bundesverband der deutschen Kreativbrauer e.V.
Rathgeberstraße 7
97656 Oberelsbach
www.deutschekreativbrauer.de

Alvinne – Cuvée Botte di Barolo

Die Brouwerij Alvinne gehört zu den spannendsten unabhängigen Brauereien Belgiens. Gegründet wurde sie 2004 von Glenn Verhasselt in Ostflandern, 2008 wurde der Firmensitz der Brauerei nach Moen bei Zwevegem verlegt. Alvinne steht für kompromisslose Handwerkskunst, kleine Chargen und eine sehr persönliche Handschrift.

Ein zentrales Element der Brauerei ist die hauseigene Hefe namens „Morpheus“. Diese wird nicht klassisch rein gezüchtet, sondern über Jahre hinweg gepflegt und weiterentwickelt. Sie kann sowohl sauber als auch leicht säuerlich vergären und ist extrem widerstandsfähig. Je nach Bierstil, Temperatur und Reifung entstehen sehr unterschiedliche Aromaprofile – von elegant-fruchtig bis komplex und wild.

Alvinne arbeitet intensiv mit Holz. Große Foeder, Barriques und gebrauchte Weinfässer sind fester Bestandteil der Produktion. Viele Biere reifen monatelang oder sogar jahrelang, teilweise mit Nachgärung und Reifung in der Flasche. Der Fokus liegt nicht auf schnellen Releases, sondern auf Tiefe, Struktur und Reifepotenzial. Genau hier bewegt sich auch das Cuvée Botte di Barolo, das ich jetzt verkosten möchte.

Dunkel kastanienbraun und mit leichter Hefetrübung präsentiert sich das Bier im Glas. Eine Schaumkrone ist nicht vorhanden. Da das Bier nur wenig bis gar keine Kohlensäure enthält, habe ich auch keinen Schaum erwartet.

Das Aroma ist weinartig und sehr komplex. Ich rieche eine fruchtige Säure, die an Kirschen und Pflaumen erinnert. Dazu dunkle Trockenfrüchte, Kandis und Melasse. Später gesellen sich auch Aromen von Kakao und Portwein dazu.

Der Antrunk ist likörartig. Eine fruchtige Säure kommt gemeinsam mit einer gut eingebundenen Süße daher. Dabei wirkt das Bier aber von Anfang an frisch und recht leicht. Auf der Zunge kommen die fruchtigen Noten in den Mittelpunkt und harmonisieren dabei mit den Rotweinnoten des Barolo. Stiltypisch ist nur eine geringe Bittere zu schmecken, während das Malz mit leichten Karamellnoten dem Bier eine angenehme Tiefe verleiht. Mich überrascht etwas die zunehmende Trockenheit des Bieres. In der Kehle erinnert das Bier an einen fruchtigen im Barrique ausgebauten Rotwein und dort kann ich erstmals auch die 12 Volumenprozent Alkohol schmecken.

Das Cuvée Botte di Barolo ist kein Bier für den schnellen Genuss. Es bewegt sich bewusst an der Grenze zwischen Bier und Wein und richtet sich an Genießer, die Fassreifung, Komplexität und Reifepotenzial schätzen. Ideal ist es zu kräftigem Käse, dunkler Schokolade oder einfach solo im großen Glas.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Zucker, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

ca. 12 % Vol.

Farbe:

30 EBC

Brauerei:

Brauerei Alvinne
Vaartstraat 4a
8552 Moen
Belgien
www.alvinne.be

Köstritzer – Kirsche

Köstritzer Kirsche ist ein Biermischgetränk der Köstritzer Schwarzbierbrauerei aus Bad Köstritz/Thüringen, die seit 1543 für ihr Schwarzbier bekannt ist – heute ist sie Teil der Bitburger Braugruppe.

Es handelt sich nicht um ein klassisches Bier wie ein Schwarzbier, sondern um einen Mix aus 60 % Köstritzer Schwarzbier und 40 % Süßkirsch-Limonade. Der Kirschanteil kommt aus Saftkonzentraten und Limonade, die dem Mix seinen Fruchtgeschmack verleiht. Der Fruchtsaftanteil beträgt zwar nur 0,5 %, aber damit liegt die Köstritzer Kirsche noch deutlich vor dem Lausitzer Erdbeer-Porter, das zwar intensiv nach Erdbeeren schmeckt, aber überhaupt keine Erdbeerbestandteile enthält. Es ist schon erstaunlich, was die Aromenindustrie so alles auf die Beine stellt. Jetzt reicht es aber mit der Vorrede und ich will mit der Verkostung beginnen.

Dunkel rotbraun präsentiert sich das Bier im Glas, beinahe schwarz. Darüber steht eine feinporige hellrosa Schaumkrone, die sich recht lange hält. Optisch kann ich an diesem Mischgetränk nichts aussetzen.

Das Aroma ist durchaus angenehm. Sowohl das Schwarzbier als auch die Fruchtigkeit der verwendeten Säfte und Limonaden kommen in der Nase zur Geltung. Dazu kommt noch ein süßes Aroma, das mich an Kandis denken lässt.

Der Antrunk ist fruchtig-süß und trumpft mit einer sehr kräftigen Kohlensäure auf. Auf der Zunge stehen eindeutig die Fruchtaromen im Mittelpunkt, während das Bier eher zu ahnen ist. Während die Süße sehr präsent ist ohne aber klebrig zu werden, kann ich keine Bittere feststellen, aber immerhin eine minimale Säure. In der Kehle kommen die Aromen nach Kirsche und Marzipan in den Vordergrund, klingen aber leider nur kurz nach.

Die Köstritzer Kirsche ist eine angenehme Erfrischung für den Sommer, ohne mit seinen 2,8 Volumenprozent Alkohol zu sehr „reinzuhauen“. Aber ich kann mir das Getränk auch im Winter vorstellen und ich glaube, ich werde mal versuchen, mit der Köstritzer Kirsche einen Glühpunsch zu kreieren.

Zutaten:

Bier (Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hopfenextrakt), Erfrischungsgetränk mit Kirschgeschmack (Wasser, Zucker, Zitronensaft (2 %), Holunderbeersaft (1,5 %), natürliches Aroma)

Alkoholgehalt:

2,8 % Vol.

Brauerei:

Köstritzer Schwarzbierbrauerei
07586 Bad Köstritz
www.koestritzer.de

11 Brauer, eine Frage: Was wird der nächste große Bierstil?

Die Bierwelt lässt sich grob in Ales, Lagerbiere und Hybridstile einteilen – doch dahinter verbirgt sich eine enorme Vielfalt. Während Klassiker wie IPA oder Stout fest etabliert sind, geraten andere Stile zeitweise in Vergessenheit. Doch Trends können sich schnell drehen: Sobald ein Bierstil die Fantasie der Szene beflügelt, findet er seinen Weg zurück an die Zapfhähne.

Was also kommt als Nächstes? Um das herauszufinden, fragte das Portal vinepair.com elf Brauer, welche Bierstile sie in naher Zukunft vorne sehen.

Ein zentrales Motiv zieht sich durch viele Antworten: der Wunsch nach mehr Balance und Trinkbarkeit. Mehrere Brauer prognostizieren eine Rückkehr zu Pale Ales mit 5 bis 6 Prozent Alkohol – unabhängig davon, ob amerikanisch, britisch oder belgisch interpretiert. Weg vom Extrem, hin zu Bieren, die man gerne trinkt statt analysiert.

Auch ein allgemeiner Stimmungswandel zeichnet sich ab. Statt immer stärkerer, süßer oder gehypter Biere rücken ausgewogene Lagerbiere und niedrigalkoholische Ales in den Fokus. Begriffe wie „beer-flavored beers“ stehen dabei für klassische, sauber gebraute Biere ohne Schnickschnack, bei denen Drinkability wieder zählt.

Weitere genannte Trends sind die Rückkehr der Black IPA, wieder mehr echte Bitterkeit im IPA-Segment sowie europäisch inspirierte Lagerbiere mit moderatem Alkoholgehalt und fairen Preisen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten bleibt Bier ein erschwinglicher Genuss.

Auch besonders süffige, alkoholarme Biere gewinnen an Bedeutung – als Alternative zu alkoholfreien Varianten. Genannt werden Session IPAs, Light Lager und sogar Dark Milds. Parallel dazu sehen einige Brauer eine Renaissance traditioneller Stile wie Münchner Helles oder „Table-Strength“-Saisons mit nur 2,5 bis 4 Prozent Alkohol.

Ein weiterer spannender Ansatz ist das „Single-Origin Beer“: Biere, die gezielt regionale Rohstoffe in den Mittelpunkt stellen und Herkunft sowie Handwerk erzählen – ein Trend, der besonders jüngere Konsumenten anspricht.

Statt eines einzelnen neuen Hype-Stils zeichnet sich eine Rückbesinnung ab. Mehr Ausgewogenheit, niedrigere Alkoholwerte, regionale Zutaten und klassische Bieraromen könnten die Biertrends der kommenden Jahre prägen.

Europas Biermarkt in der Krise: Rückgänge, Druck und neue Chancen

Der europäische Biermarkt steht weiterhin unter Druck. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte „European Beer Trends Report 2025“ von The Brewers of Europe deutlich: Produktion, Konsum und Exporte sind bereits das fünfte Jahr in Folge rückläufig. Trotz der tief verwurzelten Bierkultur und jahrhundertelanger Brautradition befindet sich Europas Bierbranche in einer Phase des Umbruchs.

Besonders deutlich wird der Wandel in der Gastronomie. Wurde früher rund ein Drittel des gesamten Bierkonsums in Kneipen, Cafés und Restaurants getrunken, liegt dieser Anteil heute nur noch bei etwa einem Viertel. Zwar wird im Einzelhandel mengenmäßig mehr Bier verkauft, doch die eigentliche Wertschöpfung findet nach wie vor in der Gastronomie statt. Ein geschwächter Außer-Haus-Markt trifft deshalb die gesamte Wertschöpfungskette – von Landwirten über Brauereien bis hin zu Festivals, Tourismus und regionalen Arbeitsplätzen.

Nach Jahren starken Wachstums hat sich zudem die Zahl der Brauereien in der EU stabilisiert. Aktuell gibt es rund 9.700 aktive Betriebe. Das deutet auf eine Verlangsamung der Dynamik hin, die das europäische Brauwesen im vergangenen Jahrzehnt geprägt hat.

Christian Weber, Präsident von The Brewers of Europe, sieht in den aktuellen Zahlen mehr als eine kurzfristige Schwächephase. Das Vertrauen der Verbraucher sei gesunken, gleichzeitig stiegen Kosten und regulatorischer Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Branche bleibe zwar widerstandsfähig und optimistisch, brauche jedoch mehr Stabilität und verlässliche Rahmenbedingungen, um wieder investieren zu können.

Die Bierproduktion in der EU ist seit 2019 von 367 auf 345 Millionen Hektoliter im Jahr 2024 gesunken. Erste Zahlen aus dem Jahr 2025 deuten auf einen weiteren Rückgang hin. Auch die Exporte, lange Zeit ein Ausgleich für schwächere Inlandsmärkte, sind bereits zum zweiten Mal in Folge zurückgegangen.

Als Ursachen nennt der Bericht unter anderem Inflation, hohe Rohstoff- und Energiekosten, gestörte Lieferketten sowie klimabedingte Belastungen für landwirtschaftliche Rohstoffe. Hinzu kommt ein verändertes Konsumverhalten: Bier wird heute bewusster und seltener im sozialen Umfeld konsumiert – ein Trend, der besonders die Gastronomie trifft.

Trotz aller Herausforderungen zeigt sich die Branche weiterhin innovationsfähig. Alkoholfreie Biere bleiben das am schnellsten wachsende Segment. Innerhalb von fünf Jahren ist ihr Absatz um 25 Prozent gestiegen, inzwischen machen sie rund 7,5 Prozent des gesamten Bierkonsums in der EU aus.

Julia Leferman, Generalsekretärin von The Brewers of Europe, betont die Bedeutung eines ausgewogenen regulatorischen Umfelds. Brauereien engagierten sich in den Bereichen Nachhaltigkeit, verantwortungsvoller Konsum und kulturelles Erbe. Damit sie weiterhin zur wirtschaftlichen und kulturellen Vielfalt Europas beitragen können, brauche es jedoch Unterstützung statt zusätzlicher, unverhältnismäßiger Regulierung.

Der Bericht wurde im Rahmen der diesjährigen Veranstaltung „Beer Serves Europe“ in Brüssel vorgestellt. Dort kamen Brauer, Partner aus der Lieferkette sowie politische Entscheidungsträger aus den EU-Institutionen und den Mitgliedstaaten zusammen. Die zentrale Botschaft: Europas Bierbranche steht vor großen Herausforderungen – besitzt aber weiterhin das Potenzial, sich neu zu erfinden und langfristig zu behaupten.