Schlagwort-Archiv: Franken

Das Ergebnis des vierten Hobbybrauerwettbewerbs von Maisel & Friends und BrauBeviale steht fest

Der Gewinner des vierten Hobbybrauerwettbewerbs von Maisel & Friends und BrauBeviale heißt Fernando Coppi. Sein „Tropical Coast“ hat sich in der Juryverkostung gegen 160 andere West Coast IPAs durchgesetzt. Seit 2018 richtet die BrauBeviale gemeinsam mit Maisel & Friends den Hobbybrauerwettbewerb aus. Seit seiner Gründung hat er enorm an Bedeutung und Zuspruch gewonnen.

Anders als in den Vorjahren fand der Hobbybrauerwettbewerb 2021 aufgrund von Corona nicht im Rahmen der HOME BREW Bayreuth statt. Die Veranstalter Maisel & Friends und BrauBeviale mussten zwar das beliebte Heimbrauerevent absagen, doch der Hobbybrauerwettbewerb wurde trotzdem durchgeführt. Seit Beginn des Wettbewerbs haben sich die Teilnehmerzahlen Jahr für Jahr gesteigert und 2021 konnten die Organisatoren einen absoluten Rekord aufstellen. Waren es 2020 noch 66 Anmeldungen, haben 2021 Hobby- und Heimbrauer aus nah und fern 160 Biere zum Wettbewerbsthema „West Coast IPA“ eingereicht.

Großes Interesse – logistische Herausforderung

Maisel & Friends Biersommelier Michael König organisierte die Juryverkostung von insgesamt 13 Juroren, bestehend aus Braumeistern, Biersommeliers und Vertretern der Fachpresse. Mit dabei war auch Andrea Kalrait, Executive Director BrauBeviale bei der NürnbergMesse. „Diese hohe Zahl an teilnehmenden Hobbybrauern freut uns natürlich enorm, denn sie zeigt, dass unser Wettbewerb sehr bekannt und beliebt ist,“ so König. „Auf der anderen Seite haben die vielen Einreichungen sowie die durch Corona verschärften Hygiene- und Sicherheitsstandards zu einer logistischen Herausforderung geführt, die wir mit Unterstützung eines starken Teams jedoch gut lösen konnten.“ An drei Verkostertischen wurden am Samstag, 8. Mai 2021 jeweils ca. 55 Biere nach Optik, Geruch, Geschmack, Bittere, Rezenz und persönlichem Eindruck beurteilt und bepunktet. Die besten zehn Biere kamen in eine Finalrunde und wurden von allen Jurymitgliedern nochmals verkostet. Nach einer intensiven Diskussion wurden die Top drei ermittelt.

Die Siegerehrung findet digital statt

Da in diesem Jahr keine HOME BREW mit Anwesenheit der Hobbybrauer stattfinden konnte, hat Michael König die drei Erstplatzierten vorab zuhause überrascht und die Preisübergabe in einem Gewinnerfilm festgehalten, der am 5. Juni 2021 via Maisel & Friends Facebook und YouTube veröffentlicht wurde und dort sowie auf myBeviale.com auch weiterhin angeschaut werden kann.

Der Gewinner des vierten Hobbybrauerwettbewerbs von Maisel & Friends und BrauBeviale heißt Fernando Coppi. Sein „Tropical Coast“ hat sich in der Juryverkostung gegen 160 andere West Coast IPAs durchgesetzt. Der 33-jährige gebürtige Brasilianer lebt in Berlin und braut seit drei Jahren Bier Zuhause. Er ist überglücklich, dass er den ersten Platz erreicht hat und hätte damit nie gerechnet. Seine Kreation enthält 6,4 Volumenprozent Alkohol, 56 Bittereinheiten und 14° Plato Stammwürze. Andrea Kalrait fasst die Entscheidung der Jury zusammen: „Viele der eingereichten West Coast IPAs waren sehr gut gebraut, so dass uns die Entscheidung nicht leichtgefallen ist. Schlussendlich hat uns das Tropical Coast von Fernando Coppi überzeugt, weil es einen außergewöhnlichen tropisch-fruchtigen Touch hat.“ Der Gewinner hat sein Bier neben den Hopfensorten Citra und Simcoe auch mit Idaho 7 gebraut, der für die tropische Note verantwortlich ist.

Im September wird Fernando Coppi nach Bayreuth kommen, um gemeinsam mit dem Team von Maisel & Friends sein Bier im 25 Hektoliter-Sudhaus nachzubrauen und bei der Etikettengestaltung mitzuwirken. Als Gewinn bekommt er eine Palette seines Tropical Coast nach Hause geliefert und darf seine Kreation im Herbst auf myBeviale.com der interessierten Getränke-Community präsentieren. Das streng limitierte Bier wird dann über den Onlineshop von Maisel & Friends käuflich zu erwerben sein.

Weiherer – Weizen Alkoholfrei

Die Brauerei Kundmüller aus Weiher wurde im Jahr 2020 von Meininger zu den Craft-Brauern des Jahres gekürt. Mit ihrem breit gefächerten Sortiment raffinierter Craftbiere haben sie diese Auszeichnung redlich verdient. Doch die fränkischen Brauer können nicht nur modernes Craftbier, auch die Klassiker aus dem Hause Kundmüller sind echte Bierspezialitäten.

Mittlerweile hat die Brauerei ihr Angebot um eine Auswahl alkoholfreier Biere ergänzt. Besonders beliebt ist das alkoholfreie Weizenbier, das jetzt vor mir steht und auf seine Verkostung wartet.

Hell bernsteinfarben und hefetrüb läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine durchschnittlich große und feste Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Gegen die Optik dieses Bieres ist wirklich nichts zu sagen.

Düfte nach Banane und Mandarine steigen mir in die Nase und aus dem Hintergrund macht sich auch ein leichter Biskuitteigduft der Hefe bemerkbar. Damit ist das Aroma absolut stiltypisch.

Der Antrunk ist leicht süß und durch die feinperlige Kohlensäure angenehm frisch. Von Anfang an schmecke ich die Fruchtigkeit nach Zitrusfrüchten, der Geschmack ist deutlich, aber nicht aufdringlich. Auf der Zunge kommt der Geschmack nach Banane in den Vordergrund, abgerundet durch einen Mandarinengeschmack. Obwohl das Bier nur sehr wenig Bitterstoffe enthält, ist das Mundgefühl recht voll und rund, vor allem, wenn ich bedenke, dass ich hier ein alkoholfreies Bier vor mir habe. Der Abgang ist sehr schlank und praktisch ohne Nachklang.

Das Bier hat sehr gut angefangen und die Top-Qualität auch lange gehalten. Leider fällt es im Abgang wirklich ab; sonst wäre es ein Top-Weizenbier unter den alkoholfreien.

Zutaten:

Wasser, Weizenmalz, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe, Gärungskohlensäure

Alkoholgehalt:

< 0,5 % Vol.

Brauerei:

Brauerei-Gasthof Kundmüller GmbH
Weiher 13
96191 Viereth-Trunstadt
www.brauerei-kundmueller.de

Löwenbräu – 1747 Dunkles

Häufig wird der Begriff „der ewige Zweite“ als etwas abwertend angesehen. Jetzt habe ich einen „ewigen Zweiten“ vor mir stehen, „1747 Dunkles“ genannt, aus der Brauerei Zum Löwenbräu aus Adelsdorf in Franken. In diesem Fall ist aber alle Abwertung oder Häme fehl am Platze, denn dieses Bier wurde viermal in Folge Silbermedaillengewinner beim European Beer Star und zusätzlich im Jahr 2017 ebenfalls mit der Silbermedaille bei Meiningers International Craft Beer Award ausgezeichnet. Insbesondere die Preise beim European Beer Star sind etwas besonderes, denn dort wird je Kategorie jeweils nur eine Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille verliehen.

Kupferfarben läuft das Bier ins Glas und bildet dabei eine sahnige elfenbeinfarbene Schaumkrone, die sehr lange erhalten bleibt. Die Optik dieses Dunklen ist durchaus in der Lage, mich zu begeistern.

Wie erwartet dominieren die Röststoffe das Aroma, aber auch Düfte nach Brotkruste sowie eine leichte Fruchtsüße steigen mir in die Nase.

Der Antrunk ist weniger süß als ich erwartet hätte, dafür frisch mit einer sehr feinperligen Kohlensäure. Auf der Zunge wird die Süße langsam etwas kräftiger und der Geschmack dunkler Schokolade gesellt sich dazu. Bitterstoffe sind nur sehr diskret zu schmecken. Das Mundgefühl ist angenehm weich. Auch im Abgang sind die Bitterstoffe zurückhaltend, aber sie klingen überraschend lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,0 % Vol.

Stammwürze:

12,5° Plato

Brauerei:

Zum Löwenbräu
Neuhauser Hauptstr. 3
91325 Adelsdorf
www.brauerei-zum-loewenbraeu.de

 

Maisel & Friends – Artbeer #3 Hera

Jetzt stellt die Brauerei Maisel & Friends die dritte Edition ihres Artbeers vor, die in Zusammenarbeit mit Streetartkünstlerin Hera entstanden ist. Aber das ist noch nicht alles. Diese Edition ist meines Wissens das erste Sauerbier, das aus dieser fränkischen Brauerei stammt. Wenig überraschend war es Hera, die das Etikett mit dem ausdrucksstarken Frauengesicht entworfen hat, das mich jetzt neugierig macht auf den Inhalt der Flasche.

Golden und leicht opalisierend präsentiert sich das Bier im Glas. Der feinperlige Schaum ist durchschnittlich voluminös und bleibt lange erhalten.

Ein ganzer tropischer Obstsalat steigt mir in die Nase. Der Duft nach Orangen und Zitrusschalen sorgt für eine fruchtige Säure, der Mangoduft bringt eine angenehme Süße mit, und abgerundet wird das Aroma durch die Karamellnoten des Malzes. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk ist frisch und spritzig. Eine leichte Süße steht anfangs im Vordergrund, die Säure entwickelt sich erst auf der Zunge. Aber auch dort dominiert die Fruchtigkeit. Ich schmecke Orange und Grapefruit. Abgerundet wird der Geschmack durch die Karamellnoten des Malzes sowie durch weitere fruchtige Nuancen des Malzes. Auch der Abgang ist fruchtig, wobei der Geschmack nach Grapefruit mehr in den Vordergrund tritt. Dabei entwickelt sich auch ein freundliches Bitter mit langem Nachklang.

Das Artbier #3 ist ein Sauerbier für Einsteiger. Die Säure ist unaufdringlich und angenehm. Endlich ein Sauerbier, das einfach zu trinken ist. Und wie bei allen Sondersuden von Maisel & Friends gilt auch hier: Schnell bestellen, denn wenn das Bier weg ist, dann ist es weg.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz (Pilsener Malz, Karamellmalz), Weizenmalz, Hopfen (Sorachi, Ace Mosaic, Citra, Callista, Ariana), Hefe

Alkoholgehalt:

6,9 % Vol.

Bittereinheiten:

23 IBU

Empfohlene Genusstemperatur:

6° – 8° Celsius

Brauerei:

Gebr. Maisel KG
Hindenburgstr. 9
95445 Bayreuth
www.maiselandfriends.com

Libertus – Frankonian Dark

Frankonian Dark ist ein dunkles Lagerbier mit 5,3% Alkoholgehalt aus dem Hause Libertus Craft Brewing. Da ich Libertus an anderer Stelle bereits vorgestellt habe, werde ich ohne lange Vorrede jetzt sofort die Flasche öffnen und das Bier einschenken.

In einem dunklen Mahagoniton fließt das Bier ins Glas und bildet dabei wenig elfenbeinfarbenen gemischtporigen Schaum, der recht schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma verwöhnt mich mit dem Duft nach dunkler Schokolade, nach getrockneten Früchten und Sirup.

Der Antrunk ist durch die reichlich vorhandene Kohlensäure spritzig und überraschend süß. Ansonsten bestätigt er die Erwartungen, die das Bier in der Nase erweckt hat, indem mir eine ganze Palette Geschmacksnuancen des Malzes geboten wird. Das Mundgefühl ist weich und schlank. Erst im Abgang kommt der Hopfen auch zu seinem Recht und steuert eine moderate Bitterkeit bei, die lange nachklingt.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol.

Stammwürze:

14° Plato

Bittereinheiten:

22 IBU

Brauerei:

Libertus Craft Brewing
Am Hahn 3
97762 Untererthal
www.libertus.beer

Weiherer Rauch

Am Rauchbier scheiden sich bekanntlich die Geister. Die einen können nicht genug davon bekommen, die anderen scheuen diesen Bierstil wie der Teufel das Weihwasser. Aber trotzdem: jede fränkische Brauerei, die etwas auf sich hält, muss ein Rauchbier im Programm haben. So auch die Brauerei Kundmüller aus Viereth-Trunstadt. Zusätzlich ist das Bier auch noch umweltfreundlich gebraut worden, denn es wurde als Solarbier anerkannt. Beeindruckend sind aber auch die Auszeichnungen, die Kundmüller mit diesem Bier eingeheimst hat:

  • International Craft Beer Award Gold 2019
  • International Craft Beer Award Gold 2018
  • Gold beim Craft Beer Award 2015
  • selection Gold-2015
  • European Beer Star in Bronze 2014
  • World Beer Cup Silber 2014
  • European Beer Star in Gold 2012
  • Consumers‘ Favorite 2012 in Bronze
  • European Beer Star in Bronze 2010
  • European Beer Star in Silber 2006

Eigentlich kann bei dieser Galerie der Auszeichnungen auch mit meiner Verkostung nichts mehr schieflaufen, oder?

Intensiv golden und gefiltert fließt das Bier ins Glas. Bereits während des Einschenkens steigt mir der typische Rauchbierduft in die Nase. Mir gefällt, dass die durchschnittlich große feinporige Schaumkrone lange erhalten bleibt.

Düfte nach geräuchertem Schinken steigen mir in die Nase, dazu kommen aus dem Hintergrund Aromen nach Brotkrume sowie einige würzige Noten. Ich glaube, dieses Bier hat seine Auszeichnungen zurecht erhalten.

Der Antrunk ist für ein Rauchbier überraschend süß, dabei auch frisch. Auf der Zunge drängt sich der Rauchgeschmack nicht in den Vordergrund sondern er passt sich dem Malzkörper mit seinem leichten Karamellton und den würzigen Hopfennoten an. Dieses Konzert der Geschmäcker kann mich wirklich begeistern. Das Mundgefühl ist voll und rund. Der Abgang ist würzig und rauchtig mit wenigen Bitterstoffen. Der Geschmack klingt durchschnittlich lange nach. Dieses Bier dürfte auch Konsumenten überzeugen, die sonst die Finger von Rauchbier lassen.

Ich kann mir zu diesem Bier einen Wildbraten vorstellen, ein anderes Gericht, bei dem Wacholder eine Rolle spielt oder auch einfach eine fränkische Brotzeit.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

5,3 % Vol

Stammwürze:

13° Plato

Brauerei:

Brauerei-Gasthof Kundmüller GmbH
Weiher 13
96191 Viereth-Trunstadt
www.brauerei-kundmueller.de

Binkert – Porter

Unter dem Motto „Wir lieben Bier“ braut das Team des Brauhauses Binkert das allseits beliebte Mainseidla. Ein Bier, das regionaler nicht sein könnte. Anlässlich der 1200-Jahr-Feier der beschaulichen Gemeinde Breitengüßbach bei Bamberg wurde 2010 das Brauhaus Binkert gegründet. Binkerts Biere sind zeitgenössische Interpretationen und punkten mit vielfältigen Aromen und hochwertigen Zutaten. Der eigentlichen Plan, Craftbiere zu brauen, bekam erst einmal ordentlich Gegenwind von den Lokalgrößen Breitengüßbachs. Man war sich sicher, dass die Bevölkerung den Bieren der Craftbier Bewegung noch nicht gewachsen war. Jörg Binkert, Gründer der Brauerei und Chefbrauer, reagierte diplomatisch und startete langsam. Er eroberte die Region im Sturm und war bereits nach kurzer Zeit so beliebt, dass die Kunden ihm vertrauten. So weit, dass er ihnen irgendwann quasi unbemerkt Craftbier vorsetzen konnte und mit Begeisterung belohnt wurde.

Das Mainsaidla Porter präsentiert sich in einem portertypischen tiefdunklen Mahagoniton. Ein feinporiger, haselnussbrauner Schaum, der sehr standfest ist, krönt das Bier. Mehr kann ich von der Optik eines Porter nicht erwarten.

Düfte nach frisch gemahlenem Espresso und gerösteten Nüssen steigen mir in die Nase, abgerundet durch den Duft von Karamell und Schokolade. Das macht richtig Lust auf den ersten Schluck.

Der Antrunk verrät eine leichte Süße, verbunden mit einer sehr angenehmen Kohlensäure. Dazu kommen schnell die Kaffeenoten zusammen mit einem passenden Bitter. Das Karamellaroma steuert die Süße bei. Die Aromenkomposition wird durch etwas Vanillearoma sowie den diskreten Duft getrockneter Früchte vervollständigt. Das Mundgefühl ist voll und überraschend schwer. Im Abgang gewinnt das Bitter noch einmal an Kraft und die Aromen nach Mokka und dunkler Schokolade klingen lange nach.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Röstmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt.

5,3 % Vol.

Brauerei:

Brauhaus Binkert GmbH & Co. KG
Westring 5
96149 Beitengüssbach
www.Mainseidla.de

Veldensteiner – Frühjahrs Märzen

Niedersachsen ist für seine Maiböcke bekannt, aus Franken kommt ein Frühjahrs Märzen. Und dafür gibt es auch einen Grund, den Wikipedia so erklärt: „In der bayerischen Brauordnung von 1539 und per Dekret durch Albrecht V. von 1553 wurde festgelegt, dass nur zwischen Michaeli (29. September) und Georgi (23. April) gebraut werden durfte. In den fünf Monaten danach war das Bierbrauen verboten. Grund war die in den Sommermonaten erhöhte Brandgefahr beim Biersieden. Hinzu kam, dass die Herstellung des in Bayern beliebten untergärigen Biers Temperaturen von unter zehn Grad erfordert.

Um bis zur nächsten Brausaison nicht ohne Bier zu sein, braute man im März ein besonderes, haltbares Bier. Dies erreichte man durch Erhöhung des Gehalts an Stammwürze und Alkohol und durch stärkere Hopfung. Es wurde in tiefen Felsenkellern gelagert. Wenn möglich, wurden diese mit Natureis bestückt. Diese Eisblöcke wurden meist aus nahe gelegenen Flüssen oder dem brauereieigenen Teich entnommen. Um den Keller und seinen Zugang vor starker Sonneneinstrahlung zu schützen, pflanzte man die Rosskastanie darüber, die dank ihrer großen Blätter reichlich Schatten spendete, mit ihren flachen Wurzeln jedoch keine Gefahr für die Kellerdecke darstellte. Eher beiläufig entwickelte sich so aus dem jeweiligen Brauereiausschank mit der Zeit der heute typische bayerische Biergarten bzw. der fränkische Bierkeller, zu dessen vertrauter Optik noch heute schattige Kastanienbäume gehören.“ Dann will ich jetzt mal hoffen, dass mir das Bier gefällt, ich öffne die Flasche und schenke mir ein.

Bernsteinfarben präsentiert sich das Bier im Glas, darüber eine durchschnittlich große sahnige Schaumkrone, die durchschnittlich schnell in sich zusammenfällt.

Das Aroma ist stiltypisch malzbetont mit Düften nach Karamell und Brotkrume, dazu ein Hauch Fruchtigkeit, die an reife Äpfel erinnert. So soll ein Märzen sein.

Der Antrunk ist recht süß und erinnert mich sofort an Karamell. Dazu kommt eine sehr feinperlige Kohlensäure. Auf der Zunge entwickelt sich ein angenehmes Bitter, die sich mit einer leichten Fruchtigkeit paart. Der Alkohol schmeckt leicht durch. Das Mundgefühl ist rund und leicht. Im Abgang wird das Märzen etwas trockener, auch das Bitter wird etwas schwächer und klingt durchschnittlich lange nach.

Das Veldensteiner Frühjahrs Märzen ist angenehm zu trinken, ganz ohne Ecken und Kanten, aber auch ohne Überraschungen.

Zutaten:

Zutaten: Wasser, Gerstenmalz, Hopfen

Alkoholgehalt:

5,6 % vol.

Stammwürze:

13,2° Plato

Brauerei:

Kaiser Bräu GmbH & Co. KG
Oberer Markt 1
91284 Neuhaus
www.veldensteiner.de

Bamberger Heinzlein Helles

Die Brauerei Hellerbräu aus Bamberg werde ich nicht vorstellen. Das macht sie besser selber im Interview mit Slowfood. Die Besonderheit des Hellen, das jetzt vor mir steht, ist nicht nur, dass es nach einem alten Familienrezept gebraut wurde, sondern dass es nur 0,9 Volumenprozent Alkohol enthält.

Braumeister Matthias Trum ist eine wahre Bamberger Legende. Er ist der Chef des Hellerbräus, das das bekannteste aller Bamberger Biere braut. Das Schlenkerla ist eine Bamberger Institution und wird auf der ganzen Welt getrunken. Über das Heinzlein erzählt er folgendes: „Für das Heinzlein verwenden wir feinsten Aromahopfen aus Spalt bei Nürnberg. Nach uraltem Brauverfahren kommt davon extra viel zum Einsatz. Kein Wunder also, dass das helle Heinzlein besonders hopfig und voll schmeckt. Die goldene Farbe ist ein Augenschmaus und erfrischt auf den ersten Blick. Das helle Heinzlein ist ein unfiltriertes und damit gewollt naturtrübes, helles Bier mit niedrigem Stammwürzegehalt. Unkompliziert, geschmackvoll und leicht – wie ein Sommertag in Bamberg.“ Dass ein Sommertag in Bamberg etwas Besonderes ist, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Ob das Heinzlein Helles da mithalten kann, will ich jetzt herausfinden.

Die Wurzeln des Heinzleins liegen in einer Zeit, in der es wesentlich sicherer war Bier zu trinken, anstatt zum oftmals gefährlich verschmutzten Wasser zu greifen. Das fast alkoholfreie Heinzlein stillte den Durst der arbeitenden Bevölkerung und wurde auch Kindern kredenzt. Das wird heute aus gutem Grund nicht mehr gemacht, für alle anderen kann das Heinzlein eine gute Alternative zu alkoholhaltigeren Bieren sein.

In sehr hellem Gold und opalisierend strahlt mir das Heinzlein aus dem Glas entgegen. Die durchschnittlich große feinporige Schaumkrone bleibt lange erhalten. An der Optik lässt sich nun wirklich nichts aussetzen.

Das Bier duftet nach Karamell und Brotkruste, dazu kommen neben grasigen Noten und Zitrusduft auch deutliche würzige Noten des verwendeten Spalter Hopfens.

Der Antrunk ist frisch und spritzig. Auf der Zunge kommt das Bitter in den Vordergrund. Auch wenn der Körper eher schlank ist, wirkt das Bier nicht wässrig und es bleibt süffig. Beinahe kann ich vergessen, dass ich es hier mit einem Lightbier mit weniger als einem Volumenprozent Alkohol zu tun habe. Im Abgang wird das Bitter milder und der Geschmack klingt tatsächlich durchschnittlich lange nach.

Das Heinzlein ist ein Bier, das mich staunen lässt. Fast alkoholfrei und doch sehr gut zu trinken.

Zutaten:

Brauwasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

0,9 % Vol.

Stammwürze:

3 ° Plato

Brauerei:

Heller-Bräu Trum GmbH
Dominikanerstraße 6
96049 Bamberg
www.heinzlein.de

 

Libertus – Böhmischer Traum

Nun steht „Böhmischer Traum“ vor mir, ein Pilsener nach böhmischer Brauart. Dieser Bierstil ist in Deutschland selten, auch wenn ich nicht so genau weiß, weshalb das so ist. Das böhmische Pilsener ist vollmundiger als das deutsche, weist aber auch weniger Hopfenbitter auf. Außerdem ist beim Pils aus Bühmen eine gringe Menge Diacetyl im Bier erlaubt, was beim deutschen Pils als Fehler gilt. Das Diacetyl sorgt für einen buttrig-sahnigen Geruch und Geschmack. Trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb machen die Pilsener Biere aus Böhmen einen ausgewogenen Eindruck.

Rotgolden und gefiltert strahlt mir das Bier aus dem Glas entgegen. Darüber prangt eine stabile sahnige Schaumkrone. Die Optik gefällt mir schon mal sehr gut.

Das Aroma ist malzbetont nach Karamell. Der Hopfen hält sich diskret im Hintergrund, bringt aber einen würzigen und leicht buttrigen Ton ins Aroma.

Der Antrunk ist für ein Pilsener Bier recht süß, was aber durch die reichlich vorhandene Kohlensäure ausgeglichen wird. Auf der Zunge erscheint zusätzlich ein geringes freundliches Bitter, das sich mit der Süße, die an Honig erinnert, gut vereint. Das Mundgefühl ist voll und weich, fast samtig. Im Abgang lässt die süße nach und das Bitter wird kräftiger. Dazu kommt ein Kräutergeschmack, der lange nachklingt.

Der Böhmische Traum von Libertus Craft Brewing ist ein ungewöhnliches Pils und absolut empfehlenswert für alle, die auf unkonventionelles Pils stehen.

Zutaten:

Wasser, Gerstenmalz, Hopfen, Hefe

Alkoholgehalt:

4,8 % Vol

Stammwürze:

13 ° Plato

Bittereinheiten:

35 IBU

Brauerei:

Libertus Craft Brewing UG
Am Hahn 3,
97762 Untererthal
www.libertus.beer