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Das Pils wird 175 Jahre alt

Das Pils oder Pilsener hat die westböhmische Stadt Pilsen berühmt gemacht. Dieser heute meistgetrunkene Bierstil der Welt ist Ergebnis eines bayerisch-böhmischen Know-how-Transfers, der bereits mehr als 200 Jahre vor der Aufnahme Tschechiens in die Europäische Gemeinschaft bestens funktionierte. Denn erfunden wurde das Pilsner, weltweit der Star unter den Bieren, Mitte des vorletzten Jahrhunderts nicht von einem Böhmen, sondern einem waschechten Niederbayern: dem Braumeister Josef Groll, der am 11. November 1842 zum ersten Mal ein von ihm „erfundenes“ Bier ausschenkte, das die Welt des goldgelben Gerstensaftes revolutionierten sollte.

Das Wasser von Pilsen sei besser zu trinken, als das in der Stadt gebraute Bier, hieß es Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Qualität des Biers war so schlecht, dass im Jahr 1838 sogar der Magistrat von Pilsen die öffentliche Vernichtung von 36 Fässern anordnete – eine große Schande für die Bier liebenden Böhmen. Die suchten deshalb nach diesem Vorfall einen kompetenten Berater aus dem damals bereits für sein Bier berühmten Bayern. Angeheuert wurde der 29 Jahre junge Josef Groll. Der Bierbrauer war 1813 in Vilshofen als Sohn eines Brauerei-Besitzers geboren worden. Die familieneigene Brauerei allerdings durfte sein jüngerer Bruder übernehmen, der den elterlichen Betrieb später in die Insolvenz führte.

Und so trug es sich zu, dass Josef Groll 1842 mit einem alten Braurezept seines Vaters in der Tasche und zwei Helfern ins 180 Kilometer entfernte Pilsen reiste. Am 11. November 1842 wurde zum ersten Mal ein Pils ausgeschenkt. Innerhalb weniger Monate schaffte Groll, woran sich zuvor die böhmischen Braumeister erfolglos versucht hatten und erfand den heute meistgetrunkenen Bierstil der Welt. Grolls Leistung war es, bei seiner Brauweise den Hopfen als Aromastoff in den Vordergrund zu rücken, sagen heute Experten.

Zunächst verwendete er statt der bis dahin üblichen obergärigen Bierhefe eine untergärige Hefe. Der Export der Hefe war damals aber verboten. Der Legende nach versteckte Josef Groll die Hefe daher in seinem Spazierstock, um sie über die Grenze zu bringen. Dies ist zwar nicht historisch belegt, aber zumindest als Geschichte ganz nett. Sein entscheidender Einfall aber war der Austausch des damals dunklen gegen helles Malz und er setzte überdurchschnittlich viel Hopfen zu. Das weltberühmte Pilsner mit seiner lichtgelben Farbe und dem edel-bitteren Geschmack war geboren. Wenn Sie heute nach Pilsen reisen, können Sie noch die unterirdischen Eiskeller besichtigen, in denen damals die Biere gelagert wurden. Die Keller, hoch wie ein Kirchenschiff, sollen wirklich beeindruckend sein.

Bis heute entfallen rund zwei Drittel des gesamten deutschen Bierausstoßes von zuletzt rund 95 Millionen Hektolitern pro Jahr auf diese herb-hopfige Gerstensaft-Sorte. Andere Bierstile können von solchen Zahlen nur träumen. Jeder zweite Mann trinkt einmal pro Woche ein Pils, ein Drittel sogar mehrmals wöchentlich. Der seit Jahren sinkende Bier-Pro-Kopf-Konsum von in 2016 rund 104 Litern pro Jahr sichert den Deutschen nach den letzten vorliegenden Vergleichszahlen aus 2015 Platz drei. Ganz vorne: die Tschechen mit 135 Litern pro Kopf, gefolgt mit weitem Abstand von Österreich mit 105 Litern.

Der Erfinder des Pilsners ist bis heute nicht vergessen, weder in seiner Geburtsstadt Vilshofen noch in Pilsen. In Vilshofen erinnert heute eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus an den Braumeister. Die einzige verbliebene Brauerei in Vilshofen hat zu Ehren des Erfinders des Pilsners ein „Josef Groll Pils“ im Sortiment. In Pilsen, der Stadt, die dem Bier den Namen gab, steht der Sudkessel, in dem Groll sein erstes Bier ansetzte. Der kupferne Bottich wird verehrt wie eine Reliquie. Hier hängt auch ein Portrait des legendären Braumeisters. Die Bierstube „Na parkanu“ beim Brauereimuseum in der Pilsner Innenstadt schenkt bis heute Urquell nach der Originalrezeptur aus. Heute werden in der westböhmischen Stadt jährlich rund zehn Millionen Hektoliter „Urquell“ produziert und in 60 Länder der Welt exportiert. Von der Werbeabteilung der Brauerei wird dabei der Vater des Pilsners 175 Jahre nach dem ersten Ausschank noch immer gerne genutzt.

Genussakademie Bayern in Kulmbach eröffnet

Ernährungsminister Helmut Brunner eröffnete heute in Kulmbach die Genussakademie Bayern. Die Akademie ist eine Säule der Premiumstrategie des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF), für die in den nächsten zwei Jahren insgesamt zwei Millionen Euro zur Verfügung stehen. Umgesetzt wird die Strategie durch den Cluster Ernährung am Kompetenzzentrum für Ernährung (KErn).

„Die Genussakademie bietet der Gastronomie und dem Ernährungshandwerk die Möglichkeit, auf Genusskompetenz zu setzen und dem Verbraucher somit einen bewussteren Genuss zu ermöglichen“, erklärt Rainer Prischenk, Leiter des KErn. Der Geschäftsführer des Cluster, Dr. Simon Reitmeier, übernimmt auch die Leitung der Genussakademie, die Bildungs- und Qualifizierungsangebote für Fachkräfte der Ernährungsbranche anbietet.

Ziele der Genussakademie

Die Akademie soll die Wertschätzung für Spezialitäten aus Bayern steigern und regionale Wertschöpfungsketten sowie die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken. Zunächst werden die bestehenden Bildungs- und Qualifizierungsangebote für Wein-, Käse-, Wasser-, Bier-, Gewürz- und Edelbrand-Sommeliers gebündelt sowie weitere Angebote für Brot und Fleisch eingerichtet. Ausgewählte Referenten vermitteln Fachkräften der Lebensmittelbranche in Tagesworkshops oder berufsbegleitenden Sommelier-Kursen zu den jeweiligen Themenkomplexen fundiertes Fachwissen. Die unter dem Dach der Genussakademie gebündelten Sommelier-Kurse werden von der Doemens Academy GmbH, der IHK und dem Cluster Ernährung durchgeführt und – nach erfolgreicher schriftlicher und mündlicher Prüfung – zertifiziert.

Genusswerkstätten: Schwerpunkt auf praktischen Themen

In den ein- bis zweitägigen Genusswerkstätten stehen praxisbezogene Impulsthemen im Vordergrund. Hier lernen die Teilnehmer zum Beispiel unter Anleitung des vielfach ausgezeichneten Kochs Heiko Antoniewicz, wie sich Gemüse nicht als Beilage, sondern als eigenständiges Gericht glamourös in Szene setzen lässt – und was die Technik des Vakuumgarens „Sous-Vide“ und Fermentation damit zu tun haben. Der Koch und Gewürzmüller Ingo Holland erklärt, wie Innereien sich zu Gourmetessen verarbeiten lassen, um nicht nur den Genuss zu zelebrieren, sondern tierische Lebensmittel auch nachhaltig und respektvoll zu nutzen. Beide Kurse finden im September dieses Jahres statt.

Im Food Lab ist Kreativität gefragt

Das „Food Lab“ ist die Kreativeinheit der Genussakademie, in der Teilnehmer aus Wissenschaft, Handwerk und Gastronomie an zukunftsfähigen Methoden und Produkten forschen. In einem späteren Schritt sollen in der Genussakademie Bayern Bildungsangebote für Endverbraucher hinzukommen sowie eine Jugendakademie mit einem speziell auf Kinder und Jugendliche zugeschnittenen Bildungsangebot.

Interessierte können sich direkt auf der Homepage der Genussakademie anmelden: www.genussakademie.bayern. Die einzelnen Schulungen finden im Museumspädagogischen Zentrum am Bayerischen Brauerei- und Bäckereimuseum in Kulmbach und weiteren Lernorten in der Region statt.

Altstadthof Rotbier

Die kleine Hausbrauerei unterhalb der Nürnberger Burg rühmt sich, die erste Brauerei gewesen zu sein, die ausschließlich mit Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau gebraut hat. Ich kann Ihnen versichern, dass die Franken nicht nur bei den Zutaten auf die Auswahl achten, sondern auch beim Personal. Nur so ist die Qualität zu begründen, die mich bei jedem Besuch in Nürnberg wieder in die Brauereigaststätte zieht. Diesmal steht das Rotbier vor mir. Ich weiß nicht, wo dieser Bierstil ursprünglich herkommt. Den Anspruch, Erfinder des Rotbiers zu sein, beanspruchen sowohl die Nürnberger als auch die Hamburger für sich. Die meisten roten Biere gibt es allerdings in Belgien und eine Brauerei in den Niederlanden braut sogar ein rotes Altbier. Aber eigentlich interessiert mich die Geschichte nicht so sehr, sondern mehr die Gegenwart, also das Bier, das jetzt darauf wartet, von mir verkostet zu werden.

Kastanienbraun mit einer sehr voluminösen beigen Schaumkrone zeigt sich das Bier im Glas. Die Schaumkrone bleibt sehr lange erhalten. An der Optik gibt es also schon mal nichts auszusetzen.

Fast noch besser als die Optik ist das komplexe Aroma. Trockenfrüchte paaren sich mit Röstaromen, unterstützt durch den Duft dunkler Schokolade und einem Hauch Vanille. Da bekomme ich richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist recht süß, aber durch die sehr feinperlige Kohlensäure wirklich frisch. Aber erst als sich das Bier im Mund verteilt kommt der Geschmack durch. Das Malz steht deutlich im Vordergrund, Süße und leichte Röstnoten verbinden sich mit einer perfekt ausbalancierten Säure und Fruchtigkeit zu einem vollmundigen weichen Vergnügen, das noch durch eine dezente Bitterkeit ergänzt wird. Der Abgang zeichnet sich durch ein freundliches und mildes Bitter sowie durch einen sehr langen Nachklang aus.

Zu behaupten, dass das Rotbier aus dem Altstadthof das beste Bier ist, das ich bislang getestet habe, wäre vermutlich übertrieben. Aber auf jeden Fall ist es eines der Biere mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Naturhopfen (Hallertauer Tradition, Smaragd), Hefe

Alkoholgehalt:

5,2 % Vol.

Stammwürze:

13,5 %

Bitterwert:

18 IBU

Brauerei:

Hausbrauerei Altstadthof
Bergstr. 19 – 21
90403 Nürnberg
www.hausbrauerei-altstadthof.de

18. 5. – 21. 5. 2017: Maisel’s Weißbierfest in Bayreuth

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Am Donnerstag ist es wieder soweit: Die Brauerei Maisel lädt zum diesjährigen Weißbierfest auf das Brauereigelände ein. Wie jedes Jahr findet das Fest am Wochenende vor Christi Himmelfahrt statt. Und wie man es von einer Brauerei in der Größe von Maisel erwarten kann, sind auch in diesem Jahr etliche Stars engagiert worden, um die Besucher zu unterhalten. Los geht es am Donnerstag um 18:00 Uhr mit der Opening-Party, die von DJ Udo H. moderiert wird. Micky Krause ist als Überraschungsgast eingeladen, auch wenn ich mich frage, wo die Überraschung ist, wenn sie bereits vorher bekannt ist. Jedenfalls soll er das Brauereigelände in den fränkischen Ballermann verwandeln, was ihm auch sicher gelingen wird.

Weiter geht es am Freitag ebenfalls um 18:00 Uhr mit der Cover Night. Baneful Voices, Coversnake und Idolized treten auf. Der Höhepunkt ist aber am Samstag, wenn ab 16:00 Uhr die Rock & Pop Classics die Bude rocken. Los geht es mit den Bursting Pipes. Die meisten Besucher werden aber vermutlich wegen Alphaville und Nena kommen, die anschließend auftreten. Sie sind zwar nicht mehr ganz taufrisch, haben aber immer noch viele Fans.

Der Endspurt findet am Sonntag ab 9:30 Uhr mit Maisel’s FunRun statt. Wenn Sie nun überlegen, ob Sie mitlaufen sollen, können Sie das bereits vergessen. Alle Läufe sind bereits ausgebucht. Lediglich für den Sparkassen-Schülerlauf stehen noch einige Restplätze zur Verfügung. Ab 11:00 Uhr öffnet Maisel erstmals die Kinderspielstraße. Außerdem tritt noch das Bayreuther Akustik-Duo Just Two auf, gefolgt von Maisels Hausband Troglauer.

Alles in Allem klingt das nach einem runden Programm, bei dem die meisten Besucher auf ihre Kosten kommen werden. Dass sowohl für Essen als auch für das Trinken gesorgt sein wird, muss vermutlich nicht weiter erwähnt werden.

28. 4. 2017 und 29. 4. 2017: Bier – das Bamberger Herzblut

Bamberg ist wohl unbestritten die deutsche Bierhauptstadt. Die fränkische Stadt hat zwar nur etwa 73.000 Einwohner, kann aber mit mindestens acht Brauereien auftrumpfen (so viele sind mir jedenfalls bekannt). Aber nicht nur die Anzahl der Brauereien kann sich sehen lassen, sondern auch die Qualität der dort hergestellten Biere. Einige der dort hergestellten Biere finden Sie bei Versendern von Craft Beer. Aber wie ich kürzlich selbst feststellen konnte, würden auch etliche der Biere aus Bamberg, die Sie nur vor Ort genießen können, in einem Craft Beer Store eine wirklich gute Figur machen. In Bamberg gibt es regelmäßig geführte Stadtrundgänge zum Thema Bier. Wandeln Sie auf den Spuren jahrhundertealter Braukunst und lernen Sie die heimliche Hauptstadt des Bieres kennen. Besuchen Sie den Originalschauplatz des Bamberger Bierkrieges, schauen Sie beim Säufermännla vorbei und tauchen Sie bei einer moderierten Bierprobe in die Geschmackswelt des guten Bamberger Bieres ein. Eine Reservierung ist sicher sinnvoll, denn als ich in Bamberg war, habe ich leider keinen der begehrten Plätze mehr ergattern können. Es scheint sich also zu lohnen.

Hier noch einige weitere Termine:

04.05.2017 bis 06.05.2017

11.05.2017 bis 13.05.2017

17.05.2017 bis 20.05.2017

25.05.2017 bis 27.05.2017

01.06.2017 bis 03.06.2017

Bamberger Rauchbier in der Arche des Geschmacks

Dass Slow Food sich für den Erhalt regionaler Lebensmittel einsetzt dürfte wohl allgemein bekannt sein. Nicht gar so bekannt ist das 1996 gestartete internationale Projekt „Arche des Geschmacks“, mit dem Slow Food weltweit rund 4.000 regional wertvolle Lebensmittel, Nutztierarten und Kulturpflanzen vor dem Vergessen und Verschwinden schützen will. Diese „Passagiere“, wie die Schützlinge von Slow Food genannt werden, können unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen am Markt nicht bestehen oder sind „aus der Mode“ gekommen. Mit dem Wissen, dass biologische Vielfalt regionale Wurzeln besitzt, bewahrt die „Arche des Geschmacks“ das kulinarische Erbe der Regionen. Schwerpunkt der Arbeit ist das aktive Sammeln, Beschreiben, Katalogisieren und Bekanntmachen der Passagiere. Das Motto lautet: Essen, was man retten will! Denn: Was nicht gegessen wird, wird nicht nachgefragt, kann also nicht verkauft werden und wird deshalb nicht hergestellt.

Um in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen zu werden, müssen Passagiere folgende Kriterien erfüllen:

• Sie sind in der Existenz bedroht.

• Sie zeichnen sich aus durch einzigartige geschmackliche Qualität.

• Sie haben eine historisch überlieferte Bedeutung.

• Sie besitzen identitätsstiftenden Charakter für eine Region.

• Sie unterstützen die nachhaltige Entwicklung einer Region.

• Sie stammen aus artgerechter Haltung (Tiere).

• Sie sind frei von gentechnischer Veränderung.

• Die Produkte sind käuflich erwerbbar.

Nun wurde auch das Bamberger Rauchbier in die Arche aufgenommen. Es gibt in Bamberg nur noch zwei kleine Brauereien, die das Rauchbier in traditioneller Arbeitsweise herstellen. Immerhin gibt es in der Craft Beer-Szene inzwischen einige Brauereien, die Rauchbiere brauen, aber Bamberg ist halt die Heimat des Rauchbiers und ist dort auch am weitesten verbreitet.

Dabei haben die beiden Brauereien mit etlichen Problemen zu kämpfen. Die Innenstadt von Bamberg ist mit ihren engen Straßen mittelalterlich geprägt. Dadurch sind die Betriebe für Anliefere schwierig zu erreichen und auch der Verkehrsraum ist nicht ausreichend vorhanden. Auch die Emissionen der Rauchdarren werden von der Nachbarschaft zunehmend als Belästigung empfunden.

Bedrohlich für das Bamberger Rauchbier könnte eine weitere Verschiebung der Geschmackspräferenzen der Verbraucher werden. Die modernen milderen Rauchbiere, denen nur geringe Mengen Rauchmalz aus der Herstellung von Handelsmälzereien beigegeben werden, um mit einem Hauch von Rauch ein interessantes Geschmacksprofil zu erreichen, sind seit einigen Jahren auf dem Vormarsch. Es ist nicht auszuschließen, dass in Zukunft der Kreis der Liebhaber des kräftig rauchigen Bieres schrumpft. Auch das könnte eine Gefahr für das traditionelle Bamberger Rauchbier darstellen.

Folgende Zahlen von der Slow Food-Website mögen den Anteil des Rauchbieres an der Biererzeugung in Bamberg verdeutlichen: Um 1820, also vor dem Siegeszug der rauchfreien Malzdarren, waren alle erzeugten 44.000 Hektoliter originales Bamberger Rauchbier. Im Jahr 1935, als erstmals nur noch die Brauereien Schlenkerla und Spezial Rauchbier herstellten, betrug der Rauchbieranteil am Gesamtausstoß von 102.000 Hektolitern grob geschätzt etwa 10.000 Hektoliter, also rund zehn Prozent; sicher bestimmbar ist dieser Anteil nicht mehr. Für das Jahr 2015 finden sich rund 25.000 Hektoliter Rauchbier traditioneller Herstellung unter den 250.000 Hektolitern der Bamberger Gesamterzeugung; das sind ebenfalls 10 Prozent.

Das Bamberger Rauchbier traditioneller Herstellung wird in der Brauereigaststätte Schlenkerla in der Dominikanerstraße und dem Brauereigasthof Spezial in der Oberen Königstraße und auf dem sogenannten Spezialkeller, der seit einigen Jahren ganzjährig betriebenen Gaststätte mit großem Biergarten über dem ehemaligen Lagerkeller der Brauerei Spezial auf dem Oberen Stephansberg ausgeschenkt. Ich werde im April in Bamberg sein und dann selbstverständlich die Gaststätten besuchen und hier im Blog darüber berichten. Bislang habe ich aber noch nichts Negatives über die Bamberger Brauereigaststätten gehört.

Bamberg liegt bekanntlich in Franken und Franken ist die Gegend in Deutschland mit der höchsten Brauereidichte. Das zeigt die Verbundenheit der Franken mit dem Bier, eine Tradition, deren Anfänge bis ins späte 13. Jahrhundert zurückreichen.

Die Herstellung des Rauchmalzes beschreibt Slow Food wie folgt: „Das Trocknen des Malzes über offenem Holzfeuer erfordert besondere bauliche Anlagen und besonderes handwerkliches Geschick. Bamberger Rauchbier traditioneller Herstellungsart wird gebraut wie jedes andere Bier auch. Seine Besonderheit erhält es durch die spezielle Art der Trocknung des Malzes im heißen Rauch des offenen Feuers von Buchenholz (gelegentlich auch Eichenholz), so dass das Räuchern integraler Bestandteil des Trocknungsprozesses ist. Dazu bedarf es spezieller Anlagen, in denen die Abluft des Holzfeuers über Spalten- oder Lochböden unmittelbar in das darüber aufgeschichtete nasse, zu trocknende Malz geleitet wird, dieses Grünmalz durchzieht und dann erst an die Außenluft abgegeben wird. Trocknung und Räucherung geschehen auf diese Weise in ein und demselben Vorgang. Dies ist kennzeichnend für das „Bamberger Rauchbier traditioneller Herstellungsart“. Die Technik des nachträglichen Räucherns von bereits in rauchfreien Darren fertig getrocknetem Malz ist für das „Bamberger Rauchbier traditioneller Herstellungsart“ ausgeschlossen.

Beide Bamberger Rauchbierbrauereien verfügen über eine hauseigene Rauchdarre. Je nachdem, wie sie in aufwändiger handwerklicher Arbeit den Brennvorgang über einen Zeitraum von ca. 18 bis 22 Stunden steuern und rauchfreie Luft zumischen, erhalten sie Malze mit unterschiedlichem Rauchgeschmack, der auch dem Geschmack der Biere deutlich unterschiedlichen Charakter gibt. Die Öfen werden mit großen Holzscheiten geschürt. Im Rauch gedarrt wird ausschließlich Gerstenmalz. Anlagentechnik und Prozesssteuerung der nach wie vor handbefeuerten Rauchdarren gehören zu den gut gehüteten Betriebsgeheimnissen der beiden Bamberger Rauchbierbrauereien.“

Fränkische Brauer setzen auf Regionalität

Dass die Franken besonders stolz sind auf ihr Bier ist ja allgemein bekannt. Und der Stolz ist berechtigt. Nirgendwo in Deutschland ist die Brauereidichte so hoch wie in Franken. Bald jedes Dorf hat seine eigene Brauerei. Das bedingt, dass es sich um handwerklich gebraute Biere handelt. Im Grunde ist Franken ein Craft Beer-Land. Wer einmal durch Franken gereist ist und bei den kleinen Brauereigasthöfen und Biergärten haltgemacht hat, der weiß, wie vielseitig Bier sein kann, auch wenn es nach dem inzwischen 500 Jahre alten Reinheitsgebot gebraut wurde und auch ohne krampfhafte Originalität und Kreativität.

Aber einige Brauereien gehen noch weiter. Sie setzen nicht nur auf handwerkliches Brauen, sondern auch auf Regionalität. Sechs Brauereien im Umkreis von Nürnberg haben sich zusammengeschlossen, um das „10 Kilometer-Bier“ zu brauen. Was heißt das?

Alles Getreide, das für das Brauen der Biere benötigt wird, wächst im Umkreis von zehn Kilometern um die Brauerei. Auch das Mälzen geschieht im Umkreis, unter anderem in der Nähe von Erlangen. Lediglich der Hopfen hat teilweise eine etwas längere Reise hinter sich, aber auch er kommt aus Franken.

Bei dieser Konstellation gibt es eigentlich nur Gewinner. Für die Bauern lohnt sich der Anbau von Braugerste wieder. Die Anbaufläche für die Gerste ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen, weil der Anbau für die Bauern unwirtschaftlich geworden war. Die Mälzerei hat sichere Abnehmer und kann Arbeitsplätze erhalten. Die Brauer kennen die Malzfabrik und können dort ihre Wünsche äußern und letztendlich bekommt der Konsument ein regionales und individuelles Bier. Und Vielfalt auch beim Bier ist auch ein Stück Lebensqualität. Da sind wir uns doch wohl einig.

Dabei bemüht sich die Initiative, möglichst unbürokratisch zu bleiben. „Wir wollen keinen Zertifizierungs- und Bürokratiewahn wie bei der Gentechnikfreiheit oder Tierwohl-Siegeln, sondern dass jeder Cent, den die Brauer für die Rohstoffe ausgeben, bei den Bauern ankommt“, sagt Günther Felßner, Präsident des Bayerischen Bauernverbands Mittelfranken und Landwirt aus Günthersbühl gegenüber inFranken.de. Ich meine, dass diese unbürokratische Haltung nur in kleinen Initiativen möglich ist, in denen sich die Mitglieder persönlich kennen und kontrollieren.

Dabei haben es kleine Brauereien nicht leicht am Markt. Die Idee: Die Brauer kaufen die Gerste aus der Region für einen Preis, der über dem aktuellen Marktwert liegt – laut Felßner durchschnittlich 20 Prozent mehr – und werten damit ihr eigenes Produkt auf. Regionalität als Qualitätssiegel. Der Preis für das Bier dabei aber ist nicht gestiegen. Trotz der höheren Kosten im Einkauf ist Friedrich Vogel überzeugt, dass sich das Konzept für ihn und die anderen Brauereien lohnt. Denn dass Regionalität wieder wichtiger wird, spürt er auch bei seinen Kunden. Der Preis für sein Bier sei unterm Strich nicht gestiegen. Nur auf Sonderangebote und andere Aktionen müssen seine Kunden eben verzichten.

Übrigens: Sogar das beim Brauen entstehende Abfallprodukt, der Bier-Treber, wird vor Ort verwertet. Den holt Bauer Günther Felßner in Friedrich Vogels Brauerei wieder ab und verfüttert ihn an seine Milchkühe. Das regionale, eiweißhaltige Schmankerl mögen sie lieber als Soja aus Südamerika, sagt der Landwirt.

Ganz neu ist das 10 Kilometer-Bier nicht. Bereits im Jahr 2011 haben drei Brauereien aus dem Nürnberger Land die Initiative ins Leben gerufen. Die Brauereien Bub aus Leinburg, Kanone aus Schnaittach und Wiethaler aus Neunhof entschlossen sich damals, Bier aus Malz zu brauen, das im Umkreis von maximal 10 Kilometern um die Brauerei angebaut wurde. Der verwendete Hopfen kommt aus der Hersbrucker Gegend und komplettiert den Gedanken, Regionalität sehr eng zu fassen.

In der Zwischenzeit haben sich drei weitere Brauereien angeschlossen: Dreykorn aus Lauf, Linden-Bräu aus Gräfenberg und Döbler aus Bad Windsheim. Neben den Brauereien sind, so berichtet der BBV-Kreisverband Nürnberger Land, zwölf Landwirte und zwei Mälzereien (Bergler und Klostermalz) in das Projekt involviert.

23. – 24. April 2016: Bamberger Biertage

Im 19. Jahrhundert gab es in Bamberg noch 65 Brauereien und auch heute noch wird noch in neun zumeist mittelständischen Brauereien Bier gebraut. Die Besucher können dabei am Bamberger Maxplatz die unterschiedlichsten Biersorten der Bamberger Privatbrauereien vergleichen und genießen. Egal ob Ungespundenes, Pils, Rauchbier oder Weißbier – hier gibt es (fast) alles, was das Herz eines Biergenießers sich nur wünschen kann.

Doppelbock-Gelee

Heute teste ich mal wieder etwas Süßes, ein Doppelbock-Gelee aus der kleinsten Brauerei Deutschlands. Gekauft habe ich dieses Gelee auf dem Hauptmarkt in Nürnberg, wo der Brauer, der alleine arbeitet, seine Produkte den Konsumenten direkt anbietet.
Die Farbe stammt vom Bier, wurden keinerlei Farbstoffe zugesetzt. Der Duft wird hauptsächlich durch das Malz bestimmt, allerdings ahnt bereits die Nase, dass es sich um ein recht süßes Produkt handelt. Aber das ist für ein Gelee weder ungewöhnlich noch ist es ein Fehler. Der Geschmack bestätigt, was die Nase bereits ankündigte: das Gelee ist wirklich sehr süß. Auch wenn das Herbe des Bieres deutlich durchkommt, wäre dieses Gelee vermutlich mit etwas weniger Zucker noch schmackhafter. Aber das ist eine Frage der persönlichen Vorlieben.
Wenn Sie einmal auf den Hauptmarkt von Nürnberg kommen, sollten Sie nicht versäumen, sich ein Glas dieses Produkts mitzunehmen. Es lohnt sich.
Zutaten:
Doppelbock
Gelierzucker (Zucker, Zitronensäure, Pektin)
Hersteller:
Red Castle Brew
90562 Heroldsberg

Update vom 2. März 2017: Die Website der Brauerei ist leider nicht mehr erreichbar. Vermutlich gibt es die Brauerei nicht mehr.

Himbeer-Rotbier Konfitüre

Heute habe ich eine Rotbier-Konfitüre mit Himbeeren aus der kleinsten Brauerei Deutschlands vor mir stehen. Die kleinste Brauerei? Ja, es handelt sich um ein Ein-Mann-Unternehmen. Eventuell gibt es ja noch mehr Brauereien in dieser Größe, aber kleiner geht einfach nicht mehr. Der Brauer macht alles allein – vom Einkauf der Zutaten über das Brauen bis hin zum Vertrieb auf dem Hauptmarkt in Nürnberg. Dort habe ich ihn kennengelernt.

Rotbier ist eine milde Bierspezialität, die hauptsächlich in Nürnberg und Belgien gebraut wird. Aus anderen Gegenden sind mir nur einige Brauer von Craft Bier bekannt, die sich mit dieser Biersorte beschäftigen. So kommt auch Red Castle Brew, von wo diese Konfitüre stammt, aus dem Raum Nürnberg. Die rote Farbe kommt vom Malz, das stärker geröstet wird als die Malzsorten für helles Bier, aber nicht so stark wie Malz für Schwarzbier. Auch beim Schwarzbier sehen Sie die rote Farbe noch, wenn Sie ein Glas Schwarzbier gegen das Licht halten.

Die Hauptzutat der vor mir stehenden Konfitüre ist das Rotbier, auch wenn es im Namen erst an zweiter Stelle kommt. Der intensive Duft wird durch die Himbeeren bestimmt, der Malzduft wird dadurch überlagert und den Duft des Hopfens kann ich eher ahnen als riechen. Die Farbe ist ein intensives Rot. Der Geschmack der Konfitüre ist sehr fruchtig nach Himbeeren, aber mit einem aparten herben Beigeschmack, der vom Rotbier kommt. Wenn Sie einmal auf den Hauptmarkt von Nürnberg kommen, sollten Sie nicht versäumen, sich ein Glas dieses Produkts mitzunehmen. Es lohnt sich.

Zutaten:
Rotbier
Himbeeren
Gelierzucker
Bierlikör

Hersteller:
Red Castle Brew
90562 Heroldsberg
http://www.red-castle-brew.de/